Mein Plan mit den Monatschallenges geht noch erfolgreicher auf als gedacht. Seit Anfang 2026 setzt ich mir jeden Monat ein überschaubares und gleichzeitig attraktives Ziel, um endlich mal alle die Dinge, die ich schon ewig machen wollte, für eine begrenzte Zeit unverbindlich auszuprobieren. Die Hoffnung ist, dass wenigstens ein Teil davon als längerfristige Gewohnheit hängenbleibt. Im Juli 2026 hieß die Aufgabe: Jeden Tag Vokabeln lernen.
Die Idee stammt ursprünglich von Astrid Engel. Im August widmet sie sich den in altdeutscher Schrift geschriebenen Tagebüchern ihrer Großmütter, was ich wirklich schön finde. Dieser Beitrag erklärt, was meine Absicht hinter dem Projekt „Jeden Tag Vokabeln lernen“ war, wie die Challenge gelaufen ist, und was ich dabei eventuell sogar gelernt habe.
Warum wollte ich jeden Tag Vokabeln lernen?
Die Eule und die Aliens
Ich lerne generell gerne. Und im März habe ich „nur kurz zum Ausprobieren“ den Dänischkurs von Duolingo begonnen, später zum Auffrischen Französisch und Latein, danach Klingonisch und zuletzt den Schachkurs. Dänisch ist wie ein Cousin von Deutsch und Englisch und die meisten Wörter und Ausdrücke sowie auch die Grammatik finde ich einleuchtend. Entsprechend gut kann ich sie mir merken.
Klingonisch ist eine künstliche Sprache. Der Sprachwissenschaftler Marc Okrand hat sie für die Filmgesellschaft Paramount erfunden. Ähnlich wie Deutsch lassen sich Klingonische Wörter direkt so vorlesen, wie sie geschrieben sind, sofern jemand die Laute zu den einzelnen Buchstaben kennt.
Allerdings sind Eselsbrücken eher zufällig. So heißt „Such“ besuchen und „peng“ Torpedo. Aber im Allgemeinen fällt es meinem Gehirn schwer Zusammenhänge zu knüpfen und damit kann ich mir die Vokabelbedeutungen nur sehr lose merken.
Die Struktur von Duolingokursen kommt mir dabei nicht entgegen. Es geht relativ zügig voran und ich habe immer die Möglichkeit, mit dem Mauszeiger über einem Wort zu schweben, um mir die Übersetzung anzeigen zu lassen. Das ist natürlich verführerisch und ich merke, dass ich immer wieder nochmal im Kurs zu früheren Lektionen zurück kehren muss, weil mir Vokabeln wieder verloren gegangen sind.
Die Grammatik ist im Vergleich mit irdischen Sprachen ungewöhnlich. Der Satzbau folgt der Reihenfolge „Objekt – Prädikat – Subjekt“. Außerdem bekommen Verben oft Vorsilben, die klarstellen, wer mit wem etwas macht. Sehen heißt zum Beispiel „legh“. „Ich sehe Dich“ heißt „qalegh“, „Er sieht uns“ heißt „nulegh“. Auch diese Vorsilbentabelle ist für mich eine Herausforderung, um es höflich zu sagen.
Vorbildfunktion
Es kommt oft vor, dass ich meinen Schülerinnen Karteikarten als Lernmethode empfehle. Der Lerneffekt dabei ist lange erprobt und basiert darauf, dass Lerninhalte aktiv aus dem Gedächtnis abgerufen werden müssen. Bei der weit verbreiteten Leitner-Methode kommt noch der Effekt dazu, dass die Abfragen bei erfolgreichen Antworten zeitlich immer weiter auseinander gezogen werden. So werden schlecht sitzende Informationen automatisch öfter wiederholt als gut abgespeicherte.
Das Ganze lässt sich mit digitalen Karten genauso gestalten wie mit echten Pappkarten. Beides hat Vor- und Nachteile: Digitale Vokabeln lassen sich auf elektronischen Geräten leicht mitnehmen und sehen meistens hübscher aus. Allerdings hat das Schreiben von Hand auch schon einen eigenen ersten Lerneffekt.
Für den Juli 2026 habe ich beschlossen, ein Vorbild zu sein und das, was ich anderen vorschlage auch selbst zu probieren. Als Schülerin hatte ich in den späten Achtzigern und frühen Neunzigern sogar wirklich einen Karteikasten mit verschieden großen Fächern für das klassische Leitner-Prinzip. Und warum sollte das Kärtchendrehen jetzt für mich auch nicht mehr funktionieren?
Wie bin ich vorgegangen?
Ich habe mich für echte Karten aus festem Papier entschieden. Und zwar die in der Größe DIN A8, weil ich nur wenig drauf zu schreiben hatte und sie auch an andere Orte als mein Arbeitszimmer mitnehmen wollte.
In Duolingo habe ich bis ganz zum Anfang des Kurses zurückgescrollt, Einheiten wiederholt und währenddessen alle neuen Vokabeln auf Kärtchen geschrieben. Dabei kam eine unerwartet große Zahl an Wörtern zusammen. Entsprechend musste ich sogar noch ein paar Päckchen Karteikarten nachkaufen.

Beim eigentlichen Lernen bin ich nicht nach Leitner vorgegangen. Stattdessen bin ich immer den ganzen Stapel durchgegangen, unter anderem, weil ich keinen Kasten dafür habe. Dafür habe ich meine Vokabeln mit nach Wacken genommen und die Monatschallenge bis zum 1. August verlängert. Vormittags standen ja keine Konzerte an und so konnte ich die Zeit im Schatten neben meinem Zelt gut nutzen.
Die erwähnten Vorsilben und Nachsilben für Objekt-Subjekt-Beziehungen und Imperativformen habe ich mir als Tabelle aufgeschrieben und die Seite Thlingan.org als reichen Informationsschatz für mich entdeckt. Diese Inhalte gehen über das reine Vokabelnlernen hinaus.
Jeden Tag Vokabeln lernen – Einsichten
Manche Vokabeln wusste ich fast von Anfang an auswendig, anderen fallen mir hartnäckig schwer und ich kann nicht sagen, wo der Unterschied herkommt. Es war vermutlich auch keine hilfreiche Idee, so eine große Zahl Karten zu beschreiben. Stattdessen hätte ich mir einen Gefallen getan, hätte ich mit einer kleinen Portion angefangen und diese dann bei sicherem Lernfortschritt erweitert. Da ist mir beim Erstellen der Karten einfach die Faszination durchgegangen.
Ich stelle auf jeden Fall fest, dass ich bei Duolingoeinheiten weniger oft mit dem Mauszeiger nachgucken muss, was etwas heißt. Für die schiere Masse an Vokabel brauche ich allerdings viel länger als einen Monat.
Auf der anderen Seite hat mir das Lernen mit den Kärtchen Spaß gemacht. Es ist nochmal etwas anderes, wenn ich Lernmaterialien selbst gestalte und in die Hand nehmen kann. Diese Lernmethode und die Inhalte von Thlingan.org sind eine effektive und sinnvolle Ergänzung zum Duolingokurs. Vermutlich werde ich auch irgendwann einmal Extrainformationen und Übungsmöglichkeiten zum Thema Schach recherchieren.
Was ich in den August mitnehme
Die meisten Vokabeln aus meinem Stapel beherrsche ich noch nicht sicher. Also werde ich auch weiterhin damit lernen, allerdings mittelfristig mit mehr System. Ich brauche zwar im meinem Alltag keinerlei Klingonischkenntnisse, allerdings werde ich meine Erfahrungen mit dem Kartenlernsystem in meinen Nachhilfeunterricht einfließen lassen.
Damit ich mir nicht mit großen Bastelüberlegungen selbst im Weg stehe, werde ich mir wohl eine kommerzielle Box zulegen. Das hat auch den Vorteil, dass ich dazu gezwungen bin, erst einmal wieder mit einer kleinen Zahl Karten neu zu beginnen. Und vielleicht schaffe ich es mit den sehr kleinen Einheiten, mein Projekt „jeden Tag Vokabeln lernen“ beizubehalten,
Meine bisherigen Challenges
„Jeden Tag Musik machen“ war mein sechstes Monatsprojekt. Bisher habe ich
- im Januar meine Vorratsregale und -schubladen durchforstet und Lebensmittel aufgebraucht, damit sie nicht schlecht werden
- mich im Februar jeden Tag sportlich betätigt
- im März versucht, jeden Tag Müll zu sammeln
- im April den Frühstückskaffee gegen Tee getauscht
- im Mai jeden Tag getanzt
- und im Juni jeden Tag Musik gemacht.
Auch jetzt noch trinke ich weiterhin morgens Tee. Und es kommen auch oft Tanzpausen und Musikeinheiten im meinem Alltag vor. Leider mache ich nicht mehr jeden Tag Sport, aber das Fädenaufnehmen an sich übe ich konsequent.
Wie lernst du Vokabeln, wenn überhaupt?
Lernst du aktiv eine oder mehrere Sprachen? In der Schule, für Beruf oder Urlaub oder für dich ganz privat?
Und was ist dieLernmethode, mit der du am besten zurecht kommst?
Im August heißt meine Monatschallenge „Jeden Tag Bookbeat hören“. Denn ich möchte nicht mehr länger für ein Abo zahlen, ohne es zu nutzen. Und dort wartet ein weiterer interessanter Lesestapel auf mich, nur hier in digitaler Version.

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