Die relevant-Blogparade ist eine monatlich wiederkehrende Aktion. Immer am dritten Tag eines Monats haben Erik und Jürgen Fragen für uns, die aktuelle dreht sich um das Schreiben per Brief, E-Mail oder Chat. Ich gehöre zu den Menschen, die absolut nicht gerne telephonieren. Wenn ich die Option habe, etwas auf anderen Kanälen zu erledigen, bin ich glücklich. Wenn ich aber schriftlich kommuniziere, wie und wo mache ich das?
Per Brief oder Karte
Früher als Jugendliche habe ich oft Briefe geschrieben. Das war die Zeit, in der Briefpapier noch mit Liebe gesammelt und getauscht wurde. Auch heute noch habe ich neun Füller mit acht verschiedenen Tintenfarben in Betrieb. Leider fehlt es mir an Gelegenheit und an Briefpartner:innen.
Zuletzt habe ich per Brief mit Menschen aus der Politik schriftlich kommuniziert. Bei manchen habe ich mich bedankt oder um Beachtung einer speziellen Sache gebeten. Bei anderen ging es eher darum, dass ich konstruktiv aber klar mitgeteilt habe, womit ich nicht einverstanden bin.

Ich würde für diesen Zweck auch immer wieder echte Briefe empfehlen. Denn die guten alten Papierstapel, die „waschkörbeweise“ eintrudeln, machen einen anderen Eindruck als E-Mails. Letztere können schnell im Copy-Paste-Verfahren vervielfältigt werden. Ein handgeschriebener Brief braucht Zeit und Aufwand. Wer so etwas bekommt, kann sich denken, dass dahinter deutlich mehr Dringlichkeit steckt.
Von den Bündnisgrünen, den Linken und der SPD habe ich auf ausnahmslos jedes Schreiben Antwort bekommen. Bei der CDU nur ein einziges Mal, und zwar von meinem Kreisabgeordneten vor der Wahl. Danach hat auch er mir nie wieder geantwortet. Entsprechend bin ich aktuell nicht sonderlich motiviert, Briefe an Politiker:innen zu verschicken. Obwohl es eigentlich sehr angebracht wäre.
Karten zu schreiben macht mir Freude. Eine Zeitlang habe ich jedes Jahr zu Weihnachten um die 40 Karten verschickt, unter anderem, weil ich so eine große und weit verstreute Familie habe. Seit ein paar Jahren habe ich diese Zahl reduziert, hauptsächlich, um den Stress und Zeitaufwand aus meiner Vorweihnachtszeit zu nehmen.
Ein paar Kärtchen für „Post mit Herz“ sind aber immer dabei, auch zu Ostern. Diese Organisation versorgt Schreibwillige mit Adressen für Menschen, die sonst keine Post bekämen. Und auch hier fühlt sich eine Karte aus Papier anders an als ein elektronischer Gruß zum Feiertag.
Per E-Mail
Trotzdem: Wenn ich meine sämtliche Kommunikation per E-Mail erledigen könnte, das wäre ein Traum. Es hilft mir schon sehr weiter, dass ich Rezepte für dauerhaft notwendige Medikamente nicht mehr telephonisch anfordern muss. Warum mir der Schriftweg so viel angenehmer ist, kann ich gar nicht genau sagen. Es ist auch nicht so, dass ich an einer E-Mail besonders lange und liebevoll herum feile, eher weniger als an einem Blogbeitrag zum Beispiel.
Der Haken ist das Lesen der eingehenden Mails. Denn wenn ich schriftlich kommuniziere, kommen auch schriftliche Antworten zurück. Da hänge ich oft hinterher und lege mir immer neue Filterregeln zu oder bestelle rigoros Newsletter wieder ab, damit mich nicht die reine Höhe des Stapels davon abschreckt, auch vielleicht interessante Nachrichten zu hören.
Früher, was bei mir um die Jahrtausendwende war, war ich Mitglied in Mailinglisten. Bei dieser Austauschmethode haben alle Beteiligten E-Mails an eine zentrale Adresse geschickt und diese Nachrichten wurden dann wieder an alle anderen Personen auf der Liste ausgeteilt. Der Vorläufer der Facebookgruppe, privater als Foren, aber auch etwas unübersichtlicher. Ich habe über eine dieser Listen viele nette Menschen kennen gelernt, von denen ich mit einigen immer noch in Kontakt bin. Irgendwann hat sich dieses Projekt aber zerstreut, und ich weiß gar nicht, ob es diese Yahoo-Listen überhaupt in der Form noch gibt.
Per Chat
Chats sind ein ganz langes Thema. Einerseits störe ich mich nicht am generellen Konzept und einige Eltern von Schüler:innen empfinden Chats als schneller und flexibler und nutzen sie mehr. Für spontane Absagen oder sonstige Änderungen sind sie also das Mittel der Wahl. Auch meine Familienuntergruppen oder Aktivismusgruppen sind in Chatmessengern organisiert.
Allerdings lief es meistens so, dass ich mir immer wieder neue Messenger installiert habe, weil eine andere Person den einen oder anderen bevorzugte. Jetzt hänge ich mit meinen Eltern und Geschwistern im FB-Messenger fest und mit einer Cousinengruppe sowie Schüler:innen und deren Eltern auf WhatsApp. Das passt nicht gut zu meinem Wunsch, Meta komplett hinter mir zu lassen.
Eigentlich wäre es mir lieber, wenn ich mehrheitlich auf Signal schriftlich kommuniziere. Aber das läuft von der Gegenseite nicht so bereitwillig ab, wie ich mich bei Telegram, Discord oder sonstigem angemeldet habe. An einer Strategie feile ich noch.
Bei allen installierten Chats habe ich sämtliche akustischen Benachrichtigungen abgestellt. Wenn aus meinem Smartphone so ein Dauergepiepse und -geklingel heraus schalmeite, wie ich das bei anderen Menschen in meinem Umfeld beobachte, ich würde wahnsinnig werden. Ich lasse auch anderen Personen nicht anzeigen, ob ich online bin. Wer mich im Chat anschreibt, sollte nicht damit rechnen, dass ich garantiert sofort antworte.
Ein weiterer Haken an Chats sind Sprachnachrichten. Ich persönlich diktiere oft Texte in mein Handy hinein. Die muss ich im Anschluss noch korrigieren, aber warum es weniger Aufwand sein sollte, stattdessen eine Sprachnachricht aufzunehmen, verstehe ich nicht. Von der Senderseite her ist es fast derselbe Vorgang, aber ich als Empfängerin möchte lieber Texte lesen.
Unterm Strich findet also ein großer Teil meiner schriftlichen Kommunikation per Chat statt, obwohl ich davon oft gar nicht so begeistert bin. Es ist eher ein Entgegenkommen und ein Anpassen an die Gesamtsituation.
Richtig veraltete Methoden
Erik und Jürgen fragten auch nach Faxgeräten. Meine Eltern hatten tatsächlich mal eins, allerdings wohnte ich da schon nicht mehr bei ihnen. In meiner Erinnerung war das für die beidensehr praktisch, ein paar DIN-A4-Blatter einzuscannen, auf den Weg zu schicken und dann bei dem/der Empfänger:in anzurufen, ob schon etwas angekommen war 😀
Später, in meiner kurzen Zeit an der Uni Potsdam, habe ich einmal aus dem Büro der Arbeitsgruppe, in der ich als Forscherin arbeitete, ein Fax versendet. In meiner Erinnerung war es nicht das weltbewegende Ereignis. Da finde ich Smartphones als mobiles Universalwerkzeug mit einer Kamera und einer Messenger-App doch deutlich sinnvoller.
Meine Schwester hat sogar als Jugendliche mal aus Quatsch ein Telegramm verschickt. Da bin ich auch nicht traurig, dass es diese Methode nicht mehr gibt. Für die Zeit, als Telegramme aufkamen, waren sie sicher ein großer Schritt nach vorne. Heutzutage ist es kaum vorstellbar, was da für ein paar Worte für ein Aufwand betrieben wurde und wie üppig die Gebühren dafür waren. Ich habe im oben verlinkten Wikipediaartikel gelesen, dass die Deutsche Post diesen Service erst zum 31. Dezember 22 wegen mangelnder Nachfrage einstellte.
Was ist mein liebstes Kommunikationsmittel?
Nostalgisch gesehen mag ich handgeschriebene Briefe immer noch sehr gerne. E-Mails sind allerdings deutlich schneller in der Zustellung und brauchen weniger Material. Chats haben im Vergleich mehr Nervpotential und da fühle ich auch mehr Erwartungsdruck, auch wenn ich manchmal schon in der Laune dafür bin und die Schnelligkeit des Mediums zu schätzen weiß.
Wenn ich für den Rest meines Lebens nur eine Methode wählen dürfte, mit der ich schriftlich kommuniziere, wäre es mit Abstand die E-Mail.
Wie kommunizierst du am liebsten?
Magst du lieber mündlich oder schriftlich kommunizieren? Bist du ein Fan von Sprachnachrichten oder stressen sie dich auch so sehr wie mich?
Und wenn du lieber schreibst, hast du für dich einen Lieblingskanal gefunden?
Auf meinem Blog findest du noch sehr viele weitere Beiträge zu Bloparaden aus sehr unterschiedlichen Themenbereichen.



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