Blog

  • Isolation or insulation?

    Isolation or insulation?

    During the year 2020, I found myself with a lot of unexpected free time on my hands. Some of it I invested in regularly listening to the podcast „Wisdom of the Sages“. I found it especially fascinating. Mostly because of the interaction style between Raghunath and Kaustubha. Also how they talked about the world, every now and then offering amazing nuggets of their own wisdom. These were inspired by reading out the Srimad Baghavatam and answering listeners‘ questions every Saturday. One of those nuggets I found especially touching even though I am not sure in which episode it came up.

    What I do remember is that the conversation was about how we deal with the suffering we see in the world. This is something I have been struggling with for a long time and I always found it difficult to find a middle way between a retreat (with the resulting loneliness) and directly facing the world (with the risk of wearing myself our emotionally). It seemed like the choice between living inside a thick shell and opening myself up to being hurt, neither one an attractive prospect. In the end, this question decides if we are able to take action against grievances or if we tend to turn away from the suffering of others.

    Raghunath‘s answer was:

    „Dont isolate yourself, insulate yourself.“

    Which fascinated me immediately. Because on the one hand the English original was immediately obvious to me. On the other hand the nuance between the two related verbs does not work in my native language German.

    Different meanings in German and in English

    Insulation literally means using a covering material. It is supposed to prevent heat, electricity, sound similar things from touching something sensitive towards those influences. Isolation means spatial separation. One of the verbs emphasizes the protective aspect, the other the distance in between two objects or beings. In German both verbs are translated as „isolieren“. This realisation gave me a tangible lightbulb moment. And this was likely the reason I kept pondering this quote in the days and weeks afterwards.

    Ragunath’s Nugget of Wisdom

    What did Raghunath mean? When I look at the state the state the world is in, one thing is clear: Nobody is going to benefit from me withdrawing to live as a hermit. But staying permanently open to outside influences like a naked wire is just as unsustainable a solution. What helps, metaphorically speaking, is a suitable coating, that helps me stay in contact with the world without being overwhelmed.

    Or as Raghunath put it: I don‘t go out in the cold of winter only wearing a T-shirt, but that does not mean I am condemned to only stay indoors. As long as I wear a pullover that offers just the right amount of thermal insulation. Not to much, not too little and on top of that: Much more flexible and it keeps me warmer than a knight‘s armour.

    Not Everyone Needs the Same Level of Insulation

    Humans are very different in their constitutions and their needs. And individual persons are not always on the same energy level or in the same mood either, just like the world around them does not always look the same. So the nature of any appropriate coating will depend on your personality and on your state of mind on the day in question. And we all will have to find individual strategies to properly insulate ourselves.

    I have no real answer for what exactly my new insulation is made of. What I am sure? That the year 2020 has given me significant emotional relief. In part due to this quote from one of my most frequently listened to podcasts. At first glance, the sentence may look a bit trivial. But for me hearing it had the effect of a key stuck in a lock finally being turned.

    What about you?

    How easy is it for you to strike a balance between unfiltered interaction with the world and withdrawing from the suffering you see around you? What would an adequate coating consist of for you? How much would the proper amount of insulation make it easier for you to take an active approach to grievances without them emotionally impacting you too heavily? How does Rhagunath‘s saying inspire your thoughts?

  • Wann ist der späteste Sonnenaufgang?

    Wann ist der späteste Sonnenaufgang?

    Wie gehen wir mit neuen Informationen um?

    Vor kurzem sah ich eine grafische Darstellung der Sonnenaufgangs- und Untergangszeiten für Dezember und den den frühen Januar in Brighton. Weil darauf so klar zu sehen war, dass die Sonne noch nach dem 21. Dezember für eine Weile jeden Tag später aufgeht, habe ich mir die Daten für Hamburg herausgesucht und eine eigene Grafik damit erstellt. Auch hier war der früheste Sonnenuntergang 2021 am 13. Dezember und der späteste Sonnenaufgang heute am 29. Dezember. War dir diese Tatsache bewusst? Einige Menschen, mit denen ich darüber sprach, unter anderem, weil ich sie die Minima und Maxima und den minimalen vertikalen Abstand der zwei Funktionen ausrechnen ließ, waren etwas überrascht. Den meisten von uns ist klar, dass am 21. oder 22. in nördlichen Breiten die Wintersonnenwende (siehe meinen Blogartikel hier) und damit die längste Nacht stattfindet. Dann scheint es doch plausibel, dass am gleichen Tag auch die Sonne besonders spät erscheint und besonders früh wieder hinter dem Horizont verschwindet.

    Die Sonne und die Erde halten sich nicht immer an unsere Vorstellungen

    Die Gründe dafür, dass es nicht so ist? Die geometrische Anordnung von Sonne, Erde, Rotationsachse der Erde, die Form der Erdumlaufbahn und ihre nicht gleichmäßige Bahngeschwindigkeit. Ein weiterer Faktor ist unsere persönliche Position im Verhältnis zum Äquator. Die Anzeigen unserer mechanischen Uhren basieren auf der Annahme, dass jeder Tag, also die Zeitdauer zwischen zwei scheinbaren Höchstständen der Sonne, genau 24 Stunden dauert. Sonnenuhren messen dagegen, dass die Tageslänge über das Jahr unterschiedlich ist, und zwar um ungefähr plus und minus 15 Minuten. Eine weitere Folge dieser astronomischen Geometrie ist das soganennte Analemma: Nehmen wir jeden Tag zur selben Ortszeit ein Bild von der Sonne auf, ergibt sich in der Überlagerung eine mehr oder weniger schräg liegende Acht, je nach Breitengrad. Wäre die Erdbahn kreisrund und wäre die Drehachse der Erde nicht gekippt, stünde die Sonne zu gleichen Uhrzeiten immer an der gleichen Stelle am Himmel. Je länger ich darüber nachdenke, umso kniffeliger wird das Bild in meinem Kopf. Aber auch umso spannender. Vielleicht geht es Dir ja auch so, oder vielleicht ist Dir das alles gar nicht neu.

    Was ist unser Verhältnis zu Fakten?

    Wenn wir lange Zeit geglaubt hatten, etwas verstanden zu haben, bis von irgendwo neues Wissen herbei flattert, kann das interessante Effekte im Bewusstsein auslösen. Ich zitiere dazu noch einmal Ragunath Cappo und seine frühere Band „Shelter“:

    Things we knew for sure

    Sometimes we need to correct them

    We’ve got to rearrange our thinking

    Or we’re just like flies on glass

    Rearrange our thinking

    Or we’re never gonna last

    Shelter, „Revealed in Reflection“

    Es bringt uns eigentlich nicht voran, mit Dingen weiterzuarbeiten, die wir als wahr angenommen hatten, die sich aber als nicht zutreffend herausstellen. Und trotzdem drehen sich viele Debatten gerade mit viel Energie und teils hohem emotionalem Einsatz um angenommene und tatsächliche Wahrheiten. Dinge, die eigentlich nicht korrekt sind, prägen sich unter anderem durch häufige Wiederholung ein. Aktuell zeigen die Nachrichten, wie sich die Bezeichnung „Omnikron“ in einigen Köpfen festgefressen hat.

    Zunächst lohnen sich ein paar Fragen: Geht es um eine Tatsache, die sich mit relativ einfachen Mitteln messen lässt, wie zum Beispiel astronomische Abläufe? Sind es eher komplexe aber auf Naturvorgängen basierende Zusammenhänge wie Klima-, Umwelt- und Ernährungswissenschaften? Handelt es sich um die Beschreibung menschlicher Verhaltensweisen? Oder vielleicht um menschliche Konventionen wie die korrekte Schreibung eines Wortes, die per Rechtschreibreform veränderbar ist? Geht es bei meiner Wahrheit um eine Meinung, eine Vermutung oder um eine Faktenbehauptung? Ergeben sich aus meiner Wahrheit oder der anderer negative Konsequenzen? Sind diese erheblich oder eher vernachlässigbar? Oder ist der (scheinbare) Widerspruch im Grunde folgenlos? Wie zuverlässig ist die Quelle, aus der meine Informationen stammen? Und woher weiß ich, woran ich eine zuverlässige Quelle erkenne? Wenn ich das alles für mich geklärt habe, nimmt es eine Menge Streitpotential aus dem Diskurs. Ideal wäre natürlich, wenn möglichst viele von uns sich auf diese Weise abklopfen könnten.

    Wie reagieren wir, wenn unsere Wahrheit an Grenzen stößt?

    Die Geschichte der Menschheit liefert hier eine Menge Beispiele für mögliche Anpassungsreaktionen. Ein sehr menschlicher Umgang mit Wahrheiten, die im Konflikt zu sein scheinen, ist der sogenannte Bestätigungsfehler, oft auch Confirmation Bias genannt. Informationen, die unser Weltbild bestätigen, nehmen wir stärker wahr und halten sie auch eher für wahr. Dieses von außen betrachtet irrationale Verhalten war für uns in der Geschichte der Menschheit evolutionär hilfreich: Mit dem eigenen Stamm einer Meinung zu sein, bewahrte frühe Menschen davor, ausgestoßen zu werden und das nicht zu überleben. Außerdem ist es für unser Gehirn gefühlt sicherer und damit ökonomischer, ein Weltbild aufrechtzuerhalten, statt es bei jeder neuen Nachricht umzustoßen. Die auf den ersten Blick fehlende Rationalität hat also einen Sinn. Auf der anderen Seite entsteht so zum Teil ein gewisser Anteil an „Wissen“ der nicht der Realität entspricht.

    Am anderen Ende des Spannungsfeldes liegt die menschliche Errungenschaft der wissenschaftlichen Methode. Dabei werden zunächst Fragen und dazu passende Hypothesen aufgestellt. Letztere überprüfen wir dann in möglichst gut geeigneten Experimenten. Dabei verwerfen wir dann im Idealfall nicht bestätigte Hypothesen, unabhängig von unserem eigenen Weltbild. Dass wir Menschen bei aller oft zu beobachtenden Irrationalität dieses Vorgehen entwickelt haben, finde ich bemerkenswert.

    Gerade erleben wir, wie unterschiedlich verschiedene Menschen diesen Zyklus von Vermuten, Bestätigen und Verwerfen erleben und bewerten. Besonders, wenn die Kommunikation der Medien, der Politik und der wissenschaftlich arbeitenden Menschen kein einheitliches Bild präsentiert, diplomatisch ausgedrückt. Das Spektrum der möglichen Reaktionen reicht von „Ist das nicht beruhigend, wie zuverlässig und wie schnell der objektive Prozess in der Forschung läuft?“ bis zu „Wieso widersprechen die sich denn jetzt schon wieder? Wie soll ich denen glauben?“

    Was machen wir aus diesen Erkenntnissen?

    Der sinnvollste Umgang mit dem Konzept des Confirmation Bias ist es, uns immer wieder klar zu machen, dass auch wir selbst ihm dann und wann aufsitzen und dass wir dafür gute Gründe haben. Am Ende läuft dieses Thema auf unser Bedürfnis nach Sicherheit heraus. Einfache, absolute Antworten auf komplexe Fragen sind tendenziell beliebter, genauso wie ein Beibehalten der einmal verkündeten Botschaft. Vorsichtige und unscharfe Formulierungen wirken auf viele Menschen wie Zeichen von Unsicherheit, genauso wie eine Neubewertung.

    Gerade in Krisenzeiten wie der aktuellen bedeutet das für Wissenschaft, Medien und Politik, einen Spagat zu finden zwischen wissenschaftlicher Genauigkeit, Vermittelbarkeit, Vereinfachung und Handlungsfähigkeit. Unsere Verantwortung als Teil der Bevölkerung ist es, uns dieser Zusammenhänge im Rahmen unserer Möglichkeiten bewusst zu sein, Verständnis mit den Bestätigungsfehlern aller Beteiligten zu haben, gleichzeitig aber unseren Beitrag zur möglichst großen Nähe unserer Wahrheit zur Realität zu leisten. Und freundlich aber solide anderen Menschen in unserem Umfeld Gelegenheiten zu bieten, ihr Denken neu zu arrangieren.

    Was meinst du?

    Wie geht es dir, wenn du mit Informationen konfrontiert wirst, die nicht zu deinen bisherigen Annahmen passen? Wie leicht fällt es dir, Dein Weltbild anzupassen? Wovon hängt es ab, ob dieses Aktualisieren für dich sogar eine erfreuliche Erfahrung sein kann? Und wann ist eigentlich der früheste Sonnenaufgang des Jahres?

  • Winter Solstice Basics

    Winter Solstice Basics

    The time around the 21st of December is celebrated in the Northern hemisphere as Christmas, Yule or Midwinter. This article is about the Winter Solstice basics as part of a series about the Wheel of the Year.

    Creating Your Own Optimism During Times of Darkness

    Earth is in an orbital position directly opposite the Summer solstice and now the astronomical circumstances are similar and at the same time reversed: The dark hours in the days are longest now but the rate of change in sunshine hours is smallest. As a result it feels like we may enjoy these dark days for a particularly long time, just like we did the bright days around the beginning of summer. And still I want to remind you that the Earth is anything but especially far away from the Sun.

    While the 1st of November tends to bring a menlancholy mood, the current darkness feels calming and intimate to me. Mentally facing the transience of everything in nature reduces its terror and all around us we observe that what felt like death is not actually a real ending. My rhubarb plant is sleeping peacefully under a blanket of tree leaves and my shrubs have freed themselves of all ballast and can rest now. Like in summer there is not much for me to do in my garden now that everything is stowed away, tucked in or has in any other way been winterised.

    For animals there are not many options to change their living conditions apart from hibernation or migration towards the opposite hemisphere. Their menu is meagre and depending on the latitude their only light is switched off early in the afternoon. Humans can do quite a lot to make this season really jolly. Even in less technology-heavy times people in some areas cut branches around the 4th of December to take them into their houses so they would blossom for Christmas. Even not especially religious people often put up evergreen trees in their living rooms for the season.

    Yule as a Holiday of Light

    The taming of fire meant that we could brigthen our nights at will and the Advent weeks are a particularly popular time for lighting candles, fireplaces, Advent wreaths and these days also electrical fairy lights. They make the darkness into a backdrop for warm mood lighting. Who would choose to hang fairy lights in their garden during summer? When the megalith monuments were erected, the days around the solstices offered the people of those times impressive drama. Nowadays the internet at least gives us the opportunity to get a tiny idea of the original spectacle from anywhere on Earth.

    Personally, the days around the Winter Solstice are a very hopeful time for me. Not just the lights but the entire package of traditional and modern carols. The baking and spices, eating cookies and writing cards. Thinking of others is good for my own wellbeing and also noticing that they are thinking of me. Singing together creates a deep connection, even if in 2020 there were less chances of doing this in person. Even here peoples‘ creativity provided seasonal singing online (The link is in German but for the singing sessions you just have to go to the channel and start the live video and sing along.) Even though my family and I decided to not give each other any gifts anymore, the basic idea of giving presents is a lovely one.

    Kitsch And Consumerism

    Obviously, all these traditions carry the potential of slipping into kitsch, consumerism and stress. Inflated expectations lead to some families fighting next to the Christmas tree twinkling cheerfully. There are challenges to be the last one to catch a perfomance of Last Christmas. Not surprisingly, many of us are sceptical towards the whole Christmas thing, to put it mildly.

    And yet the cosiness, light and liveliness that we seem to conjure up while nature does not currently provide much of any of them, underlines how humans are capable of making their own hope. We can influence our own optimism based not on pipe dreams and wishful thinking but on natural laws. We can use the laws of biology and physics to make branches blossom and LEDs light up.

    In the end, the Winter Solstice message is that the prospect of things turning around is real. The longest night is just one extreme point within our yearly orbit, just like the longest day. Listening to some seasonal music and nibbling ginger bread cookies by candlelight we can rely on the outside world getting brighter in time. Hope is not unfounded, which is why I especially look forward to the beginning of winter every year.

    What About You?

    How does Nature currently present itself where you live? How did you winterise your garden? What is your attitide towards the seasonal traditions of your area? What gives you hope and what based in reality can you do to increase your optimism for brighter days? Whom do you like to think of and which thoughtful present did you receive?

    Winter Solstice Meditation

    I have uploaded a short meditation about looking at how you deal with darkness and being alone and how much of a gift the light returning is. You can find it here.

    This post refers back to this main article and is part of a series on each of the eight holidays of the year. During 2020 I wrote a post for every one of those dates. Of course the cycle will carry on and I plan to add new things so stay tuned for the 2nd of February!

  • 21. Dezember: Wintersonnenwende

    21. Dezember: Wintersonnenwende

    Zuversicht in Zeiten größter Dunkelheit

    Wir sind der Sommersonnenwende genau gegenüber, ähnliche astronomische Vorgänge laufen jetzt mit umgekehrten Vorzeichen ab: Es ist zwar jetzt besonders lange dunkel, dafür ist die Änderungsrate wieder besonders klein. Diese dunkle Zeit dürfen wir also gefühlt besonders ausgiebig genießen, genau wie die Sonnenstunden zum Sommeranfang. Immer wieder interessant finde ich, dass die Erde aktuell alles andere als besonders weit weg von der Sonne ist.

    Die Natur legt sich schlafen

    War am 1. November die Stimmung noch eher melancholisch, empfinde ich die Dunkelheit dieser Tage eher als vertraut und beruhigend. Sich bewusst mental mit der Vergänglichkeit auseinander zu setzen, nimmt ihr einen Teil des Schreckens, und in der Natur zeigt sich, dass in manchen Fällen das scheinbare Sterben eigentlich gar kein wirkliches Ende ist. Mein Rhabarber schläft friedlich unter einer Decke aus Laub, meine Sträucher haben allen Ballast in Form von Laub abgeworfen und können jetzt ruhen. Genau wie im Sommer ist jetzt wenig für mich im Garten zu tun, wenn erst einmal alles ordentlich verstaut, zugedeckt oder sonst wie winterfest gemacht worden ist.

    Tiere haben im Winter wenig Optionen zur Veränderung ihrer Verhältnisse außer Winterschlaf oder der Reise auf die entgegengesetzte Erdhalbkugel. Für sie ist der Tisch spärlicher gedeckt und das Licht geht je nach Breitengrad nachmittags früh aus. Der Mensch kann eine ganze Menge unternehmen, um sich gerade diese Jahreszeit so richtig schön zu machen. Auch in weniger technologielastigen Zeiten war es schon üblich, zu Beginn des Dezembers, traditionell am 4.12., Zweige von verschiedenen Bäumen zu schneiden, die dann im warmen Haus zu Weihnachten blühten. Und auch eher nicht religiös ausgerichtete Menschen stellen sich noch heute gerne einen Weihnachtsbaum ins Wohnzimmer, eine immergrüne Botschaft an das Unterbewusstsein.

    Die Wintersonnenwende als Lichterfest

    Mit der Zähmung des Feuers konnten wir uns die Nacht erhellen und tun dies besonders gerne in der Adventszeit. Kerzen, Kaminfeuer, Adventskränze und in neuerer Zeit elektrische Festbeleuchtung sorgen dafür, dass die Dunkelheit zum Hintergrund für besonders stimmungsvolles Licht wird. Wer würde sich schon im Sommer eine Lichterkette in den Vorgarten hängen? Zur Zeit der Konstruktion der Megalithbauten boten die Tage um die Wintersonnenwende sicherlich noch beeindruckendere Schauspiele. Heutzutage macht es das Internet immerhin möglich, von allen Orten der Welt live dabei zu sein. So können wir einen Hauch vom Originaldrama vergangener Zeiten nachempfinden.

    Ich persönlich empfinde die Zeit um die Wintersonnenwende als extrem Zuversicht spendend. Nicht nur die Lichter, sondern das ganze Drumherum mit den traditionellen und modernen Liedern, dem Backen, den Gewürzen, dem Kekseknabbern und dem Weihnachtskartenschreiben. Es ist schön, an andere Menschen zu denken und zu merken, dass sie auch an mich denken. Gemeinsames Singen verbindet, sei es in Person oder in besonderen Zeiten als Onlineveranstaltung. Ich habe mit meinem direkten Umfeld abgemacht, dass wir uns nichts mehr schenken. Dennoch finde ich den Brauch der Weihnachtsgeschenke an sich im Grunde wunderschön.

    Kitsch und Konsum

    Alle diese Traditionen haben natürlich das Potenzial, ins Kitschige, in den Kommerz und Stress zu kippen. Überhöhte Erwartungen sorgen in manchen Familien vorhersehbar für Streit direkt neben dem fröhlich glitzernden Weihnachtsbaum. Es gibt Wettbewerbe, wer als Letztes von Last Christmas getroffen wird. Kein Wunder, dass manche Weihnachten insgesamt milde formuliert skeptisch gegenüber stehen.

    Und doch, was wir uns an Gemütlichkeit, Licht und Lebendigkeit zu einer Zeit in unser Leben holen, die gerade das von sich aus nicht bietet, zeigt für mich, wie wir Menschen unsere Hoffnung selbst merklich beeinflussen können. Wir machen quasi unsere Zuversicht selbst. Und das basiert letztlich nicht auf Luftschlössern und Wunschdenken. Denn das Blühen der Zweige genau wie das das Leuchten von Glühdrähten und LEDs folgt letztlich auch wieder nur Naturgesetzen, die wir gezielt für unser Wohlbefinden anwenden.

    Und am Ende ist die Botschaft der Wintersonnenwende, dass sich wirklich alles irgendwann wendet. Die längste Nacht ist nur ein Extrem im Kreislauf, genauso wie der längste Tag. Wenn wir es uns mit Lebkuchen und einer Weihnachts-CD bei Kerzenlicht gemütlich machen, dürfen wir garantiert damit rechnen, dass es irgendwann auch draußen wieder heller wird. Die Hoffnung ist nicht unbegründet, was mich jedes Jahr dem Winterbeginn entgegen fiebern lässt.

    Wie sieht es bei dir aus?

    Wie zeigt sich aktuell die Natur dort, wo Du lebst? Wie hast Du Deinen Garten winterfest gemacht? Wie stehst Du zu den Weihnachtstraditionen Deiner und anderer Regionen? Was gibt Dir Zuversicht und was kannst Du selbst zu Deiner Hoffnung auf hellere Zeiten beitragen? An wen denkst Du gerne und was wurde Dir vielleicht besonders Schönes geschenkt?

    Dieser Artikel bezieht sich übrigens auf diesen Hauptblogpost. Im Laufe des Jahres 2020 habe ich für jeden Termin einen weiteren Artikel dazu gefügt. Natürlich geht der Kreislauf weiter und ich werde auch für kommende Jahre Neues hinzufügen. Sei also gespannt auf den 2. Februar!

  • Samhain Basics

    Samhain Basics

    The 31st of October and the 1st of November are also called Halloween, All Souls‘ or All Saints‘ Day. This article is about the Samhain basics as part of a series about the Wheel of the Year.

    The Celebration of Transience and Letting Go

    Winter is officially still far away and yet Germany setting the clocks back a week ago only added to me being very much aware of the hours of light waning for astronomical reasons. Every day around 5pm I look out through the windows wondering where the day has gone. Back at the equinox I was pleased with the trees starting their colourful autumn spectacle. Now a large portion of those leaves are on the ground slowly transforming into a brownish slush. The air smells of fungi and compost and the only crop left over in my vegetable patch is the curly kale I am keeping in there for a winter harvest. The trees in my region run the whole gamut from basically still green through golden but already mightly ruffled to mostly naked. The level of nakedness is not only due to the species of tree, some lose their foliage earlier than others depending on location and wind flow.

    The current theme is obvious: Directly opposite the happily fertile Mayday, nature now showcases its powerful process of disintegration. The evolution of species and entire ecosystems is based on other species and individual beings dying. Life without death would soon use up the space and resources of a limited planet. As important as the fresh combination of genes is as a theme for spring, we also need organisms to decompose and release their matter as building blocks for coming generations of beings. Marriage and decay complement each other as perfect opposites.

    SamhainTraditions

    Even in socially distanced 2020, Halloween was widely celebrated. This rather modern custom of celebrating everything spooky always happens just before All Saints‘ Day and All Souls‘ Day, even though in some regions Protestants commemorate the dead on the last Sunday before Advent called Totensonntag. The Day of the Dead in Mexico is an especially lively version of celebrating human transience but some kind of historical custom is very plausible for other regions of the Earth as well. Even though the Celtic and Germanic peoples of old may not necessarily have called their festivals Samhain or Álfablót, the seasonal conditions and the necessity of reducing their herds down to a size manageable during winter made Death very much visible in early November and very likely a welcome occasion for celebration.

    The Power of Letting Go

    Some things we easily let go of because their time has just come, some other things are snatched from our hands. Some people seem to be taken from us much too early and some relationships unexpectedly wilt in front of our eyes. We can influence some things (especially our attitude towards letting go), others are beyond our control. Time does not stop for anyone however much we would wish it to. To me, the current times are reason for a lot of gratitude and not the one I feel because of a rich harvest. What makes me grateful is thinking back to all beings who went before me. There is a reason the symbol I chose for this day also evokes pictures of family trees: Millions of years ago there were pioneer organisms leading to beings like me. Much later my more or less direct ancestors existed whose genes make up large sections of my own DNA. And then there is the cultural history of humans which means we do not always have to go back to square one at the start of life. Those who went before us left us inventions and knowledge and they fought for the implementation of rights that today I benefit from.

    As sad as a bare tree might look, it has not died itself, just the leaves decomposing at its roots. Anything that is not strictly needed in Winter is shut down and removed. The trunk and limbs stay back, resilient and prepared for the cold times to come and ready to make use of the compost in Spring. In a similar way, the beginning of November is a good reminder for checking the resilient parts inside of me. What is going to remain after the loose parts of my personality have been pulled off by the storms of Time? Where are my own solid backbone and my strong roots?

    What About You?

    How does Nature currently present itself where you live? Are there still any animals to watch outside? What is the ratio of trees still in leaf versus the bare ones? Which qualities did you inherit from your ancestors? What would you have liked to keep, what are you mourning for? Where do you see the resilient backbone part of yourself? What is your general position towards the transformation of things we mistakenly feel are ours into fertiliser for other people in the future? Which parts of human history make you feel especially grateful?

    Samhain Meditation

    I have uploaded a short meditation about looking at what is really essential for you to try another approach to this holiday. You can find it here.

    This post refers back to this main article and is part of a series on each of the eight holidays of the year. During 2020 I will write another post for every one of those dates so stay tuned for the 21st of December!

  • 1. November: Allerheiligen, Samhain, Halloween

    1. November: Allerheiligen, Samhain, Halloween

    Das Feiern der Vergänglichkeit

    Es ist offiziell noch nicht Winter, aber zusätzlich zur astronomisch bedingten Abnahme der Lichtstunden auf der Nordhalbkugel hat die Zeitumstellung hier in Deutschland spürbar dazu beigetragen, dass mir immer wieder Nachmittags um 17 Uhr besonders deutlich wird, dass sich die dunkle Zeit wieder gemütlich breit macht. Zum Herbstanfang begeisterte mich noch der Start des alljährlichen Farbspektakels der Bäume in meiner Umgebung, jetzt liegen viele der ehemals leuchtenden Blätter auf dem Boden und werden dort zu braunem Matsch transformiert. Die Luft riecht nach Pilzen und Kompost und in meinem Gemüsebeet ist quasi nur noch der Grünkohl übrig geblieben. Die Bäume hier präsentieren die komplette Skala von noch einigermaßen grün über golden aber schon amtlich gerupft bis hin zu ziemlich nackt. Dabei hängt der Nacktheitsgrad nicht nur von der Baumart ab, manche erwischt es einfach früher, je nach Standort und Windeinfall.

    Der Tod als Bestandteil der Evolution

    Das aktuelle Thema ist nicht zu leugnen: Im Jahreskreis direkt gegenüber dem befruchtungsfreudigen 1. Mai präsentiert die Natur uns jetzt den Prozess der Zersetzung. In der Evolution basiert die Weiterentwicklung von Arten und Ökosystemen auf dem Ende einzelner Individuen und anderer Arten, ohne den Tod wäre in einer Welt mit begrenzten Ressourcen ein Fortschritt bald nicht mehr möglich. Und so wichtig die Durchmischung der Gene im Mai auch war, so wichtig ist es auch, die Bausteine einiger Organismen zu recyclen, um neue Lebewesen damit zu ernähren. Die Hochzeit und das Verrotten ergänzen sich als perfekte Gegensätze.

    Mythen und Traditionen

    Auch in diesem Jahr wird am 31.10 Halloween gefeiert. Dieser eher moderne Gruselbrauch fällt zusammen mit Allerheiligen und Allerseelen, dem Gedenken an verstorbene Heilige und Nichtheilige. Der protestantische Totensonntag findet allerdings erst am letzten Sonntag vor dem Advent statt. In Mexiko ist diese Tradition besonders lebhaft verwurzelt, aber auch in anderen Regionen sind alte Bräuche zum Thema Vergänglichkeit um diese Zeit herum sehr plausibel, ob sie nun bei den alten keltischen und germanischen Stämmen wirklich unter den Bezeichnungen Samhain beziehungsweise Álfablót gefeiert wurden oder nicht. Die jahreszeitlichen Gegebenheiten und die Notwendigkeit, zum Jahresende die Tierherden auf eine Zahl zu reduzieren, die durch den Winter gebracht werden konnte, machte den Tod sicherlich damals Anfang November besonders sichtbar und sehr wahrscheinlich feierwürdig.

    Dankbarkeit für meine Wurzeln

    Manches Alte lassen wir gerne los, weil es einfach Zeit ist, manches wird uns stürmisch aus der Hand gerissen. Manche Menschen gehen gefühlt weit vor ihrer Zeit und manche Beziehungen verwelken unerwartet vor unseren Augen. Einiges haben wir in der Hand (vor allem unsere Haltung zum Loslassen), vieles aber auch nicht. Der Kreislauf hält eben nicht auf unseren Wunsch an. Für mich ist in dieser Zeit sehr viel Dankbarkeit dran, und zwar eine andere Form als die über eine reiche Ernte. Ich bin eher dankbar für diejenigen Lebewesen, die vor mir gegangen sind.

    Nicht umsonst steht mein Symbol für das aktuelle Fest auch für einen Familienstammbaum: Vor Millionen von Jahren lebten Wegbereiter für Wesen wie mich, viel später meine mehr oder weniger direkten Vorfahren, deren DNA ich zu großen Anteilen in mir trage. Aber auch die kulturelle Entwicklung der Menschen macht mich dankbar: Wir fallen nicht bei jeder Runde wieder auf Null zurück. Die, die vor uns da waren, haben uns Erfindungen und Kenntnisse hinterlassen. Sie haben in unseren Gesellschaftssystemen Rechte durchgefochten, von denen ich heute profitiere.

    Was bleibt, ist der resiliente Kern

    So traurig ein kahler Baum auch aussieht, nicht er ist gestorben, sondern die Blätter, die sich unter ihm in ihre Bestandteile auflösen. Alles, was nicht gebraucht wird, wird heruntergefahren. Der Stamm und die Äste bleiben stehen, resilient und für die kalte Zeit gewappnet. Mit dem Kompost zu seinen Wurzeln stellt der Baum dann den Neustart im nächsten Jahr sicher. Entsprechend ist der Novemberanfang für mich Anlass abzuklopfen, was meine resilienten Anteile sind: Was bleibt eigentlich, wenn meine losen Blätter abgezaust werden? Wo habe ich ein starkes Rückgrat und solide Wurzeln?

    Wie sieht es bei dir aus?

    Wie zeigt sich aktuell die Natur dort, wo Du lebst? Sind überhaupt noch viele Tiere zu beobachten? Wie ist das Verhältnis der belaubten zu den kahlen Bäumen? Was hast Du von Deinen Vorfahren an Eigenschaften geerbt? Was hättest Du gerne behalten, was betrauerst Du? Wo siehst Du Deine eigenen resilienten Anteile? Wie ist ganz allgemein Dein Verhältnis zur Transformation von Gewohntem zum Dünger für die Zukunft? Was in der Geschichte der Menschheit macht Dich dankbar?

    Hier habe ich eine Meditation zum Thema Ernten und Bilanzziehen hochgeladen. Vielleicht ist es ja noch einmal tiefgehender, die Fragen zum 1. August in einer anderen Weise auf sich wirken zu lassen.

    Dieser Artikel bezieht sich übrigens auf diesen Hauptblogpost. Im Laufe des Jahres 2020 werde ich für jeden Termin einen weiteren Artikel dazu fügen. Sei also gespannt auf den 21. Dezember!

  • 22. September: Herbstanfang

    22. September: Herbstanfang

    In Dankbarkeit ernten und loslassen

    Gestern habe ich zum ersten Mal wieder bewusst wunderschönen Morgennebel wahrgenommen. Es ist nicht zu leugnen: Am 1. September war der meteorologische Herbstanfang. Jetzt beginnt er auch auf astronomischer Ebene.

    Die Temperaturen sinken und so allmählich beginnen die Blätter in Rot- und Goldtönen zu leuchten. Das ist die Zeit, in der ich regelmäßig die morgens angezogene lange Hose irgendwann über den Tag bereue.

    Die Herbsttagundnachtgleiche liegt auf der Erdbahn dem Frühlingsäquinoktium gegenüber. Der lichte Tag und die Nacht sind also wieder gleich lang, die Änderungsrate der Sonnenstunden wieder am größten. Die Nordhalbkugel der Erde betritt die dunklere Jahreshälfte, allerdings wird die tägliche Zunahme der dunklen Zeit ab heute wieder stetig kleiner.

    Das Obst wird reif

    War zum 1. August die Getreideernte aktuell, so liegt zum Herbstanfang in meinem Bewusstsein der Schwerpunkt auf Obst, wie zum Beispiel Äpfel, Birnen, Pflaumen und Holunderbeeren. Manche Pflanzen in meinem Garten haben die Hoffnung noch nicht aufgegeben. Zum Beispiel hängen noch ein paar tapfere grüne Tomaten am Strauch. Die Sonnenblumen vor der Tür sind tatsächlich erst kurz vorm Aufblühen.

    Auch ich selbst frage mich, was ich jetzt noch anfangen oder weiterführen will und welches Laub ich vielleicht einfach zum Abschied rot leuchten lassen möchte, welche Früchte nicht mehr reif werden müssen. Und welche Ernte ich wie für die dunkle Zeit haltbar machen kann, im realen Sinn genau wie im übertragenen.

    Mythen und Traditionen zum Herbstanfang

    Ganz sicherlich ist jetzt eine Zeit für Dankbarkeit, einen Rückblick auf das, was uns dieses Jahr geschenkt wurde. In der jüdischen Tradition fällt Sukkot, das „Fest des Einsammelns“ (neben der zweiten Bedeutung als Laubhüttenfest), in die Zeit um den Herbstanfang. Weltweit war für die Menschen in früheren Zeiten noch viel mehr als heute die Fülle dieser Jahreszeit existenzentscheidend. In diversen Mythen wandelt eine Vegetationsgottheit jeweils vom Frühlingsanfang bis zum Beginn des Herbstes auf der Erde. Danach kehrt sie in die Unterwelt zurück. Eine ähnliche Tendenz ist bei Pflanzen zu beobachten, die in der helleren Jahreshälfte sprießen, blühen, Früchte tragen und sich am Ende dieser Phase teils ganz wieder unter die Erde zurückziehen.

    Auch wir Menschen verbringen im Frühling und Sommer tendenziell mehr Zeit draußen. Wir werkeln im Garten, genießen die Sonne, gehen draußen baden. In der dunkleren Jahreszeit machen wir es uns zu Hause gemütlich, ordnen Vorräte und ziehen Bilanz. Traditionell steht bald das kirchliche Erntedankfest an, das sich am Festtag Michaelis orientiert, dem 29. September. An diesem Tag wurde offiziell die Saison für die Arbeit bei Kunstlicht gefeiert, entsprechend der Bauernregel „Der Michel zündt’s Licht an“.

    Balance zwischen Aufwand und Ergebnis

    Eines der Attribute Michaels ist übrigens die Seelenwaage, eine weitere Verbindung zum Titelbild meines aktuellen Beitrags. Denn das Symbol für Balance bedeutet immer auch ein Abwägen. In der Chemie und Physik gelten die Gesetze der Erhaltung von Energie, Impuls und Masse. Im übertragenen Sinn, aber auch im eigenen Garten empfinden wir das manchmal ein bisschen anders.

    Bei manchen Projekten steht eine große Anstrengung eher bescheidenem Erfolg gegenüber. Bei anderen ist es umgekehrt und manchmal hält sich beides die Waage. Natürlich verschwindet auch hier weder Materie noch Energie auf magische Weise, nur sehen wir nicht bewusst, wo genau sie landen.

    Wie sieht es bei dir aus?

    Wie zeigt sich aktuell die Natur dort, wo Du lebst? Wie bereiten sich Tiere eventuell schon auf den Winter vor? Welche Äcker, Bäume und Sträucher sind vielleicht noch nicht abgeerntet? Wie ist es bei Dir in diesem Jahr gelaufen? Was hast Du geerntet, was hattest Du erhofft? Wo hast Du weniger investieren müssen als gedacht, wo war das Resultat reicher als erwartet? Wofür bist Du dankbar? Was willst Du haltbar machen? Und was kannst Du leichten Herzens loslassen? Wie leicht fällt es Dir, den Sommer zu verabschieden und Dich auf die Kerzenscheinjahreszeit einzulassen.

    Hier habe ich eine Meditation zum Thema Ernten und Bilanzziehen hochgeladen. Vielleicht ist es ja noch einmal tiefgehender, die Fragen zum 1. August in einer anderen Weise auf sich wirken zu lassen.

    Dieser Artikel bezieht sich übrigens auf diesen Hauptblogpost. Im Laufe des Jahres 2020 werde ich für jeden Termin einen weiteren Artikel dazu fügen. Sei also gespannt auf den 1. November!

  • Autumn Equinox Basics

    Autumn Equinox Basics

    Autumn Equinox Basics

    The time around the 21st of September is the astronomical beginning of autumn. This article is about the Autumn Equinox basics as part of a series about the Wheel of the Year.

    Weighing Out Your Harvest and Letting Go

    Yesterday for the first time in months, I noticed the beautiful morning mist outside my house. There is no denying the facts: The 1st of September marked the meteorological beginning of autumn and today we enter it a second time in astronomical terms. Temperatures have dropped and the foliage around me has taken on some brilliant red and golden accents. This is the time when later in the day I often regret putting on long trousers in the morning. The autumn equinox is directly opposite Earth‘s spring position in its orbit. The light and dark hours are equal for a very short while, however the rate of change is highest. So the northern hemisphere starts its journey into the darker half of the year, even though the dark minutes added each day become shorter.

    While the 1st of August was more about the grain harvest, to me the main focus is now on fruit like apples, pears, plums and elderberries. Some plants in my garden have not yet given up hope, there are some valiant green tomatoes still hanging on the vine and some of my sunflowers are just about to bloom at last. I myself wonder which projects I still want to start or carry on, what leaves I would prefer to let go of in a blaze of red colours, which fruits I can allow myself to not push to ripening. Also which harvest I can and want to preserve for the coming dark months, literally and metaphorically.

    Traditions all over the world and throughout human history

    In any case this is a time for gratitude, for looking back at what we have been given this year. The Jewish tradition celebrates Sukkot around the beginning of autumn. As well as commemorating the exodus from Egypt, Sukkot is a harvest festival called the „Festival of Ingathering“. Around the world humans in earlier days were existentially dependent on this season‘s abundance: A wealth of myths tells about a vegetation deity who walks the Earth‘s surface from spring until autumn and then has to return to some dark underworld. Similarly, during the lighter half of the year plants sprout, bloom, bear fruit and at the end in some cases actually withdraw underground for hibernation. Humans also tend to spend more time outside during spring and summer: gardening, bathing in a lake or just enjoying the warmth of the sun. In autumn and winter we stay snug inside our homes, fixing our supplies and taking stock. Traditionally, church harvest festivals are based on the 29th of September, the feast day of Michaelmas. This date was also often the official start of the winter night curfew.

    Time to Take Stock

    One of Michael‘s attributes are the scales he uses to weigh human souls, another connection with my blog post image. After all, this symbol for balance also always involves the aspect of weighing things against each other. In Physics and Chemistry we find the laws of conservation of energy, momentum and mass. Metaphorically (but also in our gardening reality) we sometimes experience things differently. In some projects an enormous effort yields only little gain, in others the ratio seems to be the other way around and in some cases input and output feel equally balanced. Of course, in those instances neither energy nor matter disappear as if by magic, we just do not have the means to observe where exactly they go.

    What About You?

    How does Nature currently present itself where you live? How do animals prepare themselves for the coming dark period? Which fields, trees and bushes have not yet been emptied of their bounty? How has this year been for you so far? Which harvest did you reap, what had you hoped for, where did you have to invest less than you thought you would have to, where did you receive more than expected? What are you grateful for? What do you want to preserve? What can you let go of with a light heart? How easy is it for you to send off Summer at the autumn equinox and look forward to the season of candlelight?

    Autumn Equinox Meditation

    I have uploaded a short meditation about weighing decisions for you to try another approach to this holiday. You can find it here.

    This post refers back to this main article and is part of a series on each of the eight holidays of the year. During 2020 I will write another post for every one of those dates so stay tuned for the 1st of November!

  • Lughnasad Basics

    Lughnasad Basics

    The 1st of August is the mid-point between the summer solstice and the autumn equinox. This article is about the Lughnasad basics as part of a series about the Wheel of the Year.

    Awareness for Seemingly Unimportant Things

    The 1st of August is one of those four days in between the prominent equinoctial and solstitial positions in the Earth‘s orbit. While the other three found their way into the general public‘s calendar as Candlemas, Labour Day and All Hallows, this day is only really celebrated on a national scale in Switzerland, based in history not season. Modern definitions do not appear to be especially connected to each other nor do they have much of an agrarian connotation: Mahjong, girlfriends and canon singing among others. In my personal case the first weekend in August is usually devoted to open air entertainment, another reason for me usually not spending too much attention to this special day in the wheel of the year.

    Lughnasad Myths and Tradtions

    In Celtic traditions the 1st of August was celebrated as Lughnasadh and to this day it is an official Bank Holiday in Scotland and Ireland. One basic ascpect of the traditions was a solemn cutting and sacrificing of the first sheaves of grain on a field. On the British Isles there was also the custom of making the last sheaves into sometimes very elaborate corn dollies.

    In my garden the main thing to observe at the moment is the heat so my most important activity is watering the plants that I so lovingly cultivated so they do not give up on the finishing straight. As it happens, what I most notice in my region are the golden fields of grain, even though the actual harvest date is not fixed according to the calendar but to the variety, the ripeness and the grain moisture, Each year farmers keep their eyes on the weather most diligently and weigh the hours of sunshine that might still be on offer with being able to take in their crops while dry enough.

    Transforming Grain into Bread

    Not every type of cereal is meant for baking bread and not all of them are harvested between July and August. In different regions of the Earth different plants provide the basis for the population‘s „daily bread“, for example wheat, corn or rice. While some of us prefer a low carb diet, some have an intolerance toward gluten, I am a very happy fan of bread. Also during 2020 I fell in love with sourdough and the fascinating process of fermentation which humans discovered early to make their food more nutritious and digestible. (And in some cases to transform grain into alcoholic beverages.)

    Until very recently, I had not been aware that rye, which needs sourdough fermentation to make a good bread, had been the main staple bread cereal in large parts of Europe for centuries. In general, these days we often have not too much of an idea about the history and the making of bread, the basic food for many people in many corners of the Earth, or about how and when the different plant species are grown. Just like we have a very loose connection with the 1st of August as one stop on our journey through the seasons, we are not often consciously appreciative of the current harvest that secures a big chunk of our food calories. I find this remarkable and intend to learn more about bread and its fundamental contribution to human history. Some things are so plainly visible to us that we hardly notice them. Until they are not there anymore.

    What About You?

    How does Nature currently present itself where you live? Have the corn fields been harvested yet? How much are you aware of the significance, history and making of bread or other staples you might rely on? What do you have to water and cool, so it does not wilt in the abundance of sunshine? Is there a corn dolly tradition in your regional culture? Where in your life are things that you may take for granted, but which are actually very important? What can you do to increase your awareness of them?

    Lughnasad Meditation

    I have uploaded a short meditation about gratitude and successful cooperation for you to try another approach to this holiday. You can find it here.

    This post refers back to this main article and is part of a series on each of the eight holidays of the year. During 2020 I wrote a post for every one of those dates. Of course the cycle will carry on and I plan to add new things so stay tuned for the 22nd of September!

  • 1. August: Lammas

    1. August: Lammas

    Dankbarkeit für scheinbar Nebensächliches

    Lammas ist einer der vier Tage, die jeweils mittig zwischen den herausragenden Tagundnachtgleichen und Sonnenwenden liegen. Der 2. Februar als Lichtmess, der 1. Mai als Tag der Arbeit und der 1. November als Allerheiligen haben in der allgemeinen Bevölkerung wenigstens ansatzweise eine Bedeutung.

    Dagegen ist der 1.August nur in der Schweiz ein Nationalfeiertag und zwar historisch, nicht jahreszeitlich begründet. Die erst in jüngerer Zeit diesem Tag zugeschriebenen Definitionen sind weder in sich zusammenhängend noch haben sie eine besondere landwirtschaftliche Facette: Tag des Senfs, Mittelfingers, Kanons, Spider-Man und der Freundinnen.

    In meinem Fall steht das erste Augustwochenende regelmäßig für Freiluftunterhaltung. Das ist ein weiterer Grund dafür, dass auch ich dieses Datum bisher nicht sonderlich bewusst als Feiertag im Jahreskreislauf erlebt habe.

    Mythen und Traditionen zu Lammas

    Im keltischen Bereich wurde am 1. August ein Fest namens Lughnasadh gefeiert, und auch heute noch ist der erste Montag im August in Schottland und Irland ein sogenannter Bank Holiday, also ein allgemeiner freier Tag. Grundlegender Bestandteil von Lughnasadh ist das bedächtige Schneiden und Opfern der ersten Kornähren eines Feldes. Zumindest auf den Britischen Inseln gab es darüber hinaus noch die Tradition, aus den letzten Ähren kunstvolle Figuren zu basteln.

    Die Getreidefelder leuchten

    In meinem Garten ist es zur Zeit hauptsächlich heiß und trocken, meine wichtigste Beschäftigung ist also das Wässern, damit meine liebevoll gezogenen Pflanzen jetzt nicht auf den letzten Metern schlapp machen. Aktuell öffnet sich hier ansonsten auf Feldern und Äckern gerade so richtig das Füllhorn. Besonders ins Auge fallen mir tatsächlich die goldenen Wintergetreidefelder. Deren genauer Erntezeitpunkt hängt allerdings nicht am Datum, sondern an der Sorte, dem Reifegrad und der Feuchtigkeit der Körner. Jedes Jahr aufs Neue wird genauestens das Wetter beobachtet und überlegt, ob es sich lohnt, noch ein paar Tage zu warten oder ob es sinnvoller ist, die paar potentiellen Sonnenstunden nicht mitzunehmen, dafür aber die Ernte trocken unter Dach und Fach zu bringen.

    Das „tägliche Brot“

    Nicht jede Getreidesorte ist zum Brotbacken gedacht und geeignet und nicht jede ernten wir Anfang August. In verschiedenen Regionen der Erde sind unterschiedliche Pflanzen Grundlage des „täglichen Brotes“, zum Beispiel Weizen, Mais oder Reis. Manche unter uns sind eher auf der Seite der Low-Carb-Ernährung, andere vertragen kein Gluten. Ich persönlich bin allerdings eine große Brotfreundin. Vor allem bin ich seit Mitte 2020 auch endgültig dem Sauerteig erlegen, dem faszinierenden Prozess der Fermentation, den die Menschen schon früh entdeckten und damit Getreide für sich bekömmlicher und nahrhafter machen konnten. (Oder Getreide zu dem einen oder anderen alkoholischen Getränk transformieren.)

    Mir war gar nicht bekannt, dass Roggen nach dem Säuern überhaupt erst backfähig ist und trotzdem im Bereich des heutigen Deutschlands lange Zeit die wichtigste Brotgetreidesorte war.

    Heutzutage sind generell Kenntnisse über Geschichte und Herstellung des weltweit verbreiteten Grundnahrungsmittels Brot sowie über den Anbau der beteiligten Getreidesorten bei einem Großteil der Bevölkerung nicht mehr ganz an vorderster Stelle im Bewusstsein abgelegt.

    Und so wenig wir mit Lammas als Station auf der Reise durch die Jahreszeiten verbinden, so wenig sind wir oft bewusst dankbar dafür, dass ungefähr zu dieser Zeit die Grundlage für einen großen Teil unserer Nahrungskalorien geerntet wird. Das finde ich bemerkenswert.

    Und ich nehme mir vor, noch mehr über das Brot und seine grundlegende Verbindung zur Geschichte der Menschen zu lernen. Manches haben wir so oft vor Augen, dass wir es kaum noch wahr nehmen, bis es es fehlt.

    Wie sieht es bei dir aus?

    Wie zeigt sich aktuell die Natur dort, wo Du lebst? Ist das Getreide schon abgeerntet? Wie bewusst ist Dir die Bedeutung, Geschichte und Herstellung Deines tägliches Brotes / Deiner sonstigen Grundnahrungsmittel? Was musst Du aktuell besonders gründlich wässern und abkühlen, damit es nicht vor lauter Sonnenschein eingeht?

    Gibt es in Deiner Region eine Tradition zu Lammas wie die traditionellen Corn Dollys? Wo gibt es in Deinem Leben eventuell scheinbare Nebensächlichkeiten, die eigentlich wichtig sind, die Du aber vor lauter Grundsätzlichkeit nicht mehr siehst? Wie kannst Du Dein Bewusstsein dafür steigern?

    Hier habe ich eine Meditation zum Thema Dankbarkeit und Zusammenarbeit nicht nur, aber besonders zu Lammas hochgeladen. Vielleicht ist es ja noch einmal tiefgehender, die Fragen zum 1. August in einer anderen Weise auf sich wirken zu lassen.

    Dieser Artikel bezieht sich übrigens auf diesen Hauptblogpost. Im Laufe des Jahres 2020 habe ich für jeden Termin einen weiteren Artikel dazu gefügt. Natürlich geht der Kreislauf weiter und ich werde auch für kommende Jahre Neues hinzufügen. Sei also gespannt auf den 22. September!

Cookie Consent mit Real Cookie Banner