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  • Über 50 – Und dann?

    Über 50 – Und dann?

    Vernetzen mit über 50

    Seit September 2024 bin ich jetzt also auch offiziell über 50. Genauer gesagt bin ich 51 Jahre alt geworden. Weil ich vor einer Weile in einem Artikel zum Thema von Korina Dielschneider darüber gelesen hatte, habe ich mich jetzt bei einem Portal für Blogger:innen 50plus angemeldet.

    So richtig realisiert habe ich das alles noch nicht. Ich erinnere mich noch daran, wie merkwürdig es für mich als Kind war, wenn ich gefragt wurde: „Und? wie fühlst du dich so mit XY Jahren?“ Das Gefühl unterschied sich nicht nennenswert von dem am Vortag 😀 Dass jetzt über 50 Jahre um mich herum geflossen sind, war ein äußerst leise schleichender Prozess.

    Korina schreibt, Bloggen sei gut gegen „Unzufriedenheit in der zweiten Lebenshälfte“, für „lebenslanges Lernen“ und Kreativität. Außerdem sei es ein guter Weg zum Vernetzen. Dem stimme ich mehrheitlich zu, nur dass ich mich nicht unzufrieden fühle.

    Und wie fühle ich mich mit über 50?

    2023 habe ich schon mal zum Älterwerden gebloggt. Das war ein Beitrag zu zwei Blogparaden, die sich auf Frauen über 50 beziehungsweise in den Wechseljahren fokussierten. Die körperlichen Veränderungen sind natürlich zu merken. Auch wenn ich Zeit meines Lebens nie besonders energiegeladen oder sportlich war: Heutzutage stellt mir mein Körper für Aktivitäten wie Feiern oder ausführliches Essen eine deutlich höhere Rechnung aus. Die immer noch zu spürende post-COVID-Müdigkeit ist ein extra Sahnehäubchen.

    Als Frau älter werden: Angela alt
    Und so könnte ich mal aussehen

    Ansonsten bin ich innerlich im Grunde noch die gleiche Angela wie vor diversen Jahrzehnten. In meinen politischen und gesellschaftlichen Ansichten bin ich nicht konservativer geworden. Ich besichtige mit großer Begeisterung Ausstellungen zu den Jubiläen der Sesamstraße und der Pixi-Bücher.

    Generell halte ich nichts von Regeln, die anfangen mit „Über 50 sollte eine Frau nicht mehr…“ Oder über welcher Altersgrenze auch immer Menschen meinen, Anderen erzählen zu können, wie sie zu sein haben. Entsprechend fühle ich mich immer noch nicht innerlich verändert durch mein Alter. Vielleicht kommt das ja noch, ich werde sehr wahrscheinlich auch mit 60 oder 70 noch bloggen und berichten.

    Dass ich meinen Mann so früh kennen gelernt habe, war wohl ein Glücksfall. Heutzutage sind Single-Frauen in meinem Alter gar nicht so selten, unter anderem auch, weil wir nicht mehr darauf angewiesen sind, dass uns jemand finanziell absichert. Und trotzdem ist das Geschlechterverhältnis immer noch nicht ausgeglichen. Ältere Männer sind immer noch an zum Teil deutlich jüngeren Frauen interessiert. Auch in der Hinsicht sind wir wohl ungewöhnlich.

    Was eine Frau über 50 wirklich nicht mehr tragen sollte? Das Gewicht der Erwartungen anderer Menschen. Von Vorteil ist es allerdings, wenn diese Erkenntnis kein halbes Jahrhundert zum Einsickern braucht. Im Umgang mit meinen Schüler:innen gebe ich mein Bestes, um bei ihnen dazu beizutragen.

    Austausch zwischen den Generationen

    Im Alltag treffe ich als Nachhilfelehrerin überwiegend auf Menschen unter 20. Natürlich merke ich, dass wir teils unterschiedliche Sprachen sprechen. Manche Begriffe haben sich aber über die Generationen hinweg nicht sehr verändert.

    Ich bin sehr gerne GenX. Und das, obwohl es mir oft schwer fällt, die Kluft zwischen den Generationen nachzuvollziehen, die aus meiner Sicht zum großen Teil künstlich herbei geredet ist. Der eine Teil der Gesellschaft hat mehr Gelegenheit gehabt, in der Vergangenheit zu wirken. Dem anderen Teil steht mehr Zukunft offen. Und gleichzeitig teilen wir uns die Gegenwart und den Planeten. Kooperation finde ich konstruktiver als eine Debatte darum, wessen Ansichten zum Thema Arbeitswelt sinnvoller sind.

    Im Gegenteil: Ich finde den Austausch mit jungen Menschen bereichernd. Viele von ihnen machen mir Hoffnung für die Zukunft der Menschheit. Und in vielen Punkten sind GenZ und Alpha flexibler als die Generation meiner Eltern und Großeltern. In anderen sind sie allerdings erstaunlicherweise weniger progressiv als ich 😀 Und auch das ist spannend.

    Hauptsache ist, dass wir uns darauf einigen, dass die Musik der späten 80er und der 90er Jahre nie wieder erreichte Maßstäbe gesetzt hat 😉

    Mein Herz geht besonders dann auf, wenn ich auf Demos sehe, wie „Omas gegen Rechts“ und „Omas for Future“ mit den durchschnittlich jüngeren FFF-Gruppen und Organisationen für die Demokratie zusammen stehen. Vielleicht ist da noch eine gute Möglichkeit für mich, mich mal mit Gleichaltrigen zu vernetzen.

    Und jetzt?

    Wie stelle ich mir die kommenden Jahrzehnte vor? Ich zitiere aus meinem Blogpost vor meinem 50sten Geburtstag:

    Auf jeden Fall wird danach noch etwas kommen. Alles andere wäre ziemlich langweilig.

    Bisher sieht es sehr danach aus, als wäre mein Blick in die Zukunft realistisch gewesen. Und jetzt wird es zusätzliche Inspiration von einer ganzen Reihe anderer Blogger:innen über 50 geben. Ich freue mich darauf!

    Was meinst du?

    Bist du selbst auch schon 50plus? Oder freust du dich darauf? Wie stehst du zum Austausch zwischen den Generationen und den Erwartungen der Gesellschaft an bestimmte Altersgruppen? Und wie geht es dir mit der Frage:

    Wie fühlst du dich mit über 50?

  • 22. September: Die guten ins Töpfchen

    22. September: Die guten ins Töpfchen

    Die melancholische Schönheit des Anfangs vom Ende

    Ziemlich genau vor vier Jahren schrieb ich einen Artikel über die Herbst-Tagundnachtgleiche im September. Angefangen hatte alles mit einem Blogpost über den Jahreskreis und warum es allgemein und abseits von spirituellen Hintergründen gesund für uns ist, die Vorgänge in der Natur zu beobachten. Was im Lauf durch die Jahreszeiten draußen passiert, hat viel mit uns zu tun und mit den Fragen, die wir uns regelmäßig stellen können, um an uns und dem Leben dran zu bleiben.

    Die Fäden, die in diesen Tagen zusammenlaufen sind:

    • Reife von Äpfeln, Birnen, Pflaumen und Holunder
    • Herbstanfang
    • Vorbereitung auf Erntedankfeste
    • Startschuss für die dunklere Jahreshälfte

    Diese Themen haben sich für mich abgeleitet: Bilanzziehen, Vergleich von Aufwand und Ergebnis, Entscheidungen, Gleichgewicht und Kippen in die Bewegung hinein.

    Manche Unternehmungen tragen überraschend viele Früchte, andere scheinen sich im Rückblick nicht gelohnt zu haben. Und ein paar Projekte brauchen vielleicht nur noch ein kleines bisschen Geduld oder Energie, um doch noch zu reifen. Aus der Gesamtbetrachtung ziehen wir Konsequenzen und passen unsere Pläne für den nächsten Zyklus an.

    Was folgt, sind Anregungen, wie diese Themen mehr oder weniger konkret erlebt werden können, außerdem die Beschreibungen meiner eigenen Aktivitäten und Erlebnisse. In diesen Artikel werde ich auch in Zukunft eventuell auftauchende neue Ideen einflechten.

    Eine weitere Perspektive bietet die englischsprachige Podcast-Episode zum Herbstanfang von „The Wonder“ aus dem Jahr 2023.

    Raus vor die Tür

    Ähnlich wie zur Frühlings-Tagundnachtgleiche verändert sich aktuell der Anteil der hellen Stunden am Tag besonders schnell. Im Frühjahr scheint alles in den Startlöchern zu stehen, um frisches Laub hervorzubringen. Jetzt wirkt es so, als atme die Natur tief ein, um mit einem breiten Pinselstrich dieses Laub bunt zu färben.

    Goldenes Licht und grünes Laub

    Ich liebe den September. Die Kombination aus goldener Herbstsonne und immer noch grüner Üppigkeit sorgt für eine besonders gemütliche Stimmung. Da lohnt sich das bewusste Hinsehen besonders.

    Unter anderem auch, weil sich die Natur gerade besonders schnell ändert. Überall in den Bäumen in meiner Umgebung sehe ich kleine bunte Stellen, die sich in den kommenden Wochen ausbreiten werden. Wie im Zeitraffer können wir diese Farbentwicklung verfolgen. Ähnlich, wie im Frühling von kleinen grünen Inseln an den Bäumen und Sträuchern die Explosion ausging, nur jetzt mit einer Vorahnung vom Ende der Vegetationsperiode.

    Erntezeit

    Vielleicht ist mir an meinen bisherigen Wohnorten der Hopfen nicht so aufgefallen. Seit ich im Kreis Pinneberg lebe, sehe ich ihn überall. Gerade jetzt werben die bizarren und zerbrechlich wirkenden Blüten verstärkt um meine Aufmerksamkeit.

    Die Maisfelder in der Region finde ich auch immer spannend. In manchen Jahren kam der Regen so ungünstig, dass monatelang an eine Ernte nicht zu denken war. Hier scheint der Betrieb testhalber eine kleine Ecke eingeholt zu haben. An diesem Feld komme ich fast täglich zu Fuß vorbei und habe über die Hecke beobachtet, wie sich die Pflanzen entwickelt haben. Andere Maisfelder in meiner Umgebung sind schon komplett abgemäht.

    Wenn irgendetwas da draußen schnell wächst, dann die Pilze. Sie sind ein gutes Sinnbild für die dramatischen Veränderungen, die jetzt anstehen und auch für die Ernte. Weil ich mich mit ihnen bisher nicht auskenne, überlasse ich die Entscheidung, welche Pilze essbar sind, allerdings Anderen 😉

    Holunder und Brombeeren erkenne dagegen auch ich 😉 Jedes Jahr nehme ich mir vor, Holunderbeeren zu sammeln und Saft daraus zu machen. Und dann huscht die Saison wieder an mir vorbei 😀 2025 habe ich mir endlich einen Holunder in den Garten gepflanzt.

    Die Brombeeren, die wir auf unserem Spaziergang gesehen haben, werden vermutlich nicht mehr abreifen. Jetzt ist für mich die Zeit, in der solche Entscheidungen fallen: Manches braucht nur noch ein kleines bisschen Zeit in der Herbstsonne, manches zieht sich in die Pflanze zurück für den nächsten Jahreskreis.

    Stimmung

    Ich photographiere gerne den Morgenhimmel aus dem Dachfenster. Und zur Zeit gibt er sich besonders Mühe mit der dramatischen Stimmung.

    Die Temperaturen des Sommers sind nicht mein Ding. Ab 25°C drückt mir die Hitze auf die Laune. Als ich neulich bei der Apotheke vorbeikam, atmete ich über die 16°C begeistert auf 🙂

    Rosen halten jedes Jahr länger durch, als ich ihnen zutraue. Irgendwie vergesse ich immer, wie resilient sie sind. Und entsprechend sind neben all den Hagebutten, die sich in meiner Umgebung zeigen, noch viele richtig üppige Blüten zu bewundern.

    Raus in den Garten

    Farbenpracht

    In meinem Vorgarten blühen Heidekraut und blaue Bartblume. Das erinnert mich daran, wie unfassbar schön die Blütezeit in der Lüneburger Heide ist. Das Heideblütenbarometer vom 21.9.24 sagt, dass die Blüte schon vorbei ist. Allerdings habe ich bei der Gelegenheit Lust bekommen, mir den Heide-Herbst anzusehen!

    Hinterm Haus zaubern die Astern Farbe in mein Leben. Jedes Jahr überraschen sie mich wieder, weil ich sie nicht selbst gepflanzt, sondern mit dem Haus übernommen habe. Daher rechne ich mit diesem Geschenk nicht und bin immer wieder begeistert.

    Auch der Sonnenhut und die Fetthenne leben schon länger auf diesem Grundstück als ich und erfreuen mich jedes Jahr wieder. Die Sonnenblume habe allerdings tatsächlich ich gesät.

    Meine Rosen sind noch zwischen neuen Knospen und schon etwas gealterten Blüten, während der Hortensie die fortgeschrittene Jahreszeit deutlich anzumerken ist.

    Ernte

    Wieder einmal sind 2024 nicht alle meine Gemüsepflanzen erfolgreich gelaufen. Mein alles andere als grüner Daumen erstreckt sich offensichtlich auch auf den Außenbereich 😀 Und dann habe ich auch noch alle Kürbisse und Zucchini an die Schnecken verloren.

    Dafür hingen an den Tomatenpflanzen reichlich Früchte, die ich noch grün vor meinen Konkurrentinnen ins Haus rettete und dort ausreifen ließ. Bei der Gelegenheit bemerkte ich, dass mein Experiment Aubergine nicht komplett ins Wasser gefallen war: An einem kleinen versteckten Strauch hängt noch eine kleine Aubergine, bei der ich hoffe, dass die Septembersonne noch ausreicht.

    Und dann gibt es immer noch ein paar tapfere kleinere Erdbeeren. Wir ernten sie einzeln und andächtig, sobald sie es geschafft haben, doch noch reif zu werden. Auch diese kleine Chillischote hat 2024 sehr lange sehr alleine draußen gehangen. Jetzt habe ich sie abgezupft und gehe nicht mehr davon aus, dass sie bei den Außentemperaturen noch rot geworden wäre. Nach der Saisaon 2025 habe ich jetzt entschieden, hauptsächlich Dauerkulturen im Garten zu betreuen: Erdbeeren, Blaubeeren und Braunkappen.

    Meine Rosen haben nicht nur Knospen und Blüten, sondern auch wieder eine Menge Hagebutten. Ich pflücke aktuell immer die, die schon etwas weicher sind und sammele sie im Gefrierschrank, um Marmelade daraus zu kochen. Auch hier lohnt es sich, auf die Nachzügler zu warten.

    Ich habe 2024 und 2025 aus post-COVID-Gründen sehr viel sparsamer im Garten gearbeitet. Für 2026 ziehe ich aktuell Bilanz, was gut gelaufen ist und welche Gemüsesorten mir zu kapriziös sind. Tomaten und Chillies werde ich wieder vorgezogen kaufen.

    Hier findest du ein paar aktuelle Gartentipps für September, die wichtigsten Herbstarbeiten (YouTube-Link), und Tipps für Erdbeerpflanzen (YouTube-Link).

    Wie sieht es in deinem Garten, auf deinem Balkon oder Fensterbrett aus? Was hast du geerntet, was hat nicht funktioniert und was lässt du noch ein bisschen weiter reifen?

    Meditation im September

    Neben meiner eigenen Meditation gibt es online eine breite Auswahl an passenden und unterschiedlich langen geführten Meditationen unter den Stichworten „Herbst-Tag-und-Nacht-Gleiche“ oder Mabon. Auf Englisch findest du Meditationen unter dem Stichwort „autumn equinox“. Es gibt auch für den Herbstanfang geeignete Yogaflows, vor allem solche mit dem allgemeinen Schwerpunkt auf Balance und Erdung.

    Eine weitere Alternative wäre noch, einfach in der Stille eins oder mehrere der Themen dieses Tages in geeigneter Atmosphäre zu meditieren.

    Kreativität ausleben

    Zum 2. Februar habe ich nach dieser Anleitung für einen Smartphoneständer aus fester Pappe einen Aufsteller gebastelt, auf dem ich das ganze Jahr über ein jeweils jahreszeitlich passendes Bild präsentiere. Jetzt werde ich ein neues Bild anfertigen und meinen eigenen Fokus für die kommenden Wochen neu gestalten.

    ein Aufsteller aus roter Pappe

    Seit Jahren schiebe ich schon die Idee vor mir her, Waschmittel aus Kastanien herzustellen. Das ist vielleicht keine dekorative Angelegenheit, aber saisonal ist diese Aktivität auf jeden Fall. Ich werde berichten, wenn ich das irgendwann einmal umsetze.

    Für meinen Fokus habe ich schon ein paar gehäkelte Kürbisse. Ich finde leider die Anleitung nicht mehr, aber unter „crochet pumpkin“ oder „Kürbis häkeln“ findest du online eine Reihe von Tutorials für jeden Geschmack in verschiedenen Schwierigkeitsstufen. Wer lieber strickt, findet unter „knitting pumpkin“ ähnlich viele Ideen.

    Auch ein Füllhorn könnte sich aktuell gut auf dem Fokus machen. Hier ist ein käufliches Häkelmuster für ein zweidimensionales Füllhorn, allerdings passt zu meinen Kürbissen wohl eher etwas Dreidimensionales. Da werde ich einfach mit einer ausladenden Kegelform experimentieren. Hier ist noch eine englischsprachige Sammlung von Häkelideen für den Herbst. Und hier ist eine deutschsprachige Sammlung von Anleitungen für gehäkelte Herbstdeko.

    Auf längere Sicht plane ich, mir eine Balkenwaage zu basteln, um den Aspekt des Bilanzierens und Abwägens zu verdeutlichen. Und natürlich gibt es viele andere unterschiedliche kreative Medien. Für meinen Blogbeitrag von 2020 habe ich zum Beispiel ein Zentangle gezeichnet:

    Herbstanfang: schwarz-weiße Zeichnung einer stilisierten Balkenwaage. Auf der einen Seite liegen ein paar Kugeln in der Schale, auf der anderen Seite eine Pfauenfeder. in den beiden unteren Ecken des Bildes sind Eichenblätter.

    Vielleicht magst du dir aber auch einfach mit einem selbstgemachten Potpourri den Duft des Herbstes in dein Haus holen?

    Essen und Trinken im September

    Mitte September habe ich die Suppensaison eingeläutet. Die Fülle an frischem saisonalen Gemüse genieße ich von Zeit zu Zeit gerne püriert und mit etwas Currypaste. Diese Suppe war auf Zucchinibasis mit Räuchertofu und Udon. Einerseits sommerlich durch die Zucchini, andererseits herbstlich kuschelig geräuchert.

    Eine ganz andere Suppe habe ich 2023 als mein liebstes Herbstgericht präsentiert. Sie ist süß und wird aus Holundersaft gemacht, norddeutsch Fliederbeersaft genannt.

    Herbstgericht: Ein weißer Teller, darauf eine dunkelrote Suppe. In der Suppe liegen cremefarbene Grießklößchen und ein paar dunkelrot verfärbte Apfelstückchen.

    Für mich ist Fliederbeersuppe eine wunderschöne Kindheitserinnerung. Ich sehe mich noch da sitzen, im Unterhemd wegen der Fleckengefahr. Zuerst kam die Suppe auf den Teller und dann wurden liebevoll ein paar Klößchen dazu gelöffelt. Ich fand es faszinierend, wie deren rauhe, weiße Oberfläche sich mit einem Netz aus dunkelroten Adern überzog. Ich rieche heute noch den Duft von Zimt, fühle die wohlige Wärme und schmecke die Herbheit der Beeren. Eine Herbstsuppe für alle Sinne sozusagen.

    Ich habe mich an ein Rezept für Fliederbeersuppe von Chefkoch.de gehalten 🙂

    Musik hören oder machen

    Klassik

    Ach, Vivaldi! Seine Vier Jahreszeiten sind nicht ohne Grund ein Klassiker und der Herbst von Vivaldi ist besonders reich, warm und festlich 🧡 Besonders das Allegro am Ende ist im Prinzip super tanzbar.

    Fanny Mendelssohn Hensel hat mit „Das Jahr“ zwölf „Charakterstücke für Forte-Piano“ geschrieben. In den vorhergehenden Artikeln habe ich schon einige davon verlinkt und auch ihr Stück für den September enttäuscht nicht. Die Grundidee dahinter ist ein Fluss, der im Herbst unaufhaltsam an einer wehmütigen Person vorbei fließt. Hier findest du Fanny Mendelssohns September (YouTube-Link).

    Tschaikowskys September (YouTube-Link) nimmt uns mit auf eine Jagd. In diesem Herbststück wird es noch einmal festlich und erhebend.

    Pop und Liedermacher

    Jürgen Fastje hat ein Gedicht von Elke Bräunling vertont. Wie er sagt, handelt es sich um ein „Sommer-Herbst-Übergangsgedicht“. Sein „Septemberblues“ (YouTube-Link) ist melancholisch und erfreulich kraftvoll.

    Ein Ende bist du und ein Anfang.
    Der Sommer geht, der Herbst, der eilt
    mit Riesenschritten nun herbei.
    Es ist, als ob die Zeit jetzt fände,
    dass sie genug verweilt‘
    und auf dem Sprunge sei.

    Elke Bräunling

    Auch Simon and Garfunkel singen in „Leaves that are Green“ (YouTube-Link) über die Vergänglichkeit. Ein weiteres Thema ist die scheinbare Vergeblichkeit von Dingen, die wir tun.

    I threw a pebble in a brook
    And watched the ripples run away
    And they never made a sound
    And the leaves that are green turn to brown

    Art Garfunkel und Paul Simon

    Manche Steinchen gehen geräuschlos unter, wenn wir sie ins Wasser werfen. Und trotzdem schlagen sie Wellen. Ich mag die Heiterkeit der Melodie. Sie ergibt sich aus der Haltung, wenn wir akzeptieren, dass die Zeit es manchmal eilig hat und dass wir nicht alles in der Hand haben.

    Auch Ed Sheeran hat vor einigen Jahren ein Lied über Herbstlaub geschrieben. Bei ihm geht es um Wehmut und darum, dass der Wandel der Zeiten sowohl kompliziert als auch nicht kompliziert ist. Die Welt dreht sich weiter, und was wir vermissen, hat unser Leben bereichert.

    Mit ihrem Autumn Song beschreiben die Manic Street Preachers das Gleichgewicht zwischen Gegensätzen. Ein Teil des Textes dreht sich um die Gleichzeitigkeit von Melancholie und Hoffnung:

    So when you hear this autumn song
    Clear your heads and get ready to run
    So when you hear this autumn song
    Remember the best times are yet to come

    Manic Street Preachers

    Ich finde bemerkenswert, wie fröhlich dieses Herbstlied ist. So sehe ich persönlich diese Jahreszeit auch 😀

    Metal

    Natürlich gibt es noch einen Beitrag aus dem Metal-Bereich. Die Band heißt Autumn, das Album „Summer’s End“, genauso wie ein Lied darauf. Inhaltlich ist dieses Stück alles andere als leise, sondern feiert die Intensität der Herbstzeit, die jetzt beginnt. Und wie es sich für eine Gothic Metal Band gehört, besingen sie die bizarre Schönheit des Verfalls, der für alles Lebendige den Abschluss bildet.

    The odour of harvest time
    The immense sky turns grey
    The sun softly shines
    Until it slumbers away
    One with land’s decay

    Autumn

    Allgemein fällt dieser Strauß an musikalischen Aussagen über den September und die Übergangszeit faszinierend bunt gemischt aus. Genau das ist es, was ich an dieser Zeit so liebe.

    Lesen

    Der Plan war, zu jedem Jahreskreisfest passende Lektüre zu finden. Ich wollte auch für mich eine Leseanregung haben. Aktuell ist mir allerdings kein Roman oder Sachbuch eingefallen. Falls sich etwas ergibt, werde ich das nachreichen.

    Gedichte zur Saison gibt es dagegen reichlich. Luise Büchner beschreibt die melancholische Gleichzeitigkeit von lebendiger Ernte und der Aussicht auf das Loslassen:

    Herbstlied

    Es liegt der Herbst auf allen Wegen,
    In hundert Farben prangt sein Kleid,
    Wie seine Trauer, seinen Segen
    Er um sich streut zu gleicher Zeit.

    Es rauscht der Fuss im welken Laube,
    Was blüht‘ und grünte, ward ein Traum –
    Allein am Stocke winkt die Traube
    Und goldne Frucht schmückt rings den Baum.

    So nimmt und gibt mit vollen Händen
    Der Herbst, ein Dieb und eine Fee;
    Erfüllung kann allein er spenden,
    Doch sie umfängt ein tiefes Weh! –

    O, Herbst der Seele! deine Früchte,
    Sind auch Gewinn sie, oder Raub?
    Der Wünsche Blüthe ist zunichte,
    Der Hoffnung Grün ein welkes Laub.

    Zu schwer erkauft, um zu beglücken,
    O, Seelenherbst, ist deine Zier!
    Der Saft der Traube kann entzücken,
    Doch keine Wonne strömt aus dir.

    Die Weisheit, wie die Frucht sie nennen,
    Sie presst mir bittre Thränen aus,
    Und ihres Kernes herbem Brennen
    Entkeimet nie ein Frühlingsstrauss!

    Luise Büchner, 1821-1877, deutsche Lyrikerin und Schriftstellerin

    Bei Agnes Miegel überwiegt die gelassene Freude am Abschied. Das Mitgehen im Lauf der Jahreszeiten gibt ihr Klarheit und Zufriedenheit.

    Frühherbst

    Die Stirn bekränzt mit roten Berberitzen
    steht nun der Herbst am Stoppelfeld,
    in klarer Luft die weißen Fäden blitzen,
    in Gold und Purpur glüht die Welt.

    Ich seh hinaus und hör den Herbstwind sausen,
    vor meinem Fenster nickt der wilde Wein,
    von fernen Ostseewellen kommt ein Brausen
    und singt die letzten Rosen ein.

    Ein reifer roter Apfel fällt zur Erde,
    ein später Falter sich darüber wiegt —
    ich fühle, wie ich still und ruhig werde,
    und dieses Jahres Gram verfliegt.

    Agnes Miegel, 1879-1964, deutsche Dichterin, Journalistin

    Fragen stellen

    • Wie ist dein Jahr gelaufen?
    • Was hast Du geerntet, was hattest Du erhofft?
    • Wo hast Du weniger investieren müssen als gedacht, wo war das Resultat reicher als erwartet?
    • Wofür bist Du dankbar?
    • Was willst Du haltbar machen?
    • Und was kannst Du leichten Herzens loslassen?
    • Wie leicht fällt es Dir, den Sommer zu verabschieden und Dich auf die Kerzenscheinjahreszeit einzulassen?

    Deine wichtigsten Erkenntnisse in den Fokus setzen

    Was sind für dich die wichtigsten Antworten auf Deine Fragen, die für dich passendsten Zitate oder Gedichte? Lässt sich für dich ein Musikstück zum September auf ein Symbol verdichten?

    Hast du draußen in der Natur oder in deinem Garten einen Gegenstand gefunden, der es verdient hat, auf deinem Fokus präsentiert zu werden?

    Wenn ich meinen Fokus für die Herbst-Tagundnachtgleiche gestaltet habe, werde ich hier ein Bild davon einfügen.

    Der nächste Termin im Jahreskreis ist der 1. November.

    Hast Du eine Tradition rund um den 22. September? Wie ist dein Gefühl für das Einatmen der Natur kurz vor dem Einfärben des Herbstlaubes?

  • Mehrsprachig träumen und wünschen

    Mehrsprachig träumen und wünschen

    Bin ich mehrsprachig und wenn ja, was macht das mit mir? Der Blogparadensommer ist großenteils beendet, auch Ursula Eggers hat ihre Challenge der Mehrsprachigkeit am 1. September geschlossen. Jetzt reiche ich also knapp verspätet meine Gedanken nach.

    Wo bin ich mehrsprachig?

    Meine Sprachen

    In der Schule habe ich so viele Sprachen mitgenommen, wie in den Stundenplan passten. Es waren allerdings die üblichen Verdächtigen: Englisch, Französisch, Latein. Meine Französischkenntnisse entstaube ich jetzt mit großem Zeitversatz und kleinschrittig auf Duolingo. Ich glaube auch nicht, dass ich noch aus dem Stand ein Gedicht von Catull übersetzen könnte, jedenfalls nicht mit großer Ästhetik 😀

    Andererseits unterrichte ich Mathematik, Naturwissenschaften sowie naturwissenschaftliches Deutsch auf Anfrage auf Englisch. Umgekehrt habe ich meine Diplomarbeit und Doktorarbeit auf Englisch geschrieben. Als Lehrerin habe ich ein Jahr lang in der zweiten Klasse einer bilingualen Grundschule Mathe auf Englisch unterrichtet. Es passiert äußerst selten, dass mir ein englischer Begriff unterkommt, den ich nicht kenne. Grundsätzlich biete ich auch Nachhilfe im Fach Englisch an. Bisher ist jedoch der Bedarf an Mathematik deutlich höher 🙂

    Noch heute profitiere ich vom damaligen gleichzeitigen Lernen mehrerer Sprachen nebeneinander. Mich faszinieren die Verwandtschaftsverhältnisse genauso wie die Unterschiede. Ich habe als Kind begeistert den Etymologieband aus der Dudenreihe meiner Eltern gelesen und freue mich auch heute noch, wenn mir klar wird, wo ein Begriff ursprünglich herkommt. Auch wenn ich viele Sprachen nicht wirklich beherrsche, schnappt mein Gehirn beim Lesen Muster und wiedererkennbare Schnipsel auf, die mir grundsätzliche Botschaften erschließen.

    2022 habe ich angefangen, Dänisch zu lernen. Ohne Hintergedanken und Anlass, nur für mich. Diese Sprache ergänzt Deutsch und Englisch zu einem lustigen Trio: Alle drei haben untereinander große Schnittmengen, und immer wenn ich denke, dass ich die Ähnlichkeiten im Griff habe, kommt wieder eine neue Überraschung und ein grammatikalischer Alleingang 😀 Ich liebe die Verbundenheit, auch die historische. Außerdem genieße ich, dass es mit den dreien nie langweilig wird. Unter anderem auch durch den Instagram-Account der Nearly Danish Dame. Ein weiterer Instagram-Account, den ich verfolge, ist von den Language Nerds. Nicht alle ihre Beiträge begeistern mich. Aber manchmal sind solche Sätze darunter:

    Being bilingual means double the sad songs you can cry to.

    The.Language.Nerds

    In meinem Duolingo-Profil ist zu sehen, dass ich auch in Türkisch und kurzzeitig in Chinesisch reingeschnuppert habe. Daneben lerne ich mehr oder weniger beständig Klingonisch. Ich wünschte, es gäbe auch eine gute App für Plattdeutsch. Letzteres verstehe ich, aber wie so viele Menschen traue ich mir nicht zu, es zu sprechen. Dabei wäre gerade Plattdeutsch eine besondere regionale Verwurzelung. Hätte der Tag mehr Stunden, würde ich wohl immer weiter neue Sprachen dazulernen.

    Was macht Mehrsprachigkeit so wertvoll?

    Während ich in England lebte, verschob sich mein Sprachgebrauch so sehr, dass ich gewohnheitsmäßig auf Englisch träumte. Lassen sich auf Deutsch Sachverhalte präzise und kompakt ausdrücken, habe ich am Englischen schon in der Schule die Eleganz geliebt, wie viel wir mit der Wahl einer Zeitform ausdrücken können, und wie lebendig das englische Vokabular die abwechslungsreiche Geschichte der Besiedelung der britischen Inseln widerspiegelt.

    Sprache ist mehr als nur schlichte Weitergabe von trockenen Informationen. Sie ist Verbindung, Rückbindung an lange vergangene Zeiten, Rätsel, Kunstform, Grundlage für Humor und Identität. Wer mehr als eine Sprache versteht, ist in mehreren Welten zuhause. Die Art des Denkens verändert und erweitert sich, wenn ich mich darauf einlasse, noch einmal ganz neu sprechen und hören zu lernen.

    Die Gleichzeitigkeit erlaubt es, Geschichten, Liedtexte und auch Witze mehrsprachig wie durch verschiedene Filter zu betrachten, wobei manchmal eine Mehrdimensionalität entsteht, die ansonsten nicht sichtbar würde. Und gleichzeitig wird auch deutlich, dass Menschen verschiedenster Nationen am Ende mehr Gemeinsames haben als Trennendes.

    Wer wird gesellschaftlich als mehrsprachig geschätzt?

    Als wir in England lebten, haben mein Mann und ich untereinander immer Deutsch gesprochen. Auch in der Öffentlichkeit. Das war höchstens dann problematisch, wenn die deutsche Nationalelf der Männer mal wieder im Fußball gewonnen hatte 😉 Ansonsten sind wir nie als unangemessen mehrsprachig angeeckt.

    Bilinguale Kinder in Deutschland werden dagegen unterschiedlich wahrgenommen. Hier in Halstenbek gibt es zum Beispiel eine japanische Schule und wenn jemand Japanisch kann, wirkt das beeindruckend. Es wird damit relativ automatisch ein hoher Bildungsgrad assoziiert.

    Unter meinen Schüler:innen sind allerdings auch einige, die Türkisch, Arabisch oder Persisch sprechen. Eine Zeitlang habe ich Deutsch als Zweitsprache mit geflüchteten Jugendlichen unterrichtet, und 2023 hat eine meiner Matheschülerinnen Abitur gemacht, die in dritter Generation hier lebt und deren Familie familiär in der Türkei verwurzelt ist.

    Diese intelligente junge Frau musste immer wieder gegen Schubladen kämpfen, in die sie gesteckt werden sollte. „Es ist ja auch okay, wenn du später auf dem Bau arbeitest“ war eine dieser Zuschreibungen aus der Grundschulzeit. Ohne Begründung bekam sie schlechte Noten in Deutsch und musste sich für das Abiturzeugnis eine Neubewertung ihrer mündlichen Mitarbeit erstreiten. Sie spricht akzentfrei Deutsch und Englisch und ist um eine Sprache mehrsprachiger als Mitschüler:innen. Trotzdem nahm sich die Deutschlehrerin heraus, willkürlich das eventuelle Erreichen eines Numerus Clausus zu gefährden.

    Wenn Kinder die „falschen“ zusätzlichen Sprachen beherrschen, wird das oft nicht als Bilingualität geschätzt, sondern eher als Makel angekreidet. Es wird gefordert, dass diese Kinder zuhause bitteschön Deutsch sprechen sollen. Auch in der Öffentlichkeit und auf dem Pausenhof sind nicht alle Sprachen gleichwertig. Obwohl ich besonders Türkisch und Persisch akustisch wunderschön finde, scheinen diese Sprachen nicht bedeutend genug zu sein, um Kindern und Jugendlichen ihre Identität und Verwurzelung zu lassen. Mir hat mein englisches Umfeld das auch zugestanden.

    Mehrsprachige Gerechtigkeit

    Ich gönne mir den Luxus, Sprachen zu sammeln und sie als Kaleidoskop aus Gedanken, Begriffen und Geschichten zu genießen. Genauso würde ich mir wünschen, dass die Leistung aller mehrsprachigen Menschen gleichermaßen anerkannt würde. Dass alle Sprachen als bereichernd wahrgenommen würden.

    Wenn ich in einem Land lebe, sollte ich dessen Sprache beherrschen, keine Frage. Ich sollte mich problemlos mit Behörden und Mitmenschen verständigen können. Persönlich würde ich auf keinen Fall irgendwohin auswandern, wo ich wüsste, dass ich kein Wort in der Landessprache verstehe. Wer nach mehreren Jahren noch die eigenen Kinder zum Dolmetschen aufs Amt mitnimmt, braucht wirklich noch einen Sprachkurs und etwas mehr Bereitschaft zur Integration.

    Und gleichzeitig wünsche ich mir, dass wir uns allen gegenseitig Akzente zugestehen, und diese jeweils auch versuchen, gleich zu werten. Für Geschmäcker kann niemand etwas. Natürlich klingen auch in meinen Ohren nicht alle Sprachen gleich schön. Und gleichzeitig kann ich ein Bewusstsein dafür haben, ob ich reflexhaft anhand eines Akzentes die Intelligenz, Kultur oder Wertigkeit eines Menschen unterschiedlich einschätze. Mit diesem Bewusstsein wäre schon sehr viel Verständigung gewonnen.

    Was heißt für dich „mehrsprachig“?

    Wie erlebst du mehrsprachige Kommunikation? Findest du die Geschichte der Entwicklung mancher Sprachen auch so spannend? Und ist es dir auch in deiner Umgebung aufgefallen, wie ungleich es uns zugestanden wird, die eigene Muttersprache zu pflegen?

  • Monatsrückblick August 24

    Monatsrückblick August 24

    In Sachen Sommer dazu gelernt

    Es ist Zeit für den Monatsrückblick August 24 nach der Anleitung von Judith Peters. Dieses Jahr lagen die Sommerferien in Schleswig-Holstein und Hamburg sehr spät und gingen bis Ende August. Jetzt bin ich neun Jahre Lehrerin gewesen und zehn Jahre als Nachhilfelehrerin tätig, so langsam sickert es ein, dass ich mir am besten nicht für die Ferien alle möglichen Projekte an Haus und Garten vornehme. Es sei denn, ich will mich wieder wundern, dass ich vor lauter Erholung davon kaum etwas abhake.

    In der letzten Ferienwoche habe ich tatsächlich neben der Intensivwoche bei den Lerncoaches noch die Teppiche und Polstermöbel nassgereinigt. Das war aber auch das höchste der Gefühle 😀 Zum Glück hatte ich für den August absichtlich nur relativ wenig geplant.

    Was hatte ich vor und was ist daraus geworden?

    • Einen Tagesausflug nach Wacken und zum Elbriot -> Das war ein Genuss und ich bin froh, dass ich jeweils so gut auf mich geachtet habe und jeweils früher als geplant nach Hause gefahren bin.
    • Mein Deutschlandticket nutzen -> Habe ich gemacht und vor lauter Begeisterung vergessen, das Ding rechtzeitig zu kündigen, daher darf ich auch im September noch mit dem ÖPNV durch die Gegen fahren.
    • Meine Webseite renovieren -> Ich habe schon mal zur Übung an meiner englischsprachigen Seite (die es jetzt schon gar nicht mehr gibt) ein paar neue Einstellungen ausprobiert, muss aber noch das Ladeverhalten abklopfen.
    • An ein paar Blogparaden teilnehmen -> Aus „ein paar“ wurden acht alleine im August. Eine aus dem Juli und eine aus dem September kommen noch termingerecht dazu 😀

    Was habe ich im über August 24 mich gelernt?

    Es gab zwei Optionen. Entweder hätte ich mal so richtig aufräumen können, oder an so vielen Blogparaden wie möglich teilnehmen. Weil der Garten offenbar warten kann, habe ich mich für das Bloggen entschieden und dabei ganz nebenbei ein paar Dinge über mich heraus gefunden.

    Ich habe mindestens 100 gute Gründe, stolz zu sein.

    Etwas nicht zu wissen, ist für mich gleichzeitig unterschwellig beunruhigend und erfreulich.

    Unterm Strich möchte ich zu keiner Gruppe dazugehören, die mich nicht akzeptiert, wie ich im Grunde bin.

    Metal im Freien

    Eigentlich hatte ich ein Ticket für das komplette WOA-Festival. Inzwischen geht das Programm ja fast eine Woche lang und ich hatte mir eine Unterkunft auf dem Gelände gemietet. Die wartete dort brav auf mich. Weil allerdings das post-COVID noch nicht ganz weg ist, habe ich im Vorlauf auf den Anfang August immer mehr Sorge gehabt, wie ich das alles vom Energiehaushalt her packen sollte.

    Kurz vorher habe ich zunächst beschlossen, die Karte verfallen zu lassen. Dann bin ich zur Entscheidung übergegangen, mir einen Tag auszusuchen und dafür mit Bus und Bahn hin und zurück zu fahren. Ich hatte angenommen, dass ich am Bahnhof Itzehoe die Einzige sein würde, die sich noch am Samstag ein Shuttlebändchen holt, allerdings standen dort noch ein paar andere Späteinsteiger:innen 😀

    Mit zwei Frauen kam ich schnell ins Gespräch. Die eine wollte ihren Sohn zum 16ten Geburtstag auf dem Festival überraschen und hatte tatsächlich eine Torte im Gepäck. Die andere hatte leider bis inklusive Freitag arbeiten müssen und freute sich darauf, ihre Freundinnen beim Festival zu treffen.

    2023 war ich Zuhause geblieben. Ich folgte damit der Bitte der Organisatoren, nicht mehr in das Chaos aus Matsch und Autoschlange anzureisen. Einerseits war das echt traurig, andererseits konnte ich das Ticket auf 2024 übertragen lassen. Entsprechend bin ich mit zwei Jahren Pause und etwas angezählt auf dem heiligen Acker angekommen. Dazu noch ganz alleine. Nach dem Tod meiner langjährigen Wackengefährtin ist es schwierig, andere Menschen aus meinem Umfeld zum Mitkommen zu animieren.

    Also dieses Jahr ohne Begleitung. Und es war richtig, richtig schön. Ich habe zum ersten Mal die Wacken Firefighters bewusst und länger gesehen. Das ist schon toll, wie die Metalgemeinde dieses Alterntivprogramm abfeiert. Es gab diverse vegane Angebote und genug Schatten, so dass ich nicht komplett geschmolzen bin. Obendrauf habe ich tolle neue Bands kennen gelernt.

    Irgendwann war ich allerdings spontan durch, auch von der Hitze. Da dachte ich mir, ich warte nicht eineinhalb Stunden auf die letzte für mich interessante Band, sondern fahre eher nach Hause. So bin ich mit nicht total leerem Akku und vollem Herzen wieder abgereist. Und habe mir wider besseres Wissen ein Ticket für 2025 zugelegt 😀

    Am Wochenende danach stand das Elbriot an. Das ist ein kleineres Metal-Festival mitten in Hamburg. Es geht nur einen Tag und das Gelände ist deutlich kleiner und ohne Camping. Im Vergleich zu Wacken ist das Stehen auf Asphalt nicht ganz so gemütlich, allerdings war das Programm richtig spannend.

    Auch hier habe ich auf meinen Körper gehört und die letzten beiden Bands ausfallen lassen. Der einzige extreme Haken an meinem Timing war, dass ich auf der Rückfahrt die rappelvolle S3 mit HSV- und Hertha-Fans teilen durfte. Deren Gesänge waren auch laut, aber sehr unentspannend. Immerhin stiegen sie beim Stadion aus 😀

    Der Vorteil an Freiluftmusik ist die gute Belüftung und damit geringere Gefahr, mich nochmal mit irgendwas zu infizieren. Und während ich das schreibe, freue ich mich auf das nächste Konzert von Orphaned Land. Auf den Tickets steht noch das ursprüngliche Datum vom 14.4.22. Hoffen wir, dass die Veranstaltung jetzt nicht schon wieder kurzfristig verschoben wird 😀

    Neues aus der Umgebung

    Das Deutschlandticket brachte mich unter anderem mit dem Bus nach Kummerfeld. Von dort bin ich die 10 km nach Hause gegangen, und zwar am Wolnysee vorbei. Das letzte Mal sind wir mit dem Fahrrad am westlichen Ufer gefahren. Auf Komoot hatte schon jemand erzählt, dass am Ostufer nur ein Trampelpfad entlang führt, den habe ich mir im August zu Fuß angesehen 🙂

    Lauschig am See vorbei
    Mal wieder der E1
    Gut beschattet wandern 😀

    Ich bin extrem froh und dankbar, dass ich trotz niedrigerem Energielevel noch kleine Wanderungen meistern kann. Solange ich mir die Aktivitäten gut einteile, geht es. Und das viele Grün ist einfach gut für die Seele. Außerdem liebe ich es, auf der Karte immer wieder neue Bereiche aufzudecken und mir meine Region zu erlaufen.

    Monatsrückblick August 24: Blick auf einen schnurgeraden Pfad zwischen einer Hecke links und Bäumen rechts
    Teils schnurgeradeaus
    Und teils stehen die Bäume wie Soldaten
    Vom Radweg aus nicht sichtbar: Die Mühlenau in Rellingen

    Selbst hier in Halstenbek hat Komoot mir einen neuen Pfad gezeigt. Wir wohnen hier im Dezember schon unglaubliche acht Jahre, und es gibt immer noch Überraschungen: Als ich in eine unauffällige Lücke zwischen zwei heckenumringten Grundstücken einbog, fand ich diese Allee 😍

    Jetzt bin ich gespannt, ob ich irgendwann mal dahin komme, dass ich hier alle Wege kenne. Hoffentlich dauert das noch eine Weile!

    Erntezeit

    Seit 2020 habe ich einen Teil unseres Gartens zum Gemüseanbau umgewidmet. Das Unternehmen hat zwei Haken: Meinen schwarzen Daumen und die Schnecken. Letztere haben mir wieder alle Sonnenblumen, Kürbis- und Zucchinipflanzen geplättet 🙁 Ich dachte, sie hätte auch alle Gurken erwischt, bis ich dieses Exemplar zufällig im Hochbeet entdeckte.

    Sie sieht größer aus als sie ist. Ich hatte Snackgurken gesät und die hier war super lecker, leider neben einer noch viel kleineren Schwester die gesamte Ausbeute 😀

    Auch die Topfauberginen hatte ich schon aufgegeben. Und dann fand ich plötzlich diese Blüten:

    Ob die es noch schaffen, im September Früchte zu entwickeln? Warten wir es ab. Den größten Lacher haben aber die Kichererbsen geliefert. Nachdem ich probehalber ungefähr 15 Kichererbsen verbuddelt hatte und es zwischenzeitlich so aussah, als käme davon überhaupt nichts, fielen mir ein paar unbekannte Pflanzen ins Auge.

    Im Bild zu sehen ist zwei Drittel der Kichererbsenernte. Von der einen werde ich ein Curry machen, die andere ist für ein Hummus eingeplant und die dritte Kichererbse lasse ich noch ein bisschen die Spätsommersonne genießen 😀

    Was habe ich im August 24 gelesen?

    Vom Loslassen eines inneren Konflikts

    Sylvia Tornau hat mich mit ihren Gedanken zum Loslassen sehr abgeholt. Damit, dass sie sich zunächst geärgert hat, dass andere sie zum Vergeben aufforderten, dass sie Unrecht erfahren hat und dann auch noch die Arbeit zur Klärung übernehmen sollte.

    Auf ihre eigene Weise fand sie schließlich Befreiung. Ihre ausdauernde Beschäftigung mit dem Konflikt, ihrem Verhältnis zum Vergeben, zum Akzeptieren und zu sich selbst liest sich sehr ermutigend und ermächtigend.

    „Für mich steht fest, wenn die Täter:innen Vergebung brauchen, dann ist mein Rat für sie: Gib sie dir selbst. Ich stehe nicht länger für dich zur Verfügung.“

    Sylvia Tornau

    Diese Worte haben mich motiviert, meinen eigenen Blogparadenbeitrag zu schreiben. Auch für mich ist Loslassen nicht etwas, das von mir eingefordert werden kann. Sondern etwas, das ich zu meiner Zeit und zu meinen Bedingungen mache, um mich zu entlasten.

    Rasmus Klump

    Im Juli haben wir uns die Pixi-Ausstellung angesehen. Dort habe ich ganz entzückt gelernt, dass Petzi eigentlich ein dänischer Bär ist. Nach einem nicht allzu langen Tanz um die Entscheidung herum habe ich bei einem dänischen Versand für gebrauchte Bücher ein paar Bände bestellt.

    Sie sind genauso witzig, wie ich sie in Erinnerung hatte. Ich finde es im Nachhinein spannend, dass ich als Kind von skandinavischem Humor geprägt wurde. Petzi und seine Freunde bestehen zwar den Bechdel-Test nicht, aber die Geschichten an sich sind furchtlos, abenteuerlich, anarchisch und liebevoll. Und es berührt mich ganz tief in meinen Erinnerungen, wenn ich mir alleine die Bilder ansehe.

    Dann habe ich noch mit Freude gemerkt, dass ich die Texte glatt durchlesen kann. Es sind sicherlich ein paar altmodische Phrasen dabei, aber vieles kam mir auch von Duolingo sehr bekannt vor. Auch ein paar neue Vokabeln konnte ich mir aus dem Kontext neu erschließen. Große Empfehlung zum Sprachenlernen!

    Was habe ich im August 24 gehört?

    Trevor Noah trifft Adam Grant

    In einer Folge von „What Now?“ unterhalten sich Trevor und Adam über Werte, Vorurteile und Polarisierungen. Hauptsächlich beziehen sie sich dabei auf die politische Lage in den USA. Und gleichzeitig ist das, was sie sagen, für mich eine wertvolle Wiederholung. Adam Grant ist Organisationspsychologe. Auf Instagram teilte er ein paar Ausschnitte aus dieser Podcastepisode.

    Es geht unter anderem auch darum, wie Menschen sich verändern. Wie wir damit umgehen können, wenn wir uns wünschen, andere Menschen würden sich ändern. Was uns verbindet, und in welchen Situationen wir gesundes Konfliktverhalten trainieren sollten, um in der Krise weniger destruktiv und konfrontativ aufzutreten.

    Ich werde mir dieses Folge auf jeden Fall noch einmal anhören, um die wichtigsten Punkte zu vertiefen.

    Eine Aufregerfolge von Talk ohne Gast

    Till Reiners und Moritz Neumeier liefern oft heiteren Quatsch. Zumindest auf den ersten Blick. Der ideale Podcast also für den Fußweg zum Unterrichten. Bei dieser Folge habe ich allerdings aufgehorcht.

    Sie steigen mit drei „Aufregern“ ein. Zuerst mit der Breakdancerin, die nach den Olympischen Spielen mit Häme und Wut überschüttet wurde. Ich habe ihren Auftritt nicht einmal gesehen und kann trotzdem Till und Moritz verstehen: Es ist faszinierend, was es in Menschen für Wut auslöst, wenn jemand sich nicht an Erwartungen hält. Und welche Energien das freisetzt.

    „Und die denken: Ich muss jetzt nachträglich diese Person shamen, damit die sich endlich so schämt, wie ich denke, dass man sich schämen sollte.“

    Till Reiners

    Ein zweites Thema ist eine Umfrage der pronova BKK. Danach sagen 32% der Befragten, mehrgewichtige Menschen sollten nicht in Badekleidung an die Öffentlichkeit gehen. Die Zahlen zum Thema Beautyfilter in den Sozialen Medien sind noch erschütternder.

    „Man muss irgendwann wenigstens von dem Punkt weg, dass man sich überlegt: Ah okay, ich fühle mich manchmal unwohl, vielleicht hilft es, wenn ich einen anderen Menschen dazu bringe, sich noch unwohler zu fühlen, vielleicht ist das dann besser. Nee, das bringe ich meinen Kindern gerade bei, dass das nicht funktioniert. Hör auf damit.“

    Moritz Neumeier

    Es könnte ja alles so schön sein. Wenn wir uns mal etwas entspannen und unsere Prioritäten sortieren könnten.

    Der dritte Aufreger dreht sich um El Hotzo und seinen Spruch zum Attentat auf Trump. Was mich daran besonders beschäftigt hat, war die Aussicht, dass ein undemokratischer Ministerpräsident, sollte er erstmal demokratisch gewählt worden sein, von einem Tag auf den anderen den Rundfunkvertrag aufkündigen könnte. Nicht, dass ich alle öffentlich rechtlichen Medien in allen Belangen für ideal halte. Aber das ist ein weiterer Anlass, der politischen Strömung Richtung Demokratieabbau entgegen zu stehen.

    Großen Dank an Till, Moritz und den RBB an dieser Stelle für diese erfrischende Aufregung! Und dafür, dass im Anschluss eine große Portion Leichtherzigkeit in Form von Tipps zur Gestaltung eines Kindergeburtstages folgt.

    Was habe ich im August 24 gebloggt?

    „Normale Blogposts“

    Monatsrückblick Juni und Juli 24

    Mein Monatsrückblick Juni/Juli 24: Es war durch die Abivorbereitungen so viel los, dass ich wieder zwei Monate zusammengelegt habe. Mein Bericht darüber, was ich erlebt und gelernt habe.

    Lernen ist echt krass: Mein neuer Claim

    Echt krass? Ja wirklich! Und das sage nicht nur ich. Hier erfährst du, was mir mein neuer Claim bedeutet und wie ich darauf kam.

    Echt krass: Eine Frau hält in der Hand ein Molekülmodell aus roten, schwarzen und weißen Kugeln, verbunden mit hellgrünen Röhrchen. Auf ihrem T-Shirt ist ein Kompass zu sehen.

    Blogparadensommer

    In diesen Sommerferien bin ich sehr in der Teilnahme an Blogparaden aufgegangen. Die Content Society bot dieses Jahr über 100 Themen an und die Optionen waren Bloggen oder lange aufgeschobene Vorhaben in Haus und Garten zu erledigen 😉

    podcasts: eine frau mit geflochtenen zöpfen steht draußen vor einer hecke. sie hat einen Kopfhörer auf und schaut in die kamera

    9 Podcasts, die ich besonders gerne höre

    Ich erzähle dir von neun meiner Lieblings-Podcasts, wovon sie handeln und was mich daran so interessiert. Dr. Andrea Maria Boklers Blogparade

    Frühstück ist meine Lieblingsmahlzeit

    Ich verrate dir, was mir am Früstück so wichtig ist und was ich gerne esse. Blogparade der Frühstücksqueen unter

    Frühstück: eine blau-weiße jumobotasse mit schwarzem Kaffee darin. auf der Tasse steht geschrieben: Nix für Lütte
    Streit um Sprache: Eine Frau sitzt in einem Ausstellungsraum auf der Kante einer Sandkiste. Die Kiste ist mit Pixibüchern gefüllt, eins von diesen kleinen Büchern liest die Frau. Im Hintergrund ist eine Figur zu sehen, die eine Schüssel mit Büchern hält, außerdem eine weitere Person in der Rückansicht, die sich weitere Bücher ansieht, die in großen Bilderrahmen an der Wand hängen.

    Streit um Sprache (?)

    Warum gibt es Streit um Sprache? Wie können wir mit einem differenzierten Blick auf die Thematik von einer Metaebene aus eine Haltung finden, die unterschiedlichen Bedürfnissen gerecht wird? Nicole Isermanns Blogparade

    Dazugehören – Come as you are

    Wie weit entferne ich mich von mir selbst, wenn ich dazugehören will? Unter welchen Umständen werde ich so akzeptiert, wie ich bin? Iris Wangermanns Blogparade #ZugehörigFühlen.

    Meine Haare und ich: Eine Frau sitzt von einer schwarz- weißen Fachwerkwand. Sie trägt eine weiße lockige Barockperücke und hat als Poseden Zeigefinger von unten an ihr Kinn gelegt während sie in die Kamera grinst

    Meine Haare und ich

    Ich nehme dich mit auf eine Zeitreise und erzähle dir, was ich schon alles mit meinen Haaren angestellt habe. Und wie ich zu einem Zustand der Entspannung gefunden habe. Eine Blogparade von Susanne Lins unter #frisurenhistorie

    Stolz – Meine 100-Punkte-Liste

    Stolz, was bedeutet das für mich? Mein Beitrag zu einer besonders herausfordernden Aufgabe. Sind mir wirklich 100 Punkte eingefallen? Hier findest du es heraus 🙂 Lorena Hoormanns Blogparade

    Stolz: Eine gehäkelte graue Maus auf einem blauen Untergrund
    Wörterbuch Mathe-Deutsch: Ein DIN A5 Spiralblock auf einem Tisch, auf dem Deckblatt steht: Wörterbuch Mathe Deutsch Deutsch Math

    Wörterbuch Mathe-Deutsch – Mein Langzeitprojekt

    Eigentlich wollte ich schon lange ein Wörterbuch Mathe-Deutsch schreiben. Was hält mich eigentlich davon ab? Und wer könnte wie davon profitieren? Eva Heers Blogparade

    Blogparade Nichtwissen

    Der letzte Blogparadenbeitrag im August 24 dreht sich um die Freude am Nichtwissen. Obwohl ich so eine begeisterte lebenslange Lernerin bin, bin ich mir bewusst, was ich alles nicht weiß und warum das auch gut so ist.

    Nahhaufnahme einer Frau, im Hintergrund unscharf ein Periodensystem als Wandposter.

    Und was war sonst noch los?

    Ich bin richtig stolz darauf, dass ich es geschafft habe, Schwimmen zu gehen.

    Dieser Sommer hat alles geboten. Zwischenzeitlich hatten wir eine Luftfeuchtigkeit von 82% im Wohnzimmer 🥵

    Die Blindschleiche lag gemütlich in der Sonne, leider mitten auf dem Weg. Kurz nach dem Photo kamen zwei Menschen auf dem Rad und die Schleiche hat sich geschlichen, also nicht für eine Version mit besserem Fokus still gehalten 😀

    Das große Sommermysterium: Diese Schuhe lagen bei uns abends auf dem Wendehammer. Auch mehrmaliges Posten in der WhatsApp-Gruppe der Straße hat nichts geholfen. Wenn mein Kind barfuß nach Hause kommt, fällt das nicht auf? 😆

    Die Zahnsaga geht weiter. Lilly muss für die OP erst fit gemacht werden, aktuell stellen wir ihre Schilddrüse ein. Hoffentlich sind bei der nächsten Untersuchung auch ihre Nierenwerte okay, damit endlich die kaputten Zähne gezogen werden können.

    Pünktlich am 31.8. war es soweit: Die neueste Schnapszahl bei meinem Duolingostreak 😀

    Monatsrückblick in Zahlen

    Ohne den Monatsrückblick, den ich eigentlich schon am 31.07. veröffentlicht habe, komme ich auf 14114 gebloggte Wörter. Mit dem Rückblick kämen noch einmal 3316 Wörter dazu 😆

    Die Schrittzähler-App zeigte Ende August einen Stand von 220311, das sind ca 7100 Schritte pro Tag. Danke, Deutschlandticket!

    Die PV-Anlage hat im August 24 866 kWh geliefert, dabei haben wir 361 kWh verbraucht. Unterm Strich lag der Autarkiegrad bei 88% 🙂

    Was habe ich im September 24 vor?

    • Ganz gemütlich in das neue Schuljahr starten.
    • Meine To-Wants für das dritte Quartal im Auge behalten.
    • Den noch fehlenden Blogartikel zu Jahreskreis-Aktivitäten schreiben.
    • Mein „Über mich“ aktualisieren.
    • Fünf alte Blogposts überarbeiten.
    • Die anderen Beiträge zu den zehn von mir beantworteten Blogparaden lesen.

    Das war mein Monatsrückblick August 24. Ich staune selbst, was in diese 31 Tage alles reingepasst hat 🌞

    Schreibst du auch mehr oder weniger regelmäßig Rückblicke? Was sind deine Erfahrungen damit? und wie war dein Sommer?

  • Loslassen – Was, warum, wann und wie?

    Loslassen – Was, warum, wann und wie?

    Eigentlich hatte ich Claudia Kielmanns Blogparade gar nicht auf der Liste. Und dann hat mich Sylvia Tornaus Beitrag so berührt, dass mich das Thema nicht mehr losgelassen hat. Andere Menschen hatten ihr im Zusammenhang mit einem Konflikt vorgehalten, dass sie „vergeben müsse“. Ihre unmittelbare Reaktion darauf kann ich so gut nachfühlen:

    „Ich hatte doch den Schaden und jetzt sollte ich auch noch die Arbeit leisten, denen, die mir schadeten, zu vergeben?“

    Sylvia Tornau

    Genau das empfinde ich auch als anstrengend. Wenn Außenstehende es gut meinen und zur Vergebung raten, diese als entscheidenden Schritt zur Heilung und zum Loslassen präsentieren. Ist es das, was mit Loslassen gemeint ist?

    Was

    Allgemein

    Da geht es schon kompliziert los. Es gibt eine Reihe von Dingen, Personen, Gefühlen, Wünschen oder Glaubensätzen, die wir loslassen können. Alleine die Vorstellung davon, was Loslassen eigentlich ist, scheint mir individuell zu sein.

    Für Kinder läuft es noch darauf hinaus, die Hand der Eltern loszulassen, wenn sie alleine laufen, Fahrrad fahren oder schwimmen lernen. Sich nicht mehr festhalten zu lassen hat etwas von der Gewissheit, sich aus eigener Kraft halten zu können.

    Bei Erwachsenen geht es manchmal auch um das Bedürfnis nach Halt und Sicherheit. Wir halten uns an liebgewonnenen Gegenständen und Gewohnheiten fest, weil wir uns oder der Welt nicht so recht über den Weg trauen und die Veränderung scheuen. Nicht umsonst gibt es stapelweise Ratgeber zum äußeren Entrümpeln für innerliche Aufgeräumtheit.

    Oft halten wir aber an Bitterkeit fest. An der Erinnerung daran, was jemand mit uns gemacht hat. Oder an das, was wir zugelassen haben.

    Persönlich

    Gerade letzte Nacht träumte ich unerwartet von einem Mitschüler. Vor vielen Jahren hat er mir mal im Physikunterricht einen abwertenden Spruch verpasst. Anscheinend beschäftigt mein Unterbewusstsein das noch immer, obwohl ich diesen Menschen seit Ewigkeiten nicht mehr gesehen habe.

    Aus meiner Zeit als Lehrerin trage ich Erinnerungen mit mir. Vieles davon war sehr bereichernd. Und einiges davon hat mir den Schulalltag so vergiftet, dass ich gekündigt habe, um mir keinen Panzer zulegen zu müssen.

    Es betrifft auch Menschen, die mir näher stehen. Von denen würde ich mir wünschen, dass sie erstens realisieren, wie sich ihr Verhalten auf mich als Kind ausgewirkt hat. Und dass sie mir sagen, dass es ihnen leid tut. Das sind gar nicht immer dramatische Erlebnisse gewesen, teils aber arbeite ich noch heute daran. Besonders dann, wenn diese Menschen Teil meines Lebens sind und ich daran nicht grundlegend etwas ändern möchte.

    Um auf Sylvia Tornaus Zitat zurück zu kommen: Mir geht es nicht um Vergebung. Meine Priorität ist beim Loslassen nicht die Wiederherstellung der Beziehung zu einem anderen Menschen, sondern meine eigene Entlastung. Wenn ich durch diese Erleichterung mit der anderen Person wieder besser in Kontakt treten kann, ist das ein positiver Nebeneffekt. Es kann auch sein, dass ich bei der Gelegenheit auch die Person mit loslasse. In manchen Fällen ist das für mich die beste und gesündeste Lösung.

    Warum

    Wir können Freiheit und Raum für Neues gewinnen, wenn wir Dinge und Verhaltensweisen loslassen, die nicht mehr in unser Leben passen oder uns von einer Weiterentwicklung abhalten.

    Beim Loslassen von Bitterkeit ist der Effekt noch heilsamer. Das folgende Zitat wird einer Reihe von Menschen zugeschrieben:

    „Holding a grudge is like drinking poison and expecting the other person to die.“

    Besonders bei ehemaligen Schülern merke ich diesen Effekt deutlich. Ein paar Einzelpersonen hatten wohl das Bedürfnis, ihre eigene Unzufriedenheit bei mir loszuwerden, auch eine Form des Loslassens. Wenn ich mich heute an diese Erlebnisse erinnere und daran, wie Kolleg:innen mich damit hängen ließen, bin ich die Einzige, die das herunter zieht. Ich gehe nicht davon aus, dass meine nachträgliche Wut und meine Träume bei diesen Menschen irgendetwas auslösen. Da habe ich also die Wahl, die Giftflasche wieder wegzustellen, oder doch nochmal einen Schluck daraus zu trinken.

    Genauso ist die ewige Hoffnung auf ein Einsehen und eine Bitte um Entschuldigung von mir wichtigen Menschen. Wenn das bisher bei ansonsten besten Absichten nicht passiert ist, dann fehlt es ganz offensichtlich an der Kapazität dazu. Welche Gründe sie auch immer haben, ich bin diejenige, die das Festhalten an diesem Wunsch umtreibt. Ich erreiche damit nichts außer meiner eigenen schlechten Laune und einer Hinderung meiner eigenen persönlichen Entwicklung.

    Festhalten sowohl an alten Verhaltensweisen als auch an Bitterkeit ist rückwärtsgewandt. Das Leben verläuft in Richtung Zukunft. Das muss mir bei meiner Entscheidung für oder gegen das Loslassen bewusst sein.

    Und wenn ich mich aus Verstrickungen löse, kann ich dabei das Neinsagen üben. Wenn ich dabei meine Grenzen kennenlerne und stabilisiere, halte ich meine eigene Hand und sage zu mir selbst immer mehr Ja.

    Wann

    Das Loslassen hat wieder mal viel Gleichzeitigkeit. Aus meiner Sicht kommt der impuls dafür von innen. Als Außenstehende kann ich mir noch so sehr wünschen, dass jemand aufhört, sich an tragische Erinnerungen zu klammern, oder dass diese Person realisiert, wie viele Möglichkeiten ihr offen stehen, wenn sie sich bewusst der Zukunft zuwendet. Ratschläge zum Loslassen und zur Vergebung sind oft gut gemeint aber eher nicht gut gemacht.

    Ein Kind lässt dann die Hände der Eltern los, wenn es innerlich genug eigene Stabilität und Zuversicht hat. Dann wird es vielleicht noch einige Male fallen, und dabei im Ideal immer mehr ein Gefühl für den richtigen Moment zum Loslassen entwickeln.

    Ist es nicht interessant, wie viele von uns das als Erwachsene verlernt haben? Wie unsere rationalen Anteile wissen, dass wir die Fähigkeit zum nächsten Schritt haben, andere Teile in uns sich danach sehnen. Und wie sich oft diejenigen Anteile durchsetzen, die einfach Angst vor dem Ungewissen haben?

    Hier wird es paradox: Die Angst steht dem Loslassen im Weg. Gleichzeitig realisieren auch die ängstlichsten Persönlichkeitsanteile erst im Moment des Loslassens, dass ich schon lange die nötige Stabilität und Kompetenz zum nächsten Schritt hatte. Oder dass die Freiheit genau das war, was dem ganzen Team gefehlt hat. Das das Alte eigentlich gar nicht mehr getragen hat, dass die Halteseile eigentlich Illusion waren.

    Ein bisschen muss ich mich also am eigenen Schlafittchen aus dem manchmal selbst veranstalteten Morast ziehen. Oder wie Sylvia es sagt, ich habe zuerst den Schaden und dann noch die Arbeit des Reparierens. Es wäre in mancher Beziehung schön, wenn wir Menschen einfacher gestrickt wären. Und dann wären wir nicht mehr die, die wir sind 😉

    Wie

    Theoretisch

    Auch wenn es paradox ist, ist es möglich. Das zeigt uns die Erfahrung und die Anschauung bei vielen Menschen um uns herum. Wenn wirklich der richtige Moment gekommen ist, können wir loslassen.

    „And the day came when the risk to remain tight in a bud was more painful than the risk it took to blossom.“

    Anais Nïn

    Was wir brauchen ist Vertrauen. In uns selbst, in den Prozess und in Menschen, die hoffentlich bei uns sind und uns den Raum zum Loslassen geben und halten.

    Außerdem ist Loslassen oft keine einmalige Veranstaltung. Manches, von dem wir glauben, es hinter uns gelassen zu haben, taucht wieder auf. Und sei es nur in Träumen vom Physikunterricht vor diversen Jahrzehnten. Die gute Nachricht ist: Wir können immer wieder loslassen und jedes Mal eine Schicht des Festhaltens abtragen. Wichtig ist es, dass wir uns nicht selbst unter Druck setzen. Ein bisschen Absichtslosigkeit üben.

    Praktisch

    Ich persönlich habe schon oft rituell durch Verbrennen losgelassen. Manchmal waren das kleine Stücke Papier, auf die ich etwas geschrieben hatte. Richtig stimmungsvoll und effektiv habe ich es erlebt, wenn ich geleerte Teebeutel als Rolle aufgestellt und oben angezündet habe. Die steigen dann beim Abbrennen auf wie jedenfalls bei mir im Kindergarten die Krepppapierrakete zum Geburtstag. Es eignen sich nicht alle Teebeutelsorten gleichermaßen, vorher würde ich einen nichtrituellen Funktionstest machen 😉

    Mein Wunsch nach Verständnis und nach der Bitte um Entschuldigung scheint sich aktuell tatsächlich aufzulösen. Erstens durch die Eskalation eines Streites im Januar, der sich im Nachhinein großenteils als Ansammlung von Missverständnissen herausstellte. Plus für mich der Beleuchtung des alten Grolls. Zu er Zeit kam ich mit meinem Festhalten an einem Punkt an, an dem es einfach nicht mehr tragbar war.

    Zweitens habe ich inzwischen realisiert, dass das Verhalten, das ich mir wünsche, von der betreffenden Person nicht zu erwarten ist. Und das sage ich nicht im Groll, sondern neutral beobachtend. Weil ich in der Bilanz nicht die ganze Person loslassen will, werde ich für mich einen Weg finden, der kleinen Angela das zu geben, was sie gebraucht hätte, um im Heute sicherer und beziehungsfähiger zu sein.

    Wie hältst du es mit dem Loslassen?

    Was ist für dich überhaupt Loslassen? Wie hängt es, falls überhaupt, mit Vergebung zusammen? Hast du praktische Empfehlungen zum effektiven Loslassen? Ich bin immer offen für neue Möglichkeiten und Ansichten zum Thema 🙂

  • Was ich nicht weiß

    Was ich nicht weiß

    Es gibt zum Wissen auffallend viele Sprüche. Was ich nicht weiß, macht mich zum Beispiel angeblich nicht heiß. Insgesamt ist das Thema (Nicht)-Wissen erfrischend paradox. Daher hatte ich Susanne Wagners Blogparade zum Nicht-Wissen auch mit auf dem Entwürfestapel 🙂

    Die Macht und das Universum

    Die Welt ist unfassbar groß. So liegt es in der Natur der Sache, dass anteilsmäßig das überwiegt, was wir nicht wissen. Vieles werden wir sogar niemals wissen können. Das wenige, was wir dann allerdings doch herausgefunden haben, oder wenigstens glauben zu wissen, verleiht uns, tatsächlich oder scheinbar, Einfluss und Kontrolle. Über Situationen, die Natur, uns oder andere Menschen.

    In meiner Wortwahl zeichnet es sich schon ab: Dieses Gefühl vom Informiertsein und der Sicherheit ist gar nicht so selten nur Illusion. Je nach Gemütslage gab und gibt es Menschen, die das Nichtwissen und die Unsicherheit eher locker nehmen:

    Wissen ist Macht. Wir wissen nichts. Macht nichts.

    Sponti-Spruch

    Die Spontis wirkten mit ihren Sprüchen unernst, auch wenn deren Bedeutung meist gar nicht so trivial ist. Etwas weniger flapsig wird dieser Gedanke Sokrates zugeschrieben:

    Ich weiß, dass ich nicht weiß.

    Aus Platon: Apologie des Sokrates

    Dabei geht es nicht darum, dass er vor sich her trug, wie ungebildet er im Faktenwissen über die Welt war. Er war sich allerdings mehr als andere um ihn herum darüber bewusst, wie wenig Gewissheit er in eher „weichen“ Fragen um Gut und Böse hatte. Von dieser Haltung könnten wir heutzutage immer noch profitieren.

    Wenn wir nicht mehr annehmen, in den meisten Bereichen die ultimative Weisheit erlangt zu haben, können wir mit anderen wieder ganz anders in Beziehung treten.

    Und dann stellt sich auch die Frage um Macht ganz anders.

    Was ist Wissen überhaupt?

    Wie schon angedeutet gibt es unterschiedliche Kategorien von dem, was wir „wissen“ können. Es gibt fundamentale und theoretisch ermittelbare Grundsätze des Universums. Naturwissenschaftliche Erkenntnisse werden selten komplett auf den Kopf gestellt, sondern eher erweitert oder neu angepasst. Aber selbst in Fächern wie der Physik kommt es vor, dass wir feststellen, dass die Dinge anders sind als wir lange Zeit gedacht hatten.

    In solchen Situationen zeigt sich die Stärke der wissenschaftlichen Methode. Die Unsicherheit und die Demut vor dem, was ich nicht weiß, ist (im Ideal) im Vorgehen schon mit eingebaut. Grundlegender Baustein der wissenschaftlichen Methode ist die Bereitschaft, bei neuen Ergebnissen, die bisherigen Hypothesen widersprechen, altes „Wissen“ zu verwerfen und neue Hypothesen aufzustellen. Immer mit der Haltung, dass der neue Kenntnisstand nicht auf alle Zeit absolut gelten muss. Und gleichzeitig so konkret und verlässlich, dass wir damit bisherige Beobachtungen erklären können.

    Und dann gibt es deutlich unkonkretere Weisheiten, die sich nicht in Zahlen und Formeln ausdrücken lassen. Von denen wir aber oft glauben, über sie sehr genau Bescheid zu wissen. Wie schön ein Musikstück ist. Welche Eigenschaften jemand aus einer bestimmten Personengruppe hat. Wie ich mich in einem gegebenen Zusammenhang zu verhalten habe. Auf welche Weise Menschen ihren Körper zu gestalten haben. Wie die nicht messbare sehr kleine und sehr große Welt strukturiert ist. Was nach dem Tod kommt und wer welchen Plan für uns hat.

    Um diese Arten von „Wissen“ gibt und gab es größere und kleinere Meinungsverschiedenheiten. Fast scheint es, als wäre die größere Ungewissheit und die geringere Messbarkeit Anlass dafür, aus diesen Dingen eine besonders große Sicherheit zu ziehen. Oder anders betrachtet könnte die größere Unschärfe erfordern, dass wir umso vehementer an diesem Wissen festhalten.

    Wie erlebe ich Nichtwissen?

    Mich persönlich motiviert einerseits die riesige Menge Wissen in der Welt. Diese Fakten und Erkenntnisse warten nur darauf, dass ich sie lerne, denn Lernen ist echt krass 😉 Alleine der Prozess, mir Wissen anzueignen, ist für mich erfüllend. Und da draußen ist dieser praktisch unerschöpfliche Vorrat an Wissenswertem. Er steht mir wie eine Art Raum zur Verfügung, damit ich mich darin ausbreite.

    Gleichzeitig steckt in der Erfüllung auch die Kehrseite: Ein Gehirn hat nur begrenzte Aufnahmekapazität und ein Leben nur begrenzt Zeit. Ich kann also beim besten Willen niemals alles lernen, geschweige denn wissen. Nicht einmal alles das, was mich interessiert.

    In diesem Spannungsfeld treffe ich Entscheidungen. Ich stehe zwischen Wissensbegeisterung, dem Wissen darum, was ich nicht weiß und um meine eigene Begrenztheit. Dabei kann ich nur die Entscheidung treffen, was ich wissen will und wie ich mit meinem Nichtwissen umgehe. Vermutlich wird das Wissen bis zum Ende meines Lebens die Karotte vor meiner Nase sein, und was soll ich sagen? Ich freue mich darüber.

    In Gesellschaft anderer ist für mich dagegen das, was ich nicht weiß, oft verunsichernd. Besonders dann, wenn mir gegenüber jemand einen Wissensvorsprung zu haben scheint. In diesem scheinbaren Machtgefälle braucht es von dieser Person nur ein paar Worte und ein Teil meines inneren Teams geht in die innere Konfrontationshaltung. Es kommt dann für meine Stimmung letztlich darauf an, ob ich auf diese Person irgendwie angewiesen bin. Macht vielleicht doch was? Zum Glück gibt es im Team meiner Persönlichkeiten auch diejenigen, die die Sache gelassener sehen.

    Was ich nicht weiß als Sprungbrett

    In meiner Tätigkeit als Nachhilfelehrerin gehört es zum Alltag, dass jemand sagt, dass er oder sie etwas nicht weiß. Ich bin eine große Freundin von Fragen, egal wie kleinteilig oder auf welchem „Niveau“. Wie soll jemand effektiv lernen, wenn Fragen abgewimmelt werden? Auch das Nichtwissen meiner Schüler:innen sehe ich als Anlass, sie dabei zu begleiten, wenn sie Freude am Lernen erleben.

    Manchmal fragen sie mich, wie sie sich vorbereiten sollen, damit sie den kompletten Lernstoff auf Lager haben. Dann wiederhole ich immer wieder, dass es gar nicht möglich ist, sich auf jede Frage vorzubereiten. Und dass das auch gar nicht Ziel der Sache ist, besonders nicht in mündlichen Prüfungen. Sondern, dass es darum geht zu zeigen, dass sie einen Überblick haben, ein grundsätzliches Verständnis vom Fach. Und dass sie in einem Gespräch mit den Prüfer:innen Antworten entwickeln können, die sie vorher nicht automatisiert gelernt hatten. Ganz schön viel Metawissen! Dabei tendieren wir Menschen doch eher dazu, Fakten zu hamstern und uns daraus ein Gefühl der Sicherheit aufzubauen 😉

    An der Stelle ergibt sich meine Aufgabe. Ich vermittele nicht nur Fakten, sondern im Rahmen unserer gemeinsamen Möglichkeiten auch die Haltung zum Wissen, zum Nichtwissen und zu uns selbst. Die Erkenntnis, etwas nicht zu wissen, ist dann kein Urteil über die eigenen mangelnden Kompetenzen. Sie ist im besten Fall Motivation, über das jeweilige Fach, über das Leben und über Paradoxien dazu zu lernen.

    Alternative Wahrheiten

    Ich wünschte, wir Menschen wären uns häufiger über unser Nichtwissen bewusst. Gleichzeitig wünschte ich, mehr Menschen würden sich um mehr konkrete naturwissenschaftliche Kenntnisse bemühen. Als Physik/Chemie-Lehrerin war ich spürbar weniger populär als Sportlehrkräfte. Und das lag nicht nur an meiner Persönlichkeit 😉 NaWi ist traditionell ein bisschen uncooler.

    Gerade bei den aktuellen Krisen führen gefühlte Fakten und (noch schlimmer) Fake News dazu, dass wir nicht schnell genug und nicht angemessen handeln. Teils kommen diese Misinformationen von Menschen, die sich einfach nicht gerne ändern möchten, oder die eine grundsätzliche Skepsis gegenüber den etablierten (Natur)Wissenschaften haben.

    Teils kommen sie auch als gezielte und wohlüberlegte Desinformation aus Think Tanks der unterschiedlichen Lobbyorganisationen. Wie sollen wir aus dieser verworrenen Lage herauskommen? Was hilft uns, dochh noch das Nötige für eine lebenswerte Zukunft kommender Generationen tun sollen? Da bin ich auch überfragt.

    Was ich nicht weiß, ist komplex

    Mich hat das Thema dieser Blogparade spontan fasziniert und ich wusste, dass ich darüber schreiben wollte. Bei über hundert Blogparaden musste ich mich beschränken, denn auch dafür ist meine Zeit begrenzt.

    Von der Antike bis zur Zeit von Social Media und KI zieht sich der Wunsch nach Wissen wie ein roter Faden durch die Geschichte der Menschheit. Genauso wie das scheinbare Scheitern an dem, was wir aus verschiedenen Gründen nicht wissen können,

    Von meinem überschaubaren Alltag als Begleiterin beim Wissenserwerb und als begeisterte Lernerin und Nichtwisserin bis zu meinem Frust über den Umgang mit vorhandenen Daten über akute Krisen erlebe auch ich das Nichtwissen in einem Spannungsfeld zwischen Antrieb und Ärgernis. Am Ende ist es wohl eine weitere Gelegenheit, mein Verhältnis zur Gleichzeitigkeit zu üben 🙂

    Wie siehst du das?

    Wie ist es für dich, wenn du Dinge nicht weißt oder wenn wir Menschen Wissen ignorieren? Oder wenn wir nur meinen, etwas zu wissen, nur um darauf umso solider zu beharren?

    Und ist Wissen nun Macht oder macht es nichts, nichts zu wissen?

  • Wörterbuch Mathe-Deutsch – Mein Langzeitprojekt

    Wörterbuch Mathe-Deutsch – Mein Langzeitprojekt

    Ein Wörterbuch Mathe – Deutsch? Nächste Woche steht für mich die letzte Ferienwoche an. Das ist die Zeit, in der wir uns in der sogenannten „Intensiv-Woche“ gemütlich warmlaufen. Dabei werde ich auch wieder Sachaufgaben bearbeiten und Geschichten zu mathematischen Ausdrücken erfinden lassen.

    Und wir werden wieder darüber sprechen, dass Mathematik in mancher Beziehung wie eine Fremdsprache ist. Und dass sie dadurch für viele ein Buch mit sieben Siegeln darstellt. Obwohl unser Alltag eigentlich eine unendliche Reihe von Sachaufgaben ist, ist genau diese Art Aufgaben ziemlich unbeliebt. Deswegen denke ich tatsächlich schon lange darüber nach, ein Wörterbuch Mathe-Deutsch zu schreiben.

    Da kommt mir Eva Heers Blogparade sehr gelegen. Sie fragt, welches Sachbuch ich gerne schreiben möchte, warum ich das Thema liebe, wie Menschen davon profitieren können und was mich davon abhält. Unter haben sich schon einige spannende Blogbeiträge angesammelt. Die Themen sind so bunt gemischt wie motivierend.

    Warum liebe ich Mathematik?

    Ich habe schon einmal eine Liebeserklärung an die Mathematik geschrieben. Kurz davor hatte ich über die Frage gebloggt, ob wir Mathematik abschaffen sollten 😉

    Abgesehen davon, dass Mathematik aktuell immer noch eine zentrale Stellung in den Schulabschlüssen hat: Mathematik ist ästhetischer und magischer, als viele von uns annehmen. Das Problem ist die Art, wie sie vermittelt wird.

    Aus gutem Mathematikunterricht können wir Logik und Problemlösungsstrategien mitnehmen, im besten Fall eine große Portion Selbstwirksamkeit. Durch die Beschäftigung mit der Entwicklung mathematischer Methoden treten wir in Kontakt mit Persönlichkeiten lange vergangener Zeiten und lernen dabei auch etwas über uns als Menschen.

    Wie ich schon sagte, im Alltag lösen wir oft Sachaufgaben, ohne groß darüber nachzudenken. Und bei solchen Gelegenheiten können wir das auch. Sehr wahrscheinlich, weil wir nicht an einer im Fachjargon formulierten Fragestellung hängen bleiben.

    Wie könnte das Wörterbuch Mathe-Deutsch genutzt werden?

    Im Frühjahr 2024 habe ich eine Reihe über die Abiturklausuren in Mathematik geschrieben. Dafür bin ich die Klausuren der vergangenen Jahre durchgegangen und habe Strichlisten geführt, welche Aufgabentypen immer wieder vorkamen. Die regelmäßig wiederkehrenden Fragestellungen habe ich dann vorgestellt und Tipps für Lösungsansätze gegeben. (HMF, Analysis, Stochastik, Vektoren)

    Das Wörterbuch Mathe-Deutsch würde ich ähnlich gestalten. Allerdings würde ich die ausführlichen Rechenwege weglassen, dafür mehr Varianten für mögliche Formulierungen auflisten, die jeweils in „normalem Deutsch“ alle den gleichen Arbeitsauftrag bedeuten.

    Im Unterricht ist es mir wichtig, dass meine Schüler:innen realisieren, dass viele Aufgaben im Grunde identisch sind. Sie kommen nur in immer wieder neuer Verkleidung daher. Das zu lernen ist ein erstes Anliegen für mein Wörterbuch.

    Ich stelle mir vor, dass das Wörterbuch parallel zur Bearbeitung konkreter Aufgaben genutzt wird. Dabei können die Schüler:innen zunächst das jeweilige Thema nachschlagen und dann nach einer Formulierung suchen, die der in ihrer Aufgabe ähnlich ist. Dieser Suchprozess vertieft auf einer Metaebene das Verständnis für den jeweiligen Sachaufgabentyp.

    Unabhängig davon könnten sie das Buch auch nutzen, um im Voraus das „Übersetzen“ mathematischer Formulierungen in Alltagsdeutsch zu üben. Ähnlich wie sie das mit einem Lehrbuch für eine Fremdsprache auch tun. Meine Hoffnung ist, dass sie durch das Wiedererkennen allmählich mehr Sicherheit im Umgang mit der Mathematik bekommen. Dass sie merken, wie viel Fachkompetenz sie eigentlich wirklich haben. Und dass sie diese Fähigkeit einsetzen können, wenn sie erst einmal die Sprachbarriere überwunden haben.

    Und vielleicht merken sie dann ja auch, wie schön die Mathematik in Wirklichkeit ist 😉

    Was hat mich bisher vom Schreiben abgehalten?

    Ich schreibe grundsätzlich sehr gerne. Mein Blog ist für mich ein wunderbares Medium, um mich auszudrücken und mit anderen in Kontakt zu kommen. Die KurzgeschichtenChallenge fordert immer wieder meine Phantasie und vor allem meine Tendenz zum Prokrastinieren heraus.

    Im Zuge meiner Ausbildung habe ich schon zwei Bücher geschrieben, die Diplomarbeit über Schwermetalle in Böden und die Doktorarbeit über Wachskristalle und Gashydrate in Pipelines. Beide decken allerdings eher keine Themen für das Mehrheitsinteresse ab. Außerdem habe ich beide Bücher nicht verlegt, sondern jeweils eine Handvoll Ausgaben drucken lassen. Diese stehen jetzt in zwei Uniarchiven und bei mir Zuhause 😆

    Ein Wörterbuch Mathe-Deutsch würde sicherlich mehr Menschen ansprechen. Leider scheue ich bisher zwei Dinge:

    Zunächst den Aufwand. In meinem Kopf habe ich schon ein paar Seiten beisammen, aber ich müsste das alles schreiben. Dabei würde ich vermutlich feststellen, dass es strukturell so noch nicht funktioniert. Dann müsse ich umorganisieren und so viel Inhalt zusammen schreiben, dass es für ein Buch reicht. Und dann habe ich noch keine Entscheidung darüber getroffen, wie ich dieses Wörterbuch Mathe-Deutsch unter das Volk bringen soll.

    Was mich noch mehr abschreckt: Abgelehnt zu werden. Wenn ich mir vorstelle, wie ich mich bei Verlagen melde und dann eventuell höre, dass kein Interesse besteht, habe ich noch weniger Motivation, mich überhaupt ans Schreiben zu machen. Und dann müssten ja noch Schüler:innen genau wie ich der Meinung sein, dass ein Wörterbuch Mathe-Deutsch eine sinnvolle und wichtige Hilfe für den Unterricht ist. Die innere Kritikerin erzählt mir zuverlässig, dass es am Ende gar keinen Markt für meine Sachbuchidee gibt 🤔

    Was könnte mich zum Wörterbuch Mathe-Deutsch motivieren?

    So gerne ich Bücher aus Papier mag: Ich stelle es mir sinnvoll vor, wenn dieses Wörterbuch für eine automatische Textsuche geeignet wäre. Meine Zielgruppe ist immer stärker geprägt von der Nutzung elektronischer Medien und ich selbst verwende auch mehrfach am Tag die Kombination Strg-F 😉

    Außerdem könnte ich ein elektronisches Buch einfacher aktualisieren und stetig erweitern. Ich könnte schon erste Kapitel zur Verfügung stellen und Feedback dazu einholen. Weil ich sowieso ständig mit Sachaufgaben arbeite, könnte ich als „unverständlich“ auftretende Formulierungen kontinuierlich in meine Sammlung einfügen und damit den abschreckenden Berg an Aufwand in kleine Portionen zerteilen.

    Mit jedem Jahrgang, den ich durch das Abi begleite, merke ich es deutlicher: Viel Potential für gute Mathenoten und Freude am Lernen verpufft an einer unnötigen Sprachverwirrung. Vielleicht ist dieses Schuljahr ja die Gelegenheit, endlich mein Wörterbuch Mathe-Deutsch zu schreiben 😄

  • Stolz – Meine 100-Punkte-Liste

    Stolz – Meine 100-Punkte-Liste

    Stolz ist nicht nur für mich ein sperriges Thema. Eine meiner Persönlichkeiten siehst du im Beitragsbild 🐭 Um diese Blogparade bin ich daher längere Zeit herum gekreist, fest entschlossen, nicht daran teilzunehmen 😉 Lorena Hoormann rief dazu auf, 100 Dinge , auf die ich stolz bin. aufzulisten. Inzwischen habe ich schon einige spannende und bewegende Beiträge gelesen und hier kommt also doch noch meine Liste 🙂

    Beim Lesen der anderen Beiträge fiel mir auf, wie ähnlich wir uns sind. Vor dem eigentlichen Listicle gibt es praktisch immer noch ein paar grundsätzliche Gedanken zum Stolz an sich. Und auch diese Gedanken sind im Grunde sehr übereinstimmend. Einerseits schön, dass ich nirgends gelesen habe, dass Stolz ein „total einfaches Konzept“ ist. Andererseits denkwürdig, wie viele von uns mit ihrem Zugang zum Stolz hadern.

    Was ist (für mich) so schwierig am Stolz?

    Stolz an sich ist noch kein Problem. Im besten Sinne ist es dieses warme und erhebende Gefühl, wenn ich etwas gegen einen Widerstand erledigt habe, wenn ich mein Potential ausschöpfen konnte oder wenn jemand in meinem Umfeld etwas geschafft hat.

    Was ich schwierig bis problematisch finde, ist wenn der Stolz kippt. Wir bewegen uns im Spektrum zwischen dem, was ich kann und gemeistert habe und dem, was nur zufällig Bestandteil meines Lebens ist. Lorena hat uns eine Reihe von Leitfragen mitgegeben. Eine davon war für mich speziell:

    Auf welche Dinge, auf die du keinen Einfluss hattest, bist du stolz? (z.B. Herkunft usw.)

    Lorena Hoormann

    Stolz auf die Herkunft finde ich an sich noch nicht schwierig. Nur unverständlich. Warum sollte ich darauf stolz sein, wo ich geboren bin? Das war ja eine Frage des Zufalls, da hat niemand etwas „gut gemacht“. Und wenn ich woanders geboren worden wäre, sollte ich dann traurig sein?

    Das ist nicht nur sinnfrei, sondern hat auch Potential zu kippen, wie gesagt. Und da muss ich nicht einmal die großen Kriege ansprechen. Da reicht es schon, an einem Fußballsamstag in die S3 zu steigen, die überraschend voll mit farbenfroh uniformierten Leuten ist.

    Schwierig am Stolz ist, wenn er nicht als Freude an etwas Erfreulichem an sich stehen bleibt, sondern das Andere abwertet, das Eigene aggressiv verteidigt und vorsorglich schon eine S-Bahn voller Unbeteiligter laut in Grund und Boden singt.

    Regionalstolz werde ich immer befremdlich finden. Ich bin an vielen Orten zu Hause. An jedem dieser Orte habe ich ein kleines Stück meines Herzens geparkt. Stolz bin ich auf keinen davon.

    Was ist wichtig am Stolz?

    Es ist eine Frage der Beziehung. Wenn ich mir selbst zugestehe, manches gut zu können und richtig gemacht zu haben, kann ich unbefangener anerkennen, was an anderen Menschen besonders ist.

    Wir alle haben vermutlich das Bedürfnis, in einem gewissen Maß wahrgenommen zu werden. Aus langjähriger Erfahrung kann ich sagen, dass es nicht hilft, das eigene Licht gründlich unter einem dicken Scheffel zu verstecken.

    Über die Punkte zu sprechen, die uns jeweils stolz machen, heißt nicht, dass wir überheblich annehmen, andere Menschen seien weniger wert. Es bedeutet, dass wir realisieren, wo eigentlich unser Potential liegt, das wir der Welt nicht aus falscher Bescheidenheit vorenthalten sollten.

    Das macht mich stolz

    Hier sind sie, meine 100 Punkte, die mich mehr oder weniger stolz machen, in der Reihenfolge, wie sie mir eingefallen sind 😀

    1 bis 5

    Ich habe mich entschlossen, diesen Beitrag doch zu schreiben.

    Damit habe ich für heute meine Tendenz überwunden, mein Licht unter den Scheffel zu stellen.

    Dies ist schon mein siebter Beitrag zu Judiths Blogparadensommer 24.

    Zu meinen bisherigen Blogparadenbeiträgen habe ich sehr berührende Rückmeldungen bekommen.

    Nachdem ich 2015 schon einmal eine WordPress-Seite hatte, an der ich mir die Zähne ausbiss, und nach einem genauso unerfreulichen Ausflug in die Typo3-Welt habe ich diese Webseite ohne fremde Hilfe (bis auf schriftliche Anleitungen natürlich) selbst zusammengebaut. Sie ist noch nicht ganz, wie ich sie mir idealerweise vorstelle, aber sie tut, was ich möchte.

    6 bis 10

    Ich habe zum Jahreskreis acht grundsätzliche Artikel geschrieben.

    Außerdem habe ich acht Meditationen zum Jahreskreis veröffentlicht, auf Deutsch und auf Englisch.

    2022 habe ich noch sieben Artikel zu passenden Aktivitäten gebloggt, nur der Post zum Herbstfang fehlt noch. Mit diesen Jahreskreisreihen habe ich drei lang angelegte Projekte ohne Druck von außen abgeschlossen, für mich eine echte Leistung.

    Genauso habe ich dieses Jahr fristgerecht eine Reihe über das Mathematik-Abitur fertiggestellt.

    Unter meiner Begleitung haben schon viele junge Menschen das Abitur, den MSA, den ESA oder Klausuren an der Uni gemeistert.

    11 bis 15

    In meinem Physikleistungskurs war ich das einzige Mädchen und ich habe mich nicht unterbuttern lassen.

    Als meine Mutter 1987 einen C64 beim ALDI kaufte, lernte ich aus dem Begleitbuch BASIC auf eigene Faust.

    Dass im Informatikkurs ein Schüler darüber lachte, und dass der Informatiklehrer mir, wie allen anderen Mädchen im Kurs, ohne Nennung von Gründen eine Drei gab, ist an mir abgeperlt. Auf deren Anerkennung war ich nicht angewiesen.

    Mein Vordiplom in Chemie habe ich mit einer glatten Eins abgeschlossen.

    Genauso war meine Diplomprüfungsnote insgesamt eine glatte Eins.

    16 bis 20

    Im Zusammenhang mit meiner Promotionsforschung lernte ich aus Büchern Fortran, weil mein Nebenbetreuer so ein Fan davon war. Er meinte, wir sollten uns nicht auf die bestehende Software verlassen, sondern die Pulverdiffraktogramme lieber mit einem selbst geschriebenen Programm auswerten. Zu der Zeit war er schon Ende 70 🙂

    Ich habe in dieser Zeit Wachskristalle noch mit seinem alten Vierkreisdiffraktometer mit Messingzahnrädern und -kurbeln untersucht und vermute, dass dieses Gerät inzwischen als Antiquität im Science Museum stehen könnte.

    Beim Zusammenschreiben habe ich mich über meine Doktormutter hinweggesetzt, die den Prozess immer weiter verschleppte. Sie war erst ärgerlich, dass ich an ihr vorbei meine Thesis eingereicht habe, musste hinterher aber zugeben, dass das angebracht war.

    Meine Doktorarbeit wurde nicht nach dem deutschen System benotet, daher kann ich nur sagen, dass sie mit dem seltenen Urteil „with minor corrections“ durchging. Ich musste nichts nochmal drucken lassen, nur mit einem schwarzen Filzstift auf einer Handvoll Seiten ein paar Worte nachjustieren.

    Als ich mit meiner Forschung und Arbeit schon lange fertig war, hing der Mitdoktorand, der vorher auf meinem Gerät gearbeitet und dabei den Laser komplett verstellt hatte, noch in der totalen Prokrastinationsschleife. Er hat unserem gemeinsamen Sponsor erzählt, er sei zu nichts gekommen, weil ich so begriffsstutzig sei und er mir angeblich alles mehrfach erklären musste 😀

    21 bis 25

    Durch meinen ersten Blog und eine Menge Diskussionen auf Parsimony und anderen Foren habe ich nebenbei grundlegende HTML-Kenntnisse eingesammelt.

    Später habe ich das auf Codeacademy noch erweitert. Computer und Programmiersprachen faszinieren mich allgemein und meistens nehme ich an, das sei für die meisten Menschen normal. Manchmal ist mir klar, dass das nicht so ist.

    Während ich das schreibe, habe ich schon 83 Blogartikel veröffentlicht. Dabei sind die Artikel aus meinen drei früheren, inzwischen gelöschten Blogs bei Twoday und Blogspot nicht mit gerechnet.

    Mit deadlinesforwriters.com habe ich 17 Kurzgeschichten und 30 Flash Fics auf Englisch geschrieben.

    Bei dieser Schreib-Challenge habe ich dieses Jahr ganz bewusst beschlossen, mich nicht vom Abgabetermin drängen zu lassen und ein paar Monate absichtlich ausgesetzt, als ich sehr uninspiriert war.

    26 bis 30

    Ich habe seit dem 27. März 2022 nur einen einzigen Tag in meinem Sprachenlernen mit Duolingo ausgesetzt.

    Seit dem März 2023 schreibe ich regelmäßig Monatsrückblicke.

    Ich habe das Spielen der Altflöte, Gitarre und Ukulele autodidaktisch gelernt.

    Ich schneide mir seit 2020 die Haare selbst.

    Inzwischen habe ich einen strukturierten Ablauf darüber, am Ende des Monats pünktlich Rechnungen zu schreiben und zu verschicken.

    31 bis 35

    Ein paar Menschen dachten, sie hätten Macht über mich. Ich habe ihnen ihre teuren, von mir gar nicht angeforderten Geschenke zurück gegeben und dann den Kontakt eingestellt.

    Ich habe einem übergriffigen emotionalen Manipulator einen ganzen Karton Geschenke zurück geschickt.

    Ein ehemaliger Schulleiter, dessen Büro Wand an Wand mit meinem Physikraum war, attestierte mir, dass er mich nicht einmal während des Unterrichts schreien gehört hat.

    Mein sehr frustrierendes Projekt an der Uni Potsdam habe ich nicht auf Biegen und Brechen zu Ende geführt. Stattdessen habe ich den Zeitvertrag gekündigt.

    Aus dem Loch, in das ich danach zunächst fiel, habe ich mich wieder heraus gekämpft.

    36 bis 40

    In dieser noch angeschlagenen Verfassung habe ich erfolgreich ein zweijähriges Referendariat an einer damals noch Hauptschule in einem eher ruppigen Vorort Hamburgs durchgezogen.

    Als ich später an einer anderen Schule als Lehrerin arbeitete, bin ich trotz aller Anstrengungen mancher Schüler:innen nie in Tränen zusammen gebrochen.

    Genauso wenig habe ich mir ein „dickes Fell wachsen lassen“. Ich habe ganz unzynisch diese auf Dauer für mich ungesunde Situation verlassen.

    Ich arbeite inzwischen seit zehn Jahren als Nachhilfelehrerin und musste nicht ein einziges Mal Werbung machen und muss trotzdem manchmal Anfragen wegen meines vollen Terminplans absagen.

    Als ich nach meiner Coaching-Ausbildung beim ersten Versuch an der praktischen Prüfung scheiterte, stand ich vor der Wahl, ob ich es überhaupt noch einmal versuchen wollte. Ich habe mich dafür entschieden und im zweiten Anlauf bestanden.

    41 bis 45

    Als ein Schüler aus meiner Klasse weinte, weil ein älterer Schüler ihn mit dem N-Wort bezeichnet hatte, bin ich mit ihm durch die ganze Schule gezogen und habe mir den großen Jungen zeigen lassen und mit diesem ein ernstes Gespräch geführt. Ich habe gestaunt, wie gerührt die Eltern meines Schülers darüber waren.

    In den ersten Sommerferien nach meiner Kündigung als Lehrerin fragte mich mein ehemaliger Schulleiter, ob ich nicht doch ein weiteres Jahr machen könnte. Ich habe leichten Herzens Nein gesagt.

    Am 7. Dezember 2019 habe ich an der Aktion »World’s Big Sleep Out« teilgenommen und in Wacken eine Nacht im Freien geschlafen. Bei der Gelegenheit hat mich sogar ein Reporter der Zeitung Hempels interviewt.

    Seit 1995 lebe ich ohne Fleisch und bin bisher nicht an Eisenarmut zugrunde gegangen.

    Seit 2012 lebe ich außerdem ganz ohne Tierprodukte und habe noch keine Anzeichen eines Proteinmangels. Irgendwas mache ich anscheinend richtig mit meiner Ernährungsplanung 🙂

    46 bis 50

    Für Tierrechte stehe ich immer wieder mit einer Hamburger Gruppe auf der Straße.

    Mit einer anderen Gruppe habe ich mich eine Zeitlang für mehr Aufmerksamkeit für den Zusammenhang zwischen Tierhaltung und Pandemien eingesetzt. Einige Artikel auf der umfangreichen Webseite sind von mir.

    Mit dieser Gruppe habe ich mehrere Demos organisiert.

    Für diese Gruppe habe ich mich einmal von Mark Benecke interviewen lassen. Außerdem habe ich selbst sehr spannende Menschen für unseren Youtubekanal interviewt.

    Als sich abzeichnete, dass der Großteil unserer Mitmenschen wirklich kein offenes Ohr für dieses Thema hat, und wir uns als sehr kleine Gruppe nur noch am Frust aufrieben, habe ich für mich vorerst einen selbstfürsorglichen Strich unter diese Tätigkeit gezogen.

    51 bis 55

    Mein erstes Auto habe ich mir erst mit 32 Jahren gekauft. Nachdem es 13 Jahre seinen Dienst getan hatte, habe ich es weiterverkauft und besitze seitdem wieder kein eigenes Auto. Zugegeben: Ich kann meistens auf das Auto meines Mannes zugreifen, aber auch das mache ich sehr selten.

    Ich mache bewusst sehr wenig Müll und sammle manchmal sogar selbst welchen draußen auf meiner Spazierrunde.

    Bei uns gibt es so gut wie keinen Lebensmittelmüll.

    Anfang 2024 geriet ich wieder in das System Schule hinein. Und von Anfang an meinten der Schulrat des Kreises und seine Sekretärin, über mich und meine Zeit frei verfügen zu können, nur weil ich zu etwas Ja gesagt hatte, das sich erst im Nachhinein unerwartet ausweitete. An der Stelle habe ich bewusst Nein gesagt und mir auf die Fahne geschrieben, das auch weiterhin bewusst und so häufig wie nötig zu tun.

    Obwohl mein Gleichgewichtssinn und meine Koordination signifikant unterdurchschnittlich sind, habe ich Fahrradfahren gelernt und den Führerschein geschafft, noch ganz old-school auf Schaltgetriebe. Ich wundere mich selbst immer noch.

    56 bis 60

    Trotz einer durch Schulzeugnisse attestierten Unsportlichkeit bin ich einige Jahre lang regelmäßig gejoggt. Wenn ich aus meiner Long-COVID-Delle wieder aus bin, wird auch das wieder stattfinden.

    Wir haben dieses Jahr Silberhochzeit gefeiert. Zusammen sind wir seit 27 Jahren. Neben dem Glück, dass wir uns gefunden haben, führe ich unsere harmonische Ehe darauf zurück, dass wir uns gegenseitig sein lassen, wie wir sind.

    Ich klopfe mir noch heute auf die Schulter dafür: Ganz knapp, bevor mein Mann 1997 Deutschland in Richtung England verließ, schrieb ich ihm einen ausführlichen Brief darüber, wie wichtig er mir ist und dass da mehr ist, als er dachte.

    Niemand von uns beiden hätte wohl gedacht, dass ich die Disziplin haben würde, nichts mehr zum Thema Solarplatten zu sagen, bis er von alleine realisierte, dass es wohl doch eine gute Idee wäre.

    In diesen Sommerferien bin ich besonders großzügig mir gegenüber, was das Thema „Erholung vs. Erledigen von Dingen“ angeht.

    61 bis 65

    Für 2024 habe ich mir ausdrücklich vorgenommen, nicht an mir zu arbeiten.

    Meinen Schüler:innen gegenüber bin ich sehr geduldig. Alle Fragen sind willkommen und wir wiederholen alles einfach so oft wie notwendig.

    Ich kann mich für einfache Dinge sehr begeistern. Dass ich zum Beispiel buchstäblich durch die Kürbisauslage eines Hofladens getanzt bin, kam mehr als einmal vor.

    Wegen meiner Long-COVID-Müdigkeit habe ich die PCS-Ambulanz in Kiel angeschrieben. Obwohl ich normalerweise den Kontakt mit medizinischen Praxen peinlichst auf ein absolutes Minimum beschränke 😬

    Die langanhaltenden Muskelschmerzen haben mich dazu bewegt, endlich in der Praxis von Frau Schaudig in Hamburg um Beratung zum Thema Hormonersatztherapie zu fragen. Auch hier hatte ich eigentlich gehofft, das legt sich irgendwann von alleine wieder 😀

    66 bis 70

    Ich sage, was ich meine, und meine, was ich sage.

    Wie jemand aussieht und was diese Person trägt, beeindruckt mich nicht sonderlich. Ich käme auch nie darauf, ungefragt zum Äußeren eines anderen Menschen eine Wertung oder „Verbesserungstipps“ abzugeben.

    Wie viel Geld jemand hat, oder welche Titel er/sie trägt, ist für mich auch unerheblich. Was zählt ist, wie dieser Mensch mit anderen umgeht.

    Die Pflanze, die mir eine Schülerin als Dankeschön nach ihrer Abiturprüfung im Juni 24 schenkte, lebt immer noch. Bisher ist mir jede Zimmerpflanze in kürzester Zeit eingegangen 😀

    Obwohl die Schnecken immer wieder alles abfressen, was mir lieb und wertvoll ist, setze ich unerschütterlich jedes Jahr wieder Kürbispflanzen in den Garten und hoffe, dass dieses Jahr alles anders wird 😀

    71 bis 75

    Als ich vier Jahre alt war, konnte ich plötzlich ganze Texte lesen. Meine Eltern hatten zwar dann und wann Scrabblebuchstaben herumliegen lassen, aber ansonsten keine Erklärung.

    Wenn mich etwas wirklich interessiert, fuchse ich mich in kurzer Zeit hinein. Und sei es die Mathematik der Knotenkunde.

    Wenn mir persönlich etwas nicht gefällt, halte ich das nicht für absolut gültig, sondern lasse anderen ihren Genuss.

    Ich halte mich an Regeln der Fairness und des Zusammenlebens, weil das aus meiner Sicht sinnvoll ist.

    Ich halte mich nicht an willkürliche Konzepte von Modetrends oder Dingen, die mensch „so macht, weil das nun mal so ist“.

    76 bis 80

    Dieses Jahr habe ich mich trotz meiner Müdigkeit aufgerafft und war einen Tag in Wacken und eine Woche später beim Elbriot, einem eintägigen Metalfestival in Hamburg.

    Bei beiden Veranstaltungen war ich achtsam mit mir und habe auf den Impuls gehört, vorzeitig wieder nach Hause nach Hause zu gehen, obwohl die „richtig interessanten Bands“ noch nicht gespielt hatten.

    Ich mag meinen Humor und nehme mich selbst nicht ernster als nötig.

    Am Ende habe ich ein weiches Herz.

    Ich schaffe es in ungefähr 80% der Fälle, alle Versionen der täglichen Quordles und Octordles komplett zu lösen. Manchmal wundere ich mich selbst, was ich alles für englische Wörter kenne.

    81 bis 85

    Mir macht es nichts aus, in einem Spiel zu verlieren.

    Mein Sinn für Gerechtigkeit ist mir sehr wichtig.

    Ich unterstütze über Jack Lekishon eine Schülerin in Kenia. Jack ist ein veganer Massai, den ich über meine Arbeit mit der „Menschen-Tiere-Pandemien“-Gruppe kennengelernt habe. Leider existiert diese Gruppe nicht mehr.

    Bis zu meiner Coronainfektion im September 23 habe ich wöchentlich bei der Tafel Schenefeld mitgearbeitet. Erst lange Zeit in der Ausgabe, dann beim Sortieren. Es ist unfassbar, welche Mengen an guten Lebensmitteln ansonsten weggeworfen würden.

    Ich habe noch nie in meinem Leben an einer Wahl nicht teilgenommen.

    86 bis 90

    Ich gehe demonstrieren. Gegen Fremdenfeindlichkeit und für den Klimaschutz. Eigentlich eher Menschheitsschutz.

    Manchmal schreibe ich Politiker:innen an. Teils per E-Mail, teils aber auch echt mit Füller auf Papier.

    Während meiner Coachingausbildung habe ich mir eine ganze Reihe meiner Schatten und Glaubenssätze unerschrocken und ergebnisoffen angesehen und mit ihnen verhandelt.

    Als die Zeit reif war, beschloss ich, mein Angebot für Coaching von meiner Webseite zu streichen. Seitdem bin ich klarer positioniert und bereue nichts. Weder die aufwendige Ausbildung noch die Entscheidung für die Nachhilfe.

    Ich blogge sowieso von mir aus gerne. Seit ich Judiths Claim gelesen habe, blogge ich noch um so mehr, als würde niemand das Ergebnis lesen, nur dass ich jetzt Worte für meine unabhängige Haltung habe.

    91 bis 94

    Obwohl ich von meiner Oma als Besserwisserin kritisiert wurde, habe ich mir nie die Freude am Wissen und Dazulernen und an den genauen Angaben nehmen lassen.

    Filme, Geschichten, Musik oder auch der Kontakt mit der Natur können mich auf gute Art zum Weinen bringen.

    Wir haben in der Küche einen Becher und ein dünnes Stück Pappe parat, falls sich eine Wespe in unser Haus verirrt.

    Ich nehme gerade aktuell wieder als Mentorin an einer WhatsAppChallenge von Challenge22 teil und helfe damit einer internationalen Gruppe Menschen, einen leichteren Zugang zum veganen Leben zu finden.

    95 bis 100

    Ich bin stolz auf meine Schüler:innen, weil ich sehe, wie viel Energie sie investieren und wie glücklich sie sind, wenn sie etwas verstehen und ihre Prüfungen schaffen.

    … meine Schwester, die ihre Kinder so liebevoll, umsorgend und klar erzogen hat und die so einen geradlinigen Umgang mit ihren Mitmenschen hat.

    … meinen Bruder, der sich gerade mit bewundernswertem Einsatz und großer Disziplin aus einer gesundheitlichen Schieflage herausarbeitet.

    … meine Eltern, die bewusst die „Pädagogik“ ihrer Eltern nicht an uns Kinder weiter gegeben haben, sondern uns im Gegenteil zu Selbstbestimmung und Unangepasstheit erzogen haben.

    … meinen Mann Dirk, der so ein wunderbarer und unterhaltsamer Sonnenschein ist, dass so viele Menschen gerne mit ihm zusammen arbeiten und seine Gesellschaft genießen.

    … und auf mich, weil mir so unerwartet leicht so viele Dinge an mir und um mich herum eingefallen sind, die mich stolz machen.

    Was macht dich stolz?

    Wie geht es dir mit dem Begriff und dem Konzept „Stolz“? Gibt es Punkte in deinem Leben, auf die du stolz bist? Sprichst du im kleinen oder größeren Kreis darüber, was dich stolz macht?

    Auf jeden Fall bin ich dir dankbar, dass du bei mir warst und meine Liste mit 100 Punkten gelesen hast ❤️

  • Meine Haare und ich

    Meine Haare und ich

    Meine Haare und ich teilen uns eine gemeinsame Vorliebe für Selbstbestimmung und Minimalismus. Als Susanne Lins in ihrer Blogparade fragte, was meine Frisuren-Historie prägte, war sie sofort auf meiner Entwurfsliste.

    Ich habe tatsächlich kein Vorbild. Oft gefällt mir die Art, wie andere Menschen ihre Haare tragen, allerdings weiß ich, dass ihre Frisuren mit meinen Haaren ganz anders aussehen oder sogar überhaupt nicht funktionieren würden.

    Einige meiner Haarschnitte und Maßnahmen an meinen Haaren habe ich nicht selbst beschlossen. Manches sehe ich im Nachhinein als aufgeschnackt an. Das Gute ist ja, dass sie immer wieder nachwachsen, aber es ist schon erstaunlich, wie emotional das Thema Haare ist und wie unangenehm mir manche Frisiersalonbesuche in Erinnerung sind.

    Es war spannend, unter diesem Stichwort in meiner Photokiste zu suchen. Bei manchen Frisuren ist es gleichermaßen schade wie auch ein Segen, dass nicht immer zu jeder Zeit ein Smartphone mit Kamera verfügbar war 😉

    Seit ein paar Jahren haben meine Haare und ich jedenfalls ein Miteinander gefunden, das für uns beide funktioniert. Und das von Trends und Tipps von außen unabhängig ist.

    Meine Haare in der Vergangenheit

    Farbe

    mein e Haare: ein Photo aus den siebziger Jahren zeigt ein etwa vierjähriges blondes Mädchen auf einem Spielplatzkarussell

    Als ich noch klein war, waren meine Haare blond. Bei meiner Einschulung hatten sie dann allerdings schon ungefähr diesen Mix aus allen menschenmöglichen Haarfarben.

    In größeren Zeitabständen habe ich mit Henna nachgeholfen. Farblich und von der Haargesundheit her war das super. Allerdings habe ich nie eine andere Person gefunden, die mir regelmäßig den heißen Kräutermatsch auf dem Kopf verteilen wollte, also habe ich das immer selbst übernommen und fand es immer sehr fummelig.

    Im Zuge eines längeren Rituals habe ich mir dann eine Strähne blondieren lassen. Es ging darum, mal wieder mehr Schwung in mein Leben zu bekommen. Dafür habe ich einen Monat lang jeden Tag etwas zum ersten Mal in meinem Leben getan. Einiges davon auch zum letzten Mal 😆

    Leider stellte sich während des Bleichens heraus, wie viele rote Haare sich in meiner natürlichen Mischung aufhalten. Anscheinend sind die roten Haarpigmente besonders hartnäckig, denn nachdem alles an Braun und Schwarz schon dem Wasserstoffperoxid zum Opfer gefallen war, blieb noch sehr viel Karottenorange übrig. Da hat die arme Friseurin unerwartet lange drauf herum geblichen. Optisch war ich einverstanden, allerdings waren die betroffenen Haare danach super angegriffen.

    Meine Haare: Portrai einer Frau mit langen mittelbraunen Haaren. Sie hat links und jetzts jeweils eine blonde Strähne

    Sehr viel später fiel mir eine Packung „Bio-Pflanzen-Haarfarbe schwarz“ in die Hände. Zwei Faktoren haben mich damals gerettet: Zu der Zeit waren meine Haare kurz und diese Farbe war auch nicht permanent. Denn so eine Indigo-Färbung ist offenbar eher für schon von sich aus dunklere Haarfarben gedacht.

    Als ich den blauen Schaum in der Badewanne sah, ahnte ich es schon: Die nächsten Wochen lief ich mit einem deutlichen Blaustich durch die Gegend. Wenn die Kinder in der Schule mich danach fragten, wusste ich immer von nichts 😄 Wie schon gesagt: Zum Glück wächst jede Schnapsidee irgendwann raus.

    Bis ich dann noch einmal gezielt Directions in blau ausprobierte, als ich nicht mehr an der Schule arbeitete. Diese Tönung machte meine Haare aber zu meiner Erheiterung nicht blau, sondern sehr merkwürdig grün. In diesem Fall haben wieder die roten Haare dazwischen gefunkt und ich hätte sie vorher bleichen sollen.

    Leider habe ich zum Glück weder von den blauen noch von den grünen Haaren Bilder gefunden 😉

    Meine Haare: eine Frau mit KI auf alt retuschiert, ihre Haare sind grau meliert

    So endeten meine Versuche, an meiner Haarfarbe etwas zu ändern. Inzwischen sehe ich mir erfreut beim Weißwerden zu. Wenn die Haare irgendwann einmal komplett weiß sind, probiere ich das Blau noch einmal aus. Oder gleich einen kleinen Regenbogen, mal sehen.

    Struktur

    In den Neunzigern was es so weit: Die Friseurin, bei der ich hauptsächlich deswegen war, weil meine Mutter sich dort auch immer die Haare machen ließ, verordnete mir eine Dauerwelle. Sonst „könnte man ja damit nichts machen“.

    Meine Haare: Eine junge Frau mit lockiger Dauerwelle breitet die Arme aus

    Im Nachhinein war das der größte Fehler meiner Haarkarriere. Meine Haare sind von sich aus positiv gesagt widerstandsfähig, ehrlich gesagt borstig. Da haben schon viele beim Schneiden mittendrin erstaunt kommentiert, dass das auf meinem Kopf irgendwie nicht weniger würde. Die Haare sind auch nicht ganz glatt und ein Teil dreht sich oft in irgendeine nicht vorhersehbare Richtung.

    Entsprechend stark musste die Friseurin chemisch nachhelfen. und entsprechend kaputt sahen meine Haare dadurch aus. Ich hatte bis vor kurzem immer noch dieses peinliche Bild mit den übertrieben kringeligen Löckchen in meinem Führerschein, da war es von Vorteil zu altern und ein neues Photo für das neue Scheckkartenformat einreichen zu müssen.

    Mit dem Umzug zum Studium habe ich das Gekringel erst einmal etwas rauswachsen lassen und bin dann zunächst an eine Friseurin geraten, die meinte, diese ganzen „modernen Frisürchen“ gingen nun mal nicht ohne Dauerwelle. Da bin ich unverrichteter Dinge wieder abmarschiert, weil ich unter anderem auch kein Frisürchen wollte.

    Eine andere Friseurin hat mir ein paar Wochen später dann doch mit einem Fassonschnitt die letzten Reste der Welle entfernt. Seitdem hat sich das Thema Lockenwickler für mich restlos erledigt.

    Länge

    Längenmäßig war bei mir inzwischen alles dabei: Meine Eltern fanden kurze Haare praktisch, meine Oma nannte sie „flott“. Eigentlich wollte ich schon als Kind lange Haare haben, aber da sah meine Familie Knötchengefahr. Ich gebe ja zu, praktisch sind kurze Haare schon.

    Immerhin lernte meine Mutter irgendwann, uns einen Rundschnitt zu schneiden. Der hat ja ein bisschen einen schlechten Ruf, ich fand ihn eigentlich ziemlich schön und staune heute noch, wie meine Mutter es geschafft hat, meinen Drahthaaren so eine sich geordnet einrollende Kante zu verpassen.

    Meine Haarlänge pendelte immer wieder von kurz bis lang, immer mit Pony. Bis zum Abitur habe ich nur ein einziges Mal versucht, die Haare über der Stirn rauswachsen zu lassen und zwischenzeitlich entnervt aufgegeben. Weil mir die Fransen immer in die Augen hingen, ging mir auf Nasenhöhe die Geduld aus. Immerhin konnte ich mir den Pony selbst schneiden.

    Als ich später nach der Dauerwelle die Haare sowieso insgesamt kurz hatte, habe ich beim anschließenden Wachsenlassen die Zähne zusammengebissen und alle Haare auf eine Länge gezüchtet. Das Ganze habe ich dreimal hin und her veranstaltet 😆

    Eine Friseurin in Deutschland meinte mal, wir könnten doch gemeinsam kreativ und mutig sein. Danach hatte ich eine Weile die Haare vorne länger als hinten. Wie gut, dass jede Schnapsidee irgendwann wieder rauswächst 😀

    Am besten hat mir um die Jahrtausendwende der £5-Friseur im Shoppingcenter in Lewisham gefallen. Da brauchte ich nur anzusagen, auf welche Stufe sie die Maschine einstellen sollten und dann wurde wortlos, kurz und bündig losgemäht. Dieser Salon hat sich tatsächlich gehalten, der Preis allerdings nicht.

    Allgemein habe ich es aber oft vermieden, mir die Haare schneiden zu lassen, besonders in den Langhaarphasen. Die Borstigkeit wurde kommentiert, genau wie der Spliss, der auch eine Folge davon war, dass ich so selten zum Schneiden ging. Und ich ging so selten hin, weil es neben dem Smalltalk so viele Kommentare gab.

    Wenn ich dann aber jemanden an meinen Kopf ließ, erlebte ich immer wieder Experimente, die hinterher seltsam saßen, zum Beispiel weil sich die Schnittkante ungeordnet nach außen drehte. Ich denke noch mit Grauen an die Worte: „Ich mache das mal stufig!“

    2020 hatte ich dann (wie viele andere Menschen auch) plötzlich und unerwartet viel Zeit. Ich lernte nicht nur Rezepte für Sauerteig kennen, sondern stolperte auch über ein Youtubevideo über eine Methode, die eigenen langen Haare selbst zu schneiden. An einer Stelle im Video realisiert die Youtuberin mit großen Augen, wie gut diese Methode funktioniert, und sie fragt sich, warum sie das nicht eher ausprobiert hat: „This is fine! I’m so happy!“

    Mich hat das dermaßen überzeugt, dass ich spontan Kamm, Zopfgummi und Schere gezückt habe. Ich hatte ja sonst nicht viel vor und kam auch nicht so viel unter Leute, also konnte ich eine kleine Katastrophe riskieren.

    Was soll ich sagen: Nach fünf Minuten Bürsten und Haarefixieren plus 30 Sekunden Schneiden war mein Haarschnitt fertig. Seit 2020 bin ich unabhängig und bestimme meine Haarlänge und die Art der Kante selbst. Und seitdem bin ich entspannt und zufrieden, was meine Haare angeht.

    Frisur

    Im Sommer denke ich zwar regelmäßig darüber nach, den ganzen Kram wieder abzuscheiden, weil mich die Wärme so schon anstrengt und die langen Haare extra gut isolieren.

    Wenn ich mir dann aber die kurze Zeit nehme, Zöpfe zu flechten, sieht die Welt aber wieder ganz anders aus. Manchmal mache ich ganz einfache Zöpfe, manchmal französische. Manchmal ist es auch nur ein einziger Zopf. Ich habe immer mal wieder mit asymmetrischen Flechtfrisuren experimentiert, aber die fand ich ungemütlich.

    Meine Haare: Eine Frau vor einem historischen Fachwerkhaus, ihre Haare sind zu zwei Zöpfen geflochten

    Ansonsten trage ich auch gerne einen Knoten. Meistens wickle ich dazu einen Zopf um das Haargummi und clipse dann die Haare mit kleinen Haarklammern fest. Das geht auch gut mit zwei Space Buns.

    Frauen, die im Bus oder Zug nur mit einem Frotteehaargummi bewaffnet eine komplette Mähne in einen respektabel ordentlichen Knoten verwandeln, bewundere ich oft. So gerne ich die allgemeine Widerstandsfähigkeit meiner Haare auch habe, da ist es dafür dann am anderen Ende auch sehr dünn mit der Kooperationsbereitschaft. Für einen großen Knoten in der Mitte brauche ich schon sechs Clips, damit er sich nicht innerhalb der ersten Minute auflöst 😆

    Meine Haare: Ein Frauenkopf von schräg hinten, ihre langen Haare sind mit einem hellen Holzstab zu einem Dutt zusammengefasst

    Irgendwann hat mir aber eine Freundin gezeigt, wie ein Dutt mit einer großen Nadel funktioniert. Da gibt es aufwendig aus Holz geschnitzte Modelle, aber ich habe lange Zeit einen Jumbo-Buntstift genommen, inzwischen eine Stricknadel aus einem Spiel für Filzwolle. Bei dieser Frisur staune ich jedes Mal wieder, dass meine Haare mit nur einem einzigen Hilfsmittel zusammenhalten.

    Produkte

    Als ich mir noch die Haare habe schneiden lassen, kam am Ende meistens die Frage: „Wachs oder Gel?“ Lange ging ich davon aus, das müsste dann jetzt so, damit so eine Frisur sitzt wie gedacht. Und dann war ich richtig unglücklich damit, wie zementig und klebrig sich meine zuvor frisch gewaschen Haare anfühlten. Ich schwankte dazwischen, sie mir zuhause gleich wieder zu waschen und der Anschaffung von Styling-Produkten, weil sich das ja nun so gehörte.

    Heute benutze ich, auch um Plastikmüll zu sparen, festes Shampoo. Danach gibt es eine saure Rinse mit Apfelessig. Das war es dann auch. Mehr brauchen meine Haare nicht und ich muss weder mit diversen Produkten hantieren noch beim Griff an den Kopf mit einem unnatürlichen Gefühl leben.

    Bei anderen sehe ich gestylte Frisuren mit Lack, Spray und glänzendem Gel echt gerne. Optisch durchaus eine feine Sache. Ich kann aber immer nur begrenzt nachempfinden, wie diese Menschen es aushalten, wie sich das alles anfühlt.

    Meine Haare und ich ziehen Fazit

    Ich bin sehr froh, dass ich inzwischen unabhängig bin. Einige Friseurinnen in meinem Leben waren verständnisvoll und auf Augenhöhe. Andere habe ich als eher übergriffig erlebt. Je mehr ich selbst über meine Haare bestimmt habe, umso wohler habe ich mich gefühlt.

    Insgesamt sind Haare für mich weniger Schmuck als Quelle von Wohlgefühl oder Unbehagen. Manchmal frage ich mich, wie vielen anderen Menschen es da draußen auch so geht, dass sie sich mit ihren Haaren nur ungern in die Hände anderer begeben. Wie viele andere sich mehr Selbstbestimmtheit wünschen, aber das Gefühl haben, die Dinge müssten so sein wie sie sind.

    Womit ich wieder beim Dazugehören bin. Und bei der Erkenntnis, dass ich lieber nicht dazugehöre, als dass sich mein Kopf fremdbestimmt anfühlt, im übertragenen wie im buchstäblichen Sinn.

    Wie sieht es bei dir aus?

    Hast du auch schon viele verschiedene Stile und Farben durchprobiert? Wie geht es dir mit dem Thema Selbstbestimmung? Wurden deine Haare immer so geschnitten, wie du es dir vorgestellt hattest?

  • Lernen ist echt krass: Mein neuer Claim

    Lernen ist echt krass: Mein neuer Claim

    Neuer Claim Mitte August

    Echt krass ist auch mein Zeitmanagement: Während des Schuljahres nehme ich mir für die Sommerferien diverse Projekte rund um unser Haus und meine Webseite vor. Während der Sommerferien ist mir dann aber die Zeit doch zu wertvoll für „diese Banalitäten“. Also nehme ich mir dieselben Projekte für das Schuljahr vor, weil ich dann ja „im Arbeitsmodus bin“. Und so weiter im Jahreskreis. Ist vermutlich unter Lehrkräften gar nicht so selten 😆

    Echt krass: Balkendiagramm mit drei Balken. Überschrift: Wann ich mal so richtig aufräume. Zwei kurze Balken mir 5%: Im Schuljahr und in den Sommerferien. Ein langer Balken mit 90%: Alle Jubeljahre.

    Den neuen Claim hatte ich schon länger im Sinn, jetzt ist es endlich so weit: In der Vorbereitung auf das nächste Schuljahr füge ich ihn hier auf meiner Seite ein. Aber warum liegt dieser Satz mir überhaupt so am Herzen? Das kann ich dir erklären:

    Lernen

    Mein alter Claim war: „Hol dir deine Freude am Lernen zurück!“ Leben ist Lernen, und das sollte Spaß machen! Ich habe mich mein Leben lang immer dann besonders lebendig gefühlt, wenn ich etwas neu herausfinden konnte.

    Mein Plan ist es, in den nächsten Jahrzehnten noch viele Dinge zu lernen und mich darüber zu freuen. Zum Beispiel beim täglichen Octordle, einem Rätsel mit acht Wordles hintereinander. Heute habe ich herausgefunden, dass „elide“ ein Verb ist, das so viel wie „durchstreichen“ oder „auslassen“ bedeutet.

    Neues Wissen muss nicht immer unmittelbar anwendbar sein 😉 Mir reicht es zum Freuen schon, dass sich ein paar Synapsen neu verbinden. Dieser Prozess ist für mich oft bedeutender als das Ergebnis, und ich wünschte, das System Schule hätte den Raum, die reine Freude am Lernen mehr zu vermitteln und zu feiern. Besonders in Mathematik, einem Fach, das viel mehr Ästhetik und Magie zu bieten hat, als allgemein angenommen.

    Andere Dinge, die ich lerne, kann ich tatsächlich für mein privates und berufliches Leben gebrauchen: Das Backen mit Sauerteig, neue Informationen über die Webseitengestaltung oder Inspirationen für Quizkartengestaltung. Jede neue Erkenntnis bringt mich auf meinem Weg weiter und eröffnet mir neue Möglichkeiten.

    Echt

    Wissen lässt sich nur bedingt und nicht auf Dauer vortäuschen. Das deutsche Bildungssystem besteht (leider) zu einem großen Teil aus Tests, Klausuren und Prüfungen. Spätestens an der Stelle zeigt sich, ob ein Thema wirklich sicher verstanden und abgespeichert wurde.

    Aber das Lernen und das echt verinnerlichte Wissen endet nicht mit dem Schulabschluss. Oft hören wir in der Debatte um aktuelle Krisen nur gefühlte Fakten, die im ungünstigen Fall effektive Lösungen verzögern. Außerdem haben wir Menschen den Hang, das für wahr zu halten, was unserem Weltbild entspricht. Wenn mir eine Fee über den Weg liefe, würde ich mir wünschen, dass wir alle auf einer solideren Basis an unsere kollektiven Probleme heran gingen.

    Mein Ansatz für den Nachhilfeunterricht geht entsprechend darüber hinaus, nur die nächste Arbeit zu meistern. Mir geht es darum, dass meine Schüler:innen ein neues Vertrauen in ihre eigenen Kompetenzen entwickeln. Und damit ihren kleinen Teil zu einer echten Wissensbasis der Gesellschaft beitragen.

    Krass

    Echt krass, wie lange sich manche Begriffe halten. Krass kommt ursprünglich vom lateinischen „crassus“ (grob, ungebildet, aber auch fruchtbar). Es steht schon in Grimms Wörterbuch als Beispiel für „Studentensprache“ oder „ein in manchen kreisen beliebtes superlativisches kraftwort“.

    Sprache ändert sich. Und gleichzeitig höre ich heute noch regelmäßig in meinen Unterrichtsstunden:

    „Wow, krass!“

    Meistens begleitet von runden Augen und hochgezogenen Brauen. Ganz ehrlich, das sind meine allerliebsten Lieblingsmomente 🥰 Dabei sein zu dürfen, wie ein Mensch einen unvermuteten Zusammenhang versteht, ist für mich eine Gänsehaut-Ehre!

    Manchmal sind es die kleinen Dinge. Zum Beispiel, wenn ein Schüler den Zusammenhang zwischen der ungeliebten Bruch- und Prozentrechnung aus der Mittelstufe und der Stochastik aus der Oberstufe realisiert. Die Puzzlesteine fügen sich zusammen, durch die Verbindung wird das Verstehen leichter und plötzlich hat diese Person, etwas in der Hand, was vorher unbezähmbar wirkte.

    Oder eine Schülerin merkt, wie im sich Laufe eines Beweises aus einem Riesenwust an Ziffern und Buchstaben das Allermeiste herausstreichen lässt und nur noch genau das übrig bleibt, was sie beweisen sollte. Wenn sie ein oder zweimal durch diesen Prozess begleitet wurde, und den nächsten Beweis dann alleine führen kann, dann hat sie sich beim Lernen einen krassen Werkzeugkoffer für zukünftige mathematische Abenteuer zusammengestellt. Und nebenbei ihren Problemlösemuskel trainiert und Selbstwirksamkeit erlebt.

    Ich gebe mir wirklich Mühe, in meinem fortgesetzten Alter Jugendworte zu vermeiden. Glücklicherweise ist „krass“ ein Wort, das Generationen verbindet. Genauso wie wir gemeinsam lernen, staunen wir zusammen darüber, wie erfreulich es ist, Dinge neu zu verstehen. Und dann ist krass alles andere als „ungebildet“ 😉 Sondern kraftvoll und ermächtigend!

    Wissen ist Macht und Lernen ist echt krass!

    Ich bin sehr dankbar, dass ich das von meinen Schüler:innen lernen durfte 💝

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