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  • To-Want-Bilanz 23

    To-Want-Bilanz 23

    Im Oktober hatte Judith Peters wieder eine Idee: Beim Blogtober habe ich mit vielen anderen eine Liste von Dingen geschrieben, die ich bis zum Jahresende noch erleben wollte. Heute ziehe ich To-Want-Bilanz 23.

    Keine ToDo-Liste jeglicher Art oder Dekorationslevel hat bisher Ordnung oder Effektivität in meine Ziele beziehungsweise meinen Alltag gebracht. Meistens habe ich aus solchen Listen nur Stress und ein schlechtes Gewissen gezogen. Weil ich mich nun aber schon angemeldet hatte, habe ich dem Konzept ToWant eine Chance gegeben. Meine Prinzipien für das Befüllen der Liste waren:

    • Es sollten mehr persönliche als berufliche Ziele sein.
    • Es sollte ausdrücklich Nichtstun und Nachsicht mit mir selbst vorkommen.
    • Es sollte eine angenehme Menge an Kultur und Tapetenwechsel dabei sein.

    Mit dieser Liste habe ich mich dann auf den Weg durch das vierte Jahresquartal gemacht.

    To-Want-Bilanz 23 generell

    Was hat gut funktioniert?

    Da gab es eine Menge: Viele kulturelle und touristische Aktivitäten hätte ich ohne die motivierende Erinnerung der Liste an meinem Schrank nicht unternommen. Und dieses Rauskommen aus dem Alltagstrott hat sehr gut getan.

    Auch die Beobachtung regional wachsender Kräuter und eine sonntägliche Frühstückstradition hatte ich schon ewig auf dem Plan und jetzt habe ich beides endlich in die Realität überführt.

    Ich habe festgestellt, dass ich sehr gut auf meine innere Stimme hören kann. Sei es, dass ich jeden Tag entschieden habe, ob ich zum Spaziergang vor die Tür möchte, mich mit meinem inneren Team zusammensetzen oder beruflich und auch privat Nein sagen.

    Alle grünen Haken habe ich an To-Wants gesetzt, auf die ich wirklich Lust hatte und bei denen die Aktivierungsenergie nicht zu hoch war. A erfreulichsten war aus meiner Sicht immer noch der Punkt 25, den ich nicht mehr auf irgendeine Liste setzten muss. Da habe ich jetzt Vertrauen, dass er immer Teil meines alltags sein wird.

    Was hat nicht funktioniert?

    Die geplanten Sporteinheiten sind an meiner körperlichen Kondition gescheitert. Da wollte ich mehr, als realistisch möglich war.

    Beruflich habe ich die To-Wants nicht umgesetzt, die mir eigentlich am wichtigsten erschienen. Und zwar die, mit denen ich online Schüler:innen helfen will, Mathematik besser zu verstehen. Beide waren aber mit Aufwand und vor allem damit verbunden, dass ich ein paar technische Entscheidungen hätte treffen müssen.

    An meinem englischen Blog habe ich gar nichts gemacht. Auch da stehen Entscheidungen an, die ich offensichtlich erfolgreich vermieden habe.

    Ein paar Freizeitaktivitäten ließen sich organisatorisch nicht unterbringen, weil teils das Wetter nicht passte und ansonsten nicht die Zeit dafür übrig war. Alles davon lässt sich aber nachholen beziehungsweise auf die folgende To-Want-Liste schieben.

    Weder das absichtliche Nichtstun noch das Aufbewahren meines Smartphones im Postkorb habe ich umgesetzt. Anscheinend ist die Erholung, die mein System braucht, nicht mit Nichtstun zu erreichen. Und was mir das Smartphone in die Hand geschweißt hat, war Facebook.

    Welche Schlüsse ziehe ich?

    Das Prinzip To-Want-Liste hat mich überzeugt. In den folgenden Ausgaben werde ich die Mischung noch weiter verfeinern und mit meiner Einschätzung der Realisierbarkeit spielen. Besonders was meine Fitness angeht, will ich nicht mehr so frustriert sein.

    Die Facebook-App habe ich von meinem Smartphone entfernt, dafür habe ich die WordPress-App installiert, damit ich von unterwegs aus zu bloggende Gedanken immer gleich schon einmal eindiktieren kann. So vergesse ich sie nicht mehr und kann sie später am Computer schön glatt ziehen.

    Was ich noch lernen darf: Entscheidungen treffen.

    Ein paar Punkte werde ich in die Folgeliste mit aufnehmen, auch wenn sie geklappt haben, um eine dauerhafte Gewohnheit zu etablieren.

    Meine wichtigste Erkenntnis ist: ToWant schlägt ToDo im Ergebnis um Längen. Mehr Wollen und weniger Müssen 😊

    To-Want-Bilanz 23 im Detail

    Jeden Tag bewusst und absichtlich eine Runde Nichts tun.

    Das hätte eigentlich leicht klappen können. Und trotzdem habe ich mich in meiner Erinnerung nie bewusst und erfolgreich zum Nichtstun hingesetzt. Gleichzeitig habe ich jeden Tag erholsame Zeiten gehabt.

    Ich denke noch darüber nach, was genau ich aus dieser Erfahrung lernen kann. Wahrscheinlich hatte ich gar nicht so sehr das Bedürfnis nach Nichts, wie ich geglaubt hatte.

    Den Besuch meines Bruders bei mir nachholen.

    Diesen Termin haben wir auf Ostern 24 verschoben.

    Die Muppetausstellung ansehen.

    Am 30. Dezember war es so weit. Die Ausstellung war extrem kurzweilig und brachte eine Menge Nostalgie auf. Gleichzeitig wurde mir wieder bewusst, wie sehr sich die Sesamstraße im Lauf der Zeit gewandelt hat. Ein bisschen komisch war es schon, unter all den Familien die einzige Person im Raum mit einem Muppets-T-Shirt zu sein 😆 Seit dem Besuch habe ich jetzt noch ein weiteres Muppet-Shirt und einen Ohrwurm.

    Im Rückblick auf den Dezember werde ich noch ausführlicher berichten. Was ich mitnehme ist: Wenn an der Litfaßsäule bei der Einfahrt zu unserer Straße ein interessantes Plakat hängt, lohnt es sich, solche Ausstellungen anzugucken, statt nur drüber nachzudenken 😉

    Die Kiste mit CDs vom Dachboden holen und durchhören.

    Diese Kiste speichert eine Menge Erinnerungen. Wir haben drei CD-Regaltürme im Wohnzimmer, die mehr als 100% gefüllt sind. Also jedes Fach voll mit hochkant gestellten CDs und oben eine quer drauf geschoben.

    Seit dem Umzug 2016 lagert alles an Musik, was nicht in die Türme gepasst hat, auf dem Dachboden. Und selbst die CDs in den Türmen spiele ich ziemlich selten ab. Musik zu streamen ist einfach zu bequem.

    Im November hätte ich noch Gelegenheit gehabt, dieses ToWant auszuprobieren. Als er verstrichen war, lief bei uns wie jedes Jahr nur noch Weihnachtsmusik rauf und runter, von Wham bis Metal.

    Einerseits scheint mir, dass meine Sehnsucht nach den Schätzchen im Umzugskarton nicht so groß war wie vermutet. Andererseits ist jetzt ja wieder Gelegenheit für Nichtweihnachtsklänge. Diesen Punkt schiebe ich also auf die ToWant-Liste des nächsten Quartals.

    Jeden Tag in mich reinhorchen, ob ich zum Walking raus möchte.

    Das hat richtig gut geklappt. Ich bin fast jeden Tag ohne Druck draußen spazieren gegangen. Und manchmal bin ich ganz ohne schlechtes Gewissen zuhause geblieben.

    Dieses ToWant behalte ich bei und schreibe es mir für die nächsten drei Monate mit auf die Liste, einfach zu Erinnerung. Dann allerdings unspezifisch als „zum Bewegen raus“.

    Joggen, bis ich wieder eine ganze Runde schaffe.

    Ich kann nicht mal Rad fahren, ohne dass mir das Herz klopft. Diese post-COVID-Geschichte hatte ich stark unterschätzt und Joggen ist komplett jenseits meiner aktuelle Reichweite.

    In den nächsten drei Monaten werde ich statt zügiger Spaziergänge wieder mit meinen Nordic-Walking-Stöcken rausgehen, um die Kondition weiter zu trainieren.

    Das Joggen ist damit nicht aufgehoben, ich werde es aber erst dann auf eine zukünftige ToWant-Liste setzen, wenn ich wieder mit dem Rad durch die Gegend flitzen kann.

    „Ingeborg Bachmann“ im Kino sehen.

    Da bin ich etwas zerknirscht. Zunächst hatte ich mir auf de Fahne geschrieben, den Film alleine anzusehen. Dann fehlte es an einem passenden Termin und auch am Aufraffen. Hier vor Ort gibt es kein Kino und erst recht keins, das diesen Film im Programm gehabt hätte.

    Jetzt halte ich die Augen dafür offen, wann ich den Film streamen kann. Sehen möchte ich ihn nach wie vor gerne.

    An fünf Sonntagen ein extra schickes Frühstück genießen.

    Ich frühstücke unglaublich gerne. Wenn ich eine Mahlzeit nicht ausfallen lassen möchte, dann diese. Außerdem sammele ich auf meinem Computer fleißig Rezepte, die ich mehrheitlich nicht ausprobiere. Der Blogtober war die Gelegenheit, das zu ändern.

    Hier die Beweisphotos, teils mit Links zu Rezepten:

    Zwei Waffeln aufeinandergestapelt auf einem Teller. Darüber gegossen ist Blaubeerkompott und darauf sind bunte Streusel verteilt
    Waffeln nach Bianca Zapatka
    Porridge mit Apfelstücken, Zimt und Walnüssen
    Ein großer flacher Teller, darauf zwei gebratene Tomatenhälften, ein Röstidreieck, zwei ganze gebratene Champignons, drei Würstchen, ein veganes Omelett und Baked Beans
    Englisches Frühstück mit Kichererbsenomelette
    Arme Ritter nach Zucker & Jagdwurst
    Knuspermüsli nach Bianca Zapatka

    Ja, ich bin Bianca-Zapatka-Fan. Mir ist von ihr noch kein Rezept untergekommen, das nicht wie beschrieben geklappt hätte 🩷

    Ein paar Rezepte stehen noch aus:

    Diese Liste sollte eine Weile lang genug Inspiration liefern 😁

    Eine Sitzung mit dem inneren Team halten.

    Im Zusammenhang mit Punkt 20 hatte ich einen Anlass, mein inneres Team einzuladen zu der Frage, wie wir eigentlich zum Thema Macht stehen. Das war sehr tiefschürfend. Auch weil einige meiner Persönlichkeitsanteile das Konzept Macht generell eher unangenehm finden während andere sehr daran interessiert sind, anderen keine Macht über mich zu geben.

    So eine Sitzung werde ich in jedem Quartal mindestens einmal machen. Also wird auch dieser Punkt auf die nächste Liste übertragen.

    Die diversen bestehenden ToDo-Listen zusammenstreichen.

    Das ist bisher noch nicht passiert, allerdings ist bei mir Neujahr traditionell der Tag, an dem ich meinen Kalender für das nächste Jahr aufsetze. Und da würde ich normalerweise die ToDo Liste vom vergangenen Jahr mit reinheften. Eine schöne Gelegenheit, die vorher ordentlich zu stutzen. Mehr ToWant und weniger ToDo.

    Photo von einem slebgestalteten Terminkalender. Auf dem Titelbild ist eine 2023 zu sehen sowie der Spruch "Ich gieße meine Wurzeln" Aus der untersten Zeilen ragen feine Linien nach unten, verästelt wie Pflanzenwurzeln.
    Das Titelblatt des vergangenen Jahres

    Zehn in meiner Umgebung wildwachsende Kräuter kennenlernen.

    Ich habe meine neuen Erkenntnisse noch nicht ordentlich notiert. Allerdings habe ich mit der Bestimmungsapp „Flora Incognita“ mehr als zehn verschiedene Pflanzen aufgestöbert, die ich jetzt einen Jahreskreis lang besuchen und beobachten werde.

    Wildkraut mit violetten Blüten

    Für das nächste Quartal steht auf dem Plan, diese Kräuter wiederzufinden 😁

    Nach Husum fahren.

    Der Husumer Weihnachtsmarkt läuft bis zum 27. Dezember. Deswegen sind wir am 26. hingereist und haben zusätzlich noch etwas extra Kultur genossen:

    Die Weihnachtsführung durch Theodors Storms Wohnhaus in der Wasserreihe war herzerwärmend. Zu später Stunde gab es den Tannenbaum mit Originaldekoration zu bewundern, unter anderem mit reichlich historischem Lametta in Gold und Silber. Dazu hörten wir Erinnerungen von Gertrud Storm, Geschichten und Gedichte. Husum ist an sich immer zauberhaft, aber in der Weihnachtszeit extra empfehlenswert.

    Am 27. haben wir an einer Stadtführung teilgenommen. Ich habe als Kind oft die Sommerferien dort verbracht, und trotzdem wusste ich bestimmt 90% dessen nicht, was wir da hörten.

    Wir leben jetzt schon seit 19 Jahren in Schleswig-Holstein. Und immer, wenn ich so etwas touristisches mache, fällt mir auf, wie viel öfter ich das haben möchte. Da muss ich überlegen, was ich auf meinen Wunschzettel bis Ende März setze.

    Im Brenner Moor spazieren gehen.

    Am Ende war es mir doch zu weit für das unberechenbare Wetter. Das Brenner Moor möchte ich weiterhin gerne besuchen und erlaufen. Allerdings war das eigentliche Bedürfnis hinter diesem ToWant, dass ich zum Tapetenwechsel rauskomme an einen schönen Ort, an dem ich ein bisschen herum spazieren kann.

    Wir sind stattdessen zum Rantzauer See gefahren und haben uns dort die Schlossinsel noch einmal angesehen und einen Rundgang um den See gemacht.

    Photo von einer Insel, auf der alte rote Backsteinhäuser stehen. Die Gebäude spiegeln sich in der ruhigen Wasseroberfläche

    Eine Radtour machen.

    Ich bin im November zum letzten Mal Rad gefahren. Dabei bin ich so ins Schnaufen gekommen, dass ich es erst einmal wieder auf Eis gelegt habe. Ich gehe stattdessen viel zu Fuß. Das spart die Suche nach einem Fahrradständer und die Sorge darum, was mit meinem Rad in meiner Abwesenheit passiert. Außerdem entschleunigt es und manche Wege hier sind auch nur zum Gehen geeignet.

    Ein Wanderpfad zwischen Bäumen hindurch, im HIntergrund eine Weide. Das Laub ist goldbraun, einige Blätter liegen auf dem Boden.
    Ein Stück des E1 Wanderweges, schön schmal und im Herbst matschig. Hier bin ich von Pinneberg nach Hause spaziert.

    Das Radfahren an sich steht für das nächste Quartal weiter auf meinem Wunschzettel. Allerdings erstmal nicht mehr als Radtour, sondern wieder für kleine Fahrten zum Bahnhof oder zum Einkaufen.

    Wish im Kino sehen.

    Der Dezember war einfach zu voll mit anderen Dingen. Wie beim Bachmannfilm warte ich auf das Streamingangebot.

    Die noch fehlenden Übersetzungen für meine Jahreskreisaktivitätenblogposts fertig machen.

    Der Jahreskreis ist rund und wiederholt sich, also läuft mir dieses ToWant nicht weg 😉 Der erste Termin, der fehlt, ist der 1. August. Bis dahin habe ich die fehlenden Ausgaben fertig.

    Fünf weitere Blogposts auf Englisch schreiben.

    Ich werde mich nächstes Jahr bei der Deadlinesforwriters-Challenge auf die zwölf Kurzgeschichten fokussieren. Das sind dann schon die ersten 12 Blogbeiträge.

    Ansonsten ist mein Plan, mir zu überlegen, ob ich auf dem englischen Blog inhaltlich andere Beiträge schreiben werde.

    Eine Duolingo-Unit Klingonisch auf Legendary leveln.

    Als ich mir das vornahm, stellte ich kurz darauf fest, dass mir nur noch sehr wenig zum Legendary-Level der ersten Unit fehlte. Deswegen habe ich das dann noch für die zweite Unit wiederholt.

    Screenshot von Duolingo im DEsktopbrow

    Nach wie vor freue ich mich schon darauf, bei einer passenden Gelegenheit Sätze wie den folgenden in einem Gespräch unterbringen zu können:

    Screenshot aus der App Duolingo. Ein Cartoonmann mit Schnurrbart sagt in einer Comicblase einen Satz auf Klingonisch. Darunter steht die englische Übersetzung: "Fire is hot"

    Die erste Seite meines Wörterbuchs „Mathe – Deutsch“ schreiben.

    Die beruflichen ToWants haben etwas gelitten. Als nächsten Schritt werde ich überlegen, ob ich wirklich ein Wörterbuch schreiben will. Oder ob ein anderes Format sinnvoller ist, zum Beispiel Lernkarten als elektronisches Quiz auf meiner Seite eingebunden. für dieses Zielesortieren nehme ich mir in der ersten Januarwoche Zeit.

    Mindestens einmal beruflich Nein sagen.

    Dazu hatte ich überraschend viele Gelegenheiten. Und ich habe viel daraus gelernt. Auf meine ToWant-Liste setze ich diesen Punkt jetzt regelmäßig, um mich daran zu erinnern, wie gut es tut, das Neinsagen zu üben.

    Eine Szene für ein Bruchrechnungs-Video mit OpenToonz animieren.

    Ähnlich wie bei Punkt 19 hat sich hier gar nichts getan. Ein bisschen stehe ich mir selbst im Weg bei der Vorstellung, wie friemelig es werden könnte, den Text zum Video einzusprechen.

    Ganz gegen alle meine Befürchtungen verschiebe ich dieses ToWant auf die nächste Listenausgabe. Weil ich weiß, dass diese Videos für meine Schüler:innen unter den Lernvideos ein paar Lücken schließen können.

    Aus meiner Sicht ist das Aufraffen und das Anfangen das Schwierigste an der Geschichte. Ich kann mich schon sehen, wie ich Spaß daran haben werde, wenn erstmal die erste Szene fertig ist. Das gebe ich nicht auf.

    Mein berufliches Mastodonprofil schick machen.

    Das Profil ist fertig, allerdings habe ich mich noch nicht vernetzt und noch nichts gepostet. Dafür ist Neujahr eine super Gelegenheit.

    Mein Smartphone den Vormittag über im Postablagekorb aufbewahren.

    Ein Punkt, der richtig schlecht funktioniert hat. Ab Januar werde ich auf unbestimmte Zeit Facebook fasten. Die App habe ich jetzt schon deinstalliert und hoffe, dass es mir dann leichter fällt, das Smartphone nicht mit ins Wohnzimmer zu nehmen. Vor allem das Doomscrolling hat mir 2023 nicht gut getan.

    The Marvels im Kino sehen.

    Nach Barbie der zweite Film, der mich emotional abgeholt und beeindruckt hat. In meinem Jahresrückblick 23 habe ich schon eine Menge dazu geschrieben.

    Eine Frau hält einen Ausdruck von einem Onlinekinoticket für den Film The Marvels.

    In Halstenbek gibt es kein Kino, deswegen ist ein Film immer mit einem Trip verbunden, meistens nach Hamburg. Das erhöht die Aufraffschwelle etwas und so schafft es nicht jede Produktion, mich erfolgreich anzulocken.

    Ich muss jetzt noch mit meinem Bücherstapel verhandeln, wie viele Comics über Captain Marvel beziehungsweise Ms Marvel ich mir zulegen werde 😉

    Jeden Tag etwas zu Lachen haben.

    Es gab wirklich keinen Tag in dieser Zeit, in der ich nicht mindestens einmal gelacht habe. Ich habe in den letzten drei Monaten viel mehr Aufmerksamkeit darauf gerichtet und bin echt begeistert. Als Kind bin ich gar nicht als Bündel von Heiterkeit gestartet, auch wenn eine Zeit lang mein Hobby das Lesen von Witzebüchern war.

    Ein wichtiger Faktor ist mein Mann. Wir beide haben eine große Humorschnittmenge und erzählen uns gegenseitig mehrfach am Tag etwas, von dem wir hoffen, dass die andere Person darüber lachen muss. So hat mir der Blogtober ganz nebenbei einen neuen Anlass zur Dankbarkeit beschert 💝

    Dieses ToWant muss nicht mehr auf die Liste, ich vertraue darauf, dass es auch in Zukunft für mich jeden Tag einen witzigen Moment geben wird.

    Wie geht es weiter?

    So weit zu meiner To-Want-Bilanz 23. Für das Jahr 2024 werde ich im Dreimonatsrhythmus ToWant-Listen schreiben. Dabei werde ich saisonal passende und touristische Aktivitäten einbauen und Dinge, die nicht stattgefunden haben, genau unter die Lupe nehmen. Wenn ich feststelle, dass sie eigentlich gar kein ToWant waren, werde ich sie bewusst streichen. Im Januar erscheint meine erste ToWant-Liste auf diesem Blog.

    Mehr über meinen Ansatz zur Setzung von Zielen findest du hier. Wie läuft es bei dir mit der Formulierung und dem Erreichen von Zielen?

  • Jahresrückblick 23: Immer noch in Arbeit

    Jahresrückblick 23: Immer noch in Arbeit

    Und ich höre mich noch sagen: Dieses Mal bin ich aber wirklich beim Jahresrückblick 23 nicht dabei. Und dann fiel mir wieder ein, wie gut es tut, das vergangene Jahr zu sortieren und zu zelebrieren. Also gibt es heute einen Kompromiss mit reduziertem Umfang. In dieser Form kann ich mir gut vorstellen, auch Ende 2024 wieder Bilanz zu ziehen.

    Generell habe ich 2023 wieder eine Menge dazu gelernt. Unter anderem durch eine coronabedingte Zwangspause. Einiges von dem, was ich mir vorgenommen hatte, habe ich tatsächlich geschafft. Anderes werde ich endgültig von meiner Liste streichen, in Zukunft wird es mehr ToWants als ToDos geben.

    Dafür, dass ich irgendwann vor lauter Krise aufgehört habe, Nachrichten zu sehen, gehe ich recht zuversichtlich in das nächste Jahr. Oder vielleicht auch mit einem anderen Anspruch an mich und dadurch weniger Stress. Auf jeden Fall mit einer neuen Wertschätzung für die Farbe Pink 💗

    Was hatte ich mir vorgenommen und was ist daraus geworden?

    • Erkenntnisse einsickern lassen: Da musste ich erstmal nachlesen, um welche Erkenntnisse es überhaupt ging. Letztes Jahr sind bei mir ein paar Lektionen von der kognitiven Ebene in Herz und Bauch übergegangen. Den Effekt hatte ich 2023 auch, vor allem im Bereich Grenzensetzen. Dass zum Einsickern so viel Geduld gehört, hatte mir vorher leider mal wieder niemand erklärt.
    • Meine Bulletjournal-Strategie verfeinern: Ich hatte mit meinem Inneren Team dazu eine Sitzung und wir haben beschlossen, die alten ToDo-Listen extrem einzudampfen. Richtig abgeschlossen ist das Projekt „Bulletjournal an meine Bedürfnisse anpassen“ noch nicht. Die ToWant-Liste, die ich zum Blogtoberfest geschrieben habe, war allerdings eine hilfreiche Inspiration, wohin die Reise gehen könnte.
    kreisförmiges Abzeichen mit dem Text: Angela completed the 30 days of Flash Fiction Challenge April 23
    • Lernen mit Duolingo: Ich hatte weiterhin viel Spaß mit der grünen Eule. Nachdem ich den Dänischkurs eigentlich abgeschlossen hatte, kam der große Umbau und ich wurde weit zurückgestuft. Ein paar Mitlerner:innen haben sich sehr darüber geärgert, aber ich halte das für eine gute Gelegenheit zur Wiederholung und im neuen Kursmaterial sind auch viele neue Vokabeln enthalten. Nebenbei habe ich richtig ernsthaft Französisch und halbwegs ernsthaft Klingonisch weitergelernt. Wer weiß, wozu das nochmal gut sein wird?
    • Bloggen: Ich habe die Anzahl meiner Blogposts im Vergleich zu 2022 mehr als verdoppelt. Es waren fast so viele Artikel wie in den letzten drei Jahren zusammen! Geholfen haben vor allem die Teilnahme an Blogparaden und meine Monatsrückblicke. Ich habe daneben auch meine beiden Artikel zum Thema „Mathematik in der Schule Pro und Contra“ geschrieben. Mir hat es sehr geholfen, entsprechend Judith Peters‘ Motto einfach zu bloggen, als würde es niemand lesen. Damit habe ich mich thematisch deutlich freier gemacht. Für 24 habe ich noch eine feine Liste an wenn auch abgelaufenen Blogparaden, zu denen ich mich ganz dringend äußern muss 😉

    Mein Jahresrückblick 2023

    Die große 50

    Screenshot aus Duolingo. Ein kleiner Cartoonjunge fragt auf Englisch: Have you become old? Darunter die dänische Übersetzung: Er du blevet gammel?
    Was ich mich von Junior bei Duolingo fragen lassen muss

    Ich werde unterm Strich gerne älter. Die grauen Haare beobachte ich mit großem Interesse und ich lasse mir auch von einer Zahl nicht vorschreiben, was ich zu tun, zu sagen oder zu tragen habe. Diese besonders runde Zahl ist allerdings ein Anlass zu einer extra Bilanz.

    Körperlich knirscht er hier und da zunehmend. Die Augen werden nicht besser, die Rumpfmuskulatur verzeiht das viele Sitzen immer weniger, mein Gedächtnis lässt nach. Und das mir, die ich mein Leben lang so viele sinnfreie Informationen und Namen immer und sofort zur Verfügung hatte. Wenn ich jetzt eine halbe Minute nachdenken muss, wie dieser eine Schauspieler heißt, aus diesem Film, na Dings, wie ging nochmal der Titel … Das ist schon eine Herausforderung.

    Andersherum komme ich immer wieder an dieselben Baustellen. Auch wenn ich gedacht hatte, die eine oder andere Lektion gelernt und verinnerlicht zu haben, ist oft dann doch eine Auffrischung nötig. Oder ich stelle fest, dass ich etwas bisher noch gar nicht gelernt hatte. Beziehungsweise mich erfolgreich drumherum gedrückt.

    Im Gespräch mit anderen höre ich, dass sie das Knirschen genauso erleben. In Sachen Lektionen erzählen allerdings viele: „Das Problem habe ich schon länger nicht mehr.“ Und eine Weile habe ich mich dieses Jahr gefragt, ob ich in der Minderheit bin mit meinem Unfertigsein. Oder ob andere Menschen eben bei andere Zusammenhängen noch dazu lernen, nur wirklich schon mit der Stelle durch sind, bei der ich noch hänge.

    Bei der großartigen Mel Robbins fand ich dieses Zitat:

    „I am allowed to be a work in progress.“

    Mel Robbins, 2023

    Das hat mich damit versöhnt, mit 50 Jahren immer noch an gefühlt denselben alten Geschichten zu sitzen. Wer sagt überhaupt, dass ich jetzt schon alles sortiert haben muss? Wieso sollte ich mich für den Rest meines Lebens dann als komplett durchoptimierte Person mit mir langweilen?

    In der Mathematik, in Sprachen und in Naturwissenschaften bin ich ja auch eine große Freundin lebenslangen Lernens. Da kann ich dann genauso gut auch mich selbst bewusst als Lernstoff mit auf die Liste setzen. Und so habe ich gleich schon wieder was gelernt 😊


    Welche Wurzeln hatte ich eigentlich gemeint?

    Mein Jahresmotto für 2023 war: „Ich gieße meine Wurzeln.“ Damit war gemeint, dass ich nachsichtig mit mir umgehe und dass ich das ganz langsame, dafür gründliche Einsickern von Erkenntnissen pflegen wollte.

    Im Rückblick hatte ich allerdings die Erkenntnisse des Jahres 2022 wieder vergessen, als ich entschied, doch einen Jahresrückblick 23 zu schreiben 😆 Da stellt sich dann die Frage: Wenn ich nicht weiß, um welche Wurzeln es geht, wo soll ich überhaupt gießen und wie viel?

    Im Mai nahm ich an einer Aktion von Judith Peters teil: „Was ist deine Bestimmung?“ Zu dieser Zeit hatte ich vom Wurzelngießen offenbar noch eine gute Vorstellung. Mein Fazit war, dass ich eine bessere Welt hinterlassen will, allerdings als meine erste Bestimmung dafür verantwortlich bin, selbstfürsorglich auf meine Kapazitäten und meinen Energiehaushalt zu schauen.

    In diesem Jahr ist mit eins zum ersten Mal richtig klar geworden: Ich weiß überhaupt nicht so genau, was ich will, wie ich immer geglaubt hatte. Dabei beschäftige ich mich schon ewig damit, wer ich bin, was meine Ziele und Werte sind. Nicht zuletzt meine Coachingausbildung drehte großenteils um diese Fragen. Im Jahresrückblick 21 schrieb ich über das Kompassprogramm von „Zeit zu leben“. Vieles habe ich schon mehrfach durchgeknetet und schriftlich festgehalten.

    Und doch, wenn ich vor einer Entscheidung stehe, ob ich bei einem Projekt dabei bin oder nicht, geht es mir oft zu schnell. Weil ich nicht weiß, was ich will. Weil ich in dem Moment nicht ausreichend Zugang zu der Instanz habe, die etwas will oder ausdrücklich nicht will. Und das hat keinen stabilisierenden Einfluss auf mein Grenzensetzen, wie ich in den letzten Wochen lernen durfte.

    Vielleicht liegt es auch an der großen 50, dass ich nochmal neu auf mein Leben gucke und den Verdacht habe, dass da noch etwas gewollt werden will, was ich in diesen fünf Jahrzehnten bisher nicht so auf dem Schirm hatte. Dieses Thema ist offensichtlich alles andere als abgeschlossen und wird zum Wurzelngießen nach 2024 mitgenommen. Und, seien wir mal realistisch, in die weitere Zukunft danach. Dass es sich lohnt, danach zu schürfen, was ich eigentlich will und welche Wurzeln ich gießen möchte, das sehe ich jetzt schon.


    Äußere und innere Krisen

    Foto von einem Lastenfahrrad, auf dem diverse Aufkleber für Umweltorganisationen kleben.
    Auf einer der Critical-Mass-Demos

    Mit der Weltrettung lief es wieder einmal nicht so besonders. Die COP28 hat ein unangemessen weiches Ergebnis geliefert. Viele Aktivist:innen brennen allmählich aus, besonders diejenigen, die sich professionell mit der Umwelt- oder Klimaforschung befassen.

    Dr. Ella Gilbert und Dr. Peter Kalmus sind zwei derjenigen, denen ich folge. Ich lese und höre das, was sie zu sagen haben, nur dann, wenn ich die emotionalen Kapazitäten dazu habe. Auch Dr. Mark Benecke berichtet regelmäßig mit seiner Vortragsreihe „Time Is Up“ über den aktuellen Stand der Dinge. Dr. Katharine Hayhoe gibt einen Hoffnung spendenden Newsletter heraus.

    Es ist schwer, mir vorzustellen, an der Stelle dieser Menschen zu sein und die Beobachtungen und Forschungsergebnisse ständig präsent zu haben. Und gleichzeitig zu erleben, wie die fossile Wirtschaftslobby ihre Wünsche politisch durchsetzen kann während die Wissenschaft teils diskreditiert und viele Protestformen kriminalisiert werden 😕

    Ich kann verstehen, dass Veränderung beängstigend wirkt. Andererseits haben wir bei diversen Problemen immer weniger Zeit, um die wichtigen Hebel umzulegen: bei der Klimaerwärmung, dem Artensterben, den zoonotischen Infektionserregern, dem Schwinden von Wasser, landwirtschaftlich nutzbarer Fläche und anderen Ressourcen. Sehr bald werden wir uns Reaktanz und die Leugnung wissenschaftlicher Fakten nicht mehr leisten können.

    Mein eigener Garten war in diesem Jahr auch wieder besorgniserregend trocken. Das hat mich noch zusätzlich belastet. Im Frühjahr und Sommer habe ich noch motiviert an Critical-Mass-Fahrten durch Pinneberg und Outreach zum Umstieg auf ein veganes Leben teilgenommen. Im Verlauf des Jahres musste ich mich zum Aktivismus schon sehr hinschleppen, weil ich immer mehr den Eindruck hatte, dass sich sowieso so gut wie nichts bewegt. Und gleichzeitig denke ich darüber nach, was ich in ein paar Jahrzehnten sagen kann, wenn ich gefragt werde, was ich getan habe, als noch Zeit war.

    Ende September kam meine Coronainfektion als Sahnehäubchen dazu. Seitdem kann ich noch nicht wieder Radfahren oder an Demos teilnehmen, weil ich schlicht zu müde bin und nach Anstrengung komplett fertig. Nicht einmal bei der Tafel kann ich aktuell mehr helfen. Entsprechend hänge ich zwischen der gefühlten Vergeblichkeit des Protestes und meiner fehlenden Fitness dafür.

    Wie ich mit dieser tiefgehenden multiplen Krise in Zukunft umgehen will, weiß ich noch nicht. So sehr ich es möchte, ich kann andere Menschen nicht ändern. Das können sie nur selbst. Was ich tun kann: Ein Vorbild sein und aufklären. Klar und deutlich aber auch konstruktiv. Meinen Beitrag leisten, so wie meine Kapazitäten das zulassen. Und das muss dann genug sein. Eine weitere Lektion auf meiner Lernliste.

    Webseitenneubau, jetzt aber wirklich

    Screenshot von einem Blogpostenwurf des Jahresrückblicks 2022
    So war der Plan.

    Im Jahresrückblog 21 hatte ich mir den Webseitenneubau vorgenommen. Auch beim Rückblog 22 habe ich es für 23 auf die ToDoListe gesetzt. Im März 23 war es tatsächlich so weit, und zwar hatte mir geholfen, mich vom Glaubenssatz zu lösen, dass die Basis Typo3 sein musste. Nach ein paar Jahren der Abtrünnigkeit bin ich zu WordPress zurückgekehrt und inzwischen richtig zufrieden. Die Menüleisten machen, was sie sollen, die Anzeige sieht auf Desktops und Mobilgeräten gleichermaßen gut aus und das Bloggen mit dem Gutenbergeditor funktioniert wirklich nach dem WYSIWYG-Prinzip.

    Endlich! Die überwundene Blockade zeigt sich auch in den Zahlen: 21 hatte ich drei Beiträge gebloggt, 22 waren es elf und heute schreibe ich siebenundzwanzigsten Blogpost des Jahres. Und es stehen noch mindestens zwei halbfertig geschriebene Beiträge an, die vor Silvester rausgehen werden.

    Ich bin mit dem minimalistischen Design sehr zufrieden. An den Schriften werde ich 24 noch ein bisschen herumprobieren und eine neue Rubrik „Lernkartenquiz“ einbauen. Die vielen hilfreichen Plugins hatte ich bei meinem ersten Anlauf mit WordPress zwischen 2015 und 2019 gar nicht so zu schätzen gewusst.

    2022 habe ich mit meiner Vorstellung, als Coach zu arbeiten, abgeschlossen. Ich bin mit ganzem Herzen Nachhilfelehrerin und diese Tätigkeit verdient meinen 100%igen Fokus. Die Klarheit im beruflichen Fokus hat eine Menge zur Klarheit auf meiner Seite beigetragen, genauso wie die Aufspaltung in eine deutschsprachige und eine englischsprachige Seite. Jetzt ist das Arbeiten an meiner Internetpräsenz nicht mehr Belastung, sondern immer eine vergnügliche Lerngelegenheit und eine Möglichkeit, mich mit meinem Blog mitzuteilen.


    Zwei starke Filme

    ein Kinovorhang, dessen obere Hälfte blau angeleuchtet ist, die untere pink. In der mitte ist ein geschwungener weißer buchstabe B mit pinkfarbener Umrandung

    Zum Glück lief in diesem Sommer der Barbiefilm. Genau, als die multiplen gesellschaftlichen Krisen meine eigene persönliche Krise vertieften, zog mich dieses warmherzige Ereignis aus meiner Delle wieder heraus.

    Die einen kritisieren ihn als langen Werbeblock für Mattel. Die anderen beschweren sich über das angebliche Männerbashing. Aus meiner Sicht ist „Barbie“ weder das eine noch das andere. Der Film ist höchstens so sehr Mattelwerbung, wie „Spiderman“ eine Werbung für Spiderman-Merchartikel ist.

    Vermutlich haben sich auch nur die Wenigsten zur Vorbereitung auf den Kinogenuss so gut wie sämtliche Interviews mit Greta Gerwig und dem Cast angesehen, die YouTube so hergab. Ich habe den Beteiligten tagelang mit einem breiten Grinsen zugehört, wie sie über Kindheitserinnerungen, methodischen und ästhetischen Anleihen bei sehr vielen anderen Filmen, der Synergie am Set und der diebischen Freude darüber erzählt haben, welche Idee sie an der genehmigenden Instanz bei Mattel vorbei in das Drehbuch retten konnten.

    Oberflächlich betrachtet ist „Barbie“ ein Film über eine blonde Puppe, die in einer rosa Welt lebt. Tiefgründig betrachtet, fragt uns dieser Film, wer wir eigentlich sind und wer entschieden hat, wer wir sind. Wie wir mit anderen umgehen und wie wir wollen, dass sie mit uns umgehen. Und was wir tun können, wenn zwischen Anspruch und Wirklichkeit eine Lücke klafft.

    Barbie begibt sich auf eine klassische Heldenreise und kommt am anderen Ende gründlich verändert wieder heraus. Auch Ken lernt, dass er „kenough“ ist, so wie er ist. Es gibt viel zu Lachen, zu Weinen, zu Grübeln und zu Lernen. Und gleichzeitig ist der Film eine anrührende Hommage an den kindlichen Zugang zu dieser Welt.

    Während ich diesen Rückblick schreibe, läuft in meinem Kopfhörer nochmal der Barbie-Soundtrack. Mein YouTube-Music-Recap war für meine Verhältnisse ungewöhnlich pink, denn auch die allermeisten Songs zum Film fand ich fantastisch und emotional bewegend. Ich bin immer noch dankbar dafür, wie mir Barbie den Sommer gerettet hat.

    Doch es gab noch ein weiteres cineastisches Highlight: „The Marvels“ war der zweite Film, bei dem ich mich fragte, wie manche Kritiker zu ihrem vernichtenden Urteil gekommen waren. Vor allem, weil viele von ihnen schon vor dem Anlaufen in den Kinos wussten, wie furchtbar das alles werden würde.

    Manchmal überprüfe ich meinen Medienkonsum anhand des Bechdeltests. Dabei ist das Minimalkriterium, dass es mindestens zwei Frauenrollen gibt, dass diese miteinander sprechen, und zwar über etwas anderes als Männer. Es ist unfassbar, wie viele moderne Filme und Serien an dieser lächerlich niedrigen Hürde scheitern. Und dabei ist noch nicht einmal gefordert, dass diese beiden Frauen auch Namen haben.

    Ein besonders Augen öffnendes Beispiel ist der „Special Cut“ der „Herr der Ringe“-Filmtrilogie von Peter Jackson, bei dem alle Szenen enthalten sind, in dem zwei weibliche Charaktere miteinander interagieren. In Wirklichkeit gibt es noch eine weitere Szene mit dem kleinen Mädchen und seiner Mutter und eine Szene mit Eowyn und einer älteren Frau. Grundsätzlich ändert sich dadurch aber an der Schlussfolgerung nur wenig.

    Ich höre seit ein paar Wochen den Podcast „Women of Marvel“. Dadurch habe ich gelernt, dass die Figuren aus „The Marvels“ zum Teil älter sind als ich. Es ist also nicht einmal so, als ob dem Publikum aus irgendeiner Agenda heraus mit dem Brecheisen ganz neu erfundene Superheldinnen aufgenötigt würden. Wer das behauptet, hat offensichtlich die Comics genauso nicht gelesen wie ich.

    Der Podcast repräsentiert sehr genau die Stimmung, in der in nach der Vorführung das Kino verlassen habe: Eine enthusiastische Freude am Zusammenkommen interessanter Persönlichkeiten. Ein herrlich unernster Blick auf Superheld:innen und gleichzeitig eine tiefe Liebe für dieses Genre.

    „The Marvels“ an sich hat genau wie „Barbie“ eine warmherzige Botschaft. Es geht um Vergebung, Verantwortung, Wiedergutmachung und um Teamarbeit. Und ganz nebenbei noch um die Weltrettung. Kamala Khan trifft auf ihr großes Idol Carol Danvers und darf gleich mit durch den Weltraum jetten, sehr zum Leidwesen ihrer Eltern.

    Die müssen nicht nur damit leben, dass ihre Teenager Supereigenschaften hat. In diesem Fall wird erst ihr Haus in Mitleidenschaft gezogen und dann hängen sie plötzlich in einem wilden Tausch von Aufenthaltsorten mit drin. Und dann spielt im Hintergrund sehr passend ein berühmtes Stück aus dem Musical Cats. Was es da nicht zu feiern gibt, ist mir schleierhaft 😃

    Und zum Thema Repräsentation von „Frauen und anderen Minderheiten“ muss ich offensichtlich demnächst noch mal ausführlicher (als eben gerade schon) bloggen.


    Meine 4 liebsten eigenen Blogartikel des Jahres

    • Als Frau älter werden: Das war ein verspäteter Beitrag zu einer Blogparade über das Älterwerden als Frau. Für mich zur Zeit sehr relevant 😉

    Mein Jahr 2023 in Zahlen

    • Mit diesem Jahresrückblick 23 insgesamt 27 Blogartikel geschrieben
    • Über 2400 kWh Solarstrom erzeugt, wow!
    • Mehr als 5500 Sätze gelernt und geübt, på dansk, en français ej‘ tlhingan.

    Was 2023 sonst noch los war

    Ein Grashüpfer auf einer blau glasierten Tonkugel, im Hintergrund Gras.
    Flip war zu Besuch, er hat aber netterweise nicht meinen Vorgarten kahlgefressen.
    Eine leuchtend rosa Seerose
    Dieses Jahr war zeitweise der Hashtag Bloomscrolling auf Mastodon sehr angesagt. Da kam mir diese Seerose im Arboretum Ellerhoop sehr gelegen.
    Rückblick 23 Ein Stromkasten im Wald, darauf das Graffiti: The end is near. Don't fear God!
    Kaum hatte das Jahr angefangen, war angeblich das Ende nah. Falls die Apokalypse stattgefunden hat, habe ich davon allerdings nichts mitbekommen.
    Rückblick 23 Ein Dach mit fünf Solarplatten und einer nicht korrekt zugeschobenen Dachpfanne.
    Die Installation der PV-Anlage war nichts für schwache Nerven. Suchbild mit Loch im Dach…
    Foto von einer Katze, die sehr dicht an einem Fernseher sitzt und aufmerksam einen Film über Eichhörnchen und Vögel verfolgt.
    Wir haben auf Youtube die Videos zur Katzenunterhaltung entdeckt. Die Faszination ist immer noch groß.
    Nahhaufnahme einer Frau, im Hintergrund unscharf ein Periodensystem als Wandposter.
    Als ich Anfang des Jahres Bilder für meine Webseite machte, habe ich dies hier aus Gründen der Strubbeligkeit verworfen. Eigentlich repräsentiert es mich aber echt gut 😆
    Eine Frau mit einer gehäkelten Einhornmütze, die einen großen Kaffeebecher mit Periodensystemaufdruck in der Hand hält. Im Hintergrund ein Weihnachtsbaum.
    Jedes Jahr ist Slogg eine schöne Gelegenheit, meine Mützensammlung zu feiern.
    Rückblick 23 Nahaufnahme von einer Hand, die einen grünlackierten Stein mit hellen Tupfen hält. Im Hintergrund der Odenwald.
    Ich habe das Jahr zu Besuch im Odenwald begonnen und dort diesen Stein gefunden. Eigentlich müsste ich ihn mal weiter wandern lassen.
    Rückblick 23 Eine Frau vor einer Hauswand mit einem Schild. Darauf steht "Ehemalige Apotheke Pirsch. Hier arbeitete achtzehnhundertsiebzehn bis achtzehn als Lehrling der spätere weltberühmte Chemiker Justus von Liebig"
    Bei diesem Besuch kam ich auch an einer denkwürdigen Stätte vorbei: Der Apotheke, in der Justus von Liebig als Lehrling gestartet ist. Später hat er als Chemiker den Fleischextrakt, das Backpulver und den Mineraldünger entwickelt.
    Rückblick 23 ein Photo vom Tine Brunnen in Husum, im Hintergrund ein Regenbogen
    In Husum ist noch Hoffnung 🌈

    Rückblick 23 Instagrid

    Rückblick 23: Ein Instagramgrid im Schachbrettmuster

    Meine Ziele für 2024

    • Die Challenge „12 Short Stories“ dieses Mal wirklich durchziehen. Ich weiß auch schon, welcher Charakter mich dieses Mal durch das Jahr begleiten wird.
    • Wieder soweit fit werden, dass ich eine Radtour machen kann.
    • Beiträge zu diversen abgelaufenen Blogparaden schreiben. Ich habe noch eine ganze Reihe als Entwürfe gespeichert, so dass ich jederzeit loslegen kann, wenn mich die Muse erwischt.
    • Auf meiner Webseite das eine oder andere Lernkarten-Quiz zunächst zu Oberstufen-Mathematikthemen einrichten.
    • Jeden Monat einmal bewusst Nein sagen.
    • Alle drei Monate eine Neuversion meiner ToWant-Liste an den Kleiderschrank hängen.
    • Vor jeder Ja-Nein-Entscheidung mindestens innerlich bis zehn zählen. Und wenn das nicht reicht, dann werde ich der anderen Person mitteilen, dass ich einen Bedenktag brauche.
    • Ich möchte Socken stopfen lernen. Und andere Kleidung ästhetisch ausbessern, so dass ich sie noch länger tragen kann.

    Mein Motto für 2024 dreht die Erkenntnis, dass ich sowieso voraussichtlich immer ein „Work In Progress“ bleiben werde, auf den Kopf. Statt darüber frustriert zu sein, gehe ich die Entwicklung lernbereit und aktiv an:

    Ich lerne mich immer wieder neu kennen.

    Angela, Dezember 2023

    Hast du auch Pläne oder sogar ein Motto für 2024? Bist du mit deinem 2023 zufrieden? Hast du auch einen Jahresrückblick 23 geschrieben? Wie auch immer, ich wünsche dir einen guten Rutsch und alles Gute für das kommende Jahr!

  • Meine Grenzen

    Meine Grenzen

    Im Oktober schrieb ich eine ToWant-Liste. Als Punkt 20 notierte ich mir: „Mindestens einmal beruflich Nein sagen.“

    Mir fällt dieses Wort auch privat nicht immer leicht. Zuerst müsste ich oft überhaupt bemerken, was ich eigentlich gar nicht möchte. Beruflich meine Grenzen zu setzen und darauf zu achten, dass ich sie nicht übertrete, ist für mich noch etwas schwieriger. Im November hatte ich prompt jede Menge Gelegenheit zum Üben.

    Bürokratiegrenzen

    Der Vorlauf

    Die Kurzversion der Geschichte: Ich hatte mich zur Mitarbeit an einem Projekt bereit erklärt. Scheibchenweise wurde daraus eine zeitlich befristete Anstellung bei einer Behörde. Und das, obwohl Bürokratie erfahrungsgemäß nichts für mich ist.

    Ich hatte schon beim ersten Ja ein ungutes Gefühl. Meine Zusage basierte aber auf einer Aufgabe, die mir sehr am Herzen liegt. Dazu kommt, dass ich damit jemand aus einer sehr unschönen Lage würde heraushelfen können.

    Dann stand plötzlich ein Angestelltenvertrag im Raum. Wochenlang informierte mich die Behörde nicht über die Konditionen. Geschweige denn, dass ich daran beteiligt worden wäre. Bis plötzlich an einem Freitag voller anderer Termine mein Anrufbeantworter richtig viel zu tun hatte. Diverse E-Mails und Nachrichten revidierten sich teils hektisch gegenseitig und ich hörte:

    „Sie müssen sich in das Portal XY eintragen.“

    Ich muss gar nichts

    An der Stelle war für mich erstmal Schluss. Ich bin aus dem Öffentlichen Dienst ausgestiegen, weil diese ständige Müssen mir nicht entspricht. Natürlich kooperiere ich immer, wenn es sinnvoll und notwendig ist. Ich lasse mich aber nicht mehr herumzerren und springe nicht mehr, weil ich angeblich muss. Also sagte ich die Sache erst einmal ab.

    Das führte zu einem interessanten Kippen der Verhältnisse. Auf einmal wurde ich zerknirscht angerufen. Meine Fragen wurden so weit geklärt, dass ich vorläufig wieder Ja sagen konnte.

    Als ich im weiteren Verlauf auf technische Ungereimtheiten im Portal XY stieß, für die mir die Telefonnummer einer anderen Dienststelle genannt wurde, sagte ich wieder Nein. Und zu meiner Freude war es der Person am anderen Ende der E-Mail-Leitung plötzlich möglich, die nötige Information für mich heraus zu finden.

    Der Standardvertrag

    Damit war der Lernprozess nicht zu Ende. Der Vertrag, der mir zugeschickt wurde, enthielt eine Klausel, die vorher nicht abgesprochen war. Auch das Anschreiben wies noch einmal extra darauf hin. Meine Nachfrage ergab, das sei ein Standardvertrag, der könne nicht geändert werden. Dieser starre Bürokratismus hat noch einmal bestätigt, warum es für mich damals richtig war, aus dem öffentlichen Dienst auszusteigen.

    Also sagte ich wieder vorläufig Nein. Um dieses Projekt antreten zu können und dabei meine Grenzen zu wahren, verlangte ich eine schriftliche Bescheinigung, dass diese Klausel für mich nicht gilt. Zu meinem Erstaunen bekam ich diese ohne Probleme und ansonsten kommentarlos. Ich hatte wirklich mit mehr Widerstand und Komplikationen gerechnet.

    Zwischenbilanz

    Meine Erfahrungen mit den Neinsagen waren erstaunlich positiv. In meinen vorherigen Begegnungen mit Behörden und Arbeitgebern war mir nie die Länge meines Hebels bewusst gewesen. Da ist immer noch dieser Reflex, viel zu schnell Ja zu sagen, wenn ich sehe, dass jemand Unterstützung braucht, oder wenn eine mit Autorität aufgeladene Institution sich bei mir meldet.

    Aktuell läuft das Projekt ziemlich ruckelfrei. Es ist sogar zeitlich weniger Aufwand als befürchtet. Ich bin mir immer noch nicht ganz einig darüber, ob ich von Anfang an auf mein Gefühl hätte hören sollen, oder ob diese Geschichte eine gute Lerngelegenheit für mich war.

    Unterrichtsgrenzen

    Dafür hatte ich nicht gekündigt

    Ich unterrichte stundenweise in einem Nachhilfeinstitut vor Ort. Dort übernehme meistens Schüler:innen aus den Gruppen des Betreibers, sobald sie in die Oberstufe kommen. Und bisher gab es für mich damit auch keine Probleme.

    Vor Kurzem änderte sich das: Im laufenden Schuljahr erinnerte mich ein neuer Schüler sehr drastisch daran, warum ich nicht mehr im Schuldienst arbeite. Er war mir gegenüber höflich, erzählte allerdings ausführlich, wie rücksichtslos er sich in der Schule verhält. Und wie lustig er das teils findet. Er hat hauptsächlich seinen eigenen Frust vor Augen und gibt ihn ungefiltert an sein schulisches Umfeld zurück.

    Als Lehrerin war ich auch oft mit so einer destruktiven Negativität konfrontiert. Eine Kollegin meinte damals, ich müsse mir ein dickeres Fell zulegen. Ich bin noch heute überzeugt, dass daraus erstens nichts geworden wäre und dass es mir auch nicht gutgetan hätte, es zu versuchen. Ich will nicht härter werden, um irgendwo so reinzupassen, dass ich von außen betrachtet nicht kaputtgehe.

    Mein erstes Nein

    Ich teilte dem Institutsinhaber mit, dass ich diesen Schüler nicht mehr unterrichten möchte. Er selbst ist sehr kooperativ und es überraschte mich nicht, dass er sich sofort an die Planung machte, wo er den Jungen stattdessen unterbringen könnte. Kurz darauf fragte er mich, ob ich zu einem Telefonat mit dem Jungen bereit wäre.

    Das Gespräch

    Es war für mich sehr heilsam. Ich konnte dem Schüler so freundlich wie klar erklären, was mich belastet hatte. Er hatte in seiner Schullaufbahn bisher nie so ein Feedback bekommen und es war zu merken, wie nachdenklich ihn das alles machte. Er bat mich, noch einmal in Ruhe nachzudenken, ob er nicht doch noch wieder in meine Gruppe zurückkommen könnte.

    Das war für mich eine spannende Stelle. Damals als Lehrerin im Schuldienst hatte ich nie die Gelegenheit gehabt, meine Sicht der Dinge zu erklären. Erst recht nicht in einem ruhigen Gespräch. Dieses Telefonat hatte mir richtig gutgetan. Das machte es mir noch schwerer, die Zusammenarbeit ein zweites Mal abzulehnen.

    Mein zweites Nein

    Letztlich bin ich bei meinem Nein geblieben. Einerseits, weil ich als Nachhilfelehrerin meine Aufgabe nicht mehr darin sehe, erziehend einzugreifen. Ich hatte große Zweifel, dass er nicht wieder in alte Muster zurückfallen würde und ich mich wieder mit emotionalem und zeitlichem Aufwand dazu würde verhalten müssen.

    Andererseits war das für mich vor allem nach dem Ja zum Projekt mit der Behörde eine wichtige Lerngelegenheit. Das war der Moment, in dem ich üben konnte, es auszuhalten, Nein zu sagen und dabei zu bleiben. Es fühlt sich nach wie vor entlastend an und der Teil in mir, der zunächst so ein schlechtes Gewissen hatte, entspannt sich auch allmählich wieder. Es ist ja so, dass der Junge bei einer anderen Lehrkraft gute Unterstützung bekommt.

    Was habe ich gelernt?

    Vieles, was ich hier gelernt habe, ist mir nicht neu. Gleichzeitig tauchen die richtig wichtigen Lektionen im Leben immer mal wieder zur Auffrischung neu auf. Vor allem die Themen, die ich nicht so gerne und deswegen vielleicht auch nicht so tiefgründig verinnerlicht habe.

    Macht

    Für mich geht es beim Umgang mit meinen Grenzen auch um Macht. Wer hat Macht über mich, scheinbar oder tatsächlich? Wie viel Macht habe ich über den Prozess? Wem gebe ich Macht und warum?

    Über dieses Thema denke ich nicht so oft nach, wie es offenbar sinnvoll wäre. Ein weiterer Punkt auf meiner ToWant-Liste war eine Innere Konferenz. Die habe ich mir in dieser Situation gegönnt und meine diversen inneren Persönlichkeiten hatten eine Menge zum Thema Macht zu sagen 😉

    Ein paar von ihnen halten Macht für etwas sehr Negatives und vermeiden es, darüber nachzudenken. Menschen, die gerne Macht haben, sind ihnen suspekt. Andere Bestandteile meines Teams mögen dagegen sehr wohl die Fäden in der Hand halten und schlagen die Hände über dem Kopf zusammen, wenn ich mich um ein Nein drücke. Menschen, die Macht ablehnen sind ihnen suspekt. Da ist gelingende Kooperation natürlich vorprogrammiert.

    Verantwortung

    Die andere Seite der Machtmedaille heißt Verantwortung. Es scheint zunächst nobel, Macht skeptisch gegenüberzustehen. Gleichzeitig übernehme ich auch Verantwortung für mich und meine Beziehung mit den anderen, indem ich meine Grenzen kenntlich mache und pflege.

    Eine klare Haltung und klare Worte erfordern Energie. Und zwar mehr als die Strategie, irgendwie den anderen Personen übelzunehmen, wenn diese über meine Grenzen getrampelt sind. Woher sollten sie aber wissen, wo mein Nein ist, wenn ich das selbst nicht weiß und nicht kommuniziere?

    Respekt

    Mich hat diese Erkenntnis tatsächlich besonders überrascht: Wenn ich kurz und klar formuliere, wofür ich nicht zu Verfügung stehe, wird das hauptsächlich neutral wahrgenommen und nicht in Frage gestellt.

    Die ganzen nervigen Filme, die ich mir in meinem Kopf zur Vorbereitung schon mehrfach angesehen hatte, fielen hinterher einfach aus. Ich hatte mich schon in zermürbenden Debatten untergehen gesehen.

    Es lohnt sich, meine Grenzen zu erkennen, zu markieren und kommunizieren. Mein ehemaliger Schüler kommentierte das zweite Nein nach der Bedenkpause mit: „Alles klar!“ Kein Groll, kein Nachverhandeln, keine persönlichen Vorwürfe.

    Ablehnung

    Und es gibt noch ein gar nicht mal so verschattetes Thema: Es ist für mich genauso schwierig, andere Menschen (gefühlt) abzulehnen wie selbst abgelehnt zu werden. Der Schüler, den ich in meiner Gruppe nicht mehr haben wollte, hat diese Zurückweisung gelassener und weniger persönlich genommen, als ich es mir ausgemalt hatte.

    Auch hier scheint es oberflächlich wieder sehr ehrenhaft, wenn ich ein Ja verkaufe als: „Ich möchte die andere Person nicht verletzen“. Ein Teil der Wahrheit ist allerdings, dass ich nicht nach meinem Nein abgelehnt werden möchte.

    Das erinnert mich daran, mich noch einmal mit den „Four Agreements“ von Don Miguel Ruiz zu beschäftigen. Die zwei besonders relevanten Abmachungen sind hier:

    „Do not take anything personally“

    und

    „Do not make assumptions“

    Don Miguel Ruiz,1997

    Oder in meinen eigenen Worten: „Dreh nicht schon im Voraus einen Film, der sehr wahrscheinlich gar nicht stattfinden wird. Und wenn es sich unangenehm persönlich anfühlt, Nein zu sagen, überprüf noch einmal deine Grenzen.“

    Das Helfenwollen

    Und dann ist da natürlich noch das Bedürfnis, die Welt zu retten. Wenn ich schon an so vielen anderen Stellen nur minimale Selbstwirksamkeit erlebe, kann ich doch nicht so einfach leichtfertig jemandem meine Unterstützung verweigern? Je größer die Notlage, umso schneller beobachte ich mich beim Zusagen.

    Und doch geht die Welt nicht unter, wenn ich beschließe, dass sich jemand anders um dieses eine Problem kümmern muss. Das habe ich natürlich im Leben auch schon oft so gehandhabt. Ich weiß nicht, ob mir das in den letzten Jahren angesichts der Weltkrisen wieder entglitten ist oder ob ich nur aufgrund der ToWant-Liste diesem Thema mehr Aufmerksamkeit geschenkt habe, das kann ich gar nicht sagen.

    Eine Auffrischung der Botschaft, dass meine Bestimmung nicht darin besteht, alles und alle retten zu müssen, oder gar zu können, ist auf jeden Fall immer hilfreich und willkommen.

    Die Gefahr der kleinen Schritte

    Ich habe es wiederholt Anderen leicht gemacht. Und zwar indem ich nicht gemerkt habe, wenn immer ein kleines bisschen zusätzlich in die Waagschale gelegt wurde und ich den Moment verpasst habe, an dem mir etwas zu viel wurde.

    So konnte sich auch die erwähnte Behörde an meinen Alarmsensoren vorbeibewegen. Damit sage ich nicht, dass die beteiligten Personen das bewusst als Strategie eingesetzt hätten. Sondern, dass meine Grenzen für hintereinander geschaltete stufenweise Anfragen bisher zu durchlässig waren. Oder nicht existent.

    Grenzenziehen als Prozess

    Manchmal geht es nicht um eine kurze Entscheidung. Sondern um das Aushandeln von Details und Bedingungen. Einer meiner Irrtümer war, dass ich ein einmal gegebenes Ja nicht ohne Anstrengung zurücknehmen könnte. Oder dass ein Nein auch eigentlich ein vorläufiges Stoppsignal sein kann, um die Geschwindigkeit herauszunehmen.

    Idealerweise kann die erste Reaktion auch sein: Gib mir Bedenkzeit und ich melde mich dann, wenn ich für mich entschieden habe. Oder auch: Ich werde mich erst dann entscheiden, wenn ich alle Informationen und ein klares Bild habe.

    Die Freiheit der Selbstständigkeit

    Selbstständig zu arbeiten ist für mich ein Segen. Das konnte ich noch mehr wertschätzen, nachdem ich wieder die gründliche Konfrontation mit unbeweglicher Bürokratie und endlosen Formularen genossen hatte.

    Als Angestellte habe ich noch viel häufiger geglaubt, mich einfügen zu müssen. Und unter diesem Korsett gelitten. Vermutlich hätte ich auch in dieser Konstellation auch noch häufiger meine Grenzen deutlich machen können. Aber es ist in einem beruflichen Abhängigkeitsverhältnis doch für eine Persönlichkeit wie mich um einiges schwieriger.

    Dass mein Weg mich dahin geführt hat, wo ich jetzt bin, dafür bin ich aktuell noch dankbarer. Ich kann das machen, worin ich gut bin, mit den Menschen, die meine Arbeit wertschätzen.

    Endgegner Behörden

    Eine der wichtigsten Lektionen für mich: Ich muss nicht alles hinnehmen, was als wichtig aussehendes Schreiben in meinen Briefkasten flattert. Ich bin auch nicht immer einer Behörde gegenüber die unterlegene Bittstellerin, die sich durch Formulare und schlecht designte Onlinemasken durchkämpft.

    Diese neue Haltung konnte ich im Dezember schon nutzen. Die Rentenversicherung schrieb mir, ich hätte angeblich ein wichtiges Dokument nicht eingereicht. 2022 war genau dasselbe schon einmal passiert. In beiden Fällen muss das Dokument auf dem Postweg in der Behörde untergegangen sein. Dieses Mal habe ich mich nicht mehr stressen lassen und klar mitgeteilt, dass ich erwarte, dass dieser Vorgang in Zukunft besser zu laufen hat.

    Noch viel zu lernen

    Viele dieser Erkenntnisse sind eigentlich selbstverständlich. Gleichzeitig gibt es Dinge, die wir auf der rationalen Eben zu wissen glauben. Sie wirklich im Moment zu realisieren und zu erleben, ist etwas anderes.

    Ich bin auch längst nicht in allen Situationen die komplette Jasagerin. Es scheint zwei Betriebseinstellungen zu geben: Die Peoplepleaserin und die Person, die in diversen Lebensbereichen nicht der Norm entspricht und das auch unerschütterlich vertritt.

    Es bleibt spannend. Und für das kommende Jahr habe ich ein schönes Projekt darin, mich und meine Grenzen neu kennenzulernen und klarere Entscheidungen zu treffen.

    Wie siehst du das?

    Ist es für dich einfach, deine Grenzen zu wahren und Nein zu sagen? War das schon immer so? Wie machst du das, dass du rechtzeitig merkst, wenn eine Abmachung außerhalb deiner Zustimmungszone gerät?

  • Monatsrückblick November 23

    Monatsrückblick November 23

    Kleine Schritte und Superheldinnen

    Es ist Zeit für den Monatsrückblick November 23 nach der Anleitung von Judith Peters. Äußerlich war wenig los, dafür hatte ich viel zu Lernen, was Geduld und Verantwortung für meine eigenen Grenzen angeht. Das Dumme an kleinen Schritten ist, dass es schon sehr viel Aufmerksamkeit bedarf, sie zu bemerken 😉

    Was hatte ich vor und was ist daraus geworden?

    • Die Kräuter, die ich in meiner Umgebung identifiziert habe, genauer kennen lernen. -> Es war sehr spannend, wie viele Kräuter im November noch draußen durchhalten.
    • Weiter fit werden. -> Das ist weiterhin eine Übung in Geduld. Kleine Schritte sind nicht gerade mein Lieblingshobby, allerdings besser als Stillstand.
    • Meine ToWants im Auge behalten. -> Die ToWant-Liste war eine super Begleitung durch den Monat und echte Motivation 😀

    Projekt Gesundheit

    Ich muss alle paar Monate ein neues Rezept für Thyroxin besorgen. Das ist für meinen Geschmack genug medizinische Intervention. Daran gemessen habe ich mich im Dezember sehr überwunden, als ich mich wegen meiner Müdigkeit seit der Coronainfektion mal habe durchchecken lassen.

    Blick auf den Boden eines medizinischen Praxisraumes. An Kabeln hängen Elektroden für ein EKG

    Meine Lunge und mein Herz scheinen in Ordnung zu sein. Ich wurde gründlich abgehorcht und per EKG vermessen. Unauffällige Befunde sind allerdings bei Menschen mit Long- und Post-Covid weit verbreitet. Es wird mir wohl wenig übrig bleiben, als weiter abzuwarten.

    Eine Frau photographiert sich selbst in einem Spiegel. Sie sitzt auf der Liege in einem medizinischen Praxisraum.
    Seltener Gast 😉

    Dadurch, dass mir Fahrradfahren zu anstrengend ist, sehe ich manche Strecken wieder häufiger, die eher Wanderwege sind als irgendetwas anderes. So bin ich von einem Schüler im Nachbarort ein Stückchen die E1-Route entlang gegangen. Wenigstens komme ich so zur Zeit sehr malerisch zum Entschleunigen.

    Ein Wanderpfad zwischen Bäumen hindurch, im HIntergrund eine Weide. Das Laub ist goldbraun, einige Blätter liegen auf dem Boden.
    Nur bedingt zum Radfahren geeignet.

    Projekt Grenzensetzen

    Auf meine ToWantListe hatte ich auch das berufliche Neinsagen gesetzt. Es hat mich trotzdem überrascht, wie oft ich im November dazu Gelegenheit bekommen habe.

    Ich habe an einer Stelle Stunden reduziert und einen Schüler aus meinem Kurs nehmen lassen. An einer anderen Stelle habe ich einen Prozess mehrere Male angehalten, weil die Beteiligten, die eigentlich etwas von mir wollten, immer wieder versuchten, an mir vorbei zu entscheiden.

    Ich bin noch nicht schlüssig, ob es richtig war, bei der letzterwähnten Zusammenarbeit am Ende doch Ja zu sagen. Mein Nein am Ende des befristeten Vertrages steht jedenfalls jetzt schon fest.

    Die Details und was ich alles daraus gelernt habe, schreibe ich aktuell in einem separaten Blogbeitrag zusammen. Allerdings hatte das Thema bei mir im November 23 so ein Gewicht, dass ich es im Monatsrückblick als eigenen Punkt aufzähle. Unter anderem auch, um es noch mehr in meinem Bewusstsein zu verankern.

    Projekt To Want

    Die To-Want-Liste vom Blogtoberfest hat mich sehr intensiv durch den November begleitet. Dabei haben die privaten ToWants deutlich mehr Aufmerksamkeit bekommen, was ich tatsächlich positiv sehe.

    Zum Beispiel hatte ich immer vor, mal eine abwechslungsreichere Sonntagsfrühstücks-Kultur einzuführen. Auf meinem Computer sind viele Rezepte zusammegehamstert und oft gucke ich am Ende des Jahres zurück und staune, wie wenig ich davon nicht ausprobiert habe. Obwohl ich der absolute Frühstücksmensch bin 🧡

    Zwei Waffeln aufeinandergestapelt auf einem Teller. Darüber gegossen ist Blaubeerkompott und darauf sind bunte Streusel verteilt

    Unter anderem habe ich ein neues veganes Waffelrezept ausprobiert. Auf Bianka Zapatka ist wirklich Verlass, ich hatte bisher kein Rezept von ihr, das nicht geklappt hätte. Und diese Waffeln waren wirklich flauschig. Für die gute Laune mit extra bunten Streuseln.

    Eine Frau steht im Wald auf goldenem Herbstlaub und schaut auf den Boden.

    Wie geplant bin ich auf Kräuterjagd gegangen. Spannend, wie ich einen Ort noch einmal ganz neu kennen lerne, wenn das Hauptaugenmerk meist auf Wadenhöhe ist 😀 Die App Flora Incognita fasziniert mich weiterhin immer wieder.

    Photo von einer Insel, auf der alte rote Backsteinhäuser stehen. Die Gebäude spiegeln sich in der ruhigen Wasseroberfläche

    Statt zum Brenner Moor sind wir zur Schlossinsel Rantzau gefahren. Ein richtig pittoresker Ort mit spannenden Kunstwerken und besonders hübsch mit goldenem Herbstlaub überall. Mir tut es immer wieder gut, mal zu einem Ortswechsel rauszukommen. Und ich war durch die ToWantListe ja nicht auf einen Ort festgenagelt, der mir dann doch bei dem wackeligen Wetter ein bisschen zu weit war. Die Punkte auf der Liste sehe ich eher als Inspiration.

    Ein Weg an zwei alten roten Backsteinhäusern vorbei. Die Straße hat Kopfsteinüpflaster
    Historische Gebäude am Rantzauer See.

    Das Konzept ToWantListe werde ich auf jeden Fall weiterführen, vielleicht weiterhin im Quartalsrhytmus, vielleicht auf Jahreszeiten verteilt.

    The Marvels

    Auch dieser Film war ein ToWant auf meiner Liste. Ähnlich wie bei Barbie wurde schon im Vorfeld von vielen Menschen öffentlich extrem negativ darüber gesprochen. Besonders von Menschen, die diese Filme gar nicht sehen wollten. Die Welle an aggressiver Ablehnung, die auf Brie Larson (Captain Marvel) gerichtet wurde, war mal wieder bedrückend.

    Wenn ich einen Film, oder ein Buch oder eine CD nicht mag, dann verbringe ich nicht ewig viel Zeit damit, mich in so eine Wut reinzusteigern. Erst recht liegt es mir fern, dann online Tiraden zu verfassen. Als hätte ich ein verdammtes Recht darauf, dass ein Filmstudio immer vorher bei mir anfragt, welche Sorte Geschichte sie drehen dürfen und welche Sorte Mensch darin Hauptrollen spielen darf.

    Wenn jemand den Film gesehen hat und technisch mit der CGI, den Kampfszenen oder der Stärke der Gegnerin nicht einverstanden war, ist es natürlich etwas anderes, als wenn jemand generell protestiert, dass Marvel angeblich plötzlich zu viele Superheldinnen an den Start bringt. Die Figuren gibt es in den Comiocs schon lange, Carol Danvers ist sogar noch älter als ich.

    Ich persönlich fand The Marvels sehr unterhaltsam und bewegend. In die Interaktionen zwischen den drei Hauptcharakteren konnte ich mich sehr reinversetzen, besonders in Kamala Khans Hang zum Fanquietschen 💙

    Der Film hatte eine berührende Botschaft über Familie und Kooperation, Verantwortung und Schuld, Vergeltung und Wiedergutmachung. Es gab viel zu lachen, überraschende Twists und originelle Erzählideen. Ich hatte drei Filme auf meiner ToWantListe und bin sehr froh, dass ich dazu gekommen bin, mir diesen hier anzusehen.

    Der Podcast „Women of Marvel“ erzählt mehr über die verschiedenen Inkarnationen von „Captain Marvel“. Bei dieser Episode schwappt genau die Art von Enthusiasmus herüber, den ich auch im Kino gefühlt habe. Wer weiß und am Ende muss ich jetzt anfangen, Jahrzehnte von Marvelcomics nachzulesen 😀

    Und was war sonst noch los?

    Blick auf einen See, das Wasser ist sehr ruhig und spiegelt die Bäume am gegenüberliegenden Ufer. Die Laubfarben gehen von Dunkelgrün bis leuchtend Gold. Der Himmel ist dramatisch bewölkt.
    Krupunder ist den Meisten eher aus den Verkehrsnachrichten bekannt. Dabei ist der See besonders im Herbst wunderschön.
    Ein Photo in einem Restaurant, in einer indirekt beleuchteten Wandnische sitzt eine weiße Statue im Schneidersitz. Die Wand ist blau mit einem Blättermuster darauf gemalt.
    In Wedel hat ein veganes Restaurant geöffnet. Das ist schon toll, wenn wir nicht unbedingt zum Essengehen nach Hamburg reinfahren müssen. Eine ausdrückliche Empfehlung für das Om Mani! (Leider gibt es dieses Restaurant seit 25 nicht mehr)

    Was habe ich im November 23 gebloggt?

    Ein Beistelltisch, darauf eine Teekanne, eine Teetasse, ein Apfel, ein paar Hustenbonbons, Nasen- und Halsspray, Taschentücher und ein Buch

    Monatsrückblick Oktober 23

    Ich schreibe mit anderen Blogger:innen einen Monatsrückblick auf den Oktober 23. Was war los? Was habe ich gelernt? Wie geht es im November weiter?

    Sprachen ändern sich: Eine Frau guckt mit großen Augen in die Kamera und hält sich die Ohren zu

    Sprachen ändern sich

    Eine Blogparade über gefühlte Sprachverhunzung gab mir eine willkommene Gelegenheit, über die Formulierungen im Deutschen zu sprechen, die mir im Alltag sehr schräg runter gehen.

    mein jüngeres Ich: ein Photo aus den siebziger Jahren zeigt ein etwa vierjähriges blondes Mädchen auf einem Spielplatzkarussell

    Mein jüngeres Ich

    Eine weitere Blogparade brachte mich dazu, mich mal wieder bei meinem jüngeren Ich zu melden. Und ich staune, wie viel und wie wenig sich in den Jahren geändert hat. Meistens im besten Sinne.

    Was habe ich im Dezember 23 vor?

    • Meine Schwester hat mir zum Geburtstag einen Häkeladventskalender geschenkt. Da habe ich jeden Tag ein kleines Handarbeitsprojekt.
    • Weiter fit werden.
    • Entscheiden, welche ToWants ich noch abhaken möchte.
    • Weihnachten feiern 🎄 Mein Lieblingsfest!
    • Anscheinend werde ich auch wieder am Jahresrückblog teilnehmen 😀 Allerdings in stark reduzierter Form. 2021 und 2022 hat es mir sehr gefallen, so gründlich auf die vergangenen zwölf Monate zurückzublicken und meine Erkenntnisse zu sortieren. Ich muss allerdings dieses Jahr nicht ganz so viel Aufwand in die Details stecken 😉

    Das war mein Monatsrückblick November 23.

    Schreibst du auch mehr oder weniger regelmäßig Rückblicke? Was sind deine Erfahrungen damit? Wie gut läuft bei dir das Erkennen und Einhalten deiner persönlichen Grenzen?

    Mehr Beiträge zum Thema Rückblicke findest du hier.

  • Mein jüngeres Ich

    Mein jüngeres Ich

    Überraschung, eine weitere Blogparade! Dieses Mal war es Sylvia Tornau, die mich motivierte, mein jüngeres Ich zu kontaktieren. Das finde ich immer eine passende Idee, und aktuell habe ich besonders Lust dazu. Also los:

    Liebe Angela,

    wir haben uns ja schon ein paarmal getroffen. Damals zum Beispiel, als ich noch du war. Und während meiner Coachingausbildung, als ich dich ein paarmal gezielt zu dem einen oder anderen Thema besucht habe. Das hat mir immer geholfen, mein heutiges Ich besser zu verstehen. Vielleicht haben diese Treffen dir als mein jüngeres Ich auch gut getan. Ich hoffe es. Heute melde ich mich, um einfach Hallo zu sagen und zu plaudern 😉

    Du sitzt alleine auf dem Spielplatzkarussell. Schon früh machst du gerne dein eigenes Ding, beschleunigst das Gefährt mit links. Fremde Menschen sind dir etwas suspekt, aber wenn du die Situation selbst unter Kontrolle hast, genießt du es, schnell voran zu kommen. Überrascht es dich, dass wir nicht so verschieden sind, du und ich?

    Wenn du mich fragst, ob ich dir etwas mitzuteilen habe, dann das: Du bist in Ordnung. Du hast eine spannende Reise vor dir, auf der du dich immer wieder neu erfinden und dafür sorgen kannst, dass du möglichst viel von deinem Leben selbst in der Hand hast. Auf der du immer Zeit zum Spielen haben wirst, wenn du sie dir nimmst.

    Ein Photo aus den frühen neunziger Jahren. Eine junge Frau mit Dauerwelle, hellgrünem Pullover und mittelblauer Jeans steht mit ausgebreiteten Armen und einem Grinsen im Gesicht vor Blumenrabatten.

    Ein Sprung vorwärts: Du hast gerade die letzte Abiprüfung hinter dir und siehst mit großen Augen und ein bisschen besorgt in die Zukunft. Von dir aus hätte die Schulzeit gerne noch ein paar Jahre weiter gehen können. Alles so schön gewohnt, relativ viel Freizeit und es gab immer etwas zu lernen. Das meiste davon war sogar interessant.

    Ich hoffe du freust dich darüber, dass du einen Weg finden wirst, das Lernen zum Mittelpunkt und zur Aufgabe deines Lebens zu machen. Das ist sogar noch viel erfüllender, als du es dir vielleicht jetzt vorstellen kannst.

    Mit dem Weltretten läuft es dagegen nicht so wie geplant. Der Zustand der Erde hat sich eher verschlechtert und die Lage ist frustrierend. Aber lass dich dadurch nicht davon abhalten, es trotzdem zu versuchen. Mit der Zeit findest du Menschen, die ticken wie du, mit denen du dich für deine Werte einsetzen kannst. Und du wirst merken, manchmal tut Gesellschaft richtig gut.

    Ich erinnere mich daran, wie dir diese Dauerwelle aufgeschwatzt wurde. Du bist so oft so kernig du selbst und gleichzeitig so leicht zu beeindrucken. Vielleicht ist es dir ein Trost, dass diese Frisur bald wieder raus wächst, inklusive einer Zeit mit sehr kurzen Haaren. Als du zur Hochzeit bei der gleichen Friseurin sitzt, und sie dir wieder eine Dauerwelle andrehen will, schnaubst du sie nur an 😀 Nicht jeder Fehler wird wiederholt und ich bin immer noch stolz auf dich dafür.

    Auch mit 50 geraten wir immer noch in Situationen, in denen wir erst im Rückblick merken, dass wir schon wieder umgekippt sind. Warum erklären wir uns immer noch zu Dingen bereit, die im Nachhinein mächtig nerven? Auf die wir, wenn wir ehrlich sind, von Anfang an keine Lust hatten?

    Die gute Nachricht ist, dass wir tatsächlich dazu lernen. Auch beim Neinsagen. Die schlechte Nachricht ist, dass dieser Prozess richtig richtig langsam läuft. Und das, obwohl wir bei manchen Dingen doch so gerne beschleunigen wollen. Vielleicht lernen wir am Ende noch, Geduld zu haben?

    Liebes jüngeres Ich, ich bin froh, dass wir uns kennen. Darf ich dir etwas raten? Wenn ja: Sei ruhig etwas zuversichtlicher. Du machst deinen Weg, da bin ich mir sicher. Ich war schließlich dabei 😉

    Alles Liebe und viel Spaß!

    Dein älteres Ich


    Ich verspreche, ich werde nicht bis an mein Lebensende nur Beiträge zu Blogparaden schreiben. Leider gibt es „kurioserweise“ aktuell so viele spannende Themen, dass ich schon sortieren musste, an welchen ich nicht teilnehmen werde 😉

  • Sprachen ändern sich

    Sprachen ändern sich

    Lebende Sprachen ändern sich. Auch wenn mir das im Grunde bewusst ist, bin ich nicht von jeder Veränderung gleichermaßen begeistert. Nicole Isermann hat freundlicherweise zu einer Blogparade unter dem Titel #BlogparadeSprachverhunzung aufgerufen. Für mich die Gelegenheit, mir mal ein bisschen was von der Seele zu reden. Oder?

    Disclaimer: Nach diesem Beitrag wurde mir klar, dass die Frage nach meinem Standpunkt zum Gendern von den eigentlich existenziellen Fragen ablenkt. Dass diese Debatte unnötig Zeit und Energie verschwendet. Mehr liest du dazu in meinem abschließenden Beitrag zum Gendern.

    Ich lasse diesen Post trotzdem stehen, weil ich immer noch zu den Aussagen darin stehe. Vor allem dazu, dass ich mir für uns mehr Nachsicht, Solidarität und Gelassenheit miteinander wünsche.

    Wie ich zu Sprachen stehe

    Mein Zugang zu Sprachen ist einerseits ästhetisch, andererseits aber auch ziemlich analytisch. Ich finde es schön, wenn alles nahtlos zusammenpasst und Sinn ergibt. Das Baukastenprinzip der deutschen Sprache ist für mich schon fast ASMR, ein gelungenes Gedicht fühlt sich genauso gut an wie eine Matheaufgabe, die glatt aufgeht.

    Ich beobachte auch sehr fasziniert, wie kreativ meine Schüler:innen, die inzwischen mehr als dreißig Jahre jünger sind als ich, mit Begriffen umgehen. Wie sie verschiedene Sprachen mischen und Worten neue Bedeutungen geben. Sprachen ändern sich und oft empfinde ich diesen Prozess als Ausdruck von Lebendigkeit und Bereicherung. Genauso, wie sich die Evolution nicht aufhalten lässt, ist es aussichtslos, darauf zu hoffen, dass sich weder unser Vokabular noch die Grammatik ändern.

    Was mich stört

    Und doch gibt es ein paar Dinge, bei denen ich innerlich quietsche. Und zwar dann, wenn Dinge nicht zusammenpassen. Dass das Genitivobjekt auf dem Weg in die Bedeutungslosigkeit ist, nehme ich ja noch hin. Das ist einfach eine Weiterentwicklung. Auch wenn etwas „zu Genüge“ passiert oder „im guten Zustand“ ist, zucke ich nur kurz zusammen 😉 Was ich allerdings richtig unangenehm finde, ist zum Beispiel Folgendes:

    „Dann habe ich ’nen Buch gelesen.“

    Ich verschleife beim Sprechen auch manches. Teils regional bedingt, teils aus ökonomischen Gründen. Allerdings spare ich beim Wechsel von „ein XY“ zu „’nen XY“ keine einzige Silbe. Diese Konstruktion ist aber oft zu hören oder lesen, und ich frage mich regelmäßig, was die Motivation dahinter ist.

    Das Kommentar war echt gemein!“

    Ursprünglich habe ich besonders in Onlinediskussionen oft von „das Kommi“ gelesen. Die Verniedlichung mag ja noch das Neutrum nahe legen. Irgendwann kehrte allerdings das unverkürzte Wort als „das Kommentar“ zurück. Und der Kommentar ist nicht der Einzige, dessen Genus ohne Not und ohne Vorwarnung vertauscht wird.

    Diese Sache hat seinen Preis.“

    Diese Vermischung finde ich wirklich unästhetisch. Und sie fällt mir relativ oft auf. Ein feminines Wort hat häufig aus unerfindlichen Gründen „seine“ Zeit, Bedeutung, Ursache oder was auch immer. Diese grammatikalische Überraschung finde ich besonders anstrengend und unerklärlich.

    Photo von einem Zeitungsausschnitt, die Überschrift lautet: Vergrößerung. Tiertafel Pinneberg erweitert seine Kapazitäten.
    Ein Beispiel aus der Lokalzeitung

    Dreimal mehr als vorher.“

    Diese Formulierung hat sich dermaßen etabliert, dass ich bei der Werbung für Nurofen jedes Mal wohlig aufatme, wenn mir erzählt wird, dass der Wirkstoff „zweimal so schnell“ aufgenommen wird. Dreimal wie viel mehr? Falls es sich um 100% handelt, dann wäre das doch viermal so viel. Oder nicht?

    Was mich stört, sind solche nicht passenden und unlogischen Bezüge. Besonders dann, wenn sie gleichzeitig überhaupt nicht nötig sind. Ich kann ’n Buch lesen, den Kommentar schreiben und jede Sache hat ihren Preis. Die Dinge so zu formulieren, kostet keine zusätzliche Energie oder Konzentration.

    Auch andere Sprachen ändern sich. So ist es vermutlich nicht mehr aufzuhalten, dass es auf Englisch irgendwann offiziell heißt ‚“I could care less“ oder „I would of said something“. Zu diesem Effekt gibt es übrigens auch Studien: Falsche Grammatik zu hören, kann körperliche Stressreaktionen auslösen.

    Was ich anderen zumute

    Manchmal ist es anders herum. Ich gehöre zu der Gruppe, die schriftlich gerne das Gendersternchen oder den Doppelpunkt im Wort verwendet und sich nicht daran stört, wenn andere den Glottisschlag sogar aussprechen. Das passiert mir sogar selbst immer öfter 😉 Wie Fresh Torge es formuliert: „Sag mal Rührei!“ Zusätzlich konsumiere ich gerne vegane Würstchen und Hafermilch.

    Nicht alle sind von Konstruktionen dieser beiden Arten begeistert. Das ist mir bewusst. Und ich kann mir auch vorstellen, dass diese Menschen sich davon genauso gestresst fühlen wie ich, wenn jemand wieder „’nen Bild gemalt“ hat.

    Was wir daraus machen können

    Sprachentwicklung aufhalten zu wollen, ist unrealistisch. Aus meiner Sicht würde ich mir wünschen, dass wir alle auf dem Schirm haben, dass unterschiedliche Menschen unterschiedliche Formulierungen unterschiedlich gut oder schlimm finden. Und dass wir alle an der Stelle etwas durchatmen und die Art, wie die andere Person redet, nicht persönlich auf uns beziehen. Vielleicht sogar umso mehr hören, was sie uns inhaltlich sagen will.

    Ich selbst kann natürlich nur an meiner eigenen Einstellung arbeiten. Diese Blogparade war eine wunderbare Gelegenheit, dafür meine Gedanken zu sortieren. Und eine Anregung, mal wieder mein Prioritätenbord zu betrachten. Und wenn das nächste Mal jemand in meinem Umfeld sprachlich wieder besonders kreativ ist, einfach extra tief durchzuatmen.

    Wie siehst du das?

    Gibt es sprachliche Entwicklungen oder Formulierungen, die dir auf die Nerven gehen? Oder würdest du dir mehr Gelassenheit gegenüber neuen Ausdrücken wünschen? Oder geht es dir wie mir und du erlebst beides?

  • Monatsrückblick Oktober 23

    Monatsrückblick Oktober 23

    Es ist Zeit für den Monatsrückblick Oktober 23 nach der Anleitung von Judith Peters. In dieser Zeit war meine größte Herausforderung, mit meinem Gesundheitszustand Geduld zu haben. Nicht gerade eine meiner Kernkompetenzen. Langweilig war mir im Oktober 23 trotzdem nicht.

    Was hatte ich vor und was ist daraus geworden?

    • Bloggen: Dafür, dass ich krank war, ist richtig viel zusammen gekommen 😁
    • Blogtoberfest: Das war eine spannende Sache, mehr Details gibt es weiter unten.
    • Das Ubuntu-Update: Mein Computer erinnert mich immer wieder ganz stoisch daran, ist aber im Oktober nicht passiert 😆

    Gesund zu werden braucht Geduld

    Viele Leute haben mir versichert, das würde schnell wieder. Ende September hatte ich zum ersten Mal einen positiven Coronatest. Mir ging es eine Woche lang richtig schlecht und es dauerte 15 Tage, bis ich wieder negativ war. Vorher hatte ich den Luxus genossen, so gut wie nie krank zu sein, auch weil ich nicht mehr im Schuldienst arbeite und dadurch signifikant weniger Gelegenheit habe, mich anzustecken. Soweit die Theorie.

    Der metallische Geschmack verschwand zum Glück nach einer Woche wieder, das Schwindelgefühl nach dem Treppensteigen und das Rauschen in den Ohren hielt relativ lange an. Vor allem zogen sich die Tage mit den blaßrosa Strichen beim T.

    Ein Coronaschnelltest, beim T ist ein schwacher roter Strich zu sehen.

    Für mich war das eine Gelegenheit zum Bilanzziehen. Einerseits haben mir diese Wochen vor Augen geführt, wie dankbar ich sein kann, dass ich ansonsten im Allgemeinen ziemlich gesund bin. Andererseits wurde mir so richtig bewusst, wie wenig wir aus den vergangenen drei Jahren gelernt haben. Dazu habe ich dann auch die Zeit genutzt und einen Blogbeitrag geschrieben. Für die Zukunft bin ich skeptisch, wie gut wir aufgestellt sein werden, wenn das nächste zoonotische Virus die Runde machen wird.

    Ein Coronaschnelltest, das Ergebnis ist negativ

    Den ersten negativen Test habe ich gefeiert. Ich bin danach noch nicht sofort wieder in Person unterrichten gegangen. Allerdings war es eine große Erleichterung, wieder entspannt raus zu können. Die ersten langsamen Spaziergänge draußen habe ich dann noch mehr gefeiert. Die Freiheit, mich in der Natur bewegen zu können, weiß ich jetzt erst recht wieder zu schätzen.

    Eine Frau, die Kopfhörer trägt und in die Kamera blickt. Im Hintergrund ist ein Fußweg zwischen Bäumen hindurch.

    Das größte Highlight war es dann, wieder von Angesicht zu Angesicht unterrichten zu können. In der zweiten Woche habe ich einen Teil meiner Schüler*innen online getroffen. Dabei habe ich immer wieder gemerkt, wie mir mitten im Satz Begriffe fehlten und wie schwer mir eine ordentliche Handschrift fiel. Trotzdem ist Mathematik immer ein verlässlicher Stimmungsboost bei mir. Und die Worte kommen wenigstens inzwischen wieder zurück.

    Es haben sich im Oktober vier neue Interessierte gemeldet. Das war ganz schön spannend, Termine auszutüfteln, als das Gehirn eigentlich eher nicht so kooperativ war und ich erstmal aus Gründen der Infektiosität auf etwas später vertrösten musste. Und aus irgendeinem Grund wollen die meisten den Montag und nicht den Freitag 😉

    Ein Whiteboard an einer leuchtend grünen Wand. Auf dem Board ist ein Koordinatensystem gezeichnet mit einer Kurve darin. Hoch und Tiefpunkte sind markiert.

    Leider ist die allgemeine extreme Müdigkeit nicht sonderlich zurück gegangen. Es ist nicht so, dass ich vorher überdurchschnittlich energiegeladen gewesen wäre, jetzt allerdings noch weniger. Ich hoffe, dass ich mich irgendwann so weit erhole, dass ich wieder mehr als fünf Minuten radfahren oder sogar Laufen gehen kann. Das werden dann noch weitere Gelegenheiten zum Feiern sein. Und ich werde das noch eine ganze Weile nicht als selbstverständlich nehmen.

    Von Do nach Want

    Das Blogtoberfest 2023 war eine unerwartete Motivationsspritze. Judith Peters hat immer mal wieder tolle neue Ideen für Blogaufgaben. Bei ihr melde ich mich an, ohne zu wissen, was ich am Ende tun soll 😀 So auch dieses Mal.

    Und dann kam sie, die Herausforderung: Wir sollten eine Liste mit Dingen schreiben, die wir bis Silvester 23 noch erleben wollten. Das mir, die ich inzwischen das Kapitel Listenschreiben als „nichts für mich“ abgeschlossen habe 😀

    Kneifen wollte ich aber auch nicht. Und es sollte auch keine ToDo-Liste werden, sondern eine Art Programm mit schönen Aktionen, die mir gut tun würden. Judith hat das Ganze ToWant-Liste getauft. Mit diesem Ansatz habe ich dann 25 Punkte aufgeschrieben, verbloggt, ausgedruckt und außen an meinen Kleiderschrank gehängt:

    Nahaufnahme von einem Kleiderschrank aus hellem Holz, an der linken Tür klebt ein weißes quadratisches Stück Papier mit einem handgemalten Smiley darauf, an der rechten Tür klebt ein DIN A4-Blatt mit einer Liste

    Auch wenn ein paar berufliche Pläne dabei sind, geht es auf meiner Liste hauptsächlich darum, mich eben nicht zu verplanen. Nein zu sagen, in mich reinzuhorchen, ob ich etwas tun will und jeden Tag eine Runde Nichts zu tun.

    Andere Punkte haben mit Genuss zu tun, den ich manchmal aus Zerstreutheit ausfallen lasse. So lautet zum Beispiel die Nummer 8: „An fünf Sonntagen ein extra schickes Frühstück genießen.“ Die Erinnerung am Kleiderschrank hat gewirkt und ich habe einmal ein englisches Frühstück zubereitet und einmal ein dekadentes Porridge mit Zimt, Kardamom, Vanille, Apfelstückchen, Walnüssen und Glitzerkakaopulver 🧡

    Ein großer flacher Teller, darauf zwei gebratene Tomatenhälften, ein Röstidreieck, zwei ganze gebratene Champignons, drei Würstchen, ein veganes Omelett und Baked Beans

    Ich sehe die Liste nicht als Verpflichtung, sondern als ein Angebot, aus dem ich mir jeden Tag etwas aussuche. Vielleicht versöhnt mich das am Ende doch noch mit ToDo-Listen? Wer weiß 😉

    Was habe ich gelesen?

    Zwei Bücher, die mit dem Cover nach vorne auf einem Bücherbord stehen. Links "When the Tripods Came", rechts "mein Stadtkräuterbuch"

    Nostalgietrip mit dreibeinigen Monstern

    Als Jugendliche habe ich die Serie „Die dreibeinigen Herrscher“ gesehen und im Anschluss die Trilogie von John Christopher gelesen. Vor kurzem habe mitbekommen, dass es einen vierten Band zur Vorgeschichte gibt. Den habe ich bei medimops gefunden und an der Bücherstapel-Warteschlange vorbeigeschleust.

    Alleine das Buch an sich war ein Nostalgiefest. Gut erhalten und trotzdem herrlich vergilbtes Papier. Diese lustige Art fester Pappeinband mit abwaschbarer Beschichtung 😍 Die Geschichte spielt sehr offensichtlich in den 80ern. Es gibt zum Beispiel in der Geschichte keine Möglichkeit, Menschen zu erreichen, die unterwegs sind. Gleichzeitig eine entspannte wie auch inzwischen abwegige Vorstellung.

    Insgesamt geht es darum, dass Aliens auf der Erde landen. Im Anschluss versuchen sie, die Menschen unter ihre Kontrolle zu bringen. Ihre Strategien sind dabei faszinierend relevant für die heutige Zeit. Genauso die Reaktionen der Menschheit: Einige kippen sehr schnell für die Botschaft der Dreibeiner um, und schwärmen von der schönen neuen Zukunft. Andere Personen investieren viel Energie, um weiter in Freiheit leben zu können. Auch der Umgang von Politik und Militär hätte genauso gut heute stattfinden können. So viel anders als die Menschheit der 80er sind wir heute nicht, jedenfalls nicht in den wesentlichen Punkten.

    In den drei Anschlussbänden geht es dann um den Aufstand der noch freien Menschen. Ich fand es sehr erfreulich, nach all den Jahren zu erfahren, wie die ganze Geschichte losging. Jetzt müsste ich eigentlich die Trilogie noch einmal lesen. Mal sehen, was der restliche Bücherstapel dazu sagt 😉

    Kräuter in der Stadt

    Das „Stadtkräuterbuch“ von Ursula Stratmann habe ich mal wieder geschenkt bekommen. Die Themen Natur im urbanen Raum und Selbstversorgung fand ich schon immer spannend, und dem Buch ist anzumerken, dass die Stadtkräuter der Autorin besonders am Herzen liegen.

    Es handelt sich ausdrücklich nicht um ein Bestimmungsbuch. Ursula Stratmann mäandert fröhlich zwischen Rezepten, Erinnerungen, Anekdoten aus ihrer Tätigkeit als Ernährungsberaterin, Gartentipps und dazwischen gesponnenem Kräuterfrauengarn. Ich werde vermutlich weder auf den Gewitterschutz mit bestimmten Kräutern auf der Fensterbank noch auf einen der diversen Liebeszauber zurückgreifen, unterhaltsam waren die Geschichten trotzdem allemal.

    Der Bezug auf den Stadtbereich lässt nachvollziehen, wie beeindruckend sich die Natur unter widrigsten Umständen durchsetzt. Auch in der Kleinstadt, in der ich wohne, halte ich jetzt verstärkt die Augen offen für das viele Grün in Knöchelhöhe. Durch das Buch angeregt, will ich in in den kommenden Wochen genauer recherchieren, was hier so vor Ort wild wächst und wozu es gut ist.

    Ein weiterer Pluspunkt an dem Buch: Es hat Kapitel für Frühling, Sommer, Herbst und Winter. Das hat mich motiviert, mit meinen Beobachtungen jetzt schon anzufangen, und sie nicht bis zum Frühjahr wieder zu vergessen 😉

    Und was war sonst noch los?

    Nahaufnahme eines cremefarbenen Pilzes, der seitlich aus einem Baumstamm heraus wächst. Baum, Pilz und Waldboden sind regenfeucht.
    Gute Zeiten für zarte Pilze.
    zwei große Fliegenpilze aus der Nähe
    Und für große Pilze.
    Fünf Schraubdeckelgläser, darin Quittenmus
    Eine Nachbarin hat einen Quittenbaum und gibt mir immer ein paar Früchte ab. Inzwischen mache ich einfach Mus daraus, das ist wenig Aufwand und sehr lecker.
    Blick entlang eines geraden Waldpfades, die Blätter an den Bäumen sind noch fast alle grün, ein paar wenigs sind schon goldbran und ein paar goldene Blätter liegen auf dem Boden
    Ich bin noch rechtzeitig wieder in den Wald gekommen, um noch jede Menge grünes Laub zu sehen 💚

    Was habe ich im Oktober 23 gebloggt?

    Eine blauviolette Rosenblüte am Strauch im Garten.

    Monatsrückblick September 23

    Ich schreibe mit anderen Blogger:innen einen Monatsrückblick auf den September 23. Was war los? Was habe ich gelernt? Wie geht es im Oktober weiter?

    Eine Frau mit FFP2 Maske aus schwarzem Stoff schaut in die Kamera und steht vor einem Regal mit Unterrichtsmaterial und Büchern

    Was haben wir aus der Pandemie gelernt?

    Eine sehr persönliche Bilanz dessen, was wir aus der Pandemie gelernt haben. Und meine aktuelle Perspektive auf unsere Zukunft.

    To-Want-Liste: Eine Frau steht auf einer Wiese, im Hintergrund Bäume und ein grauer Wolkenhimmel. Es regnet aber aktuell nicht, die Nachmittagssonne scheint von rechts auf die Frau. Sie hat eine schwarze Regenjacke an und lächelt in die Kamera

    Meine To-Want-Liste 2023

    Eine weitere der sensationellen Challenges, die sich Judith Peters regemäßig einfallen lässt: Zum Blogtoberfest 2023 habe ich mir überlegt, was ich bin zum Ende des Jahres alles noch erleben möchte. Obwohl mir schon beim Gedanken an ToDo-Listen alle Haare zu Berge stehen 😉

    Herbstgericht: Ein weißer Teller, darauf eine dunkelrote Suppe. In der Suppe liegen cremefarbene Grießklößchen und ein paar dunkelrot verfärbte Apfelstückchen.

    Mein liebstes veganes Herbstgericht

    Eine der diversen Blogparaden, die ich mir vorgemerkt habe, drehte sich um süße vegane Gerichte für den Herbst oder . Ausgerufen hatte diese Blogparade Ingrid Holscher und für mich war es eine super Erinnerung daran, mal wieder Fliederbeersuppe zu essen.

    Magische Momente: Blick durch eine Baumallee, die Sonne scheint von schräg links oben, ein zarter Nebel schimmert zwischen den Bäumen, Das Laub ist noch grün, hat aber schon goldbraune Sprenkel.

    Magische Momente

    Und noch eine Blogparade, dieses Mal von Marianna Sajaz. Das Thema waren Magische Momente. Ich habe darüber gebloggt, wie sehr wir es selbst in der Hand haben, dass unser Leben immer mal wieder etwas magisch ist.

    Was habe ich im November 23 vor?

    • Die Kräuter, die ich in meiner Umgebung identifiziert habe, genauer kennen lernen.
    • Weiter fit werden.
    • Meine ToWants im Auge behalten

    Das war mein Monatsrückblick Oktober 23.

    Schreibst du auch mehr oder weniger regelmäßig Rückblicke? Was sind deine Erfahrungen damit? Wie geduldig bist du, wenn es darum geht, nach einer Zeit der Krankheit wieder gesund zu werden?

    Mehr Beiträge zum Thema Rückblicke findest du hier.

  • Magische Momente, eine Blogparade

    Magische Momente, eine Blogparade

    Wieder eine Blogparade, dieses Mal über magische Momente 🙂 Marianna Sajaz hat im Rahmen der Content Society dazu aufgerufen, über unser Verhältnis zur Magie zu schreiben.

    Anfang 22 habe ich über dieses Thema schon einmal gebloggt. Ich finde es spannend, wie stark bei aller Aufgeklärtheit oft die menschliche Sehnsucht nach irrationalen Ritualen ist. Warum zum Beispiel fassen wir gute Vorsätze zum Neuen Jahr? Warum liegt überhaupt der Beginn des Jahres am 1. Januar?

    Was sind für mich magische Momente?

    Mir fallen eine Menge kleiner, scheinbar unscheinbarer Situationen ein. In der Natur zu sein ist für mich immer mindestens ein bisschen magisch. Samenkörner in Töpfe zu stecken und nach Tagen der Ungeduld endlich das erste Grün zu beobachten, wie es sich durch die Erde schiebt und entfaltet, ist mehr als nur schön. Diese Unaufhaltsamkeit des Lebens ist gleichzeitig so zart und so beeindruckend.

    Anzuchttopf mit einem kleinen, grünen Keimling einer Kürbispflanze

    Die magischen Momente in der Natur haben für mich oft mit Verbindung zu tun. Dem Gefühl, in etwas Großes eingebunden zu sein. Oft ist es auch die Schönheit einer Landschaft, die mir wieder Hoffnung gibt, wenn ich eine Zeit lang zu sehr auf die deprimierenden Nachrichten geachtet habe.

    Wir sind gleichzeitig so bemerkenswerte Wesen und eigentlich sehr klein in diesem unfassbar großen Universum. Die Welt funktioniert sehr gut ohne uns und manchmal, wenn wir Gelegenheit dazu bekommen, verstehen wir das auf einer tiefen Bewusstseinsebene. Die Ehrfurcht, die wir dann empfinden, ist eine weitere Facette der Magie dieser Welt.

    Nicht nur das neue Leben macht mir Gänsehaut. Auch die ungerührte stete Transformation dessen, was seine Zeit gehabt hat, die Kompostierung und Fermentation zu Neuem hat etwas Magisches. Leben ist Bewegung. Das ist mit ein Grund, aus dem es so heilsam und erdend ist, den Kreis der Jahreszeiten bewusst zu begleiten.

    Magische Momente mit anderen Menschen erlebe ich als spontane Resonanz. Wenn ich mit anderen zusammen singe, lache oder Konzerte genieße, ist das im Idealfall mehr als nur gemeinsam angenehm verbrachte Zeit. Sich von Mitmenschen berühren zu lassen ist in den aktuellen Zeiten wichtiger denn je.

    Magie selbstgemacht

    Für mich hat Mathematik etwas Magisches. Mit ein paar Zahlen und Buchstaben kann ich zum Beispiel eine Kugel in den Raum zaubern. Und dort kann ich sie zum Beispiel einfach so an einem Punkt spiegeln. Wenn ich das möcht 😉 Wenn am Ende einer Rechnung alles passt und aufgeht, geht mir das Herz auf. Vielen meiner Schüler*innen geht das genauso 🙂

    Manche magischen Momente haben wir also selbst in der Hand. Gerade, wenn es um Lernprozesse geht, in denen sich immer wieder ein paar Puzzlesteine drehen und unerwartet ineinander klicken. Das ist einer der Gründe, warum ich meine Arbeit als Nachhilfelehrerin so liebe.

    eine Frau in einem blauen Star Trek Fanshirt hält einen dreidimensionalen Papierstern zwischen ihren Fingerspitzen und schaut ihn an

    Als ich noch im Schuldienst war, habe ich meine Schüler*innen sehr gerne experimentieren lassen. Auch die Chemie und Physik haben ihre magischen Seiten. Wer einmal Filzstiftfarbe mit einem Stück Filterpapier chromatographisch aufgespalten, Lycopodium oder Salze in eine Flamme geworfen oder Seife gesiedet hat, weiß wovon ich rede.

    Als ich noch im Kindergarten war, wurde zu jedem Geburtstag aus Krepppapier ein Zylinder geklebt, senkrecht aufgestellt und angezündet. Diese Erinnerung hat sich bei mir tief eingeprägt. Ich mache etwas Ähnliches heute noch gerne mit entleerten Teebeuteln. Dem Feuerring beim Aufsteigen zuzusehen, bewegt mich immer noch und jedes Mal wieder.

    Heute weiß ich, warum diese „Rakete“ aufsteigt. Um es mit Terry Pratchett zu sagen:

    “It’s still magic even if you know how it’s done.”

    Terry Pratchett, A Hat Full of Sky

    Ich weiß, warum verschiedene Metalle unterschiedliche Flammenfarben bewirken und warum die Bärlappsporen in so einer großen Flamme verpuffen. Das tut der Magie keinen Abbruch. Im Gegenteil, diese Momente selbst erzeugen zu können, ist Teil der Erfahrung. Ein bisschen Selbstwirksamkeit verbessert den Kontakt mit der Welt um uns herum.

    Magie in aufgeklärten Zeiten

    Manche Vorgänge kann ich mit meinem Wissen nicht erklären. Der Schriftsteller Arthur C. Clarke drückte das so aus:

    Any sufficiently advanced technology is indistinguishable from magic.

    Arthur C. Clarke

    Wären Zeitreisen möglich, wären Menschen aus dem Mittelalter sicher schockiert von Smartphones. Möglicherweise bekämen wir auch Besuch aus einer Zukunft, in der Technologien genutzt werden, die wir aktuell für kaum möglich halten.

    Es ist wie so oft eine Frage der Perspektive. Ich entscheide mich dafür, immer mal wieder bewusst das Wunderbare in den Dingen wahrzunehmen, die uns im Alltag umgeben. Und auf die Magie gespannt zu sein, die noch auf uns zukommt. Und gleichzeitig finde ich gerne heraus, warum etwas funktioniert.

    Offen sein für magische Momente

    Blick auf eine herbstliche Wiese, im Hintergrund stehen Bäume, am Himmel hängen Wolken, durch die die Herbstsonne in r
Richtung Kamera scheint.

    Um Magie zu erleben, muss ich mein Bewusstsein auf sie richten. Als ich einmal wieder in Dithmarschen zu Besuch war, einer sehr dünn besiedelten Region mit wenig Lichtverschmutzung, sah ich draußen in den Nachthimmel. Und bewunderte die überwältigende Anzahl an glitzernden Sternen.

    In meinen Jahren in London hatte der Himmel nachts eine seltsame „dunkelblaugelbe“ Farbe und gab praktisch nur den Mond preis. An diesem Abend in Dithmarschen ging mein Blick eher zufällig „kurz“ nach oben. mit dem Ergebnis, dass ich ihn vor lauter Ergriffenheit einige Minuten lang nicht senken konnte.

    Dieser bewusste Blick ist eine kindliche Perspektive auf meine Umwelt. Wenn es regnet und die Sonne herauskommt, renne ich vor die Tür und suche „meinen“ Regenbogen. Der bringt mir rational betrachtet überhaupt nichts, vor allem wenn ich eigentlich stattdessen weiter Wäsche hätte falten sollen. Und gleichzeitig wird ein Teil in mir besonders lebendig, wenn ich mich im richtigen Moment für das Erlebnis geöffnet habe.

    Im Umgang mit Mitmenschen muss ich mich verletzlich machen, um berührt zu werden. Das finde ich persönlich deutlich schwieriger als die Kontaktaufnahme mit einem Baum, dem Nachthimmel oder einem Regenbogen. Umso lohnender sind die magischen Momente dann, die ich mitten auf einem Metalfestival oder beim Outreach im Gespräch mit Fremden erlebe, wenn ganz unverhofft Gemeinschaft und gegenseitiges Verständnis entstehen.

    Was braucht Magie also?

    Wir können dazu beitragen, dass wir magische Momente erleben. Und das hat sehr viel mit Haltung zu tun:

    • Wir können bewusst Dinge tun, von denen wir wissen, dass sie sich magisch anfühlen.
    • Wir können den Stand der Naturwissenschaft wertschätzen und gleichzeitig mit einer kindlichen Perspektive auf die Wunder der Natur schauen.
    • Wir können uns für diese Momente öffnen, damit wir bereit sind, wenn sie passieren.

    Was meinst du?

    Hast du in deinem Leben bewusst Platz für magische Momente? Wie erlebst du sie? Was tust du dafür? Was würdest du anderen Menschen empfehlen, die mehr Magie in ihr Leben einladen wollen?

  • Mein liebstes veganes Herbstgericht

    Mein liebstes veganes Herbstgericht

    Der Herbst ist meine Lieblingsjahreszeit. Unter anderem, weil sich jetzt so ein Füllhorn an Obst und Gemüse für uns öffnet. Ingrid Holscher fragt in ihrer Blogparade nach meinem liebsten süßen veganen Herbstgericht. Da bin ich gerne dabei, allerdings mit einer Suppe. Aus Fliederbeeren, die ansderswo botanisch korrekter Holunderbeeren heißen.

    Kindheitserinnerungen

    Fliederbeersuppe mit Grießklößchen ist so ein norddeutsches Ding. Meine Oma, die ursprünglich aus Hinterpommern stammte, hat jedes Jahr große Mengen Fliederbeeren gesammelt und verarbeitet. Und dann gab es als Herbstgericht ab und an eine Suppe daraus.

    Für mich ist das eine wunderschöne Kindheitserinnerung, auch wenn ich zu meiner Oma gar nicht die beste Beziehung hatte. Ich sehe mich noch dasitzen, im Unterhemd wegen der Fleckengefahr. Zuerst kam die Suppe auf den Teller und dann wurden liebevoll ein paar Klößchen dazu gelöffelt. Ich fand es faszinierend, wie deren rauhe, weiße Oberfläche sich mit einem Netz aus dunkelroten Adern überzog. Ich rieche heute noch den Duft von Zimt, fühle die wohlige Wärme und schmecke die Herbheit der Beeren. Eine Erinnerung für alle Sinne, sozusagen.

    Kochen mit der Twitterbubble

    Letztes Jahr habe ich mit einer Gruppe anderer Veganer*innen auf Twitter gegenseitig Gerichte vorgestellt. Dabei ging es darum, traditionelle Rezepte zu veganisieren. Mein Leben besteht nicht aus Verzicht, fast alles lässt sich mit etwas Phantasie und Improvisationsfreude auf pflanzlicher Basis herstellen. Diese Aktion inspirierte mich, Omas Fliederbeersuppe nachzukochen und nach Jahrzehnten endlich wieder zu essen.

    Die Zutaten

    Die Suppe an sich ist schon vegan, nur die Klößchen enthalten im Original Ei zur Bindung. Aber auch da finden sich online vegane Rezepte. Ohne das Ei ist etwas Fingerspitzengefühl und Ausprobieren angesagt, damit die Klößchen nicht zerfallen. Ich würde etwas mehr Stärke verwenden als angegeben.

    Ein weißer Teller, darauf zehn cremefarbene Grießklößchen.

    Die Suppe besteht immer aus Fliederbeersaft, Wasser, Äpfeln und Birnen, gewürzt mit Zimt und Nelken, gesüßt mit Zucker und gebunden mit Stärke. Die Klößchen werden aus Grieß, Margarine, Wasser und Stärke gemacht. In meiner Erinnerung waren sie auch selbst süß, also füge ich dem Kloßteig etwas Zucker zu.

    Die Zutaten, ich hatte den Klößchen beim ersten Versuch noch etwas Kichererbsenmehl zugefügt.

    Als ich letztes Jahr nach Ewigkeiten den ersten Löffel Fliederbeersuppe probierte, war das wie eine Reise mit der Zeitmaschine. Plötzlich war ich zurück versetzt in meine Kindheit. Was eigentlich eher eine Aktion zur Information Mitlesender war, tat mir auf der persönlichen Ebene richtig gut. Genauso wie diese Blogparade, die mich daran erinnerte, dass es wieder Zeit für eine Fliederbeersuppe ist 💜

    Ich bin Ingrid sehr dankbar für die Anregung und gespannt, was noch alles an veganen Herbstsüßigkeiten zusammen kommt. Verbindest du auch ein süßes Herbstgericht (oder eine vegane Süßigkeit) mit schönen Erinnerungen?

  • Meine To-Want-Liste 2023

    Meine To-Want-Liste 2023

    Zwischen To -Dos und Buckets

    Judith Peters hatte mal wieder eine Idee. Und natürlich habe ich mich mal wieder sofort zu der Challenge angemeldet, obwohl das Thema eine Überraschung werden würde. Und jetzt sitze ich hier und schreibe eine To-Want-Liste 2023 😄

    Ich habe gefühlt schon alles ausprobiert:

    • ToDo-Listen aus Papier
    • ToDo-Listen elektronisch
    • Bulletjournaling in bunt und dekorativ
    • Bulletjournaling in minimalistisch
    • Mindmaps in verschiedenen Versionen

    Nichts davon hat mich und/oder mein Leben organisierter gemacht. Ich habe eine Vermutung, woran es liegt, aber das ist eher eine Erklärung als dass es weiterhilft. Meine aktuelle Strategie ist: Nachsicht mit mir selbst, Neinsagen üben und immer wieder meine Prioritäten überprüfen.

    Jetzt also ich eine Art Bucketliste. Was habe ich denn noch vor bis zum Jahresende? Vor dem Hintergrund, dass mein Energielevel gesundheitlich erstmal etwas gedrosselt ist?

    Mein Ergebnis enthält ganz bewusst Punkte meiner Selbstfürsorgestrategie, viele Wohlfühlaktivitäten, ein paar heimlich eingestreute berufliche To-Wants und nichts, bei dem der listenscheue Teil in mir schon wieder über alle Berge flüchtet. Ein Mix aus öffentlicher Absichtserklärung und Wahrnehmen meiner grundlegenden Bedürfnisse. Und bewusst wild gemischt 😁

    Was habe ich bis Silvester 23 vor?

    1. Jeden Tag bewusst und absichtlich eine Runde Nichts tun. ✔
    2. Den Besuch meines Bruders bei mir nachholen.
    3. Die Muppetausstellung ansehen. ✔
    4. Die Kiste mit CDs vom Dachboden holen ✔ und durchhören.
    5. Jeden Tag in mich reinhorchen, ob ich zum Walking raus möchte. ✔
    6. Joggen, bis ich wieder eine ganze Runde schaffe.
    7. „Ingeborg Bachmann“ im Kino sehen.
    8. An fünf Sonntagen ein extra schickes Frühstück genießen. ✔
    9. Eine Sitzung mit dem inneren Team halten. ✔
    Dieses Teammitglied hat mir sicher inzwischen wieder eine Menge zu erzählen.
    1. Die diversen bestehenden ToDo-Listen zusammenstreichen.
    2. Zehn in meiner Umgebung wildwachsende Kräuter kennenlernen. ✔
    3. Nach Husum fahren. ✔
    4. Im Brenner Moor spazieren gehen.
    5. Eine Radtour machen.
    6. Wish im Kino sehen.
    7. Die noch fehlenden Übersetzungen für meine Jahreskreisaktivitätenblogposts fertig machen.
    8. Fünf weitere Blogposts auf Englisch schreiben.
    9. Eine Duolingo-Unit Klingonisch auf Legendary leveln. ✔
    Screenshot des Duolingokurses für Klingonisch. Ein ernst blickender Bär erzählt, dass er sich hübsch fühlt.
    Ist eigentlich so schon legendär 💕
    1. Die erste Seite meines Wörterbuchs „Mathe – Deutsch“ schreiben.
    2. Mindestens einmal beruflich Nein sagen. ✔
    3. Eine Szene für ein Bruchrechnungsvideo mit OpenToonz animieren.
    4. Mein berufliches Mastodonprofil schick machen. ✔
    5. Mein Smartphone den Vormittag über im Postablagekorb aufbewahren.
    6. The Marvels im Kino sehen. ✔
    7. Jeden Tag etwas zu Lachen haben 😊 ✔

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