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  • Tag der Fehler – 15. August

    Tag der Fehler – 15. August

    Die Blogparade unter dem Stichwort „relevant“ dreht sich im August um Gedenktage. Heute ist in den USA der Tag der Fehler. Da stellt sich vielleicht die Frage, was es an Fehlern überhaupt zu feiern gibt. Hier meine Antwort darauf:

    Ohne Fehler keine Entwicklung

    Die Evolution der Arten basiert auf Mutationen. Wörtlich bedeutet dieser Begriff Veränderungen am Erbgut. Allerdings entstehen viele dieser Veränderungen durch Ablese- oder Kombinationsfehler. Gäbe es diesen biologischen „Fehlermechanismus“ nicht, wären wir heute nicht hier. Die ersten einzelligen Lebewesen hätten sich nie über das erste Stadium hinaus entwickelt.

    Auch eine Reihe von Erfindungen ursprünglich basieren auf Fehlern: Post-Its, Teebeutel, und Penicillin sind nur drei Beispiele dafür. Wissenschaftliches Arbeiten bedeutet nicht, dass sich Menschen in Experimenten einfach ihre Vermutungen bestätigen und ein paar Jahrzehnte später in Schulbüchern auftauchen.

    Auch in meiner eigenen Erfahrung bestand der größte Teil meiner Forschungsarbeit aus nicht „funktionierenden“ Versuchen. Der Punkt ist, was wir aus diesen Ergebnissen machen. Als ich eine andere Lehrerin bei ihrer Masterarbeit begleitete und sie in einem Teilbereich unerwartete Daten herausbekam, brauchte ich viel Geduld, bis sie einsah, dass auch das ein legitimes Ergebnis war. Und dass es ihr keine schlechte Note bescheren würde.

    Manches Ergebnis fühlt sich wie ein Fehler an. Dabei ist es eigentlich nur die Rückmeldung, das wir bei unseren Vermutungen nicht immer davon ausgehen sollten, dass sie schon stimmen werden. Offenheit für die Realität und ihre Ergebnisse bringen uns Lernzuwachs. Oder anders gesagt: Wer keine Fehlererfahrungen machen will, wird weniger effektiv lernen, wenn überhaupt.

    Screenshot aus Duolingo, eine kleine Cartooneule taucht aus einem Loch im boden auf und winkt. Darüber steht You made 1976 mistakes this year.

    In meinem Unterricht sage ich oft: Wie gut, dass dieser Fehler hier passiert ist und nicht erst in der Arbeit oder der Prüfung. Bei mir gibt es keine Noten und keinen Druck. So sind Fehler tatsächlich fruchtbare Aufhänger für neu sortierte Gedankengänge. Die Fehlerkultur in unserem Bildungssystem und auch im Arbeitsbereich wäre nochmal ein ganzes Thema für sich.

    Ich merke jedenfalls, wie meine Schüler:innen erst eine Offenheit dafür entwickeln müssen, dass sie nicht alles aus dem Stand perfekt hinbekommen. Das ist ein Teil der Gründe, warum sie sich überhaupt erst bei mir zur Nachhilfe anmelden.

    Fehler unter Mitmenschen

    Manchmal kommt es vor, dass wir uns Anderen gegenüber falsch verhalten. Wenn wir sie oder die Situation missverstehen. Oder wenn wir urteilen, ohne alle Informationen gehabt zu haben. Wenn wir unsere schlechte Laune an zufällig in der Nähe Stehenden auslassen. Solche Fehler bringen natürlich zunächst die Gemeinschaft nicht voran.

    Und gleichzeitig gilt auch hier: Wer im zwischenmenschlichen Bereich Fehler zu 100% vermeiden will, dürfte im Grunde keinen Kontakt zu Anderen haben. Weil wir einfach nicht perfekt sind. Außerdem kommt es auch hier sehr stark darauf an, wie wir mit der Situation hinterher umgehen. Einsicht, um Verzeihung bitten und Dazulernen sind Verhaltensweisen, die eine Gemeinschaft stärken können.

    Wobei wir uns auch klar sein müssen, dass es keinen Anspruch auf Verzeihen gibt. Für das Miteinander hilft es, sich vorher zu bemühen und im Nachhinein die neu gelernten Lektionen auch umzusetzen:

    Türkise Zitatkachel mit weißem Text: Do the best you can until you know better. Then when you know better do better. Maya Angelou

    Auch hier gehören zu einer konstruktiven Haltung wieder Offenheit und Lernbereitschaft. Dann können an den Bruchkanten neue Verbindungen entstehen wie in der japanischen Reparaturmethode Kintsugi, bei der zerbrochene Gegenstände zu Kunstwerken werden.

    Muss ich mich über Fehler freuen?

    Ein Teil meiner Persönlichkeit ist ein kleiner Hulk. Seine Lunte ist kurz und wenn Dinge nicht gut laufen, wird er laut. Auch wenn ich gefühlt nicht so gute Leistungen abliefere, wie ich sie von mir erwarte. In diesen Momenten könnte ich versuchen, mir die Fehler schön zu reden und dem Hulk zu erklären, wie toll es ist, dass wir gemeinsam lernen. Oder ich kann mir eingestehen, dass ich nicht gerne falsch liege und dann frustriert bin.

    Aus meiner Sicht ist das eine Frage der Gleichzeitigkeit. Ich weiß, dass Fehler mich voran bringen. Und sie machen mich manchmal wütend. Beides gehört zu meiner Realität. Und oft hängt es auch von der Situation ab, von meiner Tagesverfassung und davon, wie stark sich ein Fehler auf mein Leben auswirkt. Manchmal sitzt nicht der Hulk in der Steuerkanzel, sondern der neugierige und kreative Teil in mir, der sagt: „Ach, ist ja spannend!“ Und dann fallen wir meistens in den nächsten Kaninchenbau und informieren uns über ein neues Thema.

    Also nein, niemand muss sich über Fehler freuen, wenn die Zähne eigentlich knirschen. Neben Nachsicht mit mir und anderen Menschen hilft ein grundsätzlich offenes Bewusstsein dafür allerdings weiter. Und sei es nur einmal im Jahr am Tag der Fehler.


    Das Beitragsbild ist von Ruthann Hurwitz unter der Lizenz CC BY-SA 4.0.

    Fediverse-Reaktionen
  • Tag der Unendlichkeit – 8. August

    Tag der Unendlichkeit – 8. August

    Die Blogparade unter dem Stichwort geht in die dritte Runde. Im August schreiben wir über Gedenktage, und heute am 8. August ist unter anderem der Tag der Unendlichkeit. Meine Katze wird es mir verzeihen, dass ich heute mal nichts über sie erzähle, hoffe ich. Denn außerdem ist auch Weltkatzentag, aber der ist in unserem Haushalt eigentlich immer 😉

    Warum der 8.8. als Tag der Unendlichkeit?

    Das Photo ist von Izabel 🏳️‍🌈 auf Unsplash. Und damit sollte schon ersichtlich sein, aus welchem Grund dieses Datum gewählt wurde: Die „horizontale Acht“ wurde 1655 von John Wallis als Zeichen für „unendlich“ eingeführt. Und eine doppelte Acht ist natürlich doppelt so passend.

    Jean Pierre Ady Fenyo führte den „Infinity Day“ ein. Er wollte damit die allgemeine Bevölkerung zum philosophischen Denken animieren. Fenyo ist unter dem Spitznamen „Free Advice Man“ bekannt geworden, nachdem er zeitweise ohne festen Wohnsitz in New York an einer Straßenecke als Philosoph seinen Rat gegen Spenden anbot.

    Ich fand besonders spannend, dass dieser Gedenktag nicht ursprünglich mathematisch gedacht war. Obwohl natürlich Mathematik und Philosophie eine große gemeinsame Schnittmenge haben. Wobei das in meiner Liebeserklärung an die Mathematik gar nicht so ausdrücklich vorkommt. Aber genau wie die Philosophie sollte meiner Ansicht nach die Mathematik allen Menschen zugänglich sein.

    Unendlichkeit in meinem Berufsalltag

    Es gibt regelmäßig Berührungspunkte mit der Unendlichkeit. Spätestens, wenn meine Schüler:innen mir melden, dass ihr Taschenrechner „so etwas Komisches“ anzeigt. Irgendwas mit einem x und einer 10 und so. Leider sind manche Ergebnisse dermaßen klein oder groß, dass der Taschenrechner sie nur im wissenschaftlichen Format in die begrenzte Displayfläche quetschen kann.

    2,5 x 10-26 zum Beispiel ist ausgeschrieben nun mal 0,000000000000000000000000025. Trotzdem fragen sie mich an der Stelle oft, ob sie das irgendwie umstellen können. Dabei ist diese Zahl sogar sehr wohl noch endlich, allerdings anscheinend schon unangenehm genug. Manchmal ist Mathematik Leben am Limit und 1 geteilt durch ∞ passt nur noch schwer in unsere Vorstellung.

    Bei der Kurvendiskussion müssen sie dann allen Ernstes das „Verhalten von Funktionen im Unendlichen“ beschreiben. Auch da erlebe ich viel Augenrollen, Schnaufen und Empörung. Was soll das überhaupt heißen? Für mich ist hier wieder die Gelegenheit zu einer kleinen Pantomime:

    vier verschiedene Funktionen ausgeschrieben als  x hoch 3, e hoch x, x quadrat und e hoch minus x quadrat. Zu jeder Funktion gibt es eine Cartoonfigur, die mit ihren Armen andeutet, wie der Verlauf des jeweiligen Grafen im Kooordinatensystem aussieht.

    Dennoch scheint es nicht offensichtlich, wofür die Grenzwerte von Funktionen bei unendlich großem x gut sind. An meinem Plädoyer dafür arbeite ich entsprechend noch, oft nähern wir uns dem Problem mit dem Auftrag: „Gib mal für x eine große Zahl ein.“ Und dann sehen wir, ob der Funktionswert in Richtung +∞ („nach oben“) oder -∞ („nach unten“) geht. Oder eventuell auch gegen Null („an die X-Achse heran“).

    Darüber hinaus steht zwischenzeitlich die Überlegung im Raum, dass ein Vielfaches von ∞ immer noch ∞ ist. Irgendwie anders, aber trotzdem unendlich groß. Auch das kommt nicht bei allen Beteiligten gut an. Warum es tatsächlich Unendlichkeiten gibt, die größer sind als andere, erklärt dieses Video anschaulich und unterhaltsam.

    Unendlichkeit in endlichen Gehirnen

    Dass meine Schüler:innen sich so oft so sträuben, hat Gründe. Wir haben zwar ein komplexes Bewusstsein, aber immer noch nur endliche Gehirne. Außerdem haben wir nur endlich viel Zeit und sogar beim Universum sind wir nicht sicher, ob es unendlich ist. Das Konzept Unendlichkeit ist mathematisch hilfreich und sogar notwendig. Aber wir können nicht mal eben bis Unendlich zählen. Selbst wenn wir als Kinder vielleicht auf solche Ideen kommen.

    Die Endlichkeit ist fester Bestandteil des Lebens. Besonders in Regionen mit Jahreszeiten erleben wir sie regelmäßig, wenn sich zum Herbst die Natur um uns herum zum Kompostieren zurück zieht. Nebenbei und passenderweise ist heute auch der Memento-Tag, an dem wir unserer Vergänglichkeit gedenken.

    Gleichzeitig scheint sich dieser Rhythmus von Werden und Vergehen unendlich zu wiederholen. Es bleibt paradox und es ist kein Wunder, dass in unterschiedlichen Kulturen unterschiedliche Vorstellungen vom Lauf der Zeit entwickelt wurden.

    Ob die Zeit des Universums nun linear oder zyklisch ist, werden wir wohl nicht persönlich heraus finden. Allerdings bin ich überzeugt, dass es unserem Denken gut tut, von Zeit zu Zeit die Grenzen auszutesten und sich ein bisschen in Richtung Unendlichkeit zu strecken. Und sei es nur, um angesichts unserer Vergänglichkeit das Leben und die einfachen Dinge mehr zu schätzen zu wissen. Und um in Fenyos Sinne unseren philosophischen Muskel zu trainieren.

    Tja, und manchmal brauchen wir ein minimales Verständnis der Unendlichkeit einfach nur für die nächste Klausur 😉 Wie ist deine Erinnerung an das Thema im Mathematik- oder Philosophieunterricht? Oder feierst du heute doch lieber den Glücklichsein-Ist-Machbar-Tag?

    Fediverse-Reaktionen
  • Was will ich mit meinen Blogbeiträgen bewirken?

    Was will ich mit meinen Blogbeiträgen bewirken?

    Vor zwei Jahren fand Blog Your Purpose statt. Bei dieser Blogparade, mal wieder angeschoben von Judith Peters, schrieben wir über unsere Bestimmung. Ganz schön hochgehängt, dachte ich damals. Heute blicke ich zurück, wie sich das Thema für mich entwickelt hat und erkläre, was ich mit meinen Blogbeiträgen bewirken will.

    An dem, was ich der Welt hinterlassen will, hat sich nicht viel geändert. Allerdings hat sich meine Haltung zu meinem Blog verschoben. Seit ich selbstbestimmter blogge, tragen auch meine Artikel hier deutlich gezielter zu meiner Bestimmung bei.

    Informieren

    Mit meinen Blogbeiträgen habe ich keinen genauen Plan. Im Entwürfeordner sammle ich Ideen und arbeite sie ab, wenn mir nach Schreiben zumute ist. Und gleichzeitig sind einige Artikel darunter, die auf verschiedenen Ebenen informieren. Das ergibt sich einfach organisch im Prozess.

    Zum Beispiel meine Reihe zum Mathematik-Abitur. Da fasse ich für Menschen im Prüfungsstress zusammen, welche Aufgabentypen mit großer Wahrscheinlichkeit vorkommen und wie sie zu bearbeiten sind.

    Dagegen sind meine Beiträge über Veganismus, Pandemien und gesellschaftliche Prozesse für mich weniger beruflich motiviert. Sie sind mir auf persönlicher Ebene wichtig, denn je informierter möglichst viele Menschen sind, umso weniger manipulierbar ist eine Gesellschaft.

    Diese Informationen sind kein Selbstzweck. Am Ende geht es mir darum, auf meine Weise und mit meinen Kompetenzen zu einem möglichst freien, gerechten und nachhaltigen Miteinander beizutragen. Oder wenigstens für die eine oder andere Person dafür zu sorgen, dass das Abi ein bisschen leichter läuft.

    In Sachen Selbstfürsorge ein Vorbild sein

    Viele meiner Blogbeiträge sind persönlich. Ich berichte über Lektionen, die ich aus meinem Leben ziehe, über das, was nicht so gut klappt, und das, was mich erfreut. Gerade in diesen Zeiten der Hochglanzposts in den sozialen Medien lese ich selbst gerne Zeugnisse von echten Menschen, von dreidimensionalen Persönlichkeiten. Am schönsten ist es, wenn ich dann bei einem anderen Menschen an einer kleinen Facette andocken kann.

    Dabei ist Selbstfürsorge bewusst eine meiner Kategorien. Wenn wir eine gute Welt bewirken wollen, hilft es, wenn wir zuallererst gut zu uns sind. Das war einer der zentralen Punkte des Blogbeitrages über meine Bestimmung.

    Textkachel mit einem Zitat, auf Deutsch übersetzt: Sei so vollständig du selbst, dass alle um dich herum sich sicher genug fühlen, auch sie selbst zu sein. Von The Minds Journal

    Entsprechend möchte ich mit meinen Blogbeiträgen bewirken, dass Menschen auch wieder sie selbst sein wollen. Oder überhaupt erstmal herauszufinden, wer sie sind und was sie wollen. Und das dann (natürlich innerhalb ihrer persönlichen Grenzen) unerschütterlich zu leben. Um damit dann wieder für Andere gute Vorbilder zu sein.

    Menschen zum Nachdenken anregen

    Manche Blogbeiträge schreibe ich, wenn es bei mir im Alltag geknirscht hat. Dann denke ich oft über die vielen Wege nach, auf denen wir Menschen unsere Realität verzerren, um Spannung im eigenen Gehirn abzubauen. Während ich selbst über diese Mechanismen lerne, will ich andere Personen mitnehmen.

    Natürlich bewirken meine Artikel nicht, dass zum Beispiel der Umgang mit kognitiver Dissonanz bei uns allen auf wundersame Weise nur noch konstruktiv sein wird. Trotzdem sehe ich diese Blogbeiträge als kleine Steinchen, die ich an meinem Ende des Teiches ins Wasser werfe, sodass sie möglichst weite Kreise ziehen.

    Gerade bei polarisierenden Themen ist es mir wichtig, dass klar wird, wieso sie überhaupt so oft medial vorkommen, wem sie nützen und warum wir uns so leicht von ihnen emotionalisieren lassen. Genauso schreibe ich immer wieder über gesellschaftliche Entwicklungen, die mir zum Teil Sorgen machen, wie im Bereich der KI.

    Ich will Menschen inspirieren, über ihre eigenen mentalen Ausweichstrategien nachzudenken und diese Verzerrungen bei Anderen zu erkennen und die Probleme bei der einen oder anderen Technologie zu benennen. Denn wenn wir nicht darüber reden, wird es garantiert nicht besser.

    Meine Stimme nutzen

    Letzlich nutze ich meinen Blog dazu, dass ich nicht leise bin angesichts der diversen Krisen. Zusätzlich zu den Briefen, die ich an Sendeanstalten und Politiker:innen schreibe, und zu Demonstrationen, wenn mein Energiehaushalt das zulässt, beziehe ich hier klar Stellung.

    Auch das Stichwort „Haltung“ ist eine meiner Blog-Kategorien. Ich will nicht nur unterhalten und nicht nur für mich schreiben, was mir gerade durch den Kopf geht. Ich will meinen Standpunkt klar machen und mit meinen Blogbeiträgen bewirken, dass andere Personen den Mut finden, auch Haltung zu zeigen.

    Ich habe es aufgegeben, in den sozialen Medien Menschen nachhaltig zu erreichen. Dort ist meiner Erfahrung nach die Kommunikation zu schnellebig und viel zu polarisiert. Das heißt aber nicht, dass ich mich offline verkrümeln werde. Dieser Blog ist meine Plattform, auf der meine Worte so lange stehen bleiben, wie ich das möchte. Das nicht zu nutzen, wäre aus meiner Sicht verschenktes Potential.

    Was ist mein Vermächtnis?

    Im Mai 23 schrieb ich:

    Ich will tatsächlich eine bessere Welt hinterlassen. Durch meine Anwesenheit und mein Wirken, und zwar konkret und erreichbar:

    • Menschen, die mehr im Einklang mit sich selbst sind.
    • Menschen, die auf der Basis solider Fakten nachhaltig handeln und daraus ein positives Lebensgefühl entwickeln.
    • Meinen Beitrag zu einem Planeten, auf dem auch in Zukunft Menschen noch gut leben können. Vernetzt mit allen anderen Lebewesen.

    Das sehe ich heute noch genauso. Allerdings habe ich seitdem für mich beschlossen, meinen Blog nicht mehr auf mein Unternehmen auszurichten. Erstens, weil es sowieso kein Online-Business ist und diese ganzen Funnelgeschichten und Sichtbarkeit für mehr Umsatz gar nicht mein Ziel sind. Zweitens, weil mich diese gefühlten „Normen“ für einen „ordentlichen“ Businessblog eingeengt haben.

    Heute will ich all das nicht mehr nur mit meinem privaten Verhalten und meinem Nachhilfeunterricht erreichen. Heute steht auch ganz bewusst mein Blog für dieses Vermächtnis. Das ist es, was ich ich mit meinen Blogbeiträgen bewirken will. Und wenn das hochgehängt ist, dann ist es auch gut so.

    Wie sieht es bei dir aus?

    Hast du eine Absicht hinter deinen Blogbeiträgen? Was möchtest du dieser Welt hinterlassen und wo siehst du deine Bestimmung?

  • Projekt52 August 25

    Projekt52 August 25

    Die Festivaledition

    Die Bilder für die Ausgabe Projekt52 August 25 hatte ich extrem schnell beisammen. Die Themen, die Sari vom Heldenhaushalt für diesen Monat ausgelost hatte, passten einfach alle wunderbar zum WOA 25.

    Wenn du möchstest, bist du jederzeit herzlich eingeladen, noch einzusteigen. Je nachdem, wie viele ganze Wochen der Monat hat, gibt es immer vier oder fünf Themen zum Kreativwerden.

    Am Ende will ich 52 Beiträge in einem Blogbeitrag zusammengefasst präsentieren. Du kannst meinen aktuellen Bildern auch auf Pixelfed folgen.

    Die Beiträge zum Projekt52 August 25

    Bunt

    Foto von einer Sammlung bunter Energydrink-Dosen im Gras

    In der Nachbarschaft hatten sich manche Menschen eine bunte Mischung an Getränken bereit gelegt. Hoffentlich hat das geholfen, die Campingstrapazen ein bisschen wacher zu überstehen.

    Holz

    Eine Holzlaterne an einer hellbraunen Zeltdecke hängend, von unten fotografiert

    Im Wackinger-Bereich ist die Deko immer extra gemütlich. Und außerdem gibt es dort das beste Essen.

    Mehr als genug

    Matsch in Bodennnähe fotografiert, im Hintergrund ein riesiges Pavilliondach mit mehreren Menschen und Bänken darunter. Der Himmel ist  grau.

    Regen hatten wir wirklich reichlich. Dieser unglaublich klebrige Matsch hilft ganz fantastisch, wenn jemand entschleunigen will. Andere fahren dafür um die halbe Welt zu irgendwelchen Retreats, in Norddeutschland muss ich dafür nur auf das richtige Wetter warten.

    Nordisch

    Und noch ein Bild aus dem Wackingerbereich, das ich auch fast für „Holz“ genommen hätte. Insgesamt gab es dort eine Menge geschnitzter Skulpturen. Und eine Menge Helme.

    Kino

    Mich hat diese Szene etwas überrascht. Jedenfalls konnte ich mich nicht daran erinnern, dass die Trooper irgendwann mal eine lustige Rocknummer dazwischen geschoben hätten.

    Meine bisherigen Beiträge für Projekt52

    Seit Januar habe ich bisher noch kein Thema ausgelassen:

    Außer auf meinem Blog findest du meine P52-Beiträge auch auf Pixelfed. Wenn du mir auch dort folgst oder wenn dich das motiviert, auch von Instagram dorthin zu wechseln, würde ich mich sehr freuen!

    Im September werde ich vermutlich nicht schon nach vier Tagen alle meine Bilder einreichen können. Aber wer weiß und es stehen wieder so inspirierende Themen auf dem Zettel.

  • Monatsrückblick Juli 25

    Monatsrückblick Juli 25

    Der Monatsrückblick Juli 25 kommt etwas früher als üblich. Dafür, dass es Sommer ist und dieses Jahr die Ferien so spät sind, war ich in den letzten Wochen sehr guter Dinge. Und das kam so:

    Gemüseshopping in Dithmarschen

    Was hatte ich vor und was ist daraus geworden?

    • mit Habitica noch ein paar weitere Gewohnheiten etablieren: freies Schreiben und Gartenarbeit in 10-Minuten-Portionen -> Im Garten bin ich gut vorangekommen, das freie Schreiben verlege ich in den August
    • mich auf Wacken vorbereiten -> Ich habe jetzt sogar die offizielle WOA-Schriftart für meine Packliste installiert-
    • langsam auf die Sommerferien hin ausrollen -> Das war sehr entspannt.
    • mit meiner Notfallmappe fertig werden -> Ausgedruckt und abgeheftet!
    • ein paar Sauerteigbrote backen -> Die Photos habe ich leider vergessen.
    • eine weitere Kurzgeschichte für die Challenge deadlinesforwriters schreiben -> Erledigt. Dieses Jahr könnte es klappen mit den 12 Geschichten in 12 Monaten.
    • meine Now-Page mal wieder aktualisieren -> Habe ich gemacht und inzwischen hat sich schon wieder das eine oder andere geändert.
    • ein paar Blogpost-Entwürfe fertig schreiben, auch wenn die Blogparaden schon abgelaufen sind -> Erledigt.

    Very Interesting Blogger

    Jetzt ist es so weit: Ich bin in Judith Peters‘ Blogbot mit drin. Die Content Society mag ja eine tolle Sache sein, aber für mich war das immer ein paar Nummern zu viel. Ich brauche keinen Newsletter, kein Freebie und erst recht möchte ich bei aller Liebe nicht im Buddy-System bloggen.

    Mehrere ihrer E-Mails habe ich an mir vorüber ziehen lassen. Und dann habe ich doch auf den „Ja, bitte!“-Button geklickt. Seitdem bin ich anscheinend eine „very interesting Bloggerin“. Naja, ich selbst finde mich natürlich schon interessant und schreibe hier am Ende über das, was ich selber gerne lesen möchte 😀

    Screenshot von einer Email, darin steht: Du bist dabei!, darunter ein Symbolbild von einem Laptop in blau und weiß, auf dem Bildschirm steht: VIB, very interesting blogger

    Die wöchentlichen Blog-Vorschläge finde ich bisher inspirierend. Und für mich ist es Ansporn, regelmäßig zu bloggen, darüber hinaus nochmal eine weitere Art der Vernetzung. Wir werden sehen 🙂

    Festivalvorfreude

    Wenn dieser Rückblick erscheint, bin ich in Gedanken schon auf dem Holy Ground in Wacken. Meine Stimmung im Juli schwang hin und her zwischen aufgeregtem Entgegenfiebern und Nervosität. Weil ich vom Energielevel her letztes Jahr nur einen Tag geschafft habe. Und weil ich wieder mit den Öffentlichen hinfahre, und wer weiß, ob alles in die Tasche passt, und ob ich was vergesse und überhaupt.

    Selfie von einer lächelnden Frau, die ein Comicbuch in der Hand hält. Es handelt sich um ein lustiges Taschenbuch mit einem Donald Duck auf dem Titel, der lange Haare hat und E-Gitarre spielt. Neben ihm steht "Heavy Metal"

    Dann kam dieser Comic-Sonderband raus. Den haben wir einmal selbst gekauft und einen zweiten geschenkt bekommen. Doppelt hält hoffentlich besser und ich nehme das als beruhigendes Zeichen.

    Weil die Sommerferien so spät liegen, ist das WOA ungewohnterweise am Anfang der vor mir liegenden freien Wochen. Und ich habe danach bis zum 6. September Zeit, mich zu erholen 😉

    Immerhin scheint es dieses Jahr weder zu heiß zu werden, noch das ganze Festival wieder im Matsch zu versinken. Drück mir gerne die Daumen am 30.Juli geht es los!

    Schlafen am Strand

    Schon lange geplant

    Vor einem Jahr oder vielleicht auch schon vor zwei Jahren bin ich auf das Konzept Schlafstrandkörbe aufmerksam geworden. Sie sind größer als normale Strandkörbe, eher horizontal gestaltet und mit einer Matratze und einem faltbaren Dach ausgestattet. Dieses Jahr habe ich mich rechtzeitig sortiert und eine Nacht in solch einer Unterkunft gebucht.

    Photo von großen rostfarbenen Metallbuchstaben im Sand vor bewölktem Himmel. Sie formen das Wort Büsum. Im U sitzt eine Frau und lächelt in die Kamera.
    Preisfrage: Wo waren wir wohl?

    Mein Mann ist eigentlich nicht der große Campingfan, erst recht nicht in Norddeutschland. Daher war ich extra erleichtert, dass er sich zu dieser Art Wochenendgestaltung bereit erklärte.

    Erwartungen erfüllt

    Photo von einer lächelnden Frau in einem grau bezogenen Strankorb. Im Hintergrund Sand und Strandhafer.

    Der Strandkorb war so gemütlich wie ich mir das vorgestellt hatte. Außerdem war das Wetter an unserem Anreisetag zum Glück auch deutlich freundlicher als bei der Rückfahrt.

    Photo von einer Bucht unter einem dramatisch bewölkten Himmel, durch den einige Sonnenstrahlen durchbrechen. Im Vordergrund führt eine Treppe zum Wasser hinunter.

    Allerdings sieht die Nordsee immer gut aus. Ob mit blauem Himmel oder so dramatisch von Wolken überzogen. Immerhin sind wir mit unserem Gepäck trocken geblieben.

    Selfie vom Spiegelbild einer Frau in einem Zerrspiegel. Ihr körper scheint zusammengestaucht, kurz und breit, fast kugelförmig. Sie grinst und hält einen Daumen nach oben. Im Hintergrund bewölkter Himmel und ein Strand.

    Büsum hat sich sehr entwickelt. In meinen Kindheutserinnerungen war es dort eher trostlos. Jetzt gibt es bei der künstlich angelegten Badebucht sogar lustige Spiegel.

    Der Nordseeküstenabschnitt in Dithmarschen hat mehr oder weniger Gras oder Matsch zu bieten. Sandstrände gibt es eher in Niedersachsen und Nordfriesland. In Büsum haben die Stadtentwicklung zwei künstliche Lagunen abgeteilt, und sich so ein bisschen Sandstrand hingezaubert. Das ist natürlich sicherer für Kinder, also einladend für Familienurblaub. Und auf der anderen Seite der Badeinsel ist die Meldorfer Bucht, die in die Nordsee übergeht.

    Vom kostenlosen Parkplatz aus haben wir unsere diversen Taschen und Kissen zu Fuß auf die Badeinsel geschleppt. Angeblich sollten wir dafür 20 Minuten brauchen, aber dafür hätten wir schon super langsam gehen müssen. Ich schlafe sehr gerne so naturnah, aber am Strand, ganz leise bis auf die Wellen und die Seevögel, das war schon beeindruckend.Zum Glück war relativ wenig los, trotz Ferien in NRW.

    Dithmarschens Farbspektakel

    Photo von weißen Strandkörben in einer Vollmondnacht

    Um vier Uhr morgens wurden wir wach und haben am Strand den Vollmond bewundert. Das hier war der Blick aus meinem Bullauge.

    Das war zur gleichen Zeit der Blick auf das Festland. Diese Aktion werden wir ganz sicher wiederholen.

    Und wenn ich schon mal in dieser Gemüseregion bin, ist ein Halt beim Hofladen direkt an der Route nach Hause Pflicht.

    In der Woche darauf habe ich mehrere Tage hintereinander einen Regenbogen gegessen. Merke: Es muss zur Erholung nicht immer ein längerer Urlaub in der Ferne sein.

    Was habe ich im Juli 25 gelesen?

    Ein Rucksack voll Verantwortung

    Katja schreibt so oft so anregende und nachvollziehbare Blogartikel. Und im Juli ging es bei ihr unter anderem darum, was wir alles an Verantwortungs-Wackersteinen mit uns herum schleppen.

    Puh. Kein Wunder, dass ich inzwischen schnell außer Puste komme und eine To-do-Liste so lang wird. Das meiste davon ist von mir entweder nicht beeinflussbar, geht mich nichts an oder kann auch delegiert und aufgeteilt werden. 

    Katja

    Das kommt mir so bekannt vor. Ich schaffe es auch oft, mir den Tag zu zergrübeln mit Dingen, die ich höchstens zum Teil, oft gar nicht in der Hand habe. Der nächste Schritt, das Loslassen der Wackersteine ist dann allerdings gleich die nächste Herausforderung. Das Leben bleibt spannend.

    Unsichtbare Frauen

    Antonia schreibt über die weit verbreitete Erfahrung von Frauen, übersehen zu werden.

    Sichtbarkeit beginnt nicht auf der Bühne. Sie beginnt morgens vor dem Spiegel. Wenn du dich anschaust und sagst: „Ich seh dich, ich hör dich, und ich nehme dich ernst.“

    Antonia von Café Ruhepol

    Diese Erkenntnis, dass ich mich nicht unsichtbar machen sollte, wenn ich wahrgenommen werden will, wiederhole ich so lange, bis sie auf allen Ebenen angekommen ist.

    Es geht hier aber um mehr als persönliche Aufmerksamkeit, sondern um politisches Gewicht, Gerechtigkeit und auch um ausgeglichene Verteilung von Wohlstand.

    Was habe ich im Juli 25 gehört?

    Absolute Mehrheit mit Daniel Günther

    Dieser Podcast aus der ARD-Mediathek ist generell zu empfehlen. Und diese Folge ist schon etwas älter, aber es war mir eine Freude, sie beim Schrittemachen zu hören.

    Als noch-nie-CDU-Wählerin respektiere ich meinen Ministerpräsidenten als einen pragmatischen, ehrlichen und vor allem demokratischen Politiker. Im Interview äußert er sich sehr klar zu den Themen Grünen-Bashing und AfD-Verbot.

    „Naja, die Mitte sollte schon in einer Demokratie nicht zu eindimensional gedacht werden, sondern eine gewisse Breite haben. Das, glaube ich, müssen wir alle miteinander ausstrahlen, dass wir nicht finden, dass politische Mitte bedeutet, dass alle die gleiche Auffassung haben.“

    Daniel Günther

    Genau diesen Pragmatismus brauchen wir wieder deutlich mehr. Denn miteinander in der Sache zu ringen, sich aber gegenseitig als Demokrati:innen zu respektieren würde uns deutlich weiter bringen als billiges und kurzfristiges Draufklatschen auf diejenigen, die eigentlich die gleiche Absicht haben: Dass es Land und Menschen insgesamt gut geht.

    Do This to Find Purpose & Meaning – Mel Robbins and Bryan Stevenson

    Bryan Stevenson ist Nachkomme schwarzer Sklaven. Er hat sein Leben der Verteidigung von zum Tode verurteilten Menschen gewidmet. In diesem Interview mit Mel Robbins erzählt er darüber, was ihn motiviert und wie er seine Mitmenschen erlebt. Und was Gerechtigkeit und Gnade für ihn bedeuten.

    „I think justice is a constant struggle. It’s not a destination. It’s not a fixed place. It’s the way we navigate the inevitable conflicts and divisions that come in a world where there is a hierachy of power.“

    Bryan Stevenson

    Gerade in diesen Zeiten war diese Podcast-Episode mit diesem beeindruckenden Menschen mir und meiner Seele eine Wohltat. Auch wenn einige der Geschichten, die er aus seiner Tätigkeit mitgebracht hatte, erschütternd sind.

    Was habe ich im Juli 25 gebloggt?

    Und was war sonst noch los?

    Photo von einem dunkelrosa Schild an einem Laternenmasten. Auf dem Schild ist eine Strichfigur abgebildet, die nach links geht, darunter ist ein gelber Pfeil nach links, auf dem Fußgänger steht. Über der gezeichneten Person steht "Happy Jump, Hüpfburgenland". Links vom Schild ist allerdings sehr dichtes Gebüsch ohne Durchkommen.

    Was es nicht alles gibt. Anscheinend eine Bio-Hüpfburg, sehr nachhaltig, aber vermutlich nur so mittel gefedert.

    Nahaufnahme von einem Rosenstrauch. Ein Teil der Blüten ist dunkelrosa, ein Teil hat vertrocknete hellbraune Blütenblätter

    Mich berührt es, wie jeder Sommer in sich schon wieder den Abschied vom Leben trägt.

    Vorherige Julirückblicke

    2026 werde ich ich separat auf diesen Monatsrückblick Juli 25 verlinken können. 2023 und 2024 gab es nur Sommer-Doppelpacks:

    Juni und Juli 23 Wie kann ich in trockenen Zeiten meine Wurzeln gießen?: Im ersten Jahr meiner Monatsrückblicke war es mir offensichtlich zu heiß für einen rechtzeitigen Rückblick auf den Juni, was mich nicht davon abhielt, den Barbie-Kinofilm zu sehen 🩷

    Juni und Juli 24: Vor einem Jahr fiel mir wohl nicht einmal eine Überschrift ein 😉 Beim Blick auf das Beitragsbild mit der Riesenbaustelle bin ich aber sehr erleichtert, dass bei uns schon lange nicht mehr gebuddelt wird.

    Was habe ich im August 25 vor?

    • freies Schreiben als Gewohnheit etablieren oder Journaling mit Prompts je nachdem, was mir mehr Spaß macht
    • mein Deutschlandticket nutzen
    • Rezepte aus meiner reichhaltigen PDF-Sammlung ausprobieren
    • ein paar Dinge von meiner Lernen-Liste abhaken
    • ein paar Dinge von meiner Freizeit-Liste abhaken
    • eine weitere Kurzgeschichte für die Challenge deadlinesforwriters schreiben
    • meine Now-Page aktualisieren
    • unser Regal mit Lebensmittelvorräten überprüfen, erneuern und die Dinge mit erreichtem MHD aufessen
    • die Barrierefreiheit meiner Webseite optimieren
    • der Natur über die Schulter gucken
    • und natürlich viel Spaß in Wacken haben

    Und das war mein Monatsrückblick Juli 25. Schreibst du auch mehr oder weniger regelmäßig Rückblicke? Was sind deine Erfahrungen damit?

    Hast du auch einmal direkt am Strand übernachtet? Und wo nimmst du deine Inspirationen für neue Blogartikel her?


    Mehr meiner regelmäßigen Rückblicke findest du hier

  • Projekt52 Juli 25

    Projekt52 Juli 25

    Zwischen Adrenalin und Erleichterung melde ich mich zum Projekt52 Juli 25. Dieser Monat hing daran, dass ich die Hauptdarstellerin im Beitrag „Dunkelheit“ noch fertig häkeln musste. Und das vor der Abfahrt nach Wacken. Plus die Altersweitsichtigkeit und diese ungünstige Wolle, das wurde zwischenzeitlich ein bisschen laut.

    Sari vom Heldenhaushalt organisiert das Projekt und veröffentlicht an jedem Monatsersten vier bis fünf Themen, mit denen du jederzeit einsteigen und zu diesen Impulsen etwas gestalten kannst. Je nachdem, wie viele ganze Wochen der Monat hat.

    Am Ende des Jahres hoffe ich auf 52 Beiträge meinerseits. Neben den monatlichen Blogbeiträgen teile ich meine Bilder auch immer auf Pixelfed.

    Die Beiträge zum Projekt52 Juli 25

    Regelmäßig

    So sieht es in einem ausdrücklich als „Erholungswald“ ausgeschilderten Gelände in meiner Nähe aus. Es ist gar nicht so leicht einzufangen, aber alle Gäste, mit denen ich dort spazieren war, haben sich über die Zackigkeit eines ordentlichen deutschen Waldes gefreut. Immer schön die gleiche Baumart, immer in geraden Linien mit gefälligem Abstand.

    Ich will nochmal herausfinden, ob das eine aufgegebene Baumschule war. Immerhin gibt es dort Schlehen und Kirschen zum Wildpflücken, die sogar auf Mundraub.org verzeichnet sind.

    Dunkelheit

    Eine weitere Persönlichkeit aus meinem Inneren Team. Ich wusste vorher, dass es etwas knifflig werden würde, mit schwarzer Wolle zu häkeln, aber das war die Farbe, die sie brauchte.

    Dieser Teil in mir hat die Erwartung, dass das Schlimmstmögliche passieren wird, zur Lebenshaltung erhoben. Zum Glück ist sie in der Steuerzentrale nicht ganz alleine. Ihr Motto? „Was auf dem Boden liegt, kann wenigstens nicht mehr fallen.“

    Sie muss besonders hart durch, seit ich in letzter Zeit mit Habitica meine teils ewig alten Vorhaben umsetze und abhake. Zum Trost habe ich sie jetzt in real zum Anfassen und aufs Regal setzen geschaffen.

    Fundstück

    Dieses Etikett habe ich auf dem Supermarktparkplatz gefunden. Ich weiß gar nicht, welchem Produkt das umgehängt wurde. Und ich wusste vorher auch nicht, dass das Adjektiv vegan steigerbar ist.

    Weil mich die Treuherzigkeit dahinter und auch die Farbkombination angesprochen hat, hängt das Ding jetzt bei uns im Flur.

    Aus der Reihe tanzen

    Ich wollte sowieso mal etwas mit Farbe und Graustufen arbeiten. In diesem Fall musst du schon sehr genau hinsehen, um den entsättigten Hintergrund wahrzunehmen.

    Die Natur setzt sich so oft mit so einer Lebensfreude durch. Normalerweise sollten ja Pflanzen in freier Erde wachsen. Und an Kreuzungen sollte der Bordstein keine grünen Flusen enthalten.

    Dieser Sommerflieder hatte keinen Bedarf, sich an Konventionen zu halten. Und ich liebe alles daran. Der Gegenentwurf zum oben vorgestellten „Erholungswald“.

    Meine bisherigen Beiträge für Projekt52

    Seit Januar habe ich bisher noch kein Thema ausgelassen:

    Außer auf meinem Blog findest du meine P52-Beiträge auch auf Pixelfed. Wenn du mir auch dort folgst oder wenn dich das motiviert, auch von Instagram dorthin zu wechseln, würde ich mich sehr freuen!

    Fediverse-Reaktionen
  • Das passiert, wenn wir nicht lernen – 7 Konsequenzen

    Das passiert, wenn wir nicht lernen – 7 Konsequenzen

    Welche Konsequenzen hat es, wenn wir nicht lernen? Vor allem, wenn wir beschließen, dass wir nach der Schule und nach der Berufsausbildung für unser Leben genug gelernt haben?

    Ich habe das Lernen und das Vermitteln von Lernfreude zu meinem Beruf gemacht und mir fallen eine Menge Konsequenzen ein. Hier sind sieben davon:

    1. Wir werden abgehängt

    Unser kollektives Wissen ändert sich ständig. Die Forschung findet neue Fakten heraus, revidiert alte Hypothesen und bringt neue Technologien hervor. Niemand kann das alles auf dem Schirm haben. Und trotzdem halte ich es für eine gute Idee, uns für ein paar Bereiche zu interessieren und immer mal wieder unser Wissen aufzufrischen.

    Und sei es nur, um nicht die sprichwörtlichen älteren Menschen zu sein, die auf ihre Enkel angewiesen sind, wenn wieder ein Gerät streikt. (Dabei ist gerade zum Beispiel das Internet ein so gut wie unerschöpflicher Lernort, siehe Punkt 4.)

    Jetzt ist es natürlich nicht nötig, dass sich Erwachsene zum Feierabend hinsetzen und zum Beispiel BWL pauken. Gleichzeitig sind sie interessantere Gesprächspartner:innen, wenn sie von Zeit zu Zeit in einem Themenbereich ihrer Wahl neue Erkenntnisse aufsammeln. Und je älter wir werden, umso mehr hilft uns das, am sozialen Leben teilzunehmen.

    2. Wir sind schlechte Vorbilder

    Kinder beobachten Erwachsene genau. Sie nehmen wahr, ob wir das umsetzen, wozu wir sie ermahnen. Und wenn sie sehen, dass wir nicht lernen, dann hat Lernen für sie weniger Wert.

    Ich habe als Lehrerin an verschiedenen Schulen Kinder erlebt, die mir berichteten, dass ihre Eltern auch schon Mathe aufgegeben hätten. Entsprechend unmotiviert waren sie dann in meinem Unterricht.

    Andere Kinder erleben, wie ihre Eltern sich lebenslang neues Wissen erarbeiten. Für diese Kinder ist Lernen cool und Neugier auf die Welt eine erstrebenswerte Haltung fürs Leben. Und ich als Lehrerin freue mich über jede lernbegeisterte Person!

    3. Wir verpassen eine Menge Spaß

    Lernen kann Spaß machen. Wenn wir an einer kniffeligen Sache getüftelt haben und sie endlich verstehen, gibt uns das ein Erfolgserlebnis und eine Portion Dopamin. Mit neuen Kenntnissen steigt auch unsere Selbstwirksamkeit, ein wichtiger Baustein der Zufriedenheit mit unserem Leben.

    Wer daran zweifelt, wie glücklich Lernen machen kann, sollte kleine Kinder dabei beobachten, wie sie neue Erkenntnisse sammeln. Für sie ist die Welt spannend und abenteuerlich. Und mit der gleichen Haltung können auch Erwachsene an die Sache heran gehen.

    4. Wir verpassen die Chance, Lernen neu zu erfahren

    Viele von uns haben in der Schule nicht nur gute Erfahrungen gemacht. Frontalunterricht, Notendruck und das zusätzliche soziale Gerangel unter Jugendlichen können die größte Lernfreude nachhaltig trüben.

    Wenn wir selbstbestimmt lernen, sieht der Prozess anders aus. Wir können uns die Inhalte und das Tempo selbst aussuchen, müssen nicht in einer Lerngruppe arbeiten, die nicht zu uns passt und es gibt heutzutage viele interessante technische Möglichkeiten. Natürlich müssen wir kritisch auf die Quellen achten, aber viele Universitäten stellen Vorlesungen kostenlos online. Seiten wie PlanetWissen, Studyflix und StudySmarter bieten Lernvideos zu den verschiedensten Fächern an.

    Wer ähnlich tickt wie ich, hat eine große Auswahl an gamifizierten Lernapps zur Verfügung. Da gibt es für richtige Antworten digitales Konfetti und auch mal einen motivierenden Tusch! Wer es eher old-school mag, stöbert stattdessen bei der Volkshochschule durch das Programm oder meldet sich an der nächsten Uni für „Studieren ab 50“ an. Und erfährt dort vielleicht doch noch ganz viel über Archäologie.

    5. Wir machen es Populist:innen leicht

    Wir Menschen haben unsere Gehirne zur effektiven Nutzung und zum Energiesparen entwickelt. Daher mögen wir tendenziell einfache Antworten, besonders in Krisen und in komplexen Situationen. Genau das nutzen Populist:innen aus, um Emotionen zu erzeugen.

    Eine gute Gegenmaßnahme ist Wissen. Wer gut informiert ist über grundsätzliche Zusammenhänge in Naturwissenschaften, Politik und gesellschaftlichen Prozessen, fällt weniger auf plakative Aussagen herein.

    Ganz allgemein hilft es uns, in Debatten nicht zu schnell zu reagieren und Dinge kritisch zu hinterfragen. Auch und ganz besonders unsere eigene Meinung und unsere eigenen emotionalen Reaktionen. Und auch dieses kritische Denken können wir aktiv und bewusst trainieren und unterrichten.

    6. Unsere Gehirne verschmachten, wenn wir nicht lernen

    Das ist vielleicht ein bisschen dramatisch ausgedrückt. Aber unser Gehirn lernt eigentlich ständig und ist meiner Ansicht nach für lebenslanges Lernen ausgelegt. Um es auch im Alter fit und beweglich zu halten, reichen Sudoku und Kreuzworträtsel nicht aus. Nicht umsonst empfehlen auch Krankenkassen, lebensbegleitend immer wieder Sprachen, neue Sportarten oder wissenschaftliche Inhalte zu lernen.

    Nebenbei kommen wir so in allen Lebensphasen in Gesellschaft. Wenn wir das denn wollen 😉 Ansonsten bieten sich heutzutage Onlinekurse und Apps an. Wenn wir mit anderen an Kursen teilnehmen verringern wir das Risiko, im Alter einsam zu sein.

    7. Wir müssen die Lektionen unfreiwillig durcharbeiten

    Auch wenn nicht eindeutig ist, wer es zuerst sagte:

    Im Kleinen sieht das so aus, dass wir so lange wichtige Termine nicht rechtzeitig vorbereiten, bis uns die jedesmal ausbrechende Hektik ausreichend auf die Nerven geht. Denn auch das heißt lernen: Uns mit unserer eigene Persönlichkeit auseinander zu setzen, uns mit ihr anzufreunden und gesündere Verhaltensstrukturen zu etablieren.

    Wie es ist, wenn wir im Großen Lektionen wiederholen, können wir gerade in mehreren Ländern auf der politischen Bühne beobachten. Was wir lange nicht für möglich gehalten haben, spielt sich vor unseren Augen ab. Umso wichtiger, dass wir jetzt noch so gut und so zügig es irgend geht, die Erkenntnisse aus dem 20sten Jahrhundert verinnerlichen.

    Wie politisch Lernen ist, habe ich hier ausführlicher beschrieben.

    Viele gute Gründe für lebenslanges Lernen

    Ich bin ein bisschen voreingenommen: Lernen ist für mich eins meiner Lieblingshobbys und ich bin sehr gerne dabei, wenn sich bei meinen Schülerinnen Lernknoten lösen.

    Wie viel, was und auf welche Weise wir nach der Schule noch an neuen Informationen aufnehmen, entscheidet jeder und jede selbst. Gleichzeitig hat es Konsequenzen, wenn wir nicht lernen. Ich wünsche mir und der Menschheit, dass sich bei aller Selbstbestimmung die meisten von uns für die Lernfreude entscheiden.


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    Übrigens erzählt dir Sabine Landua, was Gesellschaftsspiele mit Mathekompetenzen und Lernfreude zu tun haben.

  • Story Challenge July 2025 – Loyal

    Story Challenge July 2025 – Loyal

    My contribution to the deadlinesforwriters short story challenge July 2025. The prompt was „Loyal“ and the required word count was 750. Photo by Will Echols on Unsplash

    It’s Not About Stella At All

    As a kid, Tom used to like birthdays. He remembered paper hats and chocolate sponge sandwich cakes, his mum organising games and surprises each year, and his friends always going home well entertained as well as a little jealous. The one thing his parents hadn’t been able to provide was a little sibling. On the other hand, he had appreciated having their attention all to himself.

    His last party had been the wedding. Stella had looked amazing, her purple dress bringing out her brown curls and hazel eyes. To this day he couldn’t believe his luck. His mates also enjoyed pointing out how they had never expected him to nab a girlfriend like her, much less marry her, and how he must have struck a deal with one of the extra special demons.

    The outside observer might believe Tom and Stella to be quite different from each other. She worked at a company for environmental education and spent many Saturday afternoons in the pedestrian zone advocating for animal rights or for saving refugees from drowning.

    He had changed a lot since meeting her at Paul’s house-warming party. She had accepted him as he was at his core and at the same time inspired him to align himself more with his own values. He never went along to her protests and still ate meat occasionally. But for their wedding party, they had found a vegan caterer to supply the cakes and the buffet. Paul and the others had thought this hilarious at first. Later they told him in private how impressed they were. With the cake and with him.

    It wasn’t as if he hadn’t had an influence on her. He had taught her to live a little and to not take everything personally. Stella kept telling him how happy she was to have him in her life, especially since she had lost her parents early, so he was her family now.

    Today was his twenty-ninth and he had decided to have just his parents around, plus Paul and his current girlfriend. Stella had gone out of her way and baked a chocolate sandwich cake with a slightly wonky number 29 piped on top. Considering that the kitchen was usually his domain, the cake looked quite yummy, and he couldn’t wait to taste it.

    While Tom was waiting for Paul to ring the doorbell, he thought back to their wedding. One scene in particular was still playing at the back of his mind. By chance, he had seen Stella and his parents standing close together, her hunched over a bit and fiddling with her dress, them leaning forwards and speaking urgently. When they had noticed him watching, his parents had hurried away towards the dance floor, and Stella had thrown him a crooked smile and a little wave.

    Tom had never asked what this had been about. Stella had never offered to tell. Eventually, he had decided to hope for the best and believe it was nothing. After all, his parents never talked to him about Stella either. Which, on the other hand still, he wished they would. But for the moment, he tried to pull his mind out of the past and get the bubbly from the fridge.

    He frowned when he noticed Stella’s cake standing in the kitchen. He was sure she had put it on the dining table. What was even stranger was that it was tilted, as if someone had set it down on the kitchen counter hard and the layers had slid apart.

    He started shouting, “Stella? What happened to…?”

    She rushed into the kitchen to tell him that Paul had called. He would be late, and they should start without him. Before Tom could question why she looked so unusually pale, she pulled him towards the living room.

    The first thing he noticed was the fancy gateau with elaborate buttercream decorations displayed in the middle of the table.

    Tom’s mum beamed at him and said, “I improved on my recipe! The butter is from our neighbours’ cows, you’ll love it!”

    “Mum, you know Stella is not going to eat this. And we didn’t ask for you to bring food anyway, so I don’t get why-”

    Tom’s dad interrupted, “You can’t expect us to adjust our lives to this woman’s approval. Maybe it’s time for you to make a choice.”

    “You’re right. It is time.”

    And with those words, Tom grabbed the cake and went to the kitchen to switch them back and set things right.


    Like my contribution to the story challenge Juny 2025? On my blog you can find and read more of my stories!

  • Selbstbestimmung – Was heißt das für mich?

    Selbstbestimmung – Was heißt das für mich?

    Sandra Hoppenz hat sich für den CT-Blogparadensommer etwas Spannendes ausgedacht. Sie fragte danach, was Selbstbestimmung für mich bedeutet. Zwar ist die Frist schon abgelaufen, allerdings inspiriert mich das Thema trotzdem, noch etwas dazu zu bloggen.

    Der Notizzettel aus dem Beitragsbild ist bei mir an der Wand befestigt, um mich daran zu erinnern, wie wenig ich wirklich muss. Die Frage nach der Fremdbestimmung beschäftigt mich nämlich sehr.

    Meine Vorstellung von Selbstbestimmung

    Ich finde es leichter, das Gegenteil von Selbstbestimmung zu beschreiben. Wir alle kennen das mehr oder weniger aus der Kindheit, als andere Menschen vieles für uns entschieden haben, oft mit den besten Absichten. Und auch meistens aus guten Gründen. Von unserer Existenz an sich, über den Aufenthaltsort, bis zur Festlegung, wann die Mathearbeit geschrieben wird und wann die Ferien anfangen.

    Glücklicherweise durfte ich schon als Kind viel selbst entscheiden. Und das in einem, wie ich finde, angemessenen Rahmen. Ich habe mein Pausenbrot für den Kindergarten selbst gestrichen und meine Eltern haben mich und meine Schwester an einem Regentag mit den neuen Sandalen zur Schule marschieren lassen. (Freundlicherweise wartete mein Vater dort mit trockenen Socken und Schuhen auf uns.)

    Das hat vermutlich mein großes Bedürfnis nach Autonomie geprägt. Und auf meinem beruflichen Weg durch verschiedene Stationen hat es im Rückblick am meisten geknirscht, wenn ich mich auch an Vorgaben halten sollte, die ich nicht für sinnvoll hielt. Und weil ich manche Hierarchien nur schwer nachvollziehen kann. Es ist bei weitem nicht immer so, dass diejenigen mit mehr Weisungsbefugnissen automatisch kompetenter sind.

    Ich bin eine große Freundin von Regeln. Begrenzungen der Fahrgeschwindigkeit, Müllabladeverbote oder auch grundsätzliche Höflichkeitsnormen halte ich gerne ein, weil ich mir ein reibungsarmes Miteinander wünsche und meinen Teil dazu beitrage. Gleichzeitig geht es mir am besten, wenn diese Regeln für mich sinnvoll und plausibel sind.

    Wo lebe ich selbstbestimmt und wo nicht?

    Hunderprozentige Eigenregie gibt es für niemanden. Auch nicht für mich, leider. Im Bereich der Bürokratie, Behörden und Buchhaltung passe ich mich notgedrungen dem System an. Dass wir überhaupt alle einen Lebensunterhalt erarbeiten müssen, ist eine grundsätzliche Vorgabe von außen.

    In meiner täglichen Arbeit bin ich allerdings sehr frei in meinen Entscheidungen. Ich kann den Fortschritt im Unterricht beschleunigen und verlangsamen, so wie ich es für angebracht halte. Dabei richte ich mich danach, wie meine Schüler:innen die Inhalte aufnehmen. Und ich sehe, wie sie davon profitieren.

    Ich muss auch nicht mit jeder Person zusammen arbeiten. Als Lehrerin an der Schule hatte ich wenig Einfluss darauf, wen ich zu unterrichten hatte. Als ich noch für den Studienkreis arbeitete, nicht angestellt wohlgemerkt, haben die Standortleiterinnen immer wieder versucht, so zu tun, als könnten sie mir die Zusammensetzung der Lerngruppen vorschreiben. Es hat Gründe, dass ich nicht mehr für dieses Unternehmen arbeite.

    Wenn jetzt bei mir ein Kind mit permanenter Antihaltung säße, die Eltern unrealistische Vorstellungen hätten oder nur schleppend zahlten, würde ich den Vertrag beenden. Es gibt genug kooperative Schüler:innen, die mit mir genauso wertschätzend umgehen wie ich mit ihnen. Und das ist es, wofür ich die sichere Stelle im Schulbetrieb gekündigt habe.

    Privat lebe ich selbstbestimmt, indem ich mich Konventionen nicht ungeprüft unterwerfe. Ich lebe vegan, weil das meiner Vorstellung von Gerechtigkeit den Tieren gegenüber entspricht. Ich schminke mich nicht, weil es mir ungeschminkt besser geht.

    Und ich habe es auch aufgegeben, meinen Blog so zu gestalten, wie es sich eigentlich angeblich für diesen Teil meiner Business-Seite gehört. Seitdem macht mir das Bloggen wieder viel mehr Spaß. Und das ist für mich inzwischen das wichtigste Kriterium, solange mein Verhalten keiner anderen Person schadet.

    Was brauchen wir zur Selbstbestimmung?

    Werte

    Um zu wissen, was wir wie bestimmen wollen, müssen wir wissen, was uns wichtig ist. Unsere persönlichen Werte sind der Kompass, mit dem wir überhaupt erst eine uns entsprechende Richtung einschlagen können.

    Wissen

    Wenn wir nicht wissen, was wir können und was unsere Möglichkeiten sind, ist es mit der Selbstbestimmung schwierig. Es kann sein, dass wir unser Leben dann kleiner einrichten als nötig. Oder dass wir uns etwas vornehmen, was uns auf Dauer überfordert. Eine klare und regelmäßige Bilanz der äußeren und inneren Lage stellt die Selbstbestimmung auf solidere Füße.

    Freiraum

    Mein Grad an Selbstbestimmtheit hängt vom umgebenden System ab. Je nachdem, welche Optionen wir haben oder wie stark unkonventionelles Verhalten sanktioniert wird, haben Menschen überhaupt erst die Möglichkeit, ihr Leben nach ihren inneren Werten und ihrem Potential auszurichten.

    Ein Punkt, der uns als Gesellschaft hier sehr weiterbringen könnte: Das bedingungslose Grundeinkommen. Wenn die eigene Existenz grundsätzlich abgesichert ist, sind Menschen freier, das zu tun, was sie können und lieben, was anderen nützt und die Gesellschaft voran bringt. Ikigai ohne das Kriterium der Wirtschaflichkeit. Besonders hat das BGE Studien zufolge übrigens Frauen autonomer gemacht.

    Integrität

    Habe ich nun meine Werte geklärt, weiß um meine Möglichkeiten und meine Kompetenzen und habe ich den nötigen Freiraum, braucht es noch den Mut, meine Selbstbestimmung zu leben. Denn wenn die Mehrheit um mich herum ein anderes Lebensmodell wählt, stellt sich die Frage, was mir wichtiger ist: Dass meine Entscheidungen mit mir übereinstimmen? Oder dass ich nicht zu sehr im Strom der Gesellschaft anecke?

    Das kann jeder und jede nur selbst für sich beantworten. Und wenn sich dann jemand für ein eher mehrheitstaugliches Leben entscheidet, ist das am Ende auch eine Art Selbstbestimmung. Und ist es ein Zeichen von Integrität, für diese Entscheidung Verantwortung zu übernehmen.

    Darf ich das eigentlich?

    Eine der Fragen in Sandras Aufruf hat mich spontan irritiert:

    Ist es nicht eigentlich egoistisch, selbstbestimmt leben zu wollen?

    Sandra Hoppenz

    So hatte ich noch nie über Selbstbestimmung gedacht. Wie schon erwähnt, es geht nicht darum, andere zu belasten. Sondern darum, in meinem persönlichen Bereich mit meinen Werten, Stärken und Bedürfnissen weitestgehend im Einklang zu sein. Dass Menschen das als egoistisch empfinden könnten, hat mich echt überrascht.

    Und vielleicht liegt darin auch ein Grund dafür, dass wir als Gesellschaft weit weniger selbstbestimmt leben, als wir könnten. Weil wir Bedenken haben, dass wir von außen als selbstsüchtig verurteilt werden könnten, wenn wir im Grunde selbstfürsorglich sind.

    Den Gedanken muss ich noch sacken lassen. Und ich wünsche mir, dass wir den irgendwann einmal aufweichen können.

    Wie siehst du das Thema Selbstbestimmung?

    Hast du den Eindruck, dass du dir ausreichend Selbstbestimmung gönnst? Oder fühlst du dich von äußeren Erwartungen eingeschränkt? Was würde dir helfen, selbstbestimmter zu leben?

    Fediverse-Reaktionen
  • Warum ich es liebe, mein Inneres Team zu häkeln – 5 gute Gründe

    Warum ich es liebe, mein Inneres Team zu häkeln – 5 gute Gründe

    Meine Häkelbande

    Über mein Inneres Team blogge ich immer mal wieder. Die Idee geht zurück auf ein Modell von Friedemann Schulz von Thun. In meiner Coachingausbildung haben wir regelmäßig Persönlichkeitsanteile miteinander ins Gespräch gebracht.

    Und das haben die oft bitter nötig: Ich weiß ja nicht, wie es dir geht, aber immer wieder haben Teile von mir sich widersprechende Bedürfnisse und Glaubenssätze, jedenfalls auf den ersten Blick. So etwas endet regelmäßig in Selbstblockade. Wenn ich mich in dieser Situation mit meinem Inneren Team hinsetze und wir in Verhandlung kommen, hilft das immer weiter.

    Zu Anfang habe ich einfach die Namen der Anteile auf Papieraufsteller geschrieben. Irgendwann hatte ich dann das Bedürfnis, sie als Figuren in der Hand zu halten. Und weil ich sowieso Häkeln so kreativ und meditativ finde, habe ich mich für diese Methode entschieden. Es sitzen schon ein paar Teammitglieder im Regal, einige haben allerdings noch kein Gesicht. Aber da bin ich jetzt dran, Habitica sei Dank.

    Wie gehe ich vor? Wenn ich herausgefunden habe, was diesen Persönlichkeitsanteil ausmacht, formt sich meistens eine Idee, wie die Figur aussehen könnte. Wenn sie nicht menschlich ist, recherchiere ich in der großen Auswahl an Häkelanleitungen. Meistens habe ich noch das eine oder andere Detail daran zu ändern. Und dann brüte ich über der richtigen Farbe, kaufe die Wolle und hole die Häkelnadel aus der Kiste.

    Falls du dich fragst, warum ich mir diesen Aufwand mache: Das kann ich erklären!

    1. Ich lerne mein Inneres Team besser kennen

    Der Weg vom ersten Entdecken eines Persönlichkeitsanteils bis zur fertigen Figur ist weniger zügig, als er klingt. Alleine die Planung und Farbauswahl bringt mir die Details dieses Teammitglieds näher.

    Oft zeigt sich auch der Charakter dieser Person beim Häkeln: Aktuell sitze ich an einer, die gerne Prozesse verlangsamt, weil sie Bedenken hat, zu scheitern. Prompt verzähle ich mich ständig bei der Maschenabnahme an den Füßen und schmeiße nach dem dritten Ribbeln und Neufrickeln den Anfang der Figur laut fluchend durch das Wohnzimmer.

    Mit jeder fertigen Figur habe ich dann eine Reise hinter mir, bei der wir uns einander gegenseitig gründlich vorgestellt haben. Das kann ein provisorischer Papieraufsteller oder eine gesichtslose Holzfigur nicht leisten. Und diese Figuren sind 100% auf mich und meine inneren Vorgänge zugeschnitten.

    2. Die Persönlichkeiten sind dauerhaft präsent

    Mit der Erschaffung der Figuren ist das Kennenlernen alles andere als zu Ende. Sie sitzen in Augenhöhe auf einem Bord an der Wand, immer bereit für eine Teamsitzung. In der Zeit dazwischen sind sie mir ständige Erinnerung daran, was wir schon alles miteinander erlebt und besprochen haben.

    Mich bewegt es auch, dass sie so friedlich beisammen sitzen. Wie ein Ausdruck meines eigenen inneren Friedens. Eine Erinnerung daran, wie meine scheinbar widersprüchlichen Gedanken und Bedürfnisse konstruktiv miteinander umgehen können, wenn ich das Bewusstsein dafür aufbringe.

    An anderer Stelle habe ich über das Fokusprinzip gebloggt. Dabei ging es allgemein darum, an mir und am Lauf der Natur dran zu bleiben. Mit meinen Teamfiguren bleibe ich an meinem inneren Teamgeist dran.

    Ich habe auch den Eindruck, dass die Persönlichkeitsanteile davon profitieren, wahrgenommen zu werden. Je häufiger ich sie sehe, umso kooperativer werden sie.

    3. Mein Inneres Team lässt sich leicht aufstellen

    Diese Häkelfiguren sind nicht nur Deko. Wenn ich mich mit ihnen zur Besprechung hinsetzen will, habe ich sie sofort zur Verfügung. Ich muss nicht erst Papierstücke schneiden, falten und beschriften.

    Idealerweise hätte ich inzwischen mein Team komplett. Allerdings bin ich gerade, wie schon erwähnt, mitten in der Arbeit an einer weiteren Person. Und dann sind da noch die drei Figuren, die ich endlich fertig vernähen und mit Gesichtern und Haaren versehen will. Und zwei oder drei Persönlichkeiten fehlen noch.

    Aber die Vorstellung, jederzeit mein Team versammeln zu können, ist sehr motivierend. Und in Kombination mit meiner aktuell sehr hilfreichen Habittracker-App bin ich wirklich zuversichtlich.

    4. Die Figuren treten gerne in meinem Blog auf

    Meine Blogbeitragsbilder mache ich meistens selbst. Ansonsten greife ich auf Bildportale wie Pixabay zurück. Und oft ist es gerade bei persönlichen Blogartikeln so, dass die eine oder andere Figur mir zuwinkt und sich für ein Photoshooting bereit erklärt. Der Hulk hat daran offenbar besonderes Interesse 😉

    So kann ich erstens ziemlich einfach ziemlich passende Beitragsbilder gestalten. Und zweitens ist das für mich wieder eine weitere Gelegenheit, mich mit der jeweiligen Person zu befassen. Und das inspiriert dann oft mein Schreiben zusätzlich.

    5. Ich habe einen Anlass zum Häkeln

    Häkeln und Stricken haben etwas Magisches an sich. Zwischen meinen Händen entstehen aus einem so gut wie eindimensionale Faden Dinge und Wesen, die vorher nur in meinem Kopf existierten. Und die mein Inneres besser ausdrücken können als Worte.

    Hinter diesen Techniken aus alten Zeiten der Menschheit steckt aber auch viel Wissenschaft. Es gibt spannende Häkelprojekte an der Schnittstelle zwischen Kunst, Biologie und Mathematik. Alleine die Tatsache, dass es Strickmaschinen gibt, es aber nicht möglich ist, eine Häkelmaschine zu konstruieren, finde ich faszinierend. Und über Knotentheorie und Topologie gibt es für mich noch eine erfreulich große Menge zu lernen.

    Ich stricke gerne und trage extrem selten Socken. Ich brauche auch keine Dreieckstücher und habe schon mehr als genug Dekokram in meinem Haus. Da bin ich über diesen Anlass tatsächlich dankbar, mal wieder eine meditative und kreative Zeit mit einem neuen Wollknäuel verbringen zu können. Oder vielleicht auch mal ein paar halbfertige Beinchen an die Wand zu pfeffern, wenn es sein muss.

    Wie könntest du dein Inneres Team gestalten?

    Kennst du deine unterschiedlichen Persönlichkeitsanteile? Wie verhalten sie sich untereinander? Hast du eine Methode, wie du sie greifbar machen kannst?

    Ich könnte mir eine Reihe anderer Methoden vorstellen:

    • Photos oder selbst gemalte Bilder
    • verschiedene Gegenstände, die dich an das jeweilige Mitglied des Inneren Teams erinnern
    • Karten mit einem zu einer jeweiligen Person passenden Begriff oder Namen
    • selbst gemachte Figuren aus Salzteig oder Modelliermasse
    • fertige Figuren aus Holz oder anderen Materialien, die du selbst zu den jeweiligen Persönlichkeiten ausgestaltest
    • passende fertige Fanartikelfiguren

    Vielleicht fällt dir ja noch mehr ein. Dann freue ich mich über einen Kommentar von dir 🙂

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