Der Herbst ist meine Lieblingsjahreszeit. Unter anderem, weil sich jetzt so ein Füllhorn an Obst und Gemüse für uns öffnet. Ingrid Holscher fragt in ihrer Blogparade nach meinem liebsten süßen veganen Herbstgericht. Da bin ich gerne dabei, allerdings mit einer Suppe. Aus Fliederbeeren, die ansderswo botanisch korrekter Holunderbeeren heißen.
Kindheitserinnerungen
Fliederbeersuppe mit Grießklößchen ist so ein norddeutsches Ding. Meine Oma, die ursprünglich aus Hinterpommern stammte, hat jedes Jahr große Mengen Fliederbeeren gesammelt und verarbeitet. Und dann gab es als Herbstgericht ab und an eine Suppe daraus.
Für mich ist das eine wunderschöne Kindheitserinnerung, auch wenn ich zu meiner Oma gar nicht die beste Beziehung hatte. Ich sehe mich noch dasitzen, im Unterhemd wegen der Fleckengefahr. Zuerst kam die Suppe auf den Teller und dann wurden liebevoll ein paar Klößchen dazu gelöffelt. Ich fand es faszinierend, wie deren rauhe, weiße Oberfläche sich mit einem Netz aus dunkelroten Adern überzog. Ich rieche heute noch den Duft von Zimt, fühle die wohlige Wärme und schmecke die Herbheit der Beeren. Eine Erinnerung für alle Sinne, sozusagen.
Kochen mit der Twitterbubble
Letztes Jahr habe ich mit einer Gruppe anderer Veganer*innen auf Twitter gegenseitig Gerichte vorgestellt. Dabei ging es darum, traditionelle Rezepte zu veganisieren. Mein Leben besteht nicht aus Verzicht, fast alles lässt sich mit etwas Phantasie und Improvisationsfreude auf pflanzlicher Basis herstellen. Diese Aktion inspirierte mich, Omas Fliederbeersuppe nachzukochen und nach Jahrzehnten endlich wieder zu essen.
Die Zutaten
Die Suppe an sich ist schon vegan, nur die Klößchen enthalten im Original Ei zur Bindung. Aber auch da finden sich online vegane Rezepte. Ohne das Ei ist etwas Fingerspitzengefühl und Ausprobieren angesagt, damit die Klößchen nicht zerfallen. Ich würde etwas mehr Stärke verwenden als angegeben.
Die Suppe besteht immer aus Fliederbeersaft, Wasser, Äpfeln und Birnen, gewürzt mit Zimt und Nelken, gesüßt mit Zucker und gebunden mit Stärke. Die Klößchen werden aus Grieß, Margarine, Wasser und Stärke gemacht. In meiner Erinnerung waren sie auch selbst süß, also füge ich dem Kloßteig etwas Zucker zu.
Die Zutaten, ich hatte den Klößchen beim ersten Versuch noch etwas Kichererbsenmehl zugefügt.
Als ich letztes Jahr nach Ewigkeiten den ersten Löffel Fliederbeersuppe probierte, war das wie eine Reise mit der Zeitmaschine. Plötzlich war ich zurück versetzt in meine Kindheit. Was eigentlich eher eine Aktion zur Information Mitlesender war, tat mir auf der persönlichen Ebene richtig gut. Genauso wie diese Blogparade, die mich daran erinnerte, dass es wieder Zeit für eine Fliederbeersuppe ist 💜
Ich bin Ingrid sehr dankbar für die Anregung und gespannt, was noch alles an veganen Herbstsüßigkeiten zusammen kommt. Verbindest du auch ein süßes Herbstgericht (oder eine vegane Süßigkeit) mit schönen Erinnerungen?
Judith Peters hatte mal wieder eine Idee. Und natürlich habe ich mich mal wieder sofort zu der Challenge angemeldet, obwohl das Thema eine Überraschung werden würde. Und jetzt sitze ich hier und schreibe eine To-Want-Liste 2023 😄
Ich habe gefühlt schon alles ausprobiert:
ToDo-Listen aus Papier
ToDo-Listen elektronisch
Bulletjournaling in bunt und dekorativ
Bulletjournaling in minimalistisch
Mindmaps in verschiedenen Versionen
Nichts davon hat mich und/oder mein Leben organisierter gemacht. Ich habe eine Vermutung, woran es liegt, aber das ist eher eine Erklärung als dass es weiterhilft. Meine aktuelle Strategie ist: Nachsicht mit mir selbst, Neinsagen üben und immer wieder meine Prioritäten überprüfen.
Mein Ergebnis enthält ganz bewusst Punkte meiner Selbstfürsorgestrategie, viele Wohlfühlaktivitäten, ein paar heimlich eingestreute berufliche To-Wants und nichts, bei dem der listenscheue Teil in mir schon wieder über alle Berge flüchtet. Ein Mix aus öffentlicher Absichtserklärung und Wahrnehmen meiner grundlegenden Bedürfnisse. Und bewusst wild gemischt 😁
Was habe ich bis Silvester 23 vor?
Jeden Tag bewusst und absichtlich eine Runde Nichts tun. ✔
Im September war ich dran. Zunächst hat nur die Nase gekribbelt, dann bestätigte ein Schnelltest meinen Verdacht: SARS-CoV-2 hatte mich nach drei Jahren doch noch eingeholt. Das war für mich ein Anlass zur Bilanz. Und zwar darüber, ob und was die Menschheit aus der Pandemie gelernt hat.
Im Jahr 2020 war ich noch schwer beeindruckt: Die Menschen in meinem Wohnort rückten zusammen. Jedenfalls im übertragenen Sinn, während sie räumlich Abstand hielten.
Wir sollten kollektiv mit einem deutlichen Lernzuwachs aus der Erfahrung heraus gekommen sein. Je gründlicher ich mir die Sache anschaue, umso ernüchterter bin ich allerdings.
Wie kam es zu meiner Infektion?
Von steigenden Infektionszahlen hatte ich schon eine Weile gehört. Irgendwann würde ich wieder mit Maske unterrichten, beschloss ich. Im ÖPNV hatte ich nie aufgehört, eine zu tragen, beim Einkauf im Supermarkt hatte ich mich aber angepasst.
Und da bin ich beim Punkt: Ich war in allen möglichen Situationen die Letzte, die noch Maske trug. In den meisten Fällen wurde das wortlos hingenommen. In anderen Fällen wurde ich gefragt, ob ich die Maske aus Angst trage. Oder ob ich mich ohne unsicher fühle. Das finde ich gleichermaßen spannend wie frustrierend. Ich halte eher die Gründe gegen ein gewisses Level an Vorsicht für emotionsbasiert.
Ich bin es aus ein paar anderen Zusammenhängen gewohnt, von der Norm abzuweichen. In diesem Fall bin ich eingeknickt. Allerdings auch weil die Infektionszahlen im Mai 23 so weit gesunken waren. Zu Beginn des Schuljahres fiel es mir dann schwer, mich wieder in die Sonderrolle zu begeben. Gesellschaftlicher Druck ist auf die Dauer anstrengend.
Im September saß mir schließlich jemand einen Tag nach dem „negativen“ Test gegenüber. In einem relativ kleinen Raum mit mehreren Anwesenden. Da ich ansonsten im entscheidenden Zeitraum keine andere Gelegenheit dazu hatte, gehe ich davon aus, dass ich mich bei dieser Person angesteckt habe.
Was hatte mein Umfeld zu sagen?
Ich hatte einen „milden Verlauf“ und musste nicht ins Krankenhaus. So weit, so glimpflich. Ich hätte allerdings extrem gerne auf das Fieber verzichtet, auf den Schwindel und das Rauschen in den Ohren nach dem Treppensteigen, den tagelangen metallisch-bitteren Geschmack im Mund. Darauf, zwei Wochen lang nicht in Präsenz unterrichten zu können. Meinen Mann zum Geburtstag nicht umarmen zu können. Die Besuche meiner Schwester und meines Bruders an zwei Wochenenden hintereinander absagen zu müssen. Alles großenteils im Vergleich Luxusprobleme und alles extrem unnötig.
Was mich auch irritiert hat, waren die gut gemeinten Sprüche:
„Das wird bestimmt ganz schnell wieder, du lebst ja so gesund!“
Es scheint ein Bedürfnis nach Ausgleich zu geben. Wenn etwas Unangenehmes passiert, weisen manche Menschen mit Nachdruck auf das Positive daran hin. Ich habe irgendwann darum gebeten, dass die andere Person mich wahrnimmt und einfach validiert, dass Kranksein nicht schön ist und dass sie mit mir mitfühlt.
Für mich habe ich daraus etwas mitgenommen. Und zwar werde ich bei solch einer Gelegenheit fragen, was der betroffene Mensch gerne hören möchte: Ob er aufgebaut und ermutigt werden möchte, oder bestätigt bekommen möchte, dass das jetzt wirklich blöd ist. Denn eventuell bedeutet extra Fröhlichkeit die Botschaft: „Was du als unglückliche Lage empfindest, ist gar nicht so schlimm!“ Mich jedenfalls hat das zusätzlich belastet.
„Irgendwann erwischt es jeden, da kann man sich noch so vorsehen.“
Wir sind aktuell überhaupt nicht vorsichtig. Auch ich bin das Risiko voll eingegangen und habe eine Niete gezogen. Es ist unklar, wo diese Person sieht, dass sich Menschen aktuell im allgemeinen „vorsehen“. Wir verhalten uns, als wäre wieder der „Normalfall“ ausgebrochen. Obwohl die Verhältnisse faktisch nicht mehr sind wie vorher.
Wir ergreifen oft nicht einmal minimale persönliche Maßnahmen. Stattdessen nehmen nehmen wir es schicksalsergeben hin, dass wir immer mal wieder ein paar Tage bis Wochen flach liegen. Ist einfach so, business as usual, das Leben muss weiter gehen. Wenn jemand im Zug hustet, ist das nicht bemerkenswert.
„Zum Glück ist ja die neue Variante nicht so schlimm!“
Es stimmt im Vergleich. Ich musste nicht ins Krankenhaus. Die Intensivstationen sind auch nicht mehr so überfüllt wie in der Deltawelle. Als ich den erwähnten Schwindel und das Ohrenrauschen hatte, stand aber nicht 100% fest, dass das wieder weggehen würde, genauso wie die Geschmacksstörung und die Müdigkeit. Menschen, die vorher noch nicht infiziert waren, haben mit Omikron eine ca. 13%ige Chance auf längeres Anhalten der Symptome. Als Frau im Alter von 50 Jahren ist mein Risiko noch etwas höher.
Auch wenn Long COVID nicht lebensbedrohlich ist, viele Betroffene berichten davon, wie ihr Alltag davon auf den Kopf gestellt wurde und wie belastend es für sie ist. „Nicht so schlimm“ ist hier wirklich relativ. Aktuell bin ich bei drei Wochen nach dem ersten positiven Test und immer noch schnell erschöpft.
„Gutes Immunsystem!“
Diese Reaktion hat mich richtig erschüttert. Ein Bekannter kommentierte damit mein Testergebnis mit dem sattdunklen Strich beim T.
Er hatte sich echt gefreut. Ihm war an der Stelle komplett entfallen, dass so ein Schnelltest keine Antikörper nachweist, sondern Viren. Auf meinen Hinweis „korrigierte“ er sich mit den Worten „Ach nee, das war ja anders als beim PCR-Test“.
Jetzt ist nicht von allen zu verlangen, dass sie einen Grundkurs in Biochemie belegen. Vielleicht war es auch sein Bedürfnis nach ausgleichender Fröhlichkeit. Dass sich aber nicht verlässlich herum gesprochen hat, dass sowohl Schnelltests als auch PCR-Tests die Menge an Virenmaterial in den Atemwegen nachweisen und ein solches Ergebnis kein Grund zur Begeisterung ist, finde ich deprimierend.
Haben wir so wenig aus der Pandemie gelernt? Falls ja, erklärt das auch den laxen Umgang vieler Mitmenschen mit dem Gesamtproblem. Es mag ja sein, dass die Mehrheit das gar nicht mehr als Problem sieht, ich als Einzelperson muss dann eben gucken, wie ich mich dazu verhalte.
Was hätten wir aus der Pandemie lernen können?
Ein paar Dinge hätten hängen bleiben können. Teils geht es dabei auch nicht einmal um Faktenwissen, sondern um eine wirklich kritische Haltung. Nicht im Sinne von „Ich glaube erstmal gar nichts“, sondern „Ich habe eine Vorstellung, wo der Haken sein könnte.“ Was ich mir an allgemeinem Kenntnisstand wünschte, ist Folgendes:
Wahrscheinlichkeiten
Wir Menschen sind notorisch schlecht im Abschätzen von Wahrscheinlichkeiten. Das erkennen wir an der Beliebtheit von Glücksspielen, an der Furcht vor relativ sicheren Reiseoptionen wie dem Fliegen und am relativ sorglosen Umgang mit sehr risikobehafteten Dingen wie Zigaretten und Alkohol.
Diese Eigenschaft des menschlichen Gehirns auf dem Schirm zu haben, ist gerade im Umgang mit Infektionskrankheiten hilfreich. Ich erwähne das gerne und regelmäßig, wenn im Unterricht das Thema Wahrscheinlichkeitslehre dran ist. Wenn wir uns schon tendenziell leicht verschätzen, sollten wir uns dessen bewusst sein.
Das Immunsystem
Unser Immunsystem ist komplexer, als wir intuitiv annehmen. Gleichzeitig ist darüber eine Menge bekannt und es gibt Fachleute, die die wichtigsten Punkte unterhaltsam und verständlich erklären. Unter anderem die Ärztin Dr. Natalie Grams bei detektorFM und Dr. Moder auf youtube.
Weil die Zusammenhänge kompliziert sind, sind einfache plakative Antworten schwer möglich. Quellen, die hauptsächlich mit sehr einfachen und absoluten Aussagen arbeiten, sollten stutzig machen.
Von der Pandemie zur Endemie
Diese beiden Begriffe sind häufig zu hören. Worum geht es dabei überhaupt?
„Unter einer Pandemie versteht man die länderübergreifende, globale Verbreitung einer Infektionskrankheit. Die Pandemie steht damit im Gegensatz zur örtlich beschränkten Epidemie.“
„Unter einer Endemie versteht man eine Erkrankung, die nur in einer bestimmten Population bzw. in einer bestimmten Gegend auftritt. Die Krankheitsursache im Endemiegebiet (z.B. Parasiten) bleibt in der Regel ständig präsent und erfasst einen gewissen Anteil der dort ansässigen Individuen.“
Dr. Moder erklärte den Übergang von der Pandemie zur Endemie vor einem Jahr auf Youtube. In einer Pandemie sind ausnahmslos alle Beteiligten zunächst komplett unvorbereitet. Deswegen breiten sich die Erreger auch so schnell und global aus. Und deswegen werden auch in der Pandemiephase so viele Menschen schwer krank und sterben an der Infektion.
Damit ein Erreger endemisch wird, müssen sich genug Menschen oft genug damit infizieren. Oder oft genug geimpft werden. Der Preis für die Endemie sind einzelne Todesfälle und Menschen mit Langzeitfolgen der Infektion.
Krankheiten, die bei uns schon endemisch sind, wie zum Beispiel Erkältungsviren, lernt unser Immunsystem in jungen Jahren beim Erstkontakt kennen, daher gibt es praktisch keine Erwachsenen, die nicht ein gewisses Maß an Immunität haben.
Verlauf der Infektionszahlen mit der Zeit: Zu Anfang das pandemische, später das endemische Wellenmuster
Die Grippe ist ein Beispiel für eine Endemie. Es gibt saisonal immer wieder neue Virusvarianten. Außerdem sinkt die Immunität der Genesenen immer ein bisschen ab. Dadurch kommt es zu immer neuen Wellen, allerdings mit niedrigeren Spitzenwerten. Betroffen sind hauptsächlich Menschen mit schwachem Immunsystem undKinder, die zum ersten Mal mit dem Virus konfrontiert werden.
SARS-CoV-2 ist auch inzwischen für endemisch erklärt worden. Bedeutet das, dass es unproblematisch geworden ist? Hier sehe ich ein weit verbreitetes Missverständnis. Weil es nicht mehr so große Wellen geben wird, ist die Wirtschaft nicht mehr in nennenswerter Gefahr. Maßnahmen wie Lockdowns und breite Impfkampagnen sind vermutlich nicht mehr nötig.
Ob zukünftige neue SARS-CoV-2 Varianten immer harmloser werden (wie Erkältungsviren) oder ob sie wieder stärkere Symptome verursachen (wie Influenzaviren) werden wir in der Zukunft erst sehen müssen. Im Unterschied zu üblichen Erkältungsviren und Grippe ist SARS-CoV-2 noch nicht über Generationen etabliert. Deswegen ist der Endemiestatus keine einfach Entwarnung, sondern es bleibt komplex.
Folgen einer (oder mehrerer) Infektion(en)
COVID ist keine reine Atemwegsinfektion wie eine Erkältung. Das Virus kann Blutgefäße schädigen, z.B. in der Lunge und dadurch den Gasaustausch in den Lungenbläschen stören bis hin zu einer Blutvergiftung, falls sich Bakterien in der Lunge ansammeln.
Im Herz-Kreislaufsystem können Gerinnsel entstehen und dadurch Herzinfarkte und Schlaganfälle auslösen. Herz, Leber, Nieren und das Gehirnkönnen geschädigt werden. Auf welchem Weg und wie stark wird aktuell erforscht. Gesund.Bund.de (eine Initiative des Bundesministeriums für Gesundheit) bietet eine anschauliche Animation zu den Abläufen auf Zellebene an.
Erholt der Körper sich nicht wieder, stellen sich Spätfolgen ein. Bekannt ist das Phänomen Long COVID, eine Sammelbezeichnung für verschiedene Symptome, die mehr als vier Wochen nach Ansteckung anhalten. Für die betroffene Person bedeutet das eine drastische Veränderung des Alltags und Einschränkung der Lebensqualität. Gleichzeitig müssen diese Spätfolgen auch volkswirtschaftlich abgefedert werden.
Ein weiteres Video von Dr. Moder beschreibt, wie das neue Coronavirus in die Immunantwort eingreift. Es verhindert auf mehreren Wegen, dass die Immunzellen richtig arbeiten und die infizierte Zelle unschädlich machen können. Aktuell wird daran geforscht, ob und wie stark COVID-19 die am Immunsystem beteiligten T-Zellen schwächt. Die bisherige Datenlage sieht so aus, dass diese Zellen nicht nachhaltig beschädigt werden. Trotzdem haben immer wieder Genesene direkt im Anschluss Schwierigkeiten, mit anderen Erregern fertig zu werden.
Gegen Viren gibt es keinen 100%igen Schutz. Und auch hier gibt es keine einfachen, absoluten Antworten. Werden allerdings Masken korrekt und konsequent getragen, senken sie das Übertragungsrisiko. Im Vergleich mit anderen Maßnahmen sind sie leicht einsetzbar und auch wirksam, wenn andere Menschen nicht mitmachen. Allerdings steigt die Effektivität mit dem Anteil maskentragender Personen.
Team Vorsicht
Und dann gibt es noch Menschen mit Vorerkrankungen. Die Risikogruppen sind unter anderem durch chronische Organerkrankungen oder Krebs vorbelastet und/oder können sich zum Teil selbst nicht impfen lassen. Deswegen sind sie darauf angewiesen, dass sie sich nicht mit SARS-CoV-2 infizieren. Viele dieser Menschen haben sich mit dem Rückgang der verpflichtenden Maßnahmen immer stärker zurück gezogen. Auch Geschwisterkinder in sogenannten Schattenfamilien sind davon betroffen.
In den sozialen Medien finden sich Beiträge unter dem Hashtag #TeamVorsicht. Ein paar Menschen aus diesem Team haben eine Selbsthilfegruppe gegründet. Einige Erfahrungen, über die sie berichten, sind deprimierend:
„Da gibt es Kommentare wie ‚Verbring doch den Rest deines Lebens im Keller’“
Karen Braun
Vorsichtiges Verhalten nützt nicht nur uns selber. Ich würde mir wünschen, dass wir diese Menschen nicht weiter aus den Augen verlieren.
Zoonosen
Die meisten unserer Infektionskrankheiten haben wir von Tieren. Seit ein paar Jahren beschäftigt mich besonders das Thema der Zoonosen. Was wir als „normale Kinderkrankheiten“ zur Kenntnis genommen haben, als ich noch klein war, ist der Preis für die Nutzung von und das enge Zusammenleben mit Tieren. Heute wird immerhin dagegen geimpft.
Wo SARS-CoV-2 genau herkam, werden wir nicht mit Sicherheit herausfinden. Die Pandemien der Vergangenheitwaren allerdings mit größter Wahrscheinlichkeit zoonotisch. Und in unseren Mastanlagen und Pelzfarmen mutieren Viren und Bakterien vor sich hin und sind ein ständiges Risiko für zukünftige Pandemien. Ausführliche Informationen findest du unter anderem auf metipan.de.
Wenn ich mir ansehe, wie sorglos die Gesellschaft zum Beispiel mit der Entwicklung des Vogelgrippevirus umgeht und wie jeden Winter wieder Pelzbommel auf Mützen auftauchen, frage ich mich wirklich, was wir aus der Pandemie gelernt haben.
Für die Zukunft bin ich skeptisch. Offensichtlich kann ich mich nicht 100%ig auf das Verhalten meines weiteren Umfeldes verlassen. Auf der persönlichen Ebene werde ich also für mich sorgen und gleichzeitig muss ich mich wieder unabhängiger von den Reaktionen Anderer machen. Das heißt konkret, unter anderem in Gruppensituationen wieder mit Maske zu unterrichten.
Menschen in Risikogruppen nehmen eine traurige Botschaft mit: Unsere Sehnsucht nach Normalität ist wichtiger als eure Sicherheit und eure gesellschaftliche Teilhabe. Ich hätte mir gewünscht, dass vor allem dieser Punkt anders ausgegangen wäre.
Irgendwann wird ein weiteres zoonotisches Virus ausbrechen. Wir dürfen gespannt sein, ob wir dann trotz der Pandemiemüdigkeit anders damit umgehen werden oder ob wir einen großen Teil der Lektionen neu werden lernen müssen. Vielleicht werde ich aber auch überrascht sein davon, dass wir als Gesellschaft doch mehr aus der Pandemie gelernt haben, als es mir aus meiner aktuellen Situation heraus erscheint.
Was meinst du?
Was hältst du für wichtige Lektionen aus den vergangenen drei Jahren? Wie effektiv sind sie deiner Ansicht nach hängen geblieben? Und wie positiv blickst du in die Zukunft, was das Thema Zoonosen angeht?
De Minsch ward jümmers to fröh oolt un to laat klok!
Es ist Zeit für den Monatsrückblick September 23 nach der Anleitung von Judith Peters. Der August hatte sich noch so sanft angeschlichen. Im September bin ich dann alt geworden und hatte jede Menge Anlass zu lernen und zum Zusammenstellen einer kleinen Liste an Tipps und Empfehlungen. Aber eins nach dem anderen.
Was hatte ich vor und was ist daraus geworden?
Bloggen -> Ich bin weder zu Blogparadenbeiträgen, noch zu meinem ersten Artikel zum Klimathema gekommen.
Schwimmen gehen -> Das habe ich tatsächlich aus den Augen verloren und realisiere es jetzt erst wieder. Fluch und Segen dieser Monatsrückblicke: Ich sehe dunkelgrün auf weiß, was ich geplant hatte und kann mir Gedanken machen, was da gehakt hat.
Bücher von meinem Stapel lesen -> Ein Buch habe ich tatsächlich gelesen und das hat mich sehr bewegt.
Wieder ins Unterrichten im Nichtferienmaßstab reinkommen -> Der beste Beruf der Welt hat eine Menge Spaß gemacht, mich zum Ende hin allerdings erstmal außer Betrieb gesetzt.
Ein halbes Jahrhundert und kein Photo
Ich habe an zwei Blogparaden zum Thema Älterwerden teilgenommen. Da wird es nicht überraschen, dass ich dieses Jahr meinen fünfzigsten Geburtstag gefeiert habe. Es war anscheinend so viel los, dass ich überhaupt keine Photos davon habe.
Zum eigentlichen Termin gab es nur abends eine Pizza zu zweit. An einem Wochenende etwas später habe ich allerdings meiner Familie in Ostwestfalen Kuchen und Suppe serviert. Dass ich davon auch keine Bilder gemacht habe, kann ich gar nicht fassen. Vor allem meine Schwester ist in Foodpics normalerweise ganz vorne mit dabei. Allerdings habe ich bei der Gelegenheit auch meinen relativ neuen (und ersten) Großneffen kennengelernt. Insgesamt war unsere Aufmerksamkeit entsprechend doch woanders.
Trotzdem teile ich gerne die Rezepte: Es gab Nutellatorte, Brombeertorte und Zitronenkuchen, später Gulaschsuppe. Alles vegan und sojafrei. Vor allem letzteres war richtig spannend. Und bei der Gelegenheit habe ich zum ersten Mal Bake Even Strips ausprobiert. Trotz meiner Skepsis hatte damit der Tortenboden wirklich keinen Berg in der Mitte. Und das hätte ich tatsächlich mal photographieren sollen. In allen dekadenten Phasen der Entstehung der Nutellatorte 😍
Mein Tipp zum Tortenbacken: Der Kuchen sollte mit den Strips etwas länger backen, auf jeden Fall würde ich den Holzspieß am Rand einstechen. Da war er bei mir beim ersten Öffnen der Form noch etwas weich.
Mein Tipp zum Feiern eines 50sten Geburtstags: Genieße das Älterwerden. Lass dir nichts erzählen, weder geht davon die Welt unter, noch ist 50 das neue 18. Irgendwas in der Mitte, sowohl als auch und weder noch 😉
Klimastreik und Bahnchaos
Am 15.9. war wieder Globaler Klimastreiktag. Ich habe an der eher übersichtlichen Demo in Elmshorn teilgenommen. Und auch da waren ein paar Hundert Menschen anwesend. Zunächst gab es auf dem Alten Markt ein paar Ansprachen. Auch ein Vertreter von Amnesty International machte deutlich, dass der Umgang mit Klimaaktivist*innen in Deutschland eine bedenkliche Richtung eingeschlagen hat. Das hat mich gefreut, dass die unterschiedlichen Organisationen gegenseitig solidarisch sind.
Nach einer musikalischen Einlage zogen wir eine Runde durch die Stadt an der Krückau. Ich wurde zwischenzeitlich tatsächlich von einem frustrierten Autofahrer aufgefordert, doch „arbeiten zu gehen“. Dass die Realität noch immer nicht bei allen angekommen ist, zeigt mir, dass noch eine Menge Arbeit vor uns liegt.
Elmshorn hat vor einer Weile in ein neues Stadtmotto investiert. Die Meinungen dazu sind gemischt, auch Extra3 hat schon berichtet. Auf jeden Fall ist in und um Elmshorn herum großzügig in Magenta plakatiert, immer mehr oder weniger launige Sprüche zum Stichwort „supernormal“. Und manchmal greift die Bevölkerung dann zum Filzstift und fügt ein paar eigene Gedanken dazu 😉 Der Spaß war die 60.000€ ganz sicherlich mehr als wert.
Wer für das Klima demonstriert, fährt danach gerne mit Bus und Bahn nach Hause. Und an der Stelle war wieder für reichlich Unterhaltung gesorgt. Dieses Mal hakte alles am Stellwerk in Pinneberg. Als Konsequenz wurde eine Bahn nach der nächsten ganz schnöde abgesagt und das Volk stapelte sich auf dem Bahnsteig.
Später im September bin ich nochmal von Husum nach Hause mit der Bahn gefahren, und da war das Chaos eher noch größer als kleiner. Kurz darauf wollten meine Eltern mit dem Zug nach Berlin reisen, kehrten aber auf weniger als der Hälfte der Strecke wieder um, weil zwei Züge gebrannt hatten und deswegen alles geringfügig kniffelig wurde.
Die Stichprobe meiner Erhebung ist zwar sehr klein, ich denke trotzdem, dass das deutsche ÖPNV-System jetzt lange genug plattgespart worden ist. Wenn wir wollen, dass Menschen weniger mit dem Auto unterwegs sind, geht so ein Kuddelmuddel einfach nicht. Auch das sagt mir, dass ich die nächsten Klimademos wieder mitmachen werde.
Entschleunigen mit Omikron
Ich war so zufrieden mit mir. Gut informiert und aktiv in der Aufklärung. In Bus und Bahn meistens die Letzte mit einer Maske. Bis Mitte September 23 infektionsfrei. Und dann hat mich Omikron doch erwischt. Ich gehe davon aus, dass es beim Gruppenunterricht passiert ist.
Das Bild zeigt das Ergebnis acht Tage nach meinem ersten Test: Der Strich beim T ist dunkler als der beim C. Genau das Richtige für „geduldige“ Menschen wie mich.
Ich werde zu meinen Erfahrungen in den kommenden Tagen nochmal einen separaten Beitrag schreiben. Hier nur ein paar erste Eindrücke: Das war mein erstes und letztes Mal. Ich hatte kaum Erkältungssymptome, aber mir ging es wie unter einer Herde Elefanten heraus gezogen. Ich bin immer noch richtig schlapp und brauche keinen weiteren Kontakt mit diesem Virus.
Weil mein Mann noch seinen wohlverdienten Urlaub in Husum weiter verbrachte, habe ich alleine entschleunigt. Und festgestellt, dass es schon sehr früh eine Verfilmung von Margaret Atwood’s „The Handmaid’s Tale“ gegeben hat. Ich war sehr beeindruckt davon, wie dicht der Film emotional und atmosphärisch an der Romanvorlage ist. Nur der Anfang ist deutlich anders, die Geschichte steigt chronologisch weit vor dem Buch ein.
Bei der allgemeinen Kritik kam der Film nur mittelgut an, ich fand ihn richtig gut. Und inhaltlich immer noch mehr als relevant. Ich habe das Buch erst in den letzten Jahren in Rahmen eines Buchclubs gelesen und mich gewundert, dass das damals so an mir vorbei gegangen war.
Ansonsten habe ich eher meinem mentalen Zustand entsprechend, leichte Unterhaltung genossen. In folgendem Suchbild ist zu erkennen, dass auch meiner Katze „Enchanted“ richtig gut gefallen hat:
Was habe ich gelesen?
Bei einer Julwichtelaktion hat mir die liebe Britta ein Buch geschenkt. und zwar Jane Goodall’s Autobiographie „Grund zur Hoffnung“. Meine normale Tendenz ist tatsächlich eher der Blick auf alles, was nicht gut läuft, daher habe ich mich schon aufs Lesen gefreut. Das war jetzt wirklich dran.
Jane hat mir viel darüber erzählt, wie sie nach Tansania gekommen ist. Was ihr die Natur und die Tiere schon vorher bedeutet haben und wie es war, die Schimpansen in freier Wildbahn kennen zu lernen und zu beobachten. Sie streift dabei auch den zweiten Weltkrieg und seine Nachwirkungen, das Verhältnis von Wissenschaft und Spiritualität, unsere Sicht auf Frauen in der Wissenschaft, was wir Mitgeschöpfen alles zutrauen und was nicht.
Besonders spannend fand ich die Betrachtungen, wo unsere Tendenzen zur Gewalt und zur Mitmenschlichkeit herkommen. Wie viel davon wir mit unseren Primatenverwandten gemeinsam haben. Die Schimpansengruppen in Gombe haben sich in einem mehrjährigen Krieg untereinander ähnlich gnadenlos versucht auszulöschen, wie Menschen das tun. Nur haben wir mit unseren komplizierteren Gehirnen zu diesem Zweck effektivere Technik erfunden.
Jane Goodall bleibt hier aber nicht stehen, sondern erläutert ihre Gedanken über die Evolution des Menschen, die körperliche, die kulturelle und die geistige. Auch wenn ich nicht in allen Punkten mit ihr mitgehe, oder vielleicht genau deswegen, kam ihre Botschaft für mich genau richtig: Hoffnung und Schwung entstehen dabei, dass ich etwas mache. Etwas, was ich kann und was mir am Herzen liegt. Und es gibt berechtigte Hoffnung darauf, dass wir uns dann als Gemeinschaft in eine konstruktive Richtung entwickeln.
An dieser Stelle möchte ich die Roots & Shoots Organisation erwähnen und den wunderbaren Podcast „Hopecast“. Beide finde ich sehr inspirierend.
Und was war sonst noch los?
Wir waren, wie erwähnt, mal wieder in Husum. Der Schlossgarten ist nur mit Mühe wieder zu erkennen ohne den lila Krokusteppich:
Husum war schon immer vorne mit dabei, wenn es um regenerative Energien geht. Hier in der grauen Stadt am Meer sind auch die Stromkästen sonnig schön…
… und Sitzbänke bunt und weise.
Was habe ich im September 23 gebloggt?
Ich habe tatsächlich nur einen einzigen Blogbeitrag geschrieben. Aus Gründen der Regelmäßigkeit und der Accountability war mir dieser allerdings auch besonders wichtig.
Ich schreibe mit anderen Blogger:innen einen Monatsrückblick auf den August 23. Was war los? Was habe ich gelernt? Wie geht es im September weiter?
Was habe ich im Oktober 23 vor?
Meine geplante Liste mit Blogartikeln läuft mir schon mal nicht weg. 😁
Zusätzlich habe ich mich zum Blogtoberfest angemeldet. Judith Peters hat wieder etwas ausgeheckt, ich habe überhaupt keine Ahnung, was dahinter steckt, aber witzig wird es auf jeden Fall!
Ich habe mitbekommen, dass es zu einer Science-Fiction-Trilogie, die ich als Jugendliche gelesen habe, einen vierten Band zur Vorgeschichte gibt. Den habe ich bei medimops gefunden und schwelge schon in Nostalgie und Vorfreude!
Computerkram: Es gibt hinter den Kulissen hier und auf meinem englischen Blog noch eine Menge zu basteln, außerdem erinnert mich mein Computer schon längere Zeit daran, das Ubuntu-Update durchzuführen. Damit bin ich bis Ende Oktober garantiert gut beschäftigt.
Das war mein Monatsrückblick September 23. Für Oktober hoffe ich hauptsächlich darauf, dass mein Energiepegel wieder hoch geht. Bis dahin ist Schonen und Kräuterteetrinken angesagt.
Schreibst du auch mehr oder weniger regelmäßig Rückblicke? Was sind deine Erfahrungen damit? Hast du Hoffnung, für den Oktober, die Menschheit oder das ÖPNV-Netz?
Mehr Beiträge zum Thema Rückblicke findest du hier.
Es ist Zeit für den Monatsrückblick August 23 nach der Anleitung von Judith Peters. Nachdem ich den Juni habe ausfallen lassen, bin ich jetzt echt pünktlich dabei 😁 Mir ging es auch deutlich besser, obwohl gleich für das erste Augustwochenende eine 180°-Planänderung anstand.
Im Juli habe ich mich noch gefragt, wie um Himmels willen ich mich effektiv entblockieren soll. Im August floss das Leben dann wieder fast von selbst. Wie genau, kann ich auch nicht sagen, es hat viel mit der Gleichzeitigkeit von Aktivität und Absichtslosigkeit zu tun, von der ich manchmal überzeugt bin, dass ich sie nie meistern werde. Zu anderen Zeiten gehe ich fest davon, dass sie gar nicht meisterbar und nur ein Mythos ist. Vermutlich stimmt beides. Und sehr wahrscheinlich stimmt beides gleichzeitig auch nicht 😉
Nach den ruhigen Sommerwochen wieder mehr Nachhilfestunden geben -> Ich genieße es, wie fließend dieser Übergang immer ist. In den Sommerferien sind meine Stunden sehr reduziert, dann kommt in der letzten Ferienwoche der Intensivkurs und wenn das Schuljahr wieder losgeht, ruckelt sich alles allmählich zurecht.
An einer weiteren Blogparade teilnehmen ->Der Artikel im August hat mir sehr gut getan. Und ich habe auch sehr erfreuliches Feedback dazu bekommen.
Über die Klimakrise schreiben -> Der erste Beitrag dazu ist angefangen, aber noch nicht fertig. Das Thema will eigentlich raus, ist gleichzeitig noch in der Sortierphase.
Noch zwei Comics. Die habe ich sogar zusätzlich gekauft 😬
Der Plan war, dass der Bücherstapel kleiner wird. Dann stolperte ich über die Nachricht, dass es per Crowdfunding eine Graphic Novel von Good Omens geben wird. Langer Rede, kurzer Sinn: Ich habe noch zwei weitere Bücher extra gekauft. Immerhin gebraucht.
Um diesen Comic richtig zu genießen, ist es hilfreich, die Serie und am besten auch den Kinofilm gesehen zu haben. Im Groben geht es um ein kleines Team, das in einem Raumschiff mal mehr mal weniger legale Aufträge erledigt und dabei immer wieder mit den Behörden aneinander gerät. Im Film haben sie bis dahin geheime und erschreckende Tätigkeiten des Alliance-Regimes aufgedeckt. Der Comic schließt an diese Geschichte an.
Das Buch ist 2014 erschienen, und gleichzeitig sind die einleitenden Seiten verblüffend aktuell. Die Alliance versucht nach Kräften mit Fernsehpropaganda und Polizeieinsatz diejenigen aus der Bevölkerung zurück zu drängen, die protestieren und Antworten fordern. Dabei wird ganz klassisch das Framing so gedreht, dass die Protestierenden zu Terrorist:innen und die Entdeckung der Serenity-Crew zum Hoax erklärt werden.
Es tauchen überraschend ein paar alte Charaktere wieder auf, während auch spannende neue Figuren eingeführt werden. Plot und Tempo sind gut balanciert und ich freue mich immer, wenn Geschichten, die ich in Filmform geliebt habe, in Papierform weiter gesponnen werden. Ich habe mir jedenfalls sehr zum Kauf dieses Buches gratuliert.
Der Roman ist einer meiner Lieblingsbände aus der Discworldreihe. Die Prämisse dahinter ist, dass Gottheiten durch Glauben und religiöse Tätigkeiten ihrer Anhänger:innen größer oder kleiner werden können. Manche von ihnen sind nur noch ganz kleine Überbleibsel, die irgendwo in der Wüste rumschwirren. Werden sie dort von einer geeigneten Person aufgeschnappt, können sie mit Glück die Stiftung einer neuen Religion bewirken und wieder zu mehr Einfluss kommen.
Der Mönch Brutha ist ein unfreiwillig Auserwählter. An ihm wird von verschiedenen Seiten gezerrt, einerseits von Om, einem stark geschrumpften Gott im Körper einer Schildkröte, und andererseits von den omnianischen Priestern, die ihre Religion auf eigenen Vorstellungen basiert ausgebaut und Om dabei praktisch raus gedrängt haben.
Im Laufe der turbulenten Geschichte lernen die Beteiligten eine Menge über Glauben, Gerechtigkeit, Krieg und Frieden, Macht und gegenseitiges Verständnis. Manche lernen allerdings auch zu spät oder gar nichts. Pratchett serviert dabei keine einfachen oder plakativen Antworten, dafür eine große Portion Humor.
Ray Friesen hat den Roman sehr angemessen transformiert. Was ich an dem Comic bemerkenswert finde, ist der Zeichenstil, der gleichzeitig sanft und fast naiv ist, und auf der anderen Seite nicht vor drastischen Bildern zurückschreckt. Die Graphic Novel könnte vom Coverbild her als Kinderbuch durchgehen und ein bisschen wie bei Barbie kommt die Message dann durch den Seiteneingang daher.
Wacken 2023
Ich hatte mir extra einen aufblasbaren Sessel zugelegt.
2015 war schon mal ziemlich Landunter in Wacken. Damals konnten wir auch nicht mehr auf das Campinggelände, stattdessen sind wir jeden Tag nach Itzehoe gefahren und wurden von dort aus mit dem Shuttlebus abgeholt.
Dieses Jahr waren die Wassermassen so extrem, dass die Veranstalter irgendwann die Reißleine ziehen mussten und darum gebeten haben, gar nicht mehranzureisen. Ich war unter denjenigen, die sich an diese Bitte gehalten haben. Einerseits habe ich damit das Festival verpasst, auf dem immerhin noch ca. 60000 von 80000 Menschen gefeiert haben. Andererseits hatte ich auch nicht super viel Lust darauf, meinen Rollenkoffer durch knietiefen Schlick zu zerren.
Im August 23 wollte ich zum ersten Mal ganz alleine zum WOA und das auch noch mit Bus und Bahn. Um keinen Klappstuhl schleppen zu müssen, hatte ich extra einen Luftsessel besorgt, die bequeme Lehnenvariante für mittelalte Metalfans. Bei einigermaßen normalem norddeutschem Sommerwetter hätte das alles richtig schön klappen können.
Am Ende habe ich zum ersten Mal seit 2009 die Konzerte nicht vor Ort sondern bei Magenta verfolgt. Das war schon ein bisschen traurig. Positiv an der Geschichte war, dass ich zu einem günstigeren Preis ein Ticket für 2024 bekommen habe. Jetzt hoffe ich sehr darauf, dass es nächstes Jahr den Sommer über etwas gleichmäßiger regnet, sowohl für meinen Garten als auch für mein Freiluftentertainment.
Wandern in der Heide, jetzt mit extra Farbe
Im Juli sind wir schon einmal nach Neugraben gefahren, um von dort aus auf dem Heidschnuckenweg zu gehen. Die Landschaft hat uns sehr gut gefallen, allerdings hatte das Heidekraut damals gerade erst ganz zart angefangen zu blühen.
Bei der Gelegenheit hatte ich mir vorgenommen, mir die Situation ein paar Wochen später noch einmal anzusehen und wurde reich belohnt. Auf den Bildern kommt das Lila gar nicht so intensiv rüber, wie es im Original war. Alleine bin ich deutlich weiter gewandert, allerdings war das Wetter sehr sonnig und warm. Als ausgemachte Schattenpflanze habe ich einfach meinen Regenschirm aufgespannt. Komisch, dass ich damit die Einzige war 😆
Heideblüte schräg.Heideblüte horizontal.
Heideblüte aus der Nähe.Sonnenschutz ist wichtig.
Diese Landschaft ist wirklich traumhaft. Sich ein paar Stunden in so ein Meer aus Lila zu begeben, tat meiner Seele und meinen Nerven richtig gut. Nächstes Jahr werde ich mir das auch wieder gönnen, und zwar bei der Husumer Krokusblüte im März und In der Heide im August.
Mal das andere Meer besuchen
StrandStrandbevölkerung
Reetdachhäuser
Ende August haben wir eine Freundin und einen Freund besucht. Die beiden waren im Urlaub an der Ostsee. Ich persönlich bin ja immer eher auf die Nordsee eingestimmt. Die ist etwas rauher und die Landschaft ist so schön flach und weit. Dass ich als Kind so oft meine Ferien da verbracht habe, trägt sicher zu dieser Vorliebe bei.
Allerdings habe ich mal wieder festgestellt, dass so ein relativ plüschiges Meer ohne große Gezeiten auch toll ist. Die Häuser und Möwen dort sahen auf jeden Fall ziemlich aus wie gewohnt. Und ich bin tatsächlich seit Jahren das erste Mal wieder geschwommen. In den letzten Jahren hatte ich keine Lust auf Hallenbad und im See hat es sich nicht ergeben.
Und was war sonst noch los?
Das Gesicht im Mond. Manche schrägen Ideen aus dem Netz muss ich einfach direkt umsetzen. (Das Original ist allerdings von 2014)Gorgonzolakürbis aus meinem Garten. Ich bin sehr verliebt.Blick aus unserem Dachfenster. Für August war teils ganz schöner Morgennebel.
Ich schreibe mit anderen Blogger:innen einen Monatsrückblick auf den Juni und Juli 23. Was war los? Was habe ich gelernt? Wie geht es im August weiter? Weil ich mir im Juni so im Weg gestanden habe, gab es diese beiden Monate nach großem Aufraffen im Doppelpack und mit Verspätung.
Meine Antwort auf die Blogparade #DieZukunftIsstVegan von Sandra Hoppens. Warum ich vegan lebe, wie mein Weg war und warum das alles für unsere Zukunft so wichtig ist.
Was habe ich im September 23 vor?
Ich habe mir die Liste der Blogparadenvon Judith Peters‘ Content Society abgespeichert. Die sind zwar alle im Herbst 2022 abgelaufen, aber einige der Themen sprechen mich so sehr an, dass ich mich davon inspirieren lassen will.
Schwimmen gehen. Mir hat das Planschen in der Ostsee so gut getan, dass ich dem See in der Nähe mal einen Besuch abstatten will. Oder auch mal wieder ins Hallenbad fahren.
Klimaartikel schreiben. Ich habe aktuell einen davon schon angefangen, allerdings noch eine kleine Liste mit Einzelthemen im Kopf. Am 15.9. ist übrigens der Globale Klimastreik 2023. Vermutlich fahre ich dafür eher nach Elmshorn als nach Hamburg, da wird es wahrscheinlich nicht so voll sein.
Ich habe tatsächlich wieder mal eine Schülerin, die nicht in Mathematik sondern in Chemie und Bio Unterstützung braucht. Das ist eine schöne Abwechslung und ein guter Anlass, in diesen Fächern nicht einzurosten.
Das war mein Monatsrückblick August 23. Das Konzept „Nachsicht mit mir selbst“ geht ganz gut auf und der Übergang vom reduzierten Sommerferienmodus zu meiner Version von „Volldampf“ war dieses Mal richtig sanft und mitnehmend.
Schreibst du auch mehr oder weniger regelmäßig Rückblicke? Was sind deine Erfahrungen damit? Wie geht es dir mit dem Thema Veganismus?
Mehr Beiträge zum Thema Rückblicke findest du hier.
Zunächst habe ich 17 Jahre lang vegetarisch gelebt. 1995 habe ich nach einer Fernsehdiskussion über Tiertransporte mit Manfred Karremannbeschlossen, kein Fleisch mehr zu essen, weil ich glaubte, das wäre ein effektiver Beitrag gegen das dokumentierte Tierleid.
Erst 2012 wurde mir mein Irrtum klar. Und zwar durch eine weitere Talkshow mit Herrn Karremann über Legehennen. Und dass die Probleme (z.B. Kükentöten oder Schnabelkürzen) im System an sich liegen und nicht am auf dem Etikett ausgelobten Maß an „Tierwohl“.
Eine Recherche über die Auswirkungen von Milchkonsum auf die betroffenen Tiere (z.B. die männlichen Kälber) sorgte dafür, dass ich komplett auf vegane Ernährung umstellte.
Mein Einstieg in den Veganismus war also mein Bedürfnis nach Gerechtigkeit. Inzwischen sind Umwelt und Klima weitere wichtige Motivationen.
Gesundheitsapekte sind für mich persönlich weniger von Bedeutung. Allerdings bin ich Teil einer Gruppe, die über den Zusammenhang zwischen der Tierhaltung und zoonotischen Infektionskrankheiten aufklärt.
Was ist veganes Leben überhaupt?
Meine Definition von veganem Leben schließt sich dem Original an. Die ursprüngliche Bedeutung von Veganismus deckt für mich am plausibelsten und lebensnächsten ab, worum es mir geht:
„Veganism is a philosophy and way of living which seeks to exclude—as far as is possible and practicable—all forms of exploitation of, and cruelty to, animals for food, clothing or any other purpose; and by extension, promotes the development and use of animal-free alternatives for the benefit of animals, humans and the environment. In dietary terms it denotes the practice of dispensing with all products derived wholly or partly from animals.“
Veganes Leben ist also mehr als nur pflanzliche Ernährung. In sehr vielen Produkten des täglichen Lebens stecken unerwartete tierische Anteile. Es geht auch nicht darum, zu 100 % Tierleid auszuschließen, sondern sich so weit es machbar ist, dem Ideal anzunähern, Tiere nicht auszubeuten. Weil wir in einem nichtveganen System leben und auch weil das Leben von Tiere in der freien Natur nicht leidfrei ist, ist alles andere illusorisch.
Die Entwicklung und Unterstützung von Alternativen ist auf dem Weg entscheidend. Die wenigsten von uns möchten gerne die komplette Askese leben. Und dazu gibt es auch keinen Grund, denn es werden immer mehr Produkte und Konzepte entwickelt, mit denen wir Kleidung, Nahrung, Unterhaltung oder andere Dinge genießen können, ohne dafür Tiere halten zu müssen. Wer auf ein pflanzenbasiertes Leben umstellt, darf sich das so schön und leicht wie möglich machen.
Was hat veganes Leben mit Verzicht zu tun?
Aus meiner persönlichen Erfahrung heraus wenig bis nichts. Ich habe 2012 die letzten zwei Stücke Käse aus dem Kühlschrank noch aufgegessen, und schlimme Entzugserscheinungen befürchtet. Er ist für sehr viele Menschen der letzte Schritt auf dem Weg. Fast alles schmeckt überbacken leckerer, jedenfalls sind die meisten von uns darauf konditioniert.
Meine Tipps zum Thema Käse:
Wenn ich versuche, ihn 1:1 zu ersetzen, ist die Enttäuschung oft vorprogrammiert. Sinnvoller ist es, ganz neue Produkte oder Kombinationen zu finden, die auch und anders lecker sind.
Wichtig ist eigentlich das Geschmackserlebnis Umami. Das lässt sich auch durch gutes Würzen erreichen.
Mit Hefeschmelz oder der Sauce eines vielzitierten Mac-and-Cheese-Rezeptes lassen sich Gerichte lecker überbacken. Hefeflocken sind der Gamechanger.
Sandwiches lassen sich mit Tofu in Scheiben belegen oder mit einer der unzähligen Aufstrichsorten bestreichen, am liebsten mit Hummus.
Besonders toll an den vielen veganen Menschen ist ihre Kreativität. Wer sich eine Alternative zu einem Rezept wünscht, wird mit großer Wahrscheinlichkeit online einfach mit der Suchformel „Rezeptname vegan“ fündig oder unter dem Hashtag #veganmakeit. Als ich noch auf Twitter war, habe ich im Rahmen dieser Aktion zum Beispiel den folgenden Nachtisch entwickelt.
Old English Trifle pflanzenbasiert
Ob die Umstellung sich letztlich nach Verzicht anfühlt oder nicht, liegt weniger in der Natur der Sache, und hauptsächlich in der Haltung und Motivation der jeweiligen Person. Wenn ich mich schwerpunktmäßig aus Gesundheitsgründen oder der Umwelt zuliebe für pflanzliche Ernährung interessiere, vermisse ich tendenziell manche Dinge stärker.
Ich erlebe mich als Teil einer Gerechtigkeitsbewegung. Seitdem sehe ich manche Dinge gar nicht mehr als Lebensmittel. Am Ende hilft auch die Zeit und etwas Geduld und Nachsicht mit sich selbst.
Oft höre ich die Frage, warum es vegane Würstchen geben muss. Oft von den gleichen Menschen, die von sich sagen, sie könnten nicht vegan werden, weil sie nicht auf Würstchen verzichten möchten. Dass sie den Widerspruch dazwischen nicht sehen, wird für mich immer faszinierend bleiben.
Genau zu diesem Zweck existieren vegane Convenienceprodukte: Damit Menschen nicht ohne Not verzichten müssen.
Wie sieht es mit meinem Umfeld aus?
Als Vegetarierin bin ich nur selten auf Widerstände gestoßen. Kein Fleisch zu essen wird relativ bereitwillig akzeptiert. Als Veganerin wurde es zunächst komplizierter, auch weil ich in einer ländlichen Region lebte, in der Nudeln mit Shrimps im italienischen Restaurant schon unter „vegetarisch“ durchgingen.
Ich war in meinem Bekanntenkreis die einzige Veganerin. Selbst mein Mann lebte nicht einmal vegetarisch. Wir haben uns gegenseitig nicht reingeredet und wenn ich mal einen Kuchen mitbrachte, kam das immer gut an. Ich fühlte mich aber trotzdem immer etwas außerhalb.
Ich wollte auch mein privates Umfeld nicht mit meinen ethischen Bedenken behelligen. In meiner Familie sind noch ein paar mehr Personen auch vegan, allerdings leben sie alle weit entfernt.
Der Umzug nach Halstenbek hat einiges leichter gemacht. In Hamburg habe ich Anschluss an eine Gruppe für Straßenaktivismus gefunden. Nicht ganz so alleine zu sein, macht für das Lebensgefühl eine Menge aus.
Im Gespräch mit einem netten Menschen in der Hamburger Innenstadt.
Durch die Begegnung und die Gespräche mit den Menschen auf der Straße habe ich eine Menge gelernt über gesellschaftliche Veränderungen, psychologische Phänomene wie kognitive Dissonanz und Reaktanz und generell über Landwirtschaft und Ernährung.
Ich beschäftige mich seitdem insgesamt mehr mit Gerechtigkeit, auch in anderen Zusammenhängen. Ich habe angefangen, regelmäßig demonstrieren zu gehen und sogar selbst Demos angemeldet.Auf jeden Fall beschäftigt mich das Thema immer noch genug, um mich sehr über diese Blogparade zu freuen.
Welche Stolperfallen sind möglich?
Ich habe selbst keine Allergien. Bei meiner Mutter sehe ich, wie einschneidend es ist, stark auf kleinste Spuren von Soja zu reagieren. Vor Menschen, die Unverträglichkeiten haben, und trotzdem vegan leben, ziehe ich meinen Hut. Sich rein pflanzlich zu ernähren ist definitiv für manche Menschen schwieriger als für mich.
In meinem Outreach erlebe ich auch immer wieder Jugendliche, die gerne vegan wären, deren Eltern allerdings dagegen sind. Es gibt noch mehr Menschen, die relativ wenig darüber entscheiden können, welche Art Produkte sie konsumieren. Auch in diesen Fällen habe ich großen Verständnis, dass ein Abhängigkeitsverhältnis veganes Leben schwierig bis unmöglich macht.
Auf jeden Fall sollte sich niemand ohne jegliche Informationen ins Abenteuer stürzen. Eine solide Grundlage in Makro- und Mikronährstoffen ist wichtig, nebenbei bemerkt allerdings auch für nichtvegane Menschen. Genauso sollte sich niemand auf Mythen über Vitamin B12 verlassen und damit einen Mangel mit irreversiblen Nervenschäden riskieren. Niemand profitiert von solchen Experimenten, besonders nicht die Tiere.
Warum ist eine pflanzenbasierte Ernährung so existenziell wichtig?
Es gibt dafür eine Reihe Gründe. Von den ethischen Bedenken rund um die Tierhaltung mal abgesehen geht es um Folgendes:
Um Tierprodukte zu erhalten, brauchen wir pflanzliches Futter. Durch den sogenannten „Veredelungsverlust“ braucht tierbasierte Ernährung braucht immer mehr Land, mehr Dünger und je nachdem, von welchen Pflanzen wir uns ernähren, oft auch mehr Wasser. Länder wie Deutschland beanspruchen große Flächen Land in anderen Regionen. Mit einer pflanzenbasierten Ernährung könnten wir das reduzieren.
Nahrung für Mensch oder Nutztier?
Daraus entstehen Probleme wie Landgrabbing und Konflikte um Wasser in jetzt schon dürren Regionen. Je mehr wir uns zur Produktion von Nahrung und Futterpflanzen ausbreiten, und je mehr die globale Temperatur steigt, umso mehr beschleunigt sich auch das Artensterben.
Die EAT Lancet Kommission hat die sogenannte Planetary Health Diet erarbeitet. Diese Ernährung berücksichtigt unsere Ressourcen, Ernährungstraditionen und eine bedarfsdeckende Zusammensetzung. Sie sieht drastisch weniger Tierprodukte vor als heute durchschnittlich üblich.
Je höher der Anteil an Pflanzen in unserer Ernährung ist, umso weniger tragen wir zur Klimaerwärmung bei. Auch Milchprodukte sorgen im Vergleich für relativ hohe Treibhausgasemissionen. Deswegen ist eine lacto-vegetarische Ernährung für das Klima tatsächlich nicht die beste Lösung.
In Schlachthöfen zu arbeiten, ist körperlich und psychisch belastend, besonders der Schlachtprozess an sich. In der frühen Zeit der Coronapandemie waren die teils erschreckenden Arbeitsverhältnisse plötzlich häufig in den Nachrichten.
Seitdem sind hoffentlich die Auswüchse des Subunternehmertums zurück gegangen. Die grundlegenden Probleme (u.a. Kälte, harte Arbeit, geringe gesellschaftliche Wertschätzung und Fachkräftemangel) sind allerdings systemisch begründet.
Zusammenwirken der Faktoren
Einige dieser Problemfelder hängen zusätzlich noch komplex miteinander zusammen. Mit anderen Worten: Die Umstellung auf eine pflanzenbasierte Ernährung ist ein Hebel, der an mehreren Stellen gleichzeitig die Zukunftsaussichten der Menschheit verbessern kann.
Um unsere Zukunft zu schützen, ist jede Reduktion ein Schritt in die richtige Richtung. Jedes eingesparte Gramm CO2 hilft. Aus Sicht des individuellen Tieres ist dagegen eine vollständige Reduktion ideal.
Hier liegt der Unterschied zwischen veganem und pflanzenbasiertem Leben, zwischen ethischer Motivation und Umweltschutz. Allerdings ist es auch aus Klimasicht logisch am besten, wenn die maximal mögliche Menge Treibhausgase eingespart wird.
Aktuell bin ich eher skeptisch, was die Zukunftsaussichten der Menschheit angeht. Diverse Krisen stapeln sich und wir handeln, wenn überhaupt, ziemlich unentschlossen. Eine Umstellung auf Pflanzenkost ist nicht das Einzige, was wir machen sollten. Gleichzeitig ist sie individuell gesehen für die meisten von uns einfach und schnell umzusetzen.
Auf der anderen Seite sehe ich, dass sich langsam Dinge bewegen. Dass Zusammenhänge bekannter und bewusster werden. Alleine, dass Sandra zu dieser Blogparade #DieZukunftIsstVegan aufgerufen hat, gibt mir wieder mehr Hoffnung.
Solange ich es kann, werde ich meinen Teil dazu beitragen, dass Menschen in meinem Umfeld bestmöglich informierte Entscheidungen treffen können. So wie mit diesem Artikel, der noch deutlich länger hätte werden können, hätte ich mich nicht so tapfer auf die allerwichtigsten Punkte beschränkt 😉
Wie sieht es bei dir aus, machen dir die aktuellen Krisen Sorgen? War dir bewusst, wie umfassend sie auch von der Tierhaltung beeinflusst werden? Wenn du selbst nicht vegan lebst, was bräuchte es, damit der Weg dorthin für dich wünschenswert und ein bisschen leichter wäre?
Wie kann ich in trockenen Zeiten meine Wurzeln gießen?
Es ist Zeit für den Monatsrückblick Juni und Juli 23. Schließlich fängt morgen schon das dritte Augustdrittel an. Und weil ich im Juli keinen Rückblick geschrieben habe, gibt es jetzt den Doppelpack. Die Anleitung ist von Judith Peters und seit März 23 ist dies die vierte Ausgabe. Dieses Mal war es ein größeres Aufraffen als in den Monaten zuvor, gleichzeitig ist es mir ein Anliegen, die Regelmäßigkeit nicht aufzugeben.
Die Sommerzeit mit ihren hohen Temperaturen war schon immer eine Herausforderung für mich. Anfang Juni wurde mir das trockene heiße Wetter dann deutlich zu viel. Auch der Regen ab der zweiten Junihälfte hat mich nur zum Teil aus der Stimmungsdelle gezogen. Um wenigstens etwas Konstruktives daraus zu machen, habe ich darüber geschrieben, wie Selbstblockade bei mir funktioniert. Am Ende war es aber eine Heldin aus den Sechzigern, die mir mit ihrer Suche nach ihrer Bestimmung unerwartet den Sommer gerettet hat.
Was hatte ich vor und was ist daraus geworden?
Die Reihe über Oberstufenmathematik weiterschreiben. -> Hat sich als nicht dringend genug herausgestellt. Hauptsache, ich schreibe diese Serie vor den Abiturklausuren 2024 😉
Wieder zwei Bücher pro Monat lesen, vielleicht auch mehr. -> In zwei Monaten bin ich auf drei Bücher gekommen. Wobei eins davon schon ziemlich klein war 😆
Wieder wenigstens die deadlinesforwriters-Kurzgeschichten schreiben und termingerecht hochladen. -> Nein.
Ansonsten Nachsicht mit mir üben. Habe ich ja jetzt als meine Bestimmung festgelegt. -> Ja.
Das Buch von Petra Bock hatte mir vor Jahren eine Freundin zum Geburtstag geschenkt. Im Juni war der Zeitpunkt einfach passend. Am vorgestellten Konzept gefällt mir, wie alltagstauglich und gleichzeitig fundiert es ist.
Petra Bock präsentiert plausible historische Ursachen dafür, warum Menschen sich generell selbst im Weg stehen. Ihre unterschiedlichen Strategien für effektiven Mindfuck kann ich gut nachvollziehen und in meinem Leben wiederfinden. Ihr Ansatz basiert sehr stark auf innerer Versöhnung und Neuausrichtung der Perspektive auf uns, die Welt und das Leben.
Ich übertreibe und verkürze jetzt ein bisschen. Allerdings machen mich Erfolgsgeschichten der Art
„Nachdem meine Klientin den Satz XY ausgesprochen hatte, enspannte sich ihr Leben und sie konnte auf sehr erwachsene Art erfolgreich ihre Probleme lösen“
skeptisch. Natürlich steckt jeweils eine längere Übungsphase neuen Verhaltens dahinter. Und vielleicht ist es meine Art von Mindfuck, dass ich da von der Message des Buches etwas abziehe.
Grundsätzlich nehme ich allerdings eine Menge mit. Es war eine Art Auffrischungskurs: Die Ausrichtung an mehr Lebensqualität, mehr Neugierde, mehr „und“ statt „aber“, mehr innerem Frieden ist immer eine gute Idee.
Das kleine Buch ist der Text einer Rede von Terry Pratchett, die er anlässlich der Richard Dimblebly Lecture 2010 gehalten hat. Tatsächlich hat er selbst die Rede geschrieben und die einleitenden Worte gesprochen. Tony Robinson hat anschließend den größten Teil der Rede in Vertretung vorgetragen.
Pratchett war an Alzheimer erkrankt. Er erzählt hier davon, wie er mit den immer neuen Symptomen und Einschränkungen umging, wie er sich mit seinem nahenden Tod beschäftigte und wie er sich dafür einsetzte, selbstbestimmt sterben zu dürfen. Ein komplexes und wichtiges Thema.
Ich bin großer Fan seiner Romane. Terry hat mich sehr damit beeindruckt, wie sein berühmter Humor ihn auch durch diese Lebenssituation getragen hat. Wie er darum gekämpft hat, bis zum Ende ein Leben in Würde zu leben. 2015 starb er. Ich bin froh, dass Terry Pratchett gelebt und mein Leben so bereichert hat.
Gelesen im Juli
Was ist eigentlich Faschismus?
Die Frage klingt so einfach, oder nicht? Der Podcast „Terra X History“ machte mich auf diesen Comic aufmerksam. Mirko Drotschmann erklärt in einer Episode ausgehend vom Kampfbegriff „Klimafaschisten“, was Faschismus ist und was nicht. In den Shownotes war der Comic aus der Schriftenreihe der Bundeszentrale für politische Bildung (BPB) verlinkt.
Im Geschichtsunterricht haben wir natürlich die Entstehung des Nationalsozialismus besprochen. Die Historikerin Lena Berggren stellt das Konzept hier allerdings noch einmal sehr systematisch vor. Sie vergleicht die Ausprägungen in verschiedenen Ländern und berichtet ausführlich über die aktuelle Entwicklung in ihrer Heimat Schweden.
Ich habe schon immer gerne Comics gelesen. Kalle Johansson schafft mit seinen Bildern eine sehr eingängige und eindrückliche Darstellung der Eigenschaften faschistischer Systeme. Durch den Comic habe ich nochmal ein ganz neues Verständnis bekommen. Dafür, welche Umstände Faschismus begünstigen und was er will. Die 1,50€ waren definitiv gut investiert. Bei der BPB ist es nicht mehr verfügbar, sondern jetzt beim Verlagshaus Jacoby Stuart.
Dass ich mir im Juni und Juli so im Weg stand, hat Gründe. Unter anderem habe ich die erste Junihälfte meinem Garten beim Vertrocknen zugesehen. Ich habe mit mir einem Kompromiss ausgehandelt, welche Pflanzen ich in Maßen gießen wollte und welche mit dem Regenmangel ohne mich klar kommen sollten. Für Hobbyzwecke Leitungswasser zu verprassen habe ich nicht übers Herz gebracht.
Letztes Jahr habe ich einen Johannisbeerstrauch gepflanzt. Insgesamt hat er ungefähr zwanzig Beeren getragen. Mein kleiner Garten ist für mich eher zur Beobachtung der Wunder der Natur da als zur Selbstversorgung. Meine kleinen Sorgen sind daher nichts gegen die massiven und zunehmenden Probleme der Landwirtschaft, die finanziell vom Ernteerfolg abhängig ist und die auch unsere Nahrungssicherheit gewährleisten soll.
Die komplette Johannisbeerenernte 2023
Meine magere Beerensituation hat mir sehr drastisch vor Augen geführt, wie hauchdünn der Puffer zwischen unserer Zivilisation und echten Existenznöten ist. Als in der zweiten Junihälfte dann endlich Regen fiel und meine Tonne wieder füllte, war ich erleichtert und gleichzeitig immer noch deprimiert. Denn wir sehen eigentlich in unserer direkten Umgebung und in den globalen Nachrichten, wie sich das Klima verändert. Und was das jetzt schon für Konsequenzen hat. Gemessen daran ist die Reaktion der Gesellschaft immer noch gespenstisch träge und ruhig.
Endlich Regen
Arboretum Ellerhoop
Im Juni waren wir mal wieder im Arboretum Ellerhoop. Das ist eine 3,5 Hektar große Parkanlage im Kreis Pinneberg, die unter anderem Im „NDR-Fernsehgarten“ präsentiert wurde. Es gibt Themengärten in verschiedenen Farben, einen Bauerngarten, einen chinesischen Garten, eine Ausstellung zum Tasten und Riechen, Lernpfade zur Geologie und Archäologie und vieles mehr.
Das Arboretum ist rund um das Jahr sehenswert. Dieses Jahr waren wir zum ersten Mal im Juni dort und haben viele Bilder gemacht, die ich nach und nach unter dem Hashtag #Bloomscrolling teilen kann. Was uns noch fehlt, ist ein Besuch zum Indian Summer im Oktober.
Auch das Arboretum war merklich trocken und der Förderkreis dahinter bietet Informationen über Bäume, die einem wärmeren Klima gegenüber resistent sind.
Der Heidschnuckenweg
Im Juli haben wir einen Ausflug in die Lüneburger Heide gemacht. Zum Glück sind wir mit der S3 des Hamburger Verkehrsverbundes direkt an den Nordrand dieser zauberhaften Landschaft angebunden. Von Neugraben aus startet der gut ausgeschilderte Heidschnuckenweg. Rechts und links des Weges stehen üppig Blaubeersträucher. Weil es mein zweites Mal auf diesen Pfaden war, hatte ich sogar Behälter zum Pflücken dabei.
Wolkendrama
Blaubeeren überall
Das Heidekraut hatte im Juli erst ganz zarte Ansätze der lila Blüten. Die kleine Rundwanderung war trotzdem Balsam für Nerven und Seele.
Der Beginn der Heideblüte
Krabbelkäfer
I am Kenough
Ganz unerwartet hat mich ein Kinofilm aus meiner Delle wieder herausgeholt. Ich hatte als Kind tatsächlich zwei Barbies, besitze allerdings kein einziges rosafarbenes Kleidungsstück. Als wir den Trailer das erste Mal sahen, war ich sofort fasziniert.
Ich habe alle Interviews mit Greta Gerwig, Margot Robbie und dem restlichen Ensemble gesehen, die ich online finden konnte. Die warmherzige und gegenseitig unterstützende Art und Weise, wie diese Menschen miteinander umgingen, ließ mir das Herz aufgehen.
Als wir den Film endlich im Kino sahen, war ich extrem gehypt. Zum Glück hat Barbie mich nicht enttäuscht: Die Geschichte ist so komplex und stellt sich den Widersprüchen und problematischen Anteilen der Geschichte hinter der Puppe. Gleichzeitig ist die Botschaft am Ende der Heldinnenreise, die Barbie unternimmt, so optimistisch.
Kein Wunder, dass dieser Film soerfolgreich ist. Natürlich profitiert er von der Beliebtheit der Spielzeugserie. Dass Menschen aber mehrmals mehrmals dafür ins Kino gehen und ihren Bekanntenkreis auch dazu anstiften, liegt aber eindeutig daran, dass die Geschichte einfach so schön und tiefgründig, das Bühnenbild so liebevoll gemacht und die handwerkliche Arbeit mit so vielen cineastischen Anleihen einfach so gut ist. Vom fantastischen Soundtrack mal abgesehen 💗 (als Beispiele: Just Ken (Ryan Gosling), Dance the Night (Dua lipa), What Was I Made for? (Billie Eilish))
Ich bin fasziniert davon, wie viele Menschen teils sehr ausführlich ihre Gedanken zum Thema präsentieren. Da wurde eine sehr breite Debatte neu angestoßen.
Mehr Pink als für mich üblich
Im Anschluss habe ich dann noch ein paar weitere Interviews gefunden, auch zu anderen Filmen von Greta Gerwig. Ich hatte sie vorher nicht auf dem Schirm und habe noch einiges nachzuholen. Freue mich schon drauf.
Und was war sonst noch los?
Ich habe einen Vortrag über die Notwendigkeit einer Ernährungswende von der sehr inspirierenden Dr. Friederike Schmitz gehört.Jedes Jahr wieder verzaubert mich der intensive Duft der Lindenblüten.Sonnenwendzeit, nachts um elf UhrKürbis- und Zucchiniblüten, die mal nicht von Schnecken gefressen wurden 😁Kostenlose Kirschen im „Erholungswald“ um die EckeLange drauf gewartet: Unsere Solarplatten, die seit Anfang Februar auf dem Dach liegen, wurden angekabelt.
Meine Antwort auf zwei Blogparaden: Wie ist es, als Frau älter zu werden? Wie gehe ich mit Erwartungen anderer um und was möchte ich selbst? Und wie helfen mir Humor und Authentizität dabei?
Nach einer Phase der Selbstblockade kehre ich zum Bloggen zurück und erzähle von meinen persönlichen Strategien, mit diesem Thema umzugehen. Es wird ein bisschen meta und Barbie wird auch erwähnt.
An anderer Stelle habe ich darüber geschrieben, wie antibiotikaresistente Bakterien entstehen und was daran für uns so gefährlich ist. Anlass war eine Untersuchung der Albert-Schweitzer-Stiftung an Hühnerfleischproben von LIDL. (Bild von WikiImages von Pixabay)
Was habe ich im August 23 vor?
Geplant war meine Teilnahme am Wacken Open Air, zum ersten Mal mit Bus und Bahn. Was daraus geworden ist, erfährst du im Rückblick August 23.
Nach den ruhigen Sommerwochen wird meine Nachhilfetätigkeit wieder intensiver anlaufen.
Es gibt noch eine Blogparade, die zwar schon länger abgelaufen ist, die mich aber trotzdem anspricht.
Weil es mir so unter den Nägeln brennt, will ich hier etwas über die Klimakrise schreiben.
Nochmal zum Heidschnuckenweg fahren und den aktuellen Stand der Heideblüte bewundern.
Das war mein Monatsrückblick Juni und Juli 23. Die Zeit war wirklich ein emotionales Auf und Ab. Ich bin zufrieden damit, wie wenig ich mich von ToDos habe antreiben lassen. Ich bin erleichtert, dass ich aus der Delle so relativ schnell wieder aufgetaucht bin. Gleichzeitig ist es bemerkenswert, wie stark sich äußere Umstände darauf auswirken, wie es mir geht. Ich kann nicht immer darauf zählen, dass mich ein Kinofilm wieder aufbaut. Es sind ansonsten die kleinen Dinge wie Kirschen und Lindenblüten und die Bereitschaft, auch mal einen Ausflug zu machen, wenn mir eigentlich nicht danach ist.
Schreibst du auch mehr oder weniger regelmäßig Rückblicke? Was sind deine Erfahrungen damit? Wie geht es dir mit dem Thema Selbstblockade und wie gehst du mit den aktuellen Krisen um?
Mehr Beiträge zum Thema Rückblicke findest du hier.
Heute geht es mal ziemlich meta um Selbstblockade. Die Sommerferien sind zu mehr als einem Drittel herum und ich frage mich, wo die Zeit geblieben ist. Der Plan war, Anfang Juli den Rückblick auf den Juni 23 zu schreiben, danach ein paar Mathematikblogposts. Heute ist der 31 Juli und ich habe bisher insgesamt in Zahlen null Blogartikel verfasst.
Und das ist nur der Blog-Teil meiner nicht erledigten ToDos. Manchmal habe ich Phasen, in denen ich untertauche wie ein U-Boot. Mich nur soweit melde, wie es wirklich ausdrücklich nötig ist. Gerade mal den Alltagskram erledige, den ich dringend erledigt haben möchte. Es ist überhaupt nicht persönlich gemeint, wenn ich auf Anfragen nicht reagiere. Gleichzeitig grübele ich in solchen Zeiten noch zusätzlich häufig. Ich stelle mir vor, dass bestimmt andere Personen deswegen langsam aber sicher sauer sind.
Es geht nicht nur um Aktivitäten, die ich nicht gerne mache. Die könnte ich zur Not streichen oder delegieren. Sondern um das Bloggen, das Geschichtenschreiben und andere Dinge, die mir eigentlich Spaß machen. Das macht die Blockade so extra unverständlich und frustrierend.
An Tipps und Lesematerial zum Thema Selbstblockade mangelt es online und in gedruckter Papierform nicht. Ich habe natürlich einiges an Methoden während meiner Coachingausbildung gelernt. Und doch falle ich immer wieder so hinten rüber. Warum eigentlich und was hilft mir dann?
Was trägt bei mir zur Blockade bei?
Von innen
Ein Teil kommt aus meinem Inneren. Ich reagiere manchmal auf Erwartungen von außen oder auch meine eigenen Ansprüche mit erstaunlich effektiver Vermeidung und Ablenkung. Oh guck mal, ein Eichhörnchen! Diesem Teil meines inneren Teams bin ich aktuell auf der Spur. Nach bald 50 Jahren ist es auch mal Zeit für neue Strategien im Umgang mit dieser Persönlichkeit.
Von außen – Eigenbau
Einen Teil stelle ich äußerlich her, indem ich mir immer wieder zu viel vornehme. Ich habe schon diverse Methoden für ToDo-Listen (Papier und elektronisch) durch. Auch die Eisenhowermatrix und Bulletjournal-Layouts von minimalistisch bis liebevoll bunt beklebt. Bei anderen Menschen klappen diese Zeitmanagementmethoden anscheinend. An mir haben sie sich allesamt die Zähne ausgebissen. Wenn ich mir dann komplett die Schnürsenkel über Kreuz zusammengeknotet habe, ist erstmal wieder Zeit für einen Rückzug. Auf unbestimmte Zeit.
Manche Dinge stehen schon lange auf meiner ToDo-Liste. Ich habe mich inzwischen so an sie gewöhnt, dass ich sie nicht streichen mag. Gleichzeitig scheinen sie bei ganz rationaler Betrachtung gar nicht so existenziell wichtig zu sein. Denn auch wenn ich sie noch nicht abgehakt habe: Die Welt dreht sich immer noch mit mir an Bord.
Von außen – Weltgeschehen
Ein Teil kommt wirklich von außen. Und an der Stelle horcht der Teil in mir auf, der auch mal was anderes betreiben will als Selbstanalyse. Neulich schrieb jemand auf Mastodon, wie schwer es ist, heutzutage überhaupt noch etwas fühlen zu können. Eine Krise stapelt sich auf die nächste. An vielen Orten brennt es buchstäblich und statt einer Pause scheint sich das alles gefühlt eher zu beschleunigen.
Als ich am Rückblick auf den Juni saß, sah ich ein Photo von meiner mickrigen Ernte an Johannisbeeren. Das erinnerte mich daran, wie staubig trocken der Garten zeitweise war. Wie leer die Regentonne. Ich wollte aber auch nicht täglich mit Leitungswasser gießen wollte. Letztlich habe ich dann mit mir einen Kompromiss ausgehandelt und nur ausgewählte Pflanzen gewässert. Dadurch wurde mir nochmal extra bewusst, wie verletzlich unser Lebensmodell eigentlich ist und wie abhängig von Umständen, die wir nur sehr begrenzt kontrollieren können.
Ein Ergebnis war, dass ich den Blogpost mitten im Schreiben geschlossen und bis heute nicht wieder geöffnet habe. Mein letztes Bild auf Instagram waren die Temperaturstreifen von #ShowYourStripes. Eine ziemlich passende Botschaft, um danach erst einmal eine Weile nichts mehr zu sagen zu haben.
Was sind gängige Tipps gegen Selbstblockade?
Bewusstsein
Um eine (Selbst)Blockade sinnvoll angehen zu können, muss sie mir erstmal bewusst sein. Klingt trivial, aber ich erinnere noch einmal an die aktuelle Schwierigkeit, regelmäßig mit unseren Gefühlen in Kontakt zu gehen. Oder auch ein gutes Körperbewusstsein aufrecht zu erhalten, das uns verlässlich anzeigt, wenn wir über unsere Grenzen gehen oder auf Eichhörnchensafari verschwinden.
Vorsorge
Ein zentraler Trick ist es, Achtsamkeitzu üben, bevor wir so sehr zuviel haben, dass wir uns zurückziehen müssen. Genauso können wir trainingshalber und vorsorglich in kleinen Schritten unsere Komfortzonen erweitern. Das unterstützt uns dabei, uns zu anderen Zeiten nicht selbstgesteuert einzuengen.
Mental
Was sich immer lohnt:Glaubenssätze erst einmal ans Tageslicht zu holen und dann zu bearbeiten. Wenn eine Person zum Beispiel glaubt, sie müsste jederzeit viel leisten, dann ist die innere Meuterei vorprogrammiert. Oder ist das vielleicht auch nur wieder ein Glaubenssatz? 😉
Körperlich
Auch wenn schon die ersten dunklen Wolken aufgezogen sind, ist leichte Bewegung eine gute Idee. Nordic Walking hat mich durch die Jahre 2020 bis 2022 durchgetragen. Die Landschaft zog gemächlich an mir vorüber, die Jahreszeiten, das Grün, der Wind und das Wetter. Das vermittelt so viel Lebendigkeit und Gelassenheit. Es richtet viele Prioritäten und die Gehirnchemie wieder neu aus.
Hilfe annehmen
Wenn alles nichts mehr hilft und am besten frühzeitig, sollten wir uns professionell bei unserer Selbstblockade helfen lassen. Ich habe die Solarplatten auch nicht eigenhändig auf unser Dach geschraubt, für manche Fälle gibt es aus guten Gründen Profis. Und irgendwann klappt einfach der Trick mit dem Herausziehen am eigenen Schlafittchen nicht mehr gut genug.
Wie komme ich persönlich aus so einer Selbstblockade heraus?
Im Mai 23 schrieb ich über meine Bestimmung. Der erste und grundlegende Punkt dabei war Selbstfürsorge. Das bedeutet, dass ich zuerst für mich verantwortlich bin. Für meinen Energiehaushalt und für ein mir angemessenes Tempo und Aktivitätslevel. Es war wohl mal wieder Zeit, das neu zu lernen und zu üben.
Praktisch gesehen sieht es so aus, dass ich Nachsicht mit mir öbe. Ich halte gleichzeitig Termine gering und die Augen offen für Dinge, die mir gut tun. Mein Coachingausbilder hat oft gesagt: „Du kannst nicht machen, dass der Bus kommt, aber du kannst dich an die Haltestelle stellen.“ Zur Vorsorge und auch im Rückzug gehe ich draußen walken und spazieren, so oft es der norddeutsche Sommer zulässt.
Immerhin habe ich es schon mehrere Male geschafft, aus der Selbstblockade wieder aufzutauchen. Zu wissen, dass ich das kann, hat mich auch dieses Mal unterstützt. Es ist für mich ein sehr wichtiger Schlüssel.
In der Coachingausbildung haben mich am meisten die paradoxen Interventionen gestresst. Mich macht Widersprüchlichkeit gerne spontan rebellisch. Und gleichzeitig komme ich ohne Paradoxie schwerer voran. Es ist quasi eine Zeitreise in die Vergangenheit, wenn ich mich erinnere, dass ich schon oft wieder aufgetaucht bin. Und eine Reise in die Zukunft, wenn ich mir versichere, dass ich auch dieses Mal wieder das richtige Fadenende finden werde.
Ein Thema dahinter heißt Versöhnung. Und zwar mit der Paradoxie und dem Teil in mir, der weder Lust auf Widersprüchliches noch auf Pläne und Listen hat. Ein anderes Thema heißt immer noch und immer wieder Vertrauen in mich und die Welt. Ein bisschen paradox und ein bisschen begründet.
Und dann kommt, während ich an der Haltestelle stehe, ein leuchtend pinkfarbener Bus vorbei. Der Barbie-Film hat mich extrem abgeholt und mitgenommen in eine wieder deutlich optimistischere Stimmung. Greta Gerwig hat dabei längst nicht alle Probleme gelöst oder einfache Antworten auf existenzielle Fragen geboten. Für mich war gerade das die Botschaft:
I think I’m just interested in the gleeful messiness of life and people. And I’m interested in women. I don’t know, I like them a lot. And I’m interested in women talking to each other through generations. The unwieldy nature of living life is not something that always has to be organized. It can kind of live in its own wildness.
Diese heitere Unordnung des Lebens lasse ich jetzt allmählich sacken. Auf jeden Fall sind die Interviews mit dem Cast und der Regisseurin so ungewöhnlich herzerwärmend, dass ich kaum genug davon bekomme.
Auch die Psychologists for Future (Mastodon und Instagram) holen mich sehr ab. Ihr Ansatz geht nicht nur von einer Innenschau aus, die dann schon klären wird, wo die Selbstblockade hakt. Sie beziehen auch die sehr realen äußeren Krisen mit ein, besonders die „Climate Anxiety“. Das macht sie für mich zu Profis mit dem essentiellen Extra.
Am Ende muss ich den Schritt heraus allerdings „einfach“ machen, zum Beispiel in Form dieses Blogartikels. Alle Selbstanalyse und alle Walkingrunden sorgen nicht dafür, dass ich zum Beispiel die Kurzgeschichte für den August schreibe. Ein letzter Punkt, der mir da (wieder mal paradoxerweise) hilft, ist ein Termin. Ich wollte im Juli diesen einen Blogartikel schreiben. Und es genug zu wollen, hat anscheinend gewirkt. Irgendwann wird das auch noch was mit mir und den Zengeschichten 😉 Bis dahin lese ich mir meine Worte zur Gleichzeitigkeit ein paarmal selber durch.
Wie sieht es bei dir aus?
Kennst du dieses Phänomen? Verlieren deine Aktivitäten auch manchmal immer mehr an Schwung, bis du irgendwann auch das nicht mehr machst, was dir eigentlich Spaß macht? Ohne dass jetzt in deinem persönlich Leben an sich große Probleme vorliegen
Wie gehst du damit um? Was hilft dir mit dem Stapel an Krisen da draußen? Gibt es etwas, was es dir zuverlässig ermöglicht, wieder aufzutauchen?
Zugegeben: Die beiden Blogparaden sind schon abgelaufen. Das Thema „Als Frau älter werden“ ist allerdings immer noch aktuell. Mia Brummer hat 2022 dazu aufgerufen, über Frauen ab 50 zu schreiben. Silke Geissens Blogparade über Erfahrungen mit den Wechseljahren lief im gleichen Jahr.
Im September steht mein fünfzigster Geburtstag an. Ich wundere mich selbst ein bisschen, aber ganz unerwartet kommt es auch nicht 😉 Immerhin bin ich beim Thema Wechseljahre schon persönlich dabei. Und auch, wenn ich spät dran bin, kamen mir die beiden Blogparaden sehr gelegen, um mal meine Gedanken dazu zu sortieren und zu teilen. Und ich lade dich ein, diese Lebensphase jenseits von Schönheitsidealen und gesellschaftlichem Druck bewusster zu betrachten.
Als Frau älter werden kurzgefasst
Noch immer geraten Frauen schlecht vorbereitet in die Wechseljahre hinein, weil dieses Phänomen nicht auf dem Lehrplan steht, obwohl es alle betrifft.
Symptome wie Gedächtnisverlust, Muskelschmerzen und Schlafstörungen kommen daher für die Meisten überraschend.
Alte Frauen fehlen auch in Filmen, Büchern und sonstigen Darstellungen der Gesellschaft.
Was dadurch ausgeblendet wird: Als Frau älter zu werden, ist eine Chance auf innere Stärke, Klarheit und Freiheit von Schönheitsidealen
Meine Vision sind mehr ältere Frauen, die sich humorvoll, selbstbestimmt und authentisch über äußere Erwartungen hinweg setzen.
Die Wechseljahre fehlen im Sexualkundeunterricht
Ich habe selbst ein paar Jahre Sexualkunde in der sechsten Klasse unterrichtet. im Rückblick bereue ich, dass dabei nur die Pubertät Thema war. Die Menopause ist im Lehrplan leider nicht vorgesehen. Natürlich ist sie für die Mädchen noch sehr weit entfernt. Und doch wissen wir als Gesellschaft immer noch zu wenig darüber. Und die meisten Frauen, mich eingeschlossen, rasseln in die Symptome nur wenig vorbereitet hinein.
Ich würde mir wünschen, dass die grundsätzlich zu erwartenden Veränderungen schon in der Schule besprochen werden. Denn da erreichen wir alle Mädchen auf einmal. In den Sexualkundeeinheiten waren Stunden vorgesehen, bei denen einmal die Jungen früher nach Hause durften und einmal die Mädchen. Und dann wurden Dinge besprochen, die sie vor den jeweils Anderen nicht so gerne fragen wollten. (Wäre ein nicht-binäres Kind dabei gewesen, hätte ich es selbst entscheiden lassen, wo es hätte dabei sein wollen.)
Und in dieser Stunde nur mit den Mädchen würde ich die Menopause aus heutiger Sicht besprechen, wenn ich eine Zeitmaschine hätte. Damit sie besser vorbereitet sind, als ich es war. Dieser Blogpost wird die Lücke in meinem Gewissen immerhin ein bisschen füllen.
Meine eigenen inneren und äußeren Veränderungen
Das erste Anzeichen waren die weißen Haare. Zuerst konnte ich sie an einer Hand abzählen, inzwischen sieht mein Kopf schon sehr elegant meliert aus. Ich persönlich finde diesen Prozess spannend und bin über jedes weiße Haar, das ich in meiner Bürste wieder finde, etwas traurig. Ich habe einen so hohen Rotanteil, dass Färben für mich keine Option war. Denn beim vorbereitenden „Blondieren“ blieb ein hartnäckiges Karottenorange übrig. Einmal eine „blonde Strähne“ ausprobiert und nie wieder 😄
Später bekam ich aber sehr unerwartete Gedächtnisprobleme. Dass diese bei 60% der Frauen zum Programm gehören, hatte mir niemand gesagt. Ich hatte mein ganzes bisheriges Leben ein extrem gutes Gedächtnis auch für alle möglichen unwichtigen Informationen, vor allem Namen. Plötzlich hilflos nach Namen und Begriffen graben zu müssen, war sehr gruselig. Ich wünschte, ich wäre darauf vorbereitet worden. Und auch darauf, dass es wieder besser wird.
Mit den Hitzewallungen hatte ich dagegen gerechnet. Ich bin eine Person, die im Allgemeinen nicht friert und hohe Temperaturen eher nicht so gerne hat. Da hatte ich mich vor Extrawärme ziemlich gefürchtet. Und es ist auch nicht schön, aber weil ich wusste, was kommt, ist es für mich erklärlich und ertragbar. Wird sogar auch schon wieder weniger, und ich hoffe, dass diese aufsteigende Hitze wieder ganz verschwindet.
Nicht mehr fruchtbar zu sein und auch die ganzen Schattenseiten der Menstruation hinter mir zu lassen, empfinde ich als großen Zugewinn an Freiheit. Es gibt Frauen, die unter stärkeren Schmerzen leiden. Trotzdem hätte ich auf einiges an körperlicher Belastung und an logistischem Aufwand verzichten können. Zum Beispiel aber nicht nur im Zusammenhang mit Festivaltoiletten. Überhaupt ist das Reisen menstruationsfrei viel entspannter.
Berichte anderer Frauen in meinem Umfeld
Andere Frauen berichten mir von Stimmungsschwankungen. Dass sie rührselig werden bei Filmen mit Kindern oder Tieren. Dass sie schneller wütend werden. Vielleicht liegt es daran, dass ich schon immer schnell wütend werden konnte, dass es für mich nicht so als neue Erfahrung auf der Liste auftaucht.
So eine gesunde Wut über Missstände ist oft hilfreich. Wenn sie so dosiert daher kommt, dass sie uns dazu motiviert, Dinge nicht mehr hinzunehmen, sondern uns aktiv für das einzusetzen, was uns wichtig ist.
Für manche ist auch das Ende der Fruchtbarkeit ein Thema. Das ist eine Schwelle, die wir unfreiwillig nehmen und für manche fühlt sich das wie ein Verlust an. Sie kommen teils ins Nachdenken, ob ihre Entscheidung gegen eigene Kinder so richtig war. Andere versuchen es noch einmal und merken bei der Gelegenheit überhaupt erst, dass die Wechseljahre bei ihnen schon eingesetzt haben.
Ich finde es sehr bereichernd, mich mit anderen Frauen auszutauschen, die so ungefähr in der gleichen Prozessphase sind. Manches haben wir gemeinsam, manches erleben wir unterschiedlich. Was aber immer dabei durchschimmert: Dass wir nicht alleine sind und dass jede Einzelne in Ordnung ist, so wie sie ist.
Als Frau älter werden mitten in der Gesellschaft
Es ist sicher eine Frage der Wahrnehmung: In den letzten Jahren lese und höre ich öfter als früher über die Wechseljahre. Und ich bemerke, wie Menschen, auch Frauen, dann kommentieren: „Das ist doch nicht neu! Warum muss das immer wieder ausgebreitet werden? Frauen haben das schon seit Beginn der Menschheit erlebt und nicht so ein Tamtam davon gemacht!“
Ja, es wird vielleicht heute mehr öffentlich darüber geredet. Und gleichzeitig sind Frauen ab einem bestimmten Alter unsichtbar. Ich sehe immer noch Werbung für Cremes gegen „Altersflecken“ und Falten. Oder für Mittel, um graues Haar „abzudecken“. Als müssten wir uns verstecken.
Besonders gravierend ist der Mangel an älteren Frauen in den Medien, in der Politik und in der Kunst. Filme haben schon generell einen großen Überhang an Männerrollen. Männer können praktisch beliebig alt werden und immer noch Hauptrollen bekommen. Kelly McGillis (65) wurde dagegen für den zweiten Teil von Top Gun nicht einmal mehr angefragt. Tom Cruise (60) und Val Kilmer (63) waren natürlich wieder dabei und die Rolle an Cruises Seite spielte Jennifer Connelly (48).
Da sind wir wieder bei den Jugendlichen: In der Schule bekommen sie keine guten wissenschaftlichen Informationen über das Älterwerden. Und später sehen sie, wie Frauen spätestens ab Mitte 50 magisch verschwinden. Und keine Relevanz mehr haben. Was das in den Köpfen anstellt, muss ich nicht groß erklären.
Mein Umgang mit gesellschaftlichen Erwartungen
Ich habe mich nur als Jugendliche eine Zeit lang einigermaßen bemüht, diese ganzen kosmetischen Rituale mitzumachen. Irgendwann war mir schlicht der Aufwand zu viel. ich schminke mich seit Jahren nicht mehr, wobei ich aber schon bei anderen Frauen bewundere, wie kunstvoll sie das machen. Und ich kann auch wertschätzen, wie sehr ein Gesicht oft von Make-up verschönert wird. Ich brauche das einfach nur für mich selbst nicht.
FaceApp war mal eine Weile intensiv im Gespräch. Diese App kann mit Hilfe einer KI Selfies manipulieren, großenteils geht es dabei um Gesichtsverschönerungen. Eine weitere Funktion ist das künstliche Altern. Das Beitragsbild habe ich auf diese Weise im April 22 gemacht und bin immer noch begeistert von der alten Angela. Sie sieht so unkonventionell und unterschwellig humorvoll aus, dass ich mich gut in ihr wiederfinde.
Wenn meine Haare irgendwann mal komplett weiß sind, werde ich alles nachholen und Strähnen in allen möglichen Farben hinein zaubern. Ein bisschen wie in diesem zauberhaften Youtubevideo. Aber etwas Weiß darf auch noch rausgucken. Alternativ sehe ich mich mit wehender weißer Mähne auf Metalfestivals stehen.
Mein allgemein geringer Hang zu konventionellem Verhalten hilft mir jetzt sehr. Natürlich ist mir klar, was die Mehrheit sich vorstellt. Was ich davon für mich gut finde, mache ich mit. Den Rest lasse ich auch beim Älterwerden einfach ausfallen. Und stelle fest: Die Welt geht davon nicht unter und ich bin bisher nicht komplett im gesellschaftlichen Abseits gelandet. Der Trick ist wohl, das Umfeld rechtzeitig an ein gewisses Level an Merkwürdigkeit zu gewöhnen 😉
Als Frau älter werden -> Meine Vorbilder
Einige ältere und sichtbare Frauen bewundere ich. Viele von ihnen sind britische Schauspielerinnen. Miriam Margolyes ist so unkonventionell wie furchtlos:
„People are frightened such a lot of the time and what I’ve always tried to do… (is) make people feel good about themselves.“
Miriam Magolyes
Ihr schelmischer Humor inspiriert mich sehr. Auch dazu, meine kommenden Jahre leicht zu nehmen.
Interviews mit Kate Winslet sind immer erfrischend. Sie ist so ausdrücklich solidarisch mit anderen Frauen, wie ich mir wünschte, dass es mehr Menschen sein könnten. Ähnlich geht es mir mit Emma Thompson. Sie hat genug Humor, um skurrile Rollen wie Sybill Trelawney zu spielen. Sie schätzt die Wirkung der gesellschaftlichen Standards realistisch ein:
“To be truly honest, I will never ever be happy with my body. It will never happen. I was brainwashed too early on. I cannot undo those neural pathways.”
Noch ein Tipp: Die Seite WhatTheMenopause möchte ich dringend empfehlen. Die Betreiberinnen kombinieren einen großartigen Humor mit soliden Informationen. Ich jedenfalls fühle mich von ihnen gesehen und abgeholt.
Die Zukunft jenseits der 50
Mia hat eine bemerkenswerte Fragenliste für ihre Blogparade. Sie fragt, ob ich Ü50-Frauen peinlich oder cool finde. Wofür Frauen über 50 noch gut sind. Und ob ich glaube, dass danach noch etwas kommt.
Als Frau älter werden – Erwartungen von außen
Diese Fragen zeigen zwei verschiedene Perspektiven. Die eine ist äußerlich: Was erwartet meine Umwelt? Wie bewertet sie mich? Wie sehr beeinflusst mich dieses von außen verhängte Urteil?
Meine Antwort darauf ist, dass ich diese Fragen nur begrenzt für relevant nehmen möchte. Ich finde nicht Menschen an sich peinlich oder cool, sondern Verhalten. Das hängt auch nicht von Kategorien wie Alter oder Geschlecht ab. Wenn jemand authentisch die eigenen Werte lebt, finde ich das cool und beeindruckend. Und ich würde mir wünschen, diese Einstellung wäre weiter verbreitet. Dann hätten wir es alle eine Menge leichter in diesem Leben.
Genauso ist es für mich nicht dramatisch, ob mich jemand für cool hält. Sobald ich anfange, mein Verhalten danach auszurichten, dass Andere das abnicken, bin ich nicht mehr ich. Sondern eine Marionette der jeweils vorherrschenden Standards. Dafür ist mein Leben zu kurz. (Natürlich ist damit nicht gemeint, dass ich mich rücksichtslos verhalte. Es geht nur um Verhalten, das andere Menschen nicht beeinträchtigt, allerdings eventuell nicht 100% konventionell abgesegnet ist.)
Und wofür Frauen mit über 50 gut sind? Dafür, ein Teil der Gemeinschaft zu sein. Ihre Ideen und ihr Wissen einzubringen. Ansprüche anzumelden und Missstände zu kritisieren. Für andere Menschen da zu sein. Ganz genau wie Menschen anderen Alters und anderen Geschlechts. Wenn wir von der Vorstellung herunter kommen, dass andere Menschen „für etwas gut sein sollen“, sind wir kollektiv einen großen Schritt weiter.
Als Frau älter werden – meine Erwartungen
Mein Leben wird ab 50 nicht gewinnen und nicht verlieren. Vieles wird gleich sein, meine Werte, meine Vorlieben, mein Humor. Anderes wird sich ändern, hauptsächlich biologisch begründet. Und auch da kann ich dafür sorgen, dass mein Körper einigermaßen fit bleibt, wenn auch mit Lesebrille.
Auf jeden Fall wird danach noch etwas kommen. Alles andere wäre ziemlich langweilig. Ich kann mir vorstellen, noch viele Jahre Nachhilfeunterricht zu geben, solange Menschen mich buchen. Das war sehr anders, als ich noch als Lehrerin gearbeitet habe. Da habe ich die Zeit bis zur Rente gefürchtet. Es macht sehr viel aus, wenn Menschen einen Beruf haben, den sie wirklich gerne ausüben und in dem sie sich kompetent fühlen. Für mich ist auch wichtig, dass ich sehr selbstbestimmt arbeite. Dann wird es sehr nebensächlich, wie alt ich dabei bin.
Meine Vision – Älter werden als Stärke und Chance
Drei Begriffe ziehe ich aus diesem Blogpost als besonders wichtig heraus:
Humor. Selbstbestimmtheit. Authentizität.
Humor hilft sehr bei einem angenehmeren Älterwerden. Nicht alles, was sich körperlich verändert, ist so dramatisch, wie es sich im Moment anfühlen mag. Wenn alle Stricke reißen, färbe ich mir meine Haare auch regenbogenfarben und lache gemeinsam mit meinem Spiegelbild.
Ich muss mir nicht vorschreiben lassen, wie ich zu sein und mich zu fühlen habe. Je mehr wir das ausprobieren, umso mehr merken wir, dass die Welt nicht untergeht, wenn wir unser Alter nicht verstecken. Oder wenn wir andererseits mit Mitte 60 noch Metalshirts tragen. Lasst uns dieses Leben nach unseren jeweils eigenen Vorstellungen genießen!
Und wenn wir dann wirklich nur nach unserer eigenen Pfeife tanzen, wird es genug Menschen geben, die das zu schätzen wissen. Die die Gesellschaft von wahrhaftigen Menschen suchen. Oder die von unserem Vorbild profitieren.
Im September werde ich 50 Jahre alt sein. Ich freue mich schon deswegen darauf, weil runde Zahlen auch etwas Ästhetisches haben.
Wie siehst du das Thema „Als Frau älter werden“?
Wie geht es dir mit dem Thema? Machst du dir auch Gedanken über das Älterwerden?
Oder darüber, was die Besonderheiten daran sind, als Frau älter zu werden?
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Hier kommt mein Monatsrückblick Mai 23. Die Anleitung ist von Judith Peters und seit März 23 ist dies die dritte Ausgabe. Ich merke jetzt schon, wie gut es mir tut, regelmäßig meine Bilder und Erinnerungen zu sortieren.
Eigentlich ist mal wieder wenig passiert. Dachte ich jedenfalls. Beruflich lief es für mich auch wirklich im gewohnten Rhythmus. Nur dass die Mathematik-Abiklausuren anscheinend sowohl in Schleswig-Holstein als auch in Hamburg schwieriger als sonst waren. Da leide ich mit meinen Schüler:innen immer sehr mit.
Unter der Oberfläche hat sich gleichzeitig viel getan. Ich habe durch die Teilnahme an gleich zwei Blogaktionen sehr viel über die Welt, das Leben und mich nachgedacht. Ich habe ein altes, verloren geglaubtes Hobby wieder reaktiviert. Und vor die Tür bin ich auch gekommen.
Was hatte ich vor und was ist daraus geworden?
Weiter den Garten gestalten und eventuell doch noch die schon für den April geplanten Stufen in die Schräge reinbasteln. -> Bis auf die Stufen bin ich gut vorangekommen 👍
Eine Blogreihe zur Oberstufenmathematik anfangen. -> Der Anfang ist gemacht 👍
Einen Beitrag zur Blogparade „Was kannst du?“ von Sara und Anja schreiben 👍
Mehr sechs-Wort-Geschichten schreiben -> Die laufen mir ja nicht weg 😄
Am Ende natürlich einen Monatsrückblick verfassen! 👍
Was kann ich und was ist meine Bestimmung?
Bloggen ist gut fürs Gedankensortieren. Anja Rödel, Sara Menzel Berger und Judith Petersen haben mir im Mai 23 super Anlässe dazu geboten.
Die Blogparade „Was kannst du?“ war eine Einladung, das eigene Licht mal gründlich unter dem Scheffel hervorzuholen. Viele Menschen da draußen haben eine große Menge Wissen und Fertigkeiten, die der Welt weiterhelfen können. Am besten ist es dafür natürlich, wenn diese Menschen sich das selbst bewusst machen und auch mit anderen darüber sprechen.
Meine Fähigkeiten waren mir im Groben schon bewusst. Was ich an dieser Blogparade allerdings so spannend fand, war die Zusammenschau. Die Lernbegeisterung, das Knotenlösen und die Faszination am Kommunizieren ergänzen sich ideal, wenn ich unterrichte. Und wenn ich Menschen dafür erreichen will, ist es hilfreich, diese Gedanken zu teilen.
Judiths einmalige Aktion #BlogYourPurpose schloss sich nahtlos an. Mit diesen sortiert aufgereihten Fähigkeiten und Kenntnissen habe ich gemeinsam mit vielen anderen Blogger:innen nach meinem Purpose/meiner Bestimmung geschürft.
Wofür bin ich hier? Was will ich bewirken? Was möchte ich hinterlassen? Das waren die Leitfragen hinter dem Blogartikel. Ich habe für mich selbst bestimmt, dass meine wichtigste Aufgabe ist, für mich zu sorgen. Und dann, mit ganz viel Nachsicht mir gegenüber, doch noch ein bisschen die Welt zu retten.
Ich lese wieder!
Früher bin ich durch Bücher durchgepflügt. In den letzten Jahren hat das sehr nachgelassen und ich kann nicht einmal genau sagen, warum. Online lese ich eine Menge, aber in Papierform war eine gefühlt unüberwindliche Hürde davor.
Im Jahresrückblick 21 hatte ich schon über meinen Lesestapel berichtet. Im Jahresrückblick 22 hatte ich dafür immerhin ein Bord an die Wand gedübelt. Jetzt war der Stapel um 90° gedreht. Ich habe in zwei Jahren allerdings nur vielleicht eins der Bücher ganz gelesen.
Norse Mythology erzählt (wie der Titel vermuten lässt) die nordischen Sagen neu. Ich kannte sie zwar fast alle, gleichzeitig hat Neil Gaiman eine ganz wunderbare Art, diese teils sehr verworrenen Geschichten lebendig und plausibel zu präsentieren.
Ich habe jedenfalls sehr gelacht. Die beteiligten Personen sind gleichzeitig überlebensgroß und nachvollziehbar. Obwohl ich wusste, wie es ausgehen würde, habe ich mitgefiebert und am Ende das Buch hochzufrieden zugeklappt.
Persepolis ist eine Graphic Novel, in der Marjane Satrapi von ihrer Kindheit und Jugend im Iran berichtet. Die Geschichte beginnt 1980 und endet in den 90ern.
Der Zeichenstil ist naiv und schwarz-weiß, die Darstellung der Vorstellungen der Menschen in Marjanes Umfeld und in das Privatleben inmitten von Revolution und Kriegen, sind sehr vielschichtig und berührend. Ein Einblick in eine andere Welt, der mir wieder einmal klar macht, wie privilegiert mein ruhiges Leben ist. Und wie viele Gemeinsamkeiten wir Menschen doch untereinander haben.
Mir hat diese Entwicklung mehr gegeben, als ich in Worte fassen kann. Früher war das Lesen ein großer Teil meines Lebens und meiner Persönlichkeit. Dieses neu aufblühende zarte Pflänzchen werde ich jetzt liebevoll kultivieren.
Und was war sonst noch los?
Wir wohnen hier schon mehr als sechs Jahre und waren Anfang Mai zum ersten Mal im Umwelthaus Pinneberg.
Dabei geht es eigentlich um einen umweltpädagogischen Garten in Rellingen. Beim Tag der offenen Tür kamen wir gerade rechtzeitig zu Beginn einer Wildkräuterführung und haben viel gelernt und geknabbert.
Ich war wieder mit den Active Vegans Hamburg auf der Straße im Gespräch mit interessierten Mitmenschen.
Ich habe an einer Critical Mass in Pinneberg teilgenommen. Weil unsere Gruppe groß genug war, konnten wir dieses Mal tatsächlich als geschlossener Verband fahren.
Ich war bei einer Solidaritätskundgebung für die Letzte Generation in Hamburg. Sehr gut für die Seele.
Meine Familie ist eigentlich richtig groß. Trotzdem schaffen wir es selten, uns auf Cousinenebene zu Treffen zu organisieren. Zum Pfingstwochenende hat es tatsächlich mal geklappt. Es ist immer wieder schön, mal raus zu kommen und die Wurzeln zu gießen. In diesem Fall die Stammbaumwurzeln.
Bei der Gelegenheit habe ich diesen zauberhaften Sticker gesehen. Schön, wie viele Menschen sich um andere Lebewesen kümmern, mit denen wir diese Erde teilen.
Ich bin sehr positiv beeindruckt davon, wie viele Pflanzen in meinen Garten im Frühling wieder aufgetaucht sind. Im Haus habe ich zwei sehr schwarze Daumen, draußen klappt es manchmal besser als gehofft.
Dann hatte ich noch laut brummenden Besuch in meinem Garten. Hornissen finde ich extrem beeindruckend.
Ich backe viel zu selten. Als meine Eltern spontan vorbeikamen, hatte ich endlich wieder einen Anlass. Die Brownies sind auf Zucchinibasis und gehen daher quasi als Gemüse durch. Ausgewogene Ernährung also.
Was habe ich im Mai 23 gebloggt?
Die deadlinesforwriters–Kurzgeschichte für den Mai fiel aus. Da hat mich diesen Monat die Inspiration hängen lassen. Dafür habe ich immerhin vier deutschsprachige Blogartikel fertig bekommen und endlich mit der Reihe für Oberstufenmathematik angefangen:
Mein Beitrag zu einer Blogparade, bei der wir unser Licht unter dem Scheffel hervor holen und uns fragen: Was kann ich? Was davon freut mich, was mache ich davon viel zu selten? Und was möchte ich gerne können?
Gemeinsam mit vielen anderen Blogger:innen habe ich mir Gedanken dazu gemacht, was ich auf dieser Welt bewirken will. Der Anlass war eine weiter Aktion von Judith Sympatexter Peters.
Ich erkläre dir, warum und wie Skizzen dir bei Klausuren in der Oberstufe helfen, Textaufgaben besser zu verstehen und entspannter zu lösen. Dies ist der erste Beitrag in einer Reihe zur Oberstufenmathematik.
Was habe ich im Juni 23 vor?
Die Reihe über Oberstufenmathematik weiterschreiben.
Wieder zwei Bücher lesen, vielleicht auch mehr.
Wieder wenigstens eine Kurzgeschichte schreiben und termingerecht hochladen.
Ansonsten Nachsicht mit mir üben. Habe ich ja jetzt als meine Bestimmung festgelegt.
Das war mein Monatsrückblick Mai 23. Ich bin wieder erstaunt, wie viel am Ende doch los war. Gleichzeitig bin ich zufrieden damit, wie wenig ich mich von ToDos habe antreiben lassen. Eine gute Balance zwischen Aktivität und Regeneration ist anscheinend möglich 😉
Schreibst du auch mehr oder weniger regelmäßig Rückblicke? Was sind deine Erfahrungen damit? Wie geht es dir mit dem Thema Bestimmung?
Mehr Beiträge zum Thema Rückblicke findest du hier.