Mein Vorhaben, den ganzen September früh ins Bett zu gehen, war schon meine neunte Monatschallenge. Für das kommende Jahr steht fest, dass ich mir wieder zwölf solche überschaubaren und abgeschlossenen Ziele setzen werde.
Dabei habe ich ausdrücklich die Freiheit, am Ende eines Monats die neue Gewohnheit gleich wieder abzulegen. Gleichzeitig beibe ich den jeweiligen Monat über sehr ernsthaft am Ball. Abgeguckt habe ich mir die Idee von Astrid Engel. Sie schreibt zum Beispiel im November jeden Tag eine ABC-Liste nach Vera Birkenbihl.
Warum wollte ich jeden Tag früh ins Bett gehen?
Gründe dafür gibt es viele. Es zeigt sich immer wieder, dass zu spätes Einschlafen mit Übergewicht und mentalen Problemen zusammenhängt. Dabei kommt es nicht zwingend auf die konkrete Einschlafzeit an, sondern auf die gesamte Dauer des ungestörten Schlafes.
Mein Problem dabei ist, dass ich generell früh wach werde. SChon als Kind habe ich relativ wenig geschlafen und auch als Jugendliche nie, wie bei anderen üblich, die Augen erst kurz vor Mittag geöffnet. Wenn ich also spät einschlafe, bekomme ich also immer zu wenig Schlaf.
Leider habe ich einen Hang zur sogenannten „Bedtime Prokrastination“. Es gibt immer noch das eine oder andere Video auf YouTube und auch wenn sie im Einzelnen immer nur fünf bis fünfzehn Minuten lang sind, sie summieren sich einfach auf.
Dann noch einmal „kurz“ ins Fediverse geschaut, das zwar keinen süchtig machenden Algorithmus hat, aber lauter spannende Menschen aus aller Welt. Und schon ist es wieder weit nach Mitternacht, obwohl ich weiß, dass das meine allgemeine Müdigkeit nicht verbessern wird.
Es half also nichts, ich brauchte eine gesündere Einschlafgewohnheit. Und am besten nicht nur vorübergehend, sondern diesen Monat mal nachhaltiger.
Wie bin ich vorgegangen?
Immerhin habe ich schon länger eine Abendroutine. Ich räume abends den Wohnzimmertisch auf, weil es mich früher genervt hat, am Morgen von Krimskrams begrüßt zu werden. Und ich habe mich schon daran gewöhnt, mein Smartphone abends auszuschalten und auf die Flurkommode zu legen, damit ich morgens nicht leicht Zugriff darauf habe,
Was mir fehlte, war im Grunde nur ein Signal. Auf dem Smartphone habe ich mir für 22 Uhr einen Alarm eingerichtet, um die Abendroutine einfach eher zu starten und so früh ins Bett zu gehen. Allerdings habe ich mir offen gelassen, ob ich dort dann einschlafe, oder noch etwas lese.
Und das war es auch schon. Ein akustisches Signal, und etwas Bereitschaft, das Ganz für einen Monat lang auszuhalten. Natürlich gab es auch extra digitales Konfetti von meiner Habittrackerapp.
Jeden Tag früh ins Bett – Einsichten
So ergab sich ein netter und unerwarteter Nebeneffekt. Im September habe ich deutlich mehr Zeit zum Lesen gefunden als sonst. Früher war das für mich normal. Aber ich fürchte, mit meinem Smartphone habe ich mir angewöhnt, mein Dopamin beim Lesen auf dem kleinen Bildschirm zu holen. Ob Doomscrolling oder Bloomscrolling, die Zeit dafür geht von anderen Tätigkeiten ab.
Es hat nicht lange gedauert, bis ich abends schon vor dem Alarm das Bedürfnis hatte, die Tischfläche aufzuräumen. Auf keinen Fall habe ich mich im Bett lange herum gewälzt, eher im Gegenteil. Normalerweise brauche ich ziemlich lange zum Einschlafen, aber früh ins Bett zu gehen scheint das für mich zu verkürzen.
Dass ich mich weniger müde fühle, hat mich nicht überrascht. Auch wenn ich nicht so startbereit aufwache wie noch vor der Coronainfektion vor drei Jahren. Außerdem bin ich natürlich zufrieden mit mir, wenn ich so viel liebevoller mit mir umgehe.
Und immerhin bin ich nicht, wie leise befürchtet, noch früher aufgewacht als sonst. Das bedeutet wirklich mehr Schlafzeit und mehr Regeneration. Auf jeden Fall war der Zugewinn wertvoller als der Verlust an all diesen spannenden Dingen, die ich spät abends noch hätte recherchieren oder ansehen können.
Was ich in den Oktober mitnehme
Dieser Artikel geht erst am 31. Oktober raus. Wenigstens kann ich dadurch jetzt schon sagen, dass ich zwar nicht mehr jeden Tag brav und pünktlich um 22 Uhr meinen Sessel im Wohnzimmer geräumt habe. Aber die Tendenz dazu deutlich früh ins Bett zu gehen, hat sich wie von selbst erhalten.
Das macht mir Hoffnung, dass diese Monatschallenge auch zu einer langfristigen Gewohnheit führen wird. Nur, dass ich nach dem September 26 auch mal Ausnahmen mache.
Meine bisherigen Challenges
„Jeden Tag früh ins Bett“ war mein neuntes Monatsprojekt. Bisher habe ich
- im Januar meine Vorratsregale und -schubladen durchforstet und Lebensmittel aufgebraucht, damit sie nicht schlecht werden
- mich im Februar jeden Tag sportlich betätigt
- im März versucht, jeden Tag Müll zu sammeln
- im April den Frühstückskaffee gegen Tee getauscht
- im Mai jeden Tag getanzt
- im Juni jeden Tag Musik gemacht.
- im Juli jeden Tag Vokabeln gelernt
- im August jeden Tag meine Hörbuchapp genutzt
Auch jetzt noch trinke ich weiterhin morgens Tee. Und es kommen auch oft Tanzpausen und Musikeinheiten im meinem Alltag vor. Der tägliche Sport ist am nachhaltigsten eingeschlafen, allerdings bin ich immer noch dabei, meinen digitalen Hörbücherstapel abzuschmelzen.
Gehst du auch früh ins Bett?
Prokrastinierst du auch abends vor dich hin? Oder hast du eine gesunde Schlafroutine entwickelt? Wenn ja, ging das von selbst oder hast du Tipps und Erfahrungen, die du teilen magst?
Im Oktober heißt meine Monatschallenge „Jeden Tag am Inktober teilnehmen“. Den Beitrag dazu gibt es dann in ein paar Tagen.
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