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Jahresrückblick 22: eine Frau und eine Katze vor einem geöffneten Dachfenster. Die katze sitzt auf dem Sims und schaut nach draußen, die Frau schaut auf die Katze

Jahresrückblick 22

Erkenntnisse zum Anfassen

Im Dezember 2021 war ich wild entschlossen, bei der Challenge zum Jahresrückblick 22 von Judith „Sympatexter“ Peters wieder dabei zu sein. Im November 2022 dachte ich eher, dass mir das doch ein bisschen viel Aufwand wäre. In einem schwachen Moment habe ich mich dann doch wieder angemeldet und es nicht bereut 🙂 Ich wusste ja, was auf mich zukommt, und dass ich mir das alles selber zurecht basteln und einteilen konnte.

Rückblickend bin ich mir mit genau diesem Ansatz näher gekommen. Dass niemand etwas davon hat, am wenigsten ich, wenn ich mich nach Ansprüchen oder Vorstellungen anderer ausrichte, war mir natürlich immer klar. Auf dem Weg zum Jahresrückblog blubberten dann diese Worte hoch: „Der Maßstab für mein Genug bin ich.“ Und es war nicht mehr so ein schöner Spruch zum an die Wand hängen, sondern eine Meldung von ganz tief drinnen. Und gleich meldete sich ein Teil meiner inneren Persönlichkeiten: „Okay, das ist schon etwas banal, oder?“ Ein paar andere sagte: „Und dafür musstest du so alt werden, um das zu lernen?“ Der Teil, der diese Lektion kapiert hatte, antwortete: „Ja, genau. Das ist der Punkt.“

Beim Schreiben dieser Bilanz der letzten zwölf Monate ist mir immer wieder aufgegangen, wie heimlich still und leise Dinge bei mir von der rein kognitiven Ebene tiefer gerutscht sind und sich wirklich befriedend in meinem Leben auswirken. Ich gehe nicht davon aus, dass die da jetzt auf ewig ruckelfest sitzen und ich nichts mehr zu lernen und zu verinnerlichen habe. Gleichzeitig scheint mir, dass ich metamäßig gesehen ganz gut geübt habe, was ich tun kann, um den Einsinkprozess zu erleichtern: Das Einsickern von Erkenntnissen braucht Geduld und Bereitschaft. So einfach und gleichzeitig so anspruchsvoll. Jedenfalls für mich 😉

Was ich außerdem brauche: Handfeste Repräsentationen der wichtigsten Botschaften. Einer der Sätze, die ich im Unterricht am häufigsten sage, ist: „Mach dir eine Skizze!“ Wenn wir etwas vor Augen haben, ist es etwas ganz anderes, als nur so darüber nachzusinnieren. Auch das ist so schlicht wie tiefgreifend. Teils einfach nur aus kreativen Impulsen und einer Bastelfreude heraus, habe ich dieses Jahr anscheinend genau die richtigen Erkenntnisse gegenständlich gemacht und damit etwas in mir die Gelegenheit gegeben, wirklich zu begreifen. 

Was für ein leises und gleichzeitig umwälzendes Jahr 💕

Was hatte ich 2022 vor und was ist daraus geworden?

  • Lernvideos erstellen und hochladen: Davon habe ich insgesamt gar kein Video geschafft. Ich habe mich zu sehr in „Es gibt ja schon so viele Lernvideos auf Youtube“ und „Mit welchem Thema sollte ich denn anfangen?“ verheddert. Dass ich mein eigener Maßstab für mein Genug bin, hat sich in dem Bereich meines Lebens noch nicht ganz herum gesprochen.
  • Webseite renovieren: Ich war zum Jahresrückblick 2021 wirklich überzeugt und wild entschlossen, dass das im Januar losgehen sollte. Mit Glück schaffe ich es noch auf den letzten Metern im Dezember. Vielleicht auch nicht, aber auch da bin ich mit dem, was ich jetzt schon fertig habe, zufriedener als Ende 21, da hatte ich nur Dinge, die ich nicht mehr wollte, aber keine konkreten Schritte zur Veränderung. ✅
  • An meinem Pulli weiterstricken: Basierend auf einem Zitat bin ich kontinuierlich dabei, meinen Kontakt mit meiner Mitwelt so zu gestalten, dass ich weder schutzlos offen bin noch hinter einer Rüstung versteckt. Das hat ziemlich gut geklappt, auch wenn mich der Krieg in der Ukraine besonders im Sommer noch einmal extra runter gezogen hat. ✅
  • Photos besser ablegen: Der Plan war, alle Bilder von meiner Kamera und meinem Smartphone alle paar Wochen auf meinen Rechner zu schaufeln und dort im jeweiligen Ordner „Bilder-2022-Monatsname“ abzulegen. Das habe ich konsequent umgesetzt und es hat mir richtig Freude gemacht und mir die Bildersuche für den Jahresrückblog22 sehr erleichtert. Gleichzeitig hatte ich mir vorgenommen, mehr Bilder zu machen. Entsprechend war die Sammlung deutlich größer, was die Bildersuche wieder erschwert hat. Irgendwas ist immer 😉 ✅
  • Stapel beseitigen: Wie schon im letzten Jahr habe ich auch Ende Dezember 2022 noch fast dieselben Stapel an ungelesenen Büchern und unerledigten Nähprojekten. Immerhin habe ich ein Buchregal an die Wand gedübelt, so stehen die Bücher schonmal dekorativer im Raum 😆
  • Mehr Ordnung in mein Zuhause bekommen: Im Januar habe ich wieder mit viel Motivation einen Simplifyplan aufgestellt und mir 5-Minuten-Routinen (im sich öffnenden Artikel Tipp Nr. 10) überlegt. Mit diesen Methoden hatte ich 2021 schon gute Erfahrungen gemacht. Dieses Jahr hat mich zwischendrin der Schwung verlassen, ein bisschen was muss ja auch für 2023 zu tun übrig bleiben 😉
  • Meine Prioritäten klären: Nachdem das Neinsagen im Jahr 2021 so erfreulich war, habe ich mir für 2022 vorgenommen, genauer herauszuarbeiten und mir vor allem vor Augen zu führen, was wirklich meine Prioritäten sind. Weiter unten schreibe ich mehr dazu. ✅
  • Das Konzept Gleichzeitigkeit öfter bewusst erleben: Zum 2. Februar habe ich mit mir einen Vertrag geschlossen und ein Teil davon war es, bewusster darauf zu achten, wann ich gerne „aber“ sagen wollte und dann nach einem „und gleichzeitig“ Ausschau zu halten. Das hat mir richtig gut getan. Es ist gleichzeitig ein vermutlich nie endendes Vorhaben. ✅
  • Mehr Persönlichkeiten häkeln: Die 2021 neu aufgenommenen Mitglieder meines Inneren Teams wollten gerne auch begreifbar in die Welt gebracht werden. Für eine von ihnen hat das stattgefunden, weiter unten erzähle ich, wie gut das gelaufen ist. Ein paar andere Persönlichkeiten stehen dann für 2023 auf dem Programm. Da muss mich noch die Inspiration treffen, wie sie denn aussehen sollen. ✅
  • Mein Motto für 2022 war: „Den Faden weiterspinnen“. Das stand ja gleichzeitig für einen freundlichen Blick auf mich selbst, das Lösen von Knoten, das Loslassen von Stricken, die gar nicht meine sind, und das Weben neuer Verbindungen. Im Rückblick stelle ich erfreut fest, wie gut mich das durch das Jahr getragen hat und wie sich wirklich noch sehr viel weiter geklärt, vereinfacht oder sicherer gefestigt hat. ✅
Eine Reihe Bücher auf einem Bord and der Wand
Am Bücherstapel hat sich wenig getan, dafür ist das Regal schon mal angedübelt.

Mein Jahresrückblick 2022:

Mein Prioritätenboard

Eine Pinnwand voller bunter Bilder und kurzer Texte auf Papierstückchen
Eine Upcyclingpinnwand mit dem, was mir wirklich wichtig ist.

Das Jahr begann mit einer „Weniger“-Challenge, geleitet von Birte Peters und Anna Koschinski. Es ging nicht nur um ein vordergründig effektives Entrümpeln und den kürzesten Weg zum Minimalismus, sondern um ein Paket aus Schreibaufgaben, Zoomcalls und dem Austausch in einer Facebookgruppe, um unsere Gründe für das Ansammeln von Dingen zu beleuchten. Ich habe leider beim Sortieren fast immer verpasst, Photos zu machen, aber es hat sich einiges in meinem Inneren und meinem Äußeren gefunden, das ich nicht mehr brauchte, das aber noch so rumlagerte.

Beim Jahresrückblick 2021 war Neinsagen eins meiner Themen. Dieses Jahr wollte ich genauer hinsehen, wozu ich denn tiefgründig Ja sagen kann und möchte. Meine Prioritäten abklopfen, um mich weniger zu verzetteln und zu kaum etwas wirklich gründlich zu kommen.

Wie sich auch bei meinen Persönlichkeitenfiguren zeigte, hilft es mir sehr, manche Dinge aus dem Gehirn herauszuholen und als reale Objekte in mein Umfeld zu stellen. Es war auch nicht so, als hätte ich mich nicht schon vorher regelmäßig mit meinen Werten und Zielen beschäftigt. Wie ich 2021 im entsprechenden Rückblickkapitel erzählte, hat mir der Kompasskurs von ZeitZuLeben schon zu viel Klarheit verholfen.

Um das Ganze visuell zu gestalten, habe ich mich vom Konzept der Visionboards inspirieren lassen. Allerdings ging es mir nicht um Zielerreichung, sondern um das „Was ist?“. Eine Art Bestandsaufnahme, was mich ausmacht, was meine Werte sind, was mich berührt und glücklich leben lässt. Kein „Wo soll es hin gehen?“, sondern eine Erinnerung an die Angela, die ich schon bin. Eine Art Landkarte für mein Ja und für mein Genug.

Anleitungen für ein Visionboard gibt es online in einer fast unendlichen Fülle. Die meisten haben gemeinsam, dass zu Anfang ein Brainstorming steht, dass Fragen gestellt werden, aus denen sich Stichworte herauskristallisieren, dass dafür dann Bilder und Zitate gesammelt werden, die am Ende in Papierform oder virtuell zu einer Collage zusammengestellt werden.

Ich habe per Mix&Match aus verschiedenen Anleitungen Ideen mitgenommen und mich gefragt:

Was habe auf meiner ToDoListe? Will ich das? Will ich das? Will ich das? Was werde ich mir am Ende meines Lebens wünschen, getan zu haben? Wofür werden Menschen mich in Erinnerung behalten? Was sagen mir die Ergebnisse des Kompasskurses und all der anderen bisherigen Übungen, wer oder was mir wichtig ist, wo meine Schwerpunkte liegen?

Mit den sich ergebenden Stichworten habe ich dann Bilder, Symbole, Zitate und Worte gesucht, ausgedruckt und ausgeschnitten. Diese Papierstücke sind dann noch einmal durch einen gründlichen Prozess des Arrangierens, Aussortierens, Verwerfens und Neuarrangierens gegangen, lagen ein paarmal über Nacht auf der umgewidmeten Pinnwand, bis ich draufgucken und sagen konnte: Ja, das bin ich. Es hört sich lange nicht so bewegend an, wie es war, als ich auf diese Collage sah und es innerlich klickte.

Die Pinnwand hängt jetzt bei mir zu Hause an der Wand und ich gucke ziemlich oft darauf. Dieser regelmäßige visuelle Impuls hilft mir tatsächlich, mich glücklich lächelnd an meine Prioritäten zu erinnern. Sehr wahrscheinlich hat dieses Prioritätenboard dazu beigetragen, dass die eine oder andere Erkenntnis einsickern konnte. Manchmal kann es echt so einfach sein.

Eine dritte Runde durch den Jahreskreis

jahreskreis; schwarz weiße Zeichnung einer stilisierten Blüte. die acht Blütenblätter sind jeweils unterschiedlich gestaltet. An jedem Blatt steht ein Datum aus dem Jahreskreis.
Der Jahreskreis in Zentangleform

In den Jahren 2020 und 2021 hatte ich mich auch schon schreibend mit dem Jahreskreis befasst, den zirkulären Veränderungen der Natur und der Jahreszeiten um uns herum, die wir beobachten können, sofern wir denn weit genug vom Äquator entfernt leben und unser Wohnort Jahreszeiten hat.

Der erste Durchgang beschäftigte sich mit grundsätzlichen Gedanken und der Einbindung in regionale und globale Traditionen. Im zweiten Jahr habe ich für jeden der acht Termine jeweils eine Meditation geschrieben und in diesem Jahr war dann der Plan, jeweils passende Aktivitäten rund um (unter anderem) die Themen Garten, Kreativität, Lesen und Musik zusammenzustellen, und ein paar Anregungen, wie die sich dabei ergebenden Erkenntnisse im eigenen Zuhause zur regelmäßigen Kontaktaufnahme in einem sogenannten Fokus gebündelt werden können, damit wir in unserem Alltag immer eine Anbindung und regelmäßige Erinnerung haben.

Ich habe nicht zu jedem Termin einen Blogartikel geschafft und ich werde auch in kommenden Jahren an der Aktivitätenreihe immer noch weiter schnitzen und neue Ideen zufügen. Das Ganze war für mich eine wunderbare Übung in „genug“ und gleichzeitig hat mich die Aktion angeregt, der Natur noch ein bisschen aufmerksamer über die Schulter zu gucken. Ich habe in der Vorbereitung auf das Schreiben der Blogartikel sehr viel deutlicher wahrgenommen, welche Pflanzen und Tiere in meiner Umgebung leben und wie sie sich über das Jahr hinweg entwickeln. Das hat mich auch mit meinem Wohnort noch einmal spürbar näher zusammen gerückt.

Außerdem hat die Wiederholung der Themen 2021 und 2022 noch einmal meinen Zugang dazu geschärft, welche Fragen und Themen für mich aus dem Jahreskreis abgeleitet werden können. Ich bin immer noch sehr zufrieden damit, dass ich dieses Projekt 2020 begonnen habe und auch dass ich den Schwerpunkt auf einen relativ weltlichen Ansatz gelegt habe. An dieser Stelle möchte ich noch einmal den Podcast „The Wonder“ erwähnen, von dem ich in dieser Zeit viel gelernt habe, neben dem, was die Natur selbst mich lehrte. Auch Mark und Yucca, die beiden daran Beteligten, betrachten ihre Spiritualität auf naturwissenschaftlicher Basis und schaffen es gleichzeitig (oder vielleicht auch gerade deswegen), eine sehr satte Anbindung an diese Erde zu leben.

Dass ich in diesem Jahr nicht zu jedem Termin etwas gebloggt habe, bedeutet nur, dass ich nächstes Jahr wieder einen Anlass haben werde, genauer über mein Verhältnis beispielsweise zur Herbsttagundnachtgleiche nachzusinnen. Das Schöne und der ganze Punkt an einem Kreis ist ja, dass er nicht endet.

Abschied von Romy

Ticket für das Wacken Open Air 2020
Erst zweimal abgesagt, dann 2023 ohne Romy.

Wir waren ein eingespieltes Team. Zelt aufbauen, Lagepläne lesen und den kürzesten Weg zur Bändchenausgabe rausknobeln, die persönlichen Running-Orders abgleichen und Gemeinsamkeiten finden, nur ganz wenig mit den Augen rollen, wenn wir mal zu einer Band mitgegangen sind, die die andere ausgesucht hatte („Guck doch mal, was die für schöne Frisuren haben!“), den Stand mit dem veganen Gemetzelten finden und da jeden Tag zweimal essen. Oder aber die jeweils andere alarmieren, wer wieder demnächst in der Markthalle spielen würde und zwei Tickets bestellen, den Überblick verlieren, wie viel Geld unterm Strich noch wem zu überweisen war. Das dann doch wieder sortiert bekommen.

Am letzten Morgen in Wacken etwas abgerockt und angeschmuddelt vorm Auto den letzten Kaffee trinken und sagen: „Wir sind so langsam echt zu alt für den Quatsch!“ – „Also soll ich dir fürs nächste Jahr ein Ticket mit besorgen?“ – „Na klar, das wäre super!“

Wir haben uns wirklich hauptsächlich nur zu solchen Gelegenheiten gesehen, obwohl wir gar nicht so weit auseinander wohnten. Als bei Romy der Krebs wiederkam, von dem sie mir nie erzählt hatte, fragte ich sie, ob ich mal vorbeikommen sollte, einfach so. Sie war sehr zögerlich, anscheinend wollte sie sich nicht so sehr in die Karten gucken lassen, wie schlecht es ihr wirklich ging.

Im Februar 2022 starb sie und ich denke noch oft darüber nach, ob ich ihr Zögern falsch verstanden hatte, und ob sie sich doch über einen Besuch gefreut hätte. Oder ob sie sich dann überrumpelt gefühlt hätte, und ob es nicht doch richtig war, das zu respektieren. Eine klare Antwort werde ich wohl nicht mehr bekommen. Sie wurde an dem Tag beerdigt, als Putin die Ukraine angreifen ließ.

Dieses Jahr war ich endlich wieder in Wacken und an jeder Ecke kamen Erinnerungen auf. Obwohl der Stand mit dem Gemetzelten fehlte, was allerseits für Entrüstung sorgte. Ich musste oft über meine Erinnerungen lachen, und oft war ich auch traurig, dass ich diese oder jede Band nicht mehr mit ihr gemeinsam würde genießen können. Für das nächste Jahr habe ich nur eine Karte für mich gekauft. Das wird das erste Mal sein, dass ich ganz alleine nach Wacken fahren werde. Ein bisschen tue ich mir leid, ein bisschen bin ich gespannt auf die Erfahrung. Es sind schließlich noch ein paar andere Menschen mit mir gemeinsam dort.

Auch im Alltag erinnert mich vieles an Romy. Wir haben uns über ihren Yogakurs unterhalten und wie sie zunächst beim Bogen immer gedacht hatte, sie müsste die Beine gestreckt lassen und nur nach hinten greifen, um an ihre Füße zu kommen. Was haben wir gelacht! Und als ich ihr erzählte, dass ich die Hoffnung aufgegeben hatte, jemals Chaturanga schaffen zu können, sagte sie mir, das sei keine Frage von Puddingarmen, sondern der richtigen Technik.

Nach 2019 fiel ja das WOA mehrere Male hintereinander aus und damit auch unsere Yogagespräche. In der Zwischenzeit lernte ich tatsächlich, dass ich Chaturanga doch kann. Jetzt denke ich jeden Tag auf meiner Matte an Romy und wie mich ihr Hinweis weitergebracht hat.

Ich bin sehr dankbar für all die Jahre, in denen wir gemeinsam getanzt und gelacht haben. Ich bin froh und dankbar, dass Romy vom Ukrainekrieg nichts mehr mitbekommen hat. Dieses Jahr schreibe ich ihr keine Weihnachtskarte mehr. Umso mehr trage ich sie weihnachtlich in meinem Herzen.

Die Kurzgeschichtenchallenge

eine kleine Ganeshastatue auf einem blauen Froteelappen am Strand. Im Hintergrund glitzert das Waser im Sonnenschein
Eine der Geschichten drehte sich um einen kleinen Elefanten. Ich hoffe, er hat den Weg zum Strand gefunden.

Seit Jahrzehnten trage ich zwei Geschichten in mir herum, die konkrete Romane in Buchform werden wollen, daneben jede Menge Ideen, was ich der Welt noch so als Fiktion oder Nonfiktion mitteilen könnte.

Ende Januar habe ich mich auf der Seite deadlinesforwriters angemeldet, weil ich dachte, das könnte eine gute Vorübung zum Nanowrimo sein, bei dem ich mich 2022 aber wirklich mal beteiligen wollte, was dann aber doch nicht stattgefunden hat. Der Hintergedanke hinter den Deadlines ist, dass ein wirklich eingehaltener konkreter Abgabetermin den Schreibprozess allgemein fördert. Oder so. Ein Originalzitat von Mia Botha, der Frau hinter der ganzen Aktion: „Here we kick procrastination-butt“ Eigentlich genau, womit ich normalerweise nicht klarkomme, gleichzeitig hat es mich sehr angesprochen.

Es gibt unterschiedliche Challenges, eine der kostenlosen ist 12 Short Stories in 12 Months. Dabei gibt es einmal im Monat ein Stichwort und eine vorgeschriebene Anzahl an Worten sowie ein 24-Stundenfenster, innerhalb dessen die jeweilige Geschichte eingereicht werden soll. Eine Übung in Disziplin, die meine Kreativität freisetzen sollte. Witzigerweise ist dies eine der Aktivitäten, die richtig gut gelaufen sind.

Die erste Geschichte schrieb ich in einer sehr nachdenklichen Stimmung, als gerade meine Freundin Romy gestorben war. Das war eine gute Gelegenheit für mich, meine Gefühle zu sortieren und mit anderen zu teilen. Und ich bekam liebevolles und hilfreiches Feedback, aus dem ich eine Menge über englische Zeichensetzung lernte.

Die folgenden Geschichten drehten sich alle um Paul und Helen. Die Namen stammen ausgerechnet von zwei Teilnehmenden der zweiten Staffel Big Brother UK. Wir lebten damals in London und haben über die Mätzchen der beiden sehr gelacht. Jedenfalls waren sie und die Frage, was wohl aus ihnen geworden ist, Basis meiner zweiten Geschichte. Danach sind die Namen mir treu geblieben, wenn die Charaktere sich auch etwas von den beiden Originalen entfernt haben.

Paul und Helen passieren oft merkwürdige Dinge, zum Beispiel kam im Sommer ein kleiner Elefant zu Besuch und hat ihren Garten gründlich angeknabbert und einen neuen Durchgang in die Hecke integriert. Deshalb war ich etwas perplex, als das Stichwort für die letzte Geschichte bekannt gegeben wurde: Strange. „Ja was, quasi alle Kurzgeschichten über Paul und Helen waren bisher von sich aus strange, was soll ich denn da noch rausholen?“

Da ich sowieso erst zum zweiten Termin, also im Februar, in die Challenge eingestiegen war, hatte ich keinen Druck, wirklich zwölfmal etwas einreichen zu müssen. Am Ende bin ich bei zehn von zwölf gelandet und sehr zufrieden mit meinem Lernprozess und mit meinem procrastination-butt-kicking.

Für das kommende Jahr schwebt mir schon ein neues Setting vor, in dem meine neuen Geschichten spielen werden. Die Challenges zum Schreiben eines Romans klingen zwar auch sehr spannend, allerdings wollte ich die langen Geschichten tatsächlich auf Deutsch schreiben, da muss ich wohl auf eine andere Inspiration warten.

Dänisch lernen mit der grünen Eule

eine Statistik aus der Sprachenlernapp Duolingo
Meine Duolingostatistik nach ca. 250 Tagen.

Bis zum 27. März konnte ich noch widerstehen, obwohl in meinem Bekanntenkreis so viel von diesem mysteriösen Duolingo gemunkelt wurde. Am diesem Sonntagmorgen wollte ich dann „nur mal kurz gucken“, was denn an dieser Sprachapp so spannend sein sollte. Am 31.12. werde ich 280 gemeinsame Tage mit der grünen Eule beisammen haben.

Der dänischen Sprache hatte ich 1990 schon mal eine Chance gegeben, als ich mit meiner Schwester und einer Freundin mit dem Rad quer durch Schleswig-Holstein gefahren bin und auch ein Abstecher nach Kollund in Dänemark auf dem Plan stand. Meine Freundin hatte ein Buch mit einem Selbstlernkurs. Da hatte ich allerdings nach den ersten drei Kapitel die Faxen dicke. Nur mit Hilfe der Lautschrift und nur für ein paar Stunden auf dänischem Boden war das dann doch ein bisschen viel.

Der Teil meiner Familie, dessen Namen ich teile, stammt aus einer Region, die zeitweise zu Dänemark gehört hat. Diese Tatsache und ein Besuch im Danevirkemuseum, bei dem ich lernte, was wirklich der Grund dafür war, dass dort vor ein paar hundert Jahren ein großer Schutzwall gebaut wurde, haben mir immer im Hinterkopf herumgespukt. Ich habe immer mal wieder auf Youtube Videos zum „weichen D“ angesehen und spontan wieder beschlossen, dass mir diese Sorte Zungenbrecher zu schwierig ist.

Dann kam die kleine grüne Eule. Mit ihren wild-bizarren Beispielsätzen. Mit dem Punktesystem und dem Klettern durch die Ligen. Nicht nur, dass ich da endlich einen unterhaltsamen Zugang zum Dänischen gefunden habe und das wie ein Nachhausekommen war. Nicht nur, dass es nur die Option gab, Dänisch auf Englischer Basis zu lernen und ich so quasi gezungenermaßen durch das Hinundherübersetzen noch eine viel größere Wertschätzung für die Dreiecksverwandschaft dieser beiden Sprachen mit Deutsch und speziell mit dem Norddeutschen bekam.

Ich lernte die kompetitive Seite an mir kennen, von der ich gar nicht wusste, dass sie überhaupt existierte. Mich hat es komplett unerwartet unwiderstehlich motiviert, bis zum jeweiligen Ende am Sonntagabend auf dem ersten Platz zu sein. Dafür habe ich jede Menge Extralektionen und Schnellraterunden eingelegt, mich derweil über die Abenteuer des klugen Bären gefreut und offensichtlich richtig viele Vokabeln in meinem Hirn fortgeschrittenen Alters abgelegt.

Inzwischen bin ich mit dem Dänischkurs so gut wie fertig, der ist auf Duolingo kürzer als zum Beispiel der für Französisch. Letzteren habe ich jetzt auch schon mal angefangen, um mein Schulfranzösisch abzustauben. Ich freue mich sehr, wie wenig eingerostet es tatsächlich ist, allerdings hat Dänisch einen ganz anderen Platz in meinem Herzen.

Unterwegs habe ich begonnen, dänische Podcasts zu hören, hier ein paar Empfehlungen: Learning with ErvinDanishtube mit Liam, „Dansk i ørerne“ mit Sophie und „Koen på isen“ mit Helle. Außerdem folge ich Sigga Hansen auf Instagram, die täglich sehr charmante und sehr informative Videos postet. Und wenn ich wirklich demnächst alle meine Dänischlektionen auf „legendary“ gelevelt habe, kann ich noch die komplette Dänischreihe von „Mic‘s Languages“ angucken. Det vil være dejligt.

Eine Persönlichkeit zum Begreifen

ein bunter gehäkelter Ikosaeder mit zwei beinen und zwei Armen
Mein runder bunter Ikosaeder.

Schon im Jahresrückblog 2021 habe ich diesen Aspekt meiner Persönlichkeit erwähnt. Sie ist diejenige, die am wenigsten in diese Gesellschaft hinein passt und die am tapfersten am Ball bleiben muss, um nicht unterzugehen. Für sie ist es sehr wichtig, dass Dinge „gerecht“ und „richtig“ sind, Schneeflockendesigns mit einer vierfachen oder achtfachen Symmetrie machen sie ganz wuschig, mathematische Beweise genießt sie wie Gedichte. Wenn sich zum Beispiel im Straßenverkehr Menschen rücksichtslos verhalten, könnte sie platzen vor Wut. Sie ist diejenige, der am wärmsten das Herz aufgeht, wenn sie das Schachbrettmuster in meinem Instagramprofil sieht. Und selbst wenn es sonst niemandem auffallen oder gefallen sollte, ich werde es immer beibehalten. Allein, um ihr eine Freude zu machen.

So richtig konkret wahrgenommen habe ich sie wie gesagt erst 2021, vorher dachte ich einfach, irgendetwas an mir sei komisch und ich müsste mich mehr bemühen und locker machen. Zu würdigen, dass ein Teil meines inneren Teams ist, wie sie ist, und dass das auch gut so ist, hat schon viel Bewegung in Richtung inneren Friedens und Zufriedenheit ausgelöst.

Wirklich greifbar wurde sie für mich, als ich mich daran machte, sie zu häkeln. Das habe ich schon für andere Teile meiner Persönlichkeit gemacht und empfinde es als sehr hilfreich für „Teambesprechungen“. Wenn ich eine neue Persönlichkeit kennenlerne, ergibt sich meist zuerst ein Name, dann überlege ich mir, welche äußeren Merkmale diese Person hat. Und dann mache ich mich auf die Suche nach passenden oder anpassbaren Häkelanleitungen.

In diesem Fall war mir gleich klar, dass ich einen Polyeder brauchen würde. Also häkelte ich 20 gleichseitige Dreiecke, nähte sie zusammen und befüllte sie mit Füllwatte. Dass dabei aus dem Ikosaeder eine Kugel wurde, passte der neuen Persönlichkeit super und mit zwei Armen und zwei Beinen sitzt sie seitdem sehr zufrieden auf meinem Regal und strahlt ihr neues Lebensgefühl in meinen Alltag aus. Ich kann nur empfehlen, Persönlichkeitsaspekte so greifbar und real in die Welt zu bringen. Diese Form von Würdigung und Aufmerksamkeit hat in diesem Fall Knoten gelöst, an denen ich bald 49 Jahre rumgefriemelt hatte.

Ein paar Teammitglieder stehen noch Schlange, um auch auf meinem Regal Platz nehmen zu können und ich freue mich schon auf die Wirkung, die das auf meine innere Ausgeglichenheit haben wird.

Nostalgisches Kochen mit der Twitterbubble

ein Trifle in einem Weckglas. zu sehen sind Pudding-, Gelee-, Kuchen- und Sachneschichte in abwechselnd rot und weiß
Old English Trifle

Bevor Musk es übernahm, habe ich dieses Jahr auf Twitter eine große Gruppe lieber Menschen kennen gelernt. Wer mit irgendetwas einer Minderheitengruppe angehört, weiß wie gut es tut, sich nicht mehr so alleine zu fühlen, und sei es online mit Menschen, die teils relativ weit weg wohnen. Wie sich herausstellte, bestand die vegane Bubble auf Twitter größtenteils aus zauberhaften Menschen, die sich gegenseitig auch in anderen Zusammenhängen unterstützten und einfach auch viel miteinander gelacht haben.

Besonders inspirierend wurde es, als ein paar dieser Menschen sich überlegten, dass wir „gemeinsam“ kochen könnten, indem einen Monat lang jeden Tag immer eine Person ein Gericht aus einem Kochbuch als Startpunkt nahm und davon eine pflanzliche Version kreierte und vorstellte. Der Hintergedanke war, dass viele Menschen sich nicht vorstellen können, ohne Tierprodukte zu leben, weil es da dieses oder jenes Gericht gibt, mit dem sie so viel verbinden. Die Aktion lief unter dem Hastag #veganmakeit (Link führt zu Twitter), was ich anfangs immer erfolgreich als makeitvegan missverstand. Ist ja auch beides sinnvoll.

Ich habe da eine Menge sehr phantasievolle Gerichte gesehen: Maultaschen, Haggis, Labskaus, „Himmel und Erde“, eher bodenständige Mahlzeiten sowie richtig ausgefeilte Kunstwerke. Genau wie wir alle aus unterschiedlichen Regionen kommen und unterschiedliche Zugänge zum Kochen haben.

Meine Beiträge waren ein English Trifle, Cordon Bleu mit selbstgemachtem Seitanschnitzel und selbstgemachtem „Speck“ und Ananastoast. Dieses Retrogericht war auch ein bisschen für einen Twitterbekannten, der sich immer sehr über Ananas auf Pizza echauffieren konnte. Er hat diesen kleinen Scherz auf sein Kappe mit großem Gleichmut hingenommen.

Zwei andere Gerichte stammten aus meiner Kindheit. Meine Oma, die damals im Haus meiner Eltern wohnte, hat sie öfter mal gekocht: Birnen, Bohnen und Speck sowie Fliederbeersuppe mit Grießklößen. Beide Gerichte hatte ich buchstäblich seit dem letzten Jahrtausend nicht mehr gegessen. Der Moment, als ich dann jeweils den ersten Löffel beziehungsweise die erste Gabel im Mund hatte, war unbeschreiblich. Da war ich innerhalb von Sekunden wieder zehn Jahre alt. Alleine für diese Erfahrung bin ich dieser Gruppe Menschen sehr dankbar. Schon beeindruckend, wie tief eingegraben solche schönen Kindheitserinnerungen sein können und wie einfach sie teils wieder aktivierbar sind.

Twitters Schattenseite war für mich dieses Instantempörungslevel. Ein nicht unerheblicher Teil meiner Erfahrung dort war mit schlechter Laune verbunden. Als Musk die Plattform übernahm und das Knirschen immer inakzeptabler wurde, schloss ich mich dem Twexit zu Mastodon an. Dort fand ich einen großen Teil der #veganmakeit-Bubble wieder und darüber hinaus einen generell konstruktiven Umgang der Teilnehmenden miteinander. Ich bin mal sehr gespannt, wie sich diese Geschichte noch weiter entwickeln wird. Persönlich sehe ich es als frühes Weihnachtsgeschenk, dass ich jetzt dieses Netzwerk in einem Umfeld haben kann, in dem es nicht um den neuesten Aufreger geht, sondern um einen interessierten Austausch miteinander. Eine gute Basis für das Würdigen meiner Prioritäten und neuen Schwung für meinen Aktivismus.

Und fürs nächste Jahr habe ich schon eine Liste mit Rezepten, mit denen ich gute Zeiten nerbinde und die ich dann neu interpretieren werde. Make it vegan 😉

Quo vadis, Aktivismus?

Demo für Frieden in der Ukraine
Friedensdemo in Elmshorn

Wie sich in den letzten Jahren die Krisen aufeinander gestapelt haben, ist uns allen bekannt. Schon als Kind hat mich die Umweltproblematik tief beschäftigt und mein Studienfach Chemie habe ich damals gewählt, weil ich (auch durch eine Beratung beim Arbeitsamt) damit vorhatte, die Welt etwas besser zu machen. Heute bin ich schon lange aus der Forschung raus und es ist für meinen mentalen Zustand sicher auch besser so, dass ich nicht so direkt dran bin und die Informationen darüber, wie es mit unserem Ökosystem steht, dass ich filtern und dosieren kann.

Ich bewundere die Menschen, die sich in Organisationen wie Scientists for FutureScientist Rebellion aber auch die Letzte Generation so aktiv für unser aller Zukunft einsetzen. Manchmal frage ich mich, was ich später mal sagen möchte, was ich getan habe, als noch Zeit war, das Kippen zu verhindern.

Meine Gruppe zur Aufklärung über Ursachen von Pandemien hat dieses Jahr einen Verein gegründet und ich habe noch im März eine kleine Aktion organisiert. Ich war auch im Rückblick auf ein paar Demos für Frieden in der Ukraine, Tierrechte und den Klimaschutz. Im Sommer hatte meine Motivation aber eine merkliche Delle.

Krisen sind die eigentliche Motivation dahinter, dass Menschen auf die Straße gehen. Allerdings kam im Februar mit dem Angriff auf die Ukraine noch ein dicker Klumpen dazu und die generelle Ausrichtung von Twitter auf Negativmeldungen sogte bei mir dafür, dass mich der riesige Stapel an Krisen nur noch demotivierte. Es gab einige Demos und andere Veranstaltungen, zu denen ich gehen wollte und mich dann kurz vorher entschied, doch nicht hinzugehen. Bei manchen ging es wirklich nicht, weil mein Rücken mir das viele Sitzen im Homeoffice übel genommen hatte.

Die erste Maßnahme, die geholfen hat: Die Twitterlektüre drastisch zu reduzieren. Dadurch passiert zwar nicht weniger Kritisches auf der Welt, gleichzeitig überlaste ich mich damit nicht mehr. Mich so oft so umfassend und zeitnah zu informieren, hat mir auch nicht geholfen, die Welt zu retten. Wann macht der Mensch überhaupt genug?

In den letzten Monaten des Jahres ist dann bei mir eingesickert, dass der Maßstab für mein eigenes Genug ich selbst bin. Ich kann weiterhin die Menschen bewundern, die so viel mehr Zeit und Energie aufbringen als ich. Die auch größere Risiken eingehen als ich. Genauso kann ich auf Demos gehen, die nicht bei allen Vorbeikommenden gleich das radikale Umdenken bewegen. Ich kann in meinem Alltag Vorbild sein und Menschen informieren und damit kleine Steine ins Rollen bringen.

Ich glaube, noch habe ich mein Level an Aktivismus nicht gefunden. Für 2023 möchte ich wieder mehr bewegen und mehr rausgehen, wenn auch nicht auf der Basis, dass ich das muss, sondern dass ich aus mir heraus das Bedürfnis dazu habe.

Digitale Renovierung

Screenshot von einem Blogpostenwurf des Jahresrückblicks 2022
So könnte der Jarüblo 22 dann aussehen.

Den ersten Blog hatte ich ab 2006 bei Twoday, dann einen bei Blogspot. Ich realisierte beim Schreiben dieses Jarüblos, dass der noch existiert. Der erste, der auf meiner eigenen Seite lief, basierte noch auf WordPress. So richtig warm bin ich mit dem System allerdings nicht geworden. Dieser hier läuft seit 2020 auf Typo3. Und auch da sind noch immer ein paar Dinge glattzuziehen. Nicht ohne Grund ist eine meiner Persönlichkeitshäkelfiguren eine Schnecke. Anfang 2022 habe ich mir eine Liste mit Dingen gemacht, die ich ändern wollte, etwas später habe ich dann wirklich angefangen, in kleinen Schritten zu recherchieren. Und seit November bin ich hinter den Kulissen ernsthaft am Basteln und Schrauben.

Ein Grund dafür, dass meine Webseite lange so unentschlossen aussah und es mir schwer fiel, konkret etwas zu ändern oder mal eine Entscheidung zu treffen, wohin die Reise gehen sollte, war meine eigene berufliche Unentschlossenheit. Erst im Laufe dieses Jahres habe ich entschieden, dass ich mir auch von meiner Coachingausbildung genausowenig wie von meinem Chemiestudium vorschreiben lasse, was ich mit meiner Lebenszeit anfangen will. 2021 war die Trauerphase für die Chemikerin vorbei, jetzt streiche ich das Coaching aus meiner Webseite. Am Unterrichten und der Begleitung auf dem Weg zu Prüfungen hängt mein Herz. Darin bin ich gut, das macht mir Freude, damit kann ich anderen Menschen das Leben erleichtern. Was interessieren mich da Zertifikate aus Papier?

Genauso ist bei mir jetzt eingesickert, was Judith meint, wenn sie sagt: „Blog like nobody‘s reading“ Natürlich ist ein Konzept für einen Blog hilfreich. Gleichzeitig hat mir die Vorstellung, ich müsste dieses oder jenes Thema bedienen, ein Korsett angelegt. Meine Jahreskreisreihen und meine Kurzgeschichten habe ich gesehen als „bis mir etwas zu XY einfällt“. Inzwischen sehe ich sie als vollwertige Bestandteile meines Blogs. Es ist sehr gut möglich, dass ich demnächst mehr über das Lernen und über naturwissenschaftliche Themen bloggen werde, aber meine algemeinen Gedanken über das Leben werde ich auch weiterhin hier ausdrücken und nicht mehr mental unter „ferner liefen“ kategorisieren.

Technisch freue ich mich darauf, dass die Kopf- und Fußzeilen, die Buttons und die Menüleisten so aussehen werden, wie ich mir das vorstelle, wenn ich mit dem Schrauben fertig bin. Auch, dass die Bildergrößen am PC und auf dem Smartphone richtig aussehen werden. Beim Thema Webseite und Blog konnte ich wieder mal eine Menge lernen. Technisch, inhaltlich und auch etwas über mich. Und das ist doch immer erfreulich.


Meine drei liebsten Blogartikel des Jahres

Dieses Jahr habe ich wieder deutlich mehr gebloggt als 2021. Ich bin mit allen dieser Beiträge sehr einverstanden, aber hier sind mal meine drei liebsten Artikel:

1.  Frohes Neues Jahr! Den Anfang macht gleich mein Neujahrspost. Da habe ich mich von einem meiner Lieblingsbücher inspirieren lassen, dem Hogfather von Terry Pratchett. Und zwar von der Aussage, dass wir alle Geschichten brauchen, um wirklich Menschen sein zu können. Unter anderem empfinde ich die Erzählung um den Neuanfang zum 1.1. und auch das Konzept der guten Vorsätze als sehr hilfreich, obwohl ja dieses Datum „in Wirklichkeit“ willkürlich festgelegt ist. Im Artikel zitiere ich Terry weiter:

“It’s still magic even if you know how it’s done.”

Terry Pratchett

In diesem Sinne freue ich mich auf die Magie des nächsten Jahres.

Text: "Humans need fantasy to be human. To be the place where the falen angel meets the rising ape." Terry Pratchett, Hogfather
Ein Zitat von Terry Pratchett

2. Of mud, growing old and friendship: Der zweite Artikel dieser Liste war auch der reichweitenstärkste Instagrampost 2022. Kann sein, dass es daran lag, dass ich die Hashtags #Wacken und #WOA verwendet hatte Es war auch mein erster Beitrag zur Kurzgeschichtenchallenge von Deadlinesforwriters. Weil ich diese Geschichten teilen wollte, habe ich sie einfach mit auf meinen Blog gestellt und immerhin 10 von 12 eingereicht.

Die erste Geschichte ist autobiografisch angelehnt an meine weiter oben schon beschriebene Freundschaft mit Romy, mit der ich jahrelang zu Konzerten und zum Wacken Open Air losgezogen bin. In Verbindung mit ihrem viel zu frühen Tod hat mich das Stichwort „Boots“ sofort dazu inspiriert, darüber zu schreiben, wie jemand nach mehreren Jahren Pandemieflaute endlich wieder die guten alten Festivalstiefel anzieht.

ein paar Stiefel im Gras im Eingangsbereich eines Zeltes. Im einen Stiefel steckt eine Flasche Wasser, im anderen eine Faxedose
Gute Zeiten

3. Eine Frage der Perspektive: Der dritte Artikel ist Teil der Jahreskreisserie. Es sind nicht alle geplanten Beiträge fertig geworden, aber die Ausgabe zum 1.11 hat mir selbst mit ihrem zuversichtlichen Grundthema sehr gut getan. Ich habe genau hingesehen, wie viel Farbe und Leben noch in der Natur war, wo meine eigene innere Stärke wurzelt und wie entlastend regelmäßiges Loslassen ist.

Ein zerzaustens Eichenblatt, dass gerade noch so an einem Zweig festhält
Im November ist es Zeit, los zu lassen.

Und das war sonst noch los:

ein paar lila Schlappen am Strand
Ich war zum ersten und sicher nicht zum letzen Mal auf Amrum.
blindschleiche
Ich habe zum ersten Mal im Leben eine Blindschleiche gesehen und bewundert.
eine Schultafel mit mehreren magnetischen Puzzleteilen, die sich zu einem Schema zusammenfügen, das den Treibhauseffekt erklärt
Ein Workshop von Mensch Tier Bildung e.V., den ich mitleiten durfte.
Bohnen auf einem Teller, ein Teil ist grün, ein Teil ist lila
Die dunkelvioletten Bohnen wurden leider beim Garen ganz schnöde grün.
Blick in ein Bahnabteil
Ich bin natürlich auch mit dem 9€-Ticket durch die Gegend gefahren.
Baumstamm mit gelben Dreiecken als Wandermarkierungen daran.
Zum Beispiel zum Wandern.
Stau beim WOA
Mein Lieblingsstau
eine Frau auf einer Wiese
Das WOA-Gelände im Oktober
ein Pappmodell eines Hauses mit einer Solarzelle auf dem Dach
Wir haben endlich das Projekt Solaranlage eingetütet, wenn auch nicht mit dieser Firma.
ein Schild, auf dem in Englisch-Plattdeutsch-Mixmax darum gebeten wird, die Wekrzeuge eines Museumsschiffes nciht zu verräumen oder mitzunehmen
Hamburger Museumsschiffhumor
Screenshot des Duolingokurses für Klingonisch. Ein ernst blickender Bär erzählt, dass er sich hübsch fühlt.
Klingonischer Bärenhumor
eine Tasse, auf der Steht: Auf dem Boden der Tatsachen liegt eindeutig zu wenig Glitzer.
Heißgetränkeservice bei der Nachhilfe außer Haus

Was habe ich 2023 vor?

  • Erkenntnisse einsickern lassen – Auf jeden Fall möchte ich diesen Prozess noch vertiefen und weitere Einsichten vom kognitiven Level zumindest mal auf Herzhöhe absinken lassen. In meinem natürlichen (vielleicht etwas gemächlichen) Tempo und gleichzeitig mit einer bewussten und offenen Bereitschaft. Das klingt für mich schon mal nach einem super Plan.
  • Was ist wirklich zu tun? Ich schleife seit ein paar Jahren an meiner idealen Methode für ein Bulletjournal rum. Inzwischen ist es sehr minimalisiert, vor allem der „ToDo“-Anteil nähert sich immer mehr der Realität und meinen Priotitäten an 😆 Da bin ich gespannt, ob diese neue Version, die ich mir für 23 überlegt habe, meinen gleichzeitigen Bedürfnissen nach Überblick und Nachsicht mit mir selbst gerecht wird. Ansonsten wird eben weiter angepasst.
  • Neue Geschichten – Ich werde an einer weiteren Runde der „12 Short Stories“ bei Deadlinesforwriters teilnehmen. Da schwebt mir schon ein Setting vor, das nur auf die neuen Prompts wartet.
  • Lernen – Die letzten Lektionen des Dänischkurses von Duolingo wollen noch auf „legendary“ hochgelevelt werden 🥰 Danach schaue ich mal, wie es mit dem Französischkurs weiter läuft.
  • Bloggen – Auf diesem Blog will ich als nächstes etwas zum Thema „Mathematik in der Schule Pro und Contra“ schreiben, das wuselt mir schon länger im Kopf herum und jetzt habe ich Aufhänger und Motivation beisammen. Insgesamt habe ich so viele Ideen, dass ich locker mehr schreiben kann, als 2022. Wenn das dann jeweils meinem aktuellen Bedürfnis entspricht.

Im Grunde ist mir am wichtigsten, dass ich alles das, was jetzt bei mir greifbar angekommen ist, noch solider in tieferen Etagen verwurzeln kann. Und dass möglichst noch weitere Erkenntnisse konkreter werden und einsickern. Dafür werde ich aktiv etwas tun.  

Mein Motto für 23 heißt daher: 

Ich gieße meine Wurzeln.

Angela, Dezember 2023

Hast du auch Pläne oder sogar ein Motto für 2023? Bist du mit deinem 2022 zufrieden? Hast du auch einen Jahresrückblick 22 geschrieben? Wie auch immer, ich wünsche dir einen guten Rutsch und alles Gute für das kommende Jahr!


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