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  • Meine Grenzen

    Meine Grenzen

    Im Oktober schrieb ich eine ToWant-Liste. Als Punkt 20 notierte ich mir: „Mindestens einmal beruflich Nein sagen.“

    Mir fällt dieses Wort auch privat nicht immer leicht. Zuerst müsste ich oft überhaupt bemerken, was ich eigentlich gar nicht möchte. Beruflich meine Grenzen zu setzen und darauf zu achten, dass ich sie nicht übertrete, ist für mich noch etwas schwieriger. Im November hatte ich prompt jede Menge Gelegenheit zum Üben.

    Bürokratiegrenzen

    Der Vorlauf

    Die Kurzversion der Geschichte: Ich hatte mich zur Mitarbeit an einem Projekt bereit erklärt. Scheibchenweise wurde daraus eine zeitlich befristete Anstellung bei einer Behörde. Und das, obwohl Bürokratie erfahrungsgemäß nichts für mich ist.

    Ich hatte schon beim ersten Ja ein ungutes Gefühl. Meine Zusage basierte aber auf einer Aufgabe, die mir sehr am Herzen liegt. Dazu kommt, dass ich damit jemand aus einer sehr unschönen Lage würde heraushelfen können.

    Dann stand plötzlich ein Angestelltenvertrag im Raum. Wochenlang informierte mich die Behörde nicht über die Konditionen. Geschweige denn, dass ich daran beteiligt worden wäre. Bis plötzlich an einem Freitag voller anderer Termine mein Anrufbeantworter richtig viel zu tun hatte. Diverse E-Mails und Nachrichten revidierten sich teils hektisch gegenseitig und ich hörte:

    „Sie müssen sich in das Portal XY eintragen.“

    Ich muss gar nichts

    An der Stelle war für mich erstmal Schluss. Ich bin aus dem Öffentlichen Dienst ausgestiegen, weil diese ständige Müssen mir nicht entspricht. Natürlich kooperiere ich immer, wenn es sinnvoll und notwendig ist. Ich lasse mich aber nicht mehr herumzerren und springe nicht mehr, weil ich angeblich muss. Also sagte ich die Sache erst einmal ab.

    Das führte zu einem interessanten Kippen der Verhältnisse. Auf einmal wurde ich zerknirscht angerufen. Meine Fragen wurden so weit geklärt, dass ich vorläufig wieder Ja sagen konnte.

    Als ich im weiteren Verlauf auf technische Ungereimtheiten im Portal XY stieß, für die mir die Telefonnummer einer anderen Dienststelle genannt wurde, sagte ich wieder Nein. Und zu meiner Freude war es der Person am anderen Ende der E-Mail-Leitung plötzlich möglich, die nötige Information für mich heraus zu finden.

    Der Standardvertrag

    Damit war der Lernprozess nicht zu Ende. Der Vertrag, der mir zugeschickt wurde, enthielt eine Klausel, die vorher nicht abgesprochen war. Auch das Anschreiben wies noch einmal extra darauf hin. Meine Nachfrage ergab, das sei ein Standardvertrag, der könne nicht geändert werden. Dieser starre Bürokratismus hat noch einmal bestätigt, warum es für mich damals richtig war, aus dem öffentlichen Dienst auszusteigen.

    Also sagte ich wieder vorläufig Nein. Um dieses Projekt antreten zu können und dabei meine Grenzen zu wahren, verlangte ich eine schriftliche Bescheinigung, dass diese Klausel für mich nicht gilt. Zu meinem Erstaunen bekam ich diese ohne Probleme und ansonsten kommentarlos. Ich hatte wirklich mit mehr Widerstand und Komplikationen gerechnet.

    Zwischenbilanz

    Meine Erfahrungen mit den Neinsagen waren erstaunlich positiv. In meinen vorherigen Begegnungen mit Behörden und Arbeitgebern war mir nie die Länge meines Hebels bewusst gewesen. Da ist immer noch dieser Reflex, viel zu schnell Ja zu sagen, wenn ich sehe, dass jemand Unterstützung braucht, oder wenn eine mit Autorität aufgeladene Institution sich bei mir meldet.

    Aktuell läuft das Projekt ziemlich ruckelfrei. Es ist sogar zeitlich weniger Aufwand als befürchtet. Ich bin mir immer noch nicht ganz einig darüber, ob ich von Anfang an auf mein Gefühl hätte hören sollen, oder ob diese Geschichte eine gute Lerngelegenheit für mich war.

    Unterrichtsgrenzen

    Dafür hatte ich nicht gekündigt

    Ich unterrichte stundenweise in einem Nachhilfeinstitut vor Ort. Dort übernehme meistens Schüler:innen aus den Gruppen des Betreibers, sobald sie in die Oberstufe kommen. Und bisher gab es für mich damit auch keine Probleme.

    Vor Kurzem änderte sich das: Im laufenden Schuljahr erinnerte mich ein neuer Schüler sehr drastisch daran, warum ich nicht mehr im Schuldienst arbeite. Er war mir gegenüber höflich, erzählte allerdings ausführlich, wie rücksichtslos er sich in der Schule verhält. Und wie lustig er das teils findet. Er hat hauptsächlich seinen eigenen Frust vor Augen und gibt ihn ungefiltert an sein schulisches Umfeld zurück.

    Als Lehrerin war ich auch oft mit so einer destruktiven Negativität konfrontiert. Eine Kollegin meinte damals, ich müsse mir ein dickeres Fell zulegen. Ich bin noch heute überzeugt, dass daraus erstens nichts geworden wäre und dass es mir auch nicht gutgetan hätte, es zu versuchen. Ich will nicht härter werden, um irgendwo so reinzupassen, dass ich von außen betrachtet nicht kaputtgehe.

    Mein erstes Nein

    Ich teilte dem Institutsinhaber mit, dass ich diesen Schüler nicht mehr unterrichten möchte. Er selbst ist sehr kooperativ und es überraschte mich nicht, dass er sich sofort an die Planung machte, wo er den Jungen stattdessen unterbringen könnte. Kurz darauf fragte er mich, ob ich zu einem Telefonat mit dem Jungen bereit wäre.

    Das Gespräch

    Es war für mich sehr heilsam. Ich konnte dem Schüler so freundlich wie klar erklären, was mich belastet hatte. Er hatte in seiner Schullaufbahn bisher nie so ein Feedback bekommen und es war zu merken, wie nachdenklich ihn das alles machte. Er bat mich, noch einmal in Ruhe nachzudenken, ob er nicht doch noch wieder in meine Gruppe zurückkommen könnte.

    Das war für mich eine spannende Stelle. Damals als Lehrerin im Schuldienst hatte ich nie die Gelegenheit gehabt, meine Sicht der Dinge zu erklären. Erst recht nicht in einem ruhigen Gespräch. Dieses Telefonat hatte mir richtig gutgetan. Das machte es mir noch schwerer, die Zusammenarbeit ein zweites Mal abzulehnen.

    Mein zweites Nein

    Letztlich bin ich bei meinem Nein geblieben. Einerseits, weil ich als Nachhilfelehrerin meine Aufgabe nicht mehr darin sehe, erziehend einzugreifen. Ich hatte große Zweifel, dass er nicht wieder in alte Muster zurückfallen würde und ich mich wieder mit emotionalem und zeitlichem Aufwand dazu würde verhalten müssen.

    Andererseits war das für mich vor allem nach dem Ja zum Projekt mit der Behörde eine wichtige Lerngelegenheit. Das war der Moment, in dem ich üben konnte, es auszuhalten, Nein zu sagen und dabei zu bleiben. Es fühlt sich nach wie vor entlastend an und der Teil in mir, der zunächst so ein schlechtes Gewissen hatte, entspannt sich auch allmählich wieder. Es ist ja so, dass der Junge bei einer anderen Lehrkraft gute Unterstützung bekommt.

    Was habe ich gelernt?

    Vieles, was ich hier gelernt habe, ist mir nicht neu. Gleichzeitig tauchen die richtig wichtigen Lektionen im Leben immer mal wieder zur Auffrischung neu auf. Vor allem die Themen, die ich nicht so gerne und deswegen vielleicht auch nicht so tiefgründig verinnerlicht habe.

    Macht

    Für mich geht es beim Umgang mit meinen Grenzen auch um Macht. Wer hat Macht über mich, scheinbar oder tatsächlich? Wie viel Macht habe ich über den Prozess? Wem gebe ich Macht und warum?

    Über dieses Thema denke ich nicht so oft nach, wie es offenbar sinnvoll wäre. Ein weiterer Punkt auf meiner ToWant-Liste war eine Innere Konferenz. Die habe ich mir in dieser Situation gegönnt und meine diversen inneren Persönlichkeiten hatten eine Menge zum Thema Macht zu sagen 😉

    Ein paar von ihnen halten Macht für etwas sehr Negatives und vermeiden es, darüber nachzudenken. Menschen, die gerne Macht haben, sind ihnen suspekt. Andere Bestandteile meines Teams mögen dagegen sehr wohl die Fäden in der Hand halten und schlagen die Hände über dem Kopf zusammen, wenn ich mich um ein Nein drücke. Menschen, die Macht ablehnen sind ihnen suspekt. Da ist gelingende Kooperation natürlich vorprogrammiert.

    Verantwortung

    Die andere Seite der Machtmedaille heißt Verantwortung. Es scheint zunächst nobel, Macht skeptisch gegenüberzustehen. Gleichzeitig übernehme ich auch Verantwortung für mich und meine Beziehung mit den anderen, indem ich meine Grenzen kenntlich mache und pflege.

    Eine klare Haltung und klare Worte erfordern Energie. Und zwar mehr als die Strategie, irgendwie den anderen Personen übelzunehmen, wenn diese über meine Grenzen getrampelt sind. Woher sollten sie aber wissen, wo mein Nein ist, wenn ich das selbst nicht weiß und nicht kommuniziere?

    Respekt

    Mich hat diese Erkenntnis tatsächlich besonders überrascht: Wenn ich kurz und klar formuliere, wofür ich nicht zu Verfügung stehe, wird das hauptsächlich neutral wahrgenommen und nicht in Frage gestellt.

    Die ganzen nervigen Filme, die ich mir in meinem Kopf zur Vorbereitung schon mehrfach angesehen hatte, fielen hinterher einfach aus. Ich hatte mich schon in zermürbenden Debatten untergehen gesehen.

    Es lohnt sich, meine Grenzen zu erkennen, zu markieren und kommunizieren. Mein ehemaliger Schüler kommentierte das zweite Nein nach der Bedenkpause mit: „Alles klar!“ Kein Groll, kein Nachverhandeln, keine persönlichen Vorwürfe.

    Ablehnung

    Und es gibt noch ein gar nicht mal so verschattetes Thema: Es ist für mich genauso schwierig, andere Menschen (gefühlt) abzulehnen wie selbst abgelehnt zu werden. Der Schüler, den ich in meiner Gruppe nicht mehr haben wollte, hat diese Zurückweisung gelassener und weniger persönlich genommen, als ich es mir ausgemalt hatte.

    Auch hier scheint es oberflächlich wieder sehr ehrenhaft, wenn ich ein Ja verkaufe als: „Ich möchte die andere Person nicht verletzen“. Ein Teil der Wahrheit ist allerdings, dass ich nicht nach meinem Nein abgelehnt werden möchte.

    Das erinnert mich daran, mich noch einmal mit den „Four Agreements“ von Don Miguel Ruiz zu beschäftigen. Die zwei besonders relevanten Abmachungen sind hier:

    „Do not take anything personally“

    und

    „Do not make assumptions“

    Don Miguel Ruiz,1997

    Oder in meinen eigenen Worten: „Dreh nicht schon im Voraus einen Film, der sehr wahrscheinlich gar nicht stattfinden wird. Und wenn es sich unangenehm persönlich anfühlt, Nein zu sagen, überprüf noch einmal deine Grenzen.“

    Das Helfenwollen

    Und dann ist da natürlich noch das Bedürfnis, die Welt zu retten. Wenn ich schon an so vielen anderen Stellen nur minimale Selbstwirksamkeit erlebe, kann ich doch nicht so einfach leichtfertig jemandem meine Unterstützung verweigern? Je größer die Notlage, umso schneller beobachte ich mich beim Zusagen.

    Und doch geht die Welt nicht unter, wenn ich beschließe, dass sich jemand anders um dieses eine Problem kümmern muss. Das habe ich natürlich im Leben auch schon oft so gehandhabt. Ich weiß nicht, ob mir das in den letzten Jahren angesichts der Weltkrisen wieder entglitten ist oder ob ich nur aufgrund der ToWant-Liste diesem Thema mehr Aufmerksamkeit geschenkt habe, das kann ich gar nicht sagen.

    Eine Auffrischung der Botschaft, dass meine Bestimmung nicht darin besteht, alles und alle retten zu müssen, oder gar zu können, ist auf jeden Fall immer hilfreich und willkommen.

    Die Gefahr der kleinen Schritte

    Ich habe es wiederholt Anderen leicht gemacht. Und zwar indem ich nicht gemerkt habe, wenn immer ein kleines bisschen zusätzlich in die Waagschale gelegt wurde und ich den Moment verpasst habe, an dem mir etwas zu viel wurde.

    So konnte sich auch die erwähnte Behörde an meinen Alarmsensoren vorbeibewegen. Damit sage ich nicht, dass die beteiligten Personen das bewusst als Strategie eingesetzt hätten. Sondern, dass meine Grenzen für hintereinander geschaltete stufenweise Anfragen bisher zu durchlässig waren. Oder nicht existent.

    Grenzenziehen als Prozess

    Manchmal geht es nicht um eine kurze Entscheidung. Sondern um das Aushandeln von Details und Bedingungen. Einer meiner Irrtümer war, dass ich ein einmal gegebenes Ja nicht ohne Anstrengung zurücknehmen könnte. Oder dass ein Nein auch eigentlich ein vorläufiges Stoppsignal sein kann, um die Geschwindigkeit herauszunehmen.

    Idealerweise kann die erste Reaktion auch sein: Gib mir Bedenkzeit und ich melde mich dann, wenn ich für mich entschieden habe. Oder auch: Ich werde mich erst dann entscheiden, wenn ich alle Informationen und ein klares Bild habe.

    Die Freiheit der Selbstständigkeit

    Selbstständig zu arbeiten ist für mich ein Segen. Das konnte ich noch mehr wertschätzen, nachdem ich wieder die gründliche Konfrontation mit unbeweglicher Bürokratie und endlosen Formularen genossen hatte.

    Als Angestellte habe ich noch viel häufiger geglaubt, mich einfügen zu müssen. Und unter diesem Korsett gelitten. Vermutlich hätte ich auch in dieser Konstellation auch noch häufiger meine Grenzen deutlich machen können. Aber es ist in einem beruflichen Abhängigkeitsverhältnis doch für eine Persönlichkeit wie mich um einiges schwieriger.

    Dass mein Weg mich dahin geführt hat, wo ich jetzt bin, dafür bin ich aktuell noch dankbarer. Ich kann das machen, worin ich gut bin, mit den Menschen, die meine Arbeit wertschätzen.

    Endgegner Behörden

    Eine der wichtigsten Lektionen für mich: Ich muss nicht alles hinnehmen, was als wichtig aussehendes Schreiben in meinen Briefkasten flattert. Ich bin auch nicht immer einer Behörde gegenüber die unterlegene Bittstellerin, die sich durch Formulare und schlecht designte Onlinemasken durchkämpft.

    Diese neue Haltung konnte ich im Dezember schon nutzen. Die Rentenversicherung schrieb mir, ich hätte angeblich ein wichtiges Dokument nicht eingereicht. 2022 war genau dasselbe schon einmal passiert. In beiden Fällen muss das Dokument auf dem Postweg in der Behörde untergegangen sein. Dieses Mal habe ich mich nicht mehr stressen lassen und klar mitgeteilt, dass ich erwarte, dass dieser Vorgang in Zukunft besser zu laufen hat.

    Noch viel zu lernen

    Viele dieser Erkenntnisse sind eigentlich selbstverständlich. Gleichzeitig gibt es Dinge, die wir auf der rationalen Eben zu wissen glauben. Sie wirklich im Moment zu realisieren und zu erleben, ist etwas anderes.

    Ich bin auch längst nicht in allen Situationen die komplette Jasagerin. Es scheint zwei Betriebseinstellungen zu geben: Die Peoplepleaserin und die Person, die in diversen Lebensbereichen nicht der Norm entspricht und das auch unerschütterlich vertritt.

    Es bleibt spannend. Und für das kommende Jahr habe ich ein schönes Projekt darin, mich und meine Grenzen neu kennenzulernen und klarere Entscheidungen zu treffen.

    Wie siehst du das?

    Ist es für dich einfach, deine Grenzen zu wahren und Nein zu sagen? War das schon immer so? Wie machst du das, dass du rechtzeitig merkst, wenn eine Abmachung außerhalb deiner Zustimmungszone gerät?

  • Monatsrückblick November 23

    Monatsrückblick November 23

    Kleine Schritte und Superheldinnen

    Es ist Zeit für den Monatsrückblick November 23 nach der Anleitung von Judith Peters. Äußerlich war wenig los, dafür hatte ich viel zu Lernen, was Geduld und Verantwortung für meine eigenen Grenzen angeht. Das Dumme an kleinen Schritten ist, dass es schon sehr viel Aufmerksamkeit bedarf, sie zu bemerken 😉

    Was hatte ich vor und was ist daraus geworden?

    • Die Kräuter, die ich in meiner Umgebung identifiziert habe, genauer kennen lernen. -> Es war sehr spannend, wie viele Kräuter im November noch draußen durchhalten.
    • Weiter fit werden. -> Das ist weiterhin eine Übung in Geduld. Kleine Schritte sind nicht gerade mein Lieblingshobby, allerdings besser als Stillstand.
    • Meine ToWants im Auge behalten. -> Die ToWant-Liste war eine super Begleitung durch den Monat und echte Motivation 😀

    Projekt Gesundheit

    Ich muss alle paar Monate ein neues Rezept für Thyroxin besorgen. Das ist für meinen Geschmack genug medizinische Intervention. Daran gemessen habe ich mich im Dezember sehr überwunden, als ich mich wegen meiner Müdigkeit seit der Coronainfektion mal habe durchchecken lassen.

    Blick auf den Boden eines medizinischen Praxisraumes. An Kabeln hängen Elektroden für ein EKG

    Meine Lunge und mein Herz scheinen in Ordnung zu sein. Ich wurde gründlich abgehorcht und per EKG vermessen. Unauffällige Befunde sind allerdings bei Menschen mit Long- und Post-Covid weit verbreitet. Es wird mir wohl wenig übrig bleiben, als weiter abzuwarten.

    Eine Frau photographiert sich selbst in einem Spiegel. Sie sitzt auf der Liege in einem medizinischen Praxisraum.
    Seltener Gast 😉

    Dadurch, dass mir Fahrradfahren zu anstrengend ist, sehe ich manche Strecken wieder häufiger, die eher Wanderwege sind als irgendetwas anderes. So bin ich von einem Schüler im Nachbarort ein Stückchen die E1-Route entlang gegangen. Wenigstens komme ich so zur Zeit sehr malerisch zum Entschleunigen.

    Ein Wanderpfad zwischen Bäumen hindurch, im HIntergrund eine Weide. Das Laub ist goldbraun, einige Blätter liegen auf dem Boden.
    Nur bedingt zum Radfahren geeignet.

    Projekt Grenzensetzen

    Auf meine ToWantListe hatte ich auch das berufliche Neinsagen gesetzt. Es hat mich trotzdem überrascht, wie oft ich im November dazu Gelegenheit bekommen habe.

    Ich habe an einer Stelle Stunden reduziert und einen Schüler aus meinem Kurs nehmen lassen. An einer anderen Stelle habe ich einen Prozess mehrere Male angehalten, weil die Beteiligten, die eigentlich etwas von mir wollten, immer wieder versuchten, an mir vorbei zu entscheiden.

    Ich bin noch nicht schlüssig, ob es richtig war, bei der letzterwähnten Zusammenarbeit am Ende doch Ja zu sagen. Mein Nein am Ende des befristeten Vertrages steht jedenfalls jetzt schon fest.

    Die Details und was ich alles daraus gelernt habe, schreibe ich aktuell in einem separaten Blogbeitrag zusammen. Allerdings hatte das Thema bei mir im November 23 so ein Gewicht, dass ich es im Monatsrückblick als eigenen Punkt aufzähle. Unter anderem auch, um es noch mehr in meinem Bewusstsein zu verankern.

    Projekt To Want

    Die To-Want-Liste vom Blogtoberfest hat mich sehr intensiv durch den November begleitet. Dabei haben die privaten ToWants deutlich mehr Aufmerksamkeit bekommen, was ich tatsächlich positiv sehe.

    Zum Beispiel hatte ich immer vor, mal eine abwechslungsreichere Sonntagsfrühstücks-Kultur einzuführen. Auf meinem Computer sind viele Rezepte zusammegehamstert und oft gucke ich am Ende des Jahres zurück und staune, wie wenig ich davon nicht ausprobiert habe. Obwohl ich der absolute Frühstücksmensch bin 🧡

    Zwei Waffeln aufeinandergestapelt auf einem Teller. Darüber gegossen ist Blaubeerkompott und darauf sind bunte Streusel verteilt

    Unter anderem habe ich ein neues veganes Waffelrezept ausprobiert. Auf Bianka Zapatka ist wirklich Verlass, ich hatte bisher kein Rezept von ihr, das nicht geklappt hätte. Und diese Waffeln waren wirklich flauschig. Für die gute Laune mit extra bunten Streuseln.

    Eine Frau steht im Wald auf goldenem Herbstlaub und schaut auf den Boden.

    Wie geplant bin ich auf Kräuterjagd gegangen. Spannend, wie ich einen Ort noch einmal ganz neu kennen lerne, wenn das Hauptaugenmerk meist auf Wadenhöhe ist 😀 Die App Flora Incognita fasziniert mich weiterhin immer wieder.

    Photo von einer Insel, auf der alte rote Backsteinhäuser stehen. Die Gebäude spiegeln sich in der ruhigen Wasseroberfläche

    Statt zum Brenner Moor sind wir zur Schlossinsel Rantzau gefahren. Ein richtig pittoresker Ort mit spannenden Kunstwerken und besonders hübsch mit goldenem Herbstlaub überall. Mir tut es immer wieder gut, mal zu einem Ortswechsel rauszukommen. Und ich war durch die ToWantListe ja nicht auf einen Ort festgenagelt, der mir dann doch bei dem wackeligen Wetter ein bisschen zu weit war. Die Punkte auf der Liste sehe ich eher als Inspiration.

    Ein Weg an zwei alten roten Backsteinhäusern vorbei. Die Straße hat Kopfsteinüpflaster
    Historische Gebäude am Rantzauer See.

    Das Konzept ToWantListe werde ich auf jeden Fall weiterführen, vielleicht weiterhin im Quartalsrhytmus, vielleicht auf Jahreszeiten verteilt.

    The Marvels

    Auch dieser Film war ein ToWant auf meiner Liste. Ähnlich wie bei Barbie wurde schon im Vorfeld von vielen Menschen öffentlich extrem negativ darüber gesprochen. Besonders von Menschen, die diese Filme gar nicht sehen wollten. Die Welle an aggressiver Ablehnung, die auf Brie Larson (Captain Marvel) gerichtet wurde, war mal wieder bedrückend.

    Wenn ich einen Film, oder ein Buch oder eine CD nicht mag, dann verbringe ich nicht ewig viel Zeit damit, mich in so eine Wut reinzusteigern. Erst recht liegt es mir fern, dann online Tiraden zu verfassen. Als hätte ich ein verdammtes Recht darauf, dass ein Filmstudio immer vorher bei mir anfragt, welche Sorte Geschichte sie drehen dürfen und welche Sorte Mensch darin Hauptrollen spielen darf.

    Wenn jemand den Film gesehen hat und technisch mit der CGI, den Kampfszenen oder der Stärke der Gegnerin nicht einverstanden war, ist es natürlich etwas anderes, als wenn jemand generell protestiert, dass Marvel angeblich plötzlich zu viele Superheldinnen an den Start bringt. Die Figuren gibt es in den Comiocs schon lange, Carol Danvers ist sogar noch älter als ich.

    Ich persönlich fand The Marvels sehr unterhaltsam und bewegend. In die Interaktionen zwischen den drei Hauptcharakteren konnte ich mich sehr reinversetzen, besonders in Kamala Khans Hang zum Fanquietschen 💙

    Der Film hatte eine berührende Botschaft über Familie und Kooperation, Verantwortung und Schuld, Vergeltung und Wiedergutmachung. Es gab viel zu lachen, überraschende Twists und originelle Erzählideen. Ich hatte drei Filme auf meiner ToWantListe und bin sehr froh, dass ich dazu gekommen bin, mir diesen hier anzusehen.

    Der Podcast „Women of Marvel“ erzählt mehr über die verschiedenen Inkarnationen von „Captain Marvel“. Bei dieser Episode schwappt genau die Art von Enthusiasmus herüber, den ich auch im Kino gefühlt habe. Wer weiß und am Ende muss ich jetzt anfangen, Jahrzehnte von Marvelcomics nachzulesen 😀

    Und was war sonst noch los?

    Blick auf einen See, das Wasser ist sehr ruhig und spiegelt die Bäume am gegenüberliegenden Ufer. Die Laubfarben gehen von Dunkelgrün bis leuchtend Gold. Der Himmel ist dramatisch bewölkt.
    Krupunder ist den Meisten eher aus den Verkehrsnachrichten bekannt. Dabei ist der See besonders im Herbst wunderschön.
    Ein Photo in einem Restaurant, in einer indirekt beleuchteten Wandnische sitzt eine weiße Statue im Schneidersitz. Die Wand ist blau mit einem Blättermuster darauf gemalt.
    In Wedel hat ein veganes Restaurant geöffnet. Das ist schon toll, wenn wir nicht unbedingt zum Essengehen nach Hamburg reinfahren müssen. Eine ausdrückliche Empfehlung für das Om Mani! (Leider gibt es dieses Restaurant seit 25 nicht mehr)

    Was habe ich im November 23 gebloggt?

    Ein Beistelltisch, darauf eine Teekanne, eine Teetasse, ein Apfel, ein paar Hustenbonbons, Nasen- und Halsspray, Taschentücher und ein Buch

    Monatsrückblick Oktober 23

    Ich schreibe mit anderen Blogger:innen einen Monatsrückblick auf den Oktober 23. Was war los? Was habe ich gelernt? Wie geht es im November weiter?

    Sprachen ändern sich: Eine Frau guckt mit großen Augen in die Kamera und hält sich die Ohren zu

    Sprachen ändern sich

    Eine Blogparade über gefühlte Sprachverhunzung gab mir eine willkommene Gelegenheit, über die Formulierungen im Deutschen zu sprechen, die mir im Alltag sehr schräg runter gehen.

    mein jüngeres Ich: ein Photo aus den siebziger Jahren zeigt ein etwa vierjähriges blondes Mädchen auf einem Spielplatzkarussell

    Mein jüngeres Ich

    Eine weitere Blogparade brachte mich dazu, mich mal wieder bei meinem jüngeren Ich zu melden. Und ich staune, wie viel und wie wenig sich in den Jahren geändert hat. Meistens im besten Sinne.

    Was habe ich im Dezember 23 vor?

    • Meine Schwester hat mir zum Geburtstag einen Häkeladventskalender geschenkt. Da habe ich jeden Tag ein kleines Handarbeitsprojekt.
    • Weiter fit werden.
    • Entscheiden, welche ToWants ich noch abhaken möchte.
    • Weihnachten feiern 🎄 Mein Lieblingsfest!
    • Anscheinend werde ich auch wieder am Jahresrückblog teilnehmen 😀 Allerdings in stark reduzierter Form. 2021 und 2022 hat es mir sehr gefallen, so gründlich auf die vergangenen zwölf Monate zurückzublicken und meine Erkenntnisse zu sortieren. Ich muss allerdings dieses Jahr nicht ganz so viel Aufwand in die Details stecken 😉

    Das war mein Monatsrückblick November 23.

    Schreibst du auch mehr oder weniger regelmäßig Rückblicke? Was sind deine Erfahrungen damit? Wie gut läuft bei dir das Erkennen und Einhalten deiner persönlichen Grenzen?

    Mehr Beiträge zum Thema Rückblicke findest du hier.

  • Mein jüngeres Ich

    Mein jüngeres Ich

    Überraschung, eine weitere Blogparade! Dieses Mal war es Sylvia Tornau, die mich motivierte, mein jüngeres Ich zu kontaktieren. Das finde ich immer eine passende Idee, und aktuell habe ich besonders Lust dazu. Also los:

    Liebe Angela,

    wir haben uns ja schon ein paarmal getroffen. Damals zum Beispiel, als ich noch du war. Und während meiner Coachingausbildung, als ich dich ein paarmal gezielt zu dem einen oder anderen Thema besucht habe. Das hat mir immer geholfen, mein heutiges Ich besser zu verstehen. Vielleicht haben diese Treffen dir als mein jüngeres Ich auch gut getan. Ich hoffe es. Heute melde ich mich, um einfach Hallo zu sagen und zu plaudern 😉

    Du sitzt alleine auf dem Spielplatzkarussell. Schon früh machst du gerne dein eigenes Ding, beschleunigst das Gefährt mit links. Fremde Menschen sind dir etwas suspekt, aber wenn du die Situation selbst unter Kontrolle hast, genießt du es, schnell voran zu kommen. Überrascht es dich, dass wir nicht so verschieden sind, du und ich?

    Wenn du mich fragst, ob ich dir etwas mitzuteilen habe, dann das: Du bist in Ordnung. Du hast eine spannende Reise vor dir, auf der du dich immer wieder neu erfinden und dafür sorgen kannst, dass du möglichst viel von deinem Leben selbst in der Hand hast. Auf der du immer Zeit zum Spielen haben wirst, wenn du sie dir nimmst.

    Ein Photo aus den frühen neunziger Jahren. Eine junge Frau mit Dauerwelle, hellgrünem Pullover und mittelblauer Jeans steht mit ausgebreiteten Armen und einem Grinsen im Gesicht vor Blumenrabatten.

    Ein Sprung vorwärts: Du hast gerade die letzte Abiprüfung hinter dir und siehst mit großen Augen und ein bisschen besorgt in die Zukunft. Von dir aus hätte die Schulzeit gerne noch ein paar Jahre weiter gehen können. Alles so schön gewohnt, relativ viel Freizeit und es gab immer etwas zu lernen. Das meiste davon war sogar interessant.

    Ich hoffe du freust dich darüber, dass du einen Weg finden wirst, das Lernen zum Mittelpunkt und zur Aufgabe deines Lebens zu machen. Das ist sogar noch viel erfüllender, als du es dir vielleicht jetzt vorstellen kannst.

    Mit dem Weltretten läuft es dagegen nicht so wie geplant. Der Zustand der Erde hat sich eher verschlechtert und die Lage ist frustrierend. Aber lass dich dadurch nicht davon abhalten, es trotzdem zu versuchen. Mit der Zeit findest du Menschen, die ticken wie du, mit denen du dich für deine Werte einsetzen kannst. Und du wirst merken, manchmal tut Gesellschaft richtig gut.

    Ich erinnere mich daran, wie dir diese Dauerwelle aufgeschwatzt wurde. Du bist so oft so kernig du selbst und gleichzeitig so leicht zu beeindrucken. Vielleicht ist es dir ein Trost, dass diese Frisur bald wieder raus wächst, inklusive einer Zeit mit sehr kurzen Haaren. Als du zur Hochzeit bei der gleichen Friseurin sitzt, und sie dir wieder eine Dauerwelle andrehen will, schnaubst du sie nur an 😀 Nicht jeder Fehler wird wiederholt und ich bin immer noch stolz auf dich dafür.

    Auch mit 50 geraten wir immer noch in Situationen, in denen wir erst im Rückblick merken, dass wir schon wieder umgekippt sind. Warum erklären wir uns immer noch zu Dingen bereit, die im Nachhinein mächtig nerven? Auf die wir, wenn wir ehrlich sind, von Anfang an keine Lust hatten?

    Die gute Nachricht ist, dass wir tatsächlich dazu lernen. Auch beim Neinsagen. Die schlechte Nachricht ist, dass dieser Prozess richtig richtig langsam läuft. Und das, obwohl wir bei manchen Dingen doch so gerne beschleunigen wollen. Vielleicht lernen wir am Ende noch, Geduld zu haben?

    Liebes jüngeres Ich, ich bin froh, dass wir uns kennen. Darf ich dir etwas raten? Wenn ja: Sei ruhig etwas zuversichtlicher. Du machst deinen Weg, da bin ich mir sicher. Ich war schließlich dabei 😉

    Alles Liebe und viel Spaß!

    Dein älteres Ich


    Ich verspreche, ich werde nicht bis an mein Lebensende nur Beiträge zu Blogparaden schreiben. Leider gibt es „kurioserweise“ aktuell so viele spannende Themen, dass ich schon sortieren musste, an welchen ich nicht teilnehmen werde 😉

  • Sprachen ändern sich

    Sprachen ändern sich

    Lebende Sprachen ändern sich. Auch wenn mir das im Grunde bewusst ist, bin ich nicht von jeder Veränderung gleichermaßen begeistert. Nicole Isermann hat freundlicherweise zu einer Blogparade unter dem Titel #BlogparadeSprachverhunzung aufgerufen. Für mich die Gelegenheit, mir mal ein bisschen was von der Seele zu reden. Oder?

    Disclaimer: Nach diesem Beitrag wurde mir klar, dass die Frage nach meinem Standpunkt zum Gendern von den eigentlich existenziellen Fragen ablenkt. Dass diese Debatte unnötig Zeit und Energie verschwendet. Mehr liest du dazu in meinem abschließenden Beitrag zum Gendern.

    Ich lasse diesen Post trotzdem stehen, weil ich immer noch zu den Aussagen darin stehe. Vor allem dazu, dass ich mir für uns mehr Nachsicht, Solidarität und Gelassenheit miteinander wünsche.

    Wie ich zu Sprachen stehe

    Mein Zugang zu Sprachen ist einerseits ästhetisch, andererseits aber auch ziemlich analytisch. Ich finde es schön, wenn alles nahtlos zusammenpasst und Sinn ergibt. Das Baukastenprinzip der deutschen Sprache ist für mich schon fast ASMR, ein gelungenes Gedicht fühlt sich genauso gut an wie eine Matheaufgabe, die glatt aufgeht.

    Ich beobachte auch sehr fasziniert, wie kreativ meine Schüler:innen, die inzwischen mehr als dreißig Jahre jünger sind als ich, mit Begriffen umgehen. Wie sie verschiedene Sprachen mischen und Worten neue Bedeutungen geben. Sprachen ändern sich und oft empfinde ich diesen Prozess als Ausdruck von Lebendigkeit und Bereicherung. Genauso, wie sich die Evolution nicht aufhalten lässt, ist es aussichtslos, darauf zu hoffen, dass sich weder unser Vokabular noch die Grammatik ändern.

    Was mich stört

    Und doch gibt es ein paar Dinge, bei denen ich innerlich quietsche. Und zwar dann, wenn Dinge nicht zusammenpassen. Dass das Genitivobjekt auf dem Weg in die Bedeutungslosigkeit ist, nehme ich ja noch hin. Das ist einfach eine Weiterentwicklung. Auch wenn etwas „zu Genüge“ passiert oder „im guten Zustand“ ist, zucke ich nur kurz zusammen 😉 Was ich allerdings richtig unangenehm finde, ist zum Beispiel Folgendes:

    „Dann habe ich ’nen Buch gelesen.“

    Ich verschleife beim Sprechen auch manches. Teils regional bedingt, teils aus ökonomischen Gründen. Allerdings spare ich beim Wechsel von „ein XY“ zu „’nen XY“ keine einzige Silbe. Diese Konstruktion ist aber oft zu hören oder lesen, und ich frage mich regelmäßig, was die Motivation dahinter ist.

    Das Kommentar war echt gemein!“

    Ursprünglich habe ich besonders in Onlinediskussionen oft von „das Kommi“ gelesen. Die Verniedlichung mag ja noch das Neutrum nahe legen. Irgendwann kehrte allerdings das unverkürzte Wort als „das Kommentar“ zurück. Und der Kommentar ist nicht der Einzige, dessen Genus ohne Not und ohne Vorwarnung vertauscht wird.

    Diese Sache hat seinen Preis.“

    Diese Vermischung finde ich wirklich unästhetisch. Und sie fällt mir relativ oft auf. Ein feminines Wort hat häufig aus unerfindlichen Gründen „seine“ Zeit, Bedeutung, Ursache oder was auch immer. Diese grammatikalische Überraschung finde ich besonders anstrengend und unerklärlich.

    Photo von einem Zeitungsausschnitt, die Überschrift lautet: Vergrößerung. Tiertafel Pinneberg erweitert seine Kapazitäten.
    Ein Beispiel aus der Lokalzeitung

    Dreimal mehr als vorher.“

    Diese Formulierung hat sich dermaßen etabliert, dass ich bei der Werbung für Nurofen jedes Mal wohlig aufatme, wenn mir erzählt wird, dass der Wirkstoff „zweimal so schnell“ aufgenommen wird. Dreimal wie viel mehr? Falls es sich um 100% handelt, dann wäre das doch viermal so viel. Oder nicht?

    Was mich stört, sind solche nicht passenden und unlogischen Bezüge. Besonders dann, wenn sie gleichzeitig überhaupt nicht nötig sind. Ich kann ’n Buch lesen, den Kommentar schreiben und jede Sache hat ihren Preis. Die Dinge so zu formulieren, kostet keine zusätzliche Energie oder Konzentration.

    Auch andere Sprachen ändern sich. So ist es vermutlich nicht mehr aufzuhalten, dass es auf Englisch irgendwann offiziell heißt ‚“I could care less“ oder „I would of said something“. Zu diesem Effekt gibt es übrigens auch Studien: Falsche Grammatik zu hören, kann körperliche Stressreaktionen auslösen.

    Was ich anderen zumute

    Manchmal ist es anders herum. Ich gehöre zu der Gruppe, die schriftlich gerne das Gendersternchen oder den Doppelpunkt im Wort verwendet und sich nicht daran stört, wenn andere den Glottisschlag sogar aussprechen. Das passiert mir sogar selbst immer öfter 😉 Wie Fresh Torge es formuliert: „Sag mal Rührei!“ Zusätzlich konsumiere ich gerne vegane Würstchen und Hafermilch.

    Nicht alle sind von Konstruktionen dieser beiden Arten begeistert. Das ist mir bewusst. Und ich kann mir auch vorstellen, dass diese Menschen sich davon genauso gestresst fühlen wie ich, wenn jemand wieder „’nen Bild gemalt“ hat.

    Was wir daraus machen können

    Sprachentwicklung aufhalten zu wollen, ist unrealistisch. Aus meiner Sicht würde ich mir wünschen, dass wir alle auf dem Schirm haben, dass unterschiedliche Menschen unterschiedliche Formulierungen unterschiedlich gut oder schlimm finden. Und dass wir alle an der Stelle etwas durchatmen und die Art, wie die andere Person redet, nicht persönlich auf uns beziehen. Vielleicht sogar umso mehr hören, was sie uns inhaltlich sagen will.

    Ich selbst kann natürlich nur an meiner eigenen Einstellung arbeiten. Diese Blogparade war eine wunderbare Gelegenheit, dafür meine Gedanken zu sortieren. Und eine Anregung, mal wieder mein Prioritätenbord zu betrachten. Und wenn das nächste Mal jemand in meinem Umfeld sprachlich wieder besonders kreativ ist, einfach extra tief durchzuatmen.

    Wie siehst du das?

    Gibt es sprachliche Entwicklungen oder Formulierungen, die dir auf die Nerven gehen? Oder würdest du dir mehr Gelassenheit gegenüber neuen Ausdrücken wünschen? Oder geht es dir wie mir und du erlebst beides?

  • Monatsrückblick Oktober 23

    Monatsrückblick Oktober 23

    Es ist Zeit für den Monatsrückblick Oktober 23 nach der Anleitung von Judith Peters. In dieser Zeit war meine größte Herausforderung, mit meinem Gesundheitszustand Geduld zu haben. Nicht gerade eine meiner Kernkompetenzen. Langweilig war mir im Oktober 23 trotzdem nicht.

    Was hatte ich vor und was ist daraus geworden?

    • Bloggen: Dafür, dass ich krank war, ist richtig viel zusammen gekommen 😁
    • Blogtoberfest: Das war eine spannende Sache, mehr Details gibt es weiter unten.
    • Das Ubuntu-Update: Mein Computer erinnert mich immer wieder ganz stoisch daran, ist aber im Oktober nicht passiert 😆

    Gesund zu werden braucht Geduld

    Viele Leute haben mir versichert, das würde schnell wieder. Ende September hatte ich zum ersten Mal einen positiven Coronatest. Mir ging es eine Woche lang richtig schlecht und es dauerte 15 Tage, bis ich wieder negativ war. Vorher hatte ich den Luxus genossen, so gut wie nie krank zu sein, auch weil ich nicht mehr im Schuldienst arbeite und dadurch signifikant weniger Gelegenheit habe, mich anzustecken. Soweit die Theorie.

    Der metallische Geschmack verschwand zum Glück nach einer Woche wieder, das Schwindelgefühl nach dem Treppensteigen und das Rauschen in den Ohren hielt relativ lange an. Vor allem zogen sich die Tage mit den blaßrosa Strichen beim T.

    Ein Coronaschnelltest, beim T ist ein schwacher roter Strich zu sehen.

    Für mich war das eine Gelegenheit zum Bilanzziehen. Einerseits haben mir diese Wochen vor Augen geführt, wie dankbar ich sein kann, dass ich ansonsten im Allgemeinen ziemlich gesund bin. Andererseits wurde mir so richtig bewusst, wie wenig wir aus den vergangenen drei Jahren gelernt haben. Dazu habe ich dann auch die Zeit genutzt und einen Blogbeitrag geschrieben. Für die Zukunft bin ich skeptisch, wie gut wir aufgestellt sein werden, wenn das nächste zoonotische Virus die Runde machen wird.

    Ein Coronaschnelltest, das Ergebnis ist negativ

    Den ersten negativen Test habe ich gefeiert. Ich bin danach noch nicht sofort wieder in Person unterrichten gegangen. Allerdings war es eine große Erleichterung, wieder entspannt raus zu können. Die ersten langsamen Spaziergänge draußen habe ich dann noch mehr gefeiert. Die Freiheit, mich in der Natur bewegen zu können, weiß ich jetzt erst recht wieder zu schätzen.

    Eine Frau, die Kopfhörer trägt und in die Kamera blickt. Im Hintergrund ist ein Fußweg zwischen Bäumen hindurch.

    Das größte Highlight war es dann, wieder von Angesicht zu Angesicht unterrichten zu können. In der zweiten Woche habe ich einen Teil meiner Schüler*innen online getroffen. Dabei habe ich immer wieder gemerkt, wie mir mitten im Satz Begriffe fehlten und wie schwer mir eine ordentliche Handschrift fiel. Trotzdem ist Mathematik immer ein verlässlicher Stimmungsboost bei mir. Und die Worte kommen wenigstens inzwischen wieder zurück.

    Es haben sich im Oktober vier neue Interessierte gemeldet. Das war ganz schön spannend, Termine auszutüfteln, als das Gehirn eigentlich eher nicht so kooperativ war und ich erstmal aus Gründen der Infektiosität auf etwas später vertrösten musste. Und aus irgendeinem Grund wollen die meisten den Montag und nicht den Freitag 😉

    Ein Whiteboard an einer leuchtend grünen Wand. Auf dem Board ist ein Koordinatensystem gezeichnet mit einer Kurve darin. Hoch und Tiefpunkte sind markiert.

    Leider ist die allgemeine extreme Müdigkeit nicht sonderlich zurück gegangen. Es ist nicht so, dass ich vorher überdurchschnittlich energiegeladen gewesen wäre, jetzt allerdings noch weniger. Ich hoffe, dass ich mich irgendwann so weit erhole, dass ich wieder mehr als fünf Minuten radfahren oder sogar Laufen gehen kann. Das werden dann noch weitere Gelegenheiten zum Feiern sein. Und ich werde das noch eine ganze Weile nicht als selbstverständlich nehmen.

    Von Do nach Want

    Das Blogtoberfest 2023 war eine unerwartete Motivationsspritze. Judith Peters hat immer mal wieder tolle neue Ideen für Blogaufgaben. Bei ihr melde ich mich an, ohne zu wissen, was ich am Ende tun soll 😀 So auch dieses Mal.

    Und dann kam sie, die Herausforderung: Wir sollten eine Liste mit Dingen schreiben, die wir bis Silvester 23 noch erleben wollten. Das mir, die ich inzwischen das Kapitel Listenschreiben als „nichts für mich“ abgeschlossen habe 😀

    Kneifen wollte ich aber auch nicht. Und es sollte auch keine ToDo-Liste werden, sondern eine Art Programm mit schönen Aktionen, die mir gut tun würden. Judith hat das Ganze ToWant-Liste getauft. Mit diesem Ansatz habe ich dann 25 Punkte aufgeschrieben, verbloggt, ausgedruckt und außen an meinen Kleiderschrank gehängt:

    Nahaufnahme von einem Kleiderschrank aus hellem Holz, an der linken Tür klebt ein weißes quadratisches Stück Papier mit einem handgemalten Smiley darauf, an der rechten Tür klebt ein DIN A4-Blatt mit einer Liste

    Auch wenn ein paar berufliche Pläne dabei sind, geht es auf meiner Liste hauptsächlich darum, mich eben nicht zu verplanen. Nein zu sagen, in mich reinzuhorchen, ob ich etwas tun will und jeden Tag eine Runde Nichts zu tun.

    Andere Punkte haben mit Genuss zu tun, den ich manchmal aus Zerstreutheit ausfallen lasse. So lautet zum Beispiel die Nummer 8: „An fünf Sonntagen ein extra schickes Frühstück genießen.“ Die Erinnerung am Kleiderschrank hat gewirkt und ich habe einmal ein englisches Frühstück zubereitet und einmal ein dekadentes Porridge mit Zimt, Kardamom, Vanille, Apfelstückchen, Walnüssen und Glitzerkakaopulver 🧡

    Ein großer flacher Teller, darauf zwei gebratene Tomatenhälften, ein Röstidreieck, zwei ganze gebratene Champignons, drei Würstchen, ein veganes Omelett und Baked Beans

    Ich sehe die Liste nicht als Verpflichtung, sondern als ein Angebot, aus dem ich mir jeden Tag etwas aussuche. Vielleicht versöhnt mich das am Ende doch noch mit ToDo-Listen? Wer weiß 😉

    Was habe ich gelesen?

    Zwei Bücher, die mit dem Cover nach vorne auf einem Bücherbord stehen. Links "When the Tripods Came", rechts "mein Stadtkräuterbuch"

    Nostalgietrip mit dreibeinigen Monstern

    Als Jugendliche habe ich die Serie „Die dreibeinigen Herrscher“ gesehen und im Anschluss die Trilogie von John Christopher gelesen. Vor kurzem habe mitbekommen, dass es einen vierten Band zur Vorgeschichte gibt. Den habe ich bei medimops gefunden und an der Bücherstapel-Warteschlange vorbeigeschleust.

    Alleine das Buch an sich war ein Nostalgiefest. Gut erhalten und trotzdem herrlich vergilbtes Papier. Diese lustige Art fester Pappeinband mit abwaschbarer Beschichtung 😍 Die Geschichte spielt sehr offensichtlich in den 80ern. Es gibt zum Beispiel in der Geschichte keine Möglichkeit, Menschen zu erreichen, die unterwegs sind. Gleichzeitig eine entspannte wie auch inzwischen abwegige Vorstellung.

    Insgesamt geht es darum, dass Aliens auf der Erde landen. Im Anschluss versuchen sie, die Menschen unter ihre Kontrolle zu bringen. Ihre Strategien sind dabei faszinierend relevant für die heutige Zeit. Genauso die Reaktionen der Menschheit: Einige kippen sehr schnell für die Botschaft der Dreibeiner um, und schwärmen von der schönen neuen Zukunft. Andere Personen investieren viel Energie, um weiter in Freiheit leben zu können. Auch der Umgang von Politik und Militär hätte genauso gut heute stattfinden können. So viel anders als die Menschheit der 80er sind wir heute nicht, jedenfalls nicht in den wesentlichen Punkten.

    In den drei Anschlussbänden geht es dann um den Aufstand der noch freien Menschen. Ich fand es sehr erfreulich, nach all den Jahren zu erfahren, wie die ganze Geschichte losging. Jetzt müsste ich eigentlich die Trilogie noch einmal lesen. Mal sehen, was der restliche Bücherstapel dazu sagt 😉

    Kräuter in der Stadt

    Das „Stadtkräuterbuch“ von Ursula Stratmann habe ich mal wieder geschenkt bekommen. Die Themen Natur im urbanen Raum und Selbstversorgung fand ich schon immer spannend, und dem Buch ist anzumerken, dass die Stadtkräuter der Autorin besonders am Herzen liegen.

    Es handelt sich ausdrücklich nicht um ein Bestimmungsbuch. Ursula Stratmann mäandert fröhlich zwischen Rezepten, Erinnerungen, Anekdoten aus ihrer Tätigkeit als Ernährungsberaterin, Gartentipps und dazwischen gesponnenem Kräuterfrauengarn. Ich werde vermutlich weder auf den Gewitterschutz mit bestimmten Kräutern auf der Fensterbank noch auf einen der diversen Liebeszauber zurückgreifen, unterhaltsam waren die Geschichten trotzdem allemal.

    Der Bezug auf den Stadtbereich lässt nachvollziehen, wie beeindruckend sich die Natur unter widrigsten Umständen durchsetzt. Auch in der Kleinstadt, in der ich wohne, halte ich jetzt verstärkt die Augen offen für das viele Grün in Knöchelhöhe. Durch das Buch angeregt, will ich in in den kommenden Wochen genauer recherchieren, was hier so vor Ort wild wächst und wozu es gut ist.

    Ein weiterer Pluspunkt an dem Buch: Es hat Kapitel für Frühling, Sommer, Herbst und Winter. Das hat mich motiviert, mit meinen Beobachtungen jetzt schon anzufangen, und sie nicht bis zum Frühjahr wieder zu vergessen 😉

    Und was war sonst noch los?

    Nahaufnahme eines cremefarbenen Pilzes, der seitlich aus einem Baumstamm heraus wächst. Baum, Pilz und Waldboden sind regenfeucht.
    Gute Zeiten für zarte Pilze.
    zwei große Fliegenpilze aus der Nähe
    Und für große Pilze.
    Fünf Schraubdeckelgläser, darin Quittenmus
    Eine Nachbarin hat einen Quittenbaum und gibt mir immer ein paar Früchte ab. Inzwischen mache ich einfach Mus daraus, das ist wenig Aufwand und sehr lecker.
    Blick entlang eines geraden Waldpfades, die Blätter an den Bäumen sind noch fast alle grün, ein paar wenigs sind schon goldbran und ein paar goldene Blätter liegen auf dem Boden
    Ich bin noch rechtzeitig wieder in den Wald gekommen, um noch jede Menge grünes Laub zu sehen 💚

    Was habe ich im Oktober 23 gebloggt?

    Eine blauviolette Rosenblüte am Strauch im Garten.

    Monatsrückblick September 23

    Ich schreibe mit anderen Blogger:innen einen Monatsrückblick auf den September 23. Was war los? Was habe ich gelernt? Wie geht es im Oktober weiter?

    Eine Frau mit FFP2 Maske aus schwarzem Stoff schaut in die Kamera und steht vor einem Regal mit Unterrichtsmaterial und Büchern

    Was haben wir aus der Pandemie gelernt?

    Eine sehr persönliche Bilanz dessen, was wir aus der Pandemie gelernt haben. Und meine aktuelle Perspektive auf unsere Zukunft.

    To-Want-Liste: Eine Frau steht auf einer Wiese, im Hintergrund Bäume und ein grauer Wolkenhimmel. Es regnet aber aktuell nicht, die Nachmittagssonne scheint von rechts auf die Frau. Sie hat eine schwarze Regenjacke an und lächelt in die Kamera

    Meine To-Want-Liste 2023

    Eine weitere der sensationellen Challenges, die sich Judith Peters regemäßig einfallen lässt: Zum Blogtoberfest 2023 habe ich mir überlegt, was ich bin zum Ende des Jahres alles noch erleben möchte. Obwohl mir schon beim Gedanken an ToDo-Listen alle Haare zu Berge stehen 😉

    Herbstgericht: Ein weißer Teller, darauf eine dunkelrote Suppe. In der Suppe liegen cremefarbene Grießklößchen und ein paar dunkelrot verfärbte Apfelstückchen.

    Mein liebstes veganes Herbstgericht

    Eine der diversen Blogparaden, die ich mir vorgemerkt habe, drehte sich um süße vegane Gerichte für den Herbst oder . Ausgerufen hatte diese Blogparade Ingrid Holscher und für mich war es eine super Erinnerung daran, mal wieder Fliederbeersuppe zu essen.

    Magische Momente: Blick durch eine Baumallee, die Sonne scheint von schräg links oben, ein zarter Nebel schimmert zwischen den Bäumen, Das Laub ist noch grün, hat aber schon goldbraune Sprenkel.

    Magische Momente

    Und noch eine Blogparade, dieses Mal von Marianna Sajaz. Das Thema waren Magische Momente. Ich habe darüber gebloggt, wie sehr wir es selbst in der Hand haben, dass unser Leben immer mal wieder etwas magisch ist.

    Was habe ich im November 23 vor?

    • Die Kräuter, die ich in meiner Umgebung identifiziert habe, genauer kennen lernen.
    • Weiter fit werden.
    • Meine ToWants im Auge behalten

    Das war mein Monatsrückblick Oktober 23.

    Schreibst du auch mehr oder weniger regelmäßig Rückblicke? Was sind deine Erfahrungen damit? Wie geduldig bist du, wenn es darum geht, nach einer Zeit der Krankheit wieder gesund zu werden?

    Mehr Beiträge zum Thema Rückblicke findest du hier.

  • Magische Momente, eine Blogparade

    Magische Momente, eine Blogparade

    Wieder eine Blogparade, dieses Mal über magische Momente 🙂 Marianna Sajaz hat im Rahmen der Content Society dazu aufgerufen, über unser Verhältnis zur Magie zu schreiben.

    Anfang 22 habe ich über dieses Thema schon einmal gebloggt. Ich finde es spannend, wie stark bei aller Aufgeklärtheit oft die menschliche Sehnsucht nach irrationalen Ritualen ist. Warum zum Beispiel fassen wir gute Vorsätze zum Neuen Jahr? Warum liegt überhaupt der Beginn des Jahres am 1. Januar?

    Was sind für mich magische Momente?

    Mir fallen eine Menge kleiner, scheinbar unscheinbarer Situationen ein. In der Natur zu sein ist für mich immer mindestens ein bisschen magisch. Samenkörner in Töpfe zu stecken und nach Tagen der Ungeduld endlich das erste Grün zu beobachten, wie es sich durch die Erde schiebt und entfaltet, ist mehr als nur schön. Diese Unaufhaltsamkeit des Lebens ist gleichzeitig so zart und so beeindruckend.

    Anzuchttopf mit einem kleinen, grünen Keimling einer Kürbispflanze

    Die magischen Momente in der Natur haben für mich oft mit Verbindung zu tun. Dem Gefühl, in etwas Großes eingebunden zu sein. Oft ist es auch die Schönheit einer Landschaft, die mir wieder Hoffnung gibt, wenn ich eine Zeit lang zu sehr auf die deprimierenden Nachrichten geachtet habe.

    Wir sind gleichzeitig so bemerkenswerte Wesen und eigentlich sehr klein in diesem unfassbar großen Universum. Die Welt funktioniert sehr gut ohne uns und manchmal, wenn wir Gelegenheit dazu bekommen, verstehen wir das auf einer tiefen Bewusstseinsebene. Die Ehrfurcht, die wir dann empfinden, ist eine weitere Facette der Magie dieser Welt.

    Nicht nur das neue Leben macht mir Gänsehaut. Auch die ungerührte stete Transformation dessen, was seine Zeit gehabt hat, die Kompostierung und Fermentation zu Neuem hat etwas Magisches. Leben ist Bewegung. Das ist mit ein Grund, aus dem es so heilsam und erdend ist, den Kreis der Jahreszeiten bewusst zu begleiten.

    Magische Momente mit anderen Menschen erlebe ich als spontane Resonanz. Wenn ich mit anderen zusammen singe, lache oder Konzerte genieße, ist das im Idealfall mehr als nur gemeinsam angenehm verbrachte Zeit. Sich von Mitmenschen berühren zu lassen ist in den aktuellen Zeiten wichtiger denn je.

    Magie selbstgemacht

    Für mich hat Mathematik etwas Magisches. Mit ein paar Zahlen und Buchstaben kann ich zum Beispiel eine Kugel in den Raum zaubern. Und dort kann ich sie zum Beispiel einfach so an einem Punkt spiegeln. Wenn ich das möcht 😉 Wenn am Ende einer Rechnung alles passt und aufgeht, geht mir das Herz auf. Vielen meiner Schüler*innen geht das genauso 🙂

    Manche magischen Momente haben wir also selbst in der Hand. Gerade, wenn es um Lernprozesse geht, in denen sich immer wieder ein paar Puzzlesteine drehen und unerwartet ineinander klicken. Das ist einer der Gründe, warum ich meine Arbeit als Nachhilfelehrerin so liebe.

    eine Frau in einem blauen Star Trek Fanshirt hält einen dreidimensionalen Papierstern zwischen ihren Fingerspitzen und schaut ihn an

    Als ich noch im Schuldienst war, habe ich meine Schüler*innen sehr gerne experimentieren lassen. Auch die Chemie und Physik haben ihre magischen Seiten. Wer einmal Filzstiftfarbe mit einem Stück Filterpapier chromatographisch aufgespalten, Lycopodium oder Salze in eine Flamme geworfen oder Seife gesiedet hat, weiß wovon ich rede.

    Als ich noch im Kindergarten war, wurde zu jedem Geburtstag aus Krepppapier ein Zylinder geklebt, senkrecht aufgestellt und angezündet. Diese Erinnerung hat sich bei mir tief eingeprägt. Ich mache etwas Ähnliches heute noch gerne mit entleerten Teebeuteln. Dem Feuerring beim Aufsteigen zuzusehen, bewegt mich immer noch und jedes Mal wieder.

    Heute weiß ich, warum diese „Rakete“ aufsteigt. Um es mit Terry Pratchett zu sagen:

    “It’s still magic even if you know how it’s done.”

    Terry Pratchett, A Hat Full of Sky

    Ich weiß, warum verschiedene Metalle unterschiedliche Flammenfarben bewirken und warum die Bärlappsporen in so einer großen Flamme verpuffen. Das tut der Magie keinen Abbruch. Im Gegenteil, diese Momente selbst erzeugen zu können, ist Teil der Erfahrung. Ein bisschen Selbstwirksamkeit verbessert den Kontakt mit der Welt um uns herum.

    Magie in aufgeklärten Zeiten

    Manche Vorgänge kann ich mit meinem Wissen nicht erklären. Der Schriftsteller Arthur C. Clarke drückte das so aus:

    Any sufficiently advanced technology is indistinguishable from magic.

    Arthur C. Clarke

    Wären Zeitreisen möglich, wären Menschen aus dem Mittelalter sicher schockiert von Smartphones. Möglicherweise bekämen wir auch Besuch aus einer Zukunft, in der Technologien genutzt werden, die wir aktuell für kaum möglich halten.

    Es ist wie so oft eine Frage der Perspektive. Ich entscheide mich dafür, immer mal wieder bewusst das Wunderbare in den Dingen wahrzunehmen, die uns im Alltag umgeben. Und auf die Magie gespannt zu sein, die noch auf uns zukommt. Und gleichzeitig finde ich gerne heraus, warum etwas funktioniert.

    Offen sein für magische Momente

    Blick auf eine herbstliche Wiese, im Hintergrund stehen Bäume, am Himmel hängen Wolken, durch die die Herbstsonne in r
Richtung Kamera scheint.

    Um Magie zu erleben, muss ich mein Bewusstsein auf sie richten. Als ich einmal wieder in Dithmarschen zu Besuch war, einer sehr dünn besiedelten Region mit wenig Lichtverschmutzung, sah ich draußen in den Nachthimmel. Und bewunderte die überwältigende Anzahl an glitzernden Sternen.

    In meinen Jahren in London hatte der Himmel nachts eine seltsame „dunkelblaugelbe“ Farbe und gab praktisch nur den Mond preis. An diesem Abend in Dithmarschen ging mein Blick eher zufällig „kurz“ nach oben. mit dem Ergebnis, dass ich ihn vor lauter Ergriffenheit einige Minuten lang nicht senken konnte.

    Dieser bewusste Blick ist eine kindliche Perspektive auf meine Umwelt. Wenn es regnet und die Sonne herauskommt, renne ich vor die Tür und suche „meinen“ Regenbogen. Der bringt mir rational betrachtet überhaupt nichts, vor allem wenn ich eigentlich stattdessen weiter Wäsche hätte falten sollen. Und gleichzeitig wird ein Teil in mir besonders lebendig, wenn ich mich im richtigen Moment für das Erlebnis geöffnet habe.

    Im Umgang mit Mitmenschen muss ich mich verletzlich machen, um berührt zu werden. Das finde ich persönlich deutlich schwieriger als die Kontaktaufnahme mit einem Baum, dem Nachthimmel oder einem Regenbogen. Umso lohnender sind die magischen Momente dann, die ich mitten auf einem Metalfestival oder beim Outreach im Gespräch mit Fremden erlebe, wenn ganz unverhofft Gemeinschaft und gegenseitiges Verständnis entstehen.

    Was braucht Magie also?

    Wir können dazu beitragen, dass wir magische Momente erleben. Und das hat sehr viel mit Haltung zu tun:

    • Wir können bewusst Dinge tun, von denen wir wissen, dass sie sich magisch anfühlen.
    • Wir können den Stand der Naturwissenschaft wertschätzen und gleichzeitig mit einer kindlichen Perspektive auf die Wunder der Natur schauen.
    • Wir können uns für diese Momente öffnen, damit wir bereit sind, wenn sie passieren.

    Was meinst du?

    Hast du in deinem Leben bewusst Platz für magische Momente? Wie erlebst du sie? Was tust du dafür? Was würdest du anderen Menschen empfehlen, die mehr Magie in ihr Leben einladen wollen?

  • Mein liebstes veganes Herbstgericht

    Mein liebstes veganes Herbstgericht

    Der Herbst ist meine Lieblingsjahreszeit. Unter anderem, weil sich jetzt so ein Füllhorn an Obst und Gemüse für uns öffnet. Ingrid Holscher fragt in ihrer Blogparade nach meinem liebsten süßen veganen Herbstgericht. Da bin ich gerne dabei, allerdings mit einer Suppe. Aus Fliederbeeren, die ansderswo botanisch korrekter Holunderbeeren heißen.

    Kindheitserinnerungen

    Fliederbeersuppe mit Grießklößchen ist so ein norddeutsches Ding. Meine Oma, die ursprünglich aus Hinterpommern stammte, hat jedes Jahr große Mengen Fliederbeeren gesammelt und verarbeitet. Und dann gab es als Herbstgericht ab und an eine Suppe daraus.

    Für mich ist das eine wunderschöne Kindheitserinnerung, auch wenn ich zu meiner Oma gar nicht die beste Beziehung hatte. Ich sehe mich noch dasitzen, im Unterhemd wegen der Fleckengefahr. Zuerst kam die Suppe auf den Teller und dann wurden liebevoll ein paar Klößchen dazu gelöffelt. Ich fand es faszinierend, wie deren rauhe, weiße Oberfläche sich mit einem Netz aus dunkelroten Adern überzog. Ich rieche heute noch den Duft von Zimt, fühle die wohlige Wärme und schmecke die Herbheit der Beeren. Eine Erinnerung für alle Sinne, sozusagen.

    Kochen mit der Twitterbubble

    Letztes Jahr habe ich mit einer Gruppe anderer Veganer*innen auf Twitter gegenseitig Gerichte vorgestellt. Dabei ging es darum, traditionelle Rezepte zu veganisieren. Mein Leben besteht nicht aus Verzicht, fast alles lässt sich mit etwas Phantasie und Improvisationsfreude auf pflanzlicher Basis herstellen. Diese Aktion inspirierte mich, Omas Fliederbeersuppe nachzukochen und nach Jahrzehnten endlich wieder zu essen.

    Die Zutaten

    Die Suppe an sich ist schon vegan, nur die Klößchen enthalten im Original Ei zur Bindung. Aber auch da finden sich online vegane Rezepte. Ohne das Ei ist etwas Fingerspitzengefühl und Ausprobieren angesagt, damit die Klößchen nicht zerfallen. Ich würde etwas mehr Stärke verwenden als angegeben.

    Ein weißer Teller, darauf zehn cremefarbene Grießklößchen.

    Die Suppe besteht immer aus Fliederbeersaft, Wasser, Äpfeln und Birnen, gewürzt mit Zimt und Nelken, gesüßt mit Zucker und gebunden mit Stärke. Die Klößchen werden aus Grieß, Margarine, Wasser und Stärke gemacht. In meiner Erinnerung waren sie auch selbst süß, also füge ich dem Kloßteig etwas Zucker zu.

    Die Zutaten, ich hatte den Klößchen beim ersten Versuch noch etwas Kichererbsenmehl zugefügt.

    Als ich letztes Jahr nach Ewigkeiten den ersten Löffel Fliederbeersuppe probierte, war das wie eine Reise mit der Zeitmaschine. Plötzlich war ich zurück versetzt in meine Kindheit. Was eigentlich eher eine Aktion zur Information Mitlesender war, tat mir auf der persönlichen Ebene richtig gut. Genauso wie diese Blogparade, die mich daran erinnerte, dass es wieder Zeit für eine Fliederbeersuppe ist 💜

    Ich bin Ingrid sehr dankbar für die Anregung und gespannt, was noch alles an veganen Herbstsüßigkeiten zusammen kommt. Verbindest du auch ein süßes Herbstgericht (oder eine vegane Süßigkeit) mit schönen Erinnerungen?

  • Meine To-Want-Liste 2023

    Meine To-Want-Liste 2023

    Zwischen To -Dos und Buckets

    Judith Peters hatte mal wieder eine Idee. Und natürlich habe ich mich mal wieder sofort zu der Challenge angemeldet, obwohl das Thema eine Überraschung werden würde. Und jetzt sitze ich hier und schreibe eine To-Want-Liste 2023 😄

    Ich habe gefühlt schon alles ausprobiert:

    • ToDo-Listen aus Papier
    • ToDo-Listen elektronisch
    • Bulletjournaling in bunt und dekorativ
    • Bulletjournaling in minimalistisch
    • Mindmaps in verschiedenen Versionen

    Nichts davon hat mich und/oder mein Leben organisierter gemacht. Ich habe eine Vermutung, woran es liegt, aber das ist eher eine Erklärung als dass es weiterhilft. Meine aktuelle Strategie ist: Nachsicht mit mir selbst, Neinsagen üben und immer wieder meine Prioritäten überprüfen.

    Jetzt also ich eine Art Bucketliste. Was habe ich denn noch vor bis zum Jahresende? Vor dem Hintergrund, dass mein Energielevel gesundheitlich erstmal etwas gedrosselt ist?

    Mein Ergebnis enthält ganz bewusst Punkte meiner Selbstfürsorgestrategie, viele Wohlfühlaktivitäten, ein paar heimlich eingestreute berufliche To-Wants und nichts, bei dem der listenscheue Teil in mir schon wieder über alle Berge flüchtet. Ein Mix aus öffentlicher Absichtserklärung und Wahrnehmen meiner grundlegenden Bedürfnisse. Und bewusst wild gemischt 😁

    Was habe ich bis Silvester 23 vor?

    1. Jeden Tag bewusst und absichtlich eine Runde Nichts tun. ✔
    2. Den Besuch meines Bruders bei mir nachholen.
    3. Die Muppetausstellung ansehen. ✔
    4. Die Kiste mit CDs vom Dachboden holen ✔ und durchhören.
    5. Jeden Tag in mich reinhorchen, ob ich zum Walking raus möchte. ✔
    6. Joggen, bis ich wieder eine ganze Runde schaffe.
    7. „Ingeborg Bachmann“ im Kino sehen.
    8. An fünf Sonntagen ein extra schickes Frühstück genießen. ✔
    9. Eine Sitzung mit dem inneren Team halten. ✔
    Dieses Teammitglied hat mir sicher inzwischen wieder eine Menge zu erzählen.
    1. Die diversen bestehenden ToDo-Listen zusammenstreichen.
    2. Zehn in meiner Umgebung wildwachsende Kräuter kennenlernen. ✔
    3. Nach Husum fahren. ✔
    4. Im Brenner Moor spazieren gehen.
    5. Eine Radtour machen.
    6. Wish im Kino sehen.
    7. Die noch fehlenden Übersetzungen für meine Jahreskreisaktivitätenblogposts fertig machen.
    8. Fünf weitere Blogposts auf Englisch schreiben.
    9. Eine Duolingo-Unit Klingonisch auf Legendary leveln. ✔
    Screenshot des Duolingokurses für Klingonisch. Ein ernst blickender Bär erzählt, dass er sich hübsch fühlt.
    Ist eigentlich so schon legendär 💕
    1. Die erste Seite meines Wörterbuchs „Mathe – Deutsch“ schreiben.
    2. Mindestens einmal beruflich Nein sagen. ✔
    3. Eine Szene für ein Bruchrechnungsvideo mit OpenToonz animieren.
    4. Mein berufliches Mastodonprofil schick machen. ✔
    5. Mein Smartphone den Vormittag über im Postablagekorb aufbewahren.
    6. The Marvels im Kino sehen. ✔
    7. Jeden Tag etwas zu Lachen haben 😊 ✔

  • Was haben wir aus der Pandemie gelernt?

    Was haben wir aus der Pandemie gelernt?

    Im September war ich dran. Zunächst hat nur die Nase gekribbelt, dann bestätigte ein Schnelltest meinen Verdacht: SARS-CoV-2 hatte mich nach drei Jahren doch noch eingeholt. Das war für mich ein Anlass zur Bilanz. Und zwar darüber, ob und was die Menschheit aus der Pandemie gelernt hat.

    Im Jahr 2020 war ich noch schwer beeindruckt: Die Menschen in meinem Wohnort rückten zusammen. Jedenfalls im übertragenen Sinn, während sie räumlich Abstand hielten.

    Wir sollten kollektiv mit einem deutlichen Lernzuwachs aus der Erfahrung heraus gekommen sein. Je gründlicher ich mir die Sache anschaue, umso ernüchterter bin ich allerdings.

    Wie kam es zu meiner Infektion?

    Von steigenden Infektionszahlen hatte ich schon eine Weile gehört. Irgendwann würde ich wieder mit Maske unterrichten, beschloss ich. Im ÖPNV hatte ich nie aufgehört, eine zu tragen, beim Einkauf im Supermarkt hatte ich mich aber angepasst.

    Und da bin ich beim Punkt: Ich war in allen möglichen Situationen die Letzte, die noch Maske trug. In den meisten Fällen wurde das wortlos hingenommen. In anderen Fällen wurde ich gefragt, ob ich die Maske aus Angst trage. Oder ob ich mich ohne unsicher fühle. Das finde ich gleichermaßen spannend wie frustrierend. Ich halte eher die Gründe gegen ein gewisses Level an Vorsicht für emotionsbasiert.

    Ich bin es aus ein paar anderen Zusammenhängen gewohnt, von der Norm abzuweichen. In diesem Fall bin ich eingeknickt. Allerdings auch weil die Infektionszahlen im Mai 23 so weit gesunken waren. Zu Beginn des Schuljahres fiel es mir dann schwer, mich wieder in die Sonderrolle zu begeben. Gesellschaftlicher Druck ist auf die Dauer anstrengend.

    Im September saß mir schließlich jemand einen Tag nach dem „negativen“ Test gegenüber. In einem relativ kleinen Raum mit mehreren Anwesenden. Da ich ansonsten im entscheidenden Zeitraum keine andere Gelegenheit dazu hatte, gehe ich davon aus, dass ich mich bei dieser Person angesteckt habe.

    Was hatte mein Umfeld zu sagen?

    Ich hatte einen „milden Verlauf“ und musste nicht ins Krankenhaus. So weit, so glimpflich. Ich hätte allerdings extrem gerne auf das Fieber verzichtet, auf den Schwindel und das Rauschen in den Ohren nach dem Treppensteigen, den tagelangen metallisch-bitteren Geschmack im Mund. Darauf, zwei Wochen lang nicht in Präsenz unterrichten zu können. Meinen Mann zum Geburtstag nicht umarmen zu können. Die Besuche meiner Schwester und meines Bruders an zwei Wochenenden hintereinander absagen zu müssen. Alles großenteils im Vergleich Luxusprobleme und alles extrem unnötig.

    Was mich auch irritiert hat, waren die gut gemeinten Sprüche:

    „Das wird bestimmt ganz schnell wieder, du lebst ja so gesund!“

    Es scheint ein Bedürfnis nach Ausgleich zu geben. Wenn etwas Unangenehmes passiert, weisen manche Menschen mit Nachdruck auf das Positive daran hin. Ich habe irgendwann darum gebeten, dass die andere Person mich wahrnimmt und einfach validiert, dass Kranksein nicht schön ist und dass sie mit mir mitfühlt.

    Für mich habe ich daraus etwas mitgenommen. Und zwar werde ich bei solch einer Gelegenheit fragen, was der betroffene Mensch gerne hören möchte: Ob er aufgebaut und ermutigt werden möchte, oder bestätigt bekommen möchte, dass das jetzt wirklich blöd ist. Denn eventuell bedeutet extra Fröhlichkeit die Botschaft: „Was du als unglückliche Lage empfindest, ist gar nicht so schlimm!“ Mich jedenfalls hat das zusätzlich belastet.

    „Irgendwann erwischt es jeden, da kann man sich noch so vorsehen.“

    Wir sind aktuell überhaupt nicht vorsichtig. Auch ich bin das Risiko voll eingegangen und habe eine Niete gezogen. Es ist unklar, wo diese Person sieht, dass sich Menschen aktuell im allgemeinen „vorsehen“. Wir verhalten uns, als wäre wieder der „Normalfall“ ausgebrochen. Obwohl die Verhältnisse faktisch nicht mehr sind wie vorher.

    Wir ergreifen oft nicht einmal minimale persönliche Maßnahmen. Stattdessen nehmen nehmen wir es schicksalsergeben hin, dass wir immer mal wieder ein paar Tage bis Wochen flach liegen. Ist einfach so, business as usual, das Leben muss weiter gehen. Wenn jemand im Zug hustet, ist das nicht bemerkenswert.

    „Zum Glück ist ja die neue Variante nicht so schlimm!“

    Es stimmt im Vergleich. Ich musste nicht ins Krankenhaus. Die Intensivstationen sind auch nicht mehr so überfüllt wie in der Deltawelle. Als ich den erwähnten Schwindel und das Ohrenrauschen hatte, stand aber nicht 100% fest, dass das wieder weggehen würde, genauso wie die Geschmacksstörung und die Müdigkeit. Menschen, die vorher noch nicht infiziert waren, haben mit Omikron eine ca. 13%ige Chance auf längeres Anhalten der Symptome. Als Frau im Alter von 50 Jahren ist mein Risiko noch etwas höher.

    Auch wenn Long COVID nicht lebensbedrohlich ist, viele Betroffene berichten davon, wie ihr Alltag davon auf den Kopf gestellt wurde und wie belastend es für sie ist. „Nicht so schlimm“ ist hier wirklich relativ. Aktuell bin ich bei drei Wochen nach dem ersten positiven Test und immer noch schnell erschöpft.

    „Gutes Immunsystem!“

    Diese Reaktion hat mich richtig erschüttert. Ein Bekannter kommentierte damit mein Testergebnis mit dem sattdunklen Strich beim T.

    Aus der Pandemie gelernt: ein Covid-19 Schnelltest. Der Strich beim T ist dicker und dunkler als der beim C

    Er hatte sich echt gefreut. Ihm war an der Stelle komplett entfallen, dass so ein Schnelltest keine Antikörper nachweist, sondern Viren. Auf meinen Hinweis „korrigierte“ er sich mit den Worten „Ach nee, das war ja anders als beim PCR-Test“.

    Jetzt ist nicht von allen zu verlangen, dass sie einen Grundkurs in Biochemie belegen. Vielleicht war es auch sein Bedürfnis nach ausgleichender Fröhlichkeit. Dass sich aber nicht verlässlich herum gesprochen hat, dass sowohl Schnelltests als auch PCR-Tests die Menge an Virenmaterial in den Atemwegen nachweisen und ein solches Ergebnis kein Grund zur Begeisterung ist, finde ich deprimierend.

    Haben wir so wenig aus der Pandemie gelernt? Falls ja, erklärt das auch den laxen Umgang vieler Mitmenschen mit dem Gesamtproblem. Es mag ja sein, dass die Mehrheit das gar nicht mehr als Problem sieht, ich als Einzelperson muss dann eben gucken, wie ich mich dazu verhalte.

    Was hätten wir aus der Pandemie lernen können?

    Ein paar Dinge hätten hängen bleiben können. Teils geht es dabei auch nicht einmal um Faktenwissen, sondern um eine wirklich kritische Haltung. Nicht im Sinne von „Ich glaube erstmal gar nichts“, sondern „Ich habe eine Vorstellung, wo der Haken sein könnte.“ Was ich mir an allgemeinem Kenntnisstand wünschte, ist Folgendes:

    Wahrscheinlichkeiten

    Wir Menschen sind notorisch schlecht im Abschätzen von Wahrscheinlichkeiten. Das erkennen wir an der Beliebtheit von Glücksspielen, an der Furcht vor relativ sicheren Reiseoptionen wie dem Fliegen und am relativ sorglosen Umgang mit sehr risikobehafteten Dingen wie Zigaretten und Alkohol.

    Diese Eigenschaft des menschlichen Gehirns auf dem Schirm zu haben, ist gerade im Umgang mit Infektionskrankheiten hilfreich. Ich erwähne das gerne und regelmäßig, wenn im Unterricht das Thema Wahrscheinlichkeitslehre dran ist. Wenn wir uns schon tendenziell leicht verschätzen, sollten wir uns dessen bewusst sein.

    Das Immunsystem

    Unser Immunsystem ist komplexer, als wir intuitiv annehmen. Gleichzeitig ist darüber eine Menge bekannt und es gibt Fachleute, die die wichtigsten Punkte unterhaltsam und verständlich erklären. Unter anderem die Ärztin Dr. Natalie Grams bei detektorFM und Dr. Moder auf youtube.

    Weil die Zusammenhänge kompliziert sind, sind einfache plakative Antworten schwer möglich. Quellen, die hauptsächlich mit sehr einfachen und absoluten Aussagen arbeiten, sollten stutzig machen.

    Von der Pandemie zur Endemie

    Diese beiden Begriffe sind häufig zu hören. Worum geht es dabei überhaupt?

    „Unter einer Pandemie versteht man die länderübergreifende, globale Verbreitung einer Infektionskrankheit. Die Pandemie steht damit im Gegensatz zur örtlich beschränkten Epidemie.“

    „Unter einer Endemie versteht man eine Erkrankung, die nur in einer bestimmten Population bzw. in einer bestimmten Gegend auftritt. Die Krankheitsursache im Endemiegebiet (z.B. Parasiten) bleibt in der Regel ständig präsent und erfasst einen gewissen Anteil der dort ansässigen Individuen.“

    DocCheck Flexikon, Netzwerk für für medizinische Fachberufe

    Dr. Moder erklärte den Übergang von der Pandemie zur Endemie vor einem Jahr auf Youtube. In einer Pandemie sind ausnahmslos alle Beteiligten zunächst komplett unvorbereitet. Deswegen breiten sich die Erreger auch so schnell und global aus. Und deswegen werden auch in der Pandemiephase so viele Menschen schwer krank und sterben an der Infektion.

    Damit ein Erreger endemisch wird, müssen sich genug Menschen oft genug damit infizieren. Oder oft genug geimpft werden. Der Preis für die Endemie sind einzelne Todesfälle und Menschen mit Langzeitfolgen der Infektion.

    Krankheiten, die bei uns schon endemisch sind, wie zum Beispiel Erkältungsviren, lernt unser Immunsystem in jungen Jahren beim Erstkontakt kennen, daher gibt es praktisch keine Erwachsenen, die nicht ein gewisses Maß an Immunität haben.

    Verlauf der Infektionszahlen mit der Zeit: Zu Anfang das pandemische, später das endemische Wellenmuster

    Die Grippe ist ein Beispiel für eine Endemie. Es gibt saisonal immer wieder neue Virusvarianten. Außerdem sinkt die Immunität der Genesenen immer ein bisschen ab. Dadurch kommt es zu immer neuen Wellen, allerdings mit niedrigeren Spitzenwerten. Betroffen sind hauptsächlich Menschen mit schwachem Immunsystem und Kinder, die zum ersten Mal mit dem Virus konfrontiert werden.

    SARS-CoV-2 ist auch inzwischen für endemisch erklärt worden. Bedeutet das, dass es unproblematisch geworden ist? Hier sehe ich ein weit verbreitetes Missverständnis. Weil es nicht mehr so große Wellen geben wird, ist die Wirtschaft nicht mehr in nennenswerter Gefahr. Maßnahmen wie Lockdowns und breite Impfkampagnen sind vermutlich nicht mehr nötig.

    Ob zukünftige neue SARS-CoV-2 Varianten immer harmloser werden (wie Erkältungsviren) oder ob sie wieder stärkere Symptome verursachen (wie Influenzaviren) werden wir in der Zukunft erst sehen müssen. Im Unterschied zu üblichen Erkältungsviren und Grippe ist SARS-CoV-2 noch nicht über Generationen etabliert. Deswegen ist der Endemiestatus keine einfach Entwarnung, sondern es bleibt komplex.

    Folgen einer (oder mehrerer) Infektion(en)

    COVID ist keine reine Atemwegsinfektion wie eine Erkältung. Das Virus kann Blutgefäße schädigen, z.B. in der Lunge und dadurch den Gasaustausch in den Lungenbläschen stören bis hin zu einer Blutvergiftung, falls sich Bakterien in der Lunge ansammeln.

    Im Herz-Kreislaufsystem können Gerinnsel entstehen und dadurch Herzinfarkte und Schlaganfälle auslösen. Herz, Leber, Nieren und das Gehirn können geschädigt werden. Auf welchem Weg und wie stark wird aktuell erforscht. Gesund.Bund.de (eine Initiative des Bundesministeriums für Gesundheit) bietet eine anschauliche Animation zu den Abläufen auf Zellebene an.

    Erholt der Körper sich nicht wieder, stellen sich Spätfolgen ein. Bekannt ist das Phänomen Long COVID, eine Sammelbezeichnung für verschiedene Symptome, die mehr als vier Wochen nach Ansteckung anhalten. Für die betroffene Person bedeutet das eine drastische Veränderung des Alltags und Einschränkung der Lebensqualität. Gleichzeitig müssen diese Spätfolgen auch volkswirtschaftlich abgefedert werden.

    Ein weiteres Video von Dr. Moder beschreibt, wie das neue Coronavirus in die Immunantwort eingreift. Es verhindert auf mehreren Wegen, dass die Immunzellen richtig arbeiten und die infizierte Zelle unschädlich machen können. Aktuell wird daran geforscht, ob und wie stark COVID-19 die am Immunsystem beteiligten T-Zellen schwächt. Die bisherige Datenlage sieht so aus, dass diese Zellen nicht nachhaltig beschädigt werden. Trotzdem haben immer wieder Genesene direkt im Anschluss Schwierigkeiten, mit anderen Erregern fertig zu werden.

    Ich wiederhole noch einmal: Auf dem Weg zur Endemie müssen sich Menschen mehrfach infizieren oder impfen lassen. Welche Folgen Reinfektionen haben, ist noch nicht abschließend geklärt. Erste Ergebnisse lassen vermuten, dass multiple Infektionen das Risiko für Folgeschäden erhöhen können.

    Masken

    Hier hing einiges an den Vorbildern. Es heißt, Donald Trump lehnte Masken ab, weil er sich sein Makeup nicht verschmieren wollte. Das blieb nicht ohne Folgen für seine Anhänger*innen.

    Gegen Viren gibt es keinen 100%igen Schutz. Und auch hier gibt es keine einfachen, absoluten Antworten. Werden allerdings Masken korrekt und konsequent getragen, senken sie das Übertragungsrisiko. Im Vergleich mit anderen Maßnahmen sind sie leicht einsetzbar und auch wirksam, wenn andere Menschen nicht mitmachen. Allerdings steigt die Effektivität mit dem Anteil maskentragender Personen.

    Team Vorsicht

    Und dann gibt es noch Menschen mit Vorerkrankungen. Die Risikogruppen sind unter anderem durch chronische Organerkrankungen oder Krebs vorbelastet und/oder können sich zum Teil selbst nicht impfen lassen. Deswegen sind sie darauf angewiesen, dass sie sich nicht mit SARS-CoV-2 infizieren. Viele dieser Menschen haben sich mit dem Rückgang der verpflichtenden Maßnahmen immer stärker zurück gezogen. Auch Geschwisterkinder in sogenannten Schattenfamilien sind davon betroffen.

    In den sozialen Medien finden sich Beiträge unter dem Hashtag #TeamVorsicht. Ein paar Menschen aus diesem Team haben eine Selbsthilfegruppe gegründet. Einige Erfahrungen, über die sie berichten, sind deprimierend:

    „Da gibt es Kommentare wie ‚Verbring doch den Rest deines Lebens im Keller’“

    Karen Braun

    Vorsichtiges Verhalten nützt nicht nur uns selber. Ich würde mir wünschen, dass wir diese Menschen nicht weiter aus den Augen verlieren.

    Zoonosen

    Aus der Pandemie gelernt: Eine Herde weißer Charolais Rinder auf der Wiese. Im Vordergrund steht eine Kuh mit einem Kalb, im Hintergrund grasen andere Tiere zwischen Birken. Die Sonne scheint aus dem Hintergrund, dadurch strahlt das weiße Fell der Rinder, besonders auf dem Kopf und um die Ohren.

    Die meisten unserer Infektionskrankheiten haben wir von Tieren. Seit ein paar Jahren beschäftigt mich besonders das Thema der Zoonosen. Was wir als „normale Kinderkrankheiten“ zur Kenntnis genommen haben, als ich noch klein war, ist der Preis für die Nutzung von und das enge Zusammenleben mit Tieren. Heute wird immerhin dagegen geimpft.

    Wo SARS-CoV-2 genau herkam, werden wir nicht mit Sicherheit herausfinden. Die Pandemien der Vergangenheit waren allerdings mit größter Wahrscheinlichkeit zoonotisch. Und in unseren Mastanlagen und Pelzfarmen mutieren Viren und Bakterien vor sich hin und sind ein ständiges Risiko für zukünftige Pandemien. Ausführliche Informationen findest du unter anderem auf metipan.de.

    Wenn ich mir ansehe, wie sorglos die Gesellschaft zum Beispiel mit der Entwicklung des Vogelgrippevirus umgeht und wie jeden Winter wieder Pelzbommel auf Mützen auftauchen, frage ich mich wirklich, was wir aus der Pandemie gelernt haben.

    Inzwischen hat die Vogelgrippe Vögel auf den Galapagosinseln erreicht und Hunderte Seehunde getötet. Derweil wurde in einem Forschungsprojekt die DNA von Hühnern so modifiziert, dass die Tiere sich nicht mehr so leicht mit der Vogelgrippe anstecken. Ein grundlegendes Umdenken scheint dagegen keine Option zu sein.

    Was heißt das für die Zukunft?

    Für die Zukunft bin ich skeptisch. Offensichtlich kann ich mich nicht 100%ig auf das Verhalten meines weiteren Umfeldes verlassen. Auf der persönlichen Ebene werde ich also für mich sorgen und gleichzeitig muss ich mich wieder unabhängiger von den Reaktionen Anderer machen. Das heißt konkret, unter anderem in Gruppensituationen wieder mit Maske zu unterrichten.

    Menschen in Risikogruppen nehmen eine traurige Botschaft mit: Unsere Sehnsucht nach Normalität ist wichtiger als eure Sicherheit und eure gesellschaftliche Teilhabe. Ich hätte mir gewünscht, dass vor allem dieser Punkt anders ausgegangen wäre.

    Irgendwann wird ein weiteres zoonotisches Virus ausbrechen. Wir dürfen gespannt sein, ob wir dann trotz der Pandemiemüdigkeit anders damit umgehen werden oder ob wir einen großen Teil der Lektionen neu werden lernen müssen. Vielleicht werde ich aber auch überrascht sein davon, dass wir als Gesellschaft doch mehr aus der Pandemie gelernt haben, als es mir aus meiner aktuellen Situation heraus erscheint.

    Was meinst du?

    Was hältst du für wichtige Lektionen aus den vergangenen drei Jahren? Wie effektiv sind sie deiner Ansicht nach hängen geblieben? Und wie positiv blickst du in die Zukunft, was das Thema Zoonosen angeht?

  • Monatsrückblick September 23

    Monatsrückblick September 23

    De Minsch ward jümmers to fröh oolt un to laat klok!

    Es ist Zeit für den Monatsrückblick September 23 nach der Anleitung von Judith Peters. Der August hatte sich noch so sanft angeschlichen. Im September bin ich dann alt geworden und hatte jede Menge Anlass zu lernen und zum Zusammenstellen einer kleinen Liste an Tipps und Empfehlungen. Aber eins nach dem anderen.

    Was hatte ich vor und was ist daraus geworden?

    • Bloggen -> Ich bin weder zu Blogparadenbeiträgen, noch zu meinem ersten Artikel zum Klimathema gekommen.
    • Schwimmen gehen -> Das habe ich tatsächlich aus den Augen verloren und realisiere es jetzt erst wieder. Fluch und Segen dieser Monatsrückblicke: Ich sehe dunkelgrün auf weiß, was ich geplant hatte und kann mir Gedanken machen, was da gehakt hat.
    • Wieder ins Unterrichten im Nichtferienmaßstab reinkommen -> Der beste Beruf der Welt hat eine Menge Spaß gemacht, mich zum Ende hin allerdings erstmal außer Betrieb gesetzt.

    Ein halbes Jahrhundert und kein Photo

    Ich habe an zwei Blogparaden zum Thema Älterwerden teilgenommen. Da wird es nicht überraschen, dass ich dieses Jahr meinen fünfzigsten Geburtstag gefeiert habe. Es war anscheinend so viel los, dass ich überhaupt keine Photos davon habe.

    Zum eigentlichen Termin gab es nur abends eine Pizza zu zweit. An einem Wochenende etwas später habe ich allerdings meiner Familie in Ostwestfalen Kuchen und Suppe serviert. Dass ich davon auch keine Bilder gemacht habe, kann ich gar nicht fassen. Vor allem meine Schwester ist in Foodpics normalerweise ganz vorne mit dabei. Allerdings habe ich bei der Gelegenheit auch meinen relativ neuen (und ersten) Großneffen kennengelernt. Insgesamt war unsere Aufmerksamkeit entsprechend doch woanders.

    Trotzdem teile ich gerne die Rezepte: Es gab Nutellatorte, Brombeertorte und Zitronenkuchen, später Gulaschsuppe. Alles vegan und sojafrei. Vor allem letzteres war richtig spannend. Und bei der Gelegenheit habe ich zum ersten Mal Bake Even Strips ausprobiert. Trotz meiner Skepsis hatte damit der Tortenboden wirklich keinen Berg in der Mitte. Und das hätte ich tatsächlich mal photographieren sollen. In allen dekadenten Phasen der Entstehung der Nutellatorte 😍

    Mein Tipp zum Tortenbacken: Der Kuchen sollte mit den Strips etwas länger backen, auf jeden Fall würde ich den Holzspieß am Rand einstechen. Da war er bei mir beim ersten Öffnen der Form noch etwas weich.

    Mein Tipp zum Feiern eines 50sten Geburtstags: Genieße das Älterwerden. Lass dir nichts erzählen, weder geht davon die Welt unter, noch ist 50 das neue 18. Irgendwas in der Mitte, sowohl als auch und weder noch 😉

    Klimastreik und Bahnchaos

    Am 15.9. war wieder Globaler Klimastreiktag. Ich habe an der eher übersichtlichen Demo in Elmshorn teilgenommen. Und auch da waren ein paar Hundert Menschen anwesend. Zunächst gab es auf dem Alten Markt ein paar Ansprachen. Auch ein Vertreter von Amnesty International machte deutlich, dass der Umgang mit Klimaaktivist*innen in Deutschland eine bedenkliche Richtung eingeschlagen hat. Das hat mich gefreut, dass die unterschiedlichen Organisationen gegenseitig solidarisch sind.

    Eine Menge Menschen bei einer Demo. ein paar Meter entfernt von der Kamera stehen zwei Menschen auf einer kleinen Bühne und singen ein Lied mit Gitarre. Eine der Personen trägt eine regenbogenfarbene Fridays For Future Flagge als Umhang.

    Nach einer musikalischen Einlage zogen wir eine Runde durch die Stadt an der Krückau. Ich wurde zwischenzeitlich tatsächlich von einem frustrierten Autofahrer aufgefordert, doch „arbeiten zu gehen“. Dass die Realität noch immer nicht bei allen angekommen ist, zeigt mir, dass noch eine Menge Arbeit vor uns liegt.

    ein magentafarbenes Plakat. Darauf gedruckt in weiß: Normal ist das neue Super. Zusätzlich hat jemand handschriftlich mit einem schwarzen Stift Verarschung unter das Motto geschrieben. Unten links ein QR-Code, der auf www.supernormal.de führt.

    Elmshorn hat vor einer Weile in ein neues Stadtmotto investiert. Die Meinungen dazu sind gemischt, auch Extra3 hat schon berichtet. Auf jeden Fall ist in und um Elmshorn herum großzügig in Magenta plakatiert, immer mehr oder weniger launige Sprüche zum Stichwort „supernormal“. Und manchmal greift die Bevölkerung dann zum Filzstift und fügt ein paar eigene Gedanken dazu 😉 Der Spaß war die 60.000€ ganz sicherlich mehr als wert.

    Anzeigen an der Decke auf einem Bahnsteig. Diverse Züge nach Hamburg Altona sind angekündigt, fallen aber aus.

    Wer für das Klima demonstriert, fährt danach gerne mit Bus und Bahn nach Hause. Und an der Stelle war wieder für reichlich Unterhaltung gesorgt. Dieses Mal hakte alles am Stellwerk in Pinneberg. Als Konsequenz wurde eine Bahn nach der nächsten ganz schnöde abgesagt und das Volk stapelte sich auf dem Bahnsteig.

    Später im September bin ich nochmal von Husum nach Hause mit der Bahn gefahren, und da war das Chaos eher noch größer als kleiner. Kurz darauf wollten meine Eltern mit dem Zug nach Berlin reisen, kehrten aber auf weniger als der Hälfte der Strecke wieder um, weil zwei Züge gebrannt hatten und deswegen alles geringfügig kniffelig wurde.

    Die Stichprobe meiner Erhebung ist zwar sehr klein, ich denke trotzdem, dass das deutsche ÖPNV-System jetzt lange genug plattgespart worden ist. Wenn wir wollen, dass Menschen weniger mit dem Auto unterwegs sind, geht so ein Kuddelmuddel einfach nicht. Auch das sagt mir, dass ich die nächsten Klimademos wieder mitmachen werde.

    Entschleunigen mit Omikron

    Ich war so zufrieden mit mir. Gut informiert und aktiv in der Aufklärung. In Bus und Bahn meistens die Letzte mit einer Maske. Bis Mitte September 23 infektionsfrei. Und dann hat mich Omikron doch erwischt. Ich gehe davon aus, dass es beim Gruppenunterricht passiert ist.

    Das Bild zeigt das Ergebnis acht Tage nach meinem ersten Test: Der Strich beim T ist dunkler als der beim C. Genau das Richtige für „geduldige“ Menschen wie mich.

    ein Covid-19 Schnelltest. Der Strich beim T ist dicker und dunkler als der beim C

    Ich werde zu meinen Erfahrungen in den kommenden Tagen nochmal einen separaten Beitrag schreiben. Hier nur ein paar erste Eindrücke: Das war mein erstes und letztes Mal. Ich hatte kaum Erkältungssymptome, aber mir ging es wie unter einer Herde Elefanten heraus gezogen. Ich bin immer noch richtig schlapp und brauche keinen weiteren Kontakt mit diesem Virus.

    Weil mein Mann noch seinen wohlverdienten Urlaub in Husum weiter verbrachte, habe ich alleine entschleunigt. Und festgestellt, dass es schon sehr früh eine Verfilmung von Margaret Atwood’s „The Handmaid’s Tale“ gegeben hat. Ich war sehr beeindruckt davon, wie dicht der Film emotional und atmosphärisch an der Romanvorlage ist. Nur der Anfang ist deutlich anders, die Geschichte steigt chronologisch weit vor dem Buch ein.

    Bei der allgemeinen Kritik kam der Film nur mittelgut an, ich fand ihn richtig gut. Und inhaltlich immer noch mehr als relevant. Ich habe das Buch erst in den letzten Jahren in Rahmen eines Buchclubs gelesen und mich gewundert, dass das damals so an mir vorbei gegangen war.

    Eine Hand hält ein Taschenbuch von Margaret Atwood. Der Titel ist The Handmaid's Tale

    Ansonsten habe ich eher meinem mentalen Zustand entsprechend, leichte Unterhaltung genossen. In folgendem Suchbild ist zu erkennen, dass auch meiner Katze „Enchanted“ richtig gut gefallen hat:

    Ein Fernseher vom Sofa aus photographiert. Von der Photographin sind die Beine unter einer blauen Wolldecke zu erahnen. Auf dem Bildschirm breitet ein computeranimiertes Nagetier die Arme aus, der Untertitel ist: Tadah. Im linken unteren Bild des Photos ist eine Katze zu sehen, die das nagetier im Film sehr genau beobachtet.

    Was habe ich gelesen?

    Bei einer Julwichtelaktion hat mir die liebe Britta ein Buch geschenkt. und zwar Jane Goodall’s Autobiographie „Grund zur Hoffnung“. Meine normale Tendenz ist tatsächlich eher der Blick auf alles, was nicht gut läuft, daher habe ich mich schon aufs Lesen gefreut. Das war jetzt wirklich dran.

    Ein Taschenbuch auf einem Bücherbord. Auf dem Cover sind eine weißhaarige Frau und ein junger Schimpanse zu sehen. Das Buch heißt Grund zur Hoffnung und ist die Autobiographie von Jane Goodall

    Jane hat mir viel darüber erzählt, wie sie nach Tansania gekommen ist. Was ihr die Natur und die Tiere schon vorher bedeutet haben und wie es war, die Schimpansen in freier Wildbahn kennen zu lernen und zu beobachten. Sie streift dabei auch den zweiten Weltkrieg und seine Nachwirkungen, das Verhältnis von Wissenschaft und Spiritualität, unsere Sicht auf Frauen in der Wissenschaft, was wir Mitgeschöpfen alles zutrauen und was nicht.

    Besonders spannend fand ich die Betrachtungen, wo unsere Tendenzen zur Gewalt und zur Mitmenschlichkeit herkommen. Wie viel davon wir mit unseren Primatenverwandten gemeinsam haben. Die Schimpansengruppen in Gombe haben sich in einem mehrjährigen Krieg untereinander ähnlich gnadenlos versucht auszulöschen, wie Menschen das tun. Nur haben wir mit unseren komplizierteren Gehirnen zu diesem Zweck effektivere Technik erfunden.

    Jane Goodall bleibt hier aber nicht stehen, sondern erläutert ihre Gedanken über die Evolution des Menschen, die körperliche, die kulturelle und die geistige. Auch wenn ich nicht in allen Punkten mit ihr mitgehe, oder vielleicht genau deswegen, kam ihre Botschaft für mich genau richtig: Hoffnung und Schwung entstehen dabei, dass ich etwas mache. Etwas, was ich kann und was mir am Herzen liegt. Und es gibt berechtigte Hoffnung darauf, dass wir uns dann als Gemeinschaft in eine konstruktive Richtung entwickeln.

    Zitat von Jane Goodall: "Jeder von uns zählt, spielt eine Rolle und kann etwas verändern. Jeder von uns muss die Verantwortung für das eigene Leben tragen und darüber hinaus allem Lebendigen Achtung und Liebe entgegenbringen, besonders dem Mitmenschen."

    An dieser Stelle möchte ich die Roots & Shoots Organisation erwähnen und den wunderbaren Podcast „Hopecast“. Beide finde ich sehr inspirierend.

    Und was war sonst noch los?

    Wir waren, wie erwähnt, mal wieder in Husum. Der Schlossgarten ist nur mit Mühe wieder zu erkennen ohne den lila Krokusteppich:

    Belaubte Bäume auf einem sattgrünen Parkrasen. Das Sonnenlicht zaubert helle Flecken auf den Boden

    Husum war schon immer vorne mit dabei, wenn es um regenerative Energien geht. Hier in der grauen Stadt am Meer sind auch die Stromkästen sonnig schön…

    Ein Stromkasten zwischen zwei Altbauhäusern. Der Kasten ist orange grundiert, darauf ist eine lächelnde blauäugige Sonne mit wellenförmigen Strahlen in gelb, rot und goldbraun gemalt. Neben der Sonne steht geschrieben: O sole mio

    … und Sitzbänke bunt und weise.

    Die Lehne einer quietschbunt getüpfelten Sitzbank. Darauf stehen einige Sprüche auf plattdeutsch. Unter anderem De Minsch ward jümmers to fröh oolt un to laat klok

    Was habe ich im September 23 gebloggt?

    Ich habe tatsächlich nur einen einzigen Blogbeitrag geschrieben. Aus Gründen der Regelmäßigkeit und der Accountability war mir dieser allerdings auch besonders wichtig.

    Blick auf einen Strand, im Hintergrund glitzert das Meer. Der Himmel ist blau mit ein paar kleinen hingetupften Wölkchen. Am oberen Bildrand ist ein Baumzweig mit leuchtend grünen Blättern zu sehen

    Monatsrückblick August 23

    Ich schreibe mit anderen Blogger:innen einen Monatsrückblick auf den August 23. Was war los? Was habe ich gelernt? Wie geht es im September weiter?

    Was habe ich im Oktober 23 vor?

    • Meine geplante Liste mit Blogartikeln läuft mir schon mal nicht weg. 😁
    • Zusätzlich habe ich mich zum Blogtoberfest angemeldet. Judith Peters hat wieder etwas ausgeheckt, ich habe überhaupt keine Ahnung, was dahinter steckt, aber witzig wird es auf jeden Fall!
    • Ich habe mitbekommen, dass es zu einer Science-Fiction-Trilogie, die ich als Jugendliche gelesen habe, einen vierten Band zur Vorgeschichte gibt. Den habe ich bei medimops gefunden und schwelge schon in Nostalgie und Vorfreude!
    • Computerkram: Es gibt hinter den Kulissen hier und auf meinem englischen Blog noch eine Menge zu basteln, außerdem erinnert mich mein Computer schon längere Zeit daran, das Ubuntu-Update durchzuführen. Damit bin ich bis Ende Oktober garantiert gut beschäftigt.

    Das war mein Monatsrückblick September 23. Für Oktober hoffe ich hauptsächlich darauf, dass mein Energiepegel wieder hoch geht. Bis dahin ist Schonen und Kräuterteetrinken angesagt.

    Schreibst du auch mehr oder weniger regelmäßig Rückblicke? Was sind deine Erfahrungen damit? Hast du Hoffnung, für den Oktober, die Menschheit oder das ÖPNV-Netz?

    Mehr Beiträge zum Thema Rückblicke findest du hier.

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