Den Beitrag zum Inktober 26 habe ich deutlich schneller geschrieben als den über das frühe Schlafengehen. Meine Monatschallenge im Oktober hat mich einfach emotional mehr angeregt und ich habe dazu auch mehr zu erzählen.
Meine Monatschallenges sollen dazu beitragen, dass ich in kleinen abgeschlossenen Zeitfenstern Gewohnheiten eine Chance gebe, sich in meinem Leben zu etablieren. Langfristig unverbindlich, aber für den jeweiligen Monat sehr ernst gemeint. Abgeguckt habe ich mir die Idee von Astrid Engel. Sie schreibt zum Beispiel im November jeden Tag eine ABC-Liste nach Vera Birkenbihl.
Warum wollte ich am Inktober 26 teilnehmen?
Diese Zeichenchallenge findet seit 2009 jedes Jahr statt. Um Menschen in eine kreative Routine zu bringen, gibt Jake Parker dafür immer eine Liste mit 31 Begriffen heraus. Die sind nicht verpflichtend, es geht nur darum, dass die Teilnehmenden jeden Tag etwas zeichnen oder malen.
Die Werke müssen auch nicht mit Tinte gemacht werden. Unter dem entsprechenden Hashtag finden sich genauso Aquarelle oder digitale Bilder. Manches davon ist wirklich sehr kunstvoll und aufwändig und manches eher minimalistisch. Alleine das Durchscrollen fand ich sehr bereichernd.
Ein wichtiger Punkt ist es, sich nicht zu vergleichen. Und nicht zu denken „Oha, das sieht jetzt aber nicht so toll aus, das veröffentliche ich nicht.“. Der Inktober ist eine tolle Übung gegen Perfektionismus und für einen liebevollen Umgang mit sich selbst. Wie das bei mir geklappt hat, dazu später mehr.
Letztes Jahr habe ich auch schon teilgenommen. Damals noch auf der originalen Promptliste basiert, aber schon mit Zentangle-Mustern ausgedrückt. Meine Beiträge von 2025 habe ich auch hier verbloggt.
Im Original kommt Zentangle aus den USA. Es gibt inzwischen allerdings weltweit Ableger, unter anderem auch eine deutsche Zentangleseite. Es geht dabei um eine Art meditatives Musterzeichnen. Die Ergebnisse sind oft sehr ästhetisch ansprechend und wirken durch die verwendeten Techniken plastisch, fast dreidimensional.
Mich fasziniert es, dabei zuzusehen, wie meine Hand Striche, Bögen und Kreise auf das Papier malt und an einem Punkt dabei ein komplex wirkendes Muster entsteht, dem kaum noch anzusehen ist, wie einfach es zu zeichnen war.
Der zweite magische Moment ist das Schattieren. Plötzlich treten dabei Teile der Muster in den Hinter- und Vordergrund. Es ist schwer in Worte zu fassen, aber immer erfreulich.
Wie bin ich für den Inktober vorgegangen?
Die Prompt-Liste
Kurz vor Ende September bin ich über eine „offizielle“ Liste mit Zentangle-Prompts für den Inktober 26 gestolpert. Das war natürlich ideal und an der Stelle habe ich beschlossen, mich ganz von Jake Parkers Begriffen zu lösen. Denn Zentangle ist von sich aus abstrakt gemeint und es passt in den meisten Fällen eher nicht so gut zu konkreten Wörtern.
Die Liste von Stephanie Jennifer enthielt 31 verschiedene Tangles. Und zwar unterschiedlich komplex, organische genauso wie geometrisch an Rastern ausgerichtete Muster. Manche fand ich schwierig, manche gar nicht schön, andere richtig zauberhaft und ein paar habe ich ganz neu kennen und schätzen gelernt.



Das Material
Ich bin eine große Freundin davon, Dinge zu verwenden, die ich schon habe. In meinem Regal lagerten noch mehrere Blätter festes Recyclingpapier. Die A4-Bögen habe ich einfach jeweils in sechs Stücke geschnitten. So wurden sie zwar nicht offiziell quadratisch, aber ich hatte keinen Verschnitt. Das habe ich 2025 auch schon so gehandhabt.
Das Muster des Tages habe ich dann mit einem Fineliner gezeichnet. Mit einem weichen Bleistift habe ich Schatten eingefügt und mit einer Estompe etwas verwischt. (Dass das Teil so heißt, habe ich bei der Recherche für diesen Beitrag erst realisiert. Im Zentangle werden eigentlich Tortillons verwendet, aber wichtig ist nur, dass das Graphit auf dem Papier verteilt wird.)
Extrainformationen und Inspiration
Es gibt eine Fülle von Blogs und Videos zum Thema. Tanglepatterns präsentiert so ziemlich alle verfügbaren Muster systematisch. Zusätzlich schlage ich immer gerne den Namen eines Musters einfach per Online-Bildersuche nach. Denn der persönliche Ansatz macht aus der ursprünglichen Zeichenanleitung immer ein sehr individuelles Ergebnis und ich finde es faszinierend, diese sehr unterschiedlichen Herangehensweisen zu vergleichen.
Außerdem habe ich ein paar YouTube-Kanäle neu abonniert, unter anderem den von Becky Harley. Statt lauter einzelne Stücke Papier zu verwenden, hat sie einen A3-Bogen Aquarellpapier zunächst in Grün, Blau und Violett eingefärbt und dann mit Bleistift ein rundes Raster aufgezeichnet. Ich habe jeden Tag verfolgt, wie sie das Tagesmuster in dieses große Gesamtwerk eingearbeitet hat.
Letzlich habe ich meine Einzelbilder relativ minimalistisch als sogenannte Monotangles gezeichnet. Das sind Bilder, die jeweils nur ein Muster verwenden und darüber hinaus nur einfache Verzierungen wie extra Striche (Auras genannt) und kleine Kreise.
Inktober Tangles 26 – Einsichten
Perfektionismus ist eine hartnäckige Gewohnheit. Ich gebe zu, ich habe mindestens so viele Bilder in den Papierkorb geworfen wie es am Ende auf mein Pixelfedprofil geschafft haben. Manchmal habe ich kurz nicht aufgepasst und mich im Rhythmus eines Musters vertan. Manchmal fand ich das Ergebnis einfach sehr unästhetisch.
Eigentlich gilt bei Zentangle, dass es keine Fehler gibt. Es geht um Selbstannahme und Freude am Tun, nicht um das „richtige“ Aussehen. Gleichzeitig wollte ich nichts veröffentlichen, was meiner Meinung nach doof aussah.



Beim dritten Bild in dieser Reihe habe ich eins der Teilquadrate falsch ausgerichtet. Mir fiel es ganz zum Schluss auf. Und das war der Moment, in dem ich mir sagte: „Okay, das ist jetzt von der Sache her eigentlich falsch, ich mag das Bild aber trotzdem und ich zeichne das jetzt ganz sicherlich nicht nochmal von vorne.“
Da war ich stolz auf mich, dass ich nicht auf die innere Kritikerin gehört habe, die richtig hibbelig auf und ab hopste. Ich bin auch super zufrieden mit mir, dass ich mich an die Prompt-Liste gehalten habe. Obwohl ich vorher schon „wusste“, dass ich einige der Muster nicht mochte. Da hat auch ein Teil meines Inneren Teams gequietscht.
Denn eine Lektion aus dem Inktober ist es, die Komfortzone zu verlassen. Sich mal auf etwas einzulassen und nicht über alles die Kontrolle zu haben. Das tut mir ab und an richtig gut. Und gleichzeitig ist es eine feine Sache, dass diese Challenge mal wieder auf einen Monat begrenzt war, ich also in einer absehbaren Zeit wieder in meine Komfortzone zurück konnte.
Was ich in den November mitnehme
Glücklicherweise merkte ich durch meine neuen YouTube-Abos schnell, dass es im November eine weitere Zentangle-Aktion gibt. Und zwar sind das die „GratitangleZ 2026“. Diese Challenge geht eigentlich auf eine Facebookgruppe zurück, daher freue ich mich sehr, dass viele Tanglerinnen die täglichen Prompts außerhalb von Meta mitteilen. So kann ich weiterhin täglich ein bisschen zeichnen.



Der November ist wohl traditionell in den USA ein Monat der Dankbarkeit. Das verbindet sich für mich ganz fantastisch damit, wie viel Spaß mir der Inktober 26 gemacht hat. Für die GratitangleZ habe ich mir jetzt auch ein Raster mit Drehsymmetrie vorgezeichnet, allerdings auf einem A4-Blatt und aktuell ohne Aquarellhintergrund.
Für künftige Zentangle-Monatschallenges habe ich aber vor, mal etwas mehr Farbe zu verwenden. Vor allem auch für den Inktober 27. Der kann meiner Meinung nach gar nicht schnell genug kommen. Ich bin sowieso schon ein großer Herbstfan. Aber mit so erfreulichen Tagesaufgaben ist das alles doppelt so schön!
Meine bisherigen Challenges
„Inktober 26“ war mein zehntes Monatsprojekt. Bisher habe ich
- im Januar alte Lebensmittelvorräte aufgebraucht
- mich im Februar jeden Tag sportlich betätigt
- im März versucht, jeden Tag Müll zu sammeln
- im April den Frühstückskaffee gegen Tee getauscht
- im Mai jeden Tag getanzt
- im Juni jeden Tag Musik gemacht.
- im Juli jeden Tag Vokabeln gelernt
- im August jeden Tag meine Hörbuchapp genutzt und
- im September war ich jeden Abend früh im Bett.
Was davon hängen geblieben ist: Das Teetrinken, die Tanzpausen, das Hörbücherhören und auch das frühere Zubettgehen. Vokabeln lerne ich auch noch, aber nicht konsequent täglich. Der tägliche Sport, abgesehen vom Tanzen, wird 2027 dann wieder ins Programm aufgenommen.
Auf jeden Fall hatte ich viel Spaß mit meinen Challenges. Und ich habe wieder etwas über mich gelernt und auch geübt, den Faden wieder aufzunehmen, wenn ich ihn mal losgelassen hatte. Das ist bei mir oft der größte Haken überhaupt am Einüben von Gewohnheiten.
Hast du auch am Inktober 26 teilgenommen?
Wie waren deine Erfahrungen? Und wo hast du deine Ergebnisse öffentlich geteilt? Hast du dich auch schon mal mit Zentangle befasst? Oder zeichnest du lieber Bilder passend zur Original-Inktober-Prompt-Liste?
Im November 26 heißt meine Monatschallenge „Nur Musik von/mit Frauen hören“.
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