Hurra! Es gibt noch eine nicht abgelaufene Blogparade! Und zwar bei Kakao & Karotte. Weil die beiden so lieb gefragt haben, erzähle ich heute etwas über ein tolles traditionelles Gericht, das ich für den Herbst in vegan nachkoche. Wer hier schon eine Weile mitliest, fragt sich eventuell: Moment mal, gab es das nicht schon einmal? Ja, ich habe schon an einer anderen Blogparade teilgenommen und ein veganes Gericht für den Herbst präsentiert 😉
Ich hatte dieses Gericht seit Jahrzehnten nicht mehr gegessen, hauptsächlich aus Speckgründen. Das Team auf Twitter hat mich aber motiviert, nach einer Alternative zu suchen. Unter anderem auch für Toast Hawaii habe ich einen festen Seitan mit Räuchersalz und Rote-Bete-Saft hergestellt. Allerdings gibt es inzwischen auch fertige Speck-Upgrades zu kaufen. Alternativ funktioniert dieses Gericht bestimmt auch mit gutem Räuchertofu oder Räuchertempeh.
Dieser Eintopf wird teils auch als Spätsommergericht beschrieben. Ich verbinde ihn in meiner Erinnerung aber mit dem frühen Herbst, wenn das Licht draußen golden ist und sich ein Füllhorn an Obst und Gemüse bietet. Heutzutage sind grüne Bohnen noch später im Jahr zu haben, ursprünglich lag ihr Erntezeitpunkt wohl aber vor dem Oktober. Für nächstes Jahr nehme ich mir entsprechend vor, Birnen, Bohnen und Speck zum Herbstanfang zuzubereiten.
Die Zutaten
Ich habe mich an ein Rezept auf Chefkoch angelehnt. Neben meinem selbstgemachten veganen Schinken habe ich Bohnen, Kochbirnen, Zwiebeln und Kartoffeln eingesetzt. So minimal und so lecker kann der Herbst sein 🙂
Allerdings habe ich meinen Räucherseitan nicht lange in Wasser gekocht, sondern nur mit den Zwiebeln angebraten und dann aus dem Topf genommen. Im Anschluss habe ich Brühe angegossen und die Bohnen und Birnen darin nach dem Chefkochrezept mit Bohnenkraut gegart. Parallel habe ich die Kartoffeln gegart und püriert.
Falls du dieses Gericht tatsächlich mit einem veganen Produkt nachkochen willst: Seitan und Co. müssen nur kurz angebrutzelt werden. Das Gericht hat dann deutlich weniger Fett als im Original. Auf der Kalorienseite sicher ein Vorteil, für den Geschmack ist es wichtig, das im Hinterkopf zu haben. Eventuell möchtest du am Ende einen Löffel gutes Pflanzenöl zufügen.
Das fertige Gericht
Dieses Essen war eine echte Zeitreise. Die Kombination von süß, salzig und geräuchert hat mich emotional stark in meiner Kindheit abgeholt. Was ich mitgenommen habe: Auch wenn ich mich pflanzlich ernähre, muss ich nicht auf Nostalgie und regionale Tradition verzichten. Und auch den Herbst feiern kann ich vegan 😀
Hast du auch schon einmal Birnen, Bohnen und Speck gegessen oder zubereitet? Was ist bei dir ein Gericht, mit dem du lecker (und vegan) in den Herbst kommst? Gibt es Gerichte aus deiner Kindheit, die du gerne einmal nachkochen möchtest?
Endlich schaffe ich es, an 12 von 12 teilzunehmen. Der 12 Oktober 24 ist dankenswerterweise ein Samstag, da ist der Einstieg ein bisschen einfacher. Wir hatten heute nicht viel vor und entsprechend gemütlich sind die Bilder geworden. Die Aktion geht auf „Draußen nur Kännchen“ zurück 🙂
Diesen Ahorn sehe ich durchs Fenster von meinem Bett aus beim Aufwachen. Gerade jetzt ist er besonders schön und ich freue mich jeden Morgen über den Anblick!Auf dem Weg zum Frühstück blicke ich durch die Haustür auf die Rückseite einer Gärtnerei. Deren Bäumchen durch das Jahr zu beobachten, ist einfach spannend.Den zweiten Becher Kaffee trinke ich gewöhnlich auf dem Sessel und höre dabei meine Lieblingspodcasts!Es hat für eine Weile so ausgesehen, als wären Lillys Tage gezählt, weil sie eine Wucherung unter der Zunge hat. Die Untersuchung hat aber ergeben, dass das Gewebe gutartig ist. Wir können es immer noch nicht fassen, dass sie uns noch eine Weile erhalten bleiben wird!Bisher habe ich mit Duolingo immer auf meinem Smartphone geübt. Mit dem neuen Tablet macht der Musikkurs noch mehr Spaß! Allerdings musste ich da erstmal wieder ganz neu die Töne und Animationen abstellen 😀Eins meiner aktuellen To-Wants ist tägliches digitales Entrümpeln. Heute habe ich meine große Sammlung heruntergeladener Rezepte sortiert. Da waren einige PDFs doppelt…Ein weiteres To-Want ist es, jeden Tag 15 Minuten Ordnung zu machen. Aktuell bin ich dabei meine Zettelwirtschaft aka Arbeitsblättersammlung zu organisieren. Heute hatte ich einen Stapel Abiturklausuren am Wickel.Wir mussten noch ein paar Dinge einkaufen und ich bin immer noch komplett geflasht davon, dass ich wieder genug Kondition zum Fahrradfahren habe!Um meine Kondition weiter zu trainieren, gehe ich jeden Tag spazieren oder mache Nordic Walking. Heute waren wir ohne Stöcke draußen, dafür eine große Runde.An der Vorderseite der Gärtnerei steht dieser farbenfrohe Strauch. Ich habe auch so einen im Vorgarten gepflanzt und warte darauf, dass der auch mal so üppig wächst.Und diese Zeitgenossen hatten andere Menschen auf unserer Spazierrunde im Vorgarten 🧡Der Samstagabend ist für uns immer die ideale Zeit für die HeuteShow und Extra 3 im Doppelpack. Bisschen frustrierend und bisschen erheiternd 😀
Jetzt drücke ich mir die Daumen, dass ich 12 von 12 im November wieder organisiert bekomme, auch wenn das ein Dienstag ist 😉
Nach einem Jahr guter Erfahrungen schreibe ich hier und heute meine To-Want-Liste für das 4. Quartal 24 😀 Was will ich bis zum 31.12.2024 noch erleben?
Die Idee geht mal wieder zurück auf Judith Peters, die 2023 relativ spontan eine Menge Bloggerinnen dazu brachte, Listen aufzusetzen. Auf diesen sammelten wir Pläne und Wünsche für die letzten drei Monate des Jahres bis zum 31.12.2023.
Ein Jahr mit der To-Want-Liste
Beim Blogtoberfest 2023 waren es bei mir noch optimistische 25 Punkte. Damals schrieb ich:
Mein Ergebnis enthält ganz bewusst Punkte meiner Selbstfürsorgestrategie, viele Wohlfühl-Aktivitäten, ein paar heimlich eingestreute berufliche To-Wants und nichts, bei dem der listenscheue Teil in mir schon wieder über alle Berge flüchtet. Ein Mix aus öffentlicher Absichtserklärung und Wahrnehmen meiner grundlegenden Bedürfnisse. Und bewusst wild gemischt 😁
Ganz offensichtlich hatte ich mir etwas dabei gedacht. Und doch hat sich am Ende des Jahres diese Liste noch nicht 100% anders angefühlt als die Zeit meines Lebens gefürchteten ToDo-Listen, die hauptsächlich für schlechte Laune, aber nicht für Ergebnisse sorgten.
Welche To-Wants haben nicht funktioniert?
Besonders unter den beruflichen To-Wants waren viele, die bis heute nicht abgehakt sind. Inzwischen sehe ich das so, dass ich diese Aktivitäten nicht so dringend gewollt habe. Die Welt ist darüber auch nicht untergegangen, dass ich sie bisher nicht erledigt habe.
Viele dieser Vorhaben haben mich eher demotiviert. Vor allem, wenn ich sie mehrere Male hintereinander nicht abhaken konnte. Daher nehme ich sie nur noch sehr sparsam und ausgewählt auf.
Ich sehe es so: Wenn ich mich in meiner Freizeit achtsam behandle, erledige ich auch beruflich das, was wirklich anliegt. Da hat sich meine Haltung zur To-Want-Liste mit der Zeit gewandelt.
Und manche Sahnehäubchen und Kirschen obendrauf sind in der Realität gar nicht nötig. Diese Punkte final und ohne schlechtes Gewissen zu streichen, hat etwas sehr Befreiendes. Dazu wäre ich ohne die Aktion To-Want gar nicht so leicht gekommen, den Schlenker war es also allemal wert.
Welche To-Wants habe ich realisiert?
Was ich von dieser Liste realisiert habe, waren Dinge wie „jeden Tag etwas zu lachen haben“, regelmäßige Bewegung an der frischen Luft und touristisch-kulturelle Unternehmungen in meiner Region. Durch die ständige Erinnerung habe ich „Barbie“, „The Marvels“ und den „Gott des Gemetzels“ gesehen.
Ich habe mir bewusster mit dem Sonntagsfrühstück Mühe gegeben und auch deutlich mehr gebloggt als in den Jahren zuvor. Mit den To-Wants habe ich mir insgesamt immer etwas Gutes getan, was ich ansonsten oft einfach vergessen hätte.
Welche Lektionen nehme ich mit?
Ich habe viel über mich gelernt. Zum Beispiel, wie ich Zeit und den zu erwartenden Aufwand von Aktivitäten einschätze. Nämlich radikal unrealistisch. Kein Wunder, dass ToDo-Listen in meinem Leben bisher solche Frustquellen waren. Ich habe auch einen neuen Blick darauf gewonnen, was mich motiviert und was nicht.
Welche Kriterien sollen meine To-Wants erfüllen?
Sie sollen:
Spaß machen
meine körperliche Gesundheit stärken
meine mentale Gesundheit stärken
meine Selbstwirksamkeit ausbauen
Mit anderen Worten, meine Liste ist schwerpunktmäßig auf Selbstfürsorge ausgerichtet. Das ist für mich immer mehr Thema geworden und da möchte ich auch immer mehr Vorbild sein und andere dazu inspirieren, dass weniger oft mehr ist 😀
Dinge, die ich schon auf einer vergangenen Liste hatte, verwende ich wieder, wenn sie besonders erfreulich waren. Aber auch, wenn ich nicht dazu gekommen bin, und trotzdem noch Lust darauf habe.
Nach einem Jahr mit der To-Want-Liste bin ich im Umfang der Liste zurückhaltend geworden. Wenn mir vor Silvester noch etwas einfällt, kann ich es immer noch anhängen. Oder wenn ich merke, dass schon ganz viel abgehakt und noch eine Menge vom Jahr übrig ist 😉
Hier ist er also, mein Wunschzettel bis Silvester 2024:
Meine To-Want-Liste für das 4. Quartal 24
Mein Zuhause ordnen, in kleinen Portionen von höchstens 15 Minuten, dafür aber jeden Tag.
Weiter an Kondition dazu gewinnen, indem ich mich jeden Tag an der frischen Luft bewege. ✅
Einen Fitnesstracker anschaffen, mit dem ich beim Draußensport meinen Puls messen kann. ✅
Jeden Monat einen langen Spaziergang mit Komoot unternehmen, also 10 bis 15 km. ✅
Weiterhin an mindestens drei Tagen in der Woche gesundesMeal-Prep betreiben.
Die Mühlenau, entdeckt durch ein To-Want
In jedem Monat ein Museum oder eine Ausstellung besuchen.
Zu Silvester wieder zum Konzert nach Wedel fahren.
Den 4-Wochen-Kurs zum Fitnesstraining durcharbeiten. Mit täglichem Yoga beziehungsweise Cardio-Einheiten auf den „Fit mit über 50“-Kurs vorbereiten, der dann im Dezember anlaufen wird.
Die Häkel-UFOs aus dem Adventskalender von 23 vernähen und damit einen hängenden Baum in meinem Unterrichtsraum dekorieren. ✅
Mindestens einen Gesundheits-Check machen.
Immanuelkirche Wedel
Mindestens sechs Flashcard-Sets veröffentlichen.
Mit meinen beruflichen Social-Media-Profilen politischer werden und klarer Stellung beziehen. Immer wenn ich denke „Das kann ich doch nicht teilen!“ ist das für mich das Signal, dass ich es teilen werde. ✅
Mehr über meine Haltung zur Setzung von Zielen findest du hier. Wie läuft es bei dir mit der Formulierung und dem Erreichen von Zielen? Hast du auch eine To-Want-Liste?
Es ist Zeit für den Monatsrückblick September 24 nach der Anleitung von Judith Peters. In diesem Monat habe ich ein paar Dauerbrenner meiner To-Want-Liste abgehakt und bin nach den sehr späten Sommerferien gut in das neue Schuljahr gestartet, außerdem wieder etwas älter geworden.
Was hatte ich vor und was ist daraus geworden?
Ganz gemütlich in das neue Schuljahr starten ->Ja und nein: Mein Terminplan war ruckzuck wieder voll und gleichzeitig habe ich beschlossen, keine weiteren Schüler:innen aufzunehmen. Ich mache es mir also gemütlich.
Fünf alte Blogposts überarbeiten. -> Das nehme ich mit in den Oktober.
Die anderen Beiträge zu den zehn von mir beantworteten Blogparaden lesen. -> Ich habe viel davon gelesen und vieles noch gebookmarkt. So spannend!
Was habe ich im September 24 über mich gelernt?
Ich kann wieder Fahrradfahren! Mein Körper regeneriert sich und meine Kondition kommt zurück.
Zu Fuß auf der A7
Am 7. September wurde ich 51 Jahre alt. Am selben Tag hat ein Freund meines Mannes geheiratet und wir waren eingeladen. Einerseits war ich noch nie besonders wild darauf, meinen Geburtstag zu feiern. Andererseits wollte ich ihn aber auch nicht auf der Feier anderer Menschen verbringen. Also ist mein Mann weggefahren und ich habe mir einen schönen Tag auf der A7 gemacht.
Zunächst haben wir aber noch gemeinsam vietnamesisch gegessen. Da lohnte es sich wieder, näher an Hamburg heran gezogen zu sein. Im Anschluss bin ich nach Winterhude gefahren und an der Tarpenbek und der Kollau entlang spaziert.
Kontraste
Es war überraschend idyllisch. Die Strecke, die mir Komoot zusammengestellt hatte, verlief nur zu einem sehr kleinen Teil an größeren Straßen. Und wenn, dann musste ich sie hauptsächlich queren, oder mal ein kurzes Stück daran entlang gehen. Oft grenzten Schrebergärten an Wohnblöcke. In dieser Mischung aus urbaner Architektur und ländlichem Grün fühle ich mich zu Hause.
Manche Treppe schien sehr selten benutzt zu werden. Dafür begegneten mir ein paar Stadtbewohner im Niendorfer Gehege, einem immerhin 150 Hektar großen zusammenhängenden „Wald“. Ich hoffe, der E-Scooter wurde dort bald wieder abgeholt.
An diesem Tag war es in Hamburg für meinen Geschmack ziemlich heiß. Und mir wurde sehr bewusst, was für einen Unterschied es macht, ob ich auf Asphalt und zwischen Gebäuden unterwegs bin, oder neben einem Gewässer und unter Bäumen. Es fühlte sich beim Wechsel jedes mal an wie ein Temperatursprung um mehrere Grad. Da ist jede Stadt gut beraten, möglichst viele hitzeresistente Bäume neu zu pflanzen.
Auf dem Deckel
Das eigentliche Ziel meiner Tour war der A7-Deckelpark. Nachdem die Autobahn dort eingehaust wurde, hat die Stadt die Oberfläche zu einem Park gestalten lassen. Es geht mit Treppen hoch, aber auch der Barrierefreiheit halber mit langen Rampen.
Von oben konnte ich durch kleine Stirnfenster die Autobahn bewundern. In die andere Richtung liegt die Naherholungsfläche. Die Bäumchen dort müssen in ihre Rolle als Schattenspender noch reinwachsen. So war es auf dem Pflaster noch ziemlich heiß. Die liegen wurden aber von einigen Menschen genutzt.
Nach Süden hin sind Schrebergärten vorgesehen. Das sieht aktuell allerdings so aus, dass dort kleine Heckenbegrenzungen mit Toren drin stehen. Ich werde dort immer mal wieder vorbei gucken, wie sich das alles entwickelt. Ganz am südlichen Ende sorgen die Blumen jetzt schon für Interesse bei einer Menge Insekten.
Ich kannte die Abfahrt Stellingen bisher nur aus der Autoperspektive. Es ist echt interessant, zu Fuß auf Trampelpfaden abzuzweigen und die Welt hinter den Lärmschutzwänden zu erkunden. Vom Ausgang des A7-DEckels war es dann nur ein kurzes Stück zur S-Bahn-Station und von dort aus nach Hause auf ein Stück Kuchen.
Mal ein Besuch am anderen Meer
Wir sind große Fans der Nordsee. Mein Vater stammt aus Nordfriesland und mein Mann hat als Kind mit seinen Eltern die Sommerferien auf den ostfriesischen Inseln verbracht. Und manchmal sitzen wir am Samstag zusammen und fragen uns, was wir mit unserem Sonntag machen wollen. Im September realisierten wir beide, dass wir noch nie in Timmendorfer Strand gewesen sind.
Also habe ich wieder Komoot befragt und wir haben uns auf den Weg gemacht. Auch die Ostsee war im September schon erfrischend kühl. Aber nicht zu kühl, um mit den Füßen drin zu plantschen. Timmendorfer Strand an sich fanden wir nicht so hübsch. Über das klotzige Hotel „Seeschlösschen“ habe ich jedenfalls sehr gelacht.
Zum Glück hat uns Komoot auf eine schöne Runde am Strand entlang und später in Richtung Niendorf und durch die Aalbeker Niederung geleitet. Ich hatte weder mit Palmen noch mit Mangroven gerechnet, aber beides wurde mir geboten. Beim nächsten Mal würde ich mir vielleicht sogar Gummistiefel mitnehmen 😀
Mein Fazit: Es lohnt sich, auch mal an der anderen Küste Schleswig-Holsteins vorbei zu gucken.
Das Baumschulmuseum
Dieses Museum liegt an einer Fahrradstraße. Diese ist Teil des bisher nur in Teilen fertigen Radschnellwegs Elmshorn-Hamburg. wir nutzen gerne die Verbindung nach Pinneberg. Und immer, wenn ich an dem Wegweiser vorbei kam, dachte ich mir, da möchte ich mal reingucken.
Das Baumschulmuseum leistet einen wertvollen Beitrag zur Umweltbildung in der Region. Besonders in Zeiten der Klimakrise ist der Blick in die Zukunft der Bepflanzung für uns Menschen essentiell. Zu diesen Schwerpunkten gibt es wechselnde Ausstellungen und Vorträge.
Der Eintritt in die Ausstellung ist frei, du findeststattdessen eine Sammeldose für Spenden. Zu sehen sind Gerätschaften aus der Geschichte der Baumschulkunst, außerdem gut strukturierte Lerntafeln und Pflanzenpräparate.
Der Frau vom Förderverein war es wichtig, dass sie nicht nur Technik aus der Vergangenheit präsentieren, sondern auch diesen Protoypen für einen autonom arbeitenden Roboter, der mechanisch Unkraut beseitigt. Das Gerät „Bonirob“ hat die Fachhochschule Westküste zur Verfügung gestellt.
Ich habe mir ein paar Broschüren über Lernorte im Kreis Pinneberg und in der Metropolregion Hamburg mitgenommen und einen Vortragstermin zum Thema „Torfersatz im Gartenbau“ notiert.
Was habe ich im September 24 gelesen?
Eigentlich wollte ich noch viel mehr Blogparadenbeiträge lesen. Zum Glück laufen die mir nicht weg 😉
Mit Offenheit und Neugier: Mehrsprachigkeit in der Lerntherapie
„Mehrsprachigkeit ist kein Hindernis, sondern eine Bereicherung – und diese Ressourcenorientierung sollte in der Lerntherapie stets im Mittelpunkt stehen.“
Sabine Landua
Damit spricht sie mir sehr aus der Seele. Auch ich habe mich in meinem Beitrag dafür ausgesprochen, multilinguale Kinder stärker wertzuschätzen. Egal, um welche Sprache es sich dabei handelt.
Dinge, die ich nicht kann
Anna Koschinski kannte ich von einer Entrümpelungs-Challenge Anfang 2022. In einem ihrer Blogs fand ich einen Artikel über alle möglichen Dinge, die nicht ihre großen Stärken sind.
„Es ist wieder passiert. Ich habe eine „für diese Sorte brauchst du keinen grünen Daumen, die ist unkaputtbar“ – Pflanze getötet. Also… sie ist eingegangen. Erst ein bisschen, dann ganz. Also so richtig. Dabei habe ich alles genau so gemacht, wie es in der Anleitung stand.“
Anna Koschinski
Mich hat das dazu inspiriert, selbst darüber zu schreiben, was ich nicht kann. Vor allem auch, weil ich mich in der Situation mit der angeblich unkaputtbaren Pflanze so wiedergefunden habe. Der Punkt kommt bei mir auch ganz oben auf die Liste.
Meine Erinnerungen an das geteilte Deutschland und wie sie mich heute noch beeinflussen
Claudia Kielmann hat an der Blogparade zum geteilten Deutschland teilgenommen. Ihr Beitrag zeigt die Sicht einer Westdeutschen mit starker familiärer Anbindung an den Osten. Mich hat nicht nur fasziniert, dass auch sie mal in Bad Oeynhausen gelebt hat. Sondern auch, wie beklemmend die Grenzübergänge bei Familienbesuchen immer waren.
„Ich konnte es kaum fassen – ein halbes Jahr nach dem „Spießrutenlauf“ durch die Innenstadt von Rudolstadt, war die Grenze offen. Ich glaube, ich habe die ganze Nacht immer wieder geweint.“
Claudia Kielmann
Auch viele Jahre später ist das Thema Wiedervereinigung noch lange nicht auserzählt.
Was habe ich im September 24 gehört?
Orphaned Land
Das Ticket zeigte einen Konzerttermin von April 2022. Seitdem musste die Veranstaltung mehrere Male verschoben werden. Ursprünglich wollte ich mir die Band mit meiner Freundin Romy ansehen, mit der ich jahrelang auf Konzerten und Festivals war. Leider starb sie schon im Februar 2022.
Mir ist schon aufgefallen, dass ich die Einzige mit Maske war. Immerhin war das Logo ungewöhnlich wenig befüllt. Was ich jetzt, wo es mit meiner Gesundheit und Kondition so aufwärts geht, nicht gebrauchen kann, ist eine neue Infektion. Aber das müssen eben alle selbst für sich entscheiden.
Orphaned Land ist eine Band aus Israel. Sie singen seit Jahrzehnten für ein friedliches Miteinander und entsprechend bewegend waren die Ansagen zwischen den Stücken. einen Satz habe ich besonders in Erinnerung behalten:
„The metal community is so beautiful when otherwise we are currently living in an ocean of shit.“
Kobi Farhi
Für mich war der Abend auch persönlich sehr emotional. Wegen Romy, der politischen Lage im nahen Osten und weil ich noch Anfang August vom WOA nur einen Tag geschafft habe. Ich war etwas nervös, ob mein Ticket wirklich noch als gültig anerkannt werden würde und ob ich nicht schnell viel zu müde sein würde. Aber ich wurde kommentarlos rein gelassen und anscheinend hat sich mein Körper vom post-COVID wieder so weit erholt, dass ein Konzert in Hamburg wieder drin sitzt.
Auf Samira El Ouassil und Friedemann Karig ist Verlass. Ich höre ihren Podcast fast immer am Samstag Vormittag mit dem Rest Frühstückskaffee auf dem Sessel im Wohnzimmer.
Eine der Septemberfolgen drehte sich um das Patriarchat, Femizide und was wir angesichts der Misere machen können. Auch wenn das Thema für manche nervig und „eigentlich durch“ erscheint: Die immer noch existierende Schieflage der gesellschaftlichen Strukturen steckt hinter einer Reihe anderer Probleme, die wir ohne ehrliches Hinsehen nicht lösen werden.
Ich war besonders zufrieden damit, wie sich Friedemann als (in diesem Zusammenhang) systematisch privilegierter Mensch auf die Debatte um den Fall der Gisèle Pelicot eingelassen hat.
Es geht nicht um Schuld oder Rache. Es geht um unsere Zukunft und wie wir sie gemeinsam gestalten wollen.
Mein Monatsrückblick August 24: Die Sommerferien waren vollgepackt. Ich habe mich gut erholt, viele Blogparaden mitgenommen und Freiluftmusik genossen.
Was bedeutet es für mich, mehrsprachig zu sein? Warum ist Mehrsprachigkeit so wertvoll und wie können wir sie gerechter leben? Ein weiterer Blogparadenbeitrag, ganz knapp zu spät eingereicht.
Geeignete Aktivitäten für den 22. September: Was ernten wir jetzt? Was geben wir auf? Und welchen Früchten geben wir noch etwas Zeit? Meine Anregungen zum Lesen, Basteln, Draußensein, Meditieren, Musikmachen und mehr.
Wie fühle ich mich mit über 50? Meine Antwort auf diese Frage ist nach all der Zeit immer noch dieselbe: Im Grunde unverändert. Ich erzähle dir auch, warum, nachdem ich mich bei Blogs50plus eingetragen habe.
Und was war sonst noch los?
Ernte
Die Erdbeeren wollten es noch einmal wissen, es war ja auch noch richtig warm. Ich habe sie andächtig einzeln geerntet.
Auch die eine Aubergine habe ich einzeln geerntet. Sie war vielleicht 5 cm lang an der längsten Stelle und hat echt gut geschmeckt. Im nächsten Jahr versuche ich es nochmal mit Auberginen.
Sprachliches
Der Streak bei Duolingo läuft immer noch! Im Septmber schlug die grüne Eule mir vor, die Kurse in Mathematik und Musik auszuprobieren. Vor allem der Musikkurs ist sehr motivierend!
Eine Sprachverhunzung, bei der mir regelmäßig der Puls hochgeht. Und es ist immer „seine“, nie sehe ich es in der Form „Der XY macht ihre…“ Ich verstehe echt nicht, warum das so oft passiert.
Im September habe ich die Einstellungen meines Duolingo-Accounts wieder auf „öffentlich“ geändert. Seitdem bin ich wieder an den Ligen beteiligt. Erstaunlich, wie mich das motiviert 😆
Natur
Ich liebe die Natur im September. Denn da wird noch mal alles an Farben rausgeholt, was geht.
Und auch der Himmel dreht den Dramatikregler voll auf.
Ich freue mich immer, wie die Blüten im Herbst nicht nur etwas fürs Auge bieten, sondern auch die regionalen Insekten ernähren 💜
Radsport
Jedes Jahr geht das Bemer Cyclassics Radrennen bei uns fast an der Haustür vorbei. Weil bei uns aktuell Baustelle ist, war am 8 September die Straße, von der unsere Sackgasse abzweigt, an beiden Enden gesperrt. Auch eine Art von Entschleuninung, denn zu Fuß oder mit dem Rad konnten wir raus. Nur das Überqueren der Rennstrecke war nicht drin.
Ich persönlich bin zwar nicht Radrennen gefahren. Allerdings war ich endlich wieder mit dem Fahrrad unterwegs, sogar dreimal. Hier beim Krupunder See. Was für eine Erleichterung nach monatelangem Entzug! Auch wenn ich echt Sorge hatte, dass mir wieder schwummerig werden könnte. Aber wir sind einfach schön gemütlich gefahren und der Puls hat mitgemacht.
Die zweite Radtour führte uns in den Rosengarten Pinneberg. Der ist immer einen Besuch wert.
Und sonst?
Meine arme Katze ist zum dritten Mal zur Zahnsanierung angetreten und zum dritten Mal wurde die OP abgeblasen. Dieses Mal war sie zwar in Narkose, aber es wurde eine Wucherung unter der Zunge festgestellt und eine Probe ins Labor eingeschickt. Eventuell wäre dann so ein massives Zähneziehen nur noch unnötige Quälerei.
Dieses Photo habe ich zur Vorstellungsrunde beim Blogtoberfest 24 eingereicht. Bin sehr gespannt, was dieses Jahr alles an Beiträgen zusammen kommt.
Monatsrückblick in Zahlen
Im September 24 komme ich auf 10957 gebloggte Wörter.
Die Schrittzähler-App zeigte Ende September einen Stand von , das sind ca. Schritte pro Tag. (Wird heute Abend nachgefügt 😉 )
Die PV-Anlage hat im September 675 kWh geliefert, dabei haben wir 297 kWh verbraucht. Unterm Strich lag der Autarkiegrad bei 88 % 🙂
Was habe ich im Oktober 24 vor?
Im Baumschulmuseum einen Vortrag über Torfersatz im Gartenbau hören.
Das war mein Monatsrückblick September 24. Schreibst du auch mehr oder weniger regelmäßig Rückblicke? Was sind deine Erfahrungen damit? Unternimmst du auch manchmal bewusst touristische Ausflüge in deiner näheren Umgebung und gewinnst dabei ganz neue Einsichten?
Mehr meiner regelmäßigen Rückblicke findest du hier.
Seit September 2024 bin ich jetzt also auch offiziell über 50. Genauer gesagt bin ich 51 Jahre alt geworden. Weil ich vor einer Weile in einem Artikel zum Thema von Korina Dielschneider darüber gelesen hatte, habe ich mich jetzt bei einem Portal für Blogger:innen 50plus angemeldet.
So richtig realisiert habe ich das alles noch nicht. Ich erinnere mich noch daran, wie merkwürdig es für mich als Kind war, wenn ich gefragt wurde: „Und? wie fühlst du dich so mit XY Jahren?“ Das Gefühl unterschied sich nicht nennenswert von dem am Vortag 😀 Dass jetzt über 50 Jahre um mich herum geflossen sind, war ein äußerst leise schleichender Prozess.
Korina schreibt, Bloggen sei gut gegen „Unzufriedenheit in der zweiten Lebenshälfte“, für „lebenslanges Lernen“ und Kreativität. Außerdem sei es ein guter Weg zum Vernetzen. Dem stimme ich mehrheitlich zu, nur dass ich mich nicht unzufrieden fühle.
Und wie fühle ich mich mit über 50?
2023 habe ich schon mal zum Älterwerden gebloggt. Das war ein Beitrag zu zwei Blogparaden, die sich auf Frauen über 50 beziehungsweise in den Wechseljahren fokussierten. Die körperlichen Veränderungen sind natürlich zu merken. Auch wenn ich Zeit meines Lebens nie besonders energiegeladen oder sportlich war: Heutzutage stellt mir mein Körper für Aktivitäten wie Feiern oder ausführliches Essen eine deutlich höhere Rechnung aus. Die immer noch zu spürende post-COVID-Müdigkeit ist ein extra Sahnehäubchen.
Und so könnte ich mal aussehen
Ansonsten bin ich innerlich im Grunde noch die gleiche Angela wie vor diversen Jahrzehnten. In meinen politischen und gesellschaftlichen Ansichten bin ich nicht konservativer geworden. Ich besichtige mit großer Begeisterung Ausstellungen zu den Jubiläen der Sesamstraße und der Pixi-Bücher.
Generell halte ich nichts von Regeln, die anfangen mit „Über 50 sollte eine Frau nicht mehr…“ Oder über welcher Altersgrenze auch immer Menschen meinen, Anderen erzählen zu können, wie sie zu sein haben. Entsprechend fühle ich mich immer noch nicht innerlich verändert durch mein Alter. Vielleicht kommt das ja noch, ich werde sehr wahrscheinlich auch mit 60 oder 70 noch bloggen und berichten.
Was eine Frau über 50 wirklich nicht mehr tragen sollte? Das Gewicht der Erwartungen anderer Menschen. Von Vorteil ist es allerdings, wenn diese Erkenntnis kein halbes Jahrhundert zum Einsickern braucht. Im Umgang mit meinen Schüler:innen gebe ich mein Bestes, um bei ihnen dazu beizutragen.
Austausch zwischen den Generationen
Im Alltag treffe ich als Nachhilfelehrerin überwiegend auf Menschen unter 20. Natürlich merke ich, dass wir teils unterschiedliche Sprachen sprechen. Manche Begriffe haben sich aber über die Generationen hinweg nicht sehr verändert.
Ich bin sehr gerne GenX. Und das, obwohl es mir oft schwer fällt, die Kluft zwischen den Generationen nachzuvollziehen, die aus meiner Sicht zum großen Teil künstlich herbei geredet ist. Der eine Teil der Gesellschaft hat mehr Gelegenheit gehabt, in der Vergangenheit zu wirken. Dem anderen Teil steht mehr Zukunft offen. Und gleichzeitig teilen wir uns die Gegenwart und den Planeten. Kooperation finde ich konstruktiver als eine Debatte darum, wessen Ansichten zum Thema Arbeitswelt sinnvoller sind.
Im Gegenteil: Ich finde den Austausch mit jungen Menschen bereichernd. Viele von ihnen machen mir Hoffnung für die Zukunft der Menschheit. Und in vielen Punkten sind GenZ und Alpha flexibler als die Generation meiner Eltern und Großeltern. In anderen sind sie allerdings erstaunlicherweise weniger progressiv als ich 😀 Und auch das ist spannend.
Hauptsache ist, dass wir uns darauf einigen, dass die Musik der späten 80er und der 90er Jahre nie wieder erreichte Maßstäbe gesetzt hat 😉
Wie stelle ich mir die kommenden Jahrzehnte vor? Ich zitiere aus meinem Blogpost vor meinem 50sten Geburtstag:
Auf jeden Fall wird danach noch etwas kommen. Alles andere wäre ziemlich langweilig.
Bisher sieht es sehr danach aus, als wäre mein Blick in die Zukunft realistisch gewesen. Und jetzt wird es zusätzliche Inspiration von einer ganzen Reihe anderer Blogger:innen über 50 geben. Ich freue mich darauf!
Was meinst du?
Bist du selbst auch schon 50plus? Oder freust du dich darauf? Wie stehst du zum Austausch zwischen den Generationen und den Erwartungen der Gesellschaft an bestimmte Altersgruppen? Und wie geht es dir mit der Frage:
Ziemlich genau vor vier Jahren schrieb ich einen Artikel über die Herbst-Tagundnachtgleiche im September. Angefangen hatte alles mit einem Blogpost über den Jahreskreis und warum es allgemein und abseits von spirituellen Hintergründen gesund für uns ist, die Vorgänge in der Natur zu beobachten. Was im Lauf durch die Jahreszeiten draußen passiert, hat viel mit uns zu tun und mit den Fragen, die wir uns regelmäßig stellen können, um an uns und dem Leben dran zu bleiben.
Die Fäden, die in diesen Tagen zusammenlaufen sind:
Reife von Äpfeln, Birnen, Pflaumen und Holunder
Herbstanfang
Vorbereitung auf Erntedankfeste
Startschuss für die dunklere Jahreshälfte
Diese Themen haben sich für mich abgeleitet: Bilanzziehen, Vergleich von Aufwand und Ergebnis, Entscheidungen, Gleichgewicht und Kippen in die Bewegung hinein.
Manche Unternehmungen tragen überraschend viele Früchte, andere scheinen sich im Rückblick nicht gelohnt zu haben. Und ein paar Projekte brauchen vielleicht nur noch ein kleines bisschen Geduld oder Energie, um doch noch zu reifen. Aus der Gesamtbetrachtung ziehen wir Konsequenzen und passen unsere Pläne für den nächsten Zyklus an.
Was folgt, sind Anregungen, wie diese Themen mehr oder weniger konkret erlebt werden können, außerdem die Beschreibungen meiner eigenen Aktivitäten und Erlebnisse. In diesen Artikel werde ich auch in Zukunft eventuell auftauchende neue Ideen einflechten.
Ähnlich wie zur Frühlings-Tagundnachtgleiche verändert sich aktuell der Anteil der hellen Stunden am Tag besonders schnell. Im Frühjahr scheint alles in den Startlöchern zu stehen, um frisches Laub hervorzubringen. Jetzt wirkt es so, als atme die Natur tief ein, um mit einem breiten Pinselstrich dieses Laub bunt zu färben.
Goldenes Licht und grünes Laub
Ich liebe den September. Die Kombination aus goldener Herbstsonne und immer noch grüner Üppigkeit sorgt für eine besonders gemütliche Stimmung. Da lohnt sich das bewusste Hinsehen besonders.
Unter anderem auch, weil sich die Natur gerade besonders schnell ändert. Überall in den Bäumen in meiner Umgebung sehe ich kleine bunte Stellen, die sich in den kommenden Wochen ausbreiten werden. Wie im Zeitraffer können wir diese Farbentwicklung verfolgen. Ähnlich, wie im Frühling von kleinen grünen Inseln an den Bäumen und Sträuchern die Explosion ausging, nur jetzt mit einer Vorahnung vom Ende der Vegetationsperiode.
Erntezeit
Vielleicht ist mir an meinen bisherigen Wohnorten der Hopfen nicht so aufgefallen. Seit ich im Kreis Pinneberg lebe, sehe ich ihn überall. Gerade jetzt werben die bizarren und zerbrechlich wirkenden Blüten verstärkt um meine Aufmerksamkeit.
Die Maisfelder in der Region finde ich auch immer spannend. In manchen Jahren kam der Regen so ungünstig, dass monatelang an eine Ernte nicht zu denken war. Hier scheint der Betrieb testhalber eine kleine Ecke eingeholt zu haben. An diesem Feld komme ich fast täglich zu Fuß vorbei und habe über die Hecke beobachtet, wie sich die Pflanzen entwickelt haben. Andere Maisfelder in meiner Umgebung sind schon komplett abgemäht.
Wenn irgendetwas da draußen schnell wächst, dann die Pilze. Sie sind ein gutes Sinnbild für die dramatischen Veränderungen, die jetzt anstehen und auch für die Ernte. Weil ich mich mit ihnen bisher nicht auskenne, überlasse ich die Entscheidung, welche Pilze essbar sind, allerdings Anderen 😉
Holunder und Brombeeren erkenne dagegen auch ich 😉 Jedes Jahr nehme ich mir vor, Holunderbeeren zu sammeln und Saft daraus zu machen. Und dann huscht die Saison wieder an mir vorbei 😀 2025 habe ich mir endlich einen Holunder in den Garten gepflanzt.
Die Brombeeren, die wir auf unserem Spaziergang gesehen haben, werden vermutlich nicht mehr abreifen. Jetzt ist für mich die Zeit, in der solche Entscheidungen fallen: Manches braucht nur noch ein kleines bisschen Zeit in der Herbstsonne, manches zieht sich in die Pflanze zurück für den nächsten Jahreskreis.
Stimmung
Ich photographiere gerne den Morgenhimmel aus dem Dachfenster. Und zur Zeit gibt er sich besonders Mühe mit der dramatischen Stimmung.
Die Temperaturen des Sommers sind nicht mein Ding. Ab 25°C drückt mir die Hitze auf die Laune. Als ich neulich bei der Apotheke vorbeikam, atmete ich über die 16°C begeistert auf 🙂
Rosen halten jedes Jahr länger durch, als ich ihnen zutraue. Irgendwie vergesse ich immer, wie resilient sie sind. Und entsprechend sind neben all den Hagebutten, die sich in meiner Umgebung zeigen, noch viele richtig üppige Blüten zu bewundern.
Raus in den Garten
Farbenpracht
In meinem Vorgarten blühen Heidekraut und blaue Bartblume. Das erinnert mich daran, wie unfassbar schön die Blütezeit in der Lüneburger Heide ist. Das Heideblütenbarometer vom 21.9.24 sagt, dass die Blüte schon vorbei ist. Allerdings habe ich bei der Gelegenheit Lust bekommen, mir den Heide-Herbst anzusehen!
Hinterm Haus zaubern die Astern Farbe in mein Leben. Jedes Jahr überraschen sie mich wieder, weil ich sie nicht selbst gepflanzt, sondern mit dem Haus übernommen habe. Daher rechne ich mit diesem Geschenk nicht und bin immer wieder begeistert.
Auch der Sonnenhut und die Fetthenne leben schon länger auf diesem Grundstück als ich und erfreuen mich jedes Jahr wieder. Die Sonnenblume habe allerdings tatsächlich ich gesät.
Meine Rosen sind noch zwischen neuen Knospen und schon etwas gealterten Blüten, während der Hortensie die fortgeschrittene Jahreszeit deutlich anzumerken ist.
Ernte
Wieder einmal sind 2024 nicht alle meine Gemüsepflanzen erfolgreich gelaufen. Mein alles andere als grüner Daumen erstreckt sich offensichtlich auch auf den Außenbereich 😀 Und dann habe ich auch noch alle Kürbisse und Zucchini an die Schnecken verloren.
Dafür hingen an den Tomatenpflanzen reichlich Früchte, die ich noch grün vor meinen Konkurrentinnen ins Haus rettete und dort ausreifen ließ. Bei der Gelegenheit bemerkte ich, dass mein Experiment Aubergine nicht komplett ins Wasser gefallen war: An einem kleinen versteckten Strauch hängt noch eine kleine Aubergine, bei der ich hoffe, dass die Septembersonne noch ausreicht.
Und dann gibt es immer noch ein paar tapfere kleinere Erdbeeren. Wir ernten sie einzeln und andächtig, sobald sie es geschafft haben, doch noch reif zu werden. Auch diese kleine Chillischote hat 2024 sehr lange sehr alleine draußen gehangen. Jetzt habe ich sie abgezupft und gehe nicht mehr davon aus, dass sie bei den Außentemperaturen noch rot geworden wäre. Nach der Saisaon 2025 habe ich jetzt entschieden, hauptsächlich Dauerkulturen im Garten zu betreuen: Erdbeeren, Blaubeeren und Braunkappen.
Meine Rosen haben nicht nur Knospen und Blüten, sondern auch wieder eine Menge Hagebutten. Ich pflücke aktuell immer die, die schon etwas weicher sind und sammele sie im Gefrierschrank, um Marmelade daraus zu kochen. Auch hier lohnt es sich, auf die Nachzügler zu warten.
Ich habe 2024 und 2025 aus post-COVID-Gründen sehr viel sparsamer im Garten gearbeitet. Für 2026 ziehe ich aktuell Bilanz, was gut gelaufen ist und welche Gemüsesorten mir zu kapriziös sind. Tomaten und Chillies werde ich wieder vorgezogen kaufen.
Wie sieht es in deinem Garten, auf deinem Balkon oder Fensterbrett aus? Was hast du geerntet, was hat nicht funktioniert und was lässt du noch ein bisschen weiter reifen?
Meditation im September
Neben meiner eigenen Meditation gibt es online eine breite Auswahl an passenden und unterschiedlich langen geführten Meditationen unter den Stichworten „Herbst-Tag-und-Nacht-Gleiche“ oder Mabon. Auf Englisch findest du Meditationen unter dem Stichwort „autumn equinox“. Es gibt auch für den Herbstanfang geeigneteYogaflows, vor allem solche mit dem allgemeinen Schwerpunkt auf Balance und Erdung.
Eine weitere Alternative wäre noch, einfach in der Stille eins oder mehrere der Themen dieses Tages in geeigneter Atmosphäre zu meditieren.
Kreativität ausleben
Zum 2. Februar habe ich nach dieser Anleitung für einen Smartphoneständer aus fester Pappe einen Aufsteller gebastelt, auf dem ich das ganze Jahr über ein jeweils jahreszeitlich passendes Bild präsentiere. Jetzt werde ich ein neues Bild anfertigen und meinen eigenen Fokus für die kommenden Wochen neu gestalten.
Seit Jahren schiebe ich schon die Idee vor mir her, Waschmittel aus Kastanien herzustellen. Das ist vielleicht keine dekorative Angelegenheit, aber saisonal ist diese Aktivität auf jeden Fall. Ich werde berichten, wenn ich das irgendwann einmal umsetze.
Für meinen Fokus habe ich schon ein paar gehäkelte Kürbisse. Ich finde leider die Anleitung nicht mehr, aber unter „crochet pumpkin“ oder „Kürbis häkeln“ findest du online eine Reihe von Tutorials für jeden Geschmack in verschiedenen Schwierigkeitsstufen. Wer lieber strickt, findet unter „knitting pumpkin“ ähnlich viele Ideen.
Auf längere Sicht plane ich, mir eine Balkenwaage zu basteln, um den Aspekt des Bilanzierens und Abwägens zu verdeutlichen. Und natürlich gibt es viele andere unterschiedliche kreative Medien. Für meinen Blogbeitrag von 2020 habe ich zum Beispiel ein Zentangle gezeichnet:
Vielleicht magst du dir aber auch einfach mit einem selbstgemachten Potpourri den Duft des Herbstes in dein Haus holen?
Essen und Trinken im September
Mitte September habe ich die Suppensaison eingeläutet. Die Fülle an frischem saisonalen Gemüse genieße ich von Zeit zu Zeit gerne püriert und mit etwas Currypaste. Diese Suppe war auf Zucchinibasis mit Räuchertofu und Udon. Einerseits sommerlich durch die Zucchini, andererseits herbstlich kuschelig geräuchert.
Eine ganz andere Suppe habe ich 2023 als mein liebstes Herbstgericht präsentiert. Sie ist süß und wird aus Holundersaft gemacht, norddeutsch Fliederbeersaft genannt.
Für mich ist Fliederbeersuppe eine wunderschöne Kindheitserinnerung. Ich sehe mich noch da sitzen, im Unterhemd wegen der Fleckengefahr. Zuerst kam die Suppe auf den Teller und dann wurden liebevoll ein paar Klößchen dazu gelöffelt. Ich fand es faszinierend, wie deren rauhe, weiße Oberfläche sich mit einem Netz aus dunkelroten Adern überzog. Ich rieche heute noch den Duft von Zimt, fühle die wohlige Wärme und schmecke die Herbheit der Beeren. Eine Herbstsuppe für alle Sinne sozusagen.
Ach, Vivaldi! Seine Vier Jahreszeiten sind nicht ohne Grund ein Klassiker und der Herbst von Vivaldi ist besonders reich, warm und festlich 🧡 Besonders das Allegro am Ende ist im Prinzip super tanzbar.
Jürgen Fastje hat ein Gedicht von Elke Bräunling vertont. Wie er sagt, handelt es sich um ein „Sommer-Herbst-Übergangsgedicht“. Sein „Septemberblues“ (YouTube-Link) ist melancholisch und erfreulich kraftvoll.
Ein Ende bist du und ein Anfang. Der Sommer geht, der Herbst, der eilt mit Riesenschritten nun herbei. Es ist, als ob die Zeit jetzt fände, dass sie genug verweilt‘ und auf dem Sprunge sei.
Auch Simon and Garfunkel singen in „Leaves that are Green“ (YouTube-Link) über die Vergänglichkeit. Ein weiteres Thema ist die scheinbare Vergeblichkeit von Dingen, die wir tun.
I threw a pebble in a brook And watched the ripples run away And they never made a sound And the leaves that are green turn to brown
Art Garfunkel und Paul Simon
Manche Steinchen gehen geräuschlos unter, wenn wir sie ins Wasser werfen. Und trotzdem schlagen sie Wellen. Ich mag die Heiterkeit der Melodie. Sie ergibt sich aus der Haltung, wenn wir akzeptieren, dass die Zeit es manchmal eilig hat und dass wir nicht alles in der Hand haben.
Auch Ed Sheeran hat vor einigen Jahren ein Lied über Herbstlaub geschrieben. Bei ihm geht es um Wehmut und darum, dass der Wandel der Zeiten sowohl kompliziert als auch nicht kompliziert ist. Die Welt dreht sich weiter, und was wir vermissen, hat unser Leben bereichert.
Mit ihrem Autumn Song beschreiben die Manic Street Preachers das Gleichgewicht zwischen Gegensätzen. Ein Teil des Textes dreht sich um die Gleichzeitigkeit von Melancholie und Hoffnung:
So when you hear this autumn song Clear your heads and get ready to run So when you hear this autumn song Remember the best times are yet to come
Manic Street Preachers
Ich finde bemerkenswert, wie fröhlich dieses Herbstlied ist. So sehe ich persönlich diese Jahreszeit auch 😀
Metal
Natürlich gibt es noch einen Beitrag aus dem Metal-Bereich. Die Band heißt Autumn, das Album „Summer’s End“, genauso wie ein Lied darauf. Inhaltlich ist dieses Stück alles andere als leise, sondern feiert die Intensität der Herbstzeit, die jetzt beginnt. Und wie es sich für eine Gothic Metal Band gehört, besingen sie die bizarre Schönheit des Verfalls, der für alles Lebendige den Abschluss bildet.
The odour of harvest time The immense sky turns grey The sun softly shines Until it slumbers away One with land’s decay
Autumn
Allgemein fällt dieser Strauß an musikalischen Aussagen über den September und die Übergangszeit faszinierend bunt gemischt aus. Genau das ist es, was ich an dieser Zeit so liebe.
Lesen
Der Plan war, zu jedem Jahreskreisfest passende Lektüre zu finden. Ich wollte auch für mich eine Leseanregung haben. Aktuell ist mir allerdings kein Roman oder Sachbuch eingefallen. Falls sich etwas ergibt, werde ich das nachreichen.
Gedichte zur Saison gibt es dagegen reichlich. Luise Büchner beschreibt die melancholische Gleichzeitigkeit von lebendiger Ernte und der Aussicht auf das Loslassen:
Herbstlied
Es liegt der Herbst auf allen Wegen, In hundert Farben prangt sein Kleid, Wie seine Trauer, seinen Segen Er um sich streut zu gleicher Zeit.
Es rauscht der Fuss im welken Laube, Was blüht‘ und grünte, ward ein Traum – Allein am Stocke winkt die Traube Und goldne Frucht schmückt rings den Baum.
So nimmt und gibt mit vollen Händen Der Herbst, ein Dieb und eine Fee; Erfüllung kann allein er spenden, Doch sie umfängt ein tiefes Weh! –
O, Herbst der Seele! deine Früchte, Sind auch Gewinn sie, oder Raub? Der Wünsche Blüthe ist zunichte, Der Hoffnung Grün ein welkes Laub.
Zu schwer erkauft, um zu beglücken, O, Seelenherbst, ist deine Zier! Der Saft der Traube kann entzücken, Doch keine Wonne strömt aus dir.
Die Weisheit, wie die Frucht sie nennen, Sie presst mir bittre Thränen aus, Und ihres Kernes herbem Brennen Entkeimet nie ein Frühlingsstrauss!
Luise Büchner, 1821-1877, deutsche Lyrikerin und Schriftstellerin
Bei Agnes Miegel überwiegt die gelassene Freude am Abschied. Das Mitgehen im Lauf der Jahreszeiten gibt ihr Klarheit und Zufriedenheit.
Frühherbst
Die Stirn bekränzt mit roten Berberitzen steht nun der Herbst am Stoppelfeld, in klarer Luft die weißen Fäden blitzen, in Gold und Purpur glüht die Welt.
Ich seh hinaus und hör den Herbstwind sausen, vor meinem Fenster nickt der wilde Wein, von fernen Ostseewellen kommt ein Brausen und singt die letzten Rosen ein.
Ein reifer roter Apfel fällt zur Erde, ein später Falter sich darüber wiegt — ich fühle, wie ich still und ruhig werde, und dieses Jahres Gram verfliegt.
Agnes Miegel, 1879-1964, deutsche Dichterin, Journalistin
Fragen stellen
Wie ist dein Jahr gelaufen?
Was hast Du geerntet, was hattest Du erhofft?
Wo hast Du weniger investieren müssen als gedacht, wo war das Resultat reicher als erwartet?
Wofür bist Du dankbar?
Was willst Du haltbar machen?
Und was kannst Du leichten Herzens loslassen?
Wie leicht fällt es Dir, den Sommer zu verabschieden und Dich auf die Kerzenscheinjahreszeit einzulassen?
Deine wichtigsten Erkenntnisse in den Fokus setzen
Was sind für dich die wichtigsten Antworten auf Deine Fragen, die für dich passendsten Zitate oder Gedichte? Lässt sich für dich ein Musikstück zum September auf ein Symbol verdichten?
Hast du draußen in der Natur oder in deinem Garten einen Gegenstand gefunden, der es verdient hat, auf deinem Fokus präsentiert zu werden?
Wenn ich meinen Fokus für die Herbst-Tagundnachtgleiche gestaltet habe, werde ich hier ein Bild davon einfügen.
Der nächste Termin im Jahreskreis ist der 1. November.
Hast Du eine Tradition rund um den 22. September? Wie ist dein Gefühl für das Einatmen der Natur kurz vor dem Einfärben des Herbstlaubes?
Bin ich mehrsprachig und wenn ja, was macht das mit mir? Der Blogparadensommer ist großenteils beendet, auch Ursula Eggers hat ihre Challenge der Mehrsprachigkeit am 1. September geschlossen. Jetzt reiche ich also knapp verspätet meine Gedanken nach.
Wo bin ich mehrsprachig?
Meine Sprachen
In der Schule habe ich so viele Sprachen mitgenommen, wie in den Stundenplan passten. Es waren allerdings die üblichen Verdächtigen: Englisch, Französisch, Latein. Meine Französischkenntnisse entstaube ich jetzt mit großem Zeitversatz und kleinschrittig auf Duolingo. Ich glaube auch nicht, dass ich noch aus dem Stand ein Gedicht von Catull übersetzen könnte, jedenfalls nicht mit großer Ästhetik 😀
Andererseits unterrichte ich Mathematik, Naturwissenschaften sowie naturwissenschaftliches Deutsch auf Anfrage auf Englisch. Umgekehrt habe ich meine Diplomarbeit und Doktorarbeit auf Englisch geschrieben. Als Lehrerin habe ich ein Jahr lang in der zweiten Klasse einer bilingualen Grundschule Mathe auf Englisch unterrichtet. Es passiert äußerst selten, dass mir ein englischer Begriff unterkommt, den ich nicht kenne. Grundsätzlich biete ich auch Nachhilfe im Fach Englisch an. Bisher ist jedoch der Bedarf an Mathematik deutlich höher 🙂
Noch heute profitiere ich vom damaligen gleichzeitigen Lernen mehrerer Sprachen nebeneinander. Mich faszinieren die Verwandtschaftsverhältnisse genauso wie die Unterschiede. Ich habe als Kind begeistert den Etymologieband aus der Dudenreihe meiner Eltern gelesen und freue mich auch heute noch, wenn mir klar wird, wo ein Begriff ursprünglich herkommt. Auch wenn ich viele Sprachen nicht wirklich beherrsche, schnappt mein Gehirn beim Lesen Muster und wiedererkennbare Schnipsel auf, die mir grundsätzliche Botschaften erschließen.
2022 habe ich angefangen, Dänisch zu lernen. Ohne Hintergedanken und Anlass, nur für mich. Diese Sprache ergänzt Deutsch und Englisch zu einem lustigen Trio: Alle drei haben untereinander große Schnittmengen, und immer wenn ich denke, dass ich die Ähnlichkeiten im Griff habe, kommt wieder eine neue Überraschung und ein grammatikalischer Alleingang 😀 Ich liebe die Verbundenheit, auch die historische. Außerdem genieße ich, dass es mit den dreien nie langweilig wird. Unter anderem auch durch den Instagram-Account der Nearly Danish Dame. Ein weiterer Instagram-Account, den ich verfolge, ist von den Language Nerds. Nicht alle ihre Beiträge begeistern mich. Aber manchmal sind solche Sätze darunter:
Being bilingual means double the sad songs you can cry to.
The.Language.Nerds
In meinem Duolingo-Profil ist zu sehen, dass ich auch in Türkisch und kurzzeitig in Chinesisch reingeschnuppert habe. Daneben lerne ich mehr oder weniger beständig Klingonisch. Ich wünschte, es gäbe auch eine gute App für Plattdeutsch. Letzteres verstehe ich, aber wie so viele Menschen traue ich mir nicht zu, es zu sprechen. Dabei wäre gerade Plattdeutsch eine besondere regionale Verwurzelung. Hätte der Tag mehr Stunden, würde ich wohl immer weiter neue Sprachen dazulernen.
Was macht Mehrsprachigkeit so wertvoll?
Während ich in England lebte, verschob sich mein Sprachgebrauch so sehr, dass ich gewohnheitsmäßig auf Englisch träumte. Lassen sich auf Deutsch Sachverhalte präzise und kompakt ausdrücken, habe ich am Englischen schon in der Schule die Eleganz geliebt, wie viel wir mit der Wahl einer Zeitform ausdrücken können, und wie lebendig das englische Vokabular die abwechslungsreiche Geschichte der Besiedelung der britischen Inseln widerspiegelt.
Sprache ist mehr als nur schlichte Weitergabe von trockenen Informationen. Sie ist Verbindung, Rückbindung an lange vergangene Zeiten, Rätsel, Kunstform, Grundlage für Humor und Identität. Wer mehr als eine Sprache versteht, ist in mehreren Welten zuhause. Die Art des Denkens verändert und erweitert sich, wenn ich mich darauf einlasse, noch einmal ganz neu sprechen und hören zu lernen.
Die Gleichzeitigkeit erlaubt es, Geschichten, Liedtexte und auch Witze mehrsprachig wie durch verschiedene Filter zu betrachten, wobei manchmal eine Mehrdimensionalität entsteht, die ansonsten nicht sichtbar würde. Und gleichzeitig wird auch deutlich, dass Menschen verschiedenster Nationen am Ende mehr Gemeinsames haben als Trennendes.
Wer wird gesellschaftlich als mehrsprachig geschätzt?
Als wir in England lebten, haben mein Mann und ich untereinander immer Deutsch gesprochen. Auch in der Öffentlichkeit. Das war höchstens dann problematisch, wenn die deutsche Nationalelf der Männer mal wieder im Fußball gewonnen hatte 😉 Ansonsten sind wir nie als unangemessen mehrsprachig angeeckt.
Bilinguale Kinder in Deutschland werden dagegen unterschiedlich wahrgenommen. Hier in Halstenbek gibt es zum Beispiel eine japanische Schule und wenn jemand Japanisch kann, wirkt das beeindruckend. Es wird damit relativ automatisch ein hoher Bildungsgrad assoziiert.
Unter meinen Schüler:innen sind allerdings auch einige, die Türkisch, Arabisch oder Persisch sprechen. Eine Zeitlang habe ich Deutsch als Zweitsprache mit geflüchteten Jugendlichen unterrichtet, und 2023 hat eine meiner Matheschülerinnen Abitur gemacht, die in dritter Generation hier lebt und deren Familie familiär in der Türkei verwurzelt ist.
Diese intelligente junge Frau musste immer wieder gegen Schubladen kämpfen, in die sie gesteckt werden sollte. „Es ist ja auch okay, wenn du später auf dem Bau arbeitest“ war eine dieser Zuschreibungen aus der Grundschulzeit. Ohne Begründung bekam sie schlechte Noten in Deutsch und musste sich für das Abiturzeugnis eine Neubewertung ihrer mündlichen Mitarbeit erstreiten. Sie spricht akzentfrei Deutsch und Englisch und ist um eine Sprache mehrsprachiger als Mitschüler:innen. Trotzdem nahm sich die Deutschlehrerin heraus, willkürlich das eventuelle Erreichen eines Numerus Clausus zu gefährden.
Wenn Kinder die „falschen“ zusätzlichen Sprachen beherrschen, wird das oft nicht als Bilingualität geschätzt, sondern eher als Makel angekreidet. Es wird gefordert, dass diese Kinder zuhause bitteschön Deutsch sprechen sollen. Auch in der Öffentlichkeit und auf dem Pausenhof sind nicht alle Sprachen gleichwertig. Obwohl ich besonders Türkisch und Persisch akustisch wunderschön finde, scheinen diese Sprachen nicht bedeutend genug zu sein, um Kindern und Jugendlichen ihre Identität und Verwurzelung zu lassen. Mir hat mein englisches Umfeld das auch zugestanden.
Mehrsprachige Gerechtigkeit
Ich gönne mir den Luxus, Sprachen zu sammeln und sie als Kaleidoskop aus Gedanken, Begriffen und Geschichten zu genießen. Genauso würde ich mir wünschen, dass die Leistung aller mehrsprachigen Menschen gleichermaßen anerkannt würde. Dass alle Sprachen als bereichernd wahrgenommen würden.
Wenn ich in einem Land lebe, sollte ich dessen Sprache beherrschen, keine Frage. Ich sollte mich problemlos mit Behörden und Mitmenschen verständigen können. Persönlich würde ich auf keinen Fall irgendwohin auswandern, wo ich wüsste, dass ich kein Wort in der Landessprache verstehe. Wer nach mehreren Jahren noch die eigenen Kinder zum Dolmetschen aufs Amt mitnimmt, braucht wirklich noch einen Sprachkurs und etwas mehr Bereitschaft zur Integration.
Und gleichzeitig wünsche ich mir, dass wir uns allen gegenseitig Akzente zugestehen, und diese jeweils auch versuchen, gleich zu werten. Für Geschmäcker kann niemand etwas. Natürlich klingen auch in meinen Ohren nicht alle Sprachen gleich schön. Und gleichzeitig kann ich ein Bewusstsein dafür haben, ob ich reflexhaft anhand eines Akzentes die Intelligenz, Kultur oder Wertigkeit eines Menschen unterschiedlich einschätze. Mit diesem Bewusstsein wäre schon sehr viel Verständigung gewonnen.
Was heißt für dich „mehrsprachig“?
Wie erlebst du mehrsprachige Kommunikation? Findest du die Geschichte der Entwicklung mancher Sprachen auch so spannend? Und ist es dir auch in deiner Umgebung aufgefallen, wie ungleich es uns zugestanden wird, die eigene Muttersprache zu pflegen?
Es ist Zeit für den Monatsrückblick August 24 nach der Anleitung von Judith Peters. Dieses Jahr lagen die Sommerferien in Schleswig-Holstein und Hamburg sehr spät und gingen bis Ende August. Jetzt bin ich neun Jahre Lehrerin gewesen und zehn Jahre als Nachhilfelehrerin tätig, so langsam sickert es ein, dass ich mir am besten nicht für die Ferien alle möglichen Projekte an Haus und Garten vornehme. Es sei denn, ich will mich wieder wundern, dass ich vor lauter Erholung davon kaum etwas abhake.
In der letzten Ferienwoche habe ich tatsächlich neben der Intensivwoche bei den Lerncoaches noch die Teppiche und Polstermöbel nassgereinigt. Das war aber auch das höchste der Gefühle 😀 Zum Glück hatte ich für den August absichtlich nur relativ wenig geplant.
Was hatte ich vor und was ist daraus geworden?
Einen Tagesausflug nach Wacken und zum Elbriot -> Das war ein Genuss und ich bin froh, dass ich jeweils so gut auf mich geachtet habe und jeweils früher als geplant nach Hause gefahren bin.
Mein Deutschlandticket nutzen -> Habe ich gemacht und vor lauter Begeisterung vergessen, das Ding rechtzeitig zu kündigen, daher darf ich auch im September noch mit dem ÖPNV durch die Gegen fahren.
Meine Webseite renovieren -> Ich habe schon mal zur Übung an meiner englischsprachigen Seite (die es jetzt schon gar nicht mehr gibt) ein paar neue Einstellungen ausprobiert, muss aber noch das Ladeverhalten abklopfen.
Es gab zwei Optionen. Entweder hätte ich mal so richtig aufräumen können, oder an so vielen Blogparaden wie möglich teilnehmen. Weil der Garten offenbar warten kann, habe ich mich für das Bloggen entschieden und dabei ganz nebenbei ein paar Dinge über mich heraus gefunden.
Etwas nicht zu wissen, ist für mich gleichzeitig unterschwellig beunruhigend und erfreulich.
Unterm Strich möchte ich zu keiner Gruppe dazugehören, die mich nicht akzeptiert, wie ich im Grunde bin.
Metal im Freien
Eigentlich hatte ich ein Ticket für das komplette WOA-Festival. Inzwischen geht das Programm ja fast eine Woche lang und ich hatte mir eine Unterkunft auf dem Gelände gemietet. Die wartete dort brav auf mich. Weil allerdings das post-COVID noch nicht ganz weg ist, habe ich im Vorlauf auf den Anfang August immer mehr Sorge gehabt, wie ich das alles vom Energiehaushalt her packen sollte.
Kurz vorher habe ich zunächst beschlossen, die Karte verfallen zu lassen. Dann bin ich zur Entscheidung übergegangen, mir einen Tag auszusuchen und dafür mit Bus und Bahn hin und zurück zu fahren. Ich hatte angenommen, dass ich am Bahnhof Itzehoe die Einzige sein würde, die sich noch am Samstag ein Shuttlebändchen holt, allerdings standen dort noch ein paar andere Späteinsteiger:innen 😀
Mit zwei Frauen kam ich schnell ins Gespräch. Die eine wollte ihren Sohn zum 16ten Geburtstag auf dem Festival überraschen und hatte tatsächlich eine Torte im Gepäck. Die andere hatte leider bis inklusive Freitag arbeiten müssen und freute sich darauf, ihre Freundinnen beim Festival zu treffen.
2023 war ich Zuhause geblieben. Ich folgte damit der Bitte der Organisatoren, nicht mehr in das Chaos aus Matsch und Autoschlange anzureisen. Einerseits war das echt traurig, andererseits konnte ich das Ticket auf 2024 übertragen lassen. Entsprechend bin ich mit zwei Jahren Pause und etwas angezählt auf dem heiligen Acker angekommen. Dazu noch ganz alleine. Nach dem Tod meiner langjährigen Wackengefährtin ist es schwierig, andere Menschen aus meinem Umfeld zum Mitkommen zu animieren.
Also dieses Jahr ohne Begleitung. Und es war richtig, richtig schön. Ich habe zum ersten Mal die Wacken Firefighters bewusst und länger gesehen. Das ist schon toll, wie die Metalgemeinde dieses Alterntivprogramm abfeiert. Es gab diverse vegane Angebote und genug Schatten, so dass ich nicht komplett geschmolzen bin. Obendrauf habe ich tolle neue Bands kennen gelernt.
Irgendwann war ich allerdings spontan durch, auch von der Hitze. Da dachte ich mir, ich warte nicht eineinhalb Stunden auf die letzte für mich interessante Band, sondern fahre eher nach Hause. So bin ich mit nicht total leerem Akku und vollem Herzen wieder abgereist. Und habe mir wider besseres Wissen ein Ticket für 2025 zugelegt 😀
Am Wochenende danach stand das Elbriot an. Das ist ein kleineres Metal-Festival mitten in Hamburg. Es geht nur einen Tag und das Gelände ist deutlich kleiner und ohne Camping. Im Vergleich zu Wacken ist das Stehen auf Asphalt nicht ganz so gemütlich, allerdings war das Programm richtig spannend.
Auch hier habe ich auf meinen Körper gehört und die letzten beiden Bands ausfallen lassen. Der einzige extreme Haken an meinem Timing war, dass ich auf der Rückfahrt die rappelvolle S3 mit HSV- und Hertha-Fans teilen durfte. Deren Gesänge waren auch laut, aber sehr unentspannend. Immerhin stiegen sie beim Stadion aus 😀
Der Vorteil an Freiluftmusik ist die gute Belüftung und damit geringere Gefahr, mich nochmal mit irgendwas zu infizieren. Und während ich das schreibe, freue ich mich auf das nächste Konzert von Orphaned Land. Auf den Tickets steht noch das ursprüngliche Datum vom 14.4.22. Hoffen wir, dass die Veranstaltung jetzt nicht schon wieder kurzfristig verschoben wird 😀
Neues aus der Umgebung
Das Deutschlandticket brachte mich unter anderem mit dem Bus nach Kummerfeld. Von dort bin ich die 10 km nach Hause gegangen, und zwar am Wolnysee vorbei. Das letzte Mal sind wir mit dem Fahrrad am westlichen Ufer gefahren. Auf Komoot hatte schon jemand erzählt, dass am Ostufer nur ein Trampelpfad entlang führt, den habe ich mir im August zu Fuß angesehen 🙂
Ich bin extrem froh und dankbar, dass ich trotz niedrigerem Energielevel noch kleine Wanderungen meistern kann. Solange ich mir die Aktivitäten gut einteile, geht es. Und das viele Grün ist einfach gut für die Seele. Außerdem liebe ich es, auf der Karte immer wieder neue Bereiche aufzudecken und mir meine Region zu erlaufen.
Teils schnurgeradeaus
Und teils stehen die Bäume wie Soldaten
Vom Radweg aus nicht sichtbar: Die Mühlenau in Rellingen
Selbst hier in Halstenbek hat Komoot mir einen neuen Pfad gezeigt. Wir wohnen hier im Dezember schon unglaubliche acht Jahre, und es gibt immer noch Überraschungen: Als ich in eine unauffällige Lücke zwischen zwei heckenumringten Grundstücken einbog, fand ich diese Allee 😍
Jetzt bin ich gespannt, ob ich irgendwann mal dahin komme, dass ich hier alle Wege kenne. Hoffentlich dauert das noch eine Weile!
Erntezeit
Seit 2020 habe ich einen Teil unseres Gartens zum Gemüseanbau umgewidmet. Das Unternehmen hat zwei Haken: Meinen schwarzen Daumen und die Schnecken. Letztere haben mir wieder alle Sonnenblumen, Kürbis- und Zucchinipflanzen geplättet 🙁 Ich dachte, sie hätte auch alle Gurken erwischt, bis ich dieses Exemplar zufällig im Hochbeet entdeckte.
Sie sieht größer aus als sie ist. Ich hatte Snackgurken gesät und die hier war super lecker, leider neben einer noch viel kleineren Schwester die gesamte Ausbeute 😀
Auch die Topfauberginen hatte ich schon aufgegeben. Und dann fand ich plötzlich diese Blüten:
Ob die es noch schaffen, im September Früchte zu entwickeln? Warten wir es ab. Den größten Lacher haben aber die Kichererbsen geliefert. Nachdem ich probehalber ungefähr 15 Kichererbsen verbuddelt hatte und es zwischenzeitlich so aussah, als käme davon überhaupt nichts, fielen mir ein paar unbekannte Pflanzen ins Auge.
Im Bild zu sehen ist zwei Drittel der Kichererbsenernte. Von der einen werde ich ein Curry machen, die andere ist für ein Hummus eingeplant und die dritte Kichererbse lasse ich noch ein bisschen die Spätsommersonne genießen 😀
Sylvia Tornau hat mich mit ihren Gedanken zum Loslassen sehr abgeholt. Damit, dass sie sich zunächst geärgert hat, dass andere sie zum Vergeben aufforderten, dass sie Unrecht erfahren hat und dann auch noch die Arbeit zur Klärung übernehmen sollte.
Auf ihre eigene Weise fand sie schließlich Befreiung. Ihre ausdauernde Beschäftigung mit dem Konflikt, ihrem Verhältnis zum Vergeben, zum Akzeptieren und zu sich selbst liest sich sehr ermutigend und ermächtigend.
„Für mich steht fest, wenn die Täter:innen Vergebung brauchen, dann ist mein Rat für sie: Gib sie dir selbst. Ich stehe nicht länger für dich zur Verfügung.“
Sylvia Tornau
Diese Worte haben mich motiviert, meinen eigenen Blogparadenbeitrag zu schreiben. Auch für mich ist Loslassen nicht etwas, das von mir eingefordert werden kann. Sondern etwas, das ich zu meiner Zeit und zu meinen Bedingungen mache, um mich zu entlasten.
Rasmus Klump
Im Juli haben wir uns die Pixi-Ausstellung angesehen. Dort habe ich ganz entzückt gelernt, dass Petzi eigentlich ein dänischer Bär ist. Nach einem nicht allzu langen Tanz um die Entscheidung herum habe ich bei einem dänischen Versand für gebrauchte Bücher ein paar Bände bestellt.
Sie sind genauso witzig, wie ich sie in Erinnerung hatte. Ich finde es im Nachhinein spannend, dass ich als Kind von skandinavischem Humor geprägt wurde. Petzi und seine Freunde bestehen zwar den Bechdel-Test nicht, aber die Geschichten an sich sind furchtlos, abenteuerlich, anarchisch und liebevoll. Und es berührt mich ganz tief in meinen Erinnerungen, wenn ich mir alleine die Bilder ansehe.
Dann habe ich noch mit Freude gemerkt, dass ich die Texte glatt durchlesen kann. Es sind sicherlich ein paar altmodische Phrasen dabei, aber vieles kam mir auch von Duolingo sehr bekannt vor. Auch ein paar neue Vokabeln konnte ich mir aus dem Kontext neu erschließen. Große Empfehlung zum Sprachenlernen!
Was habe ich im August 24 gehört?
Trevor Noah trifft Adam Grant
In einer Folge von „What Now?“ unterhalten sich Trevor und Adam über Werte, Vorurteile und Polarisierungen. Hauptsächlich beziehen sie sich dabei auf die politische Lage in den USA. Und gleichzeitig ist das, was sie sagen, für mich eine wertvolle Wiederholung. Adam Grant ist Organisationspsychologe. Auf Instagram teilte er ein paar Ausschnitte aus dieser Podcastepisode.
Es geht unter anderem auch darum, wie Menschen sich verändern. Wie wir damit umgehen können, wenn wir uns wünschen, andere Menschen würden sich ändern. Was uns verbindet, und in welchen Situationen wir gesundes Konfliktverhalten trainieren sollten, um in der Krise weniger destruktiv und konfrontativ aufzutreten.
Ich werde mir dieses Folge auf jeden Fall noch einmal anhören, um die wichtigsten Punkte zu vertiefen.
Eine Aufregerfolge von Talk ohne Gast
Till Reiners und Moritz Neumeier liefern oft heiteren Quatsch. Zumindest auf den ersten Blick. Der ideale Podcast also für den Fußweg zum Unterrichten. Bei dieser Folge habe ich allerdings aufgehorcht.
Sie steigen mit drei „Aufregern“ ein. Zuerst mit der Breakdancerin, die nach den Olympischen Spielen mit Häme und Wut überschüttet wurde. Ich habe ihren Auftritt nicht einmal gesehen und kann trotzdem Till und Moritz verstehen: Es ist faszinierend, was es in Menschen für Wut auslöst, wenn jemand sich nicht an Erwartungen hält. Und welche Energien das freisetzt.
„Und die denken: Ich muss jetzt nachträglich diese Person shamen, damit die sich endlich so schämt, wie ich denke, dass man sich schämen sollte.“
Till Reiners
Ein zweites Thema ist eine Umfrage der pronova BKK. Danach sagen 32% der Befragten, mehrgewichtige Menschen sollten nicht in Badekleidung an die Öffentlichkeit gehen. Die Zahlen zum Thema Beautyfilter in den Sozialen Medien sind noch erschütternder.
„Man muss irgendwann wenigstens von dem Punkt weg, dass man sich überlegt: Ah okay, ich fühle mich manchmal unwohl, vielleicht hilft es, wenn ich einen anderen Menschen dazu bringe, sich noch unwohler zu fühlen, vielleicht ist das dann besser. Nee, das bringe ich meinen Kindern gerade bei, dass das nicht funktioniert. Hör auf damit.“
Moritz Neumeier
Es könnte ja alles so schön sein. Wenn wir uns mal etwas entspannen und unsere Prioritäten sortieren könnten.
Der dritte Aufreger dreht sich um El Hotzo und seinen Spruch zum Attentat auf Trump. Was mich daran besonders beschäftigt hat, war die Aussicht, dass ein undemokratischer Ministerpräsident, sollte er erstmal demokratisch gewählt worden sein, von einem Tag auf den anderen den Rundfunkvertrag aufkündigen könnte. Nicht, dass ich alle öffentlich rechtlichen Medien in allen Belangen für ideal halte. Aber das ist ein weiterer Anlass, der politischen Strömung Richtung Demokratieabbau entgegen zu stehen.
Großen Dank an Till, Moritz und den RBB an dieser Stelle für diese erfrischende Aufregung! Und dafür, dass im Anschluss eine große Portion Leichtherzigkeit in Form von Tipps zur Gestaltung eines Kindergeburtstages folgt.
Mein Monatsrückblick Juni/Juli 24: Es war durch die Abivorbereitungen so viel los, dass ich wieder zwei Monate zusammengelegt habe. Mein Bericht darüber, was ich erlebt und gelernt habe.
Echt krass? Ja wirklich! Und das sage nicht nur ich. Hier erfährst du, was mir mein neuer Claim bedeutet und wie ich darauf kam.
Blogparadensommer
In diesen Sommerferien bin ich sehr in der Teilnahme an Blogparaden aufgegangen. Die Content Society bot dieses Jahr über 100 Themen an und die Optionen waren Bloggen oder lange aufgeschobene Vorhaben in Haus und Garten zu erledigen 😉
Warum gibt es Streit um Sprache? Wie können wir mit einem differenzierten Blick auf die Thematik von einer Metaebene aus eine Haltung finden, die unterschiedlichen Bedürfnissen gerecht wird? Nicole Isermanns Blogparade #BlogparadeStreitfallSprache
Wie weit entferne ich mich von mir selbst, wenn ich dazugehören will? Unter welchen Umständen werde ich so akzeptiert, wie ich bin? Iris Wangermanns Blogparade #ZugehörigFühlen.
Ich nehme dich mit auf eine Zeitreise und erzähle dir, was ich schon alles mit meinen Haaren angestellt habe. Und wie ich zu einem Zustand der Entspannung gefunden habe. Eine Blogparade von Susanne Lins unter #frisurenhistorie
Stolz, was bedeutet das für mich? Mein Beitrag zu einer besonders herausfordernden Aufgabe. Sind mir wirklich 100 Punkte eingefallen? Hier findest du es heraus 🙂 Lorena Hoormanns Blogparade #DaraufBinIchStolzListicle
Eigentlich wollte ich schon lange ein Wörterbuch Mathe-Deutsch schreiben. Was hält mich eigentlich davon ab? Und wer könnte wie davon profitieren? Eva Heers Blogparade #MeinSachbuch2024
Der letzte Blogparadenbeitrag im August 24 dreht sich um die Freude am Nichtwissen. Obwohl ich so eine begeisterte lebenslange Lernerin bin, bin ich mir bewusst, was ich alles nicht weiß und warum das auch gut so ist.
Und was war sonst noch los?
Ich bin richtig stolz darauf, dass ich es geschafft habe, Schwimmen zu gehen.
Dieser Sommer hat alles geboten. Zwischenzeitlich hatten wir eine Luftfeuchtigkeit von 82% im Wohnzimmer 🥵
Die Blindschleiche lag gemütlich in der Sonne, leider mitten auf dem Weg. Kurz nach dem Photo kamen zwei Menschen auf dem Rad und die Schleiche hat sich geschlichen, also nicht für eine Version mit besserem Fokus still gehalten 😀
Das große Sommermysterium: Diese Schuhe lagen bei uns abends auf dem Wendehammer. Auch mehrmaliges Posten in der WhatsApp-Gruppe der Straße hat nichts geholfen. Wenn mein Kind barfuß nach Hause kommt, fällt das nicht auf? 😆
Die Zahnsaga geht weiter. Lilly muss für die OP erst fit gemacht werden, aktuell stellen wir ihre Schilddrüse ein. Hoffentlich sind bei der nächsten Untersuchung auch ihre Nierenwerte okay, damit endlich die kaputten Zähne gezogen werden können.
Pünktlich am 31.8. war es soweit: Die neueste Schnapszahl bei meinem Duolingostreak 😀
Monatsrückblick in Zahlen
Ohne den Monatsrückblick, den ich eigentlich schon am 31.07. veröffentlicht habe, komme ich auf 14114 gebloggte Wörter. Mit dem Rückblick kämen noch einmal 3316 Wörter dazu 😆
Die Schrittzähler-App zeigte Ende August einen Stand von 220311, das sind ca 7100 Schritte pro Tag. Danke, Deutschlandticket!
Die PV-Anlage hat im August 24 866 kWh geliefert, dabei haben wir 361 kWh verbraucht. Unterm Strich lag der Autarkiegrad bei 88% 🙂
Eigentlich hatte ich Claudia Kielmanns Blogparade gar nicht auf der Liste. Und dann hat mich Sylvia Tornaus Beitrag so berührt, dass mich das Thema nicht mehr losgelassen hat. Andere Menschen hatten ihr im Zusammenhang mit einem Konflikt vorgehalten, dass sie „vergeben müsse“. Ihre unmittelbare Reaktion darauf kann ich so gut nachfühlen:
„Ich hatte doch den Schaden und jetzt sollte ich auch noch die Arbeit leisten, denen, die mir schadeten, zu vergeben?“
Sylvia Tornau
Genau das empfinde ich auch als anstrengend. Wenn Außenstehende es gut meinen und zur Vergebung raten, diese als entscheidenden Schritt zur Heilung und zum Loslassen präsentieren. Ist es das, was mit Loslassen gemeint ist?
Was
Allgemein
Da geht es schon kompliziert los. Es gibt eine Reihe von Dingen, Personen, Gefühlen, Wünschen oder Glaubensätzen, die wir loslassen können. Alleine die Vorstellung davon, was Loslassen eigentlich ist, scheint mir individuell zu sein.
Für Kinder läuft es noch darauf hinaus, die Hand der Eltern loszulassen, wenn sie alleine laufen, Fahrrad fahren oder schwimmen lernen. Sich nicht mehr festhalten zu lassen hat etwas von der Gewissheit, sich aus eigener Kraft halten zu können.
Bei Erwachsenen geht es manchmal auch um das Bedürfnis nach Halt und Sicherheit. Wir halten uns an liebgewonnenen Gegenständen und Gewohnheiten fest, weil wir uns oder der Welt nicht so recht über den Weg trauen und die Veränderung scheuen. Nicht umsonst gibt es stapelweise Ratgeber zum äußeren Entrümpeln für innerliche Aufgeräumtheit.
Oft halten wir aber an Bitterkeit fest. An der Erinnerung daran, was jemand mit uns gemacht hat. Oder an das, was wir zugelassen haben.
Persönlich
Gerade letzte Nacht träumte ich unerwartet von einem Mitschüler. Vor vielen Jahren hat er mir mal im Physikunterricht einen abwertenden Spruch verpasst. Anscheinend beschäftigt mein Unterbewusstsein das noch immer, obwohl ich diesen Menschen seit Ewigkeiten nicht mehr gesehen habe.
Aus meiner Zeit als Lehrerin trage ich Erinnerungen mit mir. Vieles davon war sehr bereichernd. Und einiges davon hat mir den Schulalltag so vergiftet, dass ich gekündigt habe, um mir keinen Panzer zulegen zu müssen.
Es betrifft auch Menschen, die mir näher stehen. Von denen würde ich mir wünschen, dass sie erstens realisieren, wie sich ihr Verhalten auf mich als Kind ausgewirkt hat. Und dass sie mir sagen, dass es ihnen leid tut. Das sind gar nicht immer dramatische Erlebnisse gewesen, teils aber arbeite ich noch heute daran. Besonders dann, wenn diese Menschen Teil meines Lebens sind und ich daran nicht grundlegend etwas ändern möchte.
Um auf Sylvia Tornaus Zitat zurück zu kommen: Mir geht es nicht um Vergebung. Meine Priorität ist beim Loslassen nicht die Wiederherstellung der Beziehung zu einem anderen Menschen, sondern meine eigene Entlastung. Wenn ich durch diese Erleichterung mit der anderen Person wieder besser in Kontakt treten kann, ist das ein positiver Nebeneffekt. Es kann auch sein, dass ich bei der Gelegenheit auch die Person mit loslasse. In manchen Fällen ist das für mich die beste und gesündeste Lösung.
Warum
Wir können Freiheit und Raum für Neues gewinnen, wenn wir Dinge und Verhaltensweisen loslassen, die nicht mehr in unser Leben passen oder uns von einer Weiterentwicklung abhalten.
Beim Loslassen von Bitterkeit ist der Effekt noch heilsamer. Das folgende Zitat wird einer Reihe von Menschen zugeschrieben:
„Holding a grudge is like drinking poison and expecting the other person to die.“
Besonders bei ehemaligen Schülern merke ich diesen Effekt deutlich. Ein paar Einzelpersonen hatten wohl das Bedürfnis, ihre eigene Unzufriedenheit bei mir loszuwerden, auch eine Form des Loslassens. Wenn ich mich heute an diese Erlebnisse erinnere und daran, wie Kolleg:innen mich damit hängen ließen, bin ich die Einzige, die das herunter zieht. Ich gehe nicht davon aus, dass meine nachträgliche Wut und meine Träume bei diesen Menschen irgendetwas auslösen. Da habe ich also die Wahl, die Giftflasche wieder wegzustellen, oder doch nochmal einen Schluck daraus zu trinken.
Genauso ist die ewige Hoffnung auf ein Einsehen und eine Bitte um Entschuldigung von mir wichtigen Menschen. Wenn das bisher bei ansonsten besten Absichten nicht passiert ist, dann fehlt es ganz offensichtlich an der Kapazität dazu. Welche Gründe sie auch immer haben, ich bin diejenige, die das Festhalten an diesem Wunsch umtreibt. Ich erreiche damit nichts außer meiner eigenen schlechten Laune und einer Hinderung meiner eigenen persönlichen Entwicklung.
Festhalten sowohl an alten Verhaltensweisen als auch an Bitterkeit ist rückwärtsgewandt. Das Leben verläuft in Richtung Zukunft. Das muss mir bei meiner Entscheidung für oder gegen das Loslassen bewusst sein.
Und wenn ich mich aus Verstrickungen löse, kann ich dabei das Neinsagen üben. Wenn ich dabei meine Grenzen kennenlerne und stabilisiere, halte ich meine eigene Hand und sage zu mir selbst immer mehr Ja.
Wann
Das Loslassen hat wieder mal viel Gleichzeitigkeit. Aus meiner Sicht kommt der impuls dafür von innen. Als Außenstehende kann ich mir noch so sehr wünschen, dass jemand aufhört, sich an tragische Erinnerungen zu klammern, oder dass diese Person realisiert, wie viele Möglichkeiten ihr offen stehen, wenn sie sich bewusst der Zukunft zuwendet. Ratschläge zum Loslassen und zur Vergebung sind oft gut gemeint aber eher nicht gut gemacht.
Ein Kind lässt dann die Hände der Eltern los, wenn es innerlich genug eigene Stabilität und Zuversicht hat. Dann wird es vielleicht noch einige Male fallen, und dabei im Ideal immer mehr ein Gefühl für den richtigen Moment zum Loslassen entwickeln.
Ist es nicht interessant, wie viele von uns das als Erwachsene verlernt haben? Wie unsere rationalen Anteile wissen, dass wir die Fähigkeit zum nächsten Schritt haben, andere Teile in uns sich danach sehnen. Und wie sich oft diejenigen Anteile durchsetzen, die einfach Angst vor dem Ungewissen haben?
Hier wird es paradox: Die Angst steht dem Loslassen im Weg. Gleichzeitig realisieren auch die ängstlichsten Persönlichkeitsanteile erst im Moment des Loslassens, dass ich schon lange die nötige Stabilität und Kompetenz zum nächsten Schritt hatte. Oder dass die Freiheit genau das war, was dem ganzen Team gefehlt hat. Das das Alte eigentlich gar nicht mehr getragen hat, dass die Halteseile eigentlich Illusion waren.
Ein bisschen muss ich mich also am eigenen Schlafittchen aus dem manchmal selbst veranstalteten Morast ziehen. Oder wie Sylvia es sagt, ich habe zuerst den Schaden und dann noch die Arbeit des Reparierens. Es wäre in mancher Beziehung schön, wenn wir Menschen einfacher gestrickt wären. Und dann wären wir nicht mehr die, die wir sind 😉
Wie
Theoretisch
Auch wenn es paradox ist, ist es möglich. Das zeigt uns die Erfahrung und die Anschauung bei vielen Menschen um uns herum. Wenn wirklich der richtige Moment gekommen ist, können wir loslassen.
„And the day came when the risk to remain tight in a bud was more painful than the risk it took to blossom.“
Anais Nïn
Was wir brauchen ist Vertrauen. In uns selbst, in den Prozess und in Menschen, die hoffentlich bei uns sind und uns den Raum zum Loslassen geben und halten.
Außerdem ist Loslassen oft keine einmalige Veranstaltung. Manches, von dem wir glauben, es hinter uns gelassen zu haben, taucht wieder auf. Und sei es nur in Träumen vom Physikunterricht vor diversen Jahrzehnten. Die gute Nachricht ist: Wir können immer wieder loslassen und jedes Mal eine Schicht des Festhaltens abtragen. Wichtig ist es, dass wir uns nicht selbst unter Druck setzen. Ein bisschen Absichtslosigkeit üben.
Praktisch
Ich persönlich habe schon oft rituell durch Verbrennen losgelassen. Manchmal waren das kleine Stücke Papier, auf die ich etwas geschrieben hatte. Richtig stimmungsvoll und effektiv habe ich es erlebt, wenn ich geleerte Teebeutel als Rolle aufgestellt und oben angezündet habe. Die steigen dann beim Abbrennen auf wie jedenfalls bei mir im Kindergarten die Krepppapierrakete zum Geburtstag. Es eignen sich nicht alle Teebeutelsorten gleichermaßen, vorher würde ich einen nichtrituellen Funktionstest machen 😉
Mein Wunsch nach Verständnis und nach der Bitte um Entschuldigung scheint sich aktuell tatsächlich aufzulösen. Erstens durch die Eskalation eines Streites im Januar, der sich im Nachhinein großenteils als Ansammlung von Missverständnissen herausstellte. Plus für mich der Beleuchtung des alten Grolls. Zu er Zeit kam ich mit meinem Festhalten an einem Punkt an, an dem es einfach nicht mehr tragbar war.
Zweitens habe ich inzwischen realisiert, dass das Verhalten, das ich mir wünsche, von der betreffenden Person nicht zu erwarten ist. Und das sage ich nicht im Groll, sondern neutral beobachtend. Weil ich in der Bilanz nicht die ganze Person loslassen will, werde ich für mich einen Weg finden, der kleinen Angela das zu geben, was sie gebraucht hätte, um im Heute sicherer und beziehungsfähiger zu sein.
Wie hältst du es mit dem Loslassen?
Was ist für dich überhaupt Loslassen? Wie hängt es, falls überhaupt, mit Vergebung zusammen? Hast du praktische Empfehlungen zum effektiven Loslassen? Ich bin immer offen für neue Möglichkeiten und Ansichten zum Thema 🙂
Es gibt zum Wissen auffallend viele Sprüche. Was ich nicht weiß, macht mich zum Beispiel angeblich nicht heiß. Insgesamt ist das Thema (Nicht)-Wissen erfrischend paradox. Daher hatte ich Susanne Wagners Blogparade zum Nicht-Wissen auch mit auf dem Entwürfestapel 🙂
Die Macht und das Universum
Die Welt ist unfassbar groß. So liegt es in der Natur der Sache, dass anteilsmäßig das überwiegt, was wir nicht wissen. Vieles werden wir sogar niemals wissen können. Das wenige, was wir dann allerdings doch herausgefunden haben, oder wenigstens glauben zu wissen, verleiht uns, tatsächlich oder scheinbar, Einfluss und Kontrolle. Über Situationen, die Natur, uns oder andere Menschen.
In meiner Wortwahl zeichnet es sich schon ab: Dieses Gefühl vom Informiertsein und der Sicherheit ist gar nicht so selten nur Illusion. Je nach Gemütslage gab und gibt es Menschen, die das Nichtwissen und die Unsicherheit eher locker nehmen:
Wissen ist Macht. Wir wissen nichts. Macht nichts.
Die Spontis wirkten mit ihren Sprüchen unernst, auch wenn deren Bedeutung meist gar nicht so trivial ist. Etwas weniger flapsig wird dieser Gedanke Sokrates zugeschrieben:
Ich weiß, dass ich nicht weiß.
Aus Platon: Apologie des Sokrates
Dabei geht es nicht darum, dass er vor sich her trug, wie ungebildet er im Faktenwissen über die Welt war. Er war sich allerdings mehr als andere um ihn herum darüber bewusst, wie wenig Gewissheit er in eher „weichen“ Fragen um Gut und Böse hatte. Von dieser Haltung könnten wir heutzutage immer noch profitieren.
Wenn wir nicht mehr annehmen, in den meisten Bereichen die ultimative Weisheit erlangt zu haben, können wir mit anderen wieder ganz anders in Beziehung treten.
Und dann stellt sich auch die Frage um Macht ganz anders.
Was ist Wissen überhaupt?
Wie schon angedeutet gibt es unterschiedliche Kategorien von dem, was wir „wissen“ können. Es gibt fundamentale und theoretisch ermittelbare Grundsätze des Universums. Naturwissenschaftliche Erkenntnisse werden selten komplett auf den Kopf gestellt, sondern eher erweitert oder neu angepasst. Aber selbst in Fächern wie der Physik kommt es vor, dass wir feststellen, dass die Dinge anders sind als wir lange Zeit gedacht hatten.
In solchen Situationen zeigt sich die Stärke der wissenschaftlichen Methode. Die Unsicherheit und die Demut vor dem, was ich nicht weiß, ist (im Ideal) im Vorgehen schon mit eingebaut. Grundlegender Baustein der wissenschaftlichen Methode ist die Bereitschaft, bei neuen Ergebnissen, die bisherigen Hypothesen widersprechen, altes „Wissen“ zu verwerfen und neue Hypothesen aufzustellen. Immer mit der Haltung, dass der neue Kenntnisstand nicht auf alle Zeit absolut gelten muss. Und gleichzeitig so konkret und verlässlich, dass wir damit bisherige Beobachtungen erklären können.
Und dann gibt es deutlich unkonkretere Weisheiten, die sich nicht in Zahlen und Formeln ausdrücken lassen. Von denen wir aber oft glauben, über sie sehr genau Bescheid zu wissen. Wie schön ein Musikstück ist. Welche Eigenschaften jemand aus einer bestimmten Personengruppe hat. Wie ich mich in einem gegebenen Zusammenhang zu verhalten habe. Auf welche Weise Menschen ihren Körper zu gestalten haben. Wie die nicht messbare sehr kleine und sehr große Welt strukturiert ist. Was nach dem Tod kommt und wer welchen Plan für uns hat.
Um diese Arten von „Wissen“ gibt und gab es größere und kleinere Meinungsverschiedenheiten. Fast scheint es, als wäre die größere Ungewissheit und die geringere Messbarkeit Anlass dafür, aus diesen Dingen eine besonders große Sicherheit zu ziehen. Oder anders betrachtet könnte die größere Unschärfe erfordern, dass wir umso vehementer an diesem Wissen festhalten.
Wie erlebe ich Nichtwissen?
Mich persönlich motiviert einerseits die riesige Menge Wissen in der Welt. Diese Fakten und Erkenntnisse warten nur darauf, dass ich sie lerne, denn Lernen ist echt krass 😉 Alleine der Prozess, mir Wissen anzueignen, ist für mich erfüllend. Und da draußen ist dieser praktisch unerschöpfliche Vorrat an Wissenswertem. Er steht mir wie eine Art Raum zur Verfügung, damit ich mich darin ausbreite.
Gleichzeitig steckt in der Erfüllung auch die Kehrseite: Ein Gehirn hat nur begrenzte Aufnahmekapazität und ein Leben nur begrenzt Zeit. Ich kann also beim besten Willen niemals alles lernen, geschweige denn wissen. Nicht einmal alles das, was mich interessiert.
In diesem Spannungsfeld treffe ich Entscheidungen. Ich stehe zwischen Wissensbegeisterung, dem Wissen darum, was ich nicht weiß und um meine eigene Begrenztheit. Dabei kann ich nur die Entscheidung treffen, was ich wissen will und wie ich mit meinem Nichtwissen umgehe. Vermutlich wird das Wissen bis zum Ende meines Lebens die Karotte vor meiner Nase sein, und was soll ich sagen? Ich freue mich darüber.
In Gesellschaft anderer ist für mich dagegen das, was ich nicht weiß, oft verunsichernd. Besonders dann, wenn mir gegenüber jemand einen Wissensvorsprung zu haben scheint. In diesem scheinbaren Machtgefälle braucht es von dieser Person nur ein paar Worte und ein Teil meines inneren Teams geht in die innere Konfrontationshaltung. Es kommt dann für meine Stimmung letztlich darauf an, ob ich auf diese Person irgendwie angewiesen bin. Macht vielleicht doch was? Zum Glück gibt es im Team meiner Persönlichkeiten auch diejenigen, die die Sache gelassener sehen.
Was ich nicht weiß als Sprungbrett
In meiner Tätigkeit als Nachhilfelehrerin gehört es zum Alltag, dass jemand sagt, dass er oder sie etwas nicht weiß. Ich bin eine große Freundin von Fragen, egal wie kleinteilig oder auf welchem „Niveau“. Wie soll jemand effektiv lernen, wenn Fragen abgewimmelt werden? Auch das Nichtwissen meiner Schüler:innen sehe ich als Anlass, sie dabei zu begleiten, wenn sie Freude am Lernen erleben.
Manchmal fragen sie mich, wie sie sich vorbereiten sollen, damit sie den kompletten Lernstoff auf Lager haben. Dann wiederhole ich immer wieder, dass es gar nicht möglich ist, sich auf jede Frage vorzubereiten. Und dass das auch gar nicht Ziel der Sache ist, besonders nicht in mündlichen Prüfungen. Sondern, dass es darum geht zu zeigen, dass sie einen Überblick haben, ein grundsätzliches Verständnis vom Fach. Und dass sie in einem Gespräch mit den Prüfer:innen Antworten entwickeln können, die sie vorher nicht automatisiert gelernt hatten. Ganz schön viel Metawissen! Dabei tendieren wir Menschen doch eher dazu, Fakten zu hamstern und uns daraus ein Gefühl der Sicherheit aufzubauen 😉
An der Stelle ergibt sich meine Aufgabe. Ich vermittele nicht nur Fakten, sondern im Rahmen unserer gemeinsamen Möglichkeiten auch die Haltung zum Wissen, zum Nichtwissen und zu uns selbst. Die Erkenntnis, etwas nicht zu wissen, ist dann kein Urteil über die eigenen mangelnden Kompetenzen. Sie ist im besten Fall Motivation, über das jeweilige Fach, über das Leben und über Paradoxien dazu zu lernen.
Alternative Wahrheiten
Ich wünschte, wir Menschen wären uns häufiger über unser Nichtwissen bewusst. Gleichzeitig wünschte ich, mehr Menschen würden sich um mehr konkrete naturwissenschaftliche Kenntnisse bemühen. Als Physik/Chemie-Lehrerin war ich spürbar weniger populär als Sportlehrkräfte. Und das lag nicht nur an meiner Persönlichkeit 😉 NaWi ist traditionell ein bisschen uncooler.
Gerade bei den aktuellen Krisen führen gefühlte Fakten und (noch schlimmer) Fake News dazu, dass wir nicht schnell genug und nicht angemessen handeln. Teils kommen diese Misinformationen von Menschen, die sich einfach nicht gerne ändern möchten, oder die eine grundsätzliche Skepsis gegenüber den etablierten (Natur)Wissenschaften haben.
Teils kommen sie auch als gezielte und wohlüberlegte Desinformation aus Think Tanks der unterschiedlichen Lobbyorganisationen. Wie sollen wir aus dieser verworrenen Lage herauskommen? Was hilft uns, dochh noch das Nötige für eine lebenswerte Zukunft kommender Generationen tun sollen? Da bin ich auch überfragt.
Was ich nicht weiß, ist komplex
Mich hat das Thema dieser Blogparade spontan fasziniert und ich wusste, dass ich darüber schreiben wollte. Bei über hundert Blogparaden musste ich mich beschränken, denn auch dafür ist meine Zeit begrenzt.
Von der Antike bis zur Zeit von Social Media und KI zieht sich der Wunsch nach Wissen wie ein roter Faden durch die Geschichte der Menschheit. Genauso wie das scheinbare Scheitern an dem, was wir aus verschiedenen Gründen nicht wissen können,
Von meinem überschaubaren Alltag als Begleiterin beim Wissenserwerb und als begeisterte Lernerin und Nichtwisserin bis zu meinem Frust über den Umgang mit vorhandenen Daten über akute Krisen erlebe auch ich das Nichtwissen in einem Spannungsfeld zwischen Antrieb und Ärgernis. Am Ende ist es wohl eine weitere Gelegenheit, mein Verhältnis zur Gleichzeitigkeit zu üben 🙂
Wie siehst du das?
Wie ist es für dich, wenn du Dinge nicht weißt oder wenn wir Menschen Wissen ignorieren? Oder wenn wir nur meinen, etwas zu wissen, nur um darauf umso solider zu beharren?
Und ist Wissen nun Macht oder macht es nichts, nichts zu wissen?