Aprilscherze – Warum ich keine mache

Selbstbeschriebener Wandkalender. Im Auschnitt ist der 1 April zu sehen und extra eingekringelt, daneben ist ein lachendes Emoji

Humor ist immer eine persönliche Sache. Vermutlich könnten viele Menschen sich über Dinge, die ich witzig finde, auch nicht so dauerhaft ausschütten vor Lachen wie ich. Im Gegenzug stehe ich jedes Jahr am 1. April auf dem Schlauch, warum es so notwendig ist, Menschen zum Scherz auf eine falsche Fährte zu locken. Aprilscherze sind aus meiner Sicht einfach merkwürdig.

Gute Scherze, fiese Scherze

Bei einer kurzen Internetrecherche fand ich ausgerechnet auf Studyflix eine Liste mit Ideen für Aprilscherze. Unter anderem schlägt diese Bildungsseite vor, rohe Pasta unter die Klobrille zu legen, damit Mitwohnende denken, sie hätten beim Hinsetzen etwas zerbrochen. Oder Lebensmittelfarbe in der Zahncremetube unterzubringen, um mal eine „andere Zahnfarbe“ zu erreichen.

Hier geht es darum, auf Kosten einer anderen Person zu lachen. Und wenn jemand sich wirklich zwischenzeitlich schlecht fühlt, bin ich tatsächlich sehr gerne die Spaßbremse.

Alternativ kündigen Firmen am 1. April gerne neue Produkte an, ohne dass es diese wirklich je geben würde. Es wurde auch schon über Dinge wie die Spaghetti-Ernte berichtet. In diesen Fällen hat wenigstens niemand zwischenzeitlich Sorge, zum Beispiel etwas kaputt gemacht zu haben. Gleichzeitig steckt auch hier die Absicht dahinter, jemanden anlasslos hereinzulegen.

Wenn solche Aprilscherze wenigstens schnell aufgeklärt werden, erkenne ich darin schon auch das freundschaftliche Necken, als das sie gemeint ist. Manche Geschichten sind auch wirklich relativ originell. Trotzdem verfehlt das alles irgendwie meine Art von Humor und meine Haltung. Alleine das „April, April!“ finde ich sonderbar.

Dem Comedian John Oliver gehen Aprilscherze unter anderem gegen seine Berufsehre:

„Day April Fool’s Day is to comedy as St Patrick’s Day is to Irish culture.“

John Oliver

John Oliver ist auch kein Fan von Streichen oder auf Englisch „pranks“:

„You trusted me and I betrayed that trust.

I betrayed you, isn’t betrayal fun?“

John Oliver

Das ist es, was mir so schräg herunter geht. Ich nehme oft Dinge wörtlich und mich nervt das „Hähä!“ nach so einem Scherz noch zusätzlich. Oliver nimmt in diesem Video sogar seinem Publikum den Schwur ab, niemanden in den April zu schicken. Soweit würde ich nicht gehen, aber ich bin auch keine professionelle Witzemacherin. Ich will nur nicht, dass Menschen, die mir etwas bedeuten, mich hops nehmen und auslachen.

Warum der feste Termin für Aprilscherze?

Eine überzeugende historische Erklärung für die April-Tradition scheint es nicht zu geben. Nur weil dieses Datum als Geburtstag des Judas Iskariot überliefert ist, muss ich niemandem einen Zettel mit der Aufschrift „Sorry für den Kratzer“ an das Auto kleben. (Noch so ein Studyflix-Tipp.) Und wenn der erste April angeblich ein Unglückstag ist, muss ich ja nicht noch zusätzlich Stress verursachen.

Überhaupt bin ich nicht überzeugt von der Idee, mir an einem bestimmten Tag im Jahr etwas zu Lachen zu verschaffen. Im Gegenteil, wir haben in den aktuellen Zeiten jede Gelegenheit für entlastenden Humor bitter nötig. Um es mit einem weiteren Profi zu sagen: Ich lasse mir vom Kalender nicht vorschreiben, wann ich Witze machen soll 😉

So stelle ich mich jedes Jahr auf diesen einen Tag ein, in dem ich tief durchatme und mich freue, dass wenigstens die Menschen in meinem direkten Umfeld mir nicht die Zähne färben wollen.

Wie sehe ich online-Aprilscherze?

Das Schöne am Internet ist seine Vielfalt. Wer gerne ein Phantasieprodukt verbloggen will, tut das. Und wer noch ein bisschen zusätzlich Fakenews auf den großen Haufen werfen möchte, hat dazu auch alle Freiheit, inklusive „Hähä!“ hinterher.

Wer dagegen mit mir gemeinsam die kollektive Hereinlegerei boykottieren möchte, ist dazu genauso herzlich eingeladen.


Auch bei diesem Thema freue ich mich sehr über alle Kommentare. Wenn dir dieser Beitrag gefallen hat, findest du weitere ähnliche Texte in der

Fediverse reactions

Kurzzeitig Forscherin in der Chemie, danach Lehrerin an Schulen in Schleswig-Holstein, jetzt als Nachhilfelehrerin selbstständig. Nach einer Rundreise durch die Stationen Ostwestfalen, Niedersachen, England, Potsdam und Dithmarschen bin ich wieder zurück im Kreis Pinneberg, wo alles begann.

Interessiert an meinen Mitmenschen und dem Wohl des Planeten, Sprachen, Mathematik, Naturwissenschaften und allgemein am Lernen an sich. Noch mehr über mich erfährst du auf meiner NowPage und meiner Über-Mich-Seite.


Kommentare

10 Kommentare zu „Aprilscherze – Warum ich keine mache“

  1. Ich muss gestehen, dass ich immer eine große Freude daran hatte, als wir hier in einem Monatsmagazin jahrelang jeden April ausschließlich mit verrückten Berichten füllten. Mal wurde dann verkündet, dass in einem Dorf nicht nur der Bachlauf nach einer Sanierung geöffnet wird, sondern dass der Ort dann in ein Klein-Venedig umgewandelt wird. Mal kam eine Geschichte darüber, dass alle Bürgermeister hier in Wirklichkeit dieselbe Person sind (was angesichts ihres sehr unterschiedlichen Aussehens haarsträubend war) oder dass eine Reithalle im Nachbarort in Wirklichkeit eine Kirche für Pferde ist. Ein Heft widmete sich nur total schrägen Herleitungen von Ortsnamen.
    Ich gestehe, ich vermisse das schon, und die Leute waren davon sehr angetan. Klar gab es immer mal wieder ein paar, die allen Fake-News-Kennzeichnungen zum Trotz etwas Wirres glaubten. Aber die meisten hatten sehr viel Spaß an unseren Satiren…

    1. Moin Katja 🙂

      Ich sehe ja auch den Charme von so wilden Geschichten. Ich glaube, mir geht einfach dieses kollektive Witzemachen gegen den Strich. Und auch, dass gegenseitige Hochschaukeln. Heute habe ich schon zwei Aprilscherze mitbekommen, die ich echt unlustig fand. Ist vermutlich wie für andere, die Weihnachten nicht mögen, während ich dann so richtig in meinem Element bin 😀
      Liebe Grüße
      Angela, professioneller Aprilgrinch

  2. Aprilscherzen mag ich eigentlich ganz gerne, solange sie abstrakt und gleichzeitig fantasievoll genug sind für die aktuelle Welt. Und aus meiner Sicht ist genau das sehr schwierig geworden.

    Scherze mit böswilliger Absicht zum Ekel oder Erschrecken der betreffenden Person mag ich ebenso nicht. Da bin ich ganz bei dir..

    1. Ja, die aktuelle Weltlage kommt erschwerend dazu. Vielleicht wäre ich auch ansonsten nicht so genervt von diesem Tag 🙂

  3. Hallo Angela,
    ich bin überhaupt kein Freund von Aprilscherzen und eher genervt von den vielen vermeintlichen Scherzen, die mich am 1. April überfluten. Etwas wirklich Originelles, über das ich zumindest schmunzeln kann, ist selten dabei. Ich habe ich mich daher sehr daüber gefreut, dass du das Thema in deinen Artikel aufgegriffen hast!

    Liebe Grüße
    Sabine

    1. Liebe Sabine,
      und ich freue mich sehr, dass du das hier drunter kommentiert hast. Ich komme mir so oft vor, als wäre ich auf diesem Planeten als Alien zu Besuch. Dass auch andere Menschen diesen kollektiven Reinlegetag nervig finden, beruhigt mach 🙂
      Liebe Grüße
      ANgela

  4. Oh ich mag Aprilscherze, die von guter Qualität sind, evtl. etwas Lokales auf die Schippe nehmen (ich hab früher welche fürs Lokalblatt geschrieben) oder eben intelligente Fakes. Und schaff es jedes Jahr wieder, meinen Schatz und andere in den April zu schicken, aber nicht mit Pasta unter Klobrille und solchem Mist!
    Und hab auch Freude, wenn ich selbst erstmal grübeln musz oder hereingefallen bin.
    In meiner Kinderzeit in der DDR durfte mein Vater mit Sondergenehmigung die „Naturwissenschaftl. Rundschau“ beziehen und wie haben wir da immer alle in der Familie auf den Aprilscherz gewartet und uns köstlich amüsiert!
    Komiker schaue ich mir nie an, meist find ich sie dämlich. Und sollte es Ausnahmen geben… kenne ich sie nicht. weil ich sowas nie anschaue!
    Liebe Grüsze
    Mascha

    1. Liebe Mascha,
      es gibt schon ein paar Komiker, die ich wirklich gerne sehe. Aber lustig sein und gleichzeitig nicht verletzend, das ist auch schon eine echte Kunst. Viele, auch viele Profis, beherrschen das eher nicht.
      Liebe Grüße
      Angela

  5. Liebe Angela,
    in den letzten drei Jahren habe ich auch einen Aprilscherz verbloggt, war zum Teil witzig, ihn zu ersinnen und zu schreiben, aber letzten Endes wäre ich aus eigenem Antrieb niemals auf die Idee gekommen.
    Die Einfälle, andere in die Irre zu jagen, fielen mir zunehmend schwer, womöglich weil ich wie du, jedem vertrauensvoll glaube, was er sagt oder schreibt und schon oftmals in die Falle getappt bin.
    Auch möchte ich, dass jedermann und -frau stets weiß, woran er und sie ist, das ist so ein Wesenszug von mir:-)
    Daher habe ich in diesem Jahr, dieser (Schein-)Tradition nicht mehr zu frönen und ganz bewußt keinen Scherz verbloggt.
    Witze auf Kosten anderer stoßen mich ab, da kann anfängliche Sympathie schnell ins Gegenteil umschlagen, somit stehe ich Comedy und Possen ebenfalls sehr skeptisch gegenüber.
    Vielleicht nehme ich mich und andere manches Mal zu ernst, das kann schon sein, doch warum mich verbiegen, wenn ich mich doch gut finde so?
    Von daher super und meine klare Unterstützung in deiner Abwehr und Distanzierung zu diesen wie auch immer gearteten Scherzen.
    Mit KREativen Grüßen zu dir
    Gabi

    1. Liebe Gabi,
      ich finde das echt interessant, dass ich gar nicht so alleine bin mit meiner Haltung. Es scheint auch ein bisschen so zu sein, dass beim 1. April „alle mitmachen, weil alle mitmachen“. Ich nehme meine Mitmenschen auch ernst und damit rassele ich auch manchmal mit der Erwartung anderer zusammen. Aber wie du will auch ich mich nicht verbiegen. Bisschen anpassen ist ja okay und ich nehme es auch anderen nicht übel, wenn sie Aprilscherze machen. Ich wollte einfach auch mal drüber sprechen, dass es eine andere Sicht auf diesen Tag gibt 🙂
      Vielen Dank für deine Worte dazu!
      Angela

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