Ich blogge generell gerne. Noch lieber seit der Umstellung auf WordPress und seit meinem Entschluss, mich an Judiths Worte zu halten: „Blog like nobody’s reading!“. Ein paar Blogposts liegen mir aber besonders am Herzen, und da kam mir Birgit Lorz‘ Blogparade genau recht 🙂 Hier und heute stelle ich meine liebsten Blogartikel vor und sage jeweils dazu, was für mich daran hängt.
Wie ich meine liebsten Blogartikel ausgewählt habe
Ich sehe mir die Klickzahlen nicht an. Daher weiß ich nicht, was wie oft gelesen wird. Die einzige Zahl, die ich vorhin überprüft habe, war die der Kommentare. Und dann bin ich einfach meinen Blog durchgegangen und fand so viele Beiträge, die mir am Herzen liegen, dass der meistkommentierte Beitrag es nicht in die Top 10 geschafft hat.
Ja, ich habe beschlossen, dass es zehn Punkte auf der Liste meiner liebsten Blogartikel gibt. Eigentlich elf, aber zwei davon sind im Grunde ein Doppelpack 😉 Und bei 134 deutschsprachigen Artikeln ist diese Auswahl immerhin unter 10%.
Diese Auswahl deckt das Spektrum ab, das meinen Blog ausmacht. Ein paar drehen sich um Mathematik, ein paar um meine Gedanken zum menschlichen Miteinander, und zwei sind Premierenartikel auf meinem Blog.
Der erste Artikel auf dieser Domain. Ich schrieb ihn am 1. Januar 2020, noch mit Typo3 und hochmotiviert. Die Laufschuhe auf dem Titelbild hatten mich schon über einige Kilometer getragen.
Ich stolpere oft in meinem Leben über Paradoxien. Und einerseits bin ich gar kein Fan davon, mich ihnen zu stellen. Andererseits merke ich immer wieder, dass ich meistens besser damit fahre, wenn ich nicht versuche, Paradoxes auszublenden.
Bei einem Workshop-Wochenende ging es viel um das Hier und Jetzt und ich fragte mich, wie wir es schaffen können, im Moment zu bleiben und gleichzeitig tragende Ziele für die Zukunft zu finden.
Dieser Artikel ist das Ergebnis. Wenn ich ihn durchlese, empfinde ich ihn selbst als hilfreich, gleichzeitig merke ich, wie ich von diesem Ideal noch deutlich entfernt bin.
Auch dieser Artikel ist von Januar 2020. Er war der Startschuss für eine Reihe von Artikeln und Meditationen zum Jahreskreis, die mich durch mehrere Jahre begleitet haben. Die Arbeit daran hat mich noch einmal viel genauer auf die Abläufe in der Natur sehen lassen.
Es gibt noch einiges zu tun. Denn immer, wenn ich diesen Artikel oder die darin verlinkten Beiträge lesen, fällt mir auf, dass ich noch Links nachtragen oder Alt-Text bei Bildern nachfügen muss. Ich könnte bei den Aktivitätenartikeln noch Rezepte, Musikstücke oder passende Bücher nachtragen. Durch den Umzug auf WordPress gibt es noch zusätzlich ein paar Dinge zum Aufräumen.
Zum Glück ist der Jahreskreis unendlich und es ist immer der richtige Moment, um anzufangen 😉 Ich kann nur empfehlen, dann und wann einmal von der Natur zu lernen. Und das ist es, worum es mir ging.
Der Podcast „Wisdom of the Sages“ hat mich über große Strecken mental durch die Corona-Jahre getragen. Raghunath, ehemaliger Sänger der Band Shelter und ebenso ehemaliger Krishna-Mönch, ist immer wieder für Zitate gut.
Die Ärzte singen über Vor- und Nachteile des Daseins als Zombie. Bei mir geht es um die weit weniger gruselige Mathematik. Diese zwei Artikel habe ich direkt hintereinander geschrieben, sie sind zwei Seiten einer Medaille und ich stehe in der Mitte.
Es gibt viele Menschen, die Mathe schlimm finden und dafür habe ich großes Verständnis. Es ist auch nicht immer alles so einfach. Und doch ist oft vieles deutlich weniger schwierig, als es scheint. Eine Folge des Podcasts Detektor.fm inspirierte mich zum Contra-Artikel, denn das Fach an sich wird wirklich mit einem sehr dünnen Bluff verkauft.
Auf der anderen Seite konnte ich das so nicht stehen lassen ohne ein Plädoyer für dieses oft total unterschätze Fach 🙂
Jedes Jahr ist dieser Artikel wieder aktuell. Wenn am 8. März treuherzig Blumensträuße gekauft und Glitzer-GIFs versendet werden, dann wünsche ich mir regelmäßig mehr Wissen darüber, wozu dieser Tag wirklich eingerichtet wurde.
Ich war schon als Jugendliche Feministin. Und ich gebe die Hoffnung nicht auf, dass ich noch erleben werde, dass dieser Tag für den Kampf um eine gerechtere Welt nicht mehr nötig sein wird. Bis dahin teile ich den Blogpost jedes Jahr wieder.
Auch dieser Artikel ist leider sehr aktuell. Manchmal möchte ich sagen, dass wir aus der Pandemie sehr sehr wenig gelernt haben.
Im September 23 habe ich mich bei einer Schülerin infiziert. Seitdem schleppe ich eine Dauermüdigkeit mit mir herum. Im Oktober formulierte ich meinen Frust und meinen damaligen Kenntnisstand in diesem Artikel.
Dabei ist es auch nicht die Frage, ob die nächste Pandemie kommt, sondern wann. Und dann wären wir gut beraten, die Lektionen aus den Corona-Jahren noch einmal gründlich zu überdenken.
Ich blogge immer wieder und immer mehr über meinen Blick auf die Gesellschaft. Dass das mit einem weiteren Schwerpunkt meines Blogs, dem Lernen eng verzahnt ist, habe ich in diesem Artikel beschrieben.
Für manche ist die Schulzeit mehr oder weniger ein Ärgernis. Anderen wird die Teilhabe am Bildungssystem künstlich schwer gemacht. Das sorgt dafür, dass wir viele Chancen verpassen, junge Menschen für eine solidarische und nachhaltige Zukunft auszubilden. Außerdem gerät dabei das lebenslange Lernen unter die Räder.
Mir liegt sowohl das Lernen an sich als auch die Zukunft der Menschheit sehr am Herzen. Das wird in diesem Blogartikel besonders deutlich.
Coaching hat mehrere Gesichter. Auf der einen Seite steht ein unübersichtlicher Markt mit sowohl sehr soliden als auch sehr merkwürdigen Anbieter:innen. Auch wenn ich selbst nicht ausdrücklich als Coach arbeite, sehe ich nach wie vor das Potential, Menschen bei den Schwierigkeiten zu begleiten, die für sie alleine zu kompliziert sind, für die aber ein psychotherapeutischer Ansatz zu hoch gegriffen wäre.
In diesem Artikel blicke ich zurück auf eine sehr persönliche Erfahrung, die sich im Nachhinein als wegweisend für meine heutige Tätigkeit herausstellte. Was es mit meiner goldenen Flasche auf sich hat, erfährst du darin auch 🙂
Ich glaube, da will mir jemand etwas sagen. Wie schon gesagt: Immer wieder und immer öfter kommt bei mir das Thema „Paradoxien“ auf, auch wenn sie mir eigentlich gegen den Strich gehen 😉 Gleichzeitig hilft mir so ein Ansatz oft, wenn ich mich besonders gedanklich verheddert habe.
Mein zweiter Premierenartikel: Das ist der Beitrag zu meiner ersten eigenen Blogparade. Immerhin haben mit mir zusammen fünf andere Menschen etwas darüber geschrieben, wie wir in schwierigen Zeiten zuversichtlich bleiben können. Das gibt mir den Mut, nochmal zu einer weiteren Blogparade aufzurufen. Wenn ich dazu die Zeit finde, denn aktuell ist ja die Blogparaden-Sause 25, bei der ich mich schon sehr zusammenreißen muss, um nur bei elf Aufrufen teilzunehmen 😀
Ich bin echt stolz, dass ich dieses Jahr diesen Blogartikel rechtzeitig fertig bekommen habe. So konnte ich ihn Schüler:innen verlinken, die für das Mathe-Abi lernen. Oder inzwischen ihre Klausuren geschrieben haben ❤️
2024 entstanden vier Artikel mit Informationen über die Abi-Klausuren an sich: In Analysis, Stochastik, analytischer Geometrie und linearer Algebra sowie über den hilfsmittelfreien Teil. Diese habe ich jetzt mit Tipps rund um den großen Tag der Prüfung zusammengefasst.
Fazit über meine liebsten Blogartikel
Ich bin froh, dass Birgit keine Maximalzahl vorgegeben hat 😀 Diese zehn Artikel decken einerseits ein breites Spektrum ab, andererseits sind sie für mich auch untereinander verzahnt. Eine Zeitlang habe ich mich gefragt, ob mein Blog nicht zu gemischt ist, unter anderem aufgrund der wohlmeinenden Tipps anderer Bloggerinnen. Inzwischen sehe ich es so, dass ich selbst viele Facetten habe und dass mein Blog das gerne widerspiegeln darf.
Ich könnte deswegen auch nicht sagen, welcher dieser Artikel mir am wichtigsten ist. Eher finde ich gerade die Zusammenschau so aufschlussreich. Andere Blogger:innen finden sich eventuell in diesem breit gefächerten Ansatz wieder. Auf der anderen Seite können potentielle Schüler:innen oder deren Eltern auf meinem Blog sehen, was für ein Mensch hinter Angela Carstensen steckt, bevor sie mich kontaktieren.
Es steht auf meiner langen Liste mit Vorhaben, meinen Blog zu überarbeiten. Das gilt auch für meine liebsten Blogartikel, aber nicht speziell. Es gibt, wie schon erwähnt, noch viele Alt-Texte nachzufügen, Formatierungen anzupassen, und ich werde vermutlich auch hier und da etwas hinzufügen oder Absätze neu schreiben.
Und doch kann ich für hier und heute diese Artikel leichten Herzens so stehen lassen.
Was sind deine liebsten Blogartikel?
Wenn du selbst bloggst: Was sind deine Lieblinge? Auf welche Zahl kannst du dich dabei beschränken?
Wie gemischt sind deine Themen? Und was meinst du, was deine liebsten Blogartikel über dich aussagen?
Dieses Mal bin ich sensationell gut in der Zeit: Hier sind meine Beiträge für das Projekt52 Mai 25. Auf Pixelfed habe ich sie allerdings noch nicht gepostet.
Sari aka Frau Mondgras vom Heldenhaushalt bietet auf ihrem Blog immer zum Monatsanfang vier bis fünf Themen an. Du kannst jederzeit einsteigen und zu diesen Impulsen etwas gestalten.
Am Ende des Jahres werde ich hoffentlich auf 52 Beiträge zurücksehen. Es werden größtenteils Photos sein, aber auch Texte oder andere kreative Werke sind willkommen.
Meine Beiträge zum Projekt52 Mai 25
Lieblingsort
Wie so oft bei Fragen nach meinem oder meiner „Lieblings-XY“ fällt es mir schwer, mich festzulegen. Meinen Garten liebe ich aber schon und gerade jetzt ist er wieder einfach zauberhaft.
Einiges wächst dort selbstbestimmt, anderes habe ich gepflanzt und hege und pflege es, soweit meine ungrünen Daumen das zulassen.
Und jeder Anlass zum Bloomscrolling ist natürlich so oder so willkommen.
Selbstzweifel
Ich neige tatsächlich gar nicht sehr zu Selbstzweifeln. Behaupte ich jetzt mal. Was meine Coaching-Ausbildung angeht, verwende ich sie allerdings nicht beruflich. Oder nicht explizit.
Natürlich fließt das Wissen, das ich dabei gesammelt habe, in meinen Nachhilfeunterricht mit ein. Aber nicht unter dem Arbeitstitel „Coaching„.
Dass ich beim ersten Mal durch die praktische Prüfung gefallen bin, trägt sicher dazu bei. Obwohl ich, im Gegensatz zu anderen aus dem gleichen Umfeld, die Nachprüfung bestanden habe.
Allerdings habe ich mir vielleicht auch das eine oder andere Feedback, was ich während meiner Ausbildung gehört habe, zu sehr zu Herzen genommen. Es gibt so Einiges, was mir hier weniger leicht fällt als die Ansätze zu verschiedenen Mathematikaufgaben zu erklären 😉
Ich weiß nicht, wo ich heute wäre, hätte ich das Standbein Coaching mit mehr Nachdruck betrieben und beworben. Meine Laufbahn als Forscherin in der Chemie habe ich inzwischen gedanklich losgelassen, und ich hoffe, ich werde mir irgendwann einmal diese Bescheinigung ohne Stirnrunzeln ansehen.
Hoffnung
Fast hätte ich noch ein Bloomscrolling-Bild eingereicht. Denn die Tatsache, dass ich im Gegensatz zu 2024 inzwischen wieder Rosen und Flieder riechen kann, gibt mir Hoffnung dafür, dass wenigstens mein Geruchssinn nicht dauerhaft durch Long-COVID geschädigt wurde. Und die Rosen der Sorte „Rhapsody in Blue“ die ich selbst gepflanzt habe, blühen jetzt und duften super schön.
Weil allerdings der Frühling bisher hauptsächlich meinen Garten dauerhaft trocken geföhnt hat, haben mir heute diese Wolken Hoffnung gemacht, dass meine Pflanzen wenigstens in den kommenden Tagen nicht ganz so durstig sein werden. Bisher gieße ich nur mit dem, was in der Regentonne ist und die Tulpen haben es schon mal nicht geschafft 🙁
Landluft
Der größte Teil der potentiellen Ackerfläche in der Region wird hier für Baumschulen genutzt. Daneben gibt es aber auch Getreide. Ich bin gerade gar nicht sicher, was aus diesen Pflänzchen mal werden soll, aber ich gehe mehrfach in der Woche an ihnen vorbei.
Meine bisherigen Beiträge für Projekt52
Seit Januar habe ich bisher noch kein Thema ausgelassen:
Wie gesagt, die Bilder teile ich auch regelmäßig auf Pixelfed. Ich freue mich, wenn du mir auch dort folgst oder wenn dich das motiviert, auch von Instagram dorthin zu wechseln 😉
Und jetzt freue ich mich auf die Themen für Juni 25!
Schließlich gibt es in dieser Gemeinschaft jedes Jahr eine lange Liste an spannenden Blogparaden, bei denen die meisten Aufrufe mich sehr motivierend abholen.
Dann kam die verzögerte Reaktion. Vielleicht sollte ich gerade wegen dieser ersten Ablehnung einen Beitrag schreiben. Gesagt, getan: Nach meinem „Ja zu Deutschland“ wird dies mein zweiter von vermutlich wieder mehr als zehn Artikeln im Blogparadensommer der TCS.
Meine Geschichte
Was hat Hochbegabung mit mir zu tun?
Mein Vater ist Psychologe, inzwischen im Ruhestand. Als ich sehr klein war, studierte er noch und hat alle möglichen Tests mit nach Hause gebracht. In Sachen Motorik war ich nicht so gut und dass ich ein „schönes Dreieck“ aus lilafarbenen Teilen gelegt habe, war auch irgendwie alarmierend 😉
Er hat darüber hinaus zu Übungszwecken die ganze Familie auf ihren IQ durchgetestet. Beim Hamburg-Wechsler-Test für Kinder lag ich plötzlich deutlich oberhalb der Norm. Mein Vater war selbst etwas erschrocken, sagt er.
Solche Tests sind ja nur innerhalb einer Kohorte und einer Region wirklich vergleichbar, aber ich war wohl ungefähr drei Standardabweichungen vom Durchschnitt entfernt. Auch wenn es mein Vater war und so lange her ist, ist bei diesem Ergebnis ein Messfehler unwahrscheinlich.
Wie wirkte sich das auf meine Schulzeit aus?
Ich bin tatsächlich gerne zur Schule gegangen. Jedenfalls, was das Lernen angeht. Und gleichzeitig waren meine Noten nicht auffällig gut. In der ersten Klasse traf ich auf einen sehr flexiblen Klassenlehrer, das war im Nachhinein ein echter Glücksfall. Meine Eltern berichten mir, ich habe ihm gesagt, ich hätte mir ein Buch mitgebracht, das würde ich dann jetzt lesen und er solle sich melden, wenn er etwas Spannendes zu erzählen hätte 😀
Andere Lehrerinnen waren wohl nicht so geduldig mit mir. Zum Glück erinnere ich mich nicht daran, sondern an meinen Spaß am Lernen an sich. Und auch an meinen Frust, wenn etwas nicht auf Anhieb leicht klappte. Es gab bis auf Sport kein Fach, das ich nicht grundsätzlich interessant fand.
In der achten Klasse schrieb ich ein Halbjahr lang in Mathe eine fünf nach der nächsten. Das war sehr befremdlich, weil es ein Teil meiner Identität war, Mathematik gut zu können. Zum Glück war nach ein paar Monaten der Spuk vorbei und wir haben die Erfahrung auf die Gehirnumstrukturierung in der Pubertät geschoben.
Was mir geblieben ist, ist eine Sorge, dass mit meinem Gehirn etwas nicht in Ordnung sein könnte. Ein hoher IQ-Wert ist offenbar nichts, was garantiert erhalten bleibt.
Wie ging es weiter?
Im Studium habe ich Informationen einerseits aufgesaugt und wurde wegen meiner Prüfungsnoten für ein Stipendium vorgeschlagen. In dem Gespräch habe ich dann allerdings anscheinend den einen Prüfer nicht beeindruckt. Generell scheint mir, dass viele Menschen mir von außen nichts ansehen. Eher werde ich unterschätzt.
Vor allem später, in meiner Zeit als Lehrerin im Schuldienst. Besonders Schüler haben oft versucht, mir die Welt zu erklären: Der Opa mit Elektrikerlehre wisse bestimmt besser, wie so ein Stromkreis funktioniert. Ein Vater ließ mir ausrichten, ich sei wohl wahnsinnig, Wasser in Sauerstoff und Wasserstoff zu trennen und dann eine Knallgasprobe zu machen.
Auch Kolleg:innen hatten die Tendenz, von oben herab mit mir zu sprechen. Unter anderem, weil ich „nur“ als Grund- und Hauptschullehrerin ausgebildet wurde. Nach einer Promotion in Chemie, aber trotzdem.
Das hat mich geärgert, und gleichzeitig bin ich inzwischen so sehr daran gewöhnt, dass ich das mit diesen Menschen nicht thematisiere. Was sollte ich auch sagen? Selbst Menschen, die mich lange kennen, würden vielleicht davon ausgehen, dass ich ungefähr durchschnittlich intelligent bin.
Ich bin im Rückblick mit meinem Lebensweg sehr zufrieden. Und gleichzeitig habe ich immer wieder den eingeschlagenen Pfad abgebrochen und bin von außen betrachtet hinter meinem Potential zurück geblieben. Das ist so und vielleicht ein bisschen schade für das Potential. Andererseits möchte ich mein aktuelles Leben um nichts in der Welt tauschen.
Ich mache heute das, was mir Spaß macht, was mir leicht fällt und was gebraucht wird.
Was macht das Thema Hochbegabung so schwierig für mich?
Oft vergesse ich die ganze Thematik. Und dann wundere ich mich, warum andere Menschen die Welt nicht so sehen wie ich. Wie sie es schaffen, viele Dinge auszublenden, die bei mir ungebeten so gut wie immer auf dem Schirm mitlaufen und warum sie manchmal so anders denken.
Als Kind habe ich den Anspruch wahrgenommen, mich meinem Potential entsprechend zu verhalten. Gleichzeitig kam mein Hang, zum Beispiel meine Großmutter regelmäßig in ihrer Grammatik und Wortwahl zu verbessern nicht gut an. Für mich ergab sich daraus die Botschaft, dass ich zwei sich teils widersprechende Erwartungen gleichzeitig erfüllen sollte: Angemessen schlau sein, das aber möglichst unauffällig. Und diesen Konflikt trage ich noch immer unterbewusst in mir.
Bei Filmen oder Büchern über hochbegabte Menschen fühle ich mich unbehaglich. Ich bewundere andere, die leichtherzig über ihre Hochbegabung sprechen, und ich beneide sie um diese entspannte Einstellung. Ich wäre damit auch gerne sortierter, möchte aber eigentlich nicht gerne darüber sprechen. Selbst dieser Blogpost ist mir suspekt.
Zu all dem kommt noch eine großzügige Portion Impostor-Syndrom. Weil ich keine „offizielle“ Diagnose habe und vieles an lebensnützlichen Dingen nicht kann. Weil ich im Rahmen der Wechseljahre ein Zeitlang Gedächtnisprobleme hatte und dabei das Gefühl hatte, mein Gehirn zerbröselt. Und weil ich mir mit meinem Long-COVID manchmal noch einen zusätzlichen Verlust an IQ-Punkten zusammen hypochondriere.
Ich hätte eventuell Interesse an einem weiteren offiziellen Test und gleichzeitig Bedenken, dabei drastisch niedriger abzuschneiden. Und während ich das schreibe, muss ich selbst mit den Augen rollen.
Denn das alles ist nebenbei ein Luxusproblem. Als Lehrerin hatte ich deutlich vor Augen, wie hart die Schulzeit für Kindern ist, denen das Lernen schwer fällt. Es scheint mir undankbar, wenn ich mir Gedanken um die Nachteile eines ungewöhnlichen Gehirns mache. Vielleicht ist mein Unbehagen nur ein Teil meines Hangs zum Problematisieren.
Und dann haben wir noch nicht darüber gesprochen, was am Konzept Intelligenzquotient gesellschaftlich problematisch ist. Auf seiner Basis fanden und finden eine Reihe von Diskriminierungen statt, auch im Bildungsbereich. Mehr dazu habe ich in meinem Blogartikel „Warum Lernen politisch ist“ geschrieben.
Meine Unterrichtserfahrungen mit hochbegabten Kindern
Mir sind beruflich ein paar hochbegabte Kinder begegnet. Und sie waren sehr unterschiedlich: Teils fröhlich und unkompliziert in die Klasse integriert, teils sehr sensibel und leicht gestresst. Mit meiner Erinnerung an meinen eigenen ersten Klassenlehrer habe ich ihnen Freiheit zum selbstbestimmten Lernen gegeben, so weit ich das konnte, ihnen aber dabei keinen extra Druck gemacht. Am Ende sind es auch einfach Kinder mit dem Bedürfnis zu spielen und lachen und dann und wann mal die Füße hoch zu legen.
Es gab auch ein eher beklemmendes Beispiel. Eine Schülerin wurde mir von ihrer Mutter vorgestellt mit:
„Sie kratzt an die 129!“
Da hatte sie also im Test nicht die 130 geschafft. Also gerade so nicht genug für die offizielle Hochbegabung. Und was die Eltern davon mitgenommen hatten war, dass das Mädchen dringend gefördert und gefordert worden sollte. Ich unterrichtete damals in der zweiten Klasse Mathematik bilingual auf Englisch. Und dieses Kind verstand kaum ein Wort, verpasste dadurch auch die mathematischen Inhalte und war sichtlich unglücklich. Das Bedürfnis von Eltern, sich über ein hochbegabtes Kind zu definieren, kann für das Kind selbst ungesunde Folgen haben.
Was würde ich mir wünschen?
Es wäre schön, würde heutzutage Mädchen und Frauen Hochbegabung genauso zugestanden wie Männern und Jungen. Wir glauben oft, die Verhältnisse seien inzwischen so gut wie ausgeglichen, und trotzdem nehme ich das Klischee von „Überfliegerjungen“ deutlich wahr. Das trägt bei betroffenen Mädchen dazu bei, dass sie sich deutlich schwieriger innerlich sortieren. Oder vielleicht geht es auch nur mir so 😉
Ich wünsche mir, dass in allen Schulformen Kinder wirklich entsprechend ihren Fähigkeiten gefördert und gefordert werden. So wie wir es uns auf die Fahne geschrieben haben. Dazu müssen allerdings alle Lehrkräfte die entsprechende Haltung mitbringen und vor allem auch die notwendigen Rahmenbedingungen vorfinden. Bei beidem sehe ich noch Luft nach oben.
Andererseits halte ich es für sehr wichtig, Kinder auch Kinder sein zu lassen. Das meine ich ausdrücklich nicht als Phrase. Notendruck oder Karriereerwartungen sind auch oder gerade für hochbegabte Kinder und Jugendliche kontraproduktiv. Und dann setzt beim scheinbaren „Verfehlen“ von Potential zusätzlich ein vollkommen unangebrachtes schlechtes Gewissen ein.
Zuletzt wünsche ich mir Wertschätzung der Wissenschaft, dem Wissen und dem Lernen gegenüber. Aktuell sehen wir besonders in den USA deutlich, wie autoritäre Regime Meinung und Dogmen über Rationalität und durch Forschung erworbenes Faktenwissen ersetzen. Dadurch ausgeschlagene Warnungen führen zum sehr frustrierenden Kassandra-Syndrom, mal ganz abgesehen von vermeidbaren Krisen. Das könnte die Menschheit deutlich bessern handhaben.
Was sind deine Erfahrungen mit Hochbegabung?
Betrifft das Thema Hochbegabung dich oder einen Menschen aus deinem Umfeld? Was sind deine persönlichen Erfahrungen damit?
Oder interessiert das Thema dich einfach so?
Wie erlebst du hochbegabte Menschen und den Umgang der Welt mit ihnen?
Und was würdest du dir in diesem Zusammenhang wünschen?
Als Nachhilfelehrerin erlebe ich oft frustrierte Schüler:innen. Sie sehen Fehler als Scheitern und Fragen als Zeichen von Schwäche. Besonders die Mathematik ist für viele eine Herausforderung, für mich ist sie so sehr Hobby, ich würde meinen Unterricht auch kostenlos geben. Mathe und ein paar andere Dinge fallen mir leicht. Dafür gibt es anderes, bei dem ich einsehen muss: Das kann ich nicht.
Anna Koschinski schrieb dazu einen inspirierenden Blogpost. Also blogge ich hier auch einmal ausdrücklich über das, was ich nicht oder nur schlecht kann. Denn das Meiste ist für uns realistisch gesehen nur schwierig statt wirklich unmöglich. Fliegen kann von uns zum Beispiel niemand. In anderen Bereichen haben wir unterschiedliche Talente.
Was kann ich nicht gut?
Mein privater Alltag
Körperbeherrschung
Als Kind dachte ich, das ist normal: Ich hatte in den meisten Fächern gute Noten, aber nicht in Sport. „Dir kann man die Schuhe im Gehen besohlen!“ war nur ein Kommentar einer Lehrerin. Am Fußballspiel in der Pause habe ich nie teilgenommen: Zu laufen, einen Ball zu führen und in ein Tor zu treten, anderen Menschen auszuweichen und mich bei all dem nicht auf die Nase zu legen, ist für mich nicht machbar.
In der 13/1 hätte ich fast einen Fehlkurs in Sport bekommen, dabei war ich immer pünktlich erschienen, hatte immer mit auf- und abgebaut und mich richtig reingehängt. Leider bin ich an der Leichtathletiktabelle mit voller Wucht gescheitert. Zum Glück hat mein Lehrer sich auf 5 Punkte erweichen lassen. Diese Geschichte teile ich besonders gerne und häufig mit meinen Schüler:innen.
Mein Gleichgewichtssinn ist unterdurchschnittlich, und im Dunklen lustigerweise gar nicht mehr vorhanden. Das geht so weit, dass ich keine 3D-Computerspiele spielen kann, ohne mich aus Kreislaufgründen hinlegen zu müssen.
Lange habe ich geglaubt, auch das sei normal: Es gibt keinen Tag in meinem Leben, an dem ich nicht irgendwo mindestens einen blauen Fleck habe. Vorhin habe ich mir den rechten Daumen in der Rosenschere eingeklemmt, und ich habe mehrere Sets Wein- und Sektgläser sowie diverse Glasschüsseln auf dem Gewissen. Und einige Teekannen in unserem Haushalt müssen ohne Deckel klarkommen.
Organisation und Motivation
Mir fallen diese beiden Punkte immer wieder schwer. Um Aufgaben zu erledigen, die ich langweilig finde, trickse ich mich inzwischen mit einer gamifizierten App aus. Immer wieder fange ich mit großem Elan Projekte an und dann geht mir zwischendrin die Lust aus. Dann kann ich ein neues Fach in meinen Regalen, die genauso gut „Hobbyfriedhof“ heißen könnten, befüllen.
Ich bin regelmäßig auf den letzten Drücker zum Aufbruch bereit. Und immer wieder suche ich nach meiner Brille, was für eine kurzsichtige Person eine echte Herausforderung ist. Ein Teil von mir würde sich wünschen, dass ich Angekündigtes und Versprochenes rechtzeitig anfange. Der andere Teil ist immer wieder mit anderen Tätigkeiten abgelenkt, bis es kurz vor Abgabetermin ist.
Und gerade über meinen eigenen Hang zum Verschieben und Verzetteln rede ich sehr offen mit meinen Schüler:innen. Weil das menschlich ist. Und weil ich ihnen natürlich trotzdem rate, es besser zu machen als ich 😀
Meine Mitmenschen
Ich mag andere Menschen wirklich gerne. Und gleichzeitig fällt es mir sehr schwer, am Ball zu bleiben und mich regelmäßig zu melden. Ein paar Personen aus meinem Umfeld melden sich zuverlässig bei mir und dafür bin ich sehr dankbar.
Fremde anzusprechen ist eine Frage der Tagesverfassung. Gerade im veganen Outreach habe ich gelernt, über meinen Schatten zu springen, aber oft vermeide ich die Kontaktaufnahme wie der Teufel das Weihwasser. Vor allem, wenn ich das Gefühl habe, in einem Machtgefälle unten zu stehen. Und sei es nur, dass ich in einem Geschäft eine spezielle Frage nach einem Produkt habe.
Besonders drücke ich mich davor, Menschen anzurufen. Das war für mich der schlimmste Teil meines Daseins als Lehrerin. Und auch hier ist es noch schwieriger, wenn ich die anzurufende Person nicht kenne. Anders herum nehme ich auch extrem ungerne Telefongespräche entgegen.
Berufliches
Wie schon gesagt, ich unterrichte so gerne, dass ich das eigentlich nicht bezahlt haben müsste, wäre ich nicht auf ein regelmäßiges Einkommen angewiesen. Entsprechend muss ich mich immer wieder sehr konzentrieren, um meine Rechnungen rechtzeitig fertig zu machen und zu verschicken.
Immer wieder quellen meine Ablagen mit den Arbeitsblättern über. Und ich frage mich, wer da nachts durch meinen Unterrichtsraum geistert und alles durcheinander bringt 😉 Es ist ein stetiges Arbeiten gegen die Papierlawine. Und ich gehe nicht davon aus, dass ich vor meiner Rente noch mal das große Organisationssystem entdecke, mit dem meine Aufgabensammlung endlich adrett aussehen wird.
Und dann ist da noch alles, was mit Paragraphen zusammenhängt. Ich lese sehr gerne, aber da verschwimmt mir alles vor den Augen und im Gehirn kommt nur die Hälfte an. Zu allem, was das Finanzamt oder sonstige Behörden angeht, muss ich mich mit übermenschlicher Anstrengung zwingen.
Was ich nie probiert habe
Manches kann ich vielleicht, habe es aber nie versucht. Anderes kann ich nicht, weil ich nie den Impuls hatte, es zu lernen. Zum Beispiel kann ich auf Plattdeutsch keine Konversation führen. Ich beherrsche Gebärdensprache nicht, weil ich mir nie die Zeit genommen habe, sie zu lernen.
Es gibt viele kreative Techniken, die ich bewundere: Brettchenweben, Sticken, Acrylmalerei. Ich sehe mir sogar immer mal wieder Videos dazu an, weil ich die Vorgänge so ästhetisch finde. Und gleichzeitig kann ich mir diese Tätigkeiten für mich nur schwer vorstellen. Genau wie ich sehr gerne Klavier und Cello höre und im Leben nicht lernen muss, diese Instrumente zu spielen.
Selbst wenn ich es wollte: Ich kann am Ende auch nur sehr unwillig einsehen, dass mein Tag nur 24 Stunden hat und mein Jahr nur 365 Tage. Ich hätte gar nicht die Zeit, alles auszuprobieren, was ich gerne können oder lernen würde.
Warum das „kann ich nicht“ ansehen?
Wir leben in Zeiten der Selbstdarstellung. Gerade in den „sozialen“ Medien geht es oft darum, uns als kompetent zu verkaufen. Oft buchstäblich, weil an vielen Profilen ein Onlinebusiness dranhängt und viele YouTube-Kanäle monetarisiert sind. Da ist natürlich das große Trommeln gefragt, schließlich wollen wir ja mit unseren Dienstleistungen gebucht werden.
Und es ist auch nicht ganz verkehrt. Eine der Blogparaden, an die ich mich besonders gern erinnere, war Lorena HoormannsDaraufBinIchStolzListicle. Denn viel zu oft tragen wir online viel scheinbares Selbstbewusstsein nach außen und fühlen uns nach innen deutlich inkompetenter und nicht authentisch. Hier haben sich 52 Blogger:innen ihre persönlichen Schatzkästchen mit richtig spannenden Stärken und Erfahrungen geschaffen.
Gleichzeitig finde ich es erfrischend, nicht in allem gut sein zu müssen. Wenn ich meinen Schüler:innen sage, was ich nicht kann, schafft das Perspektive und mehr Augenhöhe. Und damit auch weniger selbst auferlegten Leistungsdruck für sie.
Das Eine oder Andere kann ich nicht. Und daraus ergibt sich für mich keine Liste an Dingen, die ich mir antrainieren muss. Sondern ein Bild meiner Persönlichkeit, in der auch Platz ist für Schwächen. Ich kann mir Hilfe holen, von anderen Menschen und von Geräten oder Apps.
Wir müssen gar nicht alles können. Da, wo unsere Fähigkeiten aufhören, kommen wir in Kontakt mit anderen Menschen, die diese Sache besser beherrschen. Es liegt nahe, dass besonders in unseren frühen Zeiten Kooperation ein Evolutionsvorteil war. Und so ist das, was ich nicht kann, ein Motor für die Weiterentwicklung der Menschheit. Damit kann ich gut leben.
Was fällt dir schwer?
Gibt es bei dir Überschneidungen oder Unterschiede zu meinen Kompetenzlücken?
Wie geht es dir damit, etwas nicht zu können?
Wie gehst du damit um, im privaten Alltag und im Berufsleben?
Und siehst du noch weitere Vorteile darin, etwas nicht zu können?
Wer mich kennt, wundert sich vielleicht über diesen Titel. Und doch ist dieses Thema das, was mir zu Gabi Kremeskötters neuer Blogparade eingefallen ist. In meinem Leben habe ich schon zu einigen Dingen und Personen Ja gesagt, seit einigen Jahre übe ich bewusst das Nein-Sagen. Vor ungefähr 23 Jahren habe ich allerdings tatsächlich Ja zu Deutschland gesagt. Und das kam so:
Heimkehr nach meiner Rundreise
Heimkehr im Kleinen
Ich hätte diesen Blogbeitrag auch „Ja zum Kreis Pinneberg“ nennen können, weil ich in Elmshorn geboren wurde, mit zwei Jahren dann umgezogen bin/wurde, und seit 2016 in Halstenbek wohne, also fast wieder am Ausgangspunkt meiner Lebensreise.
Einige Jahre lang verband ich mit dem Kreis Pinneberg hauptsächlich, dass ich auf der A23 schnell hindurchfuhr. Und die Wohnblöcke, die von der Autobahn aus zu sehen sind. Für eine Region im nördlichsten Bundesland sind wir hier ziemlich südlich. Zum Meer ist es relativ weit.
Allerdings macht diese Gegend das durch die vielen Bäume und die Anbindung an den Hamburger Nahverkehr wieder wett. Und wenn ich von der großen Stadt gerade nichts wissen will, ist es hier wirklich plüschig grün. Der Wert meines Jas zum PI wird mir stetig mehr bewusst.
Die Düpenau in Schenefeld
Und im Großen
Bei einem Erasmusaufenthalt 1995 verliebte ich mich in Großbritannien. Mit ein paar anderen lieben Menschen zog ich entsprechend schon für meine Diplomarbeit dorthin. Mir gefielen die Landschaft, das Essen, die Kultur, das Fernsehprogramm, die Gärten, das Hobbit-mäßige Lebensgefühl.
Für meine Promotion lebte ich dann in London. Aus meiner Sicht ist das immer noch eine der schönsten und spannendsten Städte der Welt. Ich habe dort viel gelernt und mich auch als Mensch sehr weiter entwickelt. Die Jahre in London waren so lebendig und intensiv, und für eine Zeit lag es nahe, auf Dauer in England zu bleiben. Ich dachte darüber nach, mich als Wissenschaftlerin in einem Museum zu bewerben. Mein Mann hätte sicher in der Arbeitsgruppe an seiner Universität bleiben können.
Und dann entschieden wir uns bewusst für eine Heimkehr nach Deutschland. Es war in meiner Erinnerung hauptsächlich mein Impuls: Ich wollte wieder etwas näher bei meiner Familie sein, mehr das Aufwachsen meiner Nichten und meines Neffen mitverfolgen. Also ging es 2002 zunächst nach Potsdam, später nach Schleswig-Holstein. Und hier bin ich nun. Mit etwas Heimweh nach England und großer Liebe für meinen aktuellen Wohnort.
Was habe ich durch mein Ja verpasst?
Mein Ja war gleichzeitig ein Nein zu einem Weiterleben in England. Und ich habe eine Weile immer ein bisschen parallel im Konjunktiv gelebt. Vor allem, was meinen Beruf angeht: Ich hätte Wissenschaftlerin bleiben können. Wir hätten ein Häuschen in Blackheath kaufen können, bevor die Preise so astronomisch wurden. Lange Zeit war das Heimweh wirklich wehmütig.
Als die Brexit-Abstimmung kam, war ich tieftraurig. Und gleichzeitig war ich erleichtert, dass ich das wenigstens nicht hautnah miterleben musste. Dass ich nicht plötzlich in einem Land aufwachte, indem ich für viele nicht erwünscht war.
Deutlich später realisierten wir, dass sich aus dem, was wir brav in die Kasse der Social Security Britain eingezahlt haben, für uns keinerlei Rentenanspruch ergibt. Merke: Internationale Umzüge können mehr Geld kosten als gedacht.
Was habe ich durch mein Ja gewonnen?
Ja zu den Widersprüchen
Wer eine Reise macht, kommt verändert zurück. Und so habe auch ich seit meiner Rückkehr nach Deutschland einen anderen Blick auf meine Heimat. Zu Anfang meines Lebens hatte ich keine Option, meine Geschichte begann hier ohne mein Zutun. 2002 zog ich bewusst und selbstbestimmt zurück in dieses Land.
Dieses vielfältige und widersprüchliche Land. Mit seinen Burgen und Bauernrepubliken, den Meeren im Norden und Bergen im Süden. Das Land, dessen Meere sogar untereinander noch so unterschiedliche Persönlichkeiten haben. Dieses Land mit seinen vielen Dialekten und offiziellen wie inoffiziellen zusätzlichen Sprachen: Dänisch, Friesisch, Sorbisch, Platt und Romani, dazu die Muttersprachen all der Menschen mit Migrationsgeschichte.
Dieses Land mit seinem Verbund aus Bundesländern, die untereinander in Kultur, Größe, Bevölkerungszahl und -dichte so verschieden sind. Dieses Land mit seiner beeindruckenden wie schrecklichen Geschichte. Dieses Land, das aus seiner Vergangenheit wenigstens zu lernen versucht hat. Mit einem Grundgesetz, das geschaffen wurde, um eine Wiederholung des Grauens bestmöglich zu verhindern.
Ich lebe hier zwischen karnevalslaunigen Frohnaturen und Menschen, für die „Moin“ und „Jo“ eine komplette Konversation darstellt. Ich kann sehr kostengünstig und ohne Bedenken das Wasser aus der Leitung trinken. Das allgemeine Risiko für Leib und Leben ist vergleichsweise gering und bei aller berechtigten Kritik gibt es hier ein Sozialsystem.
Neue Wertschätzung
Dafür habe ich mich entschieden: Für eine Heimkehr in ein Land, in dem viel erfunden wurde, das viel Kultur geschaffen hat. Das sich in vielerlei Hinsicht auch deutlich anders einschätzt, als es von außen wahrgenommen wird, im Positiven wie im Negativen. Das sich manchmal wichtiger nimmt, als es ist.
Ich habe eine neue Wertschätzung gewonnen. Für den struppigen Kreis Pinneberg ohne Meerblick, nicht so metropolig wie Hamburg, nicht so idyllisch wie Nordfriesland. Eine neue Wertschätzung für Deutschland, das vieles verbockt hat und vieles richtig macht. In dem wir Meinungsfreiheit als Ideal anstreben und mehr als zwei Parteien wählen können. In dem wenigstens theoretisch die Freiheit da zu Ende ist, wo die Menschenfeindlichkeit anfängt.
Verschiedene Arten von Ja zu Deutschland
Wer mich kennt, weiß auch, wie wenig ich von Nationalismus und Fahnentümelei halte. Vom grundlosen Stolz auf die zufällige Geburt in einem Land. Und vom Stolz auf Dinge, die andere Menschen geleistet haben, die genauso zufällig im gleichen Land geboren wurden. Als ob mein Geburtsland besser sei als andere und die Menschen hier irgendwie überlegen.
Im Gegenteil: Weil ich mich bewusst zur Heimkehr entschieden habe, ist es mir um so wichtiger, dass Deutschland nicht in die Menschenfeindlichkeit und Überheblichkeit kippt. Dass wir die Vielfalt wertschätzen und den Austausch mit anderen Ländern feiern und fördern.
Die Liebe zu meinem Land lasse ich mir von denjenigen nicht wegnehmen, die es nur für sich alleine haben und andere rauswerfen wollen. Bei allen Widersprüchen lasse ich mir mein Land nicht von denen kaputt machen, die es nicht mit anderen Menschen teilen wollen.
Mein Ja zu Deutschland ist kein Nein zum Rest der Welt. Im Gegenteil, es ist alles andere als das.
Und das ist genau der Punkt.
Wozu sagst du Ja?
Wozu hast du in deinem Leben schon einmal bewusst Ja gesagt? Und was hast du dafür bezahlt, beziehungsweise dadurch gewonnen?
Bis zum 22. Juni kannst du bei Gabis Blogparade mitmachen, ich bin echt gespannt auf all die anderen Beiträge zu all den anderen Jas 😀
Den Monatsrückblick April 25 zu schreiben eröffnete mir den Blick darauf, wie viel passiert ist. Auf meiner Webseite, in meinem Inneren und auch im Außen. Ich habe mich lange nicht mehr so organisiert gefühlt, auch wenn ein paar der Vorhaben mal wieder unter meinem Radar durch geflitscht sind 😀
Am 7.4. endlich die Ausstellung „Pippis Papa“ sehen, nachdem ich gerade mit Bookbeat das Hörbuch zum ersten Pippi-Langstrumpf-Band auf Dänisch anhöre 🤗 🇩🇰 → Die Ausstellung hat sich sehr gelohnt, siehe weiter unten!
Die ESA und MSA Matheprüfungsaufgaben verbloggen → Hier habe ich beschlossen, für dieses Jahr meine gesammelten Tipps für das Matheabitur zusammenzufassen. ESA und MSA mache ich Anfang 2026 mit etwas mehr Vorlauf.
Die Beiträge zum Mathe-Abitur um die Klausuren von 24 aktualisieren → Das hat allerdings nicht stattgefunden 😄
Eine Reihe von Voruntersuchungen machen lassen, damit ich in der Long-COVID-Klinik in Kiel antreten kann → Siehe weiter unten!
Pflanzen für den Garten vorziehen ✓
Die Zusammenfassung zu meiner Blogparade schreiben ✓
Auf Twenty Twenty Five umstellen ✓
Ubuntu updaten ✓
Auf Duolingo meinen Streak von 1111 Tagen feiern ✓
Das Fazit
Ich konnte ungewöhnlich viele Punkte von meiner Liste abhaken. Das liegt tatsächlich weniger daran, dass ich mir realistischere Ziele gesetzt habe, sondern eher an meiner neuen Lieblingsapp: Habitica ist ein gamifizierter Habit-Tracker, der genau die richtige Motivation erzeugt, damit ich das, was ich mir vorgenommen habe, auch erledige. Egal wie langweilig und unzumutbar es scheint 😄 Mehr liest du in meinem Beitrag zum Thema ToDo-Listen.
Nebenbei hat mir die Emsigkeit einen Hörnerhelm und eine zauberhafte Axt eingebracht:
Bei all dem Computer-Update (Ubuntu und Twenty Twenty Five) habe ich zusätzlich noch das Plugin ActivityPub installiert. Das erzeugt eine Brücke zwischen meinem Blog und dem Fediverse. So können Menschen dort meinen Beiträgen folgen:
Hier erscheinen meine Blogposts automatisiert. Bitte beachte: Antworten auf Beiträge hier erscheinen nach Freigabe auch direkt in meinem Blog als Kommentar.
BiBesch: Das Profilbild zeigt einen türkisen Cartoonvogel, das Headerbild die Krokusblüte in Husum, ein Meer von violetten Blüten in einer Parkanlage.
Kopiere mein Profil und füge es im Suchfeld deiner bevorzugten Fediverse-App oder deines bevorzugten Fediverse-Servers ein.
Dein Profil
Oder wenn du dein eigenes Profil kennst, können wir damit loslegen!
Außerdem habe ich jetzt eine NowPage (auf Englisch) erstellt und auf NowNowNow.com eingetragen. Dort werde ich einmal im Monat aktualisieren, was jeweils gerade in meinem Leben vor sich geht.
Auf dem Weg zum Museum war ich ganz begeistert von der Architektur. In Hamburg gibt es noch viele Abschnitte mit diesen alten detailreichen Fassaden und den liebevoll gepflanzten und gepflegten Bäumen davor.
Mir wurde das erst klar, als ich da war: Das Museum am Rothenbaum hieß bis 2017 „Museum für Völkerkunde“ und ich hatte es vorher mit einer Freundin besucht. Inzwischen geht die Leitung sehr bewusst mit der Kolonialgeschichte um. Da fügt sich auch diese Ausstellung perfekt ein.
An diesem Tag lernte ich zum ersten Mal den Begriff „Provenienzforschung“ kennen. Diese bezieht sich auf Kunstwerke und kulturelle Exponate und geht über die reine Interpretation ihrer Aussagen und Bedeutungen hinaus.
Es geht unter anderem darum, idealerweise die Künstler:innen und ehemaligen Besitzer:innen herauszufinden. Außerdem soll ermittelt werden, wie, wann und unter welchen Bedingungen ein Objekt in eine Sammlung gekommen ist.
Die eigentliche Ausstellung hatte nur begrenzt mit Pippi Langstrumpf zu tun. Der erste Teil zeigte trotzdem viele Bücher, Verfilmungen und andere Objekte im Zusammenhang mit ihr und Astrid Lindgren.
Diese Ausgaben der Bücher hatten meine Schwester und ich, als ich klein war.
Ich war fasziniert von der Fülle an Übersetzungen. Hier die chinesische Version.
Und so sah Pippi in der sowjetischen Verfilmung aus, von der ich gar nicht wusste, dass es sie gab.
Der Inhalt der Ausstellung Langversion 😉
Der Großteil der Ausstellung drehte sich um den Schweden Carl Pettersson. Er hat sich nach einem Schiffbruch bei Papua Neuguinea auf der Südsee-Insel Tabar niedergelassen. Sie liegt bei Neuirland, was vorübergehend auch Neumecklenburg hieß. Dort heirateten er und Singdo, mit der er eine große, offenbar liebevolle Familie hatte. Mit einer Kokos-Plantage erwarben sie einen soliden Wohlstand.
Die Geschichte der Bevölkerung, die Ausbeutung und die Trennung der Menschen in verschiedene Hautfarben wurde offen und gleichzeitig kindgerecht präsentiert. Diese ausgewogene Darstellung hat mich beeindruckt.
Besonders auch der Umgang mit den „Malagan“ genannten rituellen Kunstobjekten war spannend. In einem Interview erklärte der Künstler Adam Kaminiel die Bedeutung dieser kompliziert dreidimensional verschränkten Schnitzereien. Sie werden in unterschiedlichen Ritualen aufgeladen und müssen am Ende in einer aufwendigen Zeremonie wieder vernichtet werden.
Kaminiel wurde gefragt, ob er und seine Gemeinschaft die Objekte aus Museen zurück haben wollten. Mit seiner Antwort hatte ich gar nicht gerechnet: Da er nicht wusste, für welchen Zweck die Malagan hergestellt worden waren, lehnte er es ab, die Verantwortung und die Kosten für ihre vorschriftsmäßige Entsorgung zu übernehmen.
So kommt es, dass Museen in kolonialistischen Zusammenhängen an Objekte gelangen, die sie später auch mit besten Absichten nicht wieder zurückgeben können.
Historisch gingen die Verhältnisse in dieser Region oft hin und her. Es gab für Kinder aus „gemischten“ Ehen eine Klosterschule, in der sie „Unserdeutsch“ sprachen. Ansonsten sprach die ursprüngliche Inselbevölkerung Melanesisch und zusätzlich Tok Pisin, eine Melanesich-Englische Kreolsprache.
Als nach dem ersten Weltkrieg Deutsche die Insel verlassen mussten, konnte Pettersson als Schwede bleiben. Heute gibt es noch wenige, hauptsächlich ältere Menschen in Australien, die Unserdeutsch verwenden.
Wand an Wand gab es eine weitere spannende Ausstellung über unser Verhältnis zum Essen, basierend auf einem vorherigen Workshop mit einer sehr bunt gemischten Gruppe von Menschen aus Hamburg.
Löffel sind ein weltweites Phänomen, im Gegensatz zu Gabeln.
An verschiedenen Stationen konnten auch Kindern sich einbringen.
Es ging um Anbau von Nahrung, Tratditionen und die Zukunft.
Dieses Museum wird mich ganz sicher noch mehrmals wiedersehen 🙂
Gründlich durchleuchtet
Ich habe einen Platz in einer Long_COVID-Klinik. Dafür brauche ich allerdings noch einige Voruntersuchungen. Nach einem durchwachsenen Vorlauf im März ging es im April 25 mit großen Schritten voran.
Einerseits ist es toll, dass in Hamburg so viele medizinische Praxen sind. Andererseits musste ich für die Termine dort teils in aller Herrgottsfrühe losfahren.
Ich habe gehört, WAZiFuBo-Bilder gehören zum guten Ton. Dafür hatte ich reichlich Gelegenheit. Und auch zum Staunen, wie viele Menschen unmaskiert und mit einem rasselnden Husten in den regionalen Wartezimmern sitzen.
An mir wurde gefühlt das komplette Sortiment an Geräten ausprobiert. Unter anderem sollte ich auch so verkabelt schlafen. Das hat nur so mittelprächtig geklappt 😀
Dafür habe ich im Belastungs-EKG die Kardiologin beeindruckt. War trotzdem ganz schön anstrengend. Aber immerhin weiß ich jetzt, dass Herz und Lunge in Ordnung sind.
Die allerbeste Nachricht: Ich kann wieder Flieder riechen! Vor einem Jahr hat mir das extrem gefehlt 🙁 Und ich hatte gedacht, das Virus hätte meine Nervenzellen dauerhaft geschädigt.
Im Mai steht zunächst nichts mehr an, weil ich auf weitere Termine bis Juni warten muss. Unterm Strich bin ich aber viel zufriedener als noch im März und auch relativ zuversichtlich 🙂
Klimawerkstatt
Mitte April fand die zweite Veranstaltung zur Bürger:innenbeteiligung an der Klimapolitik in Halstenbek statt. Den ersten Termin hatte ich verpasst, zum zweiten habe ich extra als Erinnerung eins der vielen Plakate photographiert. Leider war die Resonanz insgesamt nicht groß.
Der Ort der Werkstatt war die Aula der Gemeinschaftsschule. Mehrheitlich waren die anderen Teilnehmenden älter als ich und kannten sich untereinander von vorherigen ähnlichen Veranstaltungen. Die Klimakrise schien ihnen genauso wie mir unter den Nägeln zu brennen, genauso waren sie ähnlich frustriert über das langsame Tempo der Maßnahmen.
Mein größter Änderungswunsch am Format: Während eines Vortrages konsequent keine Zwischenfragen annehmen und stattdessen eine Fragerunde am Ende in Aussicht stellen. Es gab wirklich keine Verständnisfragen, sondern immer kleine Vorträge.
Ein Mann stand für seine fünf Minuten Ansage tatsächlich auf und drehte sich zum Publikum. Das empfand ich als echt anstrengend. Und ich frage mich, wann sich das etabliert hat, dass manche Menschen ihre Zwischenbemerkungen immer sofort loswerden müssen. Oder auch Fragen, die mit der nächsten Folie eigentlich geklärt wurden.
Stichwort loswerden: Ich hatte mir Material von der Initiative „Plant Based Treaty“ ausgedruckt und sie in der Werkstattphase als Vorschlag an eine Pinnwand gehängt. Die offizielle Klimabeauftragte war sich zwar mit mir einig, dass viele auf das Thema Tierproduktekonsum ablehnend reagieren und seien sie ansonsten auch noch so sehr klimabewegt.
Aber immerhin habe ich mich davon nicht absschrecken lassen, bin hingegangen und habe meinen Vorschlag eingereicht.
Entsprechend war ich insgesamt echt zufrieden mit dem Verlauf des Abends. Und wer weiß, ob der Bürgermeister den Gedankenanstoß nicht doch aufnimmt?
Am Loki-Schmidt-Garten vorbei
Manchmal sieht Komoot Türen und Zugänge, wo keine sind. Ich hatte mir das so schön auf der Karte ausgetüftelt, dass ich nach Klein Flottbek wandere, dort einmal quer durch den Loki-Schmidt-Garten und dann am Südende zum Bus nach Hause.
Ich war zeitweise wieder auf dem „Grünen Ring“ unterwegs. Das war eine gute Erinnerung daran, mich genauer zu informieren, wo der komplette Pfad entlang führt.
Die Terminauswahl war sehr passend. Inzwischen ist es hier so plüschig grün! Und statt wie befürchtet durch die sengende Sonne zu stapfen, war ich den größten Teil der Strecke im Schatten unterwegs.
Ich schrieb schon im März, wie sehr ich das urbane Wandern mag. Gerade Altona ist in vielen Bereichen sehr freundlich und bietet parallel zu dicken Autostraßen solche Wege für den Fuß- und Radverkehr.
Und so leben Anwohner einer Kleingartensiedlung in Hamburg. Immerhin haben sie garantiert eine schöne Aussicht 😉
Als ich am Nordende ankam, stellte sich heraus, dass der Eingang zum Garten am Südende liegt. Bei der angepeilten Bushaltestelle. Also bin ich einen sehr malerischen Weg außen am Zaun entlang spaziert. Was ich von außen sehen konnte, sah so erfreulich aus, dass ich mir die Anlage noch zu einem anderen Termin ansehen werde. Allerdings war ich dann so platt, dass ich nicht hineingegangen, sondern gleich nach Hause gefahren bin.
Merke: Bei Komoot lieber zweimal nachsehen, ob ich über einen Zaun springen oder einen Maisacker überqueren soll 😀
Was habe ich im April 25 gebloggt?
Fast wären es zehn neue Blogposts geworden. Aber als ich anfing, zum Thema ToDos mein Herz auszuschütten, wurde ich damit nicht mehr im April fertig 😉
Eigentlich stammen drei der englischsprachigen Beiträge aus dem ersten Quartal, aber ich hatte sie bisher nicht öffentlich verbloggt. Das werde ich in Zukunft wieder jeweils in dem Monat machen, in dem die einzelne Kurzgeschichte dran ist.
Dieser Blogbeitrag biegt überraschend konstruktiv und erfreulich ab. Als ich anfing, ihn zu schreiben, war ich noch ziemlich frustriert. Der Anlass war ein Gespräch über ToDo-Listen mit einer Bekannten.
Sie war mit dem Zustand ihres Schreibtisches nicht zufrieden. Aber es sei immer so ein tolles Gefühl, „alles abgehakt zu haben“. An der Stelle realisierte ich, dass ich mich nicht erinnern konnte, jemals dieses Gefühl gehabt zu haben.
Meine Bekannte war sehr erstaunt. Und sie fand meinen Kommentar wirklich traurig. Für mich war das eher normal, wie die Tatsache, dass ich kurzsichtig bin. Aber seitdem denke ich immer wieder darüber nach, wie wenig mich Listen darin unterstützen, meine Zeit effektiv zu strukturieren.
Und ich frage mich, ob Produktivität wirklich etwas ist, was mich motiviert. Vor allem frage ich mich, ob ich mit meinen Erfahrungen wirklich alleine bin. Auch mit der überraschenden Wende in meiner Geschichte 😉
Was ist überhaupt eine ToDo-Liste?
Viele Konzepte
Anleitungen dazu gibt es unzählige, online und in Buchform. Sie alle versprechen effektives Zeitmanagement und dass uns dabei unterstützen, Prioritäten zu setzen.
Wie schreibe ich eine ToDo-Liste zum Abhaken?
Wie funktioniert sie?
Auf welche Weise kann ich damit meine Produktivität steigern?
Warum kann ich damit mein Zeitmanagement verbessern?
Auf alle diese Fragen scheint es eine Menge Antworten zu geben.
Es gibt Systeme wie Getting Things Done, Zen To Done oder das Konzept des Bullet Journals. Sie alle versuchen am Ende, Listen mit Aufgaben und Vorhaben so zu strukturieren und zu speichern, dass wir möglichst alles davon möglichst gerne schaffen. Andererseits gibt es die Not-To-Do-Liste mit Dingen, die wir uns abgewöhnen wollen oder sollten.
Grundprinzipien
Bei allen Unterschieden haben die verschiedenen Konzepte ein paar Gemeinsamkeiten:
Es geht nicht um reines Auflisten zum Erinnern. Stattdessen ist es zunächst wichtig, Prioritäten herauszuarbeiten, unter anderem mit dem Eisenhower-Prinzip. Dieses teilt Aufgaben in die Kategorien „dringend“ und „nicht dringend“, sowie „wichtig“ und nicht wichtig“ ein. Offensichtlich sollten Dinge aus der Abteilung „dringend und wichtig“ zuerst erledigt werden, während „unwichtige und nicht dringende“ Aufgaben im Zweifel gestrichen werden können.
Für eine angemessene Motivation brauchen wir eine sinnvolle Zielformulierung. Hier gilt unter anderem das SMART-Konzept. Wir setzen Ziele wahrscheinlicher um, wenn sie bei der Festlegung
spezifisch (Specific)
messbar (Measurable)
erreichbar (Achievable)
angemessen (Reasonable) und
mit einer klaren Zeitmarke versehen (Time-Bound)
sind. Das Thema Zielformulierung war ein Bestandteil meiner Coachingausbildung. Die sogenannte Zielökologie fragt außerdem danach, was der Preis dafür ist, ein Ziel zu erreichen und auch, wie unsere Umwelt darauf reagieren würde. So können wir später auftauchende Hindernisse schon im Voraus erkennen.
Entsprechend finden dann verschiedene Projekte und Vorhaben ihren Platz auf unserer Liste und warten darauf, abgehakt zu werden.
Das klingt etwas hoch gehängt für eine ToDo-Liste. Allerdings kann das Scheitern eines ToDos tatsächlich daran liegen, dass wir uns mehr anstrengen müssten, als wir eigentlich wollten. Und dann liegt uns dieses ToDo lange auf der Seele. Mir jedenfalls.
Meine Probleme mit ToDo-Listen
Trotz meiner Coachingausbildung haben solche Listen mein Leben lang nicht funktioniert. Daran haben weder wiederholte Versuche, meine Prioritäten abzuklopfen, noch die Arbeit an Glaubenssätzen, Schatten, der Zielökologie etwas geändert.
Müssen oder wollen
Das ist meine erste Hürde: Zu sortieren, ob ein Ziel wirklich meinem eigenen Bedürfnis entspricht, ober ob ich irgendwann einmal Ja gesagt habe und jetzt eine Aufgabe im Nacken habe, die mir nur sehr vage wie mein eigenes Ziel vorkommt. Oder ob ich Ja gesagt habe und das auch wirklich meinte und wollte, aber im Verlauf der Geschichte feststellte, dass einige ungeplante Extrapunkte dran hängen.
Für mich ist wirklich oft unklar, ob ich etwas wirklich will oder muss. In manchen Fällen glaube ich nur lange, dass ich etwas tun muss. Und dann gibt es auch Dinge, die wirklich getan werden müssen, wie der allseits beliebte Bürokratiekram, den ich immer wieder schaffe, sehr lange zu verschleppen.
Und dann verknote ich mir regelmäßig selbst die Schnürsenkel. Es gibt ToDos, die ich gerne machen möchte, also echte ToWants. Die kann ich aber nicht angehen, bevor ich den „Das muss ich“-Berg nicht abgetragen habe. Und den gehe ich nicht an, weil es ja so viel gibt, was ich machen will. Womit ich aber nicht anfangen kann, weil… Und so weiter.
Was ist wirklich wichtig?
Der gute Herr Eisenhower hätte sein Freude mit mir. Die Entscheidung, was wirklich wichtig ist, ist nur ein weiteres ToDo auf meiner Liste. Genauso habe ich wenig Gefühl für die Dringlichkeit.
Für mich scheinen so viele Dinge gleichzeitig wichtig zu sein, dass mir eine zügige Triage unmöglich erscheint. Besonders, wenn ich Bürokratiekram lange vor mir hergeschoben habe und er überdringend wird.
Der Entscheidungsstress blockiert so meine Fähigkeit zu entscheiden. Aus meiner Sicht sind auch wichtige und dringende Aufgaben gerade die, die mir besonders schwer fallen. Sie zu ignorieren fällt mir dagegen verführerisch leicht.
Wiederholende Aufgaben
Manches lässt sich nicht einfach endgültig erledigen, zum Beispiel das Entrümpeln von alten E-Mails. Es sammelt sich auch im realen Leben immer wieder neuer Krimskrams an. Haushaltsaufgaben fallen immer wieder an, Fenster werden immer wieder neu putzbedürftig.
Mich frustriert das kolossal. Wenn ich mir unter diesen wiederkehrenden Aufgaben vor allem die langweiligen nicht auf eine Liste schreibe, sinkt die Wahrscheinlichkeit, dass ich sie erledige. Aber dadurch werden meine diversen ToDo-Listen noch unattraktiver. Weil ich zwar vorübergehend einen Haken setzen kann, aber irgendwann steht dasselbe ToDo wieder an.
Der Haken ist eigentlich eine Illusion. Auf der Liste oder nicht: Wiederholungsaufgaben sind dadurch ein extra Frustanlass.
Alte ToDos
Durch die Aufschieberei haben meine ToDo-Listen Punkte, die ich vor Jahrzehnten aufgeschrieben habe. Ein paar davon möchte ich tatächlich „irgendwann“ und „auf jeden Fall“ erledigen.
Bei anderen Dingen ist es so, dass ich es nicht übers Herz bringe, sie zu löschen, obwohl sie aussichtslos oder nicht mehr interessant für mich sind.
Aber irgendetwas lässt mich an ihnen festhalten. Vielleicht das Gefühl, die Angela aus der Vergangenheit zu enttäuschen. Zu scheitern und mir eingestehen müssen, etwas nicht geschafft zu haben. Wie zum Beispiel meinen inzwischen horizontal gelagerten Bücherstapel.
Diese Ladenhüter-ToDos verhindern, dass aktuellere und attraktivere ToDos beziehungsweise ToWant in meinem Bewusstsein eine höhere Priorität einnehmen. Gleichzeitig hindert mich das nicht, stetig neue ToDos auf die liste zu setzen. Es kann ja sein, dass ich „irgendwann einmal“ dazu komme, das alles umzusetzen.
Je länger die Liste, desto geringer ist natürlich die Motivation. Und damit die Wahrscheinlichkeit, dass sie kürzer wird.
Ehemalige Hobbys und Kreativprojekte
Ich bin vermutlich nicht alleine mit meiner Sammlung an Hobbykram. Einiges davon fand ich mal richtig spannend und habe diese Aktivitäten auch lange eifrig betrieben. Anderes landete relativ schnell in einer Kiste, wurde allerdings meistens nicht endgültig aussortiert.
Auf diesem Weg werden erfreuliche Freizeitaktivitäten zu ToDos. Entweder schreibe ich mir auf den Plan, das Material zu sichten und wegzugeben. Oder ich bin überzeugt, dass ich mich noch einmal damit beschäftigen werde.
Ein Beispiel sind die vielen unfertigen Häkelfiguren. Es würde vermutlich nicht so lange dauern, sie zu vernähen und Gesichter aufzusticken. Aber dann käme ich ja in der Zeit nicht dazu, meine alten Blogbeiträge zu optimieren. Oder was ich sonst noch so geplant hatte.
Diesen Teil meiner ToDo-Misere finde ich besonders deprimierend: Dinge, die ich einmal bereichernd fand, türmen sich jetzt als Liste mit Aufgaben auf, die ich eigentlich abarbeiten müsste. Und schon habe ich eigentlich keine Lust mehr dazu, obwohl ich eigentlich wieder Spaß an diesen Tätigkeiten haben, wenn ich mich einmal dran setze.
Perfektionismus
Natürlich scheitern ToDos auch gerne an meinen hohen Ansprüchen. In meiner Vorstellung sehe ich vor mir, wie etwas auszugehen hat. Und gleichzeitig sehe ich die vielen unterschiedlichen Fehler, die auf dem Weg passieren können. Und auch die Schwierigkeiten und Hürden. Mit diesem inneren Film ist es nicht leicht, überhaupt anzufangen.
Wie gesagt, natürlich habe ich gerade über diesen Aspekt in meiner Coachingausbildung viel gelernt. Ich habe eine ganze Liste an Glaubenssätzen ans Licht geholt und mit ihnen verhandelt. Ich habe Ziele und Ökologien bearbeitet. Und doch gibt es noch so viel Restperfektionismus, dass ToDo-Listen ein rotes Tuch für mich sind.
Und zusätzlich sorgt mein Anspruch an mich dafür, dass ich mir immer wieder neue Aufgaben auf den Zettel schreibe und von mir erwarte, sie in einem angemessenen Zeitrahmen und einigermaßen ordentlich zu erledigen.
In diesem Zusammenhang schätze ich gerne meine Umgebung falsch ein. Natürlich müssen Behördenformulare ausgefüllt werden. Ich sollte das, was ich anderen versprochen habe, auch einhalten.
Aber ich wundere mich manchmal im Nachhinein, dass die jeweilige Behörde auch nicht hundertprozentige Formulierungen akzeptiert und abheftet. Und dass Menschen gar nicht so extreme Erwartungen stellen, wenn ihnen ein Gefallen getan wird.
Belohnungen
Oft lese ich davon, dass Belohnungen für Meilensteine die Motivation steigern. Auch da sagt meine Erfahrung etwas anderes. Wenn ich wirklich nicht motiviert oder blockiert bin, gibt es keine Belohnung dieser Welt, die mich über die Hürde trägt.
Es kann sogar eher sein, dass ich mir das als Belohnung gedachte Stück Schokolade trotzdem nehme. Ich bin ja ein freier Mensch und mache meine eigenen Regeln. Wer bin ich, dass ich mir etwas vorenthalte, nur weil ich ein ToDo immer noch vor mir schiebe?
Hinterher lastet dann diese „Belohnung für Nichtleistung“ zusätzlich auf meiner Beziehung zur Aufgabe. Wenn sie überhaupt wirken soll, muss eine Belohnung von außen kommen.
Oder sie muss wirklich intrinsisch sein. Dabei muss also das Erledigen der Aufgaben auf meinen ToDo-Listen die eigentliche Belohnung sein. Und auch damit bin ich in den meisten Fällen nicht gut gefahren. Die Erleichterung darüber, eine nervige Sache erledigt zu haben war selten so groß, dass sie die Anstrengung gerechtfertigt hätte.
ToWant-Listen
Seit dem Blogtoberfest 2023 blogge ich quartalsweise ToWant-Listen. Darauf steht, was ich in den nächsten drei Monaten jeweils erleben will. Ich habe im Laufe der Zeit gelernt, darauf mit Dingen die „zu erledigen“ sind, extrem sparsam zu sein. Ich sehe schon kommen, dass ich mir für das dritte Quartal 25 nur noch attraktive ToWants vornehme, damit diese Liste wirklich nichts mehr mit ToDo-Listen gemeinsam hat.
Denn das war eine Erfahrung mit den ersten ToWant-Blogposts: ToDos machen sogar ToWants schwierig. Jedenfalls für mich und das werde ich in Zukunft genauer trennen. Das Schöne ist ja, dass dies mein Blog ist, dass es meine ToWant-Listen sind und ich meine eigenen Regeln mache. Und dass ich aus dieser Blogserie so viel über mich gelernt habe.
Der Wert der Produktivität
Gehen wir noch einmal an den Anfang zurück: Warum gilt es eigentlich als so wichtig, produktiv zu sein? Diese Frage scheint mir ein bedeutender Baustein in meiner Erfahrung mit ToDo-Listen zu sein.
Es gibt tatsächlich unvermeidliche Aufgaben: Rechnungen zu schreiben oder bezahlen, Lebensmittel einzukaufen und zuzubereiten, einigermaßen Ordnung zu halten oder ein minimales Level an Gesundheitsvorsorge zu betreiben.
Es gibt auch eine Menge Dinge, die ich gerne machen möchte: Musik, Malen, Yoga, Gartengestaltung, Aktivismus für meine gesellschaftlichen Werte und ähnliches.
Und dann gibt es Dinge wie: Vorbildlich gemachtes SEO, adrette Auftritte in den sozialen Medien, alle möglichen Projekte, die von außen beeindruckend und produktiv aussehen. Und bei denen ein Teil von mir weiß, dass sie nicht komplett mir entsprechen und dass ich auch gut ohne sie klar käme.
Diese Erwartung, produktiv zu sein, sehe ich manchmal klarer und manchmal überhaupt nicht klar. Dann ist sie eine zusätzliche scheinbare Karotte vor meiner Nase, die meinen Blick für meine sowieso schon verworrenen Prioritäten trübt.
“Perfectionism for me has always been a kind of central part of what I’m struggling with. That sense that I’m kind of on the back foot, that I need to put in just a little bit more, maybe a lot more effort and self discipline, find the perfect organizational system, and, like, then then I would finally get into the driving seat of my own life.”
Oliver Burkeman
Genauso habe auch ich bisher noch nicht das perfekte Organisationswerkzeug gefunden. Und so langsam gehe ich ziemlich sicher davon aus, dass es nicht existiert und dass wir stattdessen besser beraten wären, unsere Erwartungen und unsere Vorstellungen von Produktivität neu zu justieren.
Und vielleicht ist es auch nicht überraschend, dass ich nie in meinem Leben erlebt habe, dass wenigstens für einen kurzen Moment meine ToDo-Listen leer gewesen wären. Vielleicht ist das einfach normal.
Auch Burkeman geht davon aus. Und er sieht einen großen Wert in dieser Erkenntnis, dass die Idee, jemals alles erledigt zu haben nicht nur schwierig, sondern unmöglich ist:
„And in that transition from really difficult to completely impossible, there’s a moment of real kind of relief and relaxation. There’s a sense of a weight being lifted from one’s shoulders.“
Oliver Burkeman
Ganz schön Zen für meinen Geschmack. Aber das trifft es auch für mich. Ein Teil von mir ist sehr bereit für diese Erleichterung. Andere Teile meiner Persönlichkeit hadern noch.
Mach ein Spiel aus deinen ToDos
Mein Mann weiß inzwischen, dass er diese Formulierung besser lässt. Wenn ich aus dem Abwasch „ein Spiel machen“ soll, findet er an dem Tag gar nicht mehr statt. Und doch gab es bis vor kurzem ein einziges Beispiel, dessen Gamifizierung bei mir exakt die richtigen Knöpfe drückte.
Duolingo
Im März 2022 begann ich den Dänischkurs der Duolingo-App. Einfach aus Spaß und weil ich durch den Shutdown viel Zeit hatte. Und heute, am 30. April 2025 blicke ich auf 1130 Tage zurück, in denen ich ohne Unterbrechung Dänisch, Französisch und Klingonisch gelernt habe. In den letzten Monaten kam noch der Musikkurs dazu.
Die App wird leider zunehmend merkwürdiger. Einige neue Lektionen und Bilder sind mit Hilfe von KI entstanden, und das fällt unangenehme auf. Trotzdem stört es mich noch nicht ausreichend, um Duolingo den Rücken zu kehren.
Denn das System aus kleinen Einheiten, ineinander verschachtelten Belohnungssystemen, Questen, Punkten und Challenges, kombiniert mit den Comicfiguren und bunten Farben, holt mich unwiderstehlich ab.
Wenn ich die Benachrichtigung lese, dass Duo langsam nervös wird, weil der Abend näher rückt und ich noch keine Lektion erledigt habe, dann gibt es keine Option: Dann klicke ich auf den Startknopf, und sei es nur für eine einzige Einheit für ein bis zwei Minuten.
Vor kurzem verknüpfte ich zum ersten Mal meine ToDo-Misere mit dieser ungewohnten Erfahrung, dass ich etwas nachhaltig lange durchziehen kann. In der S-Bahn sitzend suchte ich spontan nach einer gamifizierten App. Im Nachhinein sollte es mich nicht überraschen, dass es eine ganze Reihe solcher Apps gab, unterschiedlich bunt für unterschiedliche Geschmäcker und Bedürfnisse.
Und gleich der zweite Versuch war offensichtlich ein Volltreffer 🙂
Mein neuer Habit Tracker
Seit dem 11.04.2025 bin ich Mitglied bei Habitica. Diese Habit-Tracker-App (auch im Browser verfügbar) basiert auf einem Rollenspiel. Die Teilnehmenden bekommen einen Avatar, den sie am Leben halten und durch diverse Abenteuer gegen langzähnige „Dust Bunnies“ und durch Wälder mit ablenkenden Mondscherben begleiten.
Aktueller Avatar 😍
Worum es geht
Ich kann eintragen, was ich mir an- oder abgewöhnen will. Darüber hinaus kann ich wiederkehrende sowie einmalig anstehende Tasks auflisten. Wenn ich davon etwas abhake, bekomme ich nach dem Zufallsprinzip mal mehr, mal weniger Gold, Erfahrungspunkte und lustige Dinge wie Dracheneier, Tränke zum Ausbrüten oder Futter für meinen stetig wachsenden Zoo an Haustieren.
Mit dem Gold kann ich meine Ausrüstung erweitern. Und mit zunehmenden Erfahrungspunkten steige ich in den Levels auf. Inzwischen bin ich in der Klasse der Magier:innen angekommen 🧙♀️
Erste Ergebnisse
Der Witz an der Sache: Das alles bedeutet für mein reales Leben konkret genau nichts. Aber dass ich mir für meine virtuellen Goldmünzen den Hörnerhelm und die Doppelaxt zulegen konnte, hat dafür gesorgt, dass ich seit Beginn meiner Habitica-Karriere unter anderem folgendes geschafft habe:
nicht mehr zu spät im Bett
nicht mehr vor dem Einschlafen am Handy gedaddelt
WordPress-Update auf TTF
Computer-Update auf Ubuntu 24.04.2
alle angeschafften Samentütchen in Anzuchttöpfchen verteilt
wieder richtig Bücher gelesen
bereite mit großen Schritten meinen Notfallordner vor
ActivityPub installiert
mit der Änderung meiner diversen Passwörter fast fertig
Und die Liste ist in Wirklichkeit noch viel länger. Ich bin erschüttert, wie viel ich abhaken konnte. Und vor allem: Was für einen Spaß ich dabei hatte! Es war mir fast körperlich unmöglich, mit einer unerledigten Tagesliste ins Bett zu gehen.
Ich habe einmal probehalber morgens vor dem Aufstehen kurz Doomscrolling betrieben. Das kostete mich zwei Gesundheitspunkte. Und die schmerzten mich dermaßen, dass ich jetzt morgens ohne Doom auskomme.
Meine inneren Knöpfe
Offensichtlich gibt es einen großen Anteil meiner Persönlichkeit, der dieses Rollenspiel ernster nimmt als die Realität. Einen lila Panda auszubrüten ist mir wertvoller als einfach nur ein aufgeräumtes Wohnzimmer. Punkte zu verlieren ist schlimmer als jeglicher Ärger mit Behörden bei abgelaufenen Fristen.
Und auch wenn ich Belohnungsschokolade trotzdem essen würde: Ich käme nicht auf die Idee, den Abhakbutton zu drücken, wenn ich etwas nicht wirklich gemacht hätte. Auch das scheint die vom Rollenspiel begeisterte Instanz in mir sehr ernst und sehr sportlich zu nehmen.
Das perfekte Werkzeug gibt es nicht. Aber für mich ist Habitica dicht dran. Und vielleicht ist der Ansatz, ein spiel draus zu machen, doch richtig. Nur gilt das bei mir nicht für das ToDo, sondern für die Liste.
Wie geht es jetzt mit meinen Listen weiter?
Am Anfang des Jahres beschloss ich, meine vielen und teils sehr alten Listen zusammenzuführen und großzügig zu kürzen. Jetzt sehe ich einem wunderbaren und organischen Schmelzprozess zu. Teils weil ich Projekte umsetze, teils weil ich mich endlich von ihnen verabschiede.
Für den Mai nehme ich an einer Habitica-Gruppenchallenge teil. Dafür habe ich 31 kleine Haushaltsprojekte wie „Tür zum Arbeitszimmer“ oder „Schlafzimmerfenster“. Der Plan ist, dass Ende Mai unser Haus deutlich glänzender sein wird.
Langfristig warte ich mit der Skepsis meiner lebenslangen Erfahrung, ob dieses neue System nicht doch den Schub verlieren wird. Aber immerhin kann ich sagen, dass mich in meinen 51 Jahren noch nichts so sehr motiviert hat. Ich drücke mir die Daumen.
Und dann bin ich gespannt, ob ich ihn irgendwann doch noch erleben werde, diesen kurzen Moment, in dem alle ToDo-Listen leer sind 🙂
Wie ist deine Erfahrung?
Führst du ToDo-Listen? Sind sie für dich hilfreich? Oder auch eher Quelle der Frustration und Blockade? Hast du für dich ein motivierendes und zuverlässiges System gefunden? Benutzt du dafür auch elektronische Unterstützung?
Dir hat dieser Artikel gefallen? In meinem Blog findest du weitere Beiträge zu diesen Themen:
So langsam organisiere ich mich effektiver: Drei der Beiträge für das Projekt52 April 25 habe ich schon am 25. April auf Pixelfed gepostet.
Die Aktion wird angeboten und geleitet durch Frau Mondgras vom Heldenhaushalt. Auf ihrem Blog gibt es immer zum Monatsanfang vier bis fünf Themen und wenn du Lust hast, kannst du immer noch einsteigen.
Am Ende des Jahres kommen so 52 Beiträge zusammen, das können Photos sein, aber auch Texte oder andere kreative Werke.
Meine Beiträge zu Projekt52 April 25
Mein Hobby
An diesem Thema habe ich lange überlegt, denn so ein richtiges Hobby habe ich zur Zeit gar nicht. Finde ich jedenfalls. Wenn ich mal davon absehen, dass ich mein Hobby Matheaufgabenlösen zum Beruf gemacht habe 😄
Aber dafür wie auch für das Spazierengehen haben sich mir keine kreativen Gestaltungsideen aufgedrängt. Letzteres betreibe ich tatsächlich täglich, um meine post-COVID-Kondition wieder aufzubauen. Da stand ich zwischen Landschaftsaufnahme und einem Bild von meinen Turnschuhen auf einem Wanderweg. Naja.
Dann sind es eben doch die Podcasts geworden, ohne die ich das Gehen inzwischen manchmal unzumutbar langweilig finde. Und seit ich die Noise-Cancelling-Kopfhörer habe, bin ich fast nur noch mit Podcast im Ohr unterwegs 🚶♀️➡️
Jeden Sonntag
Jeden Sonntag bereite ich vier Mahlzeiten für die kommende Woche vor. Jedenfalls ist das der Plan 😄 Wenn ich das schaffe, macht es mir das Leben sehr viel leichter, weil ich dann an vier Tagen sehr unkompliziert an ein warmes Gericht komme. Ich sehe das wie einen Liebesbrief an mein zukünftiges Ich.
Bei der Zusammenstellung halte ich mich an 50% Gemüse, 25% Stärkebeilage und 25% Hülsenfrüchte. Oft ist das Tofu oder Tempeh, aber wenn ich mir richtig Mühe gebe, dann koche ich die Leguminosen echt selbst. So wie hier. Das ist eine bunte Mischung, die es im Bioladen gab 😍
Leider sah das Ganze in fertig gekocht nicht mehr ganz so farbenfroh aus, war aber trotzdem lecker.
Im Bad
Eins der Themen war Im Bad. Mein Badezimmer ist sehr undekoriert und optisch für mich nicht so interessant.
Allerdings ist dort das Dachfenster, von dem aus ich aktuell jeden Morgen um die gleiche Zeit den Himmel photographiere. Wenn ich es nicht komplett vergesse, beziehungsweise den Handyalarm zur Kenntnis nehme und denke „Ja, gleich gehe ich dann mal ein Bild machen“ und dann dieses Vorhaben innerhalb weniger Sekunden vergesse 🫠
Ich liebe diese Aussicht auf die Rückseite des Gärtnereigeländes einfach!
Gegensätze
Das Thema Gegensätze fand ich auch richtig schwierig. In meinem Leben und in meiner Umgebung fallen mir schon diverse Beispiele dafür auf, aber nichts bot sich so richtig für ein Bild an. Ich war schon kurz davor, das Thema als Zentangle umzusetzen.
Auf einem Spaziergang sah ich dann mal wieder dieses Hochhaus, das für mich in dieser Landschaft jedesmal überraschend kommt. Der Kreis Pinneberg ist sowohl dicht besiedelt als auch für seine ausgedehnten Baumschulen bekannt. Hier gibt es wildes Grün und dann dazwischen so einen Kasten Zivilisation. Wird nicht langweilig 💚
Meine bisherigen Beiträge für Projekt52
Seit Januar habe ich bisher noch kein Thema ausgelassen:
Wie gesagt, die Bilder teile ich auch regelmäßig auf Pixelfed. Ich freue mich, wenn du mir auch dort folgst oder wenn dich das motiviert, auch von Instagram dorthin zu wechseln 😉
Und jetzt freue ich mich auf die Themen für Mai 25!
My contribution to the deadlinesforwriters short story challenge April 2025. The prompt was „Futile“ and the required word count was 500.
Bryony’s Garden
‘Are you sure you don’t want to come with us?’
Bryony’s neighbour Patricia leaned over the hedge and wiped the sweat from her brow. She was pink in the face from packing.
‘Where would I go? Thanks for the offer, but I am not done with my garden yet. See? These saplings are ready to be planted.’ Bryony gestured to a tray on her garden table.
Patricia frowned. ‘There is space enough in our car, you know. We can wait a bit for you to get your things.’
‘I know. Safe travels, Pat, and let me know when you have arrived!’
They looked at each other until Pat nodded, turned around and got into her car. Her husband had been staring at them for the last five minutes and started the engine before Pat had a chance to shut her door properly.
Bryony watched them speed down the otherwise quiet road, a smile on her face. Only when they were nearly at the end of it did she remember to wave.
She picked up the tray with her left hand. It was full of planting pots sprouting fresh green plants. With her right, Bryony stroked across their leaves, feeling the energy buzzing in them. They all looked so determined to grow and thrive.
She scanned her garden to choose just the right spots for planting each sapling. Pat had always been a bit jealous of Bryony’s green thumb. On the other side of the hedge there were no flower beds, only lawn and a neatly paved area. Bryony remembered sitting under the sunshade, a glass of cold lemonade in her hand, chatting with Pat about nothing of consequence.
Bryony’s own plot had always been overflowing with fruit trees, flowers, bushes and early vegetables this time of year. The climbers usually would have made some strides up the fence already. The greenhouse would be ready to protect another year’s batch of tomatoes. Well, maybe not this year.
With a sigh, she took in the state of the smallest apple tree. It had managed to blossom, but its leaves were small and brown at the edges.
She shook her head, knelt down and dug a hole for each sapling, deep enough to add some compost first, brown, crumbly and rich.
When she checked the rain barrel, there was just enough water left in there to give the new flower bed inhabitants a much needed shower. She managed two rounds back and forth with her watering can, but the roses and fruit trees would have to go without today.
Hands on her hips, she observed her work. Then she took out her phone, and with a carefully neutral face, she scrolled down the news. The fires would be here tomorrow. She closed her eyes for a few long seconds.
Bryony stuffed her smartphone back into her apron pocket and sat down on the ground. Once settled, she leaned back on her arms and let her eyes drink in the beauty of her garden.
Like my contribution to the story challenge April 2025? On my blog you can find and read more of my stories!
Am 27. Februar startete ich meine erste eigene Blogparade. Dadurch habe verschiedene Perspektiven auf Zuversicht kennengelernt. Nur eine davon war meine 😉 Diese Resonanz hat mich wirklich gefreut, mir viele Denkanstöße gegeben und mich in meiner Zuversicht bestärkt.
1. Bruno Schelig
Bruno war der Erste, der seine Sicht auf das Thema präsentiert hat. Zu meiner Begeisterung hat er das in Form eines Real-Talk-Videos gemacht.
Er zieht seine Zuversicht aus sich selbst. Aus dem, was er schon erreicht hat, und daraus, dass er für seine Pläne konkrete und realistische Schritte vor sich sieht. Es sieht vor allem auch alle seine Projekte miteinander verkettet und ineinander greifend.
Dieses Zoomen aus der kleinen Aktivität an einer Stelle hinaus zu einem gelassenen Blick auf das große System seiner Onlinetätigkeit fand ich beeindruckend und inspirierend.
Und auch das, was nicht wie geplant funktioniert hat, bringt Bruno auf seinem Weg weiter. Nicht alles, was auf den ersten Blick als Rückschlag erscheint, macht unseren Weg unmöglich. Manches ist einfach eine Gelegenheit zum Neusortieren, zum Anpassen der Pläne und Vorstellungen.
„Vielleicht bin ich doch eine Marke, denn ich, meine Persönlichkeit, meine Authentizität, vielleicht auch meine Sympathie, die ich erwecke […], das ist das Zeichen meiner Marke“
Er ruht in sich selbst und vertraut auf seinen inneren Kern und seine äußere Aktivität. So haben wir es leichter Zuversicht zu finden, als wenn wir danach gucken, was andere so machen und uns nach einem Maßstab außerhalb ausrichten.
2. Katja von Nachtlan.de
Als Zweite hat Katja geantwortet. Statt angesichts der Weltlage in Zynismus abzugleiten oder sich mit der Bubble gegenseitig zu bestätigen, wie schlimm es ist, lässt sie sich vom Vorbild starker Frauen inspirieren.
„…bei vielen dieser Frauen entdecke ich einen Lebensmut, der sie auch durch dunkle Zeiten trägt. Die Bereitschaft, das Leben anzunehmen mit allen Schmerzen, die es mit sich bringt, und dabei nicht die Freude an den schönen Dingen zu verlieren.“
Katja
So unterschiedlich die Philosophinnen und Schriftstellerinnen sind, von denen Katja liest: Sie haben auch in dunklen Zeiten nicht ihren Lebensmut verloren. Und zwar haben sie dafür nicht die Umstände schön geredet. Aber sie haben ihre Prioritäten und ihre Perspektiven auf Zuversicht so ausgerichtet, dass Unwesentliches sie nicht von dem abgelenkt hat, was das Leben lebenswert macht.
Vieles, was heutzutage durch die Nachrichten geht, sind ja eigentlich Ablenkmanöver. Wenn autoritäre Regime die Medienkanäle mit emotionalisierenden Erzählungen fluten wie mit einem Horror-Wasserwerfer, damit die Menschen möglichst wenig handlungsfähig sind, sollten wir ihnen diesen Gefallen nicht tun.
Rosi von Gedankenteiler.de hat ein wunderbares Bild entworfen. Sie schreibt, dass sie bei Zuversicht an einen Garten denkt: Ihre Gedanken sind die Samen, das Wasser ist Selbstfürsorge, positive Erfahrungen und Mitmenschen sind die Sonne und Zweifel und Ängste sind immer wiederkehrendes Unkraut.
In diesem Bild ist sehr viel Platz für Selbstwirksamkeit. Wir entscheiden, wie wir uns um uns selbst kümmern und viel viel Platz wir den Zweifeln einräumen.
„Ich glaube fest daran, dass Zuversicht der Schlüssel zu einem selbstbestimmten Leben ist. Sie bedeutet nicht, blind optimistisch zu sein oder Probleme zu ignorieren – sondern darauf zu vertrauen, dass ich Lösungen finde, wenn es nötig ist.
Und wenn ich mal wieder Zweifel habe? Dann stelle ich mir meinen Zuversichtsgarten vor – und sorge dafür, dass er genug Wasser, Sonne und Pflege bekommt.“
Rosi
Dieses Bild berührt mich sehr. Es ist so einfach und anschaulich wie kraftvoll und wirksam. Und ich werde mir in Zukunft meinen eigenen mentalen Zuversichtsgarten einrichten 🙂
Auch Lydia bezieht ihre Inpisration aus der Natur. Allerdings aus der direkten Anschauung. Und zwar hat sie in ihrem ganz realen Garten einen Zaunkönig beobachtet, der eine Auswahl an Nistmöglichkeiten vorbereitete, mit der er dann seine Auserwählte überzeugen wollte. Alleine dieser Einstieg ist so herzallerliebst 🙂
Und doch ist die Natur nicht wie im Disneyfilm. Stattdessen greift angesichts der Vergänglichkeit trotzdem alles mit einer nicht zu bändigenden Zuversicht ineinander.
„Meine Inspiration und mein Vorbild ist die Natur. Die Erfahrung, dass es immer wieder weitergeht zeigen mir die Vorbilder rund um mich herum.“
Lydia
Ein zweiter Aspekt an Lydias Beitrag hat mich auf einer anderen Ebene abgeholt. Sie hat im Wiktionary die Begriffsdefinition nachgeschlagen. Und beschreibt ihre Begeisterung an den Wortbestandteilen Zu und Sicht, die andeuten, dass wir mit der Zuversicht in die Zukunft sehen. Und dann mit der „Zauberkraft des Trotzdem“ ans Bergeversetzen gehen können.
Für mich lebt die Zuversicht in der Grenzregion zwischen Verzweiflung und Verdrängung. Gerade weil wir in guten Zeiten nicht auf sie angewiesen sind, geht es viel um Widersprüchlichkeit, für mich persönlich ein herausforderndes Thema. Allerdings auch eins, das sich lohnt.
„Wie der friedfertige Krieger in sich selbst ruht, weiß eine zuversichtliche Person, dass sie vorbereitet ist.“
In manchen Punkten ähneln sich die Beiträge: Es geht um den Wechsel vom großen Bild zum Detail und zurück. Um das Ineinandergreifen von Einzelteilen. Wenn das möglichst effektiv und reibungslos läuft, ist schon viel geschafft.
Ein großer Teil der Zuversicht hat auch mit Vertrauen zu tun. Und zwar sowohl auf mich selbst und meine Selbstwirksamkeit als auch auf die Sonne, die Natur und die Mitmenschen.
Was ich auch in allen diesen Perspektiven auf Zuversicht sehe: Den Umgang mit Widersprüchen, das Lernen aus scheinbaren Misserfolgen, das große Trotzdem, das Annehmen von dunklen Zeiten und den ausgewogenen Umgang mit Ängsten.
An dieser Stelle verweise ich auch noch auf Gabi Kremeskötter. Mit ihrem Fragengedicht zum Frieden hat sie auf ihre Weise auch einen Beitrag zu dieser Blogparade geschrieben 🙂
Zuversicht ist nicht einfach das Hoffen, das alles schon gut wird. Sondern die immer neue Suche nach dem Gleichgewicht, die uns hilft, trotz der Umstände Lösungen zu finden.
Was meinst du?
Was ziehst du aus den verschiedenen Beiträgen zu meiner Blogparade?
Hast du noch eine ganz andere Sicht auf das Thema?
Welches Bild und welche Inspiration hilft dir, zuversichtlich zu bleiben?