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  • Tee statt Kaffee – Meine Challenge im April 26

    Tee statt Kaffee – Meine Challenge im April 26

    2026 ist für mich das Jahr der Monatschallenges. Dabei ist Astrid Engel mein Vorbild. Von ihr habe ich mir die Idee abgeguckt, in einem überschaubaren Zeitfenster als eine Art Testlabor neue Gewohnheiten auszuprobieren, unverbindlich, übersichtlich und gleichzeitig ernst gemeint. Im April 26 hieß dieses Programm „Tee statt Kaffee trinken“.

    Dieser Beitrag schildert, wie das Projekt gelaufen ist, wie es sich auf mich ausgewirkt hat und welche Lehren ich daraus ziehe.

    Warum wollte ich Tee statt Kaffee trinken?

    Hauptsächlich haben mich Klimagründe zu dieser Aktion motiviert. Ausführlich sind die Hintergründe dazu im Podcast „Was zu retten ist“ zu hören. In Zukunft wird die Klimaerhitzung den Kaffeeanbau auch schwieriger machen. Und Tee hat im Vergleich zum Kaffee eine deutlich bessere Ökobilanz, solange er ohne Milch getrunken wird. Regional geernteter Kräutertee ist natürlich noch ökologisch sinnvoller als schwarzer Tee.

    Gesundheitsaspekte waren für mich nicht ausschlaggebend. Da geht die Berichterstattung so weit auseinander, dass es scheint, als sei Kaffee super ungesund und gleichzeitig Lebenselixir. Also habe ich mich dazu entschieden, dass es mir egal ist, wie schädlich Kaffee ist oder eben nicht.

    Allerdings habe ich hinterfragt, warum ich überhaupt darauf gekommen bin, morgens Kaffee zu trinken. Ursprünglich mochte ich ihn gar nicht mal besonders gerne. Es ist nur so, dass mein Mann morgens mit der Kaffeemühle liebevoll Bohnen mahlt und immer für uns beide eine ganze Kanne fertig gemacht hat.

    Da hat sich die Bequemlichkeit durchgesetzt. So musste ich mich nur an den Tisch setzen und hatte mein warmes Getränk fürs Frühstück fertig vor mir stehen. Ich wollte jetzt mal ausprobieren, ob ich ohne diese Gewohnheit auskommen würde.

    Wie bin ich vorgegangen?

    In meinem Teefach lagen noch einige Tüten mit losem Tee herum. Daher musste ich überhaupt nicht neu einkaufen, nur organisieren, dass ich mich morgens nicht mehr an die Kaffeekanne meines Mannes mit dranhänge.

    Weil ich nicht ewig viele Teebeutel verbrauchen wollte, habe ich mein Edelstahlteesieb wieder in Betrieb genommen. Das habe ich schon lange und es lag Ewigkeiten in einer Schublade herum. Morgens hatte ich jetzt ein paar extra Aktivitäten vor mir:

    • Wasser aufsetzen
    • Teesorte aussuchen
    • nach dem Kochen das Wasser in die Kanne gießen
    • die Tee nicht zu lange ziehen lassen
    • das Teesieb sofort in die Biomüllschüssel leeren und zum Trocknen in einen Becher hängen
    • abends die restlichen getrockneten Teefusseln rauswischen

    Beim Unterrichten wurde mir einmal ein Latte Machiatto angeboten. Den habe ich angenommen und war im Nachhinein zunächst unschlüssig, ob er sich mit meiner Challenge verträgt oder nicht. Am Ende spricht aber nichts gegen Ausnahmen, wobei es trotzdem den Monat über bei diesem einen Kaffee blieb.

    Tee statt Kaffee – Einsichten

    Der Kaffee hat mir vom ersten Tag an nicht gefehlt. Genauso, wie er mich nicht vom Schlafen abhält, macht er mich morgens nicht nennenswert wacher. Auch die Teesorte war unerheblich. Egal ob Mate, Grüntee, Roibosch oder Kräutertee, sie haben mir alle morgens schon geschmeckt und mein Frühstück fühlte sich immer komplett an.

    Ich kam dadurch sogar dazu, jeden Morgen mit einem ganzen Liter Flüssigkeit in den Tag zu starten. Diesen Pluspunkt hatte ich vorher gar nicht einberechnet. Und mit meinem Teevorrat bin ich immer noch nicht durch.

    Genauso unerwartet habe ich mich relativ problemlos in die Tatsache hineingefunden, dass ich morgens selbst für mein Getränk verantwortlich bin. Auch wenn mein Tee manchmal ziemlich spät fertig wird.

    Für Stolperstellen habe ich selbst gesorgt. Wenn ich der frisch mit WAsser befüllten Teekanne den Rücken zudrehe, kommt es leicht vor, dass ich sie erstmal sofort vergesse. Da hat mich mein Mann netterweise oft dran erinnert, dass ich das Teesieb rausnehmen sollte. Wenn ich mal selbst daran gedacht habe, mir einen Alarm zu stellen, war ich echt stolz auf mich.

    Die Teesieb-Routine an sich war nicht so nervig wie befürchtet. Mich stört es sehr, dass die nassen Fusseln erstmal im Sieb kleben. Früher habe ich es dann manchmal zunächst in ein Glas gehängt und dann vergessen. Weil ich es aber am nächsten Morgen wieder verwenden wollte, konnte ich mir nicht leisten, Teereste schimmeln zu lassen.

    Ich bin selbst erstaunt, wie diszipliniert ich diese Routine durchgehalten habe, mit der jeden Morgen das Teesieb leer und einsatzbereit war.

    Was ich außerdem vorher wusste: Dass so ein frisch gekochter Tee heißer ist als Kaffee aus der Kaffeemaschine. Das musste in meine Zeitplanung hinein passen. Und auch da habe ich gestaunt, wie wenig problematisch es war.

    Was ich in den Mai mitnehme

    Diese neue Gewohnheit hat sich nahtlos in meinen Alltag eingefügt. Ich werde also auch weiterhin Tee statt Kaffee zum Frühstück trinken, wenn ich auch bei Nachmittagsgelegenheiten oder im Café schon nochmal wieder einen Cappuchino nehmen würde.

    Auch für andere Tätigkeiten werde ich mir noch konsequenter einen Alarm stellen. Von einer Freundin habe ich mir die Idee abgeschaut, unter anderem ein altes Handy als Timer zu verwenden. Da muss ich noch einen festen Ablageplatz etablieren, am besten in meinem Blickfeld, wenn ich vor dem Wasserkocher stehe, damit ich den Button klicke, bevor ich mich umdrehe.

    Eventuell wird es helfen, wenn ich abends schon eine Teesorte aussuche und in das Teesieb fülle, und den Wasserkocher für den Folgetag mit Wasser versorge. Beibehalten werde ich meine neue Trinkgewohnheit allerdings auf jeden Fall.

    Meine bisherigen Challenges

    „Tee statt Kaffee“ war mein viertes Monatsprojekt. Bisher habe ich

    Was trinkst du morgens?

    Trinkst du morgens Tee oder Kaffee? Oder etwas ganz anderes?

    Was ist deine Motivation hinter deinem Frühstücksgetränk?

    Wenn du darüber bisher nicht nachgedacht hast: Würdest du aus Klimaschutzgründen auch mal eher Tee statt Kaffee trinken?


    Im Mai heißt meine Monatschallenge „Jeden Tag tanzen“. Eigentlich sollte die Tanzpause am Mittag stattfinden, bisher ist sie mir zweimal erst am Abend kurz vorm Schlafengehen eingefallen XD Ich werde Anfang Mai ausführlich berichten.

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  • ToWants für das 2. Quartal 26

    ToWants für das 2. Quartal 26

    Und schon ist der April fast vorbei. Dabei stand Ende März eigentlich an, meine ToWants für das 2. Quartal 26 zu verbloggen. Seit Oktober 23 plane ich so alle drei Monate im Voraus, was ich erleben möchte. Diese Gewohnheit habe ich mir (mal wieder) von Judith Peters abgeguckt, die auf diese Weise das Buch „Das 12-Wochen-Jahr“ in die Blogosphäre übertragen hat.

    Grundsätzlich ist diese Liste für mich keine Verpflichtung. Eher eine Erinnerung daran, was ich mir bewusst gönnen möchte. Sie enthält keine in gute Absichten verkleidete ToDos und keine beruflichen Vorhaben, von denen ich eher das Gefühl habe, dass sie meiner Nachhilfe etwas bringen können, als dass ich sie wirklich wollen würde.

    Was im 1. Quartal 26 liegen blieb

    Manche ToWants stellen sich im Nachhinein als gar nicht so attraktiv heraus. Oder ich bin zeitlich nicht dazu gekommen. Oder ich habe sie schlicht vergessen, trotz der Liste, die ich nebenbei auch immer auf Papier schreibe und bei mir an die Wand hänge. Von Januar bis März 26 waren das diese Punkte:

    • Ich habe weniger für meine Muskeln getan, als ich eigentlich vorhatte.
    • Auch nach der Schneeschmelze habe ich kein Metalkonzert besucht.
    • Zu einer neuen Zentangle-Challenge oder sonstigen Zeichenchallenges bin ich nicht gekommen.
    • Das Messen, wie lange Aktivitäten wirklich dauern, ist zwischenzeitlich etwas im Sande verlaufen.

    Das ist gar nicht so viel. Und spricht dafür, dass ich die ToWants anscheinend passend ausgesucht hatte. Ein willkommener Nebeneffekt dieser Aktion ist es, dass ich immer besser lerne, was ich will und was in meinen Zeit- und Energierahmen reailstisch hinein passt.

    Meine To-Wants für das 2. Quartal 26

    Letztes Mal habe ich noch nach Kategorien sortiert. Heute mache ich lieber wieder Freestyle-Mixmax:

    ToWants 1 bis 10

    1. Ich schwelge einmal am Tag auf Pixelfed in Bildern.
    2. Ich lese jeden Tag einen Blogartikel, lasse allerdings die Vorstellung los, darüber hinaus alles lesen zu können, was mich da draußen interessiert.
    3. Gemeinsam mit meinem inneren Team nehme ich mir jeden Tag neu vor, online-Debatten an mir vorbeiziehen zu lassen als die Zeitverschwendung, die sie sind. (Diesen Punkt übernehme ich aus dem 1. Quartal, weil er mir so gut getan hat)
    4. Schritte auf dem Laufband verbinde ich mit YouTube. Diese Videos würde ich mir sowieso ansehen. So ist die Zeit immerhin noch sportlich genutzt.
    5. Ich versuche, meinem häufigen Bedürfnis nach Snacks auf die Spur zu kommen.
    6. Ich genieße es, dieses Jahr mal nicht lauter kleine Gemüsepflänzchen und Blumen heranzuziehen, nur damit die Schnecken sie später wieder weg mümmeln.
    7. Meinen Dauerkulturen (Spargel, Erdbeeren und Blaubeeren) gucke ich derweil beim Gedeihen zu.
    8. Ich frage mich weiterhin jeden Morgen, ob es etwas gibt, mit dem ich der Zukunftsangela einen Gefallen tun kann.
    9. Nach dem Vorbild von Astrid Engel findet jeden Monat bei mir eine persönliche Challenge statt.
      • Im April trinke ich morgens Tee statt Kaffee.
      • Im Mai tanze ich jeden Tag einmal.
      • Im Juni mache ich jeden Tag Musik.
    10. Meinem Long-COVID rücke ich mit Nikotinpflastern auf den Pelz, dieses Mal konsequent für eine längere Zeit.

    ToWants 11 bis 20

    1. Die Videos zu den Zentangle-Project-Packs nutze ich, um meine Zentangletechnik auszubauen und noch flexibler zu werden.
    2. Für das Projekt52 mache ich mich in meiner Umgebung weiterhin auf Motivsuche.
    3. Den 12tel-Blick führe ich weiter und hoffe auf rege Beteiligung der Schwäne.
    4. Wegen des großen Erfolges gehe ich jeden Monat einmal eine längere Runde zum Spazierwandern. (Ein Dauer-ToWant!)
    5. Aus dem gleichen Grund suche ich mir wieder touristische Ziele in meiner Region heraus und besichtige sie, zum Beispiel:
    6. Im Mai geht es rund um unseren Hochzeitstag für ein paar Tage nach Amrum.
    7. Im Juni sehe ich Madsen im Hamburger Stadtpark.
    8. Mit „Zurück in die Zukunft“ sehe ich zum ersten Mal eins dieser großen Musicals. Bisher war ich dazu nicht so motiviert, aber der Film hat mich seinerzeit schon sehr abgeholt und musikalisch wird das garantiert ein Fest.
    9. Ich besorge mir einen Bibliotheksausweis.
    10. Meine ToWants für das dritte Quartal 26 liste ich schon Ende Juni auf. Jedenfalls ist das der Plan 😉

    Hast du ToWants für 26?

    Das sind sie also, meine zwanzig ToWants für das 2. Quartal 26! Nimmst du dir auch quartalsweise oder in einem anderen Zeitrahmen Aktivitäten vor? Was ist dir dabei wichtig?

    Und hast du auch im Laufe der Zeit so viel über dich, deine Bedürfnisse und deine Motivationsknöpfe gelernt?


    Frühere ToWant-Listen und mehr über das Thema Zielsetzung findest du in der

    Fediverse-Reaktionen
  • 12tel-Blick April 26

    12tel-Blick April 26

    Wo ist der April hingegangen? Immerhin habe ich eine Kombination aus Motivation, freier Zeit und sonnigem Wetter für meinen 12tel-Blick April 26 gefunden. Die Energiedelle aus dem März hat sich etwas in diesen Monat mit hinein geschleppt und ich bin dabei, mich wieder zurückzugrooven.

    Wie funktioniert diese Aktion?

    Eva von VerfuchstUndZugenäht organisiert diese Challenge. Auf ihrem Blog findest du auch eine Erklärung mit Tipps. Ende April wird es dort auch wieder eine Linkliste zum Eintragen geben.

    Es geht darum, einen Ort oder ein Motiv durch das Jahr zu begleiten. Dabei beobachten wir, was sich verändert und was vielleicht auch gleich bleibt, und was das mit unserer Beziehung zu diesem Ort macht. Besonders schön an dieser Stelle finde ich die Beiträge von Sylvia Tornau. Sie zeigt ihren Garten mit einem Apfelbaum darin und schreibt darüber, wie sie mit den Jahreszeiten ihre Wahrnehmung der Szenerie ändert.

    Mein 12tel-Blick April 26

    Ich begleite eine kleine Insel durch das Jahr. Sie liegt im Zentrum eines regionalen Regenrückhaltebeckens. In meinem Beitrag von Januar 26 erzähle ich noch ein bisschen mehr darüber. Dieser Ort liegt auf einer schönen Spazierrunde, weit genug entfernt, dass ich auf dem Weg ordentlich Schritte mache. Und nah genug, dass es kein großes Aufraffen ist.

    Mittlerweile fallen mir vor lauter Frühlingsgrün überall noch Motive auf, die sich genauso eignen. Bisher bin ich allerdings noch wirklich glücklich über meine Wahl für 2026. Beim 12tel-Blick April 26 war sogar einer der zwei Schwäne bereit, sich mit ablichten zu lassen.

    Eine kleine, baumbestandene Insel auf einem See bei Sonnenschein und blauem Himmel. Am Bildrand ragen frisch belaubte Äst hinein, vir der Insel schwimmen, Gänse, Enten und ein Schwan

    Im Januar war das Gebüsch in der rechten unteren Ecke noch leuchtend rot. Inzwischen glaube ich, dass dieser Effekt nur durch die Abendsonne entstand. Das Laub an den Rändern ist jetzt insgesamt dadurch dunkel, dass es unter noch höheren Blätterdächern liegt. Die werfen gründlich Schatten. Ich finde aber den Kontrast zu den hellen Blättern der Bäume auf der Insel wirklich schön.

    Gibt es auch bei dir Orte, die du im Laufe des Jahres immer wieder besuchst und photographierst?


    Weitere kreative Beiträge findest du in meinem Blog in der

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  • Täglich Müll sammeln – Meine Challenge im März 26

    Täglich Müll sammeln – Meine Challenge im März 26

    2026 nehme ich mir jedem Monat eine kleine Challenge vor. Das Prinzip habe ich mir von Astrid Engel abgeguckt. Es geht darum, meine vielen Ideen für neue Gewohnheiten und Vorhaben in die Realität umzusetzen, und zwar in einem überschaubaren und begrenzten Zeitfenster. Eine Art Versuchslabor, um zu sehen, wie mir die jeweilige Aktivität in den Alltag passt. Im März 26 hieß dieses Programm „täglich Müll sammeln“.

    Dieser Beitrag schildert, wie das Projekt gelaufen ist, wie es sich auf mich und meine Umgebung ausgewirkt hat und welche Lehren ich daraus ziehe.

    Warum wollte ich täglich Müll sammeln?

    Eine ähnliche Aktion habe ich schon 2020 durchgeführt. Damals haben mich dazu die vielen Schnipsel und Feuerwerksreste angeregt. Auch dieses Jahr liegen noch jetzt Raketenteile und sonstiger Müll herum, und das geht mir sehr auf die Nerven. Ich lasse meine Augen gerne über das Grünstreifen neben den Wegen streifen, vor allem im Frühling, wenn jeden Tag neue Blümchen auftauchen. Da stört der Müll einfach.

    Wie schon vor sechs Jahren wollte ich die Dinge nicht tatenlos hinnehmen, wie sie sind. Und ich wollte einen Monat lang sehr bewusst dabei vorgehen, ohne mir vorzunehmen, dass ich meine komplette Umgebung restlos aufräumen würde. Dass sich diese Übernahme von Verantwortung für mein eigenes Wohlbefinden auch auf andere Zusammenhänge übertragen lässt, war ein einkalkulierter Nebennutzen für mein Bewusstsein.

    Wie bin ich vorgegangen?

    Die Rahmenbedingungen

    Mein Vorsatz war: „Bei jedem Gang zehn Teile Müll sammeln“. Ich gehe seit meiner Coronainfektion 2023 viele Wege zu Fuß, weil ich zunächst auch gar nicht mehr Fahrrad fahren konnte. Inzwischen ist es für mich normal, zum Unterricht bei Schüler:innen zuhause oder zum Einkaufen zu gehen. Das spart mir den Aufwand, mein Fahrrad anzuschließen und ich mag inzwischen auch die Entschleunigung.

    Ursprünglich hatte ich mir gedacht, dass ich also immer auf dem Weg zum Einkauf oder einem Termin zehn Teile aufsammeln würde. Und dann weitere zehn auf dem Heimweg. Diese eher kleine Zahl war dazu gedacht, mich ein bisschen zu bremsen. Ich kenne mich ja schon ganz gut und bei manchen Aktivitäten neige ich dazu, kein Ende zu finden. Und ich wollte nicht auf meine Einkaufsstrecke eine halbe Stunde zusätzlich drauf satteln.

    Die praktische Umsetzung

    Im Rahmen meiner ersten Aktion 2020 habe ich mir eine Müllzange gekauft. Die spart das ständige Bücken und auch den Kontakt mit unangenehmen Abfallteilen. Zu Beginn des Monats habe ich noch eine Plastiktüte mitgenommen, in die ich den Müll sammeln konnte, und die ich zuhause in unsere Tonne ausgeleert habe. Ursprünglich wollte ich die Ausbeute auch noch jeweils vorher abwiegen. Später habe ich einen kleinen Mülleimer eingesetzt, weil die Tüte doch bei Wind sehr flatterig war.

    Bei meiner Habit-Tracker-App Habitica habe ich die Sammelchallenge als Gewohnheit eingetragen. So gab es jeden Tag eine Handvoll digitales Konfetti, um mich zusätzlich zu motivieren.

    Täglich Müll sammeln – Einsichten

    Das Müllverhalten meiner Mitmenschen

    Hier in Halstenbek sind viele Bereiche wirklich ordentlich. Und dann gibt es Stellen, vor allem bei der S-Bahnstation, die sehen immer grauenhaft aus. Aber auch vor manchen Wohnanlagen liegt so gut wie immer Kram herum. Manchmal Sperrmüll, der offensichtlich nicht angemeldet wurde, weil er wochenlang vor sich hin rottet. Manchmal eine Menge kurioser Kleinteile, unter anderem diese Tonbänder.

    Mir will es nicht in den Kopf, was sich Menschen dabei denken, wenn sie Abfall in die Gegend werfen. Manche Dinge sind vielleicht auch verloren gegangen und weggeweht. Aber andere wurden bewusst zum Teil in Hecken gesteckt. Besonders ärgerlich und unverständlich finde ich Hundehaufenbeutel. An der Stelle ist es mir lieber, die Haufen werden ohne Plastikverpackung liegen gelassen. Insgesamt fand ich eine wilde Mischung von Böllerresten bis Reisenpuzzleteilen.

    Zahlenmäßig mit weitem Abstand am meisten vertreten waren aber Zigarettenkippen. Und da fehlt mir jedes Verständnis, warum so viele Raucher:innen meinen, der Planet Erde sei ihr persönlicher Aschenbecher. Wenn sie Bestandteile aus dem Rauch herausfiltern, die sie nicht in der Lunge haben möchten, ist es nicht sonderlich logisch, sie in Gullys zu stecken oder in die Gegend zu schnippen, wo sie dann ihre Schwermetalle und Mikroplastik freisetzen und eventuell von Tieren aufgenommen werden.

    Die Kippen waren auch die Müllfraktion, die am schnellsten neu wieder auftauchte. Ich bin generell keine Freundin von Zigarettenrauch und dieser Teil der Monatschallenge hat nicht geholfen, mich entspannter zu stimmen. Wer denkt, diese Filter seien ja im Grunde organischer Abfall, kann sie gerne auf dem heimischen Kompost unterbringen. Merkwürdig, dass das niemand zu machen scheint.

    Gemeinsames Müllsammeln

    Jedes Jahr gibt es hier im März eine gemeinschaftliche Aufräumaktion von der Gemeinde. Bisher habe ich diese einfach immer verpasst. Dieses Jahr habe ich nachgedacht, ob ich nicht doch auch mit anderen zusammen Müll sammeln will. Letztlich bin ich dann aber doch alleine mit meiner Zange losgezogen. Erstens, weil mir die Uhrzeit nicht gepasst hat, zweitens, weil ich wirklich lieber alleine aufräume.

    Es ist super, dass es jedes Jahr solche Aktionen gibt, die Menschen miteinander verbinden und dafür sorgen, dass der gröbste Dreck wegkommt. Und gleichzeitig möchte ich hinterher weder einen Snack noch einen Schnack haben. Das ist vielleicht auch einer der Gründe, aus denen ich mich immer noch nicht der lokalen Klimagruppe angeschlossen habe, noch ein Lerneffekt für mich.

    Unerwartete Anerkennung

    Mir ist das schon 2020 passiert: Während des Aufräumens fragte mich schon damals jemand, was ich denn „Schönes“ sammele. Auch dieses Jahr wurde ich ein paarmal angesprochen. Diese Personen haben sich bei mir bedankt und gesagt, das müssten eigentlich viel mehr Menschen machen. Das sehe ich natürlich genauso. Interessant fand ich, dass diese Anerkennung nur von Frauen kam, die sich offensichtlich über meine Aktivitäten freuten.

    Dass mich jemand anspricht, war von mir gar nicht beabsichtigt oder eingeplant. Was ich allerdings schon schön fände: Wenn sich durch mich jemand inspiriert fühlt, auch mal ein paar Schnipsel aufzuheben und in den nächsten Mülleimer zu werfen. Wenn mehr von uns das machten, sähe es da draußen deutlich anders aus. Groß unterhalten wollte ich mich gar nicht darüber, was ich da mache. Gefreut habe ich mich aber über die netten Worte schon.

    Organisation ist alles

    An manchen Tagen habe ich viel gesammelt, an anderen gar nichts. Woran lag das? Manchmal war ich spät dran zu einem Schüler und hatte dann nicht mehr die Muße für Nebentätigkeiten auf dem Weg. An anderen Tagen hat es geregnet und auf nassen Müll hatte ich keine Lust.

    Es kam auch vor, dass ich einen halben Kilometer gegangen war, bevor mir auffiel, dass ich meine Zange und Tüte vergessen hatte. Und zu manchen Gelegenheiten wollte ich die Ausrüstung auch nicht mitbringen. Also habe ich zum Ausgleich an anderen Tagen mehr gesammelt.

    Zwischen Sisiphus und Selbstwirksamkeit

    Wie bei meiner ersten Aktion fiel mir der Abfall noch viel deutlicher auf. Dadurch nahm ich ihn in der Menge wohl auch stärker wahr. Es war gleichzeitig befriedigend und frustrierend, diese Schnipsel zu beseitigen. Denn meine zwanzig Teile sind ja wie ein Tropfen im Ozean. Und gleichzeitig lagen diese zwanzig Kippen nicht mehr in der Gegend.

    Auch in anderen Zusammenhängen ist es ähnlich. Ich kann an vielen Situationen nur begrenzt etwas ändern. Aber meinen kleinen Teil kann ich beitragen. Davon ändert sich zwar das große Ganze nur wenig. Allerdings hilft es meinem Gefühl mir selbst gegenüber ziemlich weiter. Es geht mir besser, wenn ich nicht apathisch auf die Lage gucke und mich dazu verleiten lasse, gar nichts zu tun, nur weil die Mehrheit sich entscheidet, Probleme zu ignorieren.

    Andere Menschen kann ich nicht ändern. Ich kann Steinchen ins Wasser werfen und dann abwarten, was passiert. Im Grunde geht es um die klassische Mischung aus Gelassenheit und Entschlossenheit. Für mich ist diese Lektion eine, die ich regelmäßig wiederholen muss, damit sie einsickert. Daher weiß ich jetzt schon, dass ich auch im März 27 gezielt Müll sammeln werde.

    Was ich in den April mitnehme

    Ich habe auch jetzt noch einen bewussteren Blick auf die herumliegenden Schnipsel. Trotzdem bin ich seit Ende März nicht mehr mit der Müllzange losgezogen. Es kann gut sein, dass ich mal zu einer größeren Sammelrunde aufbrechen werde. Aber erstmal nicht mehr auf dem Weg zu einem Termin. Bei Spaziergängen im Wald habe ich aber schon die eine oder andere einsame Kippe aufgehoben und bis zum nächsten Mülleimer getragen.

    Die Notwendigkeit, sowohl gelassener als auch entschlossener zu werden, nehme ich auch für andere Zusammenhänge sehr bewusst mit.

    Meine bisherigen Challenges

    „Täglich Müll sammeln“ war mein drittes Monatsprojekt. Bisher habe ich im Januar meine Vorratsregale und -schubladen durchforstet und Lebensmittel aufgebraucht, damit sie nicht schlecht werden. Im Februar habe ich mich jeden Tag sportlich betätigt.

    Was ist deine Haltung zum Thema „Müll sammeln“?

    Hast du mal an einer Aufräumaktion teilgenommen? Oder hebst du auch gewohnheitsmäßig draußen Schnipsel auf?

    Wie geht es dir damit, wenn du siehst, was andere Menschen achtlos in die Gegend werfen?

    Und wie gehst du damit um, dass du nur einen sehr kleinen Teil der Welt retten kannst?


    Im April heißt meine Monatschallenge „Tee statt Kaffee zum Frühstück“. Bisher läuft dieses Vorhaben echt glatt. Ich werde Anfang Mai ausführlich berichten.

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  • Aprilscherze – Warum ich keine mache

    Aprilscherze – Warum ich keine mache

    Humor ist immer eine persönliche Sache. Vermutlich könnten viele Menschen sich über Dinge, die ich witzig finde, auch nicht so dauerhaft ausschütten vor Lachen wie ich. Im Gegenzug stehe ich jedes Jahr am 1. April auf dem Schlauch, warum es so notwendig ist, Menschen zum Scherz auf eine falsche Fährte zu locken. Aprilscherze sind aus meiner Sicht einfach merkwürdig.

    Gute Scherze, fiese Scherze

    Bei einer kurzen Internetrecherche fand ich ausgerechnet auf Studyflix eine Liste mit Ideen für Aprilscherze. Unter anderem schlägt diese Bildungsseite vor, rohe Pasta unter die Klobrille zu legen, damit Mitwohnende denken, sie hätten beim Hinsetzen etwas zerbrochen. Oder Lebensmittelfarbe in der Zahncremetube unterzubringen, um mal eine „andere Zahnfarbe“ zu erreichen.

    Hier geht es darum, auf Kosten einer anderen Person zu lachen. Und wenn jemand sich wirklich zwischenzeitlich schlecht fühlt, bin ich tatsächlich sehr gerne die Spaßbremse.

    Alternativ kündigen Firmen am 1. April gerne neue Produkte an, ohne dass es diese wirklich je geben würde. Es wurde auch schon über Dinge wie die Spaghetti-Ernte berichtet. In diesen Fällen hat wenigstens niemand zwischenzeitlich Sorge, zum Beispiel etwas kaputt gemacht zu haben. Gleichzeitig steckt auch hier die Absicht dahinter, jemanden anlasslos hereinzulegen.

    Wenn solche Aprilscherze wenigstens schnell aufgeklärt werden, erkenne ich darin schon auch das freundschaftliche Necken, als das sie gemeint ist. Manche Geschichten sind auch wirklich relativ originell. Trotzdem verfehlt das alles irgendwie meine Art von Humor und meine Haltung. Alleine das „April, April!“ finde ich sonderbar.

    Dem Comedian John Oliver gehen Aprilscherze unter anderem gegen seine Berufsehre:

    „Day April Fool’s Day is to comedy as St Patrick’s Day is to Irish culture.“

    John Oliver

    John Oliver ist auch kein Fan von Streichen oder auf Englisch „pranks“:

    „You trusted me and I betrayed that trust.

    I betrayed you, isn’t betrayal fun?“

    John Oliver

    Das ist es, was mir so schräg herunter geht. Ich nehme oft Dinge wörtlich und mich nervt das „Hähä!“ nach so einem Scherz noch zusätzlich. Oliver nimmt in diesem Video sogar seinem Publikum den Schwur ab, niemanden in den April zu schicken. Soweit würde ich nicht gehen, aber ich bin auch keine professionelle Witzemacherin. Ich will nur nicht, dass Menschen, die mir etwas bedeuten, mich hops nehmen und auslachen.

    Warum der feste Termin für Aprilscherze?

    Eine überzeugende historische Erklärung für die April-Tradition scheint es nicht zu geben. Nur weil dieses Datum als Geburtstag des Judas Iskariot überliefert ist, muss ich niemandem einen Zettel mit der Aufschrift „Sorry für den Kratzer“ an das Auto kleben. (Noch so ein Studyflix-Tipp.) Und wenn der erste April angeblich ein Unglückstag ist, muss ich ja nicht noch zusätzlich Stress verursachen.

    Überhaupt bin ich nicht überzeugt von der Idee, mir an einem bestimmten Tag im Jahr etwas zu Lachen zu verschaffen. Im Gegenteil, wir haben in den aktuellen Zeiten jede Gelegenheit für entlastenden Humor bitter nötig. Um es mit einem weiteren Profi zu sagen: Ich lasse mir vom Kalender nicht vorschreiben, wann ich Witze machen soll 😉

    So stelle ich mich jedes Jahr auf diesen einen Tag ein, in dem ich tief durchatme und mich freue, dass wenigstens die Menschen in meinem direkten Umfeld mir nicht die Zähne färben wollen.

    Wie sehe ich online-Aprilscherze?

    Das Schöne am Internet ist seine Vielfalt. Wer gerne ein Phantasieprodukt verbloggen will, tut das. Und wer noch ein bisschen zusätzlich Fakenews auf den großen Haufen werfen möchte, hat dazu auch alle Freiheit, inklusive „Hähä!“ hinterher.

    Wer dagegen mit mir gemeinsam die kollektive Hereinlegerei boykottieren möchte, ist dazu genauso herzlich eingeladen.


    Auch bei diesem Thema freue ich mich sehr über alle Kommentare. Wenn dir dieser Beitrag gefallen hat, findest du weitere ähnliche Texte in der

    Fediverse-Reaktionen
  • Projekt52 März 26 – Spiel, Lichtermeer, Entscheidung, Schuh, Dinosaurier

    Projekt52 März 26 – Spiel, Lichtermeer, Entscheidung, Schuh, Dinosaurier

    Das Projekt52 ist eine kreative Gemeinschaftsaktion, organisiert von Sari vom Heldenhaushalt. Auch für Projekt52 März 26 musste ich bei einigen Themen länger nachdenken, wobei auch der abknickende Energiepegel in der zweiten Monatshälfte nicht geholfen hat. Auf der anderen Seite ist für mich einer der Punkte an P52, dass es nicht um die perfekten Bilder geht, sondern darum, mich mit den Prompts auseinander zu setzen, so gut es eben geht.

    Wie funktioniert das Ganze? Jeden Monat lost Sari vier bis fünf Stichworte aus, zu denen dann die Teilnehmenden Beiträge einreichen. 2025 habe ich zu allen Themen jeweils ein Photo in meiner Pixelfed-Collection Projekt52 2025 abgelegt. Dabei ist aber die Umsetzung der Themen in Form von Photos nicht verpflichtend. Wenn dich die Aktion anspricht, kannst du auch Texte oder anders gestaltete Beiträge einreichen.

    Meine Beiträge zum Projekt52 März 26

    Spiel

    Nahaufnahme von einem Domino mit dreieckigen Teilen, auf denen Brüche aufgedruckt sind.

    Was eine Nachhilfelehrerin für hauptsächlich Mathematik eben so spielt: Bruchrechnungsdomino ❤️

    Lichtermeer

    Der Hamburger Containerhafen bei Nacht, in weiß blau und rot glitzernd

    Zunächst war ich etwas deprimiert, dass es an diesem Abend so diesig war. Inzwischen sehe ich das als atmosphärisch, auch wenn der Hamburger Containerhafen hier nicht so gestochen scharf ist.

    Entscheidung

    Alternativ hätte ich die Ruine meines Anzuchtschränkchens abbilden können. Das ist zum wiederholten Mal vor lauter Märzsturm von der Terasse geflogen. Jetzt habe ich beschlossen, es doch nicht mehr zu reparieren, sondern dem Müll zu überlassen. Die vorgelagerte Entscheidung war es, kein vorgezogenes Gemüse mehr in den Garten zu pflanzen.

    Aber so photogen war das Teil wirklich nicht mehr. Stattdessen also dieser Euro, der sich weigert, den Befragenden die Entscheidung abzunehmen.

    Schuh

    Diese Stiefel sollte ich eigentlich viel öfter anziehen. Für DocMartens super gemütlich,

    Dinosaurier

    Dieses Motiv stand schnell fest. Zumal es auch ein schöner Grund war, wieder vegane Dinonuggets zu essen ❤️

    Meine Beiträge für Projekt52 2026

    Das war er also, mein Beitrag zum Projekt52 März 26. Bisher scheint es zu klappen, dass ich wieder auf 52 Beiträge komme, auch wenn es diesen Monat mal wieder spät wurde mit dem Verbloggen.

    Alle Bilder werde ich wieder auf Pixelfed veröffentlichen und sammeln. Wenn du mir auch dort folgst, oder wenn dich das motiviert, auch von Instagram dorthin zu wechseln, würde ich mich sehr freuen!

    Hier sind meine bisherigen Beiträge:

    Ansonsten erscheinen in meinem Blog regelmäßig Beiträge in der

  • 12tel-Blick März 26

    12tel-Blick März 26

    Eigentlich hatte ich gehofft, mein 12tel-Blick März 26 hätte mehr blauen Himmel. Dann kam mir mein Energiemangel dazwischen und spätestens ab der zweiten Monatshälfte brach verfrühtes Aprilwetter aus.

    Immerhin sorgte mein später Phototermin für deutliche grüne Anteile im Bild. Andere Blogs zeigten schon eine ganze Weile blühende Bäume, inzwischen sind die hier auch im Kreis Pinneberg angekommen.

    Das Regenrückhaltebecken Schenefeld im März 26

    Die Wahl meines Motivs gefällt mir immer noch. Auch wenn es gar nicht so leicht war, die Stelle wiederzufinden, an der ich schon im Januar und Februar diese Insel photographiert habe.

    Sie liegt im Zentrum eines regionalen Regenrückhaltebeckens. Als ich dort war, paddelten auch viele Gänse, Enten und das übliche Schwanenpaar auf dem Wasser, leider nicht in Richtung meines Bildausschnittes. In meinem Beitrag von Januar 26 erzähle ich noch ein bisschen mehr über das Rückhaltebecken.

    Ich bin jetzt wirklich in Frühlingsstimmung und freue mich darauf, im April weiter der Natur an diesem zauberhaften über die Schulter zu sehen.

    Wie funktioniert der 12tel-Blick?

    Eva von VerfuchstUndZugenäht organisiert diese Challenge. Auf ihrem Blog findest du auch eine Erklärung mit Tipps. Es gibt dort auch eine Linkliste für den 12tel-Blick März 26.

    Jeden Monat machen wir Bilder von der gleichen Szenerie. Dadurch fokussieren wir uns für diese eine Challenge auf einen Ort, begleiten ihn durch das Jahr und beobachten dabei die allmählichen Veränderungen. Von solchen Photoprojekten war ich schon immer begeistert. am 12tel Blick gefällt mir, dass ich dabei die Orte anderer Menschen und ihre Beziehung dazu kennenlernen darf.

    Ich werde zusätzlich die Collagen auf Pixelfed teilen. Weitere kreative Beiträge findest du in meinem Blog in der

  • Mein Long-COVID – Fortschritte und Frust

    Mein Long-COVID – Fortschritte und Frust

    Im September 2023 steckte ich mich bei einer Schülerin mit SARS-Cov-2 an. Noch nie vorher war ich jemals so krank gewesen wie in den darauf folgenden Tagen. Selbst nach dem negativen Testergebnis zwei Wochen später blieb mir eine bleierne Müdigkeit zurück. Seitdem schleppe ich mich mit Long-COVID herum. Bis Mitte März hatte ich eigentlich den Eindruck, es würde stetig, wenn auch langsam besser. Stattdessen hat sich der Bleimantel wieder über meinen Alltag gelegt, wie auch meinem Blog anzumerken ist.

    Wie Long-COVID bei mir aussieht

    Sehr viele Betroffene haben es deutlich schlimmer als ich. Und wie so oft ist das nur ein mittelmäßiger Trost.

    Ich kann meinem Beruf nachgehen und bin mit Hilfe meiner Habittracker-App so organisiert wie lange nicht in meinem Leben. Und gleichzeitig war ich seit Jahren nicht mehr laufen. Physische Aufgaben wie Heckeschneiden sind auf meiner Wunschliste und trotzdem jenseits meiner Leistungsfähigkeit.

    Mein Leben fand und findet seit dem Herbst 2023 statt zwischen Selbstakzeptanz, Schonhaltung, für mich untypischem Optimismus und Wut auf die Welt.

    Kleine „Wanderungen“ um die 10 Kilometer sind machbar und tauchen deswegen immer in meinen ToWants auf. Mein Gedächtnis ist wieder zuverlässiger, immerhin. 2024 konnte ich Fliedergeruch gar nicht wahrnahmen, 2025 wenigstens zu geschätzt 80%. Wie es in diesem Frühjahr aussehen wird mit mir und dem Flieder, ist abzuwarten.

    Mein Long-COVID fügt sich nahtlos mit Hashimoto und dem typisch bunten Strauß an Menopausensymptomen zusammen. Da ist es nicht einfach, die einzelnen Probleme und Ursachen auseinander zu halten, auch wenn sich meine jetzige Müdigkeit ganz anders anfühlt als eine Schilddrüsenunterfunktion. Und doch scheint es mir, als hätten sich die drei verabredet, mir zehn neue Kilogramm umzulegen. Nicht aus Blei, sondern mein eigenes Körpergewicht.

    Die Fortschritte

    Im Jahr 2025 habe ich mich durch einen Untersuchungsmarathon gequält. Der Vorteil daran war, dass ich jetzt weiß, dass Hirn, Herz und Lunge für mein Alter in Ordnung sind. Immerhin hat dieses Virus, das an so vielen Stellen im Körper Schäden verursachen kann, mir keinen Nebel im Kopf verursacht, was vor meiner Infektion meine größte Angst war. Aber in ein MRT bekommt mich so schnell niemand mehr.

    Mit allen diesen Diagnosen trat ich im August 2025 im UKSH Kiel an. Dort erklärte der Art mir, dass er in meinem Fall davon ausginge, dass ich mich wieder erholen würde. Die gute Seite an einem „leichten“ Fall wie bei mir: Es besteht aus Sicht der Medizin anscheinend kein Interventionsbedarf. Der Haken daran: Seitdem warte ich auf Verbesserung.

    Wobei es mir auch tatsächlich immer besser geht. Wenn auch in so kleinen Schritten, dass ich mich manchmal frage, ob das wirklich Heilung ist oder ein Dran-Gewöhnen. Trotzdem waren der Januar und der Februar 2026 für mich Monate, in denen ich mir fast vorkam wie vor COVID. Fast wie die normale Angela. Erfahrungsberichte über Spontanheilungen nach drei Jahren geben mir extra Hoffnung.

    Im Oktober und November 2025 habe ich auf eigene Faust ausprobiert, ob mir Nikotinpflaster helfen. Dass das so ein Selbstversuch war, sagt auch alles über mein Verhältnis zu meiner Hausärztin aus. Tatsächlich war ich von der Wirkung beeindruckt und dass ich über dieses Experiment nicht gebloggt habe, lag eher an der langen Liste an sonstigen Themen, über die ich auch dringend schreiben wollte. Ich werde das aber nachholen, denn die Verbesserung schreibe ich immer noch mehrheitlich den Pflastern zu.

    Der Long-COVID-Frust

    Geduld ist nicht meine Stärke. Dieses Warten auf Heilung finde ich mindestens so zermürbend wie die Müdigkeit an sich. Noch weniger gut gehe ich mit Rückschlägen um. Und dann kam Mitte März 2026 der Bleimantel zurück und mit ihm die Weigerung meiner Muskeln, sich länger als ein paar Minuten zu bewegen, bevor sie sich wie nasse Sandsäcke anfühlen.

    Meine schöne selbstfürsorgliche Kleine-Schritte- und Groovy-Gewohnheiten-Planung knickte in sich zusammen. Nicht einmal das digitale Habitica-Konfetti konnte mich motivieren, jeden Tag 20 Minuten zu bloggen oder sonst irgend etwas zu tun.

    Ich hatte große Mühe, mein inneres Team einigermaßen friedlich zusammen zu halten. Ein Teil hatte auf gar nichts Lust, ein weiterer verordnete uns mit gutem Grund das Herunterfahren von Aktivitäten, während auf der anderen Tischseite die Angela mit den vielen Plänen und Ideen immer wütender wurde.

    Richtig konsequent durchgezogen habe ich nur das Bingen von Videoschnipseln einer britischen Soap, bei der einer meiner Lieblingscharaktere nach sechs Jahren aus dem Gefängnis zurück ist. Auch wenn seine neue Story unterhaltsam und teils herzerwärmend ist, hat diese Ablenkung die Situation alles andere als gerettet. Aktuell klebe ich mir wieder jeden Morgen ein Nikotinpflaster auf und warte ab, was passiert.

    Mein näheres und ferneres Umfeld

    Mein Mann trägt mir zuliebe Maske, wenn er mit der S-Bahn zur Arbeit fährt. Der Rest der Menschen in meinem Umfeld scheint allerdings alle Lektionen aus der Pandemie vergessen zu haben. Wenn sie sie überhaupt damals zur Kenntnis genommen haben.

    Offensichtlich kranke Personen sitzen in der Bahn und röcheln vor sich hin. Vor allem beim Silvesterkonzert in Wedel habe ich über die vielen alten Menschen gestaunt, die niesend und hustend mit uns im Silvesterkonzert saßen, nachdem Kinder und Jugendliche mehrfach für sie auf Gemeinschaft verzichtet und systematisch in der schulischen Notversorgung Wissenslücken angesammelt haben.

    Wenn ich für mich beschließe, mit Maske am Samstag S-Bahn zu fahren, kann ich damit rechnen, dass irgendein HSV-Fan mir einen dummen Spruch reinblubbert. Mir persönlich ist es egal, was sie mit ihrem Leben machen. Nur erwarte ich eigentlich, dass sie mir im Gegenzug das gleiche Recht auf Selbstbestimmung einräumen.

    Auch meine Schüler:innen muss ich immer wieder daran erinnern, dass sie nicht krank bei mir zu einer Präsenzstunde erscheinen sollen. Denn wenn ich ausfalle, kann es erstens sein, dass meine anderen Schüler:innen dann kurz vor einer Klausur ohne Unterstützung dastehen, und zweitens würde das auch bedeuten, dass ich für ein bis zwei Wochen kein Einkommen habe.

    Mal ganz davon abgesehen, dass ich froh bin, aus dem schlimmsten Bleimantel heraus zu sein und ganz sicher kein zweites Mal COVID haben möchte.

    Daneben sehen sie auch nicht, dass sie sich immer wieder mit anderen im Kreis anstecken, wenn sie sich krank zu Klausuren schleppen und mir hinterher fröhlich davon erzählen. Diese kollektive Unvernunft und Lernresistenz treibt mich die Wände hoch.

    Und dann haben wir noch nicht darüber gesprochen, dass einer der größten Risikofaktoren für die nächste Pandemie, die Produktion von Tierprodukten, überhaupt nicht gesellschaftlich wahrgenommen wurde. Im Gegenteil, es wird einfach weiter konsumiert, als wäre nichts geschehen.

    Meine Gesamtsituation mit Long-COVID

    Ich kann gar nicht sagen, was mich mehr nervt. Der Umgang der Mehrheit mit der Corona-Pandemie macht mich genauso müde wie mein persönlicher gesundheitlicher Rückfall im März 2026. Beides scheint mir eine Dauerlernaufgabe zu sein, denn auf das Verhalten meiner Mitmenschen habe ich letztlich keinen echten Einfluss und genauso hat mein Heilungsweg hauptsächlich mit Abwarten zu tun.

    Ich las heute morgen bei bei Sylvia Tornau, wie sie sich im Zusammenhang mit dem Frauenkampftag neu ausrichtet zwischen Lautsein und dem Anerkennen des eigenen Energiepegels. Ähnlich bin ich noch nicht fertig sortiert, was meinen Umgang mit meinem Long-COVID und der kollektiven Verdrängung da draußen angeht. Nichts zu sagen wäre Resignation, und so weit bin ich noch nicht.

    Dass es eine von meinen Schüler:innen war, bei der ich mich damals angesteckt habe, weil sie das Testen nicht so ernst genommen hatte, vor allem das beschäftigt mich heute noch. Bis auf Weiteres werde ich weiterhin Maske tragen und während meiner Nachhilfestunden oder online immer wieder Informationssteinchen ins Wasser werfen.


    Über Kommentare freue ich mich immer sehr. Wenn dir dieser Beitrag gefallen hat, findest du ähnliche Texte auf meinem Blog in der

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  • Neuanfang – Was mich unterstützt hat

    Neuanfang – Was mich unterstützt hat

    Astrids erste Blogparade „Mach neu!“ fragt nach Geschichten vom Neuanfang. Davon gab es in meinem Leben einige, manche eher im kleinen Rahmen, manche etwas umwälzender. Zum Beispiel habe ich mehrfach meine Haare sehr lang gehabt, nur um mir dann wieder alles mit der Maschine kurz raspeln zu lassen. Ich habe mehrfach meine Zelte abgebrochen, in England gelebt, dann beschlossen, mich doch wieder neu in Deutschland anzusiedeln. Am nachhaltigsten für mein Wohlbefinden waren aber meine beruflichen Neuausrichtungen.

    Was war der Auslöser für den beruflichen Neuanfang?

    Kollision mit der akademischen Realität

    Einerseits gab es keine zwingenden äußeren Gründe für meine berufliche Neuausrichtung. Andererseits war es auch nicht nur eine Laune. Ich war einfach wirklich sehr unglücklich mit meiner Tätigkeit in der akademischen Forschung. Und dabei habe ich das gar nicht lange gemacht, nur zwei Jahre. Danach hatte ich schon die Nase voll.

    Es kamen mehrere Dinge zusammen: Das Forschungsprojekt, das mir bei meinem Einstellungsgespräch in Aussicht gestellt worden war, wurde einem anderen Kollegen gegeben. Mich setzte der Chef auf ein von vorneherein zum Scheitern verurteiltes Projekt. Das war mir damals noch nicht so ganz klar, als ich „Naja, okay“ sagte.

    Außerdem hangelte ich mich von einem Zeitvertrag zum nächsten und zu der Zeit war dieses Modell auf sechs Jahre befristet. Danach hätte die Uni Potsdam mich fest einstellen müssen. Und davon war nicht auszugehen, es können ja nicht alle Professor:innen werden. In die Wirtschaft wollte ich aber auch nicht, da wäre ich sehr wahrscheinlich noch viel unglücklicher gewesen.

    Unfrei als Lehrerin

    Ähnlich war es im Schuldienst. Da hat mich das Korsett aus Vorgaben genervt, mit welchen Arbeitsblättern ich meine Klasse auf welche Arbeit zu welchem Termin vorbereiten sollte. Außerdem ging für meinen Geschmack zu viel Zeit für das Disziplinieren und die Kontrolle von Hausaufgaben drauf. Zusätzlich fühlte ich mich nicht sonderlich wertgeschätzt. Ich kann es verstehen, Mathe ist nicht das beliebteste aller Fächer. Aber ich hatte es auch nicht verdient, dass so viele Menschen versuchten, täglich ihre schlechte Laune an mir auszulassen.

    In beiden Positionen hat die Realität nicht zu meinen Minimalanforderungen für eine berufliche Tätigkeit gepasst. Ich war stark an Anweisungen gebunden und hatte als Lehrerin noch eine Menge Lärm, Zeitdruck und Konflikte obendrauf.

    Eine Kollegin sagte mir, ich müsste mir ein dickes Fell wachsen lassen. Aber ganz ehrlich? Wieso sollten wir unsere Persönlichkeit grundlegend so zurecht hämmern, dass sie in eine Berufssituation passt, statt unsere Umstände zu verändern? Schließlich verbringen wir einen Großteil unserer Lebenszeit damit. Ich jedenfalls wollte mich nicht bis zur Rente mit dieser Unzufriedenheit weiter schleppen.

    Was habe ich dabei gedacht und gefühlt?

    Kurz vor der jeweiligen Entscheidung erschien alles immer aussichtslos. Ich war wie gefangen in Situationen, in denen es mir nicht gut ging. Nach jedem Neuanfang war ich erleichtert, beflügelt und hoch motiviert. Dabei habe ich mehr die großen und kleinen Nervereien gesehen, aus denen ich mich erfolgreich befreit hatte, und weniger die eventuell auf mich zukommenden Schwierigkeiten.

    Und das, obwohl ich eigentlich professionelle Bedenkenträgerin bin. Allerdings hatten mich die beruflichen Situationen als Forscherin und als Lehrerin im Schuldienst dermaßen bedrückt, dass alles besser war, als zu bleiben. Es ist schon erstaunlich, wie lange wir Menschen Dinge weiter durchziehen, obwohl sie uns unglücklich machen, weil wir keinen gangbaren Ausweg sehen.

    Online und offline bekomme ich immer wieder mit, wie andere Menschen den Mittwoch als Bergfest begrüßen und den Freitag feiern. Ich bin also bei weitem nicht die einzige Person, allerdings scheint die Mehrheit das Unglücklichsein als gegeben hinzunehmen.

    Und das finde ich sehr traurig, denn mit einer beruflichen Tätigkeit verbringen wir so viel Zeit unseres Lebens. Nur auf das Wochenende und die Rente zu warten, das kann es doch auch nicht sein. Einige Menschen aus meinem Umfeld stecken noch im Schulbetrieb fest und zählen die Jahre.

    Was hat mich unterstützt?

    Finanziell

    Da muss ich ganz ehrlich sein. Wäre ich Alleinverdienerin gewesen, oder hätte ich Kinder zu versorgen gehabt, hätte ich nicht zweimal meine beruflichen Zelte abgebrochen. Die Vergütung für das Referendariat wurde zu einem großen Teil davon aufgebraucht, dass ich in der Nähe der Schule eine Zweitwohnung gemietet habe. Die Alternative wäre gewesen, jeden Tag zwischen Brunsbüttel und Glinde zu pendeln, ungefähr 100 Kilometer für die einfach Strecke und einmal quer durch Hamburg.

    Und meine Nachhilfetätigkeit lief zu Anfang eher schleppend an. Unter anderem, weil die Bevölkerungsdichte in Brunsbüttel und Umgebung gering ist. Erst seit mein Einzugsbereich rund um Halstenbek im Kreis Pinneberg liegt, muss ich potentielle Schüler:innen auf die Warteliste setzen, weil ich ausgebucht bin.

    Spätestens an dieser Stelle erklärt sich, warum viele Menschen eben nicht aus einer bedrückenden beruflichen Situation heraus einen mehr oder weniger radikalen Neuanfang wagen. Mir ist bewusst, dass ich in einer privilegierten Lage bin und ich würde mir wünschen, dass lieber früher als später ein bedingungsloses Grundeinkommen eingeführt wird, damit niemand mehr aus Existenznot ein Leben lang an einer Tätigkeit festhält, die die Seele auffrisst.

    Mental

    Ich hatte das große Glück, dass mein Umfeld auf meiner Seite war. Sowohl meine Familie als auch mein Mann hatten komplettes Verständnis für meinen Wunsch nach Veränderung. Meine Eltern haben nicht ein einziges Mal mit den Augen gerollt, obwohl sie mir das Studium finanziert haben, das ich heutzutage nur noch indirekt beruflich nutze. Und niemand von meinen Bekannten in Brunsbüttel hat in Frage gestellt, dass ich keine Lehrerin im Schuldienst mehr sein wollte.

    Allerdings habe ich auch von meiner eigenen Persönlichkeit profitiert. Ein Teil von mir lebt für neue Ideen und blüht auf, wenn es an die Recherche für ein neues Projekt geht. Sei das nun eine Methode, um die eigenen Haare zu schneiden, oder eben eine neue Ausbildung. Oft ist mir gar nicht bewusst, wie viel Abenteuerlust in mir steckt.

    Obwohl ich kurz vor den Prüfungen immer wieder geschworen habe, dass es das jetzt war und dass ich mir den Stress nie wieder antun würde.

    Auch meine persönlichen und zwischenmenschlichen Ressourcen sind ein Privileg. Längst nicht alle Menschen haben so ein unterstützendes Umfeld. Und je länger wir in einer belastenden beruflichen Situation verbleiben, umso weniger mentale Kraft haben wir, um das Ruder drastisch herum zu reißen.

    Ist es gut geworden? Gab es unerwartete Nebeneffekte?

    Die erste Zwischenetappe als Lehrerin war scheinbar ein Irrtum. Zwar wurde ich fest angestellt, aber der kreative Freiraum war sehr gering. Auch die Coachingausbildung, die eigentlich mein Ticket in die Selbstständigkeit sein sollte, hat auf den ersten Blick keinen Fortschritt in Richtung meiner Berufung oder Zufriedenheit gebracht.

    Allerdings waren alle Stationen wichtige Puzzleteile für meine jetzige Tätigkeit. Sie haben mir Einsichten und Qualifikationen mitgegeben und auf der anderen Seite deutlich gemacht, was ich nicht will. So gesehen war der Neuanfang jeweils kein Rückschritt auf Null, sondern eher ein radikaler Umbau, eine Art Recycling.

    Inzwischen bin ich dort, wo ich nicht wieder weg möchte. Nachmittags junge Menschen auf dem Weg durch die Schule oder Universität zu begleiten, kann ich mir noch für viele Jahre vorstellen, ohne dass es mir langweilig wird oder mich belastet.

    Trotzdem habe ich als Nebeneffekt viel gelernt. Zum Beispiel, dass ich deutlich mutiger bin als ich dachte. Wo meine Grenzen sind und wie ich sie verteidige, besonders mir selbst gegenüber. Und außerdem, dass ich nirgends festgetackert bin. Wie Peter Fox in der Inspiration zu Astrids Blogparade singt:

    „Hey, wenn’s dir nicht gefällt:
    Mach neu“

    Peter fox (Alles neu, YouTubelink)

    Ich mag zwar Wochenenden genauso gerne wie die durchschnittperson. Gleichzeitig gefällt mir mein Beruf so sehr, dass ich mich nicht vom Montagmorgen bis zu Feierabend am Freitag durchschleppe.

    Ja, das Projekt Neuanfang ist unerwartet gut ausgegangen.

    Würdest du es wieder machen? Genau so, oder anders?

    Es gibt keine Station, die ich bereue. Im Rückblick fügen sich die Bausteine für mich nahtlos zusammen. Einerseits hätte ich wohl meinen Vertrag als Lehrerin früher kündigen können. Allerdings hätte ich dann länger in einer relativ dünn besiedelten Gegend mein Unternehmen hochziehen müssen, weil der Umzug nach Halstenbek erst 2016 in die gemeinsame Planung passte. Und wer weiß, wie ich mit dem Frust umgegangen wäre.

    Genauso wäre es hilfreich gewesen, früher beim Studienkreis auszusteigen. Dort so viel Zeit zu investieren, war zwar lehrreich, allerdings keine Dauerlösung.

    Und im Nachhinein stelle ich fest: Ich bin lieber dabei, wenn Menschen Mathe verstehen, als sie durch andere Lebensprobleme zu coachen. Wenn ich mit meinen Schüler:innen über das Thema Beruf spreche, empfehle ich ihnen auch immer wieder, sich danach auszurichten, was ihnen liegt. Nicht dass ihnen am Ikigai die Komponente „Was du liebst“ fehlt.

    Hast du einmal neu angefangen?

    Diese Blogparade läuft bis zum 31. März 2026. Vielleicht hast du dich ja auch einmal auf die eine oder andere Weise neu erfunden oder die Bausteine deines Lebens neu zusammengesetzt.

    Hast du aus deiner Erfahrung heraus Empfehlungen? Gab es Hürden, die dir einen Neuanfang erschwert oder unmöglich gemacht haben?

    Oder planst du noch, dein Leben demnächst umzukrempeln? Wenn ja, was unterstützt dich dabei? Mich fasziniert es, solche verschlungenen Lebensgeschichten zu hören und lesen.


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    Fediverse-Reaktionen
  • Das werde ich 2026 anders machen

    Das werde ich 2026 anders machen

    Das dritte Quartal dieses Jahres neigt sich schon merklich dem Ende entgegen. Gleichzeitig ist für mich die Zeit zwischen Februar und März die eigentliche Phase für die Konkretisierung meiner Pläne für das noch immer relativ neue Jahr. Im Märzen der Bauer, wer kennt es nicht? Dazu gehören auch ein paar Dinge, die ich 2026 anders machen will. Und bisher profitiere ich tatsächlich sehr davon. Dass es nur fünf Punkte sind, hat auch gute Gründe, siehe Kapitel 2 🙂

    1. Eine einheitliche online-Identität

    Bis zum 1. Januar 2026 hatte ich noch zwei Mastodonprofile. Eins, das zu dieser Seite gehörte und ein privates, das zum Schluss „Veganes Würstchen“ hieß. Nach einer Begegnung der unangenehmen Art mit einer künstlich wütend gemachten Gruppe habe ich das Würstchen zum 1. Januar gelöscht. Der Plan, nur noch mein „geschäftliches“ Mastodonprofil zu verwenden, war gleichzeitig etwas beunruhigend und erleichternd.

    Würde ich mich mit meinen Kommentaren zurück halten müssen? Das vegane Würstchen war debattierfreudig und direkt, aber nie vulgär oder verletzend. Seit Anfang des Jahres bin ich mit den gleichen Menschen im Austausch und kommentiere grundsätzlich ähnlich viel, nur jetzt unter einer „offizielleren“ Flagge. Wenn ich auf meinem Blog politisch klar Stellung beziehe, dann passt das auch im Fediverse.

    Ich habe sogar zwischenzeitlich mein geschäftliches Profil von der großen Instanz Mastodon.Online nach Norden.Social umgezogen. Dort hatte das vegane Würstchen seine Heimat und auch meine „offzielle“ Person ist von ganzem Herzen Nordlicht. Außerdem gibt es auf dieser Instanz seit kurzem ein Franzbrötchen-Emoji, was mich zusätzlich motivierte 😉

    Insgesamt entspannt es mich, mit einer einheitlichen Identität aufzutreten. Und zusätzlich spart es auch Zeit, weniger Social-Media-Profile zu haben.

    2. Weniger vornehmen und mehr erledigen

    So langsam lerne ich dazu. In meinem inneren Team sind meistens mindestens zwei Personen gegensätzlicher Meinung. Besonders das Thema Vorhaben und ToDo-Listen ist lang und zäh. Der eine Teil hat immer tolle neue Ideen, dem anderen ist es wichtig, dass wir uns nicht verausgaben. Beides legitime Bedürfnisse.

    Inzwischen klappt es immer öfter und immer ruckelfreier, dass ich die Anzahl der Vorhaben für einen Tag reduziere, dafür dann aber am Abend einen Haken daran setzen kann. Oft habe ich tatsächlich nebenbei noch andere kleinere Aufgaben erledigt, die ansonsten durch lange innere Diskussionen zeitlich nicht möglich gewesen wären.

    Dieses Langzeitprojekt wird mich vermutlich bis an mein Lebensende begleiten. Und trotzdem bin ich aktuell sehr zufrieden damit, dass wir die Vorhabenplanung 2026 anders machen als noch vor wenigen Jahren.

    3. Monatschallenges zum Eingrooven

    Ich bin Astrid Engel wirklich dankbar für die Inspiration. Ende 2025 beschloss ich, mir nach ihrem Vorbild für jeden Monat eine Challenge zu setzen. Dabei geht es immer um kleine Dinge, die ich „schon immer mal“ ausprobieren oder als Gewohnheiten etablieren wollte. Und ich wähle dafür ein begrenztes Zeitfenster, innerhalb dessen ich mich auf diese eine Aufgabe fokussiere.

    Am Ende des Monats stelle ich mir frei, ob ich das Verhalten jeweils weiterführe. Und wenn ja, ob ich es als tägliche Gewohnheit in meinen Tagesablauf einbaue oder irgendwann als Monatschallenge-Wiederholung. Meinem Jahresmotto entsprechend möchte ich für meine Gewohnheiten einen zu mir und meinen Bedürfnissen passenden Groove finden, um gleichzeitig Energie zu sparen, und trotzdem das zu erledigen oder erleben, was mir wichtig ist.

    Aktuell sammele ich zum Beispiel bei jedem Gang draußen Müll auf. Das werde ich in dieser Intensität ab April nicht weitermachen. Allerdings gehe ich davon aus, dass ich diese Aktion im März 2027 wiederholen werde. Die tägliche Yoga-Einheit aus dem Februar hat sich dagegen als tägliche Gewohnheit erhalten.

    4. Der Zukunftsangela kleine Gefallen tun

    Dieses Prinzip wurde mir bewusst, als ich über meine Meal-Prep-Gewohnheit bloggte. Wenn ich ein Vorhaben nicht als „Das steht jetzt auf dem Plan, also mache ich es“ sehe, sondern als Fürsorge meinem zukünftigen Ich gegenüber, bekommt es eine ganz andere emotionale Bedeutung. Und ich mache diese Dinge dann mit einer ganz anderen Energie und Motivation.

    Entsprechend ist die Frage „Welchen Gefallen möchte ich Zukunftsangela heute tun?“ jetzt fester Bestandteil meines Vormittags. Rückblickend bin ich auch der Vergangenheitsangela immer echt dankbar, wie gut sie für mich sorgt. Das Thema Selbstfürsorge verankert sich immer nachhaltiger in meinem Alltag und meiner Haltung.

    5. An einer realistischen Tagesplanung arbeiten

    Genauso wie die regelmäßigen inneren Konflikte steht meiner Tagesplanung meine Zeitblindheit im Weg. Mir war dieses Problem bis vor wenigen Jahren gar nicht bewusst. Ich habe zwar schon immer gemerkt, dass ich oft auf den letzten Drücker unterwegs bin, dass ich nie alles das schaffe, was ich gerne machen würde, und dass ich mich frage, wie andere Menschen so scheinbar problemlos alle ihre Hobbys, Interessen und alltäglichen Verpflichtungen unter einen Hut bekommen.

    Aber dass ich wirklich heillos keine Ahnung habe, was wie lange dauert, wusste ich nicht. Was ich in diesem Bereich 2026 anders machen will, ist Folgendes: Für alle möglichen Blöcke in meinem Tagesablauf stoppe ich die Zeit, wie lange sie tatsächlich dauern. Bei manchen kann ich kaum fassen, wie schnell sie erledigt sind. Andere brauchen erheblich mehr Zeit, als ich angenommen habe.

    Unterm Strich ist es kein Wunder, dass das alles nie zusammen gepasst hat. Wenn ich mit der Zeitmessung durch bin, werde ich einen ehrlichen Blick darauf werfen, was wirklich realistisch in einen Tag hinein passt.

    Außerdem verabschiede ich mich vom Vergleich mit anderen Menschen. Inzwischen habe ich nämlich den begründeten Verdacht, dass sich in meinem Bild von „den Anderen“ mehrere unterschiedliche Personen überlagern, die dann gemeinsam mehr Hobbys zu haben scheinen, als in einem 24-Stunden-Tag wirklich machbar und sinnvoll sind.

    Ganz am Ende werde ich Prioritäten setzen und mich entscheiden müssen. Oder ein System entwickeln, bei dem meine Interessen sinnvoll und realistisch rotieren, ohne dass ich mich unter Druck setze.

    Was wirst du 2026 anders machen?

    Hast du aus dem Jahr 2025 Erkenntnisse gezogen, die für ein verändertes Verhalten oder für eine neu angepasste Haltung deinem Alltag gegenüber sprechen?

    Gehst du dabei eher systematisch vor? Oder ändern sich bei dir Verhalten und Alltag eher organisch von selbst?


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