Die Aktion 12 von 12 ist schon reizvoll. Allerdings bekomme ich nicht jeden Zwölften eines Monats zwölf Bilder zusammen. Stattdessen mache ich jetzt bei „Was machst du eigentlich den ganzen Tag?“ mit, einer Aktion von Frau Brüllen. Das gibt mir mehr Flexibilität und etwas zu sagen habe ich jeden Tag 😉 Im Juli habe ich das Format zum ersten Mal ausprobiert und im August prompt vertüdelt. Hier folgt stattdessen mein WMDEDGT im September 25.
WMDEDGT im September 25
Der Morgen
Der Tag beginnt mit Overnight Oats und einer Tasse Kaffee. In meiner Habitica-App habe ich schon die ersten Dailies abgehakt, unter anderem habe ich meine Ingwerpflanze gegossen. Von der App profitieren also wir beide: Der Ingwer bekommt regelmäßig Wasser und ich bekomme Punkte und eventuell droppt das richtige Futter für meinen Habitica-Zoo.
Zur Zeit bin ich Strohwitwerin. Deswegen frühstücke ich an meinem Schreibtisch und sehe derweil einpaar YouTube-Videos an, mache ein paar Lektionen in Duolingo und lese, was das Fediverse gestern alles zu #IchBinSoAlt zu sagen hatte. Ein Teil Schwarzweißfernseher- und Raider-Nostalgie und zum Glück auch Hinweise darauf, wessen Mutter noch den Vater darum bitten musste, einen Beruf ergreifen zu dürfen. Früher war nicht alles besser.
Wo ich schon am Computer sitze, bezahle ich schnell noch eine Rechnung. Ich hatte mir auf eine Empfehlung hin den Band „Machttechnik Populismus“ von der bpb bestellt. Ganze 3 Euro wollen die dafür. Ich habe das Bedürfnis, aufzurunden und in den Verwendungszweck „Stimmt so“ reinzuschreiben.
Meine Katze hat mal wieder schlechte Laune. Weil das Frühstück mal wieder unzumutbar ist und ich mal wieder irgendwie für Regen gesorgt habe. Das muss ich mir dringend abgewöhnen.
Der Vormittag
Bei den Lerncoaches ist Intensiv-Woche. Das ist immer die letzte Woche der Sommerferien und ich bereite diejenigen, die sich dafür angemeldet haben, fünf Tage lang auf das kommende Schuljahr vor. Das sind nicht unbedingt Schüler:innen aus meinen üblichen Gruppen, aber es ist nett, mal ein paar neue Gesichter kennen zu lernen.
Sie waren dieses Jahr auch alle sehr kooperativ und teils echte Sonnenscheine. Obwohl ich die beiden armen Kinder heute mit Sachaufgaben zu quadratischen Funktionen traktiert habe. Immerhin habe ich ihnen nicht den zum Tafelbild passenden Rap vorgespielt. Während ich das hier schreibe, fängt der Ohrwurm schon wieder an.
Heute bin ich um elf Uhr schon fertig und zu Fuß um halb zwölf wieder zu Hause. Der Sweet Dumpling sieht zwar wunderschön aus, aber mir fehlt der Schub, mir daraus etwas zu kochen. Mein Meal Prep reicht immer nur bis Donnerstag, also gibt es unphotogene Schnittchen zu Mittag.
Der Nachmittag
Seit ich mit Habitica meinen Tag organisiere, vergesse ich kaum noch etwas und erledige mehr. Dafür muss ich allerdings dann auch mehr erledigen. So nehme ich an einer Challenge teil, bei der ich jeden Tag irgendwo im Haus für Sauberkeit oder Ordnung sorge, wie klein auch immer die Aktion ist. Heute ist die Haustür dran, dann sieht sie zum Start der Saison wieder ein Weilchen adrett aus. Außerdem wische ich beim Katzenfutterplatz gründlich durch.
Ansonsten habe ich jeden Tag drei Mini-Pomodoros eingetragen. Mini, weil mir die klassischen 25 Minuten zu lang sind. In Blöcken von 10 Minuten widme ich mich immer jeweils nur einer Aufgabe, bis der Timer klingelt. Auf diese Weise füge ich 20 Minuten lang konzentriert Alt-Texte für meine Blogbilder nach und informiere mich 10 Minuten lang über digitale Barrierefreiheit. Als Kleinstunternehmerin betrifft mich die neue Pflicht nicht und ich verkaufe auch mit meiner Webseite nichts. Sinnvoll ist das Thema ja trotzdem.
Im Hintergrund läuft zur Motivation das Callejon-Konzert vom WOA 25. Und ein bisschen tue ich mir leid, dass ich aus Schlamm- und Wettergründen früher abgereist bin und den ganzen Samstag verpasst habe.
Und dann mache ich mich auf den Weg nach Lentföhrden. Dort haben die Möllerbrüder eine vegane Solawi eingerichtet. Ab dem 1. September bin ich auch Mitglied. Ich hatte das schon lange vor, aber bisher gab es in meiner Region nur Solawis, bei denen ich Ziegenkäse oder Joghurt mit abnehmen musste. Zusätzlich besorge ich Kuchenzutaten für das Wochenende.
Es gibt mehrere Depots. Dort liegt das Gemüse jeweils zur Abholung bereit. Alle wiegen sich selbst die Mengen laut Tabelle ab und geben noch ein bisschen Feedback. So hatte ich mir das vorgestellt!
Der Abend
Als ich von Einkaufen zurück komme, ist mein Mann auch schon wieder da. Dem Schrittzähler zuliebe, und auch um den schönen Abend bei frischer Luft zu genießen, gehen wir noch eine Runde spazieren. Ich soll mich ja auch bewegen, in der Hoffnung, dass dann die Kondition wieder zunimmt. Trotzdem bleiben die Walking-Stöcke im Schrank.
So, und das war mein WMDEDGT September 25. Mal sehen, was der 5. Oktober so hergibt und ob ich mich dran erinnere, ihn zu verbloggen 😉
Beim Schreiben an meinem Monatsrückblick August 25 kann ich kaum glauben, dass so viel in 31 Tage hinein gepasst hat. Gleichzeitig bin ich richtig rundherum ferienmäßig erholt. So langsam habe ich ein Gefühl für eine angemessene Balance zwischen Unternehmungen und Nichtstun. Und immerhin bin ich auch einen großen Schritt voran gekommen, was meine Bleimantel-Müdigkeit angeht.
Gut gefüllte Sommerferien
Was hatte ich vor und was ist daraus geworden?
freies Schreiben als Gewohnheit etablieren oder Journaling mit Prompts je nachdem, was mir mehr Spaß macht -> Weder noch. Oder sagen wir so: Ich habe gegen Ende Augsut angefangen, das freie Schreiben auszuprobieren, aber eine Gewohnheit würde ich das noch nicht nennen.
mein Deutschlandticket nutzen -> Die 58€ habe ich gründlich rausgefahren.
Rezepte aus meiner reichhaltigen PDF-Sammlung ausprobieren -> Danke Habitica, das war sehr lecker.
ein paar Dinge von meiner Lernen-Liste abhaken -> Jawoll!
ein paar Dinge von meiner Freizeit-Liste abhaken -> Auch jawoll!
eine weitere Kurzgeschichte für die Challenge deadlinesforwriters schreiben -> Check, aber noch nicht verbloggt.
unser Regal mit Lebensmittelvorräten überprüfen, erneuern und die Dinge mit erreichtem MHD aufessen -> Es ist noch nicht alles weg, aber schon sehr reduziert.
die Barrierefreiheit meiner Webseite optimieren -> Das kommt dann wohl im September. Aber ich trage gerade ganz viele Alt-Texte für meine Bilder nach.
der Natur über die Schulter gucken -> War sehr schön 🙂
und natürlich viel Spaß in Wacken haben -> Hatte ich 😀
Ausflüge
Für den August hatte ich ein Deutschlandticket gebucht. Meine Hoffnung war, dass mich das motivieren würde, ordentlich herum zu reisen. Und das hat richtig schön geklappt:
Wacken
Very Matsch Metal
Im letzten Jahr war ich nur einen Tag auf dem WOA. Es war einfach von Energielevel her nicht mehr drin, obwohl ich ein Zelt gebucht hatte, das dort schon für mich aufgebaut worden war. Aber 2024 war es auch heißer als dieses Jahr. Irgendwie kann Wacken hauptsächlich zwei Zustände: Matsch oder Staub.
2025 gab es dann wieder reichlich Regen. Und entsprechend knöcheltiefen Schlick. Ich hatte zwar meine Einhornmütze dabei, aber bei dem Wetter hielt ich es nicht für sinnvoll, sie aufzusetzen. Die Person im aufblasbaren Einhornkostüm war da leidensbereiter. Dafür ist dieser Mensch auch in den Livestream-Videos von Magenta mehrfach zu sehen.
Lage, Lage, Lage
Auch dieses Jahr stand mein Zelt schon. Es war eine feste Klappbox auf einem Podest mit Solarplatte obendrauf. Das hieß, dass ich extrem großzügig mein Smartphone aufladen konnte. Das Zelt hatte außerdem innen eine LED-Lichterkette installiert, das war eine ganz andere Erfahrung als früher mit einer funzeligen Taschenlampe 😀
Leider standen diese Boxen auf der tiefsten Fläche des ganzen Geländes. Wir mussten auf dem Weg zu den Toiletten eine Matschfläche so groß wie ein Fußballfeld überwinden. Das habe ich auch in der alljährliche Umfrage angemerkt. Der Sinn ist ja, dass Menschen mit diesen extra Campingvarianten angeregt werden sollen, mit Bus und Bahn anzureisen und dann möglichst naturschonend zu campen.
Allerdings hatte die Lage auch einen Vorteil. Wir waren sehr dicht an der Louder Stage und konnten die Konzerte von dort in kristallklarer Qualität in unseren Zelten hören. Bei einigen Bands habe ich das sehr genossen, gemütlich im Trockenen zu liegen, mit dem Kopf an der Außenkante des offenen Zeltes.
Immer etwas Neues
Was die Natur angeht, gab es dieses Jahr eine Premiere. Durch ein Wäldchen hat die Wacken-Orga einen Weg freigeschlagen und ihn mit Matten aus Paludimaterial ausgelegt. Dabei handelt es sich um Pflanzen, die auf wiedervernässten ehemaligen landwirtschaftlichen Flächen geerntet werden können. Das bindet CO2 und hilft den Betrieben, weiterhin ein Einkommen zu erzeugen. Der Pfad ist eine große Abkürzung auf dem Weg zum Shuttlebus.
Im Bild ist der Weg nach fast einer Woche Betrieb und sehr viel Regen zu sehen. Dieses Stückchen auf dem Weg nach Hause war eine richtige Erholung. Ansonsten musste ich leider meinen Kram durch den Matsch schleppen. Fürs nächste Jahr habe ich deswegen wieder einen Wanderrucksack angeschafft.
Egal, wie viel Schlepp es war, und auch wenn ich schon am Samstagvormittag abgereist bin, es war doch wieder ein großer Spaß und vor allem habe ich das alles von der Energie her viel besser weggesteckt als 2024.
Und bis nächstes Jahr höre ich im Magentastream noch alles, was ich verpasst habe. Oder was ich vom kuscheligen Schlafsack aus nicht hören konnte.
Die Freibäder um Halstenbek herum
Wir wohnen hier schon seit Dezember 2016. Und immer nehme ich mir vor, in den Sommerferien baden zu gehen. Auch das habe ich dieses Jahr endlich reichlich umgesetzt. Neben dem Pinneberger Freibad habe ich mich auf das Hamburger Gebiet geschmuggelt.
Das Freibad Osdorf macht den Eindruck, als sei es mindestens so alt wie ich. Die Siedlung Osdorfer Born wurde jedenfalls ab Mitte der sechziger Jahre hochgezogen. Von innen ist das Freibad aber gar nicht so abgerockt, wenn es auch nur aus einem großen rechteckigen Becken mit einer Rutsche besteht. Merke: Wenn du auf einer Radtour irgendwann mal an einem Freibadeingang vorbei kommst, warte nicht mehrere Jahre, um dich dort abzukühlen.
Denn das ist für mich der größte Vorteil am Baden im Sommer. Da habe ich endlich mal Gelegenheit, mir vom Wasser die überschüssige Wärme aus dem Körper ziehen zu lassen. Ich glaube, das hat auch dazu beigetragen, dass dieser August bei mir so einen positiven Eindruck hinterlassen hat.
Ins Naturbad Oberglinde haben wir es organisatorisch nicht geschafft. Vielleicht klappt es ja noch im September, bevor sie für diese Saison schließen.
Boberger Dünen
Auch diesen Ort hatte ich ein paar Jahre auf der Liste stehen. Dabei handelt es sich um Reste von Binnenlands-Wanderdünen im Hamburger Südosten. Meine Wanderrunde begann bei der nahe gelegenen S-Bahn-Station „Mittlerer Landweg“. Und die Auskunftsseite Hamburg.de hat nicht zuviel versprochen:
„Auf der abwechslungsreichen Wanderung schnuppert man nacheinander die Atmosphäre unterschiedlicher Landschaften im Zeitraffer.“
Der erste Teil des Weges führte durch die flauschige Au der Bille, die Billwerder seinen Namen gab..
Dass ich mich auf Hamburger Gebiet befand, war nur an den Mülleimern zu merken.
Vom Wegesrand wuchsen mir die Pflaumen buchstäblich in den Mund.
Das ganze Gelände ist mit gut befestigten Wegen kreuz und quer durchzogen. So ist es möglich, Runden von sehr unterschiedlicher Länge zu gehen. Das kam mir sehr gelegen, weil ich ja immer noch jeden Monat eine „Wanderung“ von 10 Kilometern plane. Ich hätte ohne Probleme doppelt so weit gehen können.
Das offene Augebiet ging in einen Waldabschnitt über. Im Sommer bin ich immer begeistert, wenn ich im Schatten wandern kann.
Und dann wurde es sehr sandig. Rechts und links des Weges war im Groben Heidevegetation.
Das hier ist ein Teil des offensichtlich erkennbaren Dünenbereiches. Überhaupt war für einen Ferientag ziemlich wenig los.
Die Boberger Dünen werden mich auf jeden Fall wiedersehen. Ich kann mir auch gut vorstellen, dass sie im Herbst toll aussehen. Unter anderem möchte ich für das Loki-Schmidt-Dünenhaus noch einmal zurück, das mir im Vorbeigehen auffiel. Jedes Mal, wenn ich in meiner Umgebung als Touristin unterwegs bin, nehme ich neue Ideen mit, was ich noch ansehen und erleben könnte.
Planten un Blomen
Auf diese Idee brachte mich eine Bekannte auf Mastodon. Weil ich ja mein Deutschlandticket ausnutzen wollte, sind wir an einem Wochenende zu zweit nach Hamburg gefahren. Wir haben einen Besuch im neuen Shoppingcenter Westfield mit einem Parkspaziergang verknüpft.
Es ist fraglich, ob Hamburg wirklich noch so einen Einkaufstempel brauchte. Diese Glasdecke hat mir trotzdem extrem gefallen. Sie erinnert an den Innenhof im British Museum, ich weiß aber nicht, ob bei beidem der gleiche Architekt dahintersteckt. Gekauft habe ich allerdings nur ein paar Donuts. Beim elbseitigen Ausgang konnten wir noch etwas Industrieromantik bewundern. Hamburg ist einfach photogen!
Planten un Blomen war einerseits gut besucht. Andererseits ist der Park groß genug, dass es sich nicht nach Gedränge anfühlte. Wir waren genau rechtzeitig dort, um die Seerosen zu bestaunen und auch der Rosengarten war noch voller duftender Blüten. Gerade in großen Städten ist es für die Bevölkerung toll, wenn es solche kostenlosen und farbenfrohen Außenanlagen mit vielen Sitzgelegenheiten gibt.
Fünf nach Zwölf in Pinneberg
Und noch ein Kandidat aus der Dauerliste. Immer wenn ich an der Kirche in Pinneberg vorbeigehe, fällt mir das Schild an der Außenmauer auf. Dort findet jeden letzten Samstag im Monat um fünf nach zwölf ein kostenloses Orgelkonzert statt.
Das war unser erster Besuch in dieser Kirche. Ich bin selbst keine Christin, aber gerade norddeutsche Kirchenarchitektur mag ich sehr gerne und Orgelmusik berührt mich tief. Gespielt hat ein Gastorganist aus Schweden, und zwar ein paar Stücke eines dänischen und eines rumänischen Komponisten. Außerdem gab es Bach, Mendelssohn und eine „schwedische Sommerpastorale“.
Es gab leider durch Missverständnisse im Vorfeld kein gedrucktes Programm, daher erinnere ich mich nicht an die Namen. Aber auch mein Mann, der durch häufige Gottesdienstbesuche regelmäßig Orgelmusik hört, war begeistert von den ihm nicht bekannten Stücken.
Auch diese Unternehmung werde ich bestimmt wiederholen.
Termin in der post-COVID-Ambulanz
Das Beitragsbild für meinen Monatsrückblick August 25 habe ich direkt nach diesem Termin aufgenommen. Die Geschichte war mit viel Geduld und diversen Untersuchungen im Vorfeld verbunden, hat sich aber sehr gelohnt.
Kiels Charmeoffensive
Ich war vorher schon zu verschiedenen Gelegenheiten in Kiel. Mal zu einer Konferenz und ansonsten auf der Durchreise zu einer Metal-Cruise. Dabei ist mir nicht aufgefallen, wie schön unsere Landeshauptstadt ist. Ein bisschen wie Hamburg, nur noch nordisch-nüchterner und mit mehr Möven.
Weil ich morgens im Universitätsklinikum antreten sollte, habe ich mich für die Nacht vorher in einem Hotel eingemietet. Zunächst einmal konnte das ÖPNV-Netz wirklich überzeugen und den Stadtteil Ravensberg fand ich überraschend schön.
Auch wenn hinter dem Schrevenpark laut Stadtplan das „Stinkviertel“ liegt. Das hebe ich mir vielleicht für einen zukünftigen Besuch auf.
Vielleicht ist Halstenbek kein guter Vergleich. Aber ich war beeindruckt von den Grünflächen zwischen den Mietshäusern mit den breiten und gut getrennten Fuß- und Radwegen. Es waren entsprechend auch eine Menge Menschen mit dem Fahrrad unterwegs. In Halstenbek kann ich schon froh sein, wenn der schmale Weg, den sich der Fuß- und Radverkehr teilen müssen, nicht wieder total zugeparkt ist.
Auch von der Deko her gab es Farbtupfer in der Nüchternheit, wie zum Beispiel dieses Rollo vor einem Schaufenster. Oder wie diese Hausfassaden:
Die post-COVID-Ambulanz
Vorgeschichte
Auf den eigentlichen Anlass zu meiner Reise hatte ich lange gewartet. Seit meiner SARS-CoV-2-Infektion im September 23 bin ich dauermüde, als hätte ich ständig einen Bleimantel an. Wenn ich mal etwas unternehme, das körperlich anstrengender ist, bezahle ich dafür am Tag danach mit extra Müdigkeit.
Zum Glück ist meine berufliche Tätigkeit nicht belastend und ich arbeite auch nicht so viele Stunden. Aber zum Beispiel meine ehrenamtliche Mitarbeit bei der Tafel in Schenefeld musste ich aufgeben. Dieses Kistenschleppen geht nicht mehr, genau wie auch das Laufen, das ich mir so schön angewöhnt hatte.
Leider war mir meine Hausärztin überhaupt keine Hilfe. Sie hat im November 23 ein EKG gemacht und meine Lunge abgehorcht und mich mit der Diagnose „Tja, abwarten“ nach Hause geschickt. Im Frühjahr 24 konnte ich den Duft von Fliederblüten überhaupt nicht wahrnehmen und war sehr traurig, weil ich dachte, das bleibt jetzt so und niemand kann mir helfen.
Von allen Seiten prasselten unterschiedliche Botschaften auf mich ein. Von Off-Label-Medikamenten wie Nikotinpflastern, über den Rat zu Belastungstraining bis zur Warnung, bloß kein Belastungstraining zu machen, weil das Virus meine Mitochondrien geschädigt haben könnte, so dass oxidativer Stress ihnen den Rest geben würde. Mir machte das wirklich Angst, dass ich meinen Körper irreversibel immer weiter in den Crash rein trainieren könnte.
Immerhin kam im Frühling 25 der Fliederduft wieder zurück in mein Leben!
Endlich eine klare Perspektive
Ich hatte so brav alle möglichen Untersuchungen machen lassen. Selbst im MRT war ich dank Barbaras Reikikurs tapfer geblieben und habe nicht nach 20 Sekunden die Notrufglocke gedrückt. Und ich habe einen dicken Packen mit Ergebnissen in einem Umschlag auf die Reise nach Kiel geschickt. Wo sie anscheinend verloren gingen. Naja.
Ich musste aber vor Ort nur wenige Minuten heftig durchatmen. Der nette Arzt hat dann einfach improvisiert und ich habe ihm die Ergebnisse mündlich geliefert. Schließlich war auch mit meinem Gehirn, meiner Lunge und meinem Herzen alles meinem Alter entsprechend in Ordnung. Ein netter Nebeneffekt, dass ich an diesen drei Punkten meinen Hang zum Hypochondrieren einstellen kann.
Mir war vorher nicht ganz klar, ob ich zu dieser Ambulanz jetzt mehrfach würde hinfahren müssen. Aber nach gründlichem Befragen und Abklopfen und auf einem Bein hüpfen und Stifte anstarren schloss er, dass in meinem Fall Medikamente nichts bringen würden, weil die bisher eher im Bereich Brainfog eingesetzt werden. Ich soll tatsächlich stattdessen in kleinen Schritten meine Kondition wieder steigern.
Seiner aktuellen Erfahrung nach habe ich eine gute Prognose, wieder auf ein normales Energielevel zu kommen. Das dauert bei jeder betroffenen Person unterschiedlich lange. Aber ich würde mir meine Mitochondrien durch vorsichtige Belastungssteigerungen nicht irreversibel wegoxidieren.
Das hat mich sehr beruhigt. Ein Teil von mir machte sich von einer Sekunde auf die nächste daran, einen Trainingsplan zu entwerfen, der Rest des Teams hat gleich entschlossen auf die Bremse getreten. Ich werde in den kommenden Wochen mehr Nordic Walking als reine Spaziergänge machen und mich wieder um meine Muskeln kümmern. Und dann sehe ich mal weiter.
Fazit
Es ist eine Katastrophe, wie schlecht Deutschland medizinisch ausgestattet ist. Das gilt im Allgemeinen, aber besonders was post-Covid in allen seinen Variationen angeht. Natürlich ist die Forschung erst so alt wie das Virus selbst. Und gleichzeitig gibt es in Schleswig-Holstein im Groben diese eine Anlaufstelle mit echter Expertise. Wer unter nicht kooperierenden Hausärzt:innen leidet, hat ziemlich Pech gehabt.
Und ich gehe nicht davon aus, dass ich ein seltener Fall bin. Da draußen werden noch viele andere Menschen existieren, die nicht komplett bettlägerig sind, deren Lebensqualität aber deutlich eingeschränkt ist. Die zwischen Impostor-Syndrom und Bleimantelmüdigkeit leben und sich fragen, warum das alles so zäh ist. Hoffentlich kommt die Forschung voran und hoffentlich sprechen sich die neuen Erkenntnisse dann doch noch in der medizinischen Gemeinschaft herum.
Was habe ich im August 25 gelesen?
Der Wacken-Comic
Das Bücherlesen stand trotz der vielen Freizeit nicht ganz oben auf der Liste. Ich habe die Wacken-Ausgabe vom „Lustigen Taschenbuch“ gelesen und das war amüsant und eine schöne Portion Nostalgie. Nur die erste Geschichte war neu, aber da hatte sich jemand wirklich vorher über das Wacken Open Air informiert. Die anderen Geschichten drehten sich auch eher um Rockmusik als um Metal und waren schon in anderen Büchern erschienen. Sie wurden für diesen Sonderband nur neu zusammengestellt. Trotzdem unterhaltsam.
Science of Discworld III
Außerdem habe ich endlich den dritten Teil von The Science of Discworld abgehakt. Das Buch steckte jahrelang auf einem sehr ungünstigen Platz in meinem Lesestapel oder so. Jedenfalls habe ich es im August heraus gefischt und es war eine schöne Fortsetzung der Reihe.
Die Zauberer in Ankh-Morpork haben durch einen merkwürdigen Unfall ein Universum mit einem bewohnten kugelförmigen Planeten erzeugt. Genauer gesagt, geht es hier um die Erde. Dieses Universum hüten sie seit Band I in einem Glasbehälter und greifen dann und wann ein, wenn etwas schiefzugehen droht.
In diesem Buch passieren Dinge in Charles Darwins Leben. Daraufhin schreibt er nicht „The Origin of Species“ und als Konsequenz verzögern sich wichtige wissenschaftliche Fortschritte für die Menschheit. Die Zauberer ändern schließlich den Lauf der Geschichte der Erde mit gemischten Erfolgen.
Vom Aufbau her ist immer ein Kapitel von Terry Pratchett geschrieben und jedes zweite Kapitel von Ian Stewart und Jack Cohen, zwei Wissenschaftlern. Die beiden plaudern in diesem Band über Zeit, Kausalzusammenhänge, Evolution und die Ära der Dampfmaschinen.
Ich konnte hier neue biologische Kenntnisse mitnehmen und fand die Mischung sehr gelungen. Allerdings haben Stewart und Cohen bei ihrer Begeisterung für das viktorianische Zeitalter etwas sehr dick aufgetragen. Es mag ja sein, dass wir dieser Zeit viel technischen Fortschritt verdanken. Gleichzeitig gehen die beiden aber übertrieben verklärend über gesellschaftliche Ungerechtigkeiten hinweg. Unterm Strich freue ich mich allerdings auf Teil IV.
Zauberweib liefert eine praktische Anleitung, um auf verschiedenen elektronischen Geräten die voreingestellte KI in der Suchmaschine zu deaktivieren.
„Mir ist schon klar, dass die KI selber da gar nix dafür kann, sondern der Platzhirsch, der dahinter steht. Der scheint seinen Größenwahn über die Wünsche und Anforderungen seiner Nutzer:innen zu stellen. Und Datenschutz ist für eine Datenkrake eh ein Fremdwort… Umso wichtiger, dass wir Grenzen aufzeigen: Bis hier und nicht weiter.“
Wenn Eltern mit ihren Kindern wenig spielen, hat das Konsequenzen. Sabine erläutert das hier sehr einleuchtend und eindrücklich. Ich kann davon ein Lied singen, wie in der Oberstufe im Bereich Stochastik manche Schüler:innen keinerlei Erfahrungen mit Würfelspielen haben und dann trotzdem Sachaufgaben mit Spielsituationen lösen sollen.
„Gesellschaftsspiele sind viel mehr als Spielerei. Sie sind ein Schatz für die mathematische Entwicklung deines Kindes. Zudem sind sie leicht zugänglich, alltagsnah und mit viel Spaß verbunden.“
Ich lese Lorenzos Blog generell gerne. Er hat so eine schöne Mischung an Themen und schreibt mit so viel Herzblut. Dieser Artikel zieht eine Bilanz unter die Arbeit der Regierung. Und es sieht gar nicht mal so gut aus.
„Ich habe keine Lust mehr, mich für unsere Ideen zu entschuldigen. Klimaschutz, soziale Gerechtigkeit und Menschlichkeit sind keine Luxusprojekte, sondern Überlebenspolitik.“
Der zitierte Satz hat mich besonders angesprochen. Es ist so absurd, dass diejenigen, die für mehr Solidarität und Rücksicht eintreten, sich immer wieder dafür rechtfertigen sollen. Ich hoffe mit Lorenzo gemeinsam, dass wir alle zusammen noch rechtzeitig das Schlimmste verhindern können.
Und dann gibt es so herzerwärmende Artikel wie diesen. Astrid hat an einer Ausgabe der Blognacht teilgenommen und über ihre Erfahrung mit der Bibliothek in Amsterdam geschrieben. Hier kommen fantastische Architektur und eine wirkliche Willkommenskultur zusammen,
„Bibliotheken sind Orte, an denen man Bücher ausleihen kann, na klar! Aber sie sind auch öffentliche Räume ohne Konsumzwang.“
Ich habe aufgegeben, am Freitagabend zu bloggen, das ist einfach nicht mein Termin. Aber was bei der Blognacht manchmal an Ergebnissen herauskommt, ist schon echt erfreulich.
Diese Folge vom Mel Robbins Podcast möchte ich allen ans Herz legen, die auch gerne Interviews auf Englisch hören. Was Gabor Maté zu sagen hat, ist so heilsam.
Die beiden sprechen in dieser Folge darüber, wie Trauma in uns entsteht. Und wie wir für uns selbst Verantwortung übernehmen können, damit die Kette des Weiterreichens unterbrochen wird.
Der FC Sankt Pauli ist sicher in den allermeisten Belangen anderer Meinung als Frau Klöckner.
Der Himmel in Halstenbek hat sogar den doppelten Regenbogen geflaggt.
Dieses Jahr waren hier super viele Libellen.
Und dann habe ich noch endlich den Aquarellkurs von Franziska genossen. Ich habe noch ein paar andere lange gekaufte Online-Kurse auf der Liste und im Nachhinein hätte ich mir diesen Spaß schon viel eher gönnen können.
Vorherige Augustrückblicke
August 23: Vor zwei Jahren fiel Wacken noch mehr ins Wasser, dafür habe ich die Ostsee und die Lüneburger Heide besichtigt.
August 24: Vor einem Jahr habe ich mal etwas Neues ausprobiert. Und zwar mir nicht mehr für die Sommerferien dermaßen viele Reparatur- und Ordnungsprojekte vorzunehmen, dass ich garantiert gar nichts schaffen würde. Dafür lag 2024 die Blogparadensause im August und das hieß dann sowohl jede Menge zu bloggen als auch realistische Prioritäten bei der Themenwahl zu setzen.
mir bewusst weniger vornehmen als im August. Dass ich weniger in den Tag geschoben bekomme, wenn ich am Nachmittag arbeite, muss ich mir wirklich mehrfach deutlich sagen.
gleichzeitig ein bisschen mehr Bewegung mit Konditionstrainingsanspruch
Wann hast du zum letzten Mal einen Brief geschrieben? Bei mir ist das erst ein paar Monate her. Heute ist der Welttag des Briefeschreibens und damit eine schöne Gelegenheit, andere Menschen dazu zu ermuntern. Im Jahr 2014 kam der Australier Richard Simpkin auf die Idee, diesen Gedenktag festzulegen.
Zu meinem Glück, denn die Augustausgabe der relevant-Blogparade läuft noch bis zum 2. September. Dabei ging es darum, die unterschiedlichsten Gedenktage und unsere Beziehung zu ihnen vorzustellen.
Briefeschreiben im zwanzigsten Jahrhundert
Ich bin alt genug, um lange Jahre ganz ohne E-Mail oder gar SMS ausgekommen zu sein. Als Jugendliche hatte ich sogar eine Zeit lang einen Brieffreund, allerdings kann ich mich nicht an seinen Namen erinnern. Oder wie diese Verbindung überhaupt zustande kam.
Abgesehen davon habe ich immer gerne Briefe geschrieben. Vor allem, als ich 1992 zum Studium wegzog und so mit meiner Schwester und einer Freundin in Kontakt blieb. Hauptsächlich waren diese Briefe eine Maßnahme, um uns gegenseitig möglichst nachhaltig zum Lachen zu bringen. Wir haben mit dem Quatsch, den wir in die Adressen eingefügt haben, die Grenzen dessen ausgetestet, was die Post noch für zustellbar hielt.
Später habe ich mit meinem jetzigen Mann per Brief kommuniziert. Für ein paar Monate wohnten wir noch an unterschiedlichen Orten und auch diese Post war hauptsächlich humorvoll gemeint. Im Nachhinein sehe ich noch klarer, wie sehr es mir in beiden Situationen gut getan hat, regelmäßig einen dicken Umschlag öffnen und liebe Gedanken an mich lesen zu können.
Ich telefoniere sehr ungern. Aber so ein bisschen möchte ich schon die Verbindung zu lieben Menschen aufrecht erhalten. Und mir hat das ganze Drumherum gefallen. Vom Briefpapierkauf über das Formulieren bis zum Aufkleben der Briefmarke, da sind so viele Schritte dabei, die den Austausch entschleunigen und meinen Sinn für Ästhetik ansprechen.
Wenn ich heute so lange auf eine Whats-App-Nachricht warten müsste wie damals auf einen Anwortbrief, das würde mich rappelig machen. Damals gehörte die lange Pause einfach dazu.
Briefeschreiben heute
In der Schule werden Briefe als Textform als Schreibübung genutzt. Wobei ich vermute, dass sich das bald erledigt haben wird. Im ESA und MSA kann in Englisch jedenfalls die Schreibaufgabe eine E-Mail sein, die ja vom Aufbau her ähnlich ist. Aber selbst das entspricht nicht mehr dem Alltag von Kindern und Jugendlichen.
Als ich vor wenigen Jahren mal einer Drittklässlerin im Nachhilfeunterricht in Deutsch vorschlug, sie könnte ja einen Brief schreiben, war sie sehr entrüstet. „Ich habe schon einen Brief geschrieben!“ entgegnete sie und blätterte in ihrer Mappe, um mir das Beweisstück zu präsentieren. Ein Brief pro Schullaufbahn wird also als genug empfunden 😀 Damals wusste ich nicht einmal, dass es einen Welttag des Briefeschreibens gibt, aber ich gehe davon aus, dass das Mädchen wohl noch den einen oder anderen Brief herbei zaubern musste, widerwillig oder nicht.
Auch die Post bemerkt, dass weniger Briefe verschickt werden. Daher werden Filialen geschlossen und die durchschnittlichen Transportzeiten verlängert. Aus wirtschaftlicher Sicht ist das verständlich, aber schade finde ich es trotzdem.
Wo lohnt sich das Briefeschreiben noch?
Sorgen und Nöte
Es gibt Anlässe, bei denen ein Brief noch Eindruck macht. Und zwar in der Politik und bei öffentlich rechtlichen Medien. Teils auch dadurch bedingt, dass dort Menschen arbeiten, die wie ich alt genug sind, um die Briefära noch miterlebt zu haben.
Wenn sich jemand hinsetzt, Papier auswählt, eventuell noch einen Füller verwendet und dann von Hand Kritik, Nöte und Sorgen formuliert, dann sollte am anderen Ende ankommen, wie dringend das Anliegen ist. Allerdings wirkt selbst eine E-Mail direkter und nachhaltiger als ein wütender Kommentar in den sozialen Medien.
Ich schreibe immer wieder Briefe an Politiker:innen und die öffentlich-rechtlichen Medien. Oft erhalte ich auch Antworten, seltsamerweise kaum von Menschen aus der CDU. Aber vielleicht muss ich da einfach mehr am Ball bleiben und mit weiteren Briefen nachhaken 😉 Da nehme ich den Tag heute auch für mich als Anlass, meine Füller mal frisch mit Tinte zu versorgen.
Wenn du ein Anliegen hast und deine Abgeordneten anschreiben willst, hier findest du die Adressen:
Wie du diese Post gestaltest, liegt bei dir. Ich bin immer sehr höflich, aber klar und ehrlich. Du kannst ansonsten so formell schreiben, wie du möchtest.
Bei ARD und ZDF habe ich bisher nur E-Mails verschickt. Früher bekamen die ja die sagenumwobenen „Wäschekörbe“ mit Post. Vielleicht verlege ich mich da auch wieder auf die Papierversion. Hier jedenfalls sind die Kontaktinformationen:
Wenn du an Politiker:innen oder Sendeanstalten geschrieben und Antwort bekommen hast, teile das gerne öffentlich. Meine Hoffnung ist, dass dadurch andere Menschen inspiriert werden, auch zu Stift und Papier zu greifen. Und nicht nur am Welttag des Briefeschreibens.
Feiertagspost
Eine wunderschöne Aktion zu Ostern und Weihnachten ist PostMitHerz. Dabei melden sich viele Freiwillige an und erhalten Adressen von Menschen, die ansonsten zu diesen Feiertagen keine Karten bekämen. Meistens sind das Altenheime. Du kannst der Organisation auf Instagram und Facebook folgen, oder dich per Newsletter erinnern lassen. (Vielen Dank für die Erinnerung an Daniel vom Hosentaschenblog!)
Das Thema „künstliche Intelligenz“ scheint mich immer hartnäckiger zu verfolgen. Statt der gewohnten blauen Pillen versuchen jetzt Menschen (mit sehr lieblos zusammen geschusterten E-Mails) mir alle möglichen AI-Dienste anzudrehen, von der Gestaltung meiner Webseite bis hin zum Beantworten meiner Telephonanrufe. In der Blogosphäre gehören KI-Bilder schon länger zum Grundrauschen, inzwischen fallen mir zunehmend offensichtlich künstlich geschriebene Blogartikel auf.
Künstliche Intelligenz und der Gruselgraben
Neben der Kritik am Energie- und Wasserbedarf gehen mir solche Texte und Bilder auch einfach persönlich und ästhetisch extrem schräg runter. Sie erzeugen meistens einen gruseligen „Uncanny-Valley-Effekt„. Vielleicht kennst du das ja auch aus animierten Filmen: Wenn unsere Gehirne etwas wahrnehmen, das unter 100% menschenähnlich ist, aber zu ähnlich, um beruhigend als „etwas Anderes“ kategorisiert werden zu können, empfinden wir das als unangenehm.
Mir geht das auch mit Texten so. Künstliche Inteligenz hat ja kein Bewusstsein, das wie wir Sätze als Ganzes formuliert. Stattdessen reihen diese Sprachmodelle Wörter nach berechneten Wahrscheinlichkeiten aneinander. Und damit sind die Formulierungen automatisch genau in dem Überlapp von „zu echt“ und „nicht echt genug“. Das Ergebnis ist nicht, wie vermutlich von der Person gehofft, die mit KI bloggt, dass ich mich informiert fühle. Sondern es erzeugt immer ein kleines bisschen Gänsehaut.
Evan Edinger fasst es sehr unterhaltsam zusammen. In seinem Video „I Can Spot AI Writing Instantly — Here’s How You Can Too“ stellt er ein paar Punkte auf, die mit sehr großer Wahrscheinlichkeit KI vermuten lassen. Die englische Abteilung von Wikipedia hat eine ausführliche Ratgeberseite zusammengestellt, die sich grundsätzlich auf Wikipediaartikel bezieht. Allerdings helfen viele der angesprochenen Merkmale, auch in anderen Texten die KI zu entdecken.
Unpersönliche, aber dafür überbetonte Komplimente, ein großzügiger Gebrauch von Aufzählungslisten, seltsam ungebräuchliche Formulierungen, ein insgesamt sehr generischer Eindruck. Nicht anecken, schön die Leser:innen mit vagen und gleichzeitig positiven Begriffen abholen. Daneben rundherum mit dem nötigen Fachjargon einen eloquenten Eindruck machen. Und das mit wenigen Prompts und Klicks!
Für mich hinterlassen solche Texte einen Effekt wie verbale Zuckerwatte. Am Ende bleibt wenig zurück bis auf ein leises Gruselgefühl. Außerdem der unerfreuliche Verdacht, dass ich in das Lesen mehr Zeit und Energie investiert habe, als die Person, die das alles gepromptet hat.
Aufmerksamkeitsökonomie und die KI-Flut
Warum geht die AI-Welle überhaupt so durch die Decke? Ich gehe davon aus, dass es so ist wie mit den meisten Blasen: „Alle“ machen mit, weil „Alle“ mitmachen. Da scheint viel Geld drin zu stecken und ohne Aufwand viel Aufmerksamkeit zu holen zu sein.
Und so inspirieren sich die Teilnehmenden gegenseitig. Sie eint die Hoffnung, vielleicht doch noch das tausendundeinste erfolgreiche KI-Unternehmen zu gründen und groß durchzustarten. Und der netten Nachhilfelehrerin von nebenan erzählen sie, die Eltern ihrer Schüler:innen würden sich sicher super gerne mit einer Wahrscheinlichkeitsmaschine unterhalten.
Für mich geht dabei der Sinn der Kommunikation verloren. Ich blogge hier ja sowieso erstmal für mich und hoffe dann, dass es darüber hinaus noch jemanden interessiert. Aber wenn ich merke, ich habe auf einen Link mit einer interessanten Überschrift geklickt, und dann kommt ein Fachbegriffesalat mit eingestreuten Stimmungsphrasen und Listicles, dann ist die Botschaft für mich:
Hallo! Du warst mir nicht genug Liebe wert, dass ich einen Blogartikel selber schreibe. Hier bitte, lies das mal schnell durch und steigere dadurch meine Klickstatistik, damit ich dann möglichst reichlich Werbung schalten kann.
Vor allem, wenn ich sehe, dass Menschen Texte in einer Länge und Frequenz herausgeben, die eigentlich an einem normalen Tag mit 24 Stunden und 8 Stunden Schlaf nicht machbar sind. Gut, auf manchen Blogs fällt der KI-Einfluss nicht ganz so drastisch auf. Und doch: Auf mich wirkt es zunehmend so, als würden auf einem lauten Marktplatz immer mehr Menschen mit immer fadenscheinigeren KI-Gebilden wedeln. Dabei rufen sie sich immer lauter gegenseitig zu: „Hey, sieh mich mal an! Hallo! Ich mach das hier für die Sichtbarkeit, also nimm mich bitte wahr!“
Denn wenn es im Grunde nur um die Klicks geht, sind der Inhalt und auch die Zielgruppe beliebig austauschbar. Dann kann ich über Hundefellpflege schreiben oder über Zeppeline oder über mundgeblasene Sanduhren. Hauptsache, ich komme mir sichtbar vor. Für mich persönlich fühlt sich das sehr leer an. Und als Leserin ist das keine Begegnung mit einem anderen Menschen im Netz., sondern irgendwie leblos.
Besonders traurig finde ich das im allgemeinen Bereich „Persönlichkeitsberatung“. Widersprüchlicher kann es kaum noch werden.
Ganz auffällige Blogs sehen mich nur einmal. Meine Lebenszeit ist begrenzt und die investiere ich lieber in Menschen, die persönlich schreiben. Die auch mal Fehler machen und eventuell auch mal anderer Meinung sind als ich. Ganz ohne Reibung lernen wir wenig.
Für meine eigene Sichtbarkeit mache ich mir wenig Sorgen. Ich möchte gar nicht in Konkurrenz treten mit ChatGPT und seinen Kollegen. Bei mir gibt es dann eben weniger und kürzere Beiträge. Dafür garantiere ich, dass hier an diesem Ende eine echte Person sitzt mit einem echten Interesse am Austausch mit denen, die meine Posts lesen.
Daher an dieser Stelle: Danke an alle, die bisher meine Artikel gelesen und teils sogar kommentiert haben! Das bedeutet mir eine Menge, trotz des Mottos „Blog like nobody’s reading!“
Und genau deswegen ist es mir umso mehr ein Anliegen und selbstverständlich, weiter zu bloggen. Denn ich sehe außerdem noch ganz viele andere Menschen mit Blogs, bei denen ihre Persönlichkeit mit allen Facetten und Ecken und Kanten durchschimmert. Solange es diese wilde und bunte Blogosphäre gibt, sehe auch ich keinen Anlass, hier meine Zelte abzubrechen.
Und irgendwann, wer weiß, platzt diese Blase. Dann bekomme ich statt Werbung für künstliche Intelligenz wieder Spam von Leuten, die mir blaue Tabletten andrehen wollen. Freue mich schon drauf.
Online wurde ich schon mehrfach zurecht gewiesen, dass ich das betreffende Produkt gar nicht Milch nennen darf. Und da geht es schon los damit, warum dieser Tag so wichtig ist. Diese Diskussion bezieht sich auf ein Urteil des Europäischen Gerichtshofes von 2017, nach dem es nicht erlaubt ist, pflanzliche Produkte als Milch zu vermarkten oder bewerben.
Privatpersonen können allerdings die Begriffe so verwenden, wie sie es für sinnvoll halten. Entsprechend ist auch die Bezeichnung Welttag der Pflanzenmilch rechtlich unproblematisch.
Wofür brauchen wir einen Welttag der Pflanzenmilch?
Der Ursprung
Genau wie bei allen anderen Gedenktagen geht es darum, ein Bewusstsein zu schaffen. Die Welt ändert sich nicht an einem Tag. Gleichzeitig erinnert dieser Termin einmal im Jahr daran, dass es Alternativen gibt. Außerdem daran, dass wir über die Folgen der Tierhaltung für Produkte wie Milch nachdenken sollten.
Robbie Lockie von Plant Based News hat sich den 22. August ausgesucht. Warum es genau dieses Datum geworden ist, habe ich nicht heraus gefunden. Allerdings bietet er sogar auf der dazugehörigen Seite auf Englisch eine siebentägige „Dairy Free Challenge“ an.
Kuhmlich zu trinken verursacht nicht nicht sofort die große Katastrophe. Und gleichzeitig ist jede Gelegenheit, bei der wir uns für alternative Produkte entscheiden, ein Plus für Umwelt, Klima, Pandemiesicherheit und für Menschen und Tiere.
Umwelt und Klima
Die Bandbreite an Pflanzenmilchsorten ist groß. Und gleichzeitig schneiden die gängigen Drinks in folgenden Kategorien besser ab als Kuhmilch:
Landbedarf
CO2-Äquivalent-Emission
Gewässerbelastung
Hafer- und Sojamilch haben darüber hinaus einen geringeren Wasserbedarf als Kuhmilch, Mandel- und Reismilch einen höheren. Ein weiterer Vorteil an Hafer und Soja ist, dass beide regional angebaut werden können.
In der fernen Vergangenheit haben Tiermilch und der glückliche Zufall einer Mutation ein paar Menschengruppen durch harte Zeiten gebracht. Dass nicht die ganze Menschheit davon betroffen war, sehen wir auch daran, dass laktosetolerante Menschen in der Minderheit sind. Die Mehrheit verliert mit dem Heranwachsen nach dem Abstillen die Fähigkeit, Laktase zu bilden.
Das heißt nicht, dass Milch generell ungesund wäre. Genauso wenig ist sie ein unverzichtbares Produkt. Alle ihre Bestandteile sind auch mit pflanzlicher Ernährung zu bekommen, bis auf Vitamin B12, das von Bakterien produziert wird. Einigen Pflanzenmilchsorten wird B12 sogar zugefügt, bei Bioprodukten ist das aus Gründen der EU-Gesetzeslage nicht möglich. Eine ausreichende Zufuhr an Vitamin B12 muss dann durch Substitution sichergestellt werden.
Eine gesundheitliche Folge der Tierhaltung, an die wir beim Thema Milch nicht sofort denken, sind allerdings Zoonosen. So haben wir mit großer Wahrscheinlichkeit das Masernvirus von domestizierten Rindern als Abkömmling der Rinderpest erhalten.
Und die Bildung neuer zoonotischer Erreger ist nicht historisch abgeschlossen. Ein Risiko ist die Haltung genetisch ähnlicher Tiere auf begrenztem Raum. Damit geben wir Erregern die Möglichkeit zügig zu mutieren und eventuell schneller in einer Form zu enden, die auf Menschen und schlimmstenfalls unter Menschen übertragbar ist.
Der zweite Hebel ist die Zerstörung von Habitaten wilder Tiere. Dabei kommen Menschen und Nutziere stärker mit Wildtieren in Kontakt und können sich unter ungünstigen Umständen infizieren.
Es gibt noch weitere Treiber des Risikos, dass in der Zukunft neue Infektionskrankheiten ausbrechen. Diese sind teils komplex miteinander verzahnt. Aber die beiden oben beschriebenen Einflüsse reduzieren sich drastisch, wenn wir statt Kuhmilch Pflanzenmilch verwenden. Denn der Anbau von Futtermitteln für eine profitable Milchproduktion braucht wie schon erwähnt, mehr Fläche. Je höher der pflanzliche Anteil an unserer Nahrung, umso weniger müssen wir auf den Lebensraum anderer Tiere zugreifen.
Soziales
Erhöhter Flächenbedarf für die Futtermittelproduktion führt immer wieder zu Landgrabbing, unter dem die regionale Bevölkerung leidet. Schlachthofmitarbeitende kommen oft aus wirtschaftlich schlechter gestellten Ländern. Die Pandemie hat hier beleuchtet, unter welchen Umständen diese Menschen zum Teil arbeiten. Auch wenn die größten Missstände beseitigt wurden, indem der Staat mit den Subsubsubunternehmen aufgeräumt hat, die Art der Arbeit ist immer noch belastend.
Und dann sind da noch die Milchkuhhalter:innen. Viele von ihnen leiden unter psychischen Belastungen. Der wirtschaftliche Druck, die zunehmende Kritik aus der Gesellschaft (die gleichzeitig weiter Milch konsumiert) sind das Eine. Die Betreiberin von Hof Narr (siehe letztes Kapitel) berichtete außerdem, dass diese Menschen oft selbst psychisch damit zu kämpfen haben, den Kühen die Kälber abzunehmen und ihre liebgewonnenen Tiere immer wieder zum Schlachthof schicken zu müssen.
Sehr eindrucksvoll zu sehen ist das in den Filmen „Butenland“ und „73 Cows“. Die Menschen, die sich entscheiden, ihren Hof umzustellen, haben diesen meistens von den Generationen vor ihnen geerbt und stehen zwischen der emotionalen Belastung und der Verpflichtung der Tradition gegenüber.
So hat es auch soziale Vorteile, wenn wir Kuhmilch durch Pflanzenmilch ersetzen. Wie viele Mitmenschen durch den Milchkonsum belastet werden, ist im Alltag gar nicht so offensichtlich.
Tiere
Selbst wenn ein Betrieb noch so tierfreundlich gestaltet ist: Ein paar Maßnahmen sind unvermeidlich, wenn Säugetiere wirtschaftlich Milch für Menschen produzieren sollen:
Sie müssen immer neue Nachkommen haben. Aus logistischen Gründen können diese nicht alle auf dem Betrieb bis an ihr natürliches Ende leben. Erst recht nicht die männlichen Kälber. Schlachtung ist unverzichtbar mit Milchproduktion verbunden.
Sie müssen eine profitable Milchmenge produzieren, anderenfalls hätten die Milchbetriebe auch auf die Menge bezogen eine schlechtere Klima- und Umweltbilanz. Daher sind Kühe in Milchbetrieben immer aus genetischen Linien, die auf Leistung hin gezüchtet wurden. Mit allen gesundheitlichen Auswirkungen, die ein Vielfaches der Milchmenge mitbringt.
Und dann haben wir noch nicht über die in Deutschland noch praktizierte Anbindehaltung und die immer wieder bekannt werdenden Schlachthofskandale gesprochen. Für letztere gibt es immer ein Restrisiko im System.
Manche von uns können mit diesen Fakten gut leben. Andere Menschen wünschen sich andere Lösungen oder blenden diese Realität aus. Dabei gibt es eine einfache Alternative. Und zwar einfach mal ein anderes Produkt zum Kaffeeweißen auszuprobieren, idealerweise nicht nur heute, am Welttag der Pflanzenmilch.
Meine Erfahrungen mit Pflanzenmilch
Ich verwende Pflanzendrinks selten. Meinen Kaffee trinke ich schon länger schwarz und ansonsten brauche ich keinen Ersatz für Milchgetränke. Sojajoghurt esse ich dagegen gerne, vor allem die ungesüßten Varianten als Basis für Dips.
Sojamilch enthält von Natur aus Lecithin. Das ist ein Emulgator und wer nicht allergisch reagiert, kann damit selbst Mayonnaise selbst herstellen. Diese vegane Variante hält sich deutlich länger.
Die als Barista-Version ausgeschilderten Varianten lassen sich prima für Kaffeekreationen aufschäumen. Auch das mache ich nicht selbst, aber ich mag schon ganz gerne mal einen Cappuchino.
An Hafermilch müssen sich die meisten Menschen erst gewöhnen, weil sie etwas getreidig schmeckt. Sojamilch flockt in zu heißen Getränken manchmal aus. Nicht, weil sie schlecht ist, sondern weil das Protein dann gerinnt. Ich empfehle also, den Tee oder Kaffee erst abkühlen zu lassen.
Außerdem schmecken die Pflanzendrinks verschiedener Firmen deutlich unterschiedlich. Wenn also der erste Eindruck unschön ist, vielleicht nochmal einer anderen Firma eine Chance geben.
Vereinzelt gibt es Hafermilch in Pfandflaschen, allerdings ist die Zielgruppe wohl noch zu klein, als dass das ein flächendeckendes Angebot wäre. Auch aus diesem Grund wünsche ich mir, dass der Welttag der Pflanzenmilch auf Dauer mehr Menschen motiviert, dem Ganzen eine Chance zu geben. Ich kenne auch Menschen, die Hafermilch selbst machen, aber bei mir hat das mit der Konsistenz nie gut funktioniert.
Sowohl Kuhmilch als auch Pflanzenmilch bestehen zu deutlich über 90% aus Wasser. Bei den Mengen, die zum Backen eingesetzt werden, macht es meiner Erfahrung nach überhaupt keinen Unterschied, welche Milchvariante wir wählen. Da könnte jede Milch tatsächlich direkt durch Wasser ersetzt werden.
Wie könnte eine pflanzenbasierte Zukunft aussehen?
Transfarmation beraten unter anderem in Deutschland und der Schweiz umstellungswillige Betriebe. Sarah Heiligtag von Hof Narr hat selbst einen Hof, auf dem sie Tiere aufnimmt, ohne sie zu nutzen. Außerdem baut sie dort pflanzliche Nahrungsmittel an. Sie informiert auch Betriebe und hält Vorträge. Foodrevolution ist eine Organisation in den USA, die dort ähnliche Arbeit macht.
Bei mir in der Nähe gibt es den Hof MöllersMorgen, den zwei Brüder von ihren Eltern übernommen haben. Sie haben die Milchwirtschaft dort eingestellt und verkaufen jetzt Gemüse. In ihrer Solawi habe ich mich kürzlich selbst angemeldet.
Bei einer Umstellung sind mehrere Fragen zu klären: Wohin mit den Tieren? Was geschieht mit den Gebäuden? Und wie werden die Flächen im Anschluss genutzt. Die Tiere werden teilweise an Lebenshöfe oder andere Milchbetriebe abgegeben, bis zum Lebensende selbst weiter gehalten, oder im ungünstigen Fall geschlachtet. Immerhin sind das dann die letzten Rinder, die zum Schlachthof gehen und eine Kuh kann bei guten Bedingungen bis zu 25 Jahre alt werden.
In den Gebäuden bauen manche ehemalige Milchbetriebe jetzt Pilze an. Die Nutzung der Flächen hängt von der Region ab. Ehemalige Moorgebiete können zum Beispiel wieder vernässt und als Paludikultur weiterhin produktiv sein. Dieses Jahr haben mir Matten aus solchem Material wenigstens auf einem kurzen Wegstück in Wacken das Gehen erleichtert.
Wie auch immer die Flächen umgewidmet werden, es ist wichtig, dass die betreffenden Familien weiterhin ein Einkommen haben. Und da ist letztlich auch die Politik in Deutschland und der EU gefragt. Diese neuen Modelle müssen finanziell unterstützt werden, damit die Transformation für die Betriebe überhaupt machbar ist.
Was meinst du?
Hast du schon einmal pflanzliche Milch probiert? War dir bewusst, dass es einen Welttag der Pflanzenmilch gibt? Waren dir die Vorteile einer Umstellung auf diese Alternativen bekannt?
Falls ja: Welches ist deine Lieblingspflanzenmilch?
Manchmal lese und höre ich tagelang bewusst keine Nachrichten. Die politische Entwicklung in vielen Ländern, einschließlich meinem eigenen, macht mir Sorgen. Aber so sehr ich mich auch oft ganz zurück ziehen möchte, ist es gleichzeitig wichtig, dass wir Stellung beziehen für Mitmenschlichkeit.
Dann ist es an Menschen wie mir, die von den meisten Arten der Diskriminierung nicht betroffen sind, etwas zu sagen, statt schweigend abzuwarten, ob das alles irgendwie von alleine besser wird.
Denn sich rauszuhalten und irgendwie alle „Meinungen“ für hinnehmbar zu halten, ist eine sehr bequeme Haltung. Diese können sich nur die leisten, die nicht existentiell in Frage gestellt werden. Das hört sich dann schön entspannt und tolerant an, wird sich aber auf lange Sicht rächen.
Was meine ich mit Stellung beziehen?
Stellung beziehen für Mitmenschlichkeit kann ich nur, wenn ich meinen Standpunkt kenne. Wenn ich einen einigermaßen guten Überblick über meine persönlichen Werte habe. Und wenn ich ausreichend informiert bin darüber, was mit vielen meiner Mitmenschen geschieht. Ich muss für mich definiert haben, was Mitmenschlichkeit bedeutet.
Es geht darum, nicht abzuwarten, bis sich jemand anderes meldet, sondern klar zu formulieren, wo für mich die Grenzen sind. Unter anderem, damit auch die betroffenen Menschen mitbekommen, dass ich sie wahrnehme. Und dass es Teile der Bevölkerung gibt, die Diskriminierung nicht ignorierenswürdig finden oder sich noch in identitätspolitischeSpiele hinein ziehen lassen.
Kurz gesagt: Immer öfter werde ich klar und konkret etwas sagen.
Was meine ich nicht?
Stellung beziehen heißt nicht, dass ich mich in Gefahr begebe. Auch nicht, dass ich wieder so viele Nachrichten konsumieren werde, dass es mir auf die Seele schlägt. Nur Menschen, die auf sich selbst und ihre psychische Gesundheit achten, können andere Menschen unterstützen.
Es heißt auch nicht, dass ich weiter polarisieren will. Im Gegenteil, jedenfalls was Menschen angeht, die großenteils ähnliche Werte und Ziele für unsere Gesellschaft haben. Die meisten von uns wollen in Frieden leben und dass es dem Rest der Bevölkerung auch gut geht, behaupte ich. Und darum geht es mir. Um Solidarität und Miteinander.
Warum ist Stellung beziehen heute so besonders wichtig?
Ich beobachte bei mir selbst, wie es mir manchmal schwer fällt, überhaupt noch aktiv zu werden. Mein Energiehaushalt schwankt seit meiner Coronainfektion im September 23 und die Zeit, in der ich oft für Tierrechte demonstriert habe, hat mich einigermaßen zermürbt. Denn die Resonanz war eher verhalten. Und ich merkte, wie mit zunehmend hohem Krisenstapel (Pandemie, Klimaerhitzung, Krieg) die Menschen in der Hamburger Innenstadt immer weniger aufnahmebereit wurden und lieber schnell an uns vorbei huschten.
Nicht nur in den USA gilt von autoritärer Seite aus die Devise: „Flood the zone with shit!“ Das Ziel ist, durch das schnelle und dauerhafte Abfeuern von wilden Nachrichten und grenzübertretenden Maßnahmen die Bevölkerung mental und emotional zu überfordern. Dadurch verfällt sie praktisch in Schockstarre oder gibt auf jeden Fall die Hoffnung auf Selbstwirksamkeit auf.
2003 erklärte Bernie Sanders in einer Vorlesung eine weitere Strategie: Der Wohlstand ist immer ungleicher verteilt und einige Wenige sind hauptsächlich dafür verantwortlich, dass unsere Lebensgrundlagen zerstört werden. Um davon abzulenken, werden Debatten über Kampfbegriffe wie „Migration“, „Wokismus“, „Gender“ oder „trans“ und über Identitätspolitik („Die Grünen!“) künstlich durch mantraartige Wiederholung im allgemeinen Bewusstsein am Köcheln gehalten.
Statt auf den Kaiser ohne Kleider, der ein Vielfaches seiner gerechten Portion verzehrt, zeigen wir auf ein paar trans Menschen und Bürgergeldempfangende, als seien diese die Ursache für unsere Zukunftsängste. Solange wir keine eigenen Strategien entwickeln und konsequent anwenden, lassen wir uns schweigend und immerhin nicht aneckend das Drehbuch diktieren.
Welche Rolle wird Mitmenschlichkeit in der Zukunft spielen?
Wir können die Dinge so weiter laufen lassen. Dann sind die USA eine gute Kristallkugel, in der sich unsere Zukunft abzeichnet. Autoritäre Kräfte in der Politik werden an Einfluss gewinnen und viele Menschen könnten relativ schnell bereuen, sie gewählt zu haben.
Eigentlich bricht die Gesellschaft entlang der Linie „Reich an Wohlstand und Macht“ und „alle Anderen“ auseinander. Trotzdem geraten ein paar Gruppierungen schneller unter die Räder als andere. Je weniger privilegiert eine Person ist, umso ungünstiger.
Arm, behindert, trans, queer, mit Migrationshintergrund oder auch weiblich sind solche Eigenschaften. In Weltbildern wie beim Project 2025 haben sie einen geringen Wert. Konkret sind es in Deutschland Unternehmen wie NiUS (finanziert von Frank Gotthardt, der zum Beispiel mit Frau Klöckner gut vernetzt ist), die sehr strategisch die Demokratie demontieren.
Auch in Deutschland sind diskriminierte Gruppen Zielscheibe von Propaganda. Die verschwindend kleine Zahl von Menschen, die sich der Vermittlung in den Arbeitsmarkt verweigern, ist zum Beispiel der Aufhänger dafür, Personen im Bürgergeldbezug generell unter Verdacht zu stellen. Je öfter dieses Spiel funktioniert, umso häufiger findet es statt.
Alternativ haben wir die Option, uns mit weniger Privilegierten solidarisch zu verhalten und Haltung zu zeigen. In ein paar Jahren, werden wir im Rückblick sehen, was wir gemacht und gesagt haben, als Leute mit viel Einfluss versuchten, die Mitmenschlichkeit zurück zu drängen.
Wenn sie für trans Menschen kommen, werde ich das nicht schweigend hinnehmen. Weil ich Martin Niemöllers Worte gehört habe und weiß, wie das Zitat endet.
Ganz abgesehen davon, dass ich Ausgrenzung unfair finde, wird eine Zukunft ohne ein Mindestmaß an Solidarität für die Wenigsten von uns lebenswert sein. Es geht nicht nur um meine Mitmenschen, sondern auch um mich und letztlich um unsere freiheitliche demokratische Gemeinschaft.
So beziehst du Stellung für Mitmenschlichkeit!
Online
In Social Media Debatten habe ich oft genug Zeit und Nerven investiert, ohne dass ich damit etwas erreicht hätte. Es ist neben der allgemein polarisierten und aufgeheizten Stimmung sehr leicht, an Bots oder Trolle zu geraten. Gleichzeitig gibt es mit IchBinHier immer noch wackere Menschen, die sich in den großen Netzwerken digital der Hetze entgegen stellen. Ob du dich da anschließt, hängt von deinem Nervenkostüm ab.
Stattdessen folge ich Menschen, die von Diskriminierung betroffen sind und teile ihre Beiträge. Ich lerne von ihnen über Barrierefreiheit und über strukturelle Benachteiligungen. Mich mit dieser Realität zu befassen, ist der erste Schritt, um überhaupt eine Haltung zu entwickeln. Mit meinem Weggang von Meta lese ich leider die unterhaltsamen und lehrreichen Beiträge von zum Beispiel Gina Hitsch (auf instagram unter ichbinginapunkt) nicht mehr. Sie ist ein guter Startpunkt und auch auf TikTok zu finden.
Ich nutze immer stärker meinen Blog, um öffentlich Haltung zu zeigen. Meine Beiträge bleiben hier so lange stehen, wie ich das möchte. Ich muss mich keinem Algorithmus unterwerfen, nicht auf Klickzahlen hin schreiben und kann so klar und deutlich formulieren, wie ich es für richtig halte.
Außerdem vernetze ich meinen Blog immer mehr, unter anderem hier:
Dabei sehen nicht nur andere Menschen meine Beiträge. Sondern ich entdecke auch viele interessante Standpunkte, die mir durch Meta gar nicht aufgefallen wären.
Wenn ich mich an Petitionen beteilige, dann am liebsten direkt bei der E-Petitionenplattform des Bundestages. Denn wenn diese die Mindestzahl an Stimmen erreichen, müssen sie offiziell besprochen werden. Bisher habe ich selbst noch keine Petition eingereicht, allerdings ist dieser Blogpost meine Erinnerung daran, das einmal zu tun.
Offline schreiben
Ich schreibe immer wieder Briefe und E-Mails an Politiker:innen und öffentlich rechtliche Medien. Interessanterweise habe ich aus der Politik von der SPD, den Bündnis-Grünen und den Linken immer Antworten bekommen. Aus der CDU nur einmal vom Kandidaten meines Kreises vor der Wahl. Nach der Wahl war ich ihm auf einen weiteren Brief hin keine Antwort mehr wert. Trotzdem ist es mir wichtig, dass Entscheidungsträger:innen wissen, was mir auf der Seele liegt.
Hier findest du deine Bundestagsabgeordneten mit Adressen:
Diese Medien fragen auch aktiv nach deiner Meinung. Unter „ZDF Mitreden“ und „NDR fragt“ bekomme ich regelmäßig E-Mails mit einem Link zur aktuellen Umfrage. Für die NDR-Umfragen musst du in Norddeutschland leben, aber ansonsten bieten sehr wahrscheinlich die anderen ARD-Anstalten eigene regionale Mitspracheoptionen an.
Im Alltag bemühe ich mich, ein Vorbild zu sein. Wenn mir in meinem Unterricht verletzende Sprache auffällt, spreche ich das zum Beispiel an. Nicht vorwurfsvoll, aber klar und deutlich. Auch solche kleinen Gespräche stehen für Stellung beziehen für Mitmenschlichkeit.
Offline netzwerken
Wenn mein Energielevel dafür ausreicht, nehme ich an Demonstrationen teil. Dafür bin ich den „Omas gegen Rechts“ beigetreten und sehe regelmäßig auf der Webseite von Demokrateam nach. Im dazugehörigen Blog gibt es sogar eine Anleitung, wie du selbst eine Demo anmelden kannst.
Sich in einem Ehrenamt für Mitmenschen einzubringen, ist ganz nebenbei gut für die Seele. Ansonsten hilft auch der Beitritt in einem Verein oder einer Partei, mehr mit Menschen in Kontakt zu kommen, die auch Stellung beziehen für Mitmenschlichkeit und für einen solidarischen Umgang miteinander.
„Wir müssen dringend wieder lernen, uns zu organisieren – nicht trotz unserer Unterschiede, sondern gerade wegen ihnen. Warum es Zeit ist, den Rückzug ins Private zu beenden und Politik wieder als das zu begreifen, was sie im besten Fall ist: Gemeinsames, solidarisches Ringen um eine bessere Welt.“
Unsere Gesellschaft lebt davon, dass wir uns im Rahmen unserer Möglichkeiten einbringen, statt uns eingeschüchtert und entmutigt zu verkrümeln und zuzusehen, wie die Mitmenschlichkeit Stück für Stück demontiert wird. Lassen wir uns nicht ablenken! Zur extra Motivation setze ich mir das aktuelle Buch von Christina Christiansen auf die Leseliste. Ein Zitat daraus:
„Demokratie stirbt nicht an einem Putsch. Sie stirbt in kleinen Schritten: an wegsehenden Nachbarn, an schweigenden Abgeordneten, an Medien, die sich vor der Schlagzeile fürchten. Und wenn wir endlich merken, dass sie tot ist – dann ist es zu spät.“
Die Blogparade unter dem Stichwort „relevant“ dreht sich im August um Gedenktage. Heute ist in den USA der Tag der Fehler. Da stellt sich vielleicht die Frage, was es an Fehlern überhaupt zu feiern gibt. Hier meine Antwort darauf:
Ohne Fehler keine Entwicklung
Die Evolution der Arten basiert auf Mutationen. Wörtlich bedeutet dieser Begriff Veränderungen am Erbgut. Allerdings entstehen viele dieser Veränderungen durch Ablese- oder Kombinationsfehler. Gäbe es diesen biologischen „Fehlermechanismus“ nicht, wären wir heute nicht hier. Die ersten einzelligen Lebewesen hätten sich nie über das erste Stadium hinaus entwickelt.
Auch eine Reihe von Erfindungen ursprünglich basieren auf Fehlern: Post-Its, Teebeutel, und Penicillin sind nur drei Beispiele dafür. Wissenschaftliches Arbeiten bedeutet nicht, dass sich Menschen in Experimenten einfach ihre Vermutungen bestätigen und ein paar Jahrzehnte später in Schulbüchern auftauchen.
Auch in meiner eigenen Erfahrung bestand der größte Teil meiner Forschungsarbeit aus nicht „funktionierenden“ Versuchen. Der Punkt ist, was wir aus diesen Ergebnissen machen. Als ich eine andere Lehrerin bei ihrer Masterarbeit begleitete und sie in einem Teilbereich unerwartete Daten herausbekam, brauchte ich viel Geduld, bis sie einsah, dass auch das ein legitimes Ergebnis war. Und dass es ihr keine schlechte Note bescheren würde.
Manches Ergebnis fühlt sich wie ein Fehler an. Dabei ist es eigentlich nur die Rückmeldung, das wir bei unseren Vermutungen nicht immer davon ausgehen sollten, dass sie schon stimmen werden. Offenheit für die Realität und ihre Ergebnisse bringen uns Lernzuwachs. Oder anders gesagt: Wer keine Fehlererfahrungen machen will, wird weniger effektiv lernen, wenn überhaupt.
In meinem Unterricht sage ich oft: Wie gut, dass dieser Fehler hier passiert ist und nicht erst in der Arbeit oder der Prüfung. Bei mir gibt es keine Noten und keinen Druck. So sind Fehler tatsächlich fruchtbare Aufhänger für neu sortierte Gedankengänge. Die Fehlerkultur in unserem Bildungssystem und auch im Arbeitsbereich wäre nochmal ein ganzes Thema für sich.
Ich merke jedenfalls, wie meine Schüler:innen erst eine Offenheit dafür entwickeln müssen, dass sie nicht alles aus dem Stand perfekt hinbekommen. Das ist ein Teil der Gründe, warum sie sich überhaupt erst bei mir zur Nachhilfe anmelden.
Fehler unter Mitmenschen
Manchmal kommt es vor, dass wir uns Anderen gegenüber falsch verhalten. Wenn wir sie oder die Situation missverstehen. Oder wenn wir urteilen, ohne alle Informationen gehabt zu haben. Wenn wir unsere schlechte Laune an zufällig in der Nähe Stehenden auslassen. Solche Fehler bringen natürlich zunächst die Gemeinschaft nicht voran.
Und gleichzeitig gilt auch hier: Wer im zwischenmenschlichen Bereich Fehler zu 100% vermeiden will, dürfte im Grunde keinen Kontakt zu Anderen haben. Weil wir einfach nicht perfekt sind. Außerdem kommt es auch hier sehr stark darauf an, wie wir mit der Situation hinterher umgehen. Einsicht, um Verzeihung bitten und Dazulernen sind Verhaltensweisen, die eine Gemeinschaft stärken können.
Wobei wir uns auch klar sein müssen, dass es keinen Anspruch auf Verzeihen gibt. Für das Miteinander hilft es, sich vorher zu bemühen und im Nachhinein die neu gelernten Lektionen auch umzusetzen:
Auch hier gehören zu einer konstruktiven Haltung wieder Offenheit und Lernbereitschaft. Dann können an den Bruchkanten neue Verbindungen entstehen wie in der japanischen Reparaturmethode Kintsugi, bei der zerbrochene Gegenstände zu Kunstwerken werden.
Muss ich mich über Fehler freuen?
Ein Teil meiner Persönlichkeit ist ein kleiner Hulk. Seine Lunte ist kurz und wenn Dinge nicht gut laufen, wird er laut. Auch wenn ich gefühlt nicht so gute Leistungen abliefere, wie ich sie von mir erwarte. In diesen Momenten könnte ich versuchen, mir die Fehler schön zu reden und dem Hulk zu erklären, wie toll es ist, dass wir gemeinsam lernen. Oder ich kann mir eingestehen, dass ich nicht gerne falsch liege und dann frustriert bin.
Aus meiner Sicht ist das eine Frage der Gleichzeitigkeit. Ich weiß, dass Fehler mich voran bringen. Und sie machen mich manchmal wütend. Beides gehört zu meiner Realität. Und oft hängt es auch von der Situation ab, von meiner Tagesverfassung und davon, wie stark sich ein Fehler auf mein Leben auswirkt. Manchmal sitzt nicht der Hulk in der Steuerkanzel, sondern der neugierige und kreative Teil in mir, der sagt: „Ach, ist ja spannend!“ Und dann fallen wir meistens in den nächsten Kaninchenbau und informieren uns über ein neues Thema.
Also nein, niemand muss sich über Fehler freuen, wenn die Zähne eigentlich knirschen. Neben Nachsicht mit mir und anderen Menschen hilft ein grundsätzlich offenes Bewusstsein dafür allerdings weiter. Und sei es nur einmal im Jahr am Tag der Fehler.
Für eine betriebliche Fehlerkultur bin ich auf diese charmante Methode aufmerksam gemacht worden:
Vorschlag für eine konstruktive #Fehlerkultur: Wir haben im Betrieb eine (virtuelle) Liste mit größeren und kleineren Fehlern, die im Lauf der Zeit so passiert sind.
Und es gilt das Versprechen: jede*r, der einen Fehler macht, der noch nicht auf dieser Liste steht, bekommt von mir einen Kuchen gebacken.
Der wird dann gemeinsam verzehrt und wir erzählen uns dann meist, was uns jeweils so passiert ist. Das ist ein sehr lustiges Kuchenessen. 1/x
Die Blogparade unter dem Stichwort #relevantgeht in die dritte Runde. Im August schreiben wir über Gedenktage, und heute am 8. August ist unter anderem der Tag der Unendlichkeit. Meine Katze wird es mir verzeihen, dass ich heute mal nichts über sie erzähle, hoffe ich. Denn außerdem ist auch Weltkatzentag, aber der ist in unserem Haushalt eigentlich immer 😉
Warum der 8.8. als Tag der Unendlichkeit?
Das Photo ist von Izabel 🏳️🌈 auf Unsplash. Und damit sollte schon ersichtlich sein, aus welchem Grund dieses Datum gewählt wurde: Die „horizontale Acht“ wurde 1655 von John Wallis als Zeichen für „unendlich“ eingeführt. Und eine doppelte Acht ist natürlich doppelt so passend.
Jean Pierre Ady Fenyo führte den „Infinity Day“ ein. Er wollte damit die allgemeine Bevölkerung zum philosophischen Denken animieren. Fenyo ist unter dem Spitznamen „Free Advice Man“ bekannt geworden, nachdem er zeitweise ohne festen Wohnsitz in New Yorkan einer Straßenecke als Philosoph seinen Rat gegen Spenden anbot.
Ich fand besonders spannend, dass dieser Gedenktag nicht ursprünglich mathematisch gedacht war. Obwohl natürlich Mathematik und Philosophie eine große gemeinsame Schnittmenge haben. Wobei das in meiner Liebeserklärung an die Mathematik gar nicht so ausdrücklich vorkommt. Aber genau wie die Philosophie sollte meiner Ansicht nach die Mathematik allen Menschen zugänglich sein.
Unendlichkeit in meinem Berufsalltag
Es gibt regelmäßig Berührungspunkte mit der Unendlichkeit. Spätestens, wenn meine Schüler:innen mir melden, dass ihr Taschenrechner „so etwas Komisches“ anzeigt. Irgendwas mit einem x und einer 10 und so. Leider sind manche Ergebnisse dermaßen klein oder groß, dass der Taschenrechner sie nur im wissenschaftlichen Format in die begrenzte Displayfläche quetschen kann.
2,5 x 10-26 zum Beispiel ist ausgeschrieben nun mal 0,000000000000000000000000025. Trotzdem fragen sie mich an der Stelle oft, ob sie das irgendwie umstellen können. Dabei ist diese Zahl sogar sehr wohl noch endlich, allerdings anscheinend schon unangenehm genug. Manchmal ist Mathematik Leben am Limit und 1 geteilt durch ∞ passt nur noch schwer in unsere Vorstellung.
Bei der Kurvendiskussion müssen sie dann allen Ernstes das „Verhalten von Funktionen im Unendlichen“ beschreiben. Auch da erlebe ich viel Augenrollen, Schnaufen und Empörung. Was soll das überhaupt heißen? Für mich ist hier wieder die Gelegenheit zu einer kleinen Pantomime:
Dennoch scheint es nicht offensichtlich, wofür die Grenzwerte von Funktionen bei unendlich großem x gut sind. An meinem Plädoyer dafür arbeite ich entsprechend noch, oft nähern wir uns dem Problem mit dem Auftrag: „Gib mal für x eine große Zahl ein.“ Und dann sehen wir, ob der Funktionswert in Richtung +∞ („nach oben“) oder -∞ („nach unten“) geht. Oder eventuell auch gegen Null („an die X-Achse heran“).
Darüber hinaus steht zwischenzeitlich die Überlegung im Raum, dass ein Vielfaches von ∞ immer noch ∞ ist. Irgendwie anders, aber trotzdem unendlich groß. Auch das kommt nicht bei allen Beteiligten gut an. Warum es tatsächlich Unendlichkeiten gibt, die größer sind als andere, erklärt dieses Video anschaulich und unterhaltsam.
Unendlichkeit in endlichen Gehirnen
Dass meine Schüler:innen sich so oft so sträuben, hat Gründe. Wir haben zwar ein komplexes Bewusstsein, aber immer noch nur endliche Gehirne. Außerdem haben wir nur endlich viel Zeit und sogar beim Universum sind wir nicht sicher, ob es unendlich ist. Das Konzept Unendlichkeit ist mathematisch hilfreich und sogar notwendig. Aber wir können nicht mal eben bis Unendlich zählen. Selbst wenn wir als Kinder vielleicht auf solche Ideen kommen.
Die Endlichkeit ist fester Bestandteil des Lebens. Besonders in Regionen mit Jahreszeiten erleben wir sie regelmäßig, wenn sich zum Herbst die Natur um uns herum zum Kompostieren zurück zieht. Nebenbei und passenderweise ist heute auch der Memento-Tag, an dem wir unserer Vergänglichkeit gedenken.
Gleichzeitig scheint sich dieser Rhythmus von Werden und Vergehen unendlich zu wiederholen. Es bleibt paradox und es ist kein Wunder, dass in unterschiedlichen Kulturen unterschiedliche Vorstellungen vom Lauf der Zeit entwickelt wurden.
Ob die Zeit des Universums nun linear oder zyklisch ist, werden wir wohl nicht persönlich heraus finden. Allerdings bin ich überzeugt, dass es unserem Denken gut tut, von Zeit zu Zeit die Grenzen auszutesten und sich ein bisschen in Richtung Unendlichkeit zu strecken. Und sei es nur, um angesichts unserer Vergänglichkeit das Leben und die einfachen Dinge mehr zu schätzen zu wissen. Und um in Fenyos Sinne unseren philosophischen Muskel zu trainieren.
Tja, und manchmal brauchen wir ein minimales Verständnis der Unendlichkeit einfach nur für die nächste Klausur 😉 Wie ist deine Erinnerung an das Thema im Mathematik- oder Philosophieunterricht? Oder feierst du heute doch lieber den Glücklichsein-Ist-Machbar-Tag?
Vor zwei Jahren fand Blog Your Purpose statt. Bei dieser Blogparade, mal wieder angeschoben von Judith Peters, schrieben wir über unsere Bestimmung. Ganz schön hochgehängt, dachte ich damals. Heute blicke ich zurück, wie sich das Thema für mich entwickelt hat und erkläre, was ich mit meinen Blogbeiträgen bewirken will.
An dem, was ich der Welt hinterlassen will, hat sich nicht viel geändert. Allerdings hat sich meine Haltung zu meinem Blog verschoben. Seit ich selbstbestimmter blogge, tragen auch meine Artikel hier deutlich gezielter zu meiner Bestimmung bei.
Informieren
Mit meinen Blogbeiträgen habe ich keinen genauen Plan. Im Entwürfeordner sammle ich Ideen und arbeite sie ab, wenn mir nach Schreiben zumute ist. Und gleichzeitig sind einige Artikel darunter, die auf verschiedenen Ebenen informieren. Das ergibt sich einfach organisch im Prozess.
Zum Beispiel meine Reihe zum Mathematik-Abitur. Da fasse ich für Menschen im Prüfungsstress zusammen, welche Aufgabentypen mit großer Wahrscheinlichkeit vorkommen und wie sie zu bearbeiten sind.
Diese Informationen sind kein Selbstzweck. Am Ende geht es mir darum, auf meine Weise und mit meinen Kompetenzen zu einem möglichst freien, gerechten und nachhaltigen Miteinander beizutragen. Oder wenigstens für die eine oder andere Person dafür zu sorgen, dass das Abi ein bisschen leichter läuft.
In Sachen Selbstfürsorge ein Vorbild sein
Viele meiner Blogbeiträge sind persönlich. Ich berichte über Lektionen, die ich aus meinem Leben ziehe, über das, was nicht so gut klappt, und das, was mich erfreut. Gerade in diesen Zeiten der Hochglanzposts in den sozialen Medien lese ich selbst gerne Zeugnisse von echten Menschen, von dreidimensionalen Persönlichkeiten. Am schönsten ist es, wenn ich dann bei einem anderen Menschen an einer kleinen Facette andocken kann.
Dabei ist Selbstfürsorge bewusst eine meiner Kategorien. Wenn wir eine gute Welt bewirken wollen, hilft es, wenn wir zuallererst gut zu uns sind. Das war einer der zentralen Punkte des Blogbeitrages über meine Bestimmung.
Entsprechend möchte ich mit meinen Blogbeiträgen bewirken, dass Menschen auch wieder sie selbst sein wollen. Oder überhaupt erstmal herauszufinden, wer sie sind und was sie wollen. Und das dann (natürlich innerhalb ihrer persönlichen Grenzen) unerschütterlich zu leben. Um damit dann wieder für Andere gute Vorbilder zu sein.
Menschen zum Nachdenken anregen
Manche Blogbeiträge schreibe ich, wenn es bei mir im Alltag geknirscht hat. Dann denke ich oft über die vielen Wege nach, auf denen wir Menschen unsere Realität verzerren, um Spannung im eigenen Gehirn abzubauen. Während ich selbst über diese Mechanismen lerne, will ich andere Personen mitnehmen.
Natürlich bewirken meine Artikel nicht, dass zum Beispiel der Umgang mit kognitiver Dissonanz bei uns allen auf wundersame Weise nur noch konstruktiv sein wird. Trotzdem sehe ich diese Blogbeiträge als kleine Steinchen, die ich an meinem Ende des Teiches ins Wasser werfe, sodass sie möglichst weite Kreise ziehen.
Gerade bei polarisierenden Themen ist es mir wichtig, dass klar wird, wieso sie überhaupt so oft medial vorkommen, wem sie nützen und warum wir uns so leicht von ihnen emotionalisieren lassen. Genauso schreibe ich immer wieder über gesellschaftliche Entwicklungen, die mir zum Teil Sorgen machen, wie im Bereich der KI.
Ich will Menschen inspirieren, über ihre eigenen mentalen Ausweichstrategien nachzudenken und diese Verzerrungen bei Anderen zu erkennen und die Probleme bei der einen oder anderen Technologie zu benennen. Denn wenn wir nicht darüber reden, wird es garantiert nicht besser.
Meine Stimme nutzen
Letzlich nutze ich meinen Blog dazu, dass ich nicht leise bin angesichts der diversen Krisen. Zusätzlich zu den Briefen, die ich an Sendeanstalten und Politiker:innen schreibe, und zu Demonstrationen, wenn mein Energiehaushalt das zulässt, beziehe ich hier klar Stellung.
Auch das Stichwort „Haltung“ ist eine meiner Blog-Kategorien. Ich will nicht nur unterhalten und nicht nur für mich schreiben, was mir gerade durch den Kopf geht. Ich will meinen Standpunkt klar machen und mit meinen Blogbeiträgen bewirken, dass andere Personen den Mut finden, auch Haltung zu zeigen.
Ich habe es aufgegeben, in den sozialen Medien Menschen nachhaltig zu erreichen. Dort ist meiner Erfahrung nach die Kommunikation zu schnellebig und viel zu polarisiert. Das heißt aber nicht, dass ich mich offline verkrümeln werde. Dieser Blog ist meine Plattform, auf der meine Worte so lange stehen bleiben, wie ich das möchte. Das nicht zu nutzen, wäre aus meiner Sicht verschenktes Potential.
Ich will tatsächlich eine bessere Welt hinterlassen. Durch meine Anwesenheit und mein Wirken, und zwar konkret und erreichbar:
Menschen, die mehr im Einklang mit sich selbst sind.
Menschen, die auf der Basis solider Fakten nachhaltig handeln und daraus ein positives Lebensgefühl entwickeln.
Meinen Beitrag zu einem Planeten, auf dem auch in Zukunft Menschen noch gut leben können. Vernetzt mit allen anderen Lebewesen.
Das sehe ich heute noch genauso. Allerdings habe ich seitdem für mich beschlossen, meinen Blog nicht mehr auf mein Unternehmen auszurichten. Erstens, weil es sowieso kein Online-Business ist und diese ganzen Funnelgeschichten und Sichtbarkeit für mehr Umsatz gar nicht mein Ziel sind. Zweitens, weil mich diese gefühlten „Normen“ für einen „ordentlichen“ Businessblog eingeengt haben.
Heute will ich all das nicht mehr nur mit meinem privaten Verhalten und meinem Nachhilfeunterricht erreichen. Heute steht auch ganz bewusst mein Blog für dieses Vermächtnis. Das ist es, was ich ich mit meinen Blogbeiträgen bewirken will. Und wenn das hochgehängt ist, dann ist es auch gut so.
Wie sieht es bei dir aus?
Hast du eine Absicht hinter deinen Blogbeiträgen? Was möchtest du dieser Welt hinterlassen und wo siehst du deine Bestimmung?
Die Bilder für die Ausgabe Projekt52 August 25 hatte ich extrem schnell beisammen. Die Themen, die Sari vom Heldenhaushalt für diesen Monat ausgelost hatte, passten einfach alle wunderbar zum WOA 25.
Wenn du möchstest, bist du jederzeit herzlich eingeladen, noch einzusteigen. Je nachdem, wie viele ganze Wochen der Monat hat, gibt es immer vier oder fünf Themen zum Kreativwerden.
Am Ende will ich 52 Beiträge in einem Blogbeitrag zusammengefasst präsentieren. Du kannst meinen aktuellen Bildern auch auf Pixelfed folgen.
Die Beiträge zum Projekt52 August 25
Bunt
In der Nachbarschaft hatten sich manche Menschen eine bunte Mischung an Getränken bereit gelegt. Hoffentlich hat das geholfen, die Campingstrapazen ein bisschen wacher zu überstehen.
Holz
Im Wackinger-Bereich ist die Deko immer extra gemütlich. Und außerdem gibt es dort das beste Essen.
Mehr als genug
Regen hatten wir wirklich reichlich. Dieser unglaublich klebrige Matsch hilft ganz fantastisch, wenn jemand entschleunigen will. Andere fahren dafür um die halbe Welt zu irgendwelchen Retreats, in Norddeutschland muss ich dafür nur auf das richtige Wetter warten.
Nordisch
Und noch ein Bild aus dem Wackingerbereich, das ich auch fast für „Holz“ genommen hätte. Insgesamt gab es dort eine Menge geschnitzter Skulpturen. Und eine Menge Helme.
Kino
Mich hat diese Szene etwas überrascht. Jedenfalls konnte ich mich nicht daran erinnern, dass die Trooper irgendwann mal eine lustige Rocknummer dazwischen geschoben hätten.
Meine bisherigen Beiträge für Projekt52
Seit Januar habe ich bisher noch kein Thema ausgelassen:
Außer auf meinem Blog findest du meine P52-Beiträge auch auf Pixelfed. Wenn du mir auch dort folgst oder wenn dich das motiviert, auch von Instagram dorthin zu wechseln, würde ich mich sehr freuen!
Im September werde ich vermutlich nicht schon nach vier Tagen alle meine Bilder einreichen können. Aber wer weiß und es stehen wieder so inspirierende Themen auf dem Zettel.