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  • Meine Haare und ich

    Meine Haare und ich

    Meine Haare und ich teilen uns eine gemeinsame Vorliebe für Selbstbestimmung und Minimalismus. Als Susanne Lins in ihrer Blogparade fragte, was meine Frisuren-Historie prägte, war sie sofort auf meiner Entwurfsliste.

    Ich habe tatsächlich kein Vorbild. Oft gefällt mir die Art, wie andere Menschen ihre Haare tragen, allerdings weiß ich, dass ihre Frisuren mit meinen Haaren ganz anders aussehen oder sogar überhaupt nicht funktionieren würden.

    Einige meiner Haarschnitte und Maßnahmen an meinen Haaren habe ich nicht selbst beschlossen. Manches sehe ich im Nachhinein als aufgeschnackt an. Das Gute ist ja, dass sie immer wieder nachwachsen, aber es ist schon erstaunlich, wie emotional das Thema Haare ist und wie unangenehm mir manche Frisiersalonbesuche in Erinnerung sind.

    Es war spannend, unter diesem Stichwort in meiner Photokiste zu suchen. Bei manchen Frisuren ist es gleichermaßen schade wie auch ein Segen, dass nicht immer zu jeder Zeit ein Smartphone mit Kamera verfügbar war 😉

    Seit ein paar Jahren haben meine Haare und ich jedenfalls ein Miteinander gefunden, das für uns beide funktioniert. Und das von Trends und Tipps von außen unabhängig ist.

    Meine Haare in der Vergangenheit

    Farbe

    mein e Haare: ein Photo aus den siebziger Jahren zeigt ein etwa vierjähriges blondes Mädchen auf einem Spielplatzkarussell

    Als ich noch klein war, waren meine Haare blond. Bei meiner Einschulung hatten sie dann allerdings schon ungefähr diesen Mix aus allen menschenmöglichen Haarfarben.

    In größeren Zeitabständen habe ich mit Henna nachgeholfen. Farblich und von der Haargesundheit her war das super. Allerdings habe ich nie eine andere Person gefunden, die mir regelmäßig den heißen Kräutermatsch auf dem Kopf verteilen wollte, also habe ich das immer selbst übernommen und fand es immer sehr fummelig.

    Im Zuge eines längeren Rituals habe ich mir dann eine Strähne blondieren lassen. Es ging darum, mal wieder mehr Schwung in mein Leben zu bekommen. Dafür habe ich einen Monat lang jeden Tag etwas zum ersten Mal in meinem Leben getan. Einiges davon auch zum letzten Mal 😆

    Leider stellte sich während des Bleichens heraus, wie viele rote Haare sich in meiner natürlichen Mischung aufhalten. Anscheinend sind die roten Haarpigmente besonders hartnäckig, denn nachdem alles an Braun und Schwarz schon dem Wasserstoffperoxid zum Opfer gefallen war, blieb noch sehr viel Karottenorange übrig. Da hat die arme Friseurin unerwartet lange drauf herum geblichen. Optisch war ich einverstanden, allerdings waren die betroffenen Haare danach super angegriffen.

    Meine Haare: Portrai einer Frau mit langen mittelbraunen Haaren. Sie hat links und jetzts jeweils eine blonde Strähne

    Sehr viel später fiel mir eine Packung „Bio-Pflanzen-Haarfarbe schwarz“ in die Hände. Zwei Faktoren haben mich damals gerettet: Zu der Zeit waren meine Haare kurz und diese Farbe war auch nicht permanent. Denn so eine Indigo-Färbung ist offenbar eher für schon von sich aus dunklere Haarfarben gedacht.

    Als ich den blauen Schaum in der Badewanne sah, ahnte ich es schon: Die nächsten Wochen lief ich mit einem deutlichen Blaustich durch die Gegend. Wenn die Kinder in der Schule mich danach fragten, wusste ich immer von nichts 😄 Wie schon gesagt: Zum Glück wächst jede Schnapsidee irgendwann raus.

    Bis ich dann noch einmal gezielt Directions in blau ausprobierte, als ich nicht mehr an der Schule arbeitete. Diese Tönung machte meine Haare aber zu meiner Erheiterung nicht blau, sondern sehr merkwürdig grün. In diesem Fall haben wieder die roten Haare dazwischen gefunkt und ich hätte sie vorher bleichen sollen.

    Leider habe ich zum Glück weder von den blauen noch von den grünen Haaren Bilder gefunden 😉

    Meine Haare: eine Frau mit KI auf alt retuschiert, ihre Haare sind grau meliert

    So endeten meine Versuche, an meiner Haarfarbe etwas zu ändern. Inzwischen sehe ich mir erfreut beim Weißwerden zu. Wenn die Haare irgendwann einmal komplett weiß sind, probiere ich das Blau noch einmal aus. Oder gleich einen kleinen Regenbogen, mal sehen.

    Struktur

    In den Neunzigern was es so weit: Die Friseurin, bei der ich hauptsächlich deswegen war, weil meine Mutter sich dort auch immer die Haare machen ließ, verordnete mir eine Dauerwelle. Sonst „könnte man ja damit nichts machen“.

    Meine Haare: Eine junge Frau mit lockiger Dauerwelle breitet die Arme aus

    Im Nachhinein war das der größte Fehler meiner Haarkarriere. Meine Haare sind von sich aus positiv gesagt widerstandsfähig, ehrlich gesagt borstig. Da haben schon viele beim Schneiden mittendrin erstaunt kommentiert, dass das auf meinem Kopf irgendwie nicht weniger würde. Die Haare sind auch nicht ganz glatt und ein Teil dreht sich oft in irgendeine nicht vorhersehbare Richtung.

    Entsprechend stark musste die Friseurin chemisch nachhelfen. und entsprechend kaputt sahen meine Haare dadurch aus. Ich hatte bis vor kurzem immer noch dieses peinliche Bild mit den übertrieben kringeligen Löckchen in meinem Führerschein, da war es von Vorteil zu altern und ein neues Photo für das neue Scheckkartenformat einreichen zu müssen.

    Mit dem Umzug zum Studium habe ich das Gekringel erst einmal etwas rauswachsen lassen und bin dann zunächst an eine Friseurin geraten, die meinte, diese ganzen „modernen Frisürchen“ gingen nun mal nicht ohne Dauerwelle. Da bin ich unverrichteter Dinge wieder abmarschiert, weil ich unter anderem auch kein Frisürchen wollte.

    Eine andere Friseurin hat mir ein paar Wochen später dann doch mit einem Fassonschnitt die letzten Reste der Welle entfernt. Seitdem hat sich das Thema Lockenwickler für mich restlos erledigt.

    Länge

    Längenmäßig war bei mir inzwischen alles dabei: Meine Eltern fanden kurze Haare praktisch, meine Oma nannte sie „flott“. Eigentlich wollte ich schon als Kind lange Haare haben, aber da sah meine Familie Knötchengefahr. Ich gebe ja zu, praktisch sind kurze Haare schon.

    Immerhin lernte meine Mutter irgendwann, uns einen Rundschnitt zu schneiden. Der hat ja ein bisschen einen schlechten Ruf, ich fand ihn eigentlich ziemlich schön und staune heute noch, wie meine Mutter es geschafft hat, meinen Drahthaaren so eine sich geordnet einrollende Kante zu verpassen.

    Meine Haarlänge pendelte immer wieder von kurz bis lang, immer mit Pony. Bis zum Abitur habe ich nur ein einziges Mal versucht, die Haare über der Stirn rauswachsen zu lassen und zwischenzeitlich entnervt aufgegeben. Weil mir die Fransen immer in die Augen hingen, ging mir auf Nasenhöhe die Geduld aus. Immerhin konnte ich mir den Pony selbst schneiden.

    Als ich später nach der Dauerwelle die Haare sowieso insgesamt kurz hatte, habe ich beim anschließenden Wachsenlassen die Zähne zusammengebissen und alle Haare auf eine Länge gezüchtet. Das Ganze habe ich dreimal hin und her veranstaltet 😆

    Eine Friseurin in Deutschland meinte mal, wir könnten doch gemeinsam kreativ und mutig sein. Danach hatte ich eine Weile die Haare vorne länger als hinten. Wie gut, dass jede Schnapsidee irgendwann wieder rauswächst 😀

    Am besten hat mir um die Jahrtausendwende der £5-Friseur im Shoppingcenter in Lewisham gefallen. Da brauchte ich nur anzusagen, auf welche Stufe sie die Maschine einstellen sollten und dann wurde wortlos, kurz und bündig losgemäht. Dieser Salon hat sich tatsächlich gehalten, der Preis allerdings nicht.

    Allgemein habe ich es aber oft vermieden, mir die Haare schneiden zu lassen, besonders in den Langhaarphasen. Die Borstigkeit wurde kommentiert, genau wie der Spliss, der auch eine Folge davon war, dass ich so selten zum Schneiden ging. Und ich ging so selten hin, weil es neben dem Smalltalk so viele Kommentare gab.

    Wenn ich dann aber jemanden an meinen Kopf ließ, erlebte ich immer wieder Experimente, die hinterher seltsam saßen, zum Beispiel weil sich die Schnittkante ungeordnet nach außen drehte. Ich denke noch mit Grauen an die Worte: „Ich mache das mal stufig!“

    2020 hatte ich dann (wie viele andere Menschen auch) plötzlich und unerwartet viel Zeit. Ich lernte nicht nur Rezepte für Sauerteig kennen, sondern stolperte auch über ein Youtubevideo über eine Methode, die eigenen langen Haare selbst zu schneiden. An einer Stelle im Video realisiert die Youtuberin mit großen Augen, wie gut diese Methode funktioniert, und sie fragt sich, warum sie das nicht eher ausprobiert hat: „This is fine! I’m so happy!“

    Mich hat das dermaßen überzeugt, dass ich spontan Kamm, Zopfgummi und Schere gezückt habe. Ich hatte ja sonst nicht viel vor und kam auch nicht so viel unter Leute, also konnte ich eine kleine Katastrophe riskieren.

    Was soll ich sagen: Nach fünf Minuten Bürsten und Haarefixieren plus 30 Sekunden Schneiden war mein Haarschnitt fertig. Seit 2020 bin ich unabhängig und bestimme meine Haarlänge und die Art der Kante selbst. Und seitdem bin ich entspannt und zufrieden, was meine Haare angeht.

    Frisur

    Im Sommer denke ich zwar regelmäßig darüber nach, den ganzen Kram wieder abzuscheiden, weil mich die Wärme so schon anstrengt und die langen Haare extra gut isolieren.

    Wenn ich mir dann aber die kurze Zeit nehme, Zöpfe zu flechten, sieht die Welt aber wieder ganz anders aus. Manchmal mache ich ganz einfache Zöpfe, manchmal französische. Manchmal ist es auch nur ein einziger Zopf. Ich habe immer mal wieder mit asymmetrischen Flechtfrisuren experimentiert, aber die fand ich ungemütlich.

    Meine Haare: Eine Frau vor einem historischen Fachwerkhaus, ihre Haare sind zu zwei Zöpfen geflochten

    Ansonsten trage ich auch gerne einen Knoten. Meistens wickle ich dazu einen Zopf um das Haargummi und clipse dann die Haare mit kleinen Haarklammern fest. Das geht auch gut mit zwei Space Buns.

    Frauen, die im Bus oder Zug nur mit einem Frotteehaargummi bewaffnet eine komplette Mähne in einen respektabel ordentlichen Knoten verwandeln, bewundere ich oft. So gerne ich die allgemeine Widerstandsfähigkeit meiner Haare auch habe, da ist es dafür dann am anderen Ende auch sehr dünn mit der Kooperationsbereitschaft. Für einen großen Knoten in der Mitte brauche ich schon sechs Clips, damit er sich nicht innerhalb der ersten Minute auflöst 😆

    Meine Haare: Ein Frauenkopf von schräg hinten, ihre langen Haare sind mit einem hellen Holzstab zu einem Dutt zusammengefasst

    Irgendwann hat mir aber eine Freundin gezeigt, wie ein Dutt mit einer großen Nadel funktioniert. Da gibt es aufwendig aus Holz geschnitzte Modelle, aber ich habe lange Zeit einen Jumbo-Buntstift genommen, inzwischen eine Stricknadel aus einem Spiel für Filzwolle. Bei dieser Frisur staune ich jedes Mal wieder, dass meine Haare mit nur einem einzigen Hilfsmittel zusammenhalten.

    Produkte

    Als ich mir noch die Haare habe schneiden lassen, kam am Ende meistens die Frage: „Wachs oder Gel?“ Lange ging ich davon aus, das müsste dann jetzt so, damit so eine Frisur sitzt wie gedacht. Und dann war ich richtig unglücklich damit, wie zementig und klebrig sich meine zuvor frisch gewaschen Haare anfühlten. Ich schwankte dazwischen, sie mir zuhause gleich wieder zu waschen und der Anschaffung von Styling-Produkten, weil sich das ja nun so gehörte.

    Heute benutze ich, auch um Plastikmüll zu sparen, festes Shampoo. Danach gibt es eine saure Rinse mit Apfelessig. Das war es dann auch. Mehr brauchen meine Haare nicht und ich muss weder mit diversen Produkten hantieren noch beim Griff an den Kopf mit einem unnatürlichen Gefühl leben.

    Bei anderen sehe ich gestylte Frisuren mit Lack, Spray und glänzendem Gel echt gerne. Optisch durchaus eine feine Sache. Ich kann aber immer nur begrenzt nachempfinden, wie diese Menschen es aushalten, wie sich das alles anfühlt.

    Meine Haare und ich ziehen Fazit

    Ich bin sehr froh, dass ich inzwischen unabhängig bin. Einige Friseurinnen in meinem Leben waren verständnisvoll und auf Augenhöhe. Andere habe ich als eher übergriffig erlebt. Je mehr ich selbst über meine Haare bestimmt habe, umso wohler habe ich mich gefühlt.

    Insgesamt sind Haare für mich weniger Schmuck als Quelle von Wohlgefühl oder Unbehagen. Manchmal frage ich mich, wie vielen anderen Menschen es da draußen auch so geht, dass sie sich mit ihren Haaren nur ungern in die Hände anderer begeben. Wie viele andere sich mehr Selbstbestimmtheit wünschen, aber das Gefühl haben, die Dinge müssten so sein wie sie sind.

    Womit ich wieder beim Dazugehören bin. Und bei der Erkenntnis, dass ich lieber nicht dazugehöre, als dass sich mein Kopf fremdbestimmt anfühlt, im übertragenen wie im buchstäblichen Sinn.

    Wie sieht es bei dir aus?

    Hast du auch schon viele verschiedene Stile und Farben durchprobiert? Wie geht es dir mit dem Thema Selbstbestimmung? Wurden deine Haare immer so geschnitten, wie du es dir vorgestellt hattest?

  • Lernen ist echt krass: Mein neuer Claim

    Lernen ist echt krass: Mein neuer Claim

    Neuer Claim Mitte August

    Echt krass ist auch mein Zeitmanagement: Während des Schuljahres nehme ich mir für die Sommerferien diverse Projekte rund um unser Haus und meine Webseite vor. Während der Sommerferien ist mir dann aber die Zeit doch zu wertvoll für „diese Banalitäten“. Also nehme ich mir dieselben Projekte für das Schuljahr vor, weil ich dann ja „im Arbeitsmodus bin“. Und so weiter im Jahreskreis. Ist vermutlich unter Lehrkräften gar nicht so selten 😆

    Echt krass: Balkendiagramm mit drei Balken. Überschrift: Wann ich mal so richtig aufräume. Zwei kurze Balken mir 5%: Im Schuljahr und in den Sommerferien. Ein langer Balken mit 90%: Alle Jubeljahre.

    Den neuen Claim hatte ich schon länger im Sinn, jetzt ist es endlich so weit: In der Vorbereitung auf das nächste Schuljahr füge ich ihn hier auf meiner Seite ein. Aber warum liegt dieser Satz mir überhaupt so am Herzen? Das kann ich dir erklären:

    Lernen

    Mein alter Claim war: „Hol dir deine Freude am Lernen zurück!“ Leben ist Lernen, und das sollte Spaß machen! Ich habe mich mein Leben lang immer dann besonders lebendig gefühlt, wenn ich etwas neu herausfinden konnte.

    Mein Plan ist es, in den nächsten Jahrzehnten noch viele Dinge zu lernen und mich darüber zu freuen. Zum Beispiel beim täglichen Octordle, einem Rätsel mit acht Wordles hintereinander. Heute habe ich herausgefunden, dass „elide“ ein Verb ist, das so viel wie „durchstreichen“ oder „auslassen“ bedeutet.

    Neues Wissen muss nicht immer unmittelbar anwendbar sein 😉 Mir reicht es zum Freuen schon, dass sich ein paar Synapsen neu verbinden. Dieser Prozess ist für mich oft bedeutender als das Ergebnis, und ich wünschte, das System Schule hätte den Raum, die reine Freude am Lernen mehr zu vermitteln und zu feiern. Besonders in Mathematik, einem Fach, das viel mehr Ästhetik und Magie zu bieten hat, als allgemein angenommen.

    Andere Dinge, die ich lerne, kann ich tatsächlich für mein privates und berufliches Leben gebrauchen: Das Backen mit Sauerteig, neue Informationen über die Webseitengestaltung oder Inspirationen für Quizkartengestaltung. Jede neue Erkenntnis bringt mich auf meinem Weg weiter und eröffnet mir neue Möglichkeiten.

    Echt

    Wissen lässt sich nur bedingt und nicht auf Dauer vortäuschen. Das deutsche Bildungssystem besteht (leider) zu einem großen Teil aus Tests, Klausuren und Prüfungen. Spätestens an der Stelle zeigt sich, ob ein Thema wirklich sicher verstanden und abgespeichert wurde.

    Aber das Lernen und das echt verinnerlichte Wissen endet nicht mit dem Schulabschluss. Oft hören wir in der Debatte um aktuelle Krisen nur gefühlte Fakten, die im ungünstigen Fall effektive Lösungen verzögern. Außerdem haben wir Menschen den Hang, das für wahr zu halten, was unserem Weltbild entspricht. Wenn mir eine Fee über den Weg liefe, würde ich mir wünschen, dass wir alle auf einer solideren Basis an unsere kollektiven Probleme heran gingen.

    Mein Ansatz für den Nachhilfeunterricht geht entsprechend darüber hinaus, nur die nächste Arbeit zu meistern. Mir geht es darum, dass meine Schüler:innen ein neues Vertrauen in ihre eigenen Kompetenzen entwickeln. Und damit ihren kleinen Teil zu einer echten Wissensbasis der Gesellschaft beitragen.

    Krass

    Echt krass, wie lange sich manche Begriffe halten. Krass kommt ursprünglich vom lateinischen „crassus“ (grob, ungebildet, aber auch fruchtbar). Es steht schon in Grimms Wörterbuch als Beispiel für „Studentensprache“ oder „ein in manchen kreisen beliebtes superlativisches kraftwort“.

    Sprache ändert sich. Und gleichzeitig höre ich heute noch regelmäßig in meinen Unterrichtsstunden:

    „Wow, krass!“

    Meistens begleitet von runden Augen und hochgezogenen Brauen. Ganz ehrlich, das sind meine allerliebsten Lieblingsmomente 🥰 Dabei sein zu dürfen, wie ein Mensch einen unvermuteten Zusammenhang versteht, ist für mich eine Gänsehaut-Ehre!

    Manchmal sind es die kleinen Dinge. Zum Beispiel, wenn ein Schüler den Zusammenhang zwischen der ungeliebten Bruch- und Prozentrechnung aus der Mittelstufe und der Stochastik aus der Oberstufe realisiert. Die Puzzlesteine fügen sich zusammen, durch die Verbindung wird das Verstehen leichter und plötzlich hat diese Person, etwas in der Hand, was vorher unbezähmbar wirkte.

    Oder eine Schülerin merkt, wie im sich Laufe eines Beweises aus einem Riesenwust an Ziffern und Buchstaben das Allermeiste herausstreichen lässt und nur noch genau das übrig bleibt, was sie beweisen sollte. Wenn sie ein oder zweimal durch diesen Prozess begleitet wurde, und den nächsten Beweis dann alleine führen kann, dann hat sie sich beim Lernen einen krassen Werkzeugkoffer für zukünftige mathematische Abenteuer zusammengestellt. Und nebenbei ihren Problemlösemuskel trainiert und Selbstwirksamkeit erlebt.

    Ich gebe mir wirklich Mühe, in meinem fortgesetzten Alter Jugendworte zu vermeiden. Glücklicherweise ist „krass“ ein Wort, das Generationen verbindet. Genauso wie wir gemeinsam lernen, staunen wir zusammen darüber, wie erfreulich es ist, Dinge neu zu verstehen. Und dann ist krass alles andere als „ungebildet“ 😉 Sondern kraftvoll und ermächtigend!

    Wissen ist Macht und Lernen ist echt krass!

    Ich bin sehr dankbar, dass ich das von meinen Schüler:innen lernen durfte 💝

  • Dazugehören – Come as you are

    Dazugehören – Come as you are

    Wer möchte nicht gerne dazugehören? Wir sind soziale Wesen und historisch waren Menschen, die nicht Teil der Gruppe waren, in Todesgefahr. Zum Glück werden wir heute nicht mehr für „vogelfrei“ erklärt, allerdings strengen sich schon Kinder oft an, um von ihren Familien oder Gleichaltrigen akzeptiert zu werden.

    Iris Wangermann ruft in ihrer Blogparade dazu auf, über unsere eigenen Erfahrungen mit dem Dazugehören zu erzählen. Ein Thema, das natürlich auch mich mein Leben lang begleitet.

    Mein Inneres Team

    Ein Teil in mir ist ein Chamäleon. Sie passt ihr Vokabular und ihren Tonfall an die jeweilige Gruppe an und nickt alles Mögliche ab. Es ist ihr wichtig, nicht durch Befindlichkeiten die Stimmung runter zu ziehen oder Entscheidungsprozesse aufzuhalten. Umgekehrt ist sie genervt von Komplikationen durch andere.

    Ein anderer Teil in mir legt großen Wert darauf, sich nicht ohne guten Grund für Mitmenschen zu ändern. Sie hat kein Interesse an modischen Trends, an Smalltalk, an dem was „alle“ machen. Für sie besteht vieles in der gesellschaftlichen und politischen Debatte aus Schildbürgergeschichten. Wenn sie Werbung sieht, besonders in sozialen Medien, bekommt sie von den vorhersehbaren Manipulationsversuchen schlechte Laune.

    dazugehören: ein bunter gehäkelter Ikosaeder mit zwei beinen und zwei Armen

    Ich bin wirklich gerne unter Menschen, allerdings am liebsten für mich. Besonders in der ersten Shutdownzeit 2020 habe ich das gemerkt. Seitdem bin ich nicht wieder zum gleichen Level an Interaktion mit anderen Menschen zurückgekehrt.

    Dieser Widerspruch ist eine mittelgute Voraussetzung für das Dazugehören. Auf der anderen Seite habe ich früh gelernt, dass ich relativ gut damit leben kann, wenn eine Gruppe mich nicht akzeptiert. Relativ gut deswegen, weil es sehr von der Art Gruppe abhängt.

    Anpassen oder Dazugehören

    Was macht das Dazugehören so oft so schwierig? Vor ein paar Tagen lief mir folgendes Zitat über den Weg:

    Fitting in is about assessing a situation and becoming who you need to be to be accepted. Belonging, on the other hand, doesn’t require us to change who we are; it requires us to be who we are.”

    Brené Brown

    Wenn wir uns zu sehr von unserem eigenen inneren Kern entfernen, dann ist das Ergebnis kein Dazugehören. Dann bin ich diese dazugehörende Person nicht mehr. Das ist dann eine mehr oder weniger künstliche Figur, die einigermaßen aussieht und klingt wie ich.

    Ein bisschen Anpassung ist notwendig, damit wir nicht im gesellschaftlichen Chaos und in Konflikten versinken. Kompromisse sind auch keine Katastrophe, solange ich mich noch wieder erkenne. Allerdings alles in Maßen.

    Curt Cobains Widersprüche

    Die Anpassung an Gruppenansprüche hat noch einen weiteren Haken. In „Come As You Are“ singen Nirvana über sich widersprechende Forderungen. „Komm wie du bist, wie ich dich haben möchte“ und „Nimm dir Zeit, sei nicht zu spät“.

    “The lines in the song are really contradictory. One after another they are kind of a rebuttal to each line. It’s kind of confusing I guess. It’s just about people and what they are expected to act like.”

    Curt Cobain

    Gerade Frauen kennen diese Ansprüche, die nicht erfüllbar sind. Auch America Ferreras Rede in Barbie hat diese unerreichbare Meßlatte thematisiert. Dieses Nichtdazugehören von Frauen ist nochmal ein extra Thema für sich, das aktuell im Fall von Imane Khelif eskalierte.

    dazugehören: eine Frau und eine Katze vor einem geöffneten Dachfenster. Die katze sitzt auf dem Sims und schaut nach draußen, die Frau schaut auf die Katze
    Childless Cat Lady 😉

    Gibt es also das versprochene „Come As You Are“ wirklich nicht? Wie lässt es wenigstens ungefähr erreichen?

    Familie

    Die erste Gruppe, in die wir möglichst gut hinein passen sollten, ist die Familie. Meine frühen Erinnerungen und Erzählungen über meine Kindheit erzählen mir, wie ich mit meinen Eigenarten manchmal angeeckt bin und wie ich mich bemüht habe, auch gesehen zu werden. Als zweite Enkelin kam ich mit Schnupfnase bei meiner Oma angelaufen und sagte „Auch liebes Kind!“ Wie sie darauf regiert hat, weiß ich tatsächlich gar nicht.

    Gleichzeitig haben mir meine Eltern vorgelebt, dass es möglich und bereichernd ist, unorthodox zu sein und nicht alles mitzumachen, was die Mehrheit für wichtig hält.

    Wenn es mal größere Familientreffen gibt, habe ich immer unterschwellig ein warmes Gefühl der Verwandtschaft, ohne dass ich das in Worte fassen kann. Offensichtlich wurde meine widersprüchliche Haltung zum Dazugehören schon früh angelegt.

    Zufällige Schicksalsgemeinschaften

    In Kindergarten und Schule habe ich viel mein eigenes Ding gemacht. Ich war das Kind, das sich in der Grundschule „Robinson Crusoe“ mitbrachte und dem Lehrer sagte, ich würde das dann jetzt lesen, er könne sich ja melden, wenn er etwas Interessantes hätte.

    Die anderen Kinder habe ich eher am Rand wahrgenommen. Für mich lief es ideal, wenn mich niemand geärgert hat. Auch als Lehrerin habe ich später etwas befremdet beobachtet, wie sich sehr manche Kinder und Jugendliche verrenken, nur um dazuzugehören. Ich hatte Freundinnen, aber im Rückblick haben sie eher mich untergehakt, als dass ich bewusst auf sie zugegangen wäre.

    Später im Studium war ich von Menschen umgeben, die ähnlich tickten wie ich. Wir alle hatten Chemie als Fach gewählt. Dadurch war eine gewisse nerdige Tendenz vorgegeben. Auch von meinen Kommilitoninnen bin ich eher als Freundin aufgesammelt worden, als dass ich das angezettelt hätte. Trotzdem habe ich mich mit dieser Gruppe viel mehr verbunden gefühlt und auch mehr Interesse am Miteinander gehabt.

    Selbst gewählte Gemeinschaften

    Eigentlich nicht überraschend: Beim Dazugehören hilft es, sich Gruppen zu suchen, mit denen ich eine große Schnittmenge habe. Dann ist es eine echte Erleichterung, mich nicht erklären zu müssen. Wenn sich die richtigen Personen begegnen und in Resonanz treten, stellt sich die Frage nach der Selbstentfremdung gar nicht mehr.

    Das Internet macht es leicht, Menschen mit der gleichen Sorte Merkwürdigkeit zu finden, die nicht alle am selben Ort leben müssen. In den späten Neunzigern war ich Mitglied einer spirituellen deutschsprachigen Mailingliste. Zu Beginn lebte ich noch in London, später wieder in Deutschland, sodass ich leichter an jährlichen Treffen teilnehmen konnte. Der Austausch über das gemeinsame Thema war bereichernd und hatte nie das Gefühl, ich müsse mich verstellen. Ich glaube, dass mir der räumliche Abstand zunächst sogar geholfen hat, in diese Gruppe hineinzufinden.

    Im Spätsommer 2017 begann ich, bei Challenge22 als Mentorin mitzuarbeiten. Das vegane Leben zieht noch mehr als das Frauenspirithema eine bunte Mischung an ungewöhnlichen Menschen an. Diese Gemeinschaft ist international, offen und hilfsbereit. Weil alle im besten Sinne des Wortes irgendwie weird oder seltsam sind, muss sich niemand rechtfertigen.

    Anfang 2018 fand ich die Active Vegans Hamburg. Mit ihnen stehe ich im realen Leben regelmäßig auf der Straße, um mit den Menschen, die stehen bleiben, über Tierrechte zu sprechen.

    AVHH hat mich vor Ort abgeholt und mir geholfen, mehr Selbstwirksamkeit zu entwickeln. Diese Menschen gaben mir den Impuls, auch an Demos von Fridays For Future teilzunehmen. Das Dazugehören hat mich in diesem Fall auf eine konstruktive Art verändert. Oder vielleicht etwas hervor geholt, was schon in mir angelegt war.

    Bei aller Übereinstimmung ist natürlich immer irgendwas. Zu erwarten, dass es in einer Gemeinschaft nicht menschelt, nur weil die Mitglieder einen großen Teil ihrer Werte und Visionen teilen, ist illusorisch.

    Und solange es ein echter Kompromiss ist, ich also anderen ihre Eigenheiten zugestehe und sie mir meine, kann ich gut damit leben. Ich habe mir die Mitgliedschaft ja auch freiwillig ausgesucht.

    Endlich wieder normale Leute

    Wenn es einen Ort gibt, der für mich dem Ideal „Come As You Are“ am nächsten kommt, dann ist es das Wacken Open Air. Auch hier gibt es Kommentare über das vermeintlich „falsche“ Genre 😀 Die einen fassen sich an den Kopf, wie jemand Powermetal ertragen kann, die anderen sehen in jeder modernen Entwicklung den Niedergang der Metalkultur.

    Und gleichzeitig habe ich nirgends so sehr das Gefühl, ich selbst sein zu können, ohne dass es gewertet wird. Die Unterschiede können nebeneinander stehen bleiben und am Ende wird auch mal für eine Band höflich applaudiert, die eigentlich nur die Lücke zwischen zwei „wirklich interessanten“ Acts füllt.

    Stau beim WOA

    Die Welt ist per du, kommt ins Gespräch und akzeptiert es, wenn jemandem nicht zum Reden zumute ist. Wer fällt, wird aufgehoben. Wenn die Sterne gut stehen, hat sich jemand neben mir die Taschen für die besonders mitreißenden Konzertmomente mit Konfetti gefüllt (siehe Beitragsbild).

    Und wenn sich jemand nachts barfuß auf dem Campingplatz verlaufen hat, finden sich immer nette Menschen, die beim Suchen helfen. Egal, ob die verlorene Seele ein Einhornkostüm, ein Hawaiihemd, ein Metalcore- oder ein Death-Metal-Shirt trägt.

    Die Überschrift „Endlich wieder normale Leute“ steht immer mal wieder auf Bannern die im Zusammenhang mit Wacken-Veranstaltungen von Teilnehmenden aufgehängt werden. Ich bin bei weitem nicht die Einzige, die es erleichtert, für ein paar Tage im Jahr einen Ort zu haben, wo sie sein kann, wie sie ist. Und wo „normal“ nicht „normiert“ bedeutet, sondern „Menschen, die mir ähnlich sind und einfach nur einen gelassenen und freundlichen Umgang untereinander erwarten“.

    Beziehungsstatus: Unkompliziert

    Im Mai haben wir Silberhochzeit gefeiert. Zu zweit am Meer, ein paar Tage nur für uns und eine schöne Gelegenheit über Beziehungen nachzudenken. Neben dem glücklichen Zufall, der uns zusammenführte, ist die Grundlage unserer Harmonie, dass wir uns gegenseitig so lassen, wie wir sind.

    Nahaufnahme von einem Herz, mit dem Finger in feuchten Sandboden geschrieben. Im Herz die Zahl 25 und die Buchstaben D und A, außerdem ein paar Muscheln.

    Wir haben große Übereinstimmungen, was Freizeitgestaltung, grundsätzliche Werte und Ordnungsbedürfnis angeht. In anderen Bereichen sind wir sehr verschieden. Und das haben wir nie versucht zu ändern. Wenn wir nicht mit diesen Unterschieden leben könnten oder sie nicht sogar als bereichernd empfänden, dann hätten gegenseitige Vorwürfe die Beziehung sicher nicht voran gebracht.

    Unsere Gemeinschaft zu zweit plus Katze ist mein sicherer Hafen. Hier kann ich loslassen. Ich kann alles sagen was mir auf der Seele liegt und für mich behalten, was ich nicht mitteilen möchte. Ich bin jeden Tag dankbar für dieses alles andere als selbstverständliche Geschenk.

    Jenseits der Gesellschaft Dazugehören

    Wir sprechen vom Ökosystem Erde oft als „Umwelt“. Dabei vergessen wir, dass wir immer und unzweifelhaft Bestandteil dieses Systems sind. Hier gehören wir tatsächlich elementar dazu, ob wir uns anpassen oder nicht.

    Gerade hier führt paradoxerweise das Nichtanpassen an die Kreisläufe und Naturgesetze, dass wir entfremdet sind. Wenn es in einem Netzwerk existenziell wichtig ist, nicht nur auf die eigenen Vorstellungen zu sehen, dann in diesem.

    Und gerade hier fühle ich mich noch mehr als in Wacken jederzeit bedingungslos willkommen, und das mehr als nur eine Woche im Jahr. Hier kann ich auftanken und über mich und die Welt lernen, was wirklich wichtig ist. Vielleicht auch, wo meine gefühlten Prioritäten manchmal doch am Großen Ganzen vorbei gehen und was davon ich loslassen könnte.

    Deshalb ist es mir so wichtig, den Jahreszeiten bewusst zu folgen und mich in regelmäßigen Abständen mit der Natur in Verbindung zu bringen.

    Was kann ich zum Dazugehören beitragen?

    Wie sieht jetzt mein Fazit aus? Es gibt ein paar Dinge, die ich beachten kann, um das Dazugehören zur Gesellschaft und zur Welt gesund und nachhaltig zu gestalten:

    Ich lerne mich selbst, meine Prioritäten, Bedürfnisse und Werte kennen.

    … finde für mich heraus, wie viel Zugehörigkeit und wie viel Zeit mit mir alleine ich brauche.

    … lasse meine Seltsamheit strahlen, um andere Menschen zu finden, die mir ähnlich sind.

    … wäge gründlich ab, wie viel mir das Dazugehören wert ist und warum und um wie viel ich mich dafür verändern will.

    … gestehe anderen Menschen zu, ihr grundsätzliches Wesen nicht für mich zu verändern.

    Wenn ich Teil von Schicksalsgemeinschaften bin, in denen ich mich sehr anpassen musst, schaffe ich mir Räume mit anderen Menschen, die mich so aufnehmen, wie ich bin, außerdem Zeit mit mir alleine.

    Wenn alle Stricke reißen, gibt es immer noch Bäume zum Anlehnen, das Meer zum Lauschen und Wiesen zum Einsinken 🙂

    Wie sieht es bei dir mit dem Dazugehören aus?

    Unterm Strich möchte ich zu keiner Gruppe dazugehören, die mich nicht akzeptiert, wie ich im Grunde bin.

    Ist für dich das Dazugehören überhaupt ein Thema? Findest du es eher schwierig oder fällt es dir leicht, Anschluss zu finden?

    Wie weit passt du dich an, um in einer Gruppe integriert zu sein und wo bleibst du für die eigene Integrität lieber unabhängig?

    Vielen Dank noch einmal an Iris Wangermann für diesen wunderbaren Denkanstoß!

  • Streit um Sprache (?)

    Streit um Sprache (?)

    Streit um Sprache habe ich öfter als gut für mich wäre: Besonders in den sogenannten sozialen Medien gerate ich immer wieder mit jemandem aneinander, um hinterher festzustellen, dass wir aneinander vorbeigeredet oder jedenfalls nicht die gleiche Sprache gesprochen haben.

    Sprache und die Mechanismen hinter Kommunikation haben mich schon immer fasziniert. An einer früheren Blogparade von Nicole Isermann zum Thema „Sprachverhunzung“ habe ich entsprechend begeistert teilgenommen.

    Jetzt kommt mir ihr neuer Aufruf wieder sehr gelegen. Unter ruft sie dazu auf, sich Gedanken darüber zu machen, wie wir mit gesellschaftlichen und sprachlichen Entwicklungen umgehen, besonders auch in Kunst und Kultur.

    Disclaimer: Nach diesem Beitrag wurde mir klar, dass die Frage nach meinem Standpunkt zum Gendern von den eigentlich existenziellen Fragen ablenkt. Dass diese Debatte unnötig Zeit und Energie verschwendet. Mehr liest du dazu in meinem abschließenden Beitrag zum Gendern.

    Ich lasse diesen Post trotzdem stehen, weil ich immer noch zu den Aussagen darin stehe. Vor allem dazu, dass ich mir für uns mehr Nachsicht, Solidarität und Gelassenheit miteinander wünsche.

    Warum gibt es Streit um Sprache?

    Unsere Gesellschaft wandelt sich ständig. Einiges von dem, was früher als selbstverständlich galt, wird heutzutage in Frage gestellt. Oft geht es dabei um Hierarchieverhältnisse zwischen verschiedenen Menschengruppen.

    Und weil es um Menschen geht, ist das Thema komplex und vielschichtig. Es geht vordergründig um scheinbar rationale Argumente, im Grunde aber um grundlegende Emotionen. Eine zuverlässige Kombination für hitzige Debatten also.

    Wir sehen meist nur einen eher kleinen Ausschnitt einer Thematik und wundern uns über Reaktionen anderer. Es ist ein bisschen wie mit der Laktoseintoleranz und der Linkshändigkeit. Beide sind alles andere als moderne Marotten. Die Betroffenen haben nur lange nicht darüber geredet, wie es ihnen nach milchlastigen Mahlzeiten ging oder wie schräg es für sie ist, auf rechts trainiert worden zu sein.

    Dass es heute sowohl linkshändige als auch laktosefreie Produkte gibt, wird von der Mehrheit als selbstverständlich anerkannt. Das war allerdings auch nicht immer so. Einige unter uns denken sich immer noch:

    „Früher gab es das doch nicht. Da haben alle alles gegessen / alle Kinder mit der gleichen Schere geschnitten und es war kein Problem.“

    „Früher“ ist hier ein zentraler Begriff. Diejenigen, die selbst nicht betroffen sind, erinnern sich an eine unkomplizierte Vergangenheit. Während die Betroffenen froh sind, dass sich endlich Dinge geändert haben.

    Ähnlich ist es mit Menschengruppen, die von der Norm abweichen. Historisch gesehen richtete sich das Menschenbild lange an einem kleinen Kreis aus: Männlich, erwachsen, weiß, gesund. Lange auch laktosetolerant und rechtshändig. Dabei geht es mir ausdrücklich nicht um Schuldzuweisung, nur um eine Zustandsbeschreibung.

    Dieses Bild vom Normmenschen ändert sich immer mehr. Je mehr es aufweicht, umso mehr fällt auf, wie sehr unsere Sprache noch in manchen Punkten hinterher hängt. Einige von uns wünschen sich aus verschiedenen Gründen, dass unsere Kommunikation möglichst schnell Gleichberechtigung widerspiegelt. Andere empfinden diese Veränderungen als unangenehm, auch aus verschiedenen Gründen.

    Der Konflikt und damit der Streit um Sprache ist entsprechend vorprogrammiert, weil wir als Gesellschaft irgendwie miteinander auskommen müssen und eine Rückentwicklung nicht realistisch ist.

    Wo findet Streit um Sprache aktuell statt?

    Wie schon erwähnt, hängt vieles am „Früher“, besonders unsere Emotionen. Kinderbücher, Kinderlieder, traditionelle Gerichte und seit Jahrzehnten geliebte Filme sind nostalgisch aufgeladen. Wir verbinden Begriffe und Konzepte mit unseren Eltern und Großeltern, die für uns oft Vorbilder waren.

    Jetzt stellt In einigen Fällen einfach ein Verlag eine Serie ein, oder ein Sender verlängert die Lizenz für Filme nicht. Das an sich ist genauso wenig Zensur wie die Entscheidung einer Bäckerei, eine Sorte Brötchen aus dem Programm zu nehmen. Und trotzdem entspinnt sich an solchen Gelegenheiten oft online eine viral geführte, hitzige Debatte.

    Zum Beispiel gab es 2011 eine Diskussion über „Pippi im Taka-Tuka-Land“. Dieses Buch habe ich als Kind selbst oft gelesen und heiß geliebt. Schon die Idee, Pippis Vater in einer Neuauflage als „Südseekönig“ zu übersetzen, sorgte für Unzufriedenheit.

    Der Ravensburger Verlag zog 2022 zwei Kinderbücher über den „jungen Häuptling Winnetou“ wieder zurück, die Karl May nicht einmal selbst geschrieben hatte. Und trotzdem waren viele Winnetou-Fans spontan verärgert und schimpften über eine vermutete „Cancel Culture“.

    Außerdem gibt es noch die bekannten Schnitzel mit Paprikasauce und den Snack aus Zuckerschaum mit Schokoladenüberzug. Die jeweilige Namensänderung ging auch nicht bei allen Beteiligten geräuschlos über die Bühne und einige halten heute noch an den alten Bezeichnungen fest.

    Was ist die tiefere Ebene hinter dem Streit um Sprache?

    Wenn ein Teil der Gesellschaft Bezeichnungen ändert, wirkt das auf andere Personen wie grundsätzliche Kritik. Auch wenn gar nicht explizit von der Allgemeinheit verlangt wird, die alten Begriffe nicht mehr zu verwendet. Alleine, dass jemand etwas anders macht, kann schon negative Gefühle auslösen.

    Zwei mögliche wahrgenommene Botschaften sind „Du bist nicht in Ordnung“ und „Deine Eltern sind/waren nicht in Ordnung“. Wenn sich jemand sich als Person so in Frage gestellt sieht, reagiert er oder sie oft mit Reaktanz, auf jeden Fall gekränkt.

    Es ist nicht angenehm, sich dieser Frage zu stellen, ob alles, was wir in der Vergangenheit gemacht haben, gut und richtig war. Oder ob es sinnvoll ist, die Dinge so zu lassen wie sie sind. Veränderung macht so oder so oft Angst.

    Auf der anderen Seite wirkt das Festhalten an alten Begriffen wie ein Beharren auf dem alten Hierarchiesystem. Wer früher die Deutungsmacht hatte, soll sie anscheinend auch weiterhin behalten. Das ist bei einem sich langsam über mehrere Generationen hinziehenden Prozess, der Gerechtigkeit anstrebt, sehr frustrierend.

    Es geht letztlich um die Frage, ob und wie meine Mitmenschen mich sehen. Und wie ich mich selbst sehe.

    Gefühle oder Macht?

    Oft lese ich die Formulierung, dass „durch die Wortwahl Gefühle verletzt“ würden. Das klingt, als ginge es nur um Befindlichkeiten. Wie bei Laktoseintoleranz und Linkshändigkeit sind die Konsequenzen allerdings schwerwiegender.

    In Deutschland haben Menschen noch immer sehr unterschiedliche Teilhabe an Zukunftschancen, politischer Macht, Bildung, Wohnraum und Wohlstand. Es geht um ganz handfeste Lebensqualität, die durch zufällig verteilte und angeborene Merkmale beeinflusst wird.

    Und manchmal geht es schlicht um Rassismus, Klassismus und Ableismus, unter anderen Ismen. Das sagt nicht, dass wir früher schlechte Menschen waren. Es sagt auch nicht, dass diejenigen, die heute noch alte Begriffe verwenden, Rassisten sind.

    Die wenigsten unter uns benutzen rassistische Begriffe und andere Verhaltensweisen, um absichtlich andere Menschen zu verletzen. Und gleichzeitig haben wir alle Rassismus internalisiert. Einfach, indem wir in diesem unperfekten Gesellschaftssystem leben. Und auch durch Bücher und Lieder, die wir in unserer Kindheit erlebt haben.

    Das ist weder gut noch schlecht, das ist einfach, wie es ist. Es erleichtert einen konstruktiven Umgang mit unserer Gegenwart und Zukunft, wenn wir offen und ehrlich auf diese Automatismen in unseren Gehirnen schauen.

    Es geht nicht um (übertriebene) Empfindlichkeiten, sondern um die systematische Ungleichverteilung von Macht, die in der Geschichte zu viel Leid geführt hat und die auch heute noch in vielen Fällen Gefahr für Leib und Leben bedeutet.

    Was dürfen wir noch?

    Natürlich gefährdet ein Mensch, der auf der Originalversion von Pippi im Taka-Tuka-Land besteht, damit noch lange nicht Mitmenschen. Was dieser Mensch allerdings, wenn auch nicht bewusst und absichtlich, signalisiert ist:

    „Meine Nostalgie ist wichtiger als deine Zugehörigkeit.“

    Oft fragen Menschen, was wir überhaupt noch dürfen. Die gute Nachricht ist, dass wir in einem freien Land wie Deutschland sehr viel dürfen. Es ist nicht gesetzlich verboten, weiterhin Schaumküsse mit dem alten Begriff zu bezeichnen. Es ist nur gleichzeitig nicht verboten, diesen Begriff als rassistisch einzuordnen und das offen zu sagen.

    Ich drehe die Frage nach dem Dürfen um und frage: Wer ist „wir“? Auf welchem Level an Privilegien habe ich die Option, diese Frage zu stellen? Wie wenig muss ich von den Problemen anderer in meinem Alltag mitbekommen, um mein Dürfen im Vordergrund zu sehen?

    Warum sollten wir überhaupt müssen? Aus welchem Grund ist es so wichtig, dass Kinder heutzutage die gleichen Bücher lesen wie ich damals? Warum geben wir nicht neuen Autor:innen die Gelegenheit, ihre Sicht auf die Welt zu präsentieren und Kindergehirne zum Nachdenken anzuregen?

    Was ist haben wir davon, Begriffe zu verwenden, von denen wir wissen, dass sie andere Menschen kränken oder zu Recht überkommene Machtverhältnisse zementieren?

    Warum genau sind für uns manche Künstler:innen über alles erhaben?

    Folgende Fragen auf der Meta-Ebene halte ich für konstruktiver als die nach dem Dürfen:

    Wie wollen wir möglichst respektvoll und auf Augenhöhe gemeinsam leben?

    und

    Welche gemeinsamen Bedürfnisse verbinden uns eigentlich?

    Betroffene zu Wort kommen lassen

    Um dem einen Schritt näher zu kommen, ist es wichtig, nicht über von zum Beispiel Rassismus oder Ableismus betroffene Menschen zu sprechen, sondern ihnen zuzuhören.

    Gina Hitsch bietet als großzügigen Service in unterhaltsamen Videos einen Einblick, wie es ist, als von Rassismus betroffene Frau in Deutschland zu leben. Leider gibt mir das Verlinken auf Instagram immer wieder Fehlermeldungen, aber du findest sie unter IchBinGinaPunkt.

    Raul Krauthausen ist eine starke Stimme für echte Inklusion. Sinnvoll gemacht, ist diese keine Belastung der nicht-behinderten Menschen, sondern eine Möglichkeit, zu lernen und unser Miteinander neu zu gestalten. Davon werden wir alle profitieren.

    Und was ist jetzt mit den Kinderbüchern?

    Ich selbst habe keine Kinder. Allerdings bin ich immer noch großer Kinderbuchfan und verfalle selbst gerne und völlig ohne schlechtes Gewissen in Nostalgie. Andererseits weiß und sehe ich, wie leicht sich Kinderhirne prägen lassen. Daher mache ich einen Unterschied zwischen der Wirkung auf Erwachsene und auf Kinder.

    Es ist eine Illusion zu glauben, das grundlegende Problem an der Figur Efraim Langstrumpf sei seine „Berufsbezeichnung“. Ob nun Südseekönig oder nicht: Dass die Ureinwohner diesen fremden Piraten, kaum an ihrer Insel angespült, direkt zum König krönen, ändert sich durch eine kleine Übersetzungsänderung ja nicht. Das ist nur Kosmetik und keine wirkliche Beschäftigung mit dem eigentlichen Thema.

    Hätte ich Kinder, würde ich ihnen bei aller Liebe zu Astrid Lindgren diese Bücher nicht einfach so in die Hand drücken, wie es bei mir als Kind lief. Ich würde sie, wenn überhaupt, mit ihnen gemeinsam lesen und über den Kontext sprechen.

    Darüber hinaus würde ich anderen Autor:innen eine Chance geben, meinen Kindern Geschichten zu erzählen, die ein anderes Menschenbild transportieren und trotzdem genauso liebenswert und anarchisch sind. Eine glückliche Kindheit steht und fällt nicht mit Pippi Langstrumpf.

    Den Erwachsenen von heute, die sich wie auch ich mit leuchtenden Augen an Pippi erinnern, nimmt es auch nichts weg. Dass es damals fesselnde Geschichten waren und diese Bücher aus heutiger Sicht ein paar unrunde Punkte haben, kann aus meiner Sicht nebeneinander stehen. Genauso wie die Tatsachen, dass Astrid Lindgren und Karl May liebenswerte Menschen waren und wunderbare Geschichten geschrieben haben, dass diese Geschichten allerdings ein problematisches Menschenbild reproduzieren.

    Wenn ich jegliche Kritik und Veränderung kategorisch ablehne, nehme ich mir selbst die Gelegenheit zu lernen und ein differenziertes, erwachsenes Verhältnis zu Lindgren und May zu haben. Oder zum Schnitzel.

    Meine Hoffnung für die Zukunft

    Auch wenn heute noch die Positionen unverrückbar und unvereinbar scheinen, und auch wenn jede historische Gerechtigkeitsbewegung entgegengesetzte Reaktionen hervorgerufen hat: Ich gehe davon aus, dass sich das Rad vom Paprikaschnitzel und vom Südseekönig aus nicht zurückdrehen wird.

    Schon alleine dadurch, dass neue Generationen von Kindern mit anderen Geschichten und Kostümideen aufwachsen, sowie mit einer anderen Art zu sprechen. Für jüngere Menschen sind die Veränderungen oft überhaupt kein Problem.

    Meine Hoffnung ist es, dass wir irgendwann den Ausdruck „Political Correctness“ durch Menschenwürde ersetzen. Dass sich dadurch irgendwann die Frage nach dem Dürfen von selbst erledigt und damit der Streit um Sprache.

    Ich hoffe, dass in absehbarer Zeit nicht mehr die Einen glauben, die Anderen wollten ihnen grundlos etwas wegnehmen. Und dass die Anderen nicht annehmen, die Einen wollten sie bewusst in ihrer Würde verletzen. Dass nicht mehr die Einen reflexhaft alle Kindheitserinnerungen auf ein Podest heben. Und die Anderen keine Perfektion erwarten. Sondern dass alle sich in ihrem Rahmen bemühen, auf Augenhöhe auf ihre Mitmenschen zuzugehen.

    Ich könnte mir eine schlimmere Zukunft vorstellen. Und wenn wir das schaffen, wenn wir weniger auf das Dürfen schauen und mehr auf unsere Haltung, dann hat sich der Streit um Sprache am Ende gelohnt.

    Was meinst du?

    Wie stehst du zu sprachlicher und inhaltlicher Kritik an historischen Filmen und Kinderbüchern? Wie leicht fällt es dir, eine differenzierte Haltung zum Thema einzunehmen und den Streit um Sprache aus der Meta-Ebene zu sehen?

    Wenn du noch weitere Persönlichkeiten kennst, die als Betroffene von Diskriminierung berichten, freue ich mich über Empfehlungen 😀

  • Frühstück ist meine Lieblings-Mahlzeit

    Frühstück ist meine Lieblings-Mahlzeit

    Heute ist das Frühstück das Tagesthema. Mal sehen, wann mich der Schwung in Sachen Blogparaden verlässt 😄 Die Frühstücksqueen rief unter dazu auf, dass wir uns über die erste Mahlzeit des Tages Gedanken machen.

    Ich habe kein Lieblingsfrühstück. Allerdings ist das Frühstück an sich für mich ein unerlässlicher Start in den Tag. Bei der Leitfrage

    „Was passiert, wenn du nicht frühstückst?“

    habe ich sehr tief durchgeatmet. Die Vorstellung, morgens ohne wenigstens ein Toastbrot im Magen aus den Haus zu eilen, macht mir spontan schlechte Laune.

    Als Kind wurde mir tatsächlich sehr schlecht, wenn ich nicht regelmäßig etwas zu essen bekam. Ganz so schlimm ist es nicht mehr, aber wenn ich richtig früh raus muss, stehe ich eben noch etwas früher auf, damit ich mir wenigstens eine Kleinigkeit gönnen kann. Erschwerend kommt dazu, dass ich jeden Morgen Thyroxin einnehme und danach noch eine halbe Stunde warten muss, bis das Frühstück starten kann. Eine feste Konstante ist immer eine große Tasse Kaffee.

    Gewohnheit vs Abwechslung

    Ein Teil von mir liebt Gewohnheiten und Wiederholungen. In der Woche gibt es Overnight Oats, wenn ich dran gedacht habe, oder eine Scheibe Toast mit (idealerweise) Hummus und obenauf einer Schicht Lime Pickle.

    Die Overnight Oats bereite ich gerne schon in mehreren Gläsern vor, immer eine halbe Tasse Haferflocken und einen gehäuften Löffel Proteinshakepulver. Das hilft mir, zuverlässiger am Abend einfach so ein Glas zu schnappen, Wasser einzufüllen und die Haferflocken für die Nacht in den Kühlschrank zu stellen.

    frühstück: Fünf gerade Einmachgläser, darin jeweils eine Schicht trockene Haferflocken und darauf eine Schicht Proteinpulver

    Ein anderer Teil von mir liebt es, neue Rezepte auszuprobieren und Abwechslung auf dem Teller zu haben. Dafür nehme ich mir am Wochenende extra Zeit. Weil ich mich daran erinnern wollte, so ein Sonntagsfrühstück regelmäßiger zu veranstalten, habe ich mir im Oktober 2023 auf meine allererste To-Want-Liste geschrieben: „An fünf Sonntagen ein extra schickes Frühstück genießen.“

    Im Nachhinein bin ich mit diesem To-Want fast am zufriedensten. Die Umsetzung lief fast wie von alleine und ich habe die liebevollen und abwechslungsreichen Frühstücke sehr genossen.

    Frühstück in Bildern

    2022 habe ich mir ein Waffeleisen zugelegt. Viele Menschen befürchten ja, dass Waffeln ohne Eier nicht funktionieren könnten. Wichtig bei veganen Waffeln ist es, den Teig lange genug stehen zu lassen, damit das Gluten ausquellen kann. Außerdem muss das Waffeleisen wirklich heiß sein und sollte nicht zwischendurch geöffnet werden. Ich habe mit dieser Methode jedenfalls keinerlei Probleme gehabt. Damit Waffeln schön fluffig werden, lohnt es sich, ein gutes Rezept zu wählen, das im Original schon als vegan angelegt ist.

    Zum Beispiel die Waffeln nach Bianca Zapatka. Bei Bianca habe ich noch kein Rezept erlebt, das nicht genau so wie beschrieben geklappt hätte. Ich hatte noch Blaubeerkompott und von einer Backaktion eine halbe Dose Regenbogenstreusel 🌈

    Die „Waffeln mit zimtiger Nussfüllung“ habe ich nach Anleitung aus dem Buch „Vegan zu Hause und unterwegs“. Für das Photo habe ich die obere Waffel weggelassen, um die Nüsse nicht zu verstecken 😄 Die Kombination war schon amtlich sättigend.

    Auch für das Hirseporridge aus der BBC-Rezeptesammlung haben meine bunten Streusel noch gereicht. Vorher war ich etwas skeptisch, weil ich Hirse noch nie in einer süßen Variante gegessen hatte. Die Kombination war aber sehr sanft und wiederholenswürdig. Ich werde bei nächsten Mal allerdings das Kompott nicht parallel kochen, sondern eins der Gläser aus meinem Vorratsregal nehmen.

    Das andere Porridge habe ich, wie meine Schwester sagt, „aus dem Lameng“ mit Haferflocken zubereitet. Ich hatte noch einen Apfel, der nicht mehr sehr knackig war. Als Apfelmus hat er sich neben den gehackten Walnüssen und dem Glitzerkakaopulver echt gut gemacht. Es muss nicht immer kompliziert sein 🥰

    Das Knuspermüsli nach Bianca Zapatka war schnell gemacht und das Rezept reicht für mehrere Portionen. Das Granola bleibt verschlossen schön knusprig und passt super auf Joghurt.

    Die Armen Ritter nach Zucker & Jagdwurst fand ich besonders dekadent. Ich hatte dieses Gericht seit meiner Kindheit nicht mehr gegessen, und so kam zu dem Genuss auch noch eine große Portion Nostalgie dazu. Ich habe mich hier für Blaubeerkompott als Topping entschieden.

    Eine Süßkartoffel-Frühstücksbowl habe ich ausprobiert, nur leider das Photo vergessen. Auch dabei habe ich gestaunt, wie lecker die Kombination aus Süßkartoffeln, Datteln und Zimt ist. Hat auf jeden Fall Wiederholungspotential!

    Nach all diesen süßen Gerichten muss es aber auch mal herzhaft sein. In meiner Zeit in England haben wir ziemlich oft auch zuhause privat ein tradtionelles English Breakfast zubereitet. Damals habe ich noch Eier gegessen, im Zuge meiner To-Wants habe ich 2023 statt der Spiegeleier ein Kichererbsenomelette ausprobiert.

    Ein weiteres herzhaftes Frühstücksrezept kam wieder von Bianca Zapatka: Kichererbsenpfannkuchen mit Spinat und veganem Feta. Kichererbsen sind einfach sehr variabel einsetzbar, als Mehl lange haltbar und fügen einem Gericht gesundes Protein zu.

    Was macht ein gutes Frühstück aus?

    Generell suche ich mir die Rezepte nicht danach aus, wie gesund sie sind. Ich mag offensichtlich sowohl süße als auch herzhafte Kreationen, warme wie kalte, aufwendige und einfache.

    Ein Sonntagsfrühstück braucht für mich eine gewisse Üppigkeit. Damit meine ich nicht die Portionsgröße, sondern die Mischung aus Geschmacksnoten und Gewürzen. Und auch die Liebe, die ich in die Zubereitung investiere und nachher im Idealfall rausschmecke.

    Ein Frühstück an Wochentagen muss eher das Gewohnheitszentrum in meinem Hirn treffen. Außerdem möchte ich, dass über den Vormittag mein Magen nicht anfängt zu knurren. Da sind die Overnight Oats schon ideal.

    Am Ende ist es die Hauptsache, dass ich frühstücke. Dass ich mir die Zeit nehme, mich hinzusetzen und mich in aller Ruhe auf den Tag vorzubereiten.

    Frühstück in der Zukunft

    Diese Blogparade ist mir ein Anlass, mich nochmal auf meine To-Wants zu besinnen. Die ganzen Rezeptideen hatte ich nämlich noch gar nicht alle abgefrühstückt. Auf meiner Liste für die kommenden Wochenenden steht unter anderem noch Folgendes:

    Wie sieht es bei dir aus?

    Wie wichtig ist dir das Frühstück? Hast du Lieblingsrezepte oder magst du auch die Abwechslung? Wie wichtig ist dir der Gesundheitsaspekt? Falls du Empfehlungen hast, freue ich mich sehr über Kommentare 😊

  • 9 Podcasts, die ich besonders gerne höre

    9 Podcasts, die ich besonders gerne höre

    Eine Blogparade über Podcasts: Ein weiteres Thema, das mir genau recht kommt. Aufgerufen hat dazu Dr. Andrea Maria Bokler unter dem

    Jetzt höre ich seit 2020 so viele verschiedene Podcasts, dass es mir schwer fiel, eine Auswahl zu treffen. Manche Podcasts höre ich immer mal wieder, dann eine Weile nicht, weil sich andere dazwischen schieben. Manche machen Sommerpausen, manche erscheinen wöchentlich, manche habe ich spät entdeckt und muss sie jetzt wegbingen 😄

    Wie und wann höre ich Podcasts?

    Ich gehe schon sehr lange fast täglich draußen eine Runde, manchmal als Nordic Walking, manchmal eher gemütlich, je nach Energielevel. Seit meiner Coronainfektion im September 2023 muss ich mir das ein bisschen einteilen und gleichzeitig meine Kondition wieder verbessern. Umso wichtiger ist mir die Regelmäßigkeit.

    Ein großer Schritt nach vorne war für mich der Kauf eines Noise-Cancelling-Kopfhörers mit Bluetooth. Damit kann ich unverkabelt Schritte sammeln und muss nach den Abschnitten an der Hauptstraße nicht mehr zurückspulen, um vor lauter Lärm Verpasstes nachzuholen.

    Ansonsten höre ich auch Podcasts bei der Hausarbeit. Anders ist es mir nicht zuzumuten, einen Korb Wäsche zusammenzulegen oder den Kühlschrank tiefenzureinigen 😉

    Welche Art Podcasts höre ich und warum?

    Ich habe in meiner Spotifyliste eine wilde Mischung aus Podcasts auf Englisch, Deutsch, Dänisch und sehr einfachem Französisch. Darunter sind Fandomthemen, zum Beispiel Marvel und Doctor Who, Wissenschaftspodcasts, Unterhaltsames und Politisches.

    Neue Podcasts finden ihren Weg auf meine Liste durch Empfehlungen, teils aus meinem Umfeld, teils in meinen Lieblingspodcasts selber. Und dann hat ja Spotify noch die Unart, mir mitzuteilen, was sonst noch in mein Hörschema reinpassen könnte und liegt damit gar nicht so selten ziemlich richtig.

    Meine 9 Podcasttipps

    Hier sind in unsortierter Reihenfolge neun Tipps, für jeden Tag der Woche einer, für Samstag und Sonntag noch zwei extra:

    Dissens

    Lukas Ondreka ist der Ansicht, dass sich gesellschaftlich einiges ändern muss. Ich stimme ihm da zu und bin fasziniert von der Reihe kluger Menschen, die er schon zum Interview eingeladen hat.

    Es geht um Ökologie, Kapitalismus und Mitmenschlichkeit. Weil Lukas so eine schöne Art hat, tiefgründige Fragen zu stellen, verzeihe ich ihm sogar, dass er immer wieder davon redet, wie jemand „nen buch“ gelesen hat 😆

    Dissens kommt ungefähr wöchentlich heraus.

    Piratensender Powerplay

    Samira El Ouassil und Friedemann Karig sortieren immer am Freitag die Geschehnisse der vergangenen Woche zusammen. Ich höre diesen Podcast rituell am Samstagmorgen nach dem Frühstück mit einer Tasse Kaffee auf dem Sessel.

    Besonders schön finde ich die Rubrik „Worüber wir diese Woche nicht sprechen“, weil die beiden nicht daran interessiert sind, dem neuesten Eichhörnchen hinterherzuhoppeln. Sie haben einen Blick für das Wesentliche und für die Erzählungen hinter den politischen Entwicklungen.

    Manchmal laden sie Gäste ein, wenn es um Themen geht, zu denen sie selbst nicht die Sachkenntnis haben, die aber besprochen werden sollten, wie zum Beispiel der Nahostkonflikt.

    Sie haben zum Thema Narrative auch das Buch „Erzählende Affen“ geschrieben. Friedemann hat vor kurzem ein Buch über wirksame Protestformen veröffentlicht: „Was ihr wollt“ Die beiden Bücher habe ich allerdings nicht gelesen.

    Piratensender Powerplay macht aktuell Sommerpause.

    podcasts: Angela alt

    Meno an mich

    Diana Helfrich und Julia Schmidt-Jortzig von der Brigitte informieren mit diesem Podcast über alles, was mit den Wechseljahren zu tun hat. Dabei laden sie Expertinnen aus den Bereichen Medizin, Psychologie, Fitness und Ernährung ein.

    Die Folgen sind zwischen 30 und 50 Minuten lang und erscheinen immer Freitags. Ich habe aus diesen Interviews schon viel mitgenommen und hätte mir gewünscht, diese Art Information hätte ich schon mit 40 Jahren in diesem Format vorbereitend hören können.

    What’s Her Name

    Die beiden Schwestern Dr. Katie Nelson and Olivia Meikle stellen an jedem zweiten Mittwoch eine mehr oder weniger unbekannte historische Frau vor. Ein paar dieser Persönlichkeiten kannte ich zwar, aber nicht in so vielen Details.

    Katie ist Historikerin und Olivia ist Literatur- und Gender-Studies-Dozentin. Manchmal haben sie Expert*innen zu Gast. Ihre Folgen sind immer mit passender Musik liebevoll untermalt und lassen Frauen aus den vergangenen Jahrhunderten erstaunlich lebendig werden. Dabei reicht der Bogen von der Steinzeit bis in die jüngere Vergangenheit: Besonders beeindruckt hat mich die Episode über Sophie Scholl.

    Druidcast

    Damh the Bard (Ausgesprochen: Dave) kannte ich schon länger durch seine Musik auf Youtube. Er hat in der Coronazeit mehrere Livekonzerte zu den Feiertagen des Jahreskreises geteilt und mir damit so manches mal das Herz aufgehen lassen. Beziehungsweise den Abend gerettet.

    Seinen Podcast habe ich erst später entdeckt. Darin geht es um die Welt aus der Perspektive eines Druiden. Nicht wie Miraculix, sondern als Mitglied des Order of Bards, Ovates and Druids. Mythologisch ist die keltische Tradition nicht mein Zuhause, allerdings finde ich mich in vielem wieder, was Dave sagt und singt. Es geht ihm darum, wieder mehr Einklang zwischen uns Menschen und dem Rest der Natur herzustellen.

    Dave hat eine sehr weichherzige und heitere Art zu reden, und manches, was er aus seiner Umgebung erzählt, habe ich in früheren Urlauben selbst besichtigt und kann es dann quasi vor mir sehen. Eine seiner Kategorien heißt „The Talky Bit“ und so fühlt sich das Ganze auch an, im allerbesten Sinne.

    podcasts: Grafik, die den spätesten Sonnenaufgang und den frühesten Sonnenuntergang des Jahres verdeutlicht

    The Wonder

    Mark Green und Yucca haben einen ähnlichen Podcast. Allerdings basiert dieser auf dem Atheopaganismus, einer spirituellen naturverbundenen Sicht auf die Welt, die auf wissenschaftlichen Erkenntnissen basiert, sowohl naturwissenschaftlich als auch psychologisch.

    Ich finde diesen Ansatz sehr spannend und höre besonders gerne die Folgen rund um den Jahreskreis. Yucca lebt in einer eher trockenen Region der USA, Mark in Californien. Beide berichten über den Lauf der Jahreszeiten, den sie jeweils vor ihrer eigenen Haustür beobachten. Über die Gemeinsamkeiten und Unterschiede. Und in welchem Zusammenhang dieser Kreislauf mit astronomischen und psychologischen Vorgängen steht.

    Koen på isen

    Ich realisiere gerade, dass ich Helles Nachnamen nicht kenne 😮 Sie bietet Häppchen von 10-25 Minuten auf Dänisch an. Und zwar langsam und deutlich, um Lernende zu motivieren.

    Sie hat eine sehr witzige Art und greift in jeder Folge eine Kategorie fester Ausdrücke auf. Zum Beispiel alle Sprichwörter im Dänischen, die mit der Farbe Grün zu tun haben. Die Episode am 2.7.24 drehte sich natürlich um das allerwichtigste Fußballvokabular.

    Meine Lieblingsfolge war „Vi sparker røv“ 😉 Allerdings habe ich auch manchmal bis häufig den Humor einer 12-Jährigen.

    Der Podcast läuft unregelmäßig und erscheint circa zweimal im Monat.

    podcasts: Scrrenshot aus der app duolingo. ein kleiner cartoonjunge sagt in einer comicblase auf englisch "have you become old?" und darunter steht auf dänisch "er du blevet gammel?"

    Mal angenommen

    Dieser Podcast aus dem Umfeld der Tagesschau blickt spekulativ in die Zukunft. Was wäre wenn…

    • Städte autofrei wären?
    • die Wehrpflicht wieder eingeführt würde?
    • die Bahn immer pünktlich käme?

    Aus der jeweiligen Prämisse entspinnen sich Bedingungen, um das Szenario zu ermöglichen, sowie mittel- und langfristige Konsequenzen. Die Präsentierenden beleuchten auch, wie manche dieser theoretischen Konzepte schon in der Gegenwart verankert sind und fassen am Ende das Pro und Contra kompakt zusammen.

    Mir gefällt sowohl das Muster des Gedankenexperimentes als auch die breite Mischung der behandelten Themen. Jeden zweiten Donnerstag gibt es zwischen 20 und 30 Minuten zu hören.

    Klima im Kopf

    Mit diesem Podcast geben die Psychologists For Future ihr Wissen weiter. Dadurch wollen sie Menschen angesichts der multiplen Krisen helfen, handlungsfähig zu bleiben und mehr Selbstwirksamkeit zu erfahren.

    Die Folgen erscheinen unregelmäßig und sind immer etwas über 30 Minuten lang. Ich schätze daran die gute Mischung aus wissenschaftlichen Hintergrundinformationen und handfesten Praxistipps. Es ist allen Beteiligten anzumerken, dass sie selbst auch klimabewegt aktiv sind und die mentalen Schwierigkeiten aus eigener Erfahrung kennen. Gerade diese authentische Betroffenheit macht für mich diesen Podcast so wertvoll.

    Welche Podcasts hörst du?

    Auch wenn meine Spotifyliste schon unrealistisch voll ist und der Tag nicht genug Stunden hat, das alles zu hören, bin ich an neuen Empfehlungen interessiert.

    Hast du einen Lieblingspodcast? Oder podcastest du sogar selbst?

  • Monatsrückblick Juni und Juli 24

    Monatsrückblick Juni und Juli 24

    Diesmal gibt es den Monatsrückblick Juni und Juli 24 nach der Anleitung von Judith Peters wieder im Doppelpack. Eigentlich wollte ich den Juni gemütlich ausplätschern lassen und dann im Juli erst recht die Füße hochlegen. Haha!

    2023 habe ich auch schon den Juni und Juli zusammen gelegt. Vielleicht wird daraus noch eine Tradition. Für mich wäre es sinnvoll, gleichzeitig wird der Rückblick dadurch schon etwas episch 😄

    Was hatte ich vor und was ist daraus geworden?

    • Meine Schüler*innen für die noch ausstehenden mündlichen Prüfungen vorbereiten ->Da haben wir alle unser Bestes gegeben.
    • Schwimmen gehen -> Wie gut, dass Schwimmbad und See auch im August noch zur Verfügung stehen.
    • Die zwei angefangenen Bücher zu Ende lesen -> Für einen weiteren Comic hat es gereicht 😄
    • Meinen Wackenaufenthalt vorbereiten -> Aus Energielevelgründen werde ich nur am Samstag, den 3.8. hinfahren. Immerhin 😊
    • Die Pixiausstellung besichtigen -> War ein großes Highlight, siehe weiter unten.
    • Die ToWant-Liste für das dritte Quartal zusammenstellen. -> Hat Ende Juli dann doch noch geklappt.

    Was habe ich im Juni und Juli 24 über mich gelernt?

    Neinsagen ist ein Prozess, in dem es nicht immer nur vorwärts geht.

    Es gibt Phasen, in denen schaffe ich es richtig leicht und zuverlässig, im richtigen Moment zu merken, dass ich etwas nicht möchte und das gleich zu kommunizieren. Manchmal merke ich es immer noch mit reichlich Zeitversatz.

    Mein inneres Team ist sich nicht immer über das Nein einig. Manche Aktionen machen großen Spaß, kosten aber Energie.

    Besonders die Prüfungsphase hielt einige solcher Fälle parat. Es haben ein paar Menschen kurz vor knapp realisiert, dass sie das Abi nicht ganz alleine angehen wollten, andere haben noch emsig Extrastunden dazu gebucht.

    Ich unterrichte gerne und besonders die Oberstufenmathematik zieht mich an wie eine blaue Blüte die Bienen. An manchen Abenden konnte ich mein Hirn quasi knistern hören, und ein Teil meiner Persönlichkeiten hat das gefeiert. Ein anderer Teil hing schwer und ein bisschen vorwurfsvoll in den Seilen.

    Es fällt mir noch schwer, Nein zu sagen, wenn ich etwas versprochen habe.

    Das betrifft vor allem die Kurzgeschichten, die ich mir für deadlinesforwriters auf die Fahne geschrieben hatte. Im April habe ich mich noch am Abgabetag durch meine Schreibblockade und die ausgiebige Prokrastination gekämpft.

    Bei der Schreibaufgabe im Mai habe ich schweren Herzens eingesehen, dass die Zeit zu knapp wird. Für den Juni und Juli habe ich jeweils ganz bewusst in den Tagen vor der Abgabe beschlossen, mich nicht gegen den inneren Widerstand zum Schreiben zu quälen. Die Folge war eine Mischung aus schlechtem Gewissen, Erleichterung und Freude darüber, dass ich so authentisch Nein gesagt hatte.

    Ich bin nicht verantwortlich für Traumata von Menschen, die vor mir da waren.

    Ich sage meinem Mann so oft ich daran denke, dass er nicht dafür zuständig ist, dass ich gute Laune habe. Etwas ähnliches habe ich jetzt auch für mich begriffen. Mitgefühl und Nachsicht sind das eine. Mich zuständig oder gar schuldig zu fühlen für Dinge, die passiert sind, als es mich noch gar nicht gab oder als ich nicht dabei war, tut mir nicht gut und ändert auch für die betroffene Person nichts.

    Was habe ich im Juni und Juli 24 gehört?

    Ich höre gerne Podcasts, besonders beim Gehen. Ein paar Episoden haben mich besonders beeindruckt.

    In Halbe Katoffl unterhalten sich Frank Joung und sein Gast Burak Yilmaz sehr ehrlich, teils erschütternd, teils humorvoll über ihre Erfahrungen als „Menschen mit nicht-deutschen Wurzeln“.

    Burak berichtet von seiner Jugend und dem Kontrast zwischen dem Stadtteil Duisburgs, in dem er aufwächst, und dem katholischen Privatgymnasium, an dem er als einziger Kurde immer wieder nachdrücklich aufgefordert wird, sich von Terrorakten vom Moslems zu distanzieren.

    Diese Folge macht deutlich, wie wenig uns unsere Privilegien auffallen. Wie leicht wir in einem System leben können, in dem wir nicht den „Alman-Modus“ ein und aus schalten müssen, sondern mehrheitlich sein können, wie wir sind. Und dafür nicht immer wieder in Frage gestellt werden.

    Das Interview macht nachdenklich und schwingt bei mir noch lange nach.

    Der Piratensender Powerplay hat Narrative gegen die Ukraine beleuchtet und für die Situationen aufbereitet, in denen andere Menschen uns damit konfrontieren.

    Einige der weit verbreiteten Erzählungen können in einer spontanen Situation sehr überzeugend und schwer zu entkräften wirken. Umso wichtiger ist es, ein paar differenzierte Hintergrundinformationen schon einmal gehört zu haben.

    Den Talk ohne Gast hatte mir Spotify schon mehrfach ans Herz gelegt, wahrscheinlich, weil ich auch gerne Bosettis Woche höre. Im Juni empfahl ihn mir zusätzlich mein Bruder als sehr unterhaltsam.

    Nach einem ersten Reinschnuppern habe ich angefangen, alte Folgen zu bingen. Moritz Neumeier und Till Reiners schaffen eine wunderbare Mischung aus Quatsch, Anleitung zur Selbstfürsorge und wilden Informationshäppchen aus einem breiten Themenbuffet.

    Gerade in Zeiten, in denen ich zum überwältigenden Weltschmerz tendiere, ist dieser Podcast eine Gelegenheit, einfach mal das Hirn in den Kurlaub zu schicken.

    Was habe ich im Juni und Juli 24 gelesen?

    Alternating Current

    Wenn es knapp wird, geht immer noch ein Comic. Dieser hier schließt an den Doctor Who-Comic an, den ich im April gelesen habe. 13 und 10 müssen noch einmal zusammen arbeiten, um das Paradox, das sie bei ihrer letzten gemeinsamen Aktion verursacht haben, wieder auszubügeln. Ich gebe zu, da hatte ich zeitweise einen kleinen Knoten im Gehirn. Trotzdem oder gerade deswegen großes Entertainment.

    Ab heute nehme ich auch ein paar bemerkenswerte Blogposts in die Kategorie „gelesen“ mit auf:

    Die politische Dimension des Mitgefühls – eine persönliche Reflexion

    Britta hat hier eine Menge weiser Worte gefunden. Darüber, wie wir mit Missständen in weiter Ferne und in nächster Nähe umgehen. Für mich kam vieles aus ihren Anregungen zum richtigen Zeitpunkt. Was können wir machen, wenn wir sehen, wie da draußen mit Bomben auf Kinder geschossen wird? Auf unser Handeln, Denken und Sprechen zu achten ist ein erster guter Schritt ❤️

    Die ethische Frage: Warum wir uns für Hilfsbereitschaft entscheiden sollten

    Und noch ein bewegender Blogartikel von Britta. Dieser dreht sich um die Frage:

    „Wer bin ich, dass ich entscheide, wofür jemand Geld ausgibt, das ich ihm schenke?“

    Außerdem geht es darum, sich bewusst zu machen, welche Privilegien wir einerseits haben, und wie kurz wir andererseits vom Abgrund entfernt sind.

    Als ich noch in London gelebt habe, habe ich immer vom gleichen Mann das Magazin „Big Issue“ gekauft. Er hatte sehr viele Geschichten über sein Leben zu erzählen. Wir sehen im Vorbeigehen gar nicht alle Facetten der Person, die uns vielleicht um einen Euro bittet.

    In meiner Kindheit gab es eine Phase, in der auch wir sehr wenig Geld hatten. Damals habe ich erlebt, wie es ist, wenn Menschen auf andere Menschen herunter gucken, als hätten beide sich ihre Positionen in der Hierarchie des Lebens verdient.

    Danke Britta für diesen Denkanstoß ❤️ Und für die Motivation, mal wieder meine Zeit mit anderen Blogs zu verbringen!

    Bloggen mit 50plus: 5 Gründe, warum du in deiner 2. Lebenshälfte einen Blog starten solltest

    Korinas Plädoyer für das Bloggen im „fortgeschrittenen Alter“ hat mich sehr abgeholt. Noch bin ich ja 50 und nicht plus, aber auch nur bis Anfang September 😉 Ich habe in den letzten Wochen überlegt, ob mein Wundertütenblog so überhaupt sinnvoll ist. Ich schreibe längst nicht nur über das Lernen oder über Mathematik oder Naturwissenschaften.

    Aber weißt du was? Mein Blog muss keine Erwartungen erfüllen. Ich habe kein Onlinebusiness, das ich damit anschieben muss. Meine Themen ergeben sich aus dem, was mich inspiriert und was ich der Welt jeweils gerade mitzuteilen habe.

    Um es mit Korina zu sagen:

    „Bloggen macht einfach Spaß!“

    Das kann ich bestätigen. Wenn ich nicht in einer Hinterfragungsschleife sitze, macht es mir tatsächlich Spaß, mich hier mitzuteilen. Aus Korinas Artikel habe ich noch ein paar Anregungen zur Vernetzung und zum Co-Blogging mitgenommen. Jetzt weiß ich, was ich mit all der Zeit mache, die durch mein Facebookfasten frei wird!

    Cousinentreffen in Osnabrück

    Meine Familie ist ziemlich groß: Auf der Seite meiner Mutter habe ich neben meinen zwei Geschwistern zehn Cousinen und Cousins. Auf der Seite meines Vaters sind es drei Cousinen und noch zwei Cousins, einer ist leider schon gestorben.

    Daran gemessen sehe ich von diesen Menschen ziemlich wenige in Person und auch das nur ziemlich selten. Eine meiner Cousinen hat im vergangenen Jahr die neue Tradition angeschoben, dass sich jährlich alle treffen, die Interesse haben und es zeitlich einrichten können. 2024 fiel die Wahl für den Ort auf Osnabrück.

    Mein Mann kommt aus Osnabrück und wir haben sogar dort geheiratet. Allerdings ist mir im Juni erst aufgefallen, wie wenig ich von dieser Stadt bisher gesehen beziehungsweise zu Fuß erlaufen hatte. Wir halten uns meistens eher in seinem Heimatstadtteil auf und gucken uns im Winter den Weihnachtsmarkt an.

    Am Wochenende des Cousinentreffens habe ich nicht nur für meine App eine Menge Schritte gemacht, sondern auch richtig schöne Seiten an Osnabrück neu kennengelernt.

    Ein kultureller Höhepunkt war die Führung durch den Dom, die freundlicherweise mein Schwiegervater übernommen hat. Über den Beichtstuhlwitz, den er bei der Gelegenheit erzählt hat, lache ich heute noch immer mal wieder 😊

    Was ich nicht besonders empfehlen kann ist das Ibis-Budget-Hotel. Es ist in direkter Nähe zu einem Techno-Club, der zu meinem Erstaunen die ganze Nacht von Samstag auf Sonntag in einer Lautstärke Musik schmetterte, als hätten sie keinerlei Schalldämpfung. Das Zimmer an sich war total in Ordnung, ich hatte mich dort auch nur eingebucht, weil meine Cousine so ein Sparfuchs ist und wir in einem Hotel gemeinsam absteigen wollten.

    Meine Lektionswiederholungen:

    • Ich mag Familientreffen richtig gerne.
    • Manche Orte sind schöner, als ich dachte.
    • Investiere ein bisschen mehr in die Unterkunft oder nimm das nächste Mal Ohropax mit.

    Meine Kindheit in kleinen Quadraten

    Die Bücher

    Die Pixibuchausstellung stand eine ganze Weile auf meiner To-Want-Liste. Mir war gar nicht bewusst gewesen, dass diese Bücher schon seit 70 Jahren verlegt werden. Zur Feier dieses Jubiläums hat das Altonaer Museum eine Sonderausstellung eingerichtet. Im Juli sind wir hingefahren und ich zehre immer noch davon, wenn ich mir die Bilder ansehe.

    Hier mal eine kleine Zeitreise: Auf dem Bild vom Juli 1975 bin ich in die Geschichte vom Löwen Ladislaus vertieft. Wenn auch auf dem Kopf 🙃 Der Erfinder der Pixibücher hatte schon die richtige Idee mit diesem handlichen Format und den farbenfrohen Illustrationen.

    Als Kind habe ich Pixibücher geliebt und verschlungen, ziemlich bald auch richtig herum. In der Ausstellung hingen sehr viele Titel an den Wänden und ich habe sie immer wieder quietschend kommentiert mit:

    „Oooh, das hatten wir auch! Und das auch! Hihihi!“

    Ich war gar nicht auf die Tiefe der Wiedersehensfreude vorbereitet gewesen. Und auf die Erinnerung daran, vom Kater Schnurr und seinem selbstgewählt schulfreien Tag zu lesen. Mich haben alleine die Titelbilder wieder in diese faszinierende Welt gesogen, in der kleine Kater in blauen Hosen und lila Hemden beschließen, sich mit einem Stock und einer Schnur am Fluss eine gute Zeit zu machen.

    Diese Stimmung ist sehr vergleichbar mit dem Ansatz der Sesamstraße. Bunt, ein bisschen anarchisch und sehr lehrreich. An dieser Stelle bin ich froh, in den 70ern geboren zu sein, das war schon eine lustige Zeit in mancher Hinsicht.

    Die Ausstellung an sich war nicht besonders groß. Es gab allerdings eine Sandkiste voll mit Büchern in der Mitte. Leider ohne den Kater Schnurr und ohne den Löwen Ladislaus 😄 Dafür waren zwei Stoffzelthäuschen aufgestellt, in die sich kleine Menschen zum Lesen zurück ziehen konnten.

    Und ich habe gelernt, dass der Bär Petzi eine dänische Erfindung ist und eigentlich Rasmus Klump heißt. Aktuell bin ich wild entschlossen, mir ein paar Bände der Buchreihe im Original zu besorgen.

    Besonders bewegend fand ich auch die Bücher in den Sprachen nach Deutschland geflüchteter Kinder. Das sollte ihnen das Ankommen erleichtern. Ich finde das so eine wunderbar herzerwärmende Geste. Geschichten verbinden und berühren.

    Die Location

    Das Museum hatte neben den Pixis noch mehr zu bieten. Eine Ausstellung zum Thema Glaubensfreiheit war noch einmal neu präsentiert worden. Besonders reizvoll fand ich die weißen Wände, auf denen Besuchende eingeladen waren, diverse Fragen zu beantworten. Einerseits teile ich mich selbst gerne mit, andererseits waren viele Antworten, die Menschen vor mir hinterlassen hatten, sehr berührend.

    Außerdem gibt es im Altonaer Museum dauerhaft historische Stuben aus Norddeutschland zu bewundern. Und natürlich vieles über den Ort Altona an sich zu lernen. Das ist schon ein spezieller Stadtteil Hamburgs, noch ein bisschen hippiemäßiger und eine kleine Welt für sich.

    Das Wappen sieht fast aus wie das normale Hamburger Wappen bis auf die geöffnete Tür. Die steht leider nicht für die generelle Entspanntheit und Offenheit, die das Schild an der Museumstoilette vermuten lässt. Sondern dafür, dass dem König von Dänemark jederzeit Zugang zu gewähren ist. Da schließt sich dann ein weiterer kleiner Kreis 😉

    Update Linnemann

    Es gibt leider keine Neuigkeiten von Herrn Linnemann zum Thema „Verbrenner-Umfrage“. Mich hat der Umgang der CDU mit den Menschen, die sich an dieser Umfrage ordnungsgemäß beteiligt haben, sehr geärgert.

    Weder auf meine E-Mail an die CDU noch auf meinen Brief an Herrn Linnemann habe ich eine Reaktion bekommen. Da bin ich von Menschen aus der SPD und von den Grünen anderes gewohnt. Das lasse ich einfach mal so stehen.

    Eine Hand hält einen Brifumschlag, darauf die Adresse An Dr Carsten Linnemann MdB, Platz der Republik 1, 11011 Berlin Die Briefmarke hat ein Micky Maus Motiv. Im Hintergrund ist unscharf eine grüne Hecke zu sehen

    Zahn-OP mit Hindernissen

    Unsere Katze Lilly ist inzwischen 17 Jahre alt. Abgesehen von einigen Unfällen war ihr Gesundheitszustand bisher eher kernig. Und zu unserem Glück ist Lilly bei Untersuchungen immer ausgesprochen schicksalsergeben. Jetzt hat die Tierärztin bei ihr FORL festgestellt, eine katzenspezifische Zahnerkrankung.

    Ursprünglich war geplant, dass sie im Juni zur Operation unter Vollnarkose antreten sollte. Zum Glück hatte ich bei den Optionen der Voruntersuchung wirklich alles angekreuzt. Der erste Termin fiel entsprechend aus, weil der Test auf einen Blutmarker für Herzmuskelschwäche positiv war. Also durften wir sie wieder abholen, nicht einmal eine Stunde nach dem Abliefern.

    Da ahnte sie noch nichts.

    Auch die Spezialistin für Herzkrankheiten war beeindruckt davon, wie ausdauernd und gleichmütig Lilly die Ultraschalluntersuchung zur Kenntnis genommen hat. Ich war im Gegenzug begeistert vom separaten Katzenwartezimmer ihrer Praxis ❤️

    Mit dem Befund in der Tasche habe ich unsere Katze ein zweites Mal zur OP eingereicht. Leider habe ich sie ein zweites Mal vorzeitig wieder einsammeln dürfen. Zur Herzmuskelverdickung hat sie nämlich noch zusätzlich eine Schilddrüsenüberfunktion. Waren wir Mitte Juni davon ausgegangen, dass unser Dachhase noch richtig rüstig ist, ist unser aktueller Stand eher, dass sie genauso in die Jahre gekommen ist wie wir auch.

    Bis zum nächsten Versuch der Zahn-OP bekommt sie zweimal täglich ein Medikament mit einer Pipette. Wer mal einer Katze etwas einflößen musste und das in der Absicht, dass es mehrheitlich drin bleibt, kann sich vorstellen, wie fummelig das für sie und mich ist. Immerhin habe ich gemerkt, dass sie die Tropfen im Futter nicht schlimm findet, sondern einfach mit rein schlabbert. Solange das so bleibt, muss ich ihr wenigstens die Pipette nicht mehr alle 12 Stunden direkt in den Hals verabreichen 😸

    Jetzt sollte nur noch der nächste Zahnsanierungstermin planmäßig ablaufen. Ich drücke ihr und mir gründlich alle Daumen.

    Naturschönheit vor Ort

    Eingefangener Rosenduft

    Nicht nur Osnabrück habe ich neu schätzen gelernt. Auch bei mir vor Ort gibt es immer wieder Dinge, die sich mir neu ins Bewusstsein schieben. So hatte ich im Mai festgestellt, dass ich Rosenduft unter dem Long-COVID-Einfluss nicht mehr so intensiv wahrnehme.

    Es ist ein bisschen besser geworden seitdem. Als ich auf Masotodon von einer Bekannten las, dass sie ihr Porridge mit Rosenwasser verfeinert, wollte ich das Aroma der Rosen in meinem Garten auch einfangen. Nach einem beliebten Chefkochrezept habe ich also Rosensirup angesetzt.

    Das Endergebnis in der Flasche täuscht etwas, weil ich nicht genug weißen Zucker hatte und mit braunem aufgefüllt habe. Trotzdem bin ich ziemlich angetan davon, wie ich etwas, das bei mir im Garten steht, in ein Erlebnis für alle Sinne verwandeln kann. Mit Glück erholen sich meine Geruchsrezeptoren noch weiter und ich kann dieses Rezept 2025 noch mehr genießen.

    Neue Blüten

    Manchmal sind mein Mann und ich eher sesshaft. Und manchmal raffen wir uns auf, nicht nur die übliche Runde spazieren zu gehen. Als wir im Juli am Krupunder See waren, fielen mir an manchen Uferstellen ein paar abgezäunte Bereiche auf. Der See wird von der örtlichen NABU-Gruppe betreut und die siedelt dort anscheinend Seerosen an. Bisher ist die Zahl der Blüten noch übersichtlich, allerdings freue ich mich darauf, der Entwicklung zuzusehen.

    Seerose auf dem Krupunder See

    Abstecher mit Belohnung

    Es existieren immer noch Flecken auf der Karte, die ich in meinen bald sieben Jahren in Halstenbek noch nicht persönlich erschlossen habe. Bei einer Abfrage auf Google-Maps in einer ganz anderen Angelegenheit bemerkte ich einen blauen Bereich: Das Regenrückhaltebecken.

    Beim Spaziergang um den Krupunder See haben wir einen weiteren kleinen Abstecher drangehängt, ohne große Erwartungen. Der Pfad war teilweise abenteuerlich schmal und überwachsen. Der Teich ist allerdings richtig idyllisch. Da bin ich nicht zum letzten Mal gewesen!

    Manchmal führen mich Google Maps und Komoot über Stock und Stein an Ziele, die letztlich nicht so interessant sind. Und manchmal stellt sich ein spontaner Entschluss, einfach mal eine neue Abzweigung zu nehmen, als richtig gute Idee heraus.

    Schön hier in PI

    Generell bin ich immer noch sehr zufrieden damit, dass wir 2016 hierher gezogen sind. Es war zwar in Brunsbüttel nur 50 Meter Luftlinie zur Badestelle in der Elbe, dafür ist der Kreis Pinneberg abwechslungsreicher. Und wenn im Sommer alles blüht, ist es eigentlich überall auf seine Weise schön.

    Und was war sonst noch los?

    Jetzt müsste ich noch eine Gelegenheit finden, auf Dänisch Konversation zu betreiben.

    Da ging mir als Chemikerin das Herz auf.

    Und es gab auch direkt die Antwort hinterher.

    An der Stelle musste ich dann aber wieder mit den Augen rollen 😉

    Wie singt Mai Thi Nguyen-Kim so schön: Alles ist Chemie.

    Es gab wieder einen Cube der Active Vegans Hamburg in der Spitaler Straße.

    Noch eine Anfrage, dieses Mal zum Thema „Ballons steigen lassen“. TUI mochte sich leider auch nicht äußern.

    In unserer Siedlung werden seit mehr als einem Jahr mächtig die Straßen runderneuert. Baustellen faszinieren mich sehr, besonders wenn so filigran an Kabeln vorbei gebaggert wird.

    Ich staune immer wieder, wie anders meine Arbeit gewürdigt wird, seit ich nicht mehr im Schuldienst bin, sondern als Nachhilfelehrerin junge Menschen durch das Abi begleite.

    In Brunsbüttel waren wir auch wieder. Seit meinem letzten Besuch 2023 hat sich erfrischend wenig geändert dort. Hier ein Blick auf die Braake. Eines Tages fahren wir dort nochmal Tretboot.

    Und dann gab es ja auch noch die Europawahl. Hier war ich noch richtig zuversichtlich.

    Monatsrückblick in Zahlen

    Im Juni 24 hatte die Schrittzähler-App einen offiziellen Endstand von 200333, also pro Tag ca. 6677 Schritte. Im Juli kamen noch ca. 218000 Schritte dazu, also zum ersten Mal über einem Schnitt vom 7000 😁

    Im Juni 24 hat die PV-Anlage 924 kWh produziert. Das ergibt einen Autarkiegrad von 92%. Der Juli hat über 1000 kWh geliefert. Das war tatsächlich weniger als im Mai, aber ich beschwere mich ganz sicher nicht darüber, dass mein Garten so schön beregnet wurde 😉

    Was habe ich im Juni und Juli 24 gebloggt?

    Rückblick Mai 24: Eine Frau steht mit hochgekrempelten Hosenbeinen am Spülsaum eines Strandes. Im Hintergrund geht farbenfroh die Sonne unter

    Monatsrückblick Mai 24

    Mein Monatsrückblick Mai 24: Eine Silberhochzeit zu zweit, Übungen in Selbstwirksamkeit und ein paar Haken an der Abiturliste.

    Photo von einem kleinen blauen Mülleimer mit Schwingdeckel

    Kognitive Dissonanz und Müllbeutel

    Eine Debatte auf Instagram brachte mich dazu, über kognitive Dissonanz nachzudenken. Und darüber, was ich mir für einen Umgang damit wünsche.

    To-Want-Liste für das 3. Quartal 24

    Ein Rückblick auf die Liste für das 2. Quartal, ein Realitätscheck und 16 Punkte auf meinem Wunschzettel für die Zeit bis zum 30. September.

    Eine blaue Stahltrinkflasche auf einem Holztisch. Auf der Flasche steht in weiß "stay hydrated"

    Gefühlte Fakten

    Auf die Frage nach dem „wie viel“ folgen oft gefühlte Fakten. Ob das ein Problem ist, kommt auf die Situation an. Was meine Trinkflasche mit dem 1,5°C-Ziel zu tun hat, erfährst du hier.

    Blogparade – Orte, an denen ich mal gelebt habe

    Dieser Beitrag beschreibt als Beitrag zu einer Blogparade Orte, an denen ich gewohnt habe und wie sie mich beeinflusst haben.

    #BlogparadeStädte

    Was habe ich im August 24 vor?

    • Einen Tagesausflug nach Wacken und zum Elbriot.
    • Mein Deutschlandticket nutzen.
    • Meine Webseite renovieren.
    • An ein paar Blogparaden teilnehmen.

    Das war mein Monatsrückblick Juni und Juli 24.

    Schreibst du auch mehr oder weniger regelmäßig Rückblicke? Was sind deine Erfahrungen damit?

    Mehr Beiträge zum Thema Rückblicke findest du hier.

  • Blogparade – Orte, an denen ich mal gelebt habe

    Blogparade – Orte, an denen ich mal gelebt habe

    Eine Blogparade über Orte aus meiner Biografie? Da bin ich dabei! In meiner To-Want-Liste für das 2. Quartal hatte ich noch aufgelistet, die vielen Entwürfe aufzuräumen. Jetzt hat die Content Society die Blogparadensaison wieder eingeläutet und da waren so viele interessante Themen dabei, dass ich meine Entwürfe zu abgelaufenen Aufrufen einfach sämtlich löschen werde. Stattdessen blogge ich einfach zu so vielen brandneuen Blogparaden, wie in den August reinpasst 😄

    Angelika Klein ruft unter #BlogparadeStädte dazu auf, über die geografischen Stationen unseres Lebens zu berichten. Ich habe schon einmal über meinen beruflichen Werdegang gebloggt, allerdings nicht im Detail meine Wohnorte beschrieben.

    Das Beitragsbild ist von 2010. Damals habe ich an der Blogaktion „Projekt 52“ teilgenommen. Jede Woche bekamen wir ein Stichwort, in diesem Fall „Hier bin ich Zuhause“. Und dann haben wir dazu Photos aufgenommen und geteilt. Alleine an dieser Stelle geht bei mir schon die gedankliche Nostalgieschleife los. Das war noch mit meinem ganz alten Twoday-Blog 🥰

    Ich komme auf 10 Orte, an denen ich jeweils mindestens drei Monate gelebt habe. An manchen bin ich ein paar Mal intern umgezogen. Eigentlich ziehe ich gar nicht gerne um, daher hoffe ich, dass ich jetzt für den Rest meines Lebens sesshaft bleiben kann.

    Elmshorn

    Blogparade Orte: Ein Kind sitzt in einem Laufstall und isst einen Apfel

    Es kam einiges zusammen, damit ich 1973 in Elmshorn geboren werden konnte. Die Eltern meiner Mutter hatten sich in Berlin kennengelernt und waren mit einem Zwischenstopp in Hamburg in die Kibek-Stadt gezogen, mein Opa väterlicherseits kam aus Nordfriesland, meine Oma väterlicherseits aus Pommern. Alle diese Fäden sollten dann im Kreis Pinneberg zusammenlaufen 😄

    Ich selbst habe in Elmshorn nur zwei Jahre als Einwohnerin verbracht, meine Erinnerungen daran sind entsprechend eher schemenhaft. Meine Mutter hat aber immer viel über Schleswig-Holstein gesprochen, das hat in mir eine beständige Sehnsucht nach dem Norden angelegt.

    Bad Oeynhausen

    Blogparade Orte: Ein Kind mit Zöpfen steht mit einem Puppenwagen auf einem Balkon im sonnenschein.

    Auch meine zweite Station habe ich mir nicht selbst ausgesucht 😉 Meine Eltern sind umgezogen, als mein Vater mit seinem Studium fertig war und als Psychologe auf dem Wittekindshof eingestellt wurde. Eine Zeitlang haben wir auch auf dem Gelände dieser Einrichtung gewohnt. Ich erinnere mich an den großen Balkon, den wir dort hatten. Darunter waren zwei Garagen,

    Es ist mir auch noch sehr deutlich im Gedächtnis, wie abschüssig dieser Ort ist. Als Kind bin ich dort mit einem Dreirad ohne Freilaufpedalen bergab gedüst und jeden Mittag vom Kindergarten aus bergauf nach Hause gestiefelt.

    Kurz vor meiner Einschulung sind wir nach Dehme gezogen, einem weiteren Dorf, dass zu Bad Oeynhausen eingemeindet wurde. Dort macht die Weser wirklich einen großen Bogen. Außerdem ist die Gegend dort praktisch eingekesselt zwischen Wiehengebirge, Wesergebirge und Lipper Bergland. Im Sommer stand entsprechend die Luft wie die Suppe im Topf.

    Nach dem Abitur hätte ich in Bielefeld studieren können, aber ich hatte Lust, mal raus zu kommen und etwas anderes zu sehen. Als Jugendliche sah ich keine dauerhafte Zukunft für mich an einem Kurort 😄 Außerdem fühlte sich Ostwestfalen nie wirklich wie meine Heimat an, auch wenn ich immer wieder gerne zu Besuch dorthin fahre.

    Oldenburg

    Blogparade Orte: Ein Blick auf ein Gebäude aus roten Backsteinen, davor stehen Bäume und eine Laterne.

    Mein erster selbstgewählter Wohnort war Oldenburg. Es hatte sich eigentlich eher zufällig ergeben, dass die Carl-von-Ossietzky-Universität unter denen war, die auf meine Bewerbung hin zugesagt hatten. Ihr Schwerpunkt auf Umweltchemie machte meine Entscheidung leicht.

    Oldenburg ist eine wunderschöne Stadt mit viel Grün und einem sehenswerten Umland. Vor allem hat mich begeistert, wie flach und windig es dort ist, ein willkommener Kontrast zu Bad Oeynhausen. In meinen Jahren dort bin ich auch mehrfach umgezogen und habe ganz nebenbei meinen Mann kennengelernt, der auch Chemie studierte, allerdings im Jahrgang unter mir.

    Ich denke sehr gerne an diese Zeit zurück. Das Fahrrad, das ich mir dort gekauft habe, steht immer noch im Schuppen. Und auch wenn ich nicht mehr als Chemikerin arbeite, war das Fach an sich genau mein Ding.

    Derby

    Zwischen unserer Uni und der in Derby ergab sich 1995 ein Erasmus-Austauschprogramm. Mein damaliger Freund und ich haben uns sofort dafür gemeldet und drei Monate im Peak District verbracht. Ich habe mich sofort in das Land, die Kultur und auch die alten Holzmöbel in den Laboren verliebt.

    Wir haben dort die Woche über an einer Reihe Projekten in der Umweltanalytik gearbeitet und an den Wochenenden Ausflüge unternommen. In unserem Wohnheim lebten Studierende aus allen Teilen der Welt und ich fand den Austausch bereichernd und faszinierend.

    Unter den Highlights waren die regelmäßigen Feueralarme mitten in der Nacht: Einmal hatte jemand erfolglos versucht, sich ein Brot zu toasten, ein anderes Mal hatte eine Kissenschlacht zu dicht unter einem Brandsensor stattgefunden.

    Ich ermutige alle meine Schüler*innen zu einem Auslandsaufenthalt, um den Horizont zu erweitern und sich selbst auch neu kennenzulernen. Und wer weiß, wie so ein paar Monate außerhalb der Heimat den Berufsweg beeinflussen? Nach unserem Erasmuspraktikum beschlossen wir jedenfalls, unsere Diplomarbeiten wenn irgendwie möglich auch in England zu schreiben.

    Sutton Bonington

    Der Plan mit der Diplomarbeit ging auf. Allerdings hielt die Beziehung nicht. Wir sind auch heute noch gut befreundet und haben gemeinsam ungefähr ein halbes Jahr am Agrarcampus der Uni Nottingham verbracht, während mein Mann schon in London lebte.

    Sutton Bonington ist so malerisch wie Derby, allerdings besteht es in meiner Erinnerung aus einer Kirche, einem Pub, einer Post, dem Campus und einer Herde Kühe.

    Ich habe diese Beschaulichkeit sehr genossen genauso wie die Arbeit an landwirtschaftlichen Bodenproben. Noch heute beschäftige ich mich immer wieder mit Themen wie Düngung, Leguminosenanbau, unterschiedlichen Bodenarten und generell der Zukunft der Landwirtschaft.

    Auch hier haben wir wieder in einem Wohnheim gelebt und gemerkt, wie unterschiedlich wir im Vergleich zu Studis in Deutschland wahrgenommen wurden. In Oldenburg hatte ich meine eigene Wohnung, in der ich mehr oder weniger leben konnte, wie ich wollte.

    Die britischen Undergraduates durften offiziell nicht einmal Kerzen in ihren Zimmern anzünden. Alle paar Wochen hatten wir eine Feueralarmübung. Andere Länder, andere Sitten, na klar, aber ich lache heute noch manchmal darüber.

    Auf der anderen Seite war die Einhaltung von Regeln und Vorschriften nicht so heilig wie in Deutschland: Natürlich hatten wir alle Kerzen und niemandem ist das Zimmer abgefackelt 😄

    London

    Im Anschluss an die Diplomarbeit zog ich nach London zu meinem Mann. Wir hatten großes Glück mit unserer Wohnung, sie lag zwar in Charlton, also alles andere als zentral, dafür war sie gepflegt und bezahlbar. Als wir nach der Quadratmeterzahl fragten, lachte unsere Vermieterin. So etwas könnten auch nur Deutsche fragen. Ich weiß bis heute nicht, wie groß die Wohnung war.

    Charlton gehört zum Borough of Greenwich und ist nicht sonderlich großstädtisch, wie das Bild vom lokalen Pub andeutet. Wir haben viel Zeit im Maryon Wilson Park und im Greenwich Park verbracht und bei einer Hochzeitsmesse im Charlton House mein Hochzeitskleid gekauft.

    Geheiratet haben wir in Deutschland, aber alles von London aus organisiert. Die Frau aus dem Blumengeschäft in Dehme war etwas überrascht, als ich ihr sagte, ich käme nicht vorher vorbei und hätte volles Vertrauen in ihre Dekogestaltungskompetenz.

    In London haben wir uns zum ersten Mal in einem Fitnesscenter angemeldet. Zuerst im eher abgerockten K4, das zum King’s College gehört und zumindest damals von Studis betrieben wurde. Es kam nicht selten vor, dass ich sie fragte, was das denn für Musik sei, die da lief, und sie grinsend anworten „That’s Slipknot! Great, right?“

    Immer wenn ich heutzutage Slipknot höre, fühle ich mich spontan sportlich 😆 Später haben wir im Gym von Charlton Athletic trainiert. Dort war es deutlich weniger ranzig und unorganisiert, dafür teurer.

    Kurz vor Schluss mussten wir uns sogar nochmal eine neues Zuhause suchen, weil unsere Vermieterin Verträge nur von Semesterbeginn zu Semesterbeginn machen wollte. Also haben wir nochmal all unser Hab und Gut in Kartons gepackt, sind allerdings in Charlton geblieben.

    Irgendwann stellte sich die Frage, was wir im Anschluss an unsere Promotionen machen wollten. Am Ende beschlossen wir, nach Deutschland zurück zu ziehen, auch weil ich meine Familie öfter sehen wollte.

    Im Rückblick bin ich froh darüber. Die Zeit in England und in London war traumhaft und manchmal frage ich mich, was aus mir geworden wäre, wenn ich mich zum Beispiel im Science Museum beworben hätte. Den Brexit hätten wir trotzdem beide nicht gerne live und in Person miterlebt 😕

    Potsdam

    Unsere erste Station nach der Rückkehr nach Deutschland war Potsdam. Ich habe an der Uni Potsdam gearbeitet, mein Mann in Berlin, gewohnt haben wir in Babelsberg. Die Anbindung an die Hauptstadt hat mir genauso gut gefallen wie das Leben im kleineren brandenburgischen Pendant. Auch wenn wir dort nur zwei Jahre verbracht haben, fühle ich mich dem Osten Deutschland seitdem immer noch verbunden.

    Aus dieser Zeit habe ich nur wenige Photos. Als ich dann doch eins fand, ging mir auf, dass ich in den ersten Monaten noch extrem mit dem Zusammenschreiben meiner Doktorarbeit beschäftigt war. Bei dem Stapel an Artikeln wird mir fast etwas schwummerig 😁

    Wenn ich mit dem Fahrrad fuhr, verlief mein Arbeitsweg durch den Park Sanssouci. Das war schon erhebend, genauso wie allgemein die Gegend um den Griebnitzsee, die vielen Bäume und die Tatsache, dass der Himmel nachts nicht gelb war wie in London, sondern tatsächlich Sterne zu sehen waren.

    Beruflich war ich bald ziemlich frustriert. Bei meiner Bewerbung war mir ein anderes Forschungsprojekt versprochen worden, auf das dann aber jemand anderes gesetzt wurde. Was ich letztlich machte, funktionierte hinten und vorne nicht und hatte auch mit Umweltchemie nichts mehr zu tun. Als mein Mann mir erzählte, er habe sich eigentlich aus Interesse an seinem Marktwert in Brunsbüttel beworben und könne dort anfangen, war ich sofort bereit weiterzuziehen.

    Brunsbüttel

    Ich wusste zuerst gar nicht, wo Brunsbüttel lag. Und dann zogen wir nach Dithmarschen, die ehemalige Bauernrepublik, umgeben von reichlich Wasser: Der Nordsee, der Eider, dem Nord-Ostsee-Kanal und dem Delta der Elbe.

    Es gibt hier zwar kaum Bäume, dafür ist es nirgends so flach wie in Süderdithmarschen. Auf der Suche nach dem Horizont stellt sich dem Auge nichts in den Weg, außer ein paar Schafen und unendlichen Kohlfeldern. Gerade die Kohltradition hat mich als ausgesprochenen Gemüsefan sehr erfreut.

    Wir haben 150 Meter Luftlinie von der Elbe entfernt gewohnt und sind im Sommer regelmäßig bei der Badestelle schwimmen gegangen. Ich habe nach meinem Referendariat als Quereinsteigerin bis 2014 erst in Heide, dann in Marne an Regionalschulen unterrichtet. Als ich mich mit meinem Nachhilfeunternehmen selbstständig machte, wurde mir klar, dass die dünne Besiedelung ein Problem war. Auch was das vegane Leben anging, war es in Brunsbüttel eher schwierig. Heute hat sich das allerdings auch weiter entwickelt 💚

    Reinbek

    Von 2005 bis 2007 habe ich mein Referendariat in Glinde gemacht. Dafür habe ich die Woche über in Reinbek gewohnt und bin am Freitag Nachmittag mit einem Koffer voller Wäsche nach Brunsbüttel gefahren. In der Zeit habe ich mir jegliche Sorge vor dem Autofahren in einer Großstadt abgewöhnt, weil ich immer einmal von West nach Ost quer durch Hamburg musste.

    Die Wohnung war ziemlich klein, die Umgebung hat mich allerdings sehr begeistert. Vor allem im Sachsenwald bin ich oft zu Fuß oder mit dem Fahrrad unterwegs gewesen.

    Bei einem dieser Ausflüge hörte ich ein Schnauben und Stampfen sehr schnell immer näher kommen. Einen Panikmoment lang glaubte ich, da sei ein Hund ausgerissen, konnte ihn aber auf dem Weg in keiner der beiden Richtungen sehen. Auf einmal stürzte mit einem beeindruckenden Krach aus dem Gebüsch eine Hirschkuh hervor und galoppierte wenige Meter von mir entfernt über den Weg mitten in die gegenüberliegenden Büsche.

    Ich war hin und her gerissen zwischen Herzklopfen, dem Bedürfnis, mich neben meinem Fahrrad auf den Boden zu legen, und dem Bedauern, dass ich nicht spontan die Kamera aus der Tasche gezogen hatte. Vorher war mir nicht bewusst gewesen, dass dort Hirsche leben. Geschweige denn, wie groß sie aus nächster Nähe sind.

    Das Ende meiner Zeit in Reinbek stand schon zu Anfang fest und auch wenn ich dort viel gelernt und meine Prüfung erfolgreich abgelegt habe, war ich froh, nicht mehr zwischen zwei Wohnsitzen zu pendeln. Bei der Gelegenheit glaubte ich noch, in diesem Leben hätte ich keinen Umzug mehr vor mir.

    Halstenbek

    Da hatte ich mich aber getäuscht. Weil mein Mann intern versetzt wurde, mussten wir uns etwas weiter in Richtung Hamburg bewegen. Wir haben nur zwei Häuser besichtigt und uns noch am gleichen Tag für eins davon festgelegt.

    Halstenbek liegt zwar nicht an der Elbe, dafür in einem ausgedehnten Baumschulgebiet und außerdem an der S-Bahn-Linie zwischen Pinneberg und Hamburg. Wir haben hier jede Menge Grün vor der Haustür und eine gute Anbindung an die große Stadt, wenn uns mal danach ist. Für meine Nachhilfe ist auch die relativ hohe Bevölkerungsdichte ein echter Vorteil.

    Für mich schließt sich in Halstenbek ein persönlicher Kreis. Vor unserem Umzug 2016 hatte ich nicht damit gerechnet, jemals wieder so nah an meinem Geburtsort zu leben. 20 Kilometer entfernt von meinem Start. Hier kann ich bleiben und alt werden.

    Blogparade „Orte“ – ein Resümee

    Ich sage oft „Am Ende ist es überall irgendwie schön!“ Davon bin ich tatsächlich überzeugt. An manchen Orten fehlten mir die Bäume, an anderen das Wasser oder die Sterne. Es war in manchen Städten sehr trubelig, andere hatten dafür nur eine sehr sparsam bediente Busverbindung.

    Der rote Faden sind die Menschen, mit denen ich Wohnorte geteilt habe. Und der Blick auf das, was eben nicht fehlt. Die Freude an den kleinen und großen Schönheiten. Dem Grün, dem Leben, der Ruhe, dem Austausch.

    Ich erlebe mich und mein inneres Team auch oft als wilde, mitunter uneinige Mischung. Kein Wunder, dass so unterschiedliche Orte es schaffen, mit einem Teil in mir in Resonanz zu treten.

    Ich ziehe gar nicht so gerne um. Aber ich bin im Rückblick über jeden dieser Umzüge und jede neue Erfahrung froh.

    Wie sieht es bei dir aus?

    Hast du auch einige Umzüge hinter dir? Oder bist du einem Ort treu geblieben? Gibt es eine Region, die für dich Heimat ist? Oder sehnst du dich nach einem Ortswechsel?

    Diese Blogparade war für mich ein toller Einstieg in den Blogparadensommer. Ich habe ganz nostalgisch in alten Photos gewühlt, meine Mutter nach ihrer Familiengeschichte befragt und mich an vergessen geglaubte Erlebnisse erinnert.

    Wenn dich das inspiriert, geht es hier zu Angelikas Blogparadenaufruf. Ich würde mich freuen, von deinen Lebensorten zu lesen.

  • Gefühlte Fakten – Wenn die Realität emotional wird

    Gefühlte Fakten – Wenn die Realität emotional wird

    Ich liebe Auskünfte (wann immer möglich) konkret und in Zahlen. Gefühlte Angaben und vermutete Fakten verwirren und frustrieren mich. Manchmal fällt meinem Mann und mir auf, wie unterschiedlich unsere Bedürfnisse in diesem Bereich sind. Für ihn können Fragen nach „Wie viel“ oder „Wann“ auch mal Smalltalk sein. Offensichtlich bin ich in Smalltalk wohl doch nicht so gut, wie ich mein Leben lang gedacht habe.

    Ein gemeinsamer Freund erklärte mir jedenfalls, als ich ihn fragte, wie viel in seine Trinkflasche rein ginge:

    „Och du, ne ganze Menge!“

    Wir lachen heute noch, wenn ich meine Edelstahlflasche in die Hand nehme, weil ich von dieser Nullaussage so entgeistert war. Auch weil mein Mann sich königlich freute, nicht alleine zu sein mit dieser Art Auskünfte zu geben.

    Vergleiche ohne korrekten Bezug

    Manchmal kommt es wirklich nicht so genau drauf an. In anderen Zusammenhängen beeinflussen konkrete Angaben sehr wohl den Ausgang einer Geschichte. Nehmen wir an, jemand erzählt:

    „Ich habe diesen Monat viel weniger ausgegeben!“

    oder

    „Ich bin langsamer gefahren als sonst!“

    Dann kann es trotzdem sein, dass diese Person mehr ausgegeben hat als sie zur Verfügung hatte. Oder geblitzt worden ist. Und dann hat sich jemand vielleicht angestrengt, und trotzdem Schulden gemacht oder einen Strafzettel bekommen.

    Konkretheit in der Krise

    Bei unseren aktuellen Krisen wünsche ich mir deswegen immer dringender mehr Konkretheit. Viele Menschen (besonders auch in der Politik) argumentieren zum Beispiel damit, dass „mehr als je zuvor“ für den Klimaschutz getan würde. Technik XY würde „schon bald“ helfen, „große Mengen“ Treibhausgase einzusparen.

    Auch privat debattieren Menschen hauptsächlich qualitativ um Flugreisen, Elektroautos oder importiertes Obst. Die persönlichen Prioritäten und Präferenzen färben unseren Blick dafür ein, was wirkungsvoll und dringend ist. Oder was nur so erscheint.

    Und dann ist es nicht mehr nur eine individuelle Marotte, dass Menschen wie ich schwammige Angaben irritierend finden. Dann sorgt ein nicht auf der Realität basierendes Wohlgefühl dafür, dass wir denken, wir seien schon auf einem guten Weg und müssten uns nicht mehr bemühen. Oder schlimmer: Als sei da draußen schon das meiste erledigt, daher müssten wir selbst unser Verhalten gar nicht mehr reflektieren. Und damit vergeht Zeit, die wir eigentlich nicht mehr haben.

    Das alles gilt nicht nur im Zusammenhang mit dem Klima. Ich beobachte dasselbe Phänomen auch beim Artensterben, der Pandemieprävention, der gerechten Verteilung von Wohlstand und diversen anderen Themen.

    Zahlen ohne Kontext

    Selbst wenn jemand ein Argument mit konkreten Zahlen untermauert, kann es sein, dass diese gar nicht die ganze Wahrheit abbilden. Ein weit verbreiteter Einwand gegen klimabewusstes Handeln ist:

    „Deutschland verursacht nur 2% der CO2-Emissionen. Wie sollen wir da die Welt retten?“

    Abgesehen davon, dass natürlich andere Nationen auch ihre Hausaufgaben übernehmen: Deutschland stellt nur 1% der Weltbevölkerung, trägt also rechnerisch doppelt so stark wie dieser Durchschnitt zu den globalen Emissionen bei. Wenn wir nur eine der beiden Zahlen nennen, ergibt sich ein verzerrtes Bild. In der Folge legen Menschen erleichtert die Hände in den Schoß. Bei genauerem Hinsehen handelt es sich auch hierbei um gefühlte Fakten.

    Ein weiteres Beispiel ist die Idee, CO2 aus der Luft aufzunehmen und zu Rohstoffen für die chemische Industrie zu verarbeiten. Grundsätzlich ist das möglich und es gibt auch Pilotanlagen. In Island scheidet „Mammoth“ pro Jahr 36.000 Tonnen CO2 ab. In Essen baut das Startup Greenlyte Carbon Technologies an einer Technologie, die bis 2050 pro Jahr eine Gigatonne CO2 abscheiden könnte.

    Eine Gigatonne ist eine Milliarde Tonnen. Das klingt auf den ersten Blick nach einer Menge und es richtig und wichtig, in diese Richtung zu forschen. Eine Einzelmaßnahme wird dieses historische Problem nicht lösen und jeder Beitrag ist eine gute Nachricht.

    Nur: Je nachdem, welches Ziel wir anstreben, haben wir noch ein relativ klar definiertes Budget an CO2, das wir ausstoßen können. In dem Moment, in dem ich diesen Artikel schreibe, verbleiben noch etwas mehr als 210 Gigatonnen, wenn im 20-Jahresmittel die globale Temperatur nicht mehr als 1,5°C über den Wert von vor dem Industriezeitalter steigen soll..

    2023 hat die Menschheit weltweit ca. 36,8 Gigatonnen emittiert. Dabei ist dieser Wert gegenüber 2022 sogar gestiegen. Bei gleichbleibendem Ausstoß hätten wir ein bisschen weniger als sechs Jahre Zeit, dann dürften wir gar nichts mehr emittieren oder müssten uns damit auseinandersetzen, wie die Zukunft bei einer Temperaturerhöhung von über 1,5°C aussieht.

    Daran gemessen sind die 36.000 Tonnen extrem bescheidene 0,0001%. Und die eine prognostizierte Gigatonne im Jahr 2050 kommt zwanzig Jahre zu spät. Mit etwas mehr Kontext fällt auf, dass die Abscheidungstechnologie nicht die entscheidende Rettung sein wird. Dazu kommt noch, dass die Anlagen sehr energieintensiv sind. Nicht umsonst steht eine davon in Island, um dort die Geothermie zu nutzen.

    Kompliziert oder eingängig?

    Wir Menschen neigen zum Wunsch nach einfachen Antworten. Leider sind unsere Probleme oft kompliziert bis komplex. Schon das Rechenbeispiel zur CO2-Abscheidung zeigt, wie ein größeres Kontextfenster und genauere Zahlen eine Erzählung aufblähen können. Und dann hören wir nicht mehr so gerne zu. Vor allem, wenn die einfachere Geschichte so positiv klingt und uns signalisiert, dass die Zukunft schon in sicheren technologischen Händen ist.

    Ich bin absolut nicht dafür, auf Ermutigung und eingängige Darstellungen zu verzichten. Gleichzeitig halte ich angesichts der Konsequenzen ein bisschen mehr Kompliziertheit für zumutbar. Das muss sich auch nicht ausschließen. Es wäre schon viel gewonnen, wenn Berichte über technische Beiträge zur Lösung der Klimakrise einordnen, wie viel sie jeweils konkret bringen. Optimismus ja, allerdings nicht als Anlass zur Untätigkeit.

    Was brauchen wir?

    Ich plädiere hier nicht für Übertreibungen oder andere manipulative Mittel. Was ich mir wünsche: Möglichst nüchterne Offenheit und verständliche Klarheit in der öffentlichen Kommunikation. So viele Zahlen wie nötig, um eine Angelegenheit umfassend darzustellen.

    Wir können uns gegenseitig mehr zutrauen, als wir manchmal vermuten. Auf individueller Basis hilft kritisches Denken, Medienkompetenz, eine solide Allgemeinbildung, und ein Vertrauensvorschuss in Experten, wenn wir von einem Thema sehr wenig wissen und diese sich ihr ganzes berufliches Leben lang damit beschäftigt haben.

    Ein wünschenswerter Beitrag der Medien wäre der Einsatz von Menschen mit ausreichend Fachkenntnis. Auf der anderen Seite erwarte ich besonders von den öffentlich rechtlichen Sendern weniger Clickbait, weniger sich widersprechende Nachrichten (heute Berichte über zunehmende Überschwemmungen, morgen ein Rezept mit Butter), konkretere Zahlenangaben und eine solidere Einordnung.

    Es wäre schon geholfen, wenn nach der Meldung der Tagesschau über die Abscheidungsanlage in Essen folgender Satz gefallen wäre:

    „Zum Vergleich: Um das 1,5°C-Ziel zu erreichen steht der Menschheit noch ein Budget von 210 Gigatonnen zur Verfügung, bei gleichbleibendem Ausstoß ist dies in weniger als sechs Jahren aufgebraucht.“

    Eine weitere hilfreiche Maßnahme auch um die Allgemeinbildung der Bevölkerung zu verbessern: Klima vor acht. Statt vor den Hauptnachrichten über die Börsenvorkommnisse zu erzählen, gäbe ein kurzes tägliches Update über Klimathemen. Das gleichnamige Projekt existiert schon seit 2020, leider konnte es bisher ARD und ZDF nicht überzeugen. Auf RTL läuft dagegen eine regelmäßig Sendung von wenigen Minuten unter dem Titel „Klima Update“.

    Von Menschen aus der Politik wünsche ich mir bezogen auf die diversen Krisen deutlich mehr Ehrlichkeit, auch wenn sie anstrengend ist. Statt Einflussnahme durch Lobbyorganisationen brauchen wir mehr Kooperation unter demokratischen Parteien. Die Arbeit an einer lebenswerten Zukunft ist meiner Ansicht nach wichtiger als der Kampf um eine Wiederwahl.

    Was kann ich persönlich tun?

    Das wäre mein Wunschzettel. Mir ist klar, der ist alles andere als bescheiden. Was ich persönlich machen kann: Menschen in meinem Umfeld immer wieder aufklären. Bei Gelegenheit nachhaken, gefühlte Fakten als solche benennen.

    Für meinen eigenen Wissenshintergrund folge ich Menschen wie Maja Göpel, Claudia Kemfert und Katja Diehl. Alle drei blicken als Transformationsexpertinnen tatkräftig und zuversichtlich in die Zukunft. Alle drei richten ihre Prioritäten am Notwendigen und am Machbaren aus.

    Um mit meiner mentalen Energie gut zu haushalten, folge ich außerdem den Psychologists for Future und habe häufige Methoden gezielter Desinformation auf dem Zettel.

    Ich suche, so gut ich kann,nach einem Mittelweg heraus aus Wut, Frustration und Resignation. Dabei erinnere ich mich an den Unterschied zwischen isolieren und isolieren, der auf Englisch besser funktioniert als auf Deutsch 😉

    isolieren - ein handschriftliches Zitat: Don't isolate yourself, insulate yourself. Raghunath

    Was meinst du?

    Das ist jetzt ein deutlich längerer Text geworden, als geplant. Und dabei könnte ich zu einer Reihe anderer Probleme noch einmal genauso viel schreiben 😄 An dieser Stelle erwähne ich gerne den Beitrag von Anja Manleitner zum Thema „Wahrheit oder Lüge“, über den ich mich sehr gefreut habe!

    Fühlst du dich von Politik und Medien solide informiert? Denkst du auch, dass konkretere Zahlen und realistischere Einordnungen die Menschheit mehr bewegen könnten, ihr Verhalten zu hinterfragen? Hast du auch die Befürchtung, positive Nachrichten ohne Kontext führen dazu, dass Menschen weniger Bewusstsein für die wirkliche Lage haben?

    Und wie genau wüsstest du gerne, welches Volumen in eine Trinkflasche passt?

  • To-Want-Liste für das 3. Quartal 24

    To-Want-Liste für das 3. Quartal 24

    Nach meinem Beitrag zum Blogtober habe ich beschlossen, alle drei Monate einen Wunschzettel an mich selbst zu schreiben. Und nicht ganz einen Monat verspätet erscheint heute meine To-Want-Liste für das 3. Quartal 24 😀

    Wie lief die vergangene To-Want-Liste?

    Wenn ich mir die Liste für die Monate April bis Juni ansehe, habe ich einiges abgehakt:

    Was nicht abgehakt wurde:

    • einige touristische Dinge mit Zeit- und Energieaufwand
    • berufliche Dinge mit Entscheidungsaufwand

    In der Zeit um die Abiturprüfungen herum habe ich immer überdurchschnittlich viel zu unterrichten. Das lasse ich in die Planung für das 2. Quartal 2025 einfließen.

    Außerdem ist mein Energielevel immer noch nicht wieder hergestellt. Es sind viele Leute schlimmer von Long-Covid betroffen als ich. Und gleichzeitig zahle ich für Unternehmungen hinterher oft mit Müdigkeit. Auf mein Fahrrad habe ich mich bisher noch nicht wieder getraut.

    Ich hatte gehofft, dass es schneller besser wird, jetzt passe ich meine To-Wants näher an die Realität an. Auf der anderen Seite sind aktuell in SH und HH Sommerferien und ich habe mir für den August ein Deutschlandticket zugelegt. Ein bisschen touristischer wird das 3. Quartal auf jeden Fall 😀

    Was habe ich bis zum 30. September 2024 vor?

    1. Das Industriemuseum in Elmshorn besichtigen.
    2. Das Arboretum in Ellerhoop besuchen.
    3. Wieder Fahrrad fahren, einfach nur zum Genießen.
    4. Das Ernst Barlach Museum in Wedel besichtigen.
    5. Meine Entwürfe für Beiträge zu Blogparaden sortieren.
    6. Den neuesten Stand der Wissenschaft zum Thema post-COVID recherchieren.
    7. Meine Webseite renovieren.
    8. Quizfragen zur Vektorrechnung und zur Stochastik sammeln.
    1. Quizfragen in meine Webseite einbinden.
    2. Mindestens einmal im Monat bewusst Nein sagen.
    3. Jede Woche einen Artikel auf einem anderen Blog lesen und kommentieren.
    4. Das Baumschulmuseum besuchen.
    5. Den A7-Deckelpark besichtigen.
    6. Einen Tagesausflug nach Wacken.
    7. Einen Tagesausflug zum Elbriot.
    8. Facebookfasten 😁

    Hast du schon einmal mit einer To-Want-Liste gearbeitet? Was sind deine Pläne für erfreuliche Aktivitäten im 3. Quartal 24?

    Hier findest du mehr meiner Beiträge zum Thema Ziele 🙂

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