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Wintersonnenwende: stilisiertes Bild einer Sonne am Horizont. Sie ist mit weißer Tinte auf schwarzes Papier gemalt worden.

21. Dezember: Wintersonnenwende

Zuversicht in Zeiten größter Dunkelheit

Wir sind der Sommersonnenwende genau gegenüber, ähnliche astronomische Vorgänge laufen jetzt mit umgekehrten Vorzeichen ab: Es ist zwar jetzt besonders lange dunkel, dafür ist die Änderungsrate wieder besonders klein. Diese dunkle Zeit dürfen wir also gefühlt besonders ausgiebig genießen, genau wie die Sonnenstunden zum Sommeranfang. Immer wieder interessant finde ich, dass die Erde aktuell alles andere als besonders weit weg von der Sonne ist.

Die Natur legt sich schlafen

War am 1. November die Stimmung noch eher melancholisch, empfinde ich die Dunkelheit dieser Tage eher als vertraut und beruhigend. Sich bewusst mental mit der Vergänglichkeit auseinander zu setzen, nimmt ihr einen Teil des Schreckens, und in der Natur zeigt sich, dass in manchen Fällen das scheinbare Sterben eigentlich gar kein wirkliches Ende ist. Mein Rhabarber schläft friedlich unter einer Decke aus Laub, meine Sträucher haben allen Ballast in Form von Laub abgeworfen und können jetzt ruhen. Genau wie im Sommer ist jetzt wenig für mich im Garten zu tun, wenn erst einmal alles ordentlich verstaut, zugedeckt oder sonst wie winterfest gemacht worden ist.

Tiere haben im Winter wenig Optionen zur Veränderung ihrer Verhältnisse außer Winterschlaf oder der Reise auf die entgegengesetzte Erdhalbkugel. Für sie ist der Tisch spärlicher gedeckt und das Licht geht je nach Breitengrad nachmittags früh aus. Der Mensch kann eine ganze Menge unternehmen, um sich gerade diese Jahreszeit so richtig schön zu machen. Auch in weniger technologielastigen Zeiten war es schon üblich, zu Beginn des Dezembers, traditionell am 4.12., Zweige von verschiedenen Bäumen zu schneiden, die dann im warmen Haus zu Weihnachten blühten. Und auch eher nicht religiös ausgerichtete Menschen stellen sich noch heute gerne einen Weihnachtsbaum ins Wohnzimmer, eine immergrüne Botschaft an das Unterbewusstsein.

Die Wintersonnenwende als Lichterfest

Mit der Zähmung des Feuers konnten wir uns die Nacht erhellen und tun dies besonders gerne in der Adventszeit. Kerzen, Kaminfeuer, Adventskränze und in neuerer Zeit elektrische Festbeleuchtung sorgen dafür, dass die Dunkelheit zum Hintergrund für besonders stimmungsvolles Licht wird. Wer würde sich schon im Sommer eine Lichterkette in den Vorgarten hängen? Zur Zeit der Konstruktion der Megalithbauten boten die Tage um die Wintersonnenwende sicherlich noch beeindruckendere Schauspiele. Heutzutage macht es das Internet immerhin möglich, von allen Orten der Welt live dabei zu sein. So können wir einen Hauch vom Originaldrama vergangener Zeiten nachempfinden.

Ich persönlich empfinde die Zeit um die Wintersonnenwende als extrem Zuversicht spendend. Nicht nur die Lichter, sondern das ganze Drumherum mit den traditionellen und modernen Liedern, dem Backen, den Gewürzen, dem Kekseknabbern und dem Weihnachtskartenschreiben. Es ist schön, an andere Menschen zu denken und zu merken, dass sie auch an mich denken. Gemeinsames Singen verbindet, sei es in Person oder in besonderen Zeiten als Onlineveranstaltung. Ich habe mit meinem direkten Umfeld abgemacht, dass wir uns nichts mehr schenken. Dennoch finde ich den Brauch der Weihnachtsgeschenke an sich im Grunde wunderschön.

Kitsch und Konsum

Alle diese Traditionen haben natürlich das Potenzial, ins Kitschige, in den Kommerz und Stress zu kippen. Überhöhte Erwartungen sorgen in manchen Familien vorhersehbar für Streit direkt neben dem fröhlich glitzernden Weihnachtsbaum. Es gibt Wettbewerbe, wer als Letztes von Last Christmas getroffen wird. Kein Wunder, dass manche Weihnachten insgesamt milde formuliert skeptisch gegenüber stehen.

Und doch, was wir uns an Gemütlichkeit, Licht und Lebendigkeit zu einer Zeit in unser Leben holen, die gerade das von sich aus nicht bietet, zeigt für mich, wie wir Menschen unsere Hoffnung selbst merklich beeinflussen können. Wir machen quasi unsere Zuversicht selbst. Und das basiert letztlich nicht auf Luftschlössern und Wunschdenken. Denn das Blühen der Zweige genau wie das das Leuchten von Glühdrähten und LEDs folgt letztlich auch wieder nur Naturgesetzen, die wir gezielt für unser Wohlbefinden anwenden.

Und am Ende ist die Botschaft der Wintersonnenwende, dass sich wirklich alles irgendwann wendet. Die längste Nacht ist nur ein Extrem im Kreislauf, genauso wie der längste Tag. Wenn wir es uns mit Lebkuchen und einer Weihnachts-CD bei Kerzenlicht gemütlich machen, dürfen wir garantiert damit rechnen, dass es irgendwann auch draußen wieder heller wird. Die Hoffnung ist nicht unbegründet, was mich jedes Jahr dem Winterbeginn entgegen fiebern lässt.

Wie sieht es bei dir aus?

Wie zeigt sich aktuell die Natur dort, wo Du lebst? Wie hast Du Deinen Garten winterfest gemacht? Wie stehst Du zu den Weihnachtstraditionen Deiner und anderer Regionen? Was gibt Dir Zuversicht und was kannst Du selbst zu Deiner Hoffnung auf hellere Zeiten beitragen? An wen denkst Du gerne und was wurde Dir vielleicht besonders Schönes geschenkt?

Dieser Artikel bezieht sich übrigens auf diesen Hauptblogpost. Im Laufe des Jahres 2020 habe ich für jeden Termin einen weiteren Artikel dazu gefügt. Natürlich geht der Kreislauf weiter und ich werde auch für kommende Jahre Neues hinzufügen. Sei also gespannt auf den 2. Februar!


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