Täglich Müll sammeln – Meine Challenge im März 26

Ein kleiner grauer Mülleimer mit Deckel steht draußen zwischen Pflanzen

2026 nehme ich mir jedem Monat eine kleine Challenge vor. Das Prinzip habe ich mir von Astrid Engel abgeguckt. Es geht darum, meine vielen Ideen für neue Gewohnheiten und Vorhaben in die Realität umzusetzen, und zwar in einem überschaubaren und begrenzten Zeitfenster. Eine Art Versuchslabor, um zu sehen, wie mir die jeweilige Aktivität in den Alltag passt. Im März 26 hieß dieses Programm „täglich Müll sammeln“.

Dieser Beitrag schildert, wie das Projekt gelaufen ist, wie es sich auf mich und meine Umgebung ausgewirkt hat und welche Lehren ich daraus ziehe.

Warum wollte ich täglich Müll sammeln?

Eine ähnliche Aktion habe ich schon 2020 durchgeführt. Damals haben mich dazu die vielen Schnipsel und Feuerwerksreste angeregt. Auch dieses Jahr liegen noch jetzt Raketenteile und sonstiger Müll herum, und das geht mir sehr auf die Nerven. Ich lasse meine Augen gerne über das Grünstreifen neben den Wegen streifen, vor allem im Frühling, wenn jeden Tag neue Blümchen auftauchen. Da stört der Müll einfach.

Wie schon vor sechs Jahren wollte ich die Dinge nicht tatenlos hinnehmen, wie sie sind. Und ich wollte einen Monat lang sehr bewusst dabei vorgehen, ohne mir vorzunehmen, dass ich meine komplette Umgebung restlos aufräumen würde. Dass sich diese Übernahme von Verantwortung für mein eigenes Wohlbefinden auch auf andere Zusammenhänge übertragen lässt, war ein einkalkulierter Nebennutzen für mein Bewusstsein.

Wie bin ich vorgegangen?

Die Rahmenbedingungen

Mein Vorsatz war: „Bei jedem Gang zehn Teile Müll sammeln“. Ich gehe seit meiner Coronainfektion 2023 viele Wege zu Fuß, weil ich zunächst auch gar nicht mehr Fahrrad fahren konnte. Inzwischen ist es für mich normal, zum Unterricht bei Schüler:innen zuhause oder zum Einkaufen zu gehen. Das spart mir den Aufwand, mein Fahrrad anzuschließen und ich mag inzwischen auch die Entschleunigung.

Ursprünglich hatte ich mir gedacht, dass ich also immer auf dem Weg zum Einkauf oder einem Termin zehn Teile aufsammeln würde. Und dann weitere zehn auf dem Heimweg. Diese eher kleine Zahl war dazu gedacht, mich ein bisschen zu bremsen. Ich kenne mich ja schon ganz gut und bei manchen Aktivitäten neige ich dazu, kein Ende zu finden. Und ich wollte nicht auf meine Einkaufsstrecke eine halbe Stunde zusätzlich drauf satteln.

Die praktische Umsetzung

Im Rahmen meiner ersten Aktion 2020 habe ich mir eine Müllzange gekauft. Die spart das ständige Bücken und auch den Kontakt mit unangenehmen Abfallteilen. Zu Beginn des Monats habe ich noch eine Plastiktüte mitgenommen, in die ich den Müll sammeln konnte, und die ich zuhause in unsere Tonne ausgeleert habe. Ursprünglich wollte ich die Ausbeute auch noch jeweils vorher abwiegen. Später habe ich einen kleinen Mülleimer eingesetzt, weil die Tüte doch bei Wind sehr flatterig war.

Bei meiner Habit-Tracker-App Habitica habe ich die Sammelchallenge als Gewohnheit eingetragen. So gab es jeden Tag eine Handvoll digitales Konfetti, um mich zusätzlich zu motivieren.

Täglich Müll sammeln – Einsichten

Das Müllverhalten meiner Mitmenschen

Hier in Halstenbek sind viele Bereiche wirklich ordentlich. Und dann gibt es Stellen, vor allem bei der S-Bahnstation, die sehen immer grauenhaft aus. Aber auch vor manchen Wohnanlagen liegt so gut wie immer Kram herum. Manchmal Sperrmüll, der offensichtlich nicht angemeldet wurde, weil er wochenlang vor sich hin rottet. Manchmal eine Menge kurioser Kleinteile, unter anderem diese Tonbänder.

Mir will es nicht in den Kopf, was sich Menschen dabei denken, wenn sie Abfall in die Gegend werfen. Manche Dinge sind vielleicht auch verloren gegangen und weggeweht. Aber andere wurden bewusst zum Teil in Hecken gesteckt. Besonders ärgerlich und unverständlich finde ich Hundehaufenbeutel. An der Stelle ist es mir lieber, die Haufen werden ohne Plastikverpackung liegen gelassen. Insgesamt fand ich eine wilde Mischung von Böllerresten bis Reisenpuzzleteilen.

Zahlenmäßig mit weitem Abstand am meisten vertreten waren aber Zigarettenkippen. Und da fehlt mir jedes Verständnis, warum so viele Raucher:innen meinen, der Planet Erde sei ihr persönlicher Aschenbecher. Wenn sie Bestandteile aus dem Rauch herausfiltern, die sie nicht in der Lunge haben möchten, ist es nicht sonderlich logisch, sie in Gullys zu stecken oder in die Gegend zu schnippen, wo sie dann ihre Schwermetalle und Mikroplastik freisetzen und eventuell von Tieren aufgenommen werden.

Die Kippen waren auch die Müllfraktion, die am schnellsten neu wieder auftauchte. Ich bin generell keine Freundin von Zigarettenrauch und dieser Teil der Monatschallenge hat nicht geholfen, mich entspannter zu stimmen. Wer denkt, diese Filter seien ja im Grunde organischer Abfall, kann sie gerne auf dem heimischen Kompost unterbringen. Merkwürdig, dass das niemand zu machen scheint.

Gemeinsames Müllsammeln

Jedes Jahr gibt es hier im März eine gemeinschaftliche Aufräumaktion von der Gemeinde. Bisher habe ich diese einfach immer verpasst. Dieses Jahr habe ich nachgedacht, ob ich nicht doch auch mit anderen zusammen Müll sammeln will. Letztlich bin ich dann aber doch alleine mit meiner Zange losgezogen. Erstens, weil mir die Uhrzeit nicht gepasst hat, zweitens, weil ich wirklich lieber alleine aufräume.

Es ist super, dass es jedes Jahr solche Aktionen gibt, die Menschen miteinander verbinden und dafür sorgen, dass der gröbste Dreck wegkommt. Und gleichzeitig möchte ich hinterher weder einen Snack noch einen Schnack haben. Das ist vielleicht auch einer der Gründe, aus denen ich mich immer noch nicht der lokalen Klimagruppe angeschlossen habe, noch ein Lerneffekt für mich.

Unerwartete Anerkennung

Mir ist das schon 2020 passiert: Während des Aufräumens fragte mich schon damals jemand, was ich denn „Schönes“ sammele. Auch dieses Jahr wurde ich ein paarmal angesprochen. Diese Personen haben sich bei mir bedankt und gesagt, das müssten eigentlich viel mehr Menschen machen. Das sehe ich natürlich genauso. Interessant fand ich, dass diese Anerkennung nur von Frauen kam, die sich offensichtlich über meine Aktivitäten freuten.

Dass mich jemand anspricht, war von mir gar nicht beabsichtigt oder eingeplant. Was ich allerdings schon schön fände: Wenn sich durch mich jemand inspiriert fühlt, auch mal ein paar Schnipsel aufzuheben und in den nächsten Mülleimer zu werfen. Wenn mehr von uns das machten, sähe es da draußen deutlich anders aus. Groß unterhalten wollte ich mich gar nicht darüber, was ich da mache. Gefreut habe ich mich aber über die netten Worte schon.

Organisation ist alles

An manchen Tagen habe ich viel gesammelt, an anderen gar nichts. Woran lag das? Manchmal war ich spät dran zu einem Schüler und hatte dann nicht mehr die Muße für Nebentätigkeiten auf dem Weg. An anderen Tagen hat es geregnet und auf nassen Müll hatte ich keine Lust.

Es kam auch vor, dass ich einen halben Kilometer gegangen war, bevor mir auffiel, dass ich meine Zange und Tüte vergessen hatte. Und zu manchen Gelegenheiten wollte ich die Ausrüstung auch nicht mitbringen. Also habe ich zum Ausgleich an anderen Tagen mehr gesammelt.

Zwischen Sisiphus und Selbstwirksamkeit

Wie bei meiner ersten Aktion fiel mir der Abfall noch viel deutlicher auf. Dadurch nahm ich ihn in der Menge wohl auch stärker wahr. Es war gleichzeitig befriedigend und frustrierend, diese Schnipsel zu beseitigen. Denn meine zwanzig Teile sind ja wie ein Tropfen im Ozean. Und gleichzeitig lagen diese zwanzig Kippen nicht mehr in der Gegend.

Auch in anderen Zusammenhängen ist es ähnlich. Ich kann an vielen Situationen nur begrenzt etwas ändern. Aber meinen kleinen Teil kann ich beitragen. Davon ändert sich zwar das große Ganze nur wenig. Allerdings hilft es meinem Gefühl mir selbst gegenüber ziemlich weiter. Es geht mir besser, wenn ich nicht apathisch auf die Lage gucke und mich dazu verleiten lasse, gar nichts zu tun, nur weil die Mehrheit sich entscheidet, Probleme zu ignorieren.

Andere Menschen kann ich nicht ändern. Ich kann Steinchen ins Wasser werfen und dann abwarten, was passiert. Im Grunde geht es um die klassische Mischung aus Gelassenheit und Entschlossenheit. Für mich ist diese Lektion eine, die ich regelmäßig wiederholen muss, damit sie einsickert. Daher weiß ich jetzt schon, dass ich auch im März 27 gezielt Müll sammeln werde.

Was ich in den April mitnehme

Ich habe auch jetzt noch einen bewussteren Blick auf die herumliegenden Schnipsel. Trotzdem bin ich seit Ende März nicht mehr mit der Müllzange losgezogen. Es kann gut sein, dass ich mal zu einer größeren Sammelrunde aufbrechen werde. Aber erstmal nicht mehr auf dem Weg zu einem Termin. Bei Spaziergängen im Wald habe ich aber schon die eine oder andere einsame Kippe aufgehoben und bis zum nächsten Mülleimer getragen.

Die Notwendigkeit, sowohl gelassener als auch entschlossener zu werden, nehme ich auch für andere Zusammenhänge sehr bewusst mit.

Meine bisherigen Challenges

„Täglich Müll sammeln“ war mein drittes Monatsprojekt. Bisher habe ich im Januar meine Vorratsregale und -schubladen durchforstet und Lebensmittel aufgebraucht, damit sie nicht schlecht werden. Im Februar habe ich mich jeden Tag sportlich betätigt.

Was ist deine Haltung zum Thema „Müll sammeln“?

Hast du mal an einer Aufräumaktion teilgenommen? Oder hebst du auch gewohnheitsmäßig draußen Schnipsel auf?

Wie geht es dir damit, wenn du siehst, was andere Menschen achtlos in die Gegend werfen?

Und wie gehst du damit um, dass du nur einen sehr kleinen Teil der Welt retten kannst?


Im April heißt meine Monatschallenge „Tee statt Kaffee zum Frühstück“. Bisher läuft dieses Vorhaben echt glatt. Ich werde Anfang Mai ausführlich berichten.

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Kurzzeitig Forscherin in der Chemie, danach Lehrerin an Schulen in Schleswig-Holstein, jetzt als Nachhilfelehrerin selbstständig. Nach einer Rundreise durch die Stationen Ostwestfalen, Niedersachen, England, Potsdam und Dithmarschen bin ich wieder zurück im Kreis Pinneberg, wo alles begann.

Interessiert an meinen Mitmenschen und dem Wohl des Planeten, Sprachen, Mathematik, Naturwissenschaften und allgemein am Lernen an sich. Noch mehr über mich erfährst du auf meiner NowPage und meiner Über-Mich-Seite.


Kommentare

2 Kommentare zu „Täglich Müll sammeln – Meine Challenge im März 26“

  1. Ich sage nur Bravo zu so viel gelebter Zivilcourage.
    Das Böse ist dem Guten immer einen Schritt voraus.
    Das gilt leider ebenso für Menschen, die achtlos die Gegend zumüllen.

    Unter altmodischen Wanderern gilt die Regel:
    Wir lassen nichts zurück. Außer Schnaufern am Anstieg zum Berg.

  2. Ich sammle immer mal wieder was auf beim Spazieren, vor allem leere Zigarettenschachteln. Ich weiß schon genau, wo immer eine leere Schachtel West Light liegt – da scheint einer (ach, ich gender mal nicht) die jeden Tag aus dem Autofenster zu werfen.
    Was auch oft dabei ist: Tüten/Verpackungen/Becher von McDonald’s, leere Snackhüllen, leere Dosen und Flaschen (auch mit Pfand), aber auch leere Aufschnittpackungen. Einige Odenwälder scheinen beim Spazieren oder Autofahren Aufschnitt pur zu mampfen.

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