Jeden Tag Hörbuchapp – Meine Challenge im August 26

Eine Frau in Regenjacke steht in einer Landschaft und trägt einen Kopfhörer, mit dem sie ihre Hörbuchapp hört

Jetzt blicke ich auf neun Monatschallenges zurück und bin begeistert. Das Projekt wird nächstes Jahr garantiert wiederholt. Ich habe mich von Astrid Engel inspirieren lassen und für jeden Kalendermonat eine mehr oder weniger kleine neue Gewohnheit im Alltag mitlaufen lassen. Und im August 26 stand meine Hörbuchapp auf dem Prüfstand.

Ähnlich wie bei den ToWants will ich mit den Challenges in kleinen überschaubaren Zeiteinheiten Dinge ausprobieren. Einerseits locker und ohne Versprechen auf Ewigkeit. Und andererseits mit der festen Absicht, einen Monat lang konsequent dranzubleiben. Beides für mich sehr lohnende Übungsaufgaben. Die Hoffnung ist, dass wenigstens ein Teil der neuen Gewohnheiten hängenbleiben wird.

Warum wollte ich jeden Tag die Hörbuchapp nutzen?

In unserem Gästezimmer (meinem Hobbyfriedhof) lagert ein Lesestapel. Einige der Bücher stehen dort schon seit Jahren, manchmal kommen welche dazu, sehr selten lese ich wirklich eins. Dabei habe ich als Kind sehr früh gelesen und Bücher verschlungen. Ich war von der Sorte „Wenn wir durch die Tür der Leihbücherei wieder nach draußen treten, hat sie einen Teil davon schon durch.“

Im Nachhinein halte ich meine Altersweitsichtigkeit für das Problem. Ich habe zwar zwei Lesebrillen, mit identischen Stärken, aber an verschiedenen Orten im Haus gebunkert. Leider haben sich meine Augen nicht immer an irgendwelche Konstanten gehalten. Es würde mich nicht überraschen, wenn auch das ein Symptom aus dem bunten Strauß der Wechseljahre wären.

Vorübergehend hatte ich eine Brille mit zwei Sehbereichen. Das war noch keine Gleitsichtbrille an sich, sondern eine Spezialidee des Optikunternehmens, das sich auf weiß reimt. Leider hat mir das Teil nicht weitergeholfen, wie gesagt, ich sah zu verschiedenen Zeiten sehr unterschiedlich scharf. Und dann eben oben und unten unterschiedlich verschwommen.

Als Alternative wollte ich mich mal bei den Hörbüchern umgucken. „On Tyranny“ von Timothy Snyder führte mich zu der Hörbuchapp, die ich aktuell noch immer nutze. Und dieses Buch hat mir sehr gut gefallen, genauso wie Pippi Langstrumpf auf Dänisch und „Die Wut die bleibt“ von Mareike Falwickl.

Nachdem ich mir einige Bücher auf die Liste gestapelt hatte, kam ich allerdings nicht mehr sonderlich voran. Mein Abobeitrag wurde monatlich abgebucht, ohne dass ich die App nutzte Vielleicht lag es auch am Konzept Stapel?

Für den August 26 hatte ich mir dann vorgenommen, jeden Tag mindestens zehn Minuten mit der Hörbuchapp zu verbringen und einfach mal zu sehen, ob eine vorübergehende feste Gewohnheit die Situation lockern könnte.

Wie bin ich vorgegangen?

Ich höre sehr gerne Podcasts beim Spazierengehen. Und hier vor Ort gehe ich viel zu Fuß, auch zu meinen Schüler:innen. Also habe ich einfach die Podcastzeit auf meine Hörbuchapp umgewidmet.

Die neue Gewohnheit habe ich wie bei den anderen Monatschallenges zuvor in meiner Habittrackerapp verankert. Erstens, um mich an meine Hörbücher zu erinnern, zweitens um mich mit dem digitalen Konfetti zu motivieren. Ja, ich muss mich zu Dingen motivieren, die mir Spaß machen.

Und manchmal habe ich die Hörbücher auch bei der Hausarbeit laufen lassen, damit das Aufräumen und Wäschezusammenlegen nicht ganz so langweilig war.

Jeden Tag die Hörbuchapp verwenden – Einsichten

Wenn ich Bücher höre, fehlt mir die Zeit für meine Podcasts. Einen davon, Talk ohne Gast mit Till Reiners und Moritz Neumeier, höre ich normalerweise jede Woche, sobald er veröffentlich ist. Nicht im August, denn zu der Zeit war ich mit Mareike Fallwickl unterwegs.

Hörbücher sind sehr ähnlich wie Podcasts. Sie sind eigentlich sehr spannend, auch durch die lebendig eingesetzten Stimmen der Vorlesenden. Trotzdem habe ich manche Stellen mehrfach zurück skippen müssen, weil ich an einem interessanten Baum vorbei kam oder an sonst etwas anderes gedacht habe. Mit Büchern zum Lesen passiert es mir nicht so leicht, dass ich an ganzen Szenen vorbei lese. Außerdem bekomme ich dabei auch nicht zwischendurch nervige Ohrwürmer.

Fremdsprachige Bücher lassen sich in ihrer Vorlesegeschwindigkeit herunterregeln. Gerade bei dänischen Büchern ist diese Einstellung in meiner Hörbuchapp ein Segen. Ich käme allerdings nicht auf die Idee, deutsche oder englische Bücher schneller zu hören, um Zeit zu sparen. Dann käme ich auch vor lauter Zurückspulen zu nichts mehr.

Was habe ich mit der Hörbuchapp gehört?

Den Fallwickl-Roman „Und alle so still“ habe ich erst Anfang September beendet. In meinem Augustrückblick hatte ich schon eine erste Einschätzung geschrieben, hier nochmal zum Aufklappen:

Und alle so still

Die Rezensionen zu diesem Buch gehen stark auseinander und das kann ich gut nachvollziehen. Das Buch ist in einem Wort gesagt drastisch. Fallwickl zeichnet ein schonungsloses Bild davon, was mit unserem System passieren würde, wenn Frauen sich nicht mehr für Care-Arbeit zur Verfügung stellten.

In der Geschichte legen sie sich draußen schweigend auf dem Boden. Ohne Schilder, ohne Slogans. Und nach und nach brechen unter anderem Pflege, Krankenversorgung und Lieferketten zusammen, bis sogar das österreichische Militär zum Einsatz kommt.

Die unterschiedlichen beteiligten Personen spielen ein Spektrum von möglichen Reaktionen durch. Solidarisch organisierte und gewaltbereite Männer genauso wie erschöpfte und unsolidarische Frauen. Die Gewalt findet zum Glück außerhalb der beschriebenen Szenen statt, was mir entgegen kommt, denn mein Gehirn kann damit nicht gut umgehen. Die Geschichte ist auch so teilweise bedrückend genug, allerdings auf eine angemessene Weise, wie ich finde.

Eine meiner Schülerinnen musste das Buch für die Schule lesen und vorstellen. Einerseits mal etwas anderes als der Deutschlektürenkanon aus alten Bücher von Männern, bei denen Frauen (wenn sie Glück haben) Deko sind oder Opfer, an denen die männlichen Protagonisten wachsen.

Andererseits frage ich mich, ob es nicht auch für diese spezielle zarte Seele ein anderer feministischer und kapitalismuskritischer Roman hätte sein können, der nicht ganz so erschütternd ist.

Nachdem ich das Ende gelesen habe, bin ich immer noch sehr angetan. Es kamen Figuren aus dem separaten Roman „Die Wut die bleibt“ vor, und das war ein willkommenes Wiedersehen. Auch das relativ offene Ende hat mich nicht gestört, genauso wenig wie die Tatsache, dass der Roman letztlich ein sehr lang angelegtes Gedankenexperiment ist.

Was ich in den September mitgenommen habe

Auch wenn die Zeit dann mal wieder am anderen Ende fehlen wird, werde ich den verbliebenen Stapel an Büchern in meiner Hörbuchapp durchhören. Trotzdem habe ich mir fest vorgenommen, keine neuen Geschichten dazu zu stapeln.

Aktuell höre ich „Gegenmacht“ von Arne Semsrott. Dieses Buch ist ähnlich erschreckend und inspirierend wie „On Tyranny“, allerdings spezifisch auf Deutschland bezogen. Den Vorgängerband „Machtübernahme“ werde ich im Anschluss hören. Bis zum Jahresende treffe ich dann eine Entscheidung, ob ich die App behalte oder das Abo dafür kündige.

Meine bisherigen Challenges

„Jeden Tag die Hörbuchapp einschalten“ war mein achtes Monatsprojekt. Bisher habe ich

Auch jetzt noch trinke ich weiterhin morgens Tee. Und es kommen auch oft Tanzpausen, Vokabeltraining und Musikeinheiten im meinem Alltag vor. Leider mache ich nicht mehr jeden Tag Sport, aber ich bin zuversichtlich, dass ich auch diesen Faden 2027 wieder aufnehmen werde.

Wie stehst du zu Hörbüchern?

Liest du selber lieber Bücher aus Papier oder in elektronischer Form? Und wenn du gerne Hörbücher konsumierst, wie bekommst du die Zeit dafür in den Alltag integriert?

Machst du parallel noch andere Dinge wie Hausarbeit oder Sport? Und welche Art Bücher hörst du gerne?


Im September hieß meine Monatschallenge „Jeden Tag früh ins Bett gehen“. Die fasse ich dann in den kommenden Tagen zusammen.

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Fediverse reactions

Kurzzeitig Forscherin in der Chemie, danach Lehrerin an Schulen in Schleswig-Holstein, jetzt als Nachhilfelehrerin selbstständig. Nach einer Rundreise durch die Stationen Ostwestfalen, Niedersachen, England, Potsdam und Dithmarschen bin ich wieder zurück im Kreis Pinneberg, wo alles begann.

Interessiert an meinen Mitmenschen und dem Wohl des Planeten, Sprachen, Mathematik, Naturwissenschaften und allgemein am Lernen an sich. Noch mehr über mich erfährst du auf meiner NowPage und meiner Über-Mich-Seite.


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