Monatsrückblick Mai 26 – Flieder und Fluxkompensator

Eine Kunstnstallation aus Treibgut am Strand. Der Himmel ist intensiv blau, der Sand fast weiß. Die Instaalation besteht aus einem senkrechten Pfosten, an dem viele Gegenstände aus Holz, Plastik und Metall kreuz und quer angebracht wurden.

Wer hat jetzt wieder so schnell durch den Kalender geblättert? Ich möchte nicht wieder eine zweimonatige Ausgabe schreiben wie für März und April, also präsentiere ich Ende Juni meinen Monatsrückblick Mai 26. Einfach, damit ich mich sortierter fühle. Und es war echt zauberhaft, durch den Photoordner zu scrollen.

Rückkehr der Geruchsnerven

Am Mai 26 hat mich am meisten gefreut, dass ich wieder Fliederduft wahrnehmen konnte. 2024 war der komplett aus meinem Gehirn gestrichen, 2025 nur ansatzweise wieder wahrnehmbar. In diesem Frühling haben Fliederblüten wieder fast zu 100% wieder so gerochen, wie ich es in Erinnerung hatte. Wenn auch dieser Sinneseindruck immer nach kurzer Zeit abriss und ich eine Weile warten musste, bis die nächste Blüte wieder ihr komplettes Spektakel entfaltete.

Beonders im Rückblick wird mir klar, wie traurig mich der Fliederduftmangel gemacht hatte. Es ist so eine scheinbar kleine Sache, aber für mich gab es diese Frühlingstradition, alle Bäume in meiner Umgebung abzuschnüffeln und den Fliedergeruch zu trinken. Außerdem ist die Vorstellung beunruhigend, dass das Corona-Virus offenbar meine Nerven beschädigt hat.

Jetzt habe ich aber wieder Hoffnung und insgesamt einen schönen Mai erlebt. Auch wenn ich wenig gebloggt habe.

Was hatte ich im Mai 26 vor und was ist daraus geworden?

  • Beltane feiern – Wie immer alleine und im kleinen Rahmen.
  • In die „Katzen!“-Ausstellung gehen – Mal sehen, ob ich Ende Juni ins Museum komme.
  • Ein paar Tage auf Amrum verbringen 👍
  • Mit dem Kurs „Learn Ubuntu“ anfangen. – Ganz vergessen.
  • Monatschallenge für Mai 26: Jeden Tag einmal tanzen. 👍
  • Mit voller Absicht weiter alte Emmerdale-Videos ansehen 👍
  • Mein Bedürfnis nach Snacks hinterfragen. – Auch vergessen.
  • Die Playlist zum Zentangle-Project-Pack 3 (YouTube-Link) durcharbeiten. – Da habe ich im Juni reingeguckt, aber noch nichts selbst gezeichnet.
  • Einen stabilen HabiticaGroove wiederfinden. – Ich bin dran, das bedeutet allerdings auch immer noch, weiterhin Dinge von der Liste zu nehmen.

Warum ist Amrum so schön?

Meine Eltern sind mit uns früher oft in den Sommerferien in Nordfriesland gewesen. Allerdings nie auf Amrum, obwohl meine Mutter dort getauft wurde und eine enge persönliche Beziehung zu dieser Insel hat. Ich selbst habe Amrum erst im November 25 für mich entdeckt. Und weil es uns so gut gefällt, unseren Hochzeitstag im ganz kleinen Zweierkreis and der Nordsee zu verbringen, haben wir uns dieses Jahr für einen Amrum-Kurzurlaub entschieden.

Zu Fuß unterwegs

Mir persönlich hat Nebel im November super gefallen. Auch wenn die Sonne immer sehr früh unterging. Dafür waren dann alle Fenster golden beleuchtet, und diese umfassende Dunkelheit am Himmel hat auch etwas Romantisches. Auch im Mai waren die Temperaturen nicht zum Baden geeignet, dafür war aber der Wind nicht so schneidend kalt. Entsprechend hatte die Schrittzählerapp viel zu tun. Ich bin dabei auch deutlich mehr herum gekommen als im Herbst.

Im Mai sind noch nicht so viele Tourist:innen vor Ort und gleichzeitig haben schon mehr Cafés und Restaurants mit veganen Optionen geöffnet. Und die Bohlenwege liebe ich wirklich, mit denen es möglich ist, die Dünenlandschaften zu erkunden, ohne dass die Natur darunter leidet. Allerdings gibt es immer wieder zwischendurch Treppenstufen, für die Barrierefreiheit ist noch Luft nach oben.

Kulturelles

Obwohl mein Vater geborener Nordfriese ist (daher auch mein Nachname), spricht er kein Friesisch. Auch Plattdeutsch hat er nicht an uns Kinder weitergegeben. Auf Amrum ist Friesisch überall präsent, in Straßennamen und Schildern mit Sprüchen an diversen Sitzbänken.

Wenn es um romanische Sprachen oder auch Dänisch geht, hat mein Gehirn eine Art Automatismus, mit dem es mir das Allermeiste an Wortbedeutungen erschließt. Bei Friesisch funktioniert das so ziemlich gar nicht. Mit einem Onlineübersetzungstool für Friesisch habe ich mir den Spruch gerade zurecht geknobelt. Okay, im Nachhinein doch nicht so schwierig zu erkennen bis auf das letzte Wort.

Hi maaget fann en fört en sonersliak.

Er macht aus einem Furz einen Donnerschlag.

Das Labyrinth kam mir dagegen kulturell sehr vertraut vor. Und dieses Mal sind wir es zu zweit abgelaufen. Gerade in dieser Umgebung, direkt am Wasser wirkte das extra stimmungsvoll.

Architektur und Natur

Die ganze Woche hatten wir quietschblauen Himmel. Mir ging mit der Zeit die viele Sonne schon etwas auf die Nerven, die lokale Architektur allerdings nicht. Daran kann ich mich nicht sattsehen, vor allem nicht in Nebel. Dort steht die Mühle aus dem zweiten Bild, der Leuchtturm ist weiter südlich. Den Aufstieg haben wir uns verkniffen, weil wir auch so schon genug Sport hatten.

Was auch für einen Inselaufenthalt im Mai spricht: Es waren überwältigend viele (Zug-)Vögel dort, die meisten mit der Aufzucht ihrer Küken beschäftigt. Und die Zeit des Sonnenaufgangs war auch ideal, um ihn aus dem Stubenfenster zu beobachten. Das wird wohl ab jetzt Tradition, Anfang Mai nach Amrum zu reisen.

Zurück in die Zukunft

Mein vorletztes Musical war „Anatevka“ in der Freilichtbühne Porta Westfalica Ende der Achtziger. Das letzte war der „König der Löwen“ im Londoner Lyceum in den Nullerjahren. Ansonsten bin ich eher nicht so Musical-affin. Als ich aber las, dass es eine Bühnenversion von „Zurück in die Zukunft“ gibt, war die Sache schnell entschieden. Und in der Bilanz hat mir die Vorstellung sehr gut gefallen.

Der Theaterraum an sich ist deutlich kleiner als ich es erwartet hatte. Und das Bühnenbild ist fantastisch: Wie viel Liebe zum Detail drinsteckte, fiel uns deswegen auf, weil wir noch am gleichen Abend nach der Show an einem Sonntagnachmittag den Film ansahen. Dabei gab es viel „Wow!“ und „Ach nein!“ Und auch die Dialoge waren zum großen Teil sehr nah am Original

Ich hätte mir gewünscht, dass die Musik aus dem Film stärker in die Lieder des Musicals eingeflossen wäre. Die Kompositionen klangen für mich weder sonderlich nach den Achtzigern noch nach den Fünfzigern.

Richtig anstrengend war für mich die Zeit nach dem Einlass und vor Beginn der Aufführung. Da fiepte im Hintergrund unerwartet laut ein „Computergeräusch“, wohl um eine Science-Fiction-Atmosphäre zu vermitteln. Das hätten sie gerne weglassen können, ich habe währenddessen versucht, mich durch tiefes Durchatmen zu entspannen.

Wenn auch manche Teile der Handlung umgeschrieben worden waren, die Grundgeschichte wurde sehr liebevoll transportiert. Und an einigen Stellen brachte die kreative Freiheit auch kleine Geschenke für Fans anderer Serien, zum Beispiel als die Tardis durch Doc Browns Traumsequenz flog.

Aus mir wird vermutlich nie der große Musicalfan. Trotzdem war Zurück in die Zukunft ein großes Mai-Highlight.

Was habe ich im Mai 26 gelesen?

Sadisten und Verkehrslärm

Der Artikel ist schon älter, ich wurde aber erst im Mai 26 darauf aufmerksam gemacht. Eine Studie brachte das nicht sehr überraschende Ergebnis hervor, dass Menschen, die gerne lärmende Fahrzeuge fahren, eine signifikant höhere Tendenz haben, männlich, Sadisten und Psychopathen zu sein.

Mich würde mal eine ähnliche Untersuchung zum Thema Böllern interessieren. Mein Verdacht ist, dass es dort ähnlich aussieht. Was wir mit den Ergebnissen machen, ist dann eine zweite Frage.

Was habe ich im Mai 26 gesehen?

Boomerwort des Jahres

Das Thema „Jugendwort des Jahres“ finde ich jedes Jahr wieder unangenehm. Die jungen Menschen, die ich in meinem Alltag erlebe, lachen jedenfalls oft über diese Tradition. Jährlich kratzen sich mittelalte bis alte Menschen am Kopf, was das nun wieder alles soll, Susanne Daubner gibt sich Mühe, das Jugendwort unfallfrei auszusprechen, und viele Jugendliche erklären, diese Begriffe gar nicht zu verwenden.

Als Alternativprogramm wird seit einiger Zeit das Boomerwort des Jahres (YouTube-Link) gekürt. Und zwar mehr oder weniger liebevoll und mit einem Augenwzinkern gemeint. In diesem Kurzvideo fordert „DerTim“ seine Fans dazu auf, in den Kommentaren Wörter und Sprüche aufzulisten, die sie mit älteren Menschen assoziieren.

Und ich muss sagen, ich habe ziemlich gelacht. Und mich in ein paar Dingen wieder gefunden. Vor allem die Klarsichthülle ist mir persönlich ein Anliegen. Denn immer, wenn meine Eltern mir ein vielseitiges Dokument übergeben, zum Beispiel Erinnerungen an ihre Kindheit, dann in Form eines Ordners mit allen gedruckten Seiten fein säuberlich einzeln in Klarsichthüllen. Fragen meinerseits nach PDFs per E-Mail verhallen ungehört.

Während „Schlendrian“ und „Drückeberger“ in der Generationendebatte deprimierend aktuell sind, habe ich mich über „Firlefanz“, „Larifari“ und „Mumpitz“ sehr gefreut. Letzteres verwende ich selbst oft, obwohl ich wohlgemerkt GenX und nicht Boomerin bin. Aber darüber, dass meine Kohorte in der Debatte oft nicht auftaucht, will ich mich beim besten Willen auch nicht beschweren.

Also große Empfehlung weniger für das Video als dieses Mal ernsthaft für die Kommentarspalte.

Der Wal und die Neurowissenschaft

Ich liebe das Format FunFacts. Das sind Videos von 10 bis 20 Minuten Länge, die täglich auf mehr oder weniger lustige Weise über eine große Bandbreite von aktuellen Phänomenen und Problemen informieren. Und zwar spendenbasiert und damit unabhängig.

Im Mai war unter anderem die Neurowissenschaftlerin Maren Urner (PeerTube-Link) dran. Ich höre ihr sowieso gerne zu, und dass sie die Geschichte um den gestrandeten Wal aufgegriffen hat, fand ich sehr passend. Es geht darum, warum wir glauben, was wir glauben und wie wir mit kognitiver Dissonanz umgehen. Also Themen, die mich auch auf meinem Blog immer wieder beschäftigen.

Maren schafft es, diese Mechanismen im Denken und der Kommunikation verständlich und ohne Vorwurf zu vermitteln. Aus meiner Sicht eine besonders hilfreiche FunFacts-Folge.

Was habe ich im Mai 26 gebloggt?

Tee statt Kaffee – Meine Challenge im April 26

Im April 26 hieß mein Monatsvorhaben „Tee statt Kaffee“. Lies hier, warum ich das gemacht habe und wie das meine Morgenroutine verändert hat.

Monatsrückblick März und April 26

Mein Monatsrückblick März und April 26: Illusionen, Kultur, ein Dorf in Yorkshire, ewiges Treppensteigen und Wut auf das System.

12tel-Blick Mai 26

Mein Beitrag zum 12tel-Blick Mai 26 zeigt die aktuelle üppige Natur in meiner Umgebung und den Frühlingshimmel im Mai.

Monatsrückblick Mai 26 in Mastodönekes:

Wenn mir im Fediverse bemerkenswerte Beiträge auffallen, setze ich immer ein Lesezeichen und sehe sie mir zum Ende eines Monats noch einmal an. Es beeindruckt mich immer wieder, welche bewegenden Worte meine Mitmenschen oft finden.

„Wenn die CDU/CSU der Ansicht ist, den Maifeiertag bräuchte es nicht mehr, weil 1886 schon so lange her und nur für einen kleinen Teil der Gesellschaft von ideologischer Bedeutung sei, dann bin ich gespannt, mit welcher Begründung wir weiterhin Ostern, Pfingsten und Weihnachten haben“

bee

„One of the great lessons in life is that we built this.

All of it.

And we choose throughout our days how we will continue or change the world we have built.

We can build differently.“

Natasha

„You guys… we made it all up.

ALL of it. Everything. Money. Bills. Gender. Capitalism. Femininity. Masculinity. Body image.

The 5 day workweek. Three meals a day. School. College.

Fashion. Expectations. Institutions. Holidays. Traditions.

Literally every single thing that we take for granted as just the way it’s done is fucking made up and I just feel like it’s really important that we remember that.“

Textkachel im Post von Natasha.

„Die Zukunft liegt aktuell in den Händen reicher alter Männer, die in eine nostalgisch verklärte Vergangenheit zurück wollen, in der sie unwidersprochen Schei*e sein durften.
Und zwar zu uns.
Zu Frauen.
Zu Queers.
Zu Migrant:innen.
Zu Armen.
Zu Arbeitnehmer:innen.
Zu Selbständigen.
Zu Kranken.
Zu Behinderten.
Zu Kindern.
Zu Jugendlichen.
Zu Arbeitslosen.
Zu Kreativen.
Zu Wissenschaftler:innen.
Also kurz gesagt zu allen außer zu anderen alten reichen Männern.

Ändern wir das!“

Carola Ottenburg

Und was war sonst noch los?

Ich habe meine Nase in jeden Vorgarten gereckt, der Flieder, Rosen oder Jasmin hatte. Auch wenn sich in meinem Bilderordner nur dieses Jasminblütenbild fand.

Der Orstverband von Bündnis 90/Die Grünen hat einen Vortrag über die Mobilitätswende in Halstenbek veranstaltet. Leider nicht sehr gut besucht.

Vorherige Mairückblicke

Mai 23: Ich habe bei einer Judith-Peters-Aktion über meine Bestimmung nachgedacht, bewusst mit dem Lesen wieder angefangen und an einer Critical Mass teilgenommen.

Mai 24: Wir haben in Sankt-Peter-Ording zu zweit unsere Silberhochzeit gefeiert. Außerdem gab es eine Familienmediation und Post für Politiker. Und dann hat zum ersten Mal der Flieder nach nichts gerochen.

Mai 25: Ich habe das Industriemuseum Elmshorn besichtigt und über Hoffnung nachgedacht.


Das war mein Monatsrückblick Mai 26. Schreibst du auch mehr oder weniger regelmäßig Rückblicke? Mir hat zum Einstieg die Anleitung von Judith Peters geholfen. 

Siehst du dir gerne Musicals an? Oder bist du lieber am Meer? Und wie stehst du zu Boomerworten?

Auf meinem Blog erscheinen regelmäßig Beiträge wie dieser in der

Fediverse reactions

Kurzzeitig Forscherin in der Chemie, danach Lehrerin an Schulen in Schleswig-Holstein, jetzt als Nachhilfelehrerin selbstständig. Nach einer Rundreise durch die Stationen Ostwestfalen, Niedersachen, England, Potsdam und Dithmarschen bin ich wieder zurück im Kreis Pinneberg, wo alles begann.

Interessiert an meinen Mitmenschen und dem Wohl des Planeten, Sprachen, Mathematik, Naturwissenschaften und allgemein am Lernen an sich. Noch mehr über mich erfährst du auf meiner NowPage und meiner Über-Mich-Seite.


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