Ein neuer Monat, eine neue Blogparade #relevant. Diesen Monat fragt Erik, wie zufrieden ich mit meinem Namen bin. Die wenigsten von uns suchen sich das selbst aus und der Vorname Angela war für mich manchmal nervig, aber insgesamt passt er gar nicht so schlecht zu mir.
Wie kam der Vorname Angela zu mir?
Meine Schwester heißt Susanne und eine meiner Tanten Angela Susanne. Trotzdem haben meine Eltern meiner Erinnerung nach immer erklärt, dass wir nicht nach ihr genannt wurden. Beide haben Listen mit Namensfavoriten zusammen gestellt und dann verglichen. Die Namen mit den meisten Punkten wurden an das jeweilige Kind vergeben. Eine längere Geschichte steckt also nicht dahinter, sondern einfach die ästhetischen Vorlieben meiner Eltern.
Ob es ein Vorteil oder ein Verlust ist, dass meine Geschwister und ich keine Zweit- oder gar Drittnamen bekamen, weiß ich nicht. Immerhin habe ich damit keine Platzprobleme bei Formularen.
Was ist schwierig an Angela?
Viele Menschen glauben nicht, dass der Vorname Angela existiert. Sie gehen davon aus, dass ich eigentlich Angelika heiße. Heute berührt mich das nicht mehr so sehr, aber als kleines Kind habe ich bei solchen Gelegenheiten geweint. Und ich kann gar nicht mehr genau sagen, was mich damals so geknickt hat. Heute stört mich hauptsächlich, dass andere Menschen glauben, besser über meinen Namen Bescheid zu wissen als ich.
Der Name bietet sich auch dafür an, „falsch“ ausgesprochen zu werden. Manche Angelas betonen ihren Namen auf der ersten Silbe, andere auf der zweiten. Ich gehöre zur Fraktion „zweite Silbe“. Und trotzdem gehen auch hier wieder andere Menschen davon aus, dass ihre Betonung richtig ist. Wenn eine Angela gerne auf der ersten Silbe betont werden möchte, ist das ja total legitim. In meinen Ohren klingt es aber unangenehm und wie Angler, jedenfalls nicht nach mir.
Um zu der Angelika zurückzukommen, die hat ja auch ein langes und betontes e. Auch wenn mein Name nicht Angelika ist 😉 Auch nicht Angie, weder deutsch noch englisch ausgesprochen. Obwohl ich wiederum das Lied von den Rolling Stones sehr gerne mag.
Dabei habe ich bisher noch nicht über die Bundeskanzlerin gesprochen. Sie gab mir ja zunächst Hoffnung, dass die Verwirrung um meinen Namen sich klären würde. Leider hat sie nur so ein bisschen geholfen. Stattdessen war auch sie mal Angie und mal Angler, wobei ich nicht einmal weiß, wie sie ihren Namen selbst betont.
Immerhin ist mein Vorname nicht so „kompliziert“ wie angeblich mein Nachname. Mir wurde mehrfach erklärt, er sei fast unmöglich auszusprechen und zu merken. Daran hat damals auch Peter Harry Carstensen (keine Verwandtschaft) als Ministerpräsident nichts geändert.
Inzwischen bin ich groß und höre meistens darüber hinweg, wenn jemand meinen Namen unerwartet ausspricht. In meinen Jahren in England war es unvermeidlich, dass ich [ˈæn.d͡ʒəl.ə] war und meinen Nachnamen grundsätzlich gar nicht erst genannt, sondern gleich buchstabiert habe.
Was daran ist so passend?
Mein Name ist die weibliche Form des lateinischen Wortes für Engel. Auch wenn ich nicht durchgängig lieblich mit meinen Mitmenschen umgehe, meine Grundhaltung drückt tatsächlich Neelix aus der Serie Voyager treffend aus:
„It’s nice to be nice“
Es ist einfach eine entspannte Lebenshaltung, wenn ich erstmal freundlich auf andere Menschen zugehe. Das heißt nicht, dass ich mir alles gefallen lasse. Aber ich gehe nicht von Anfang an davon aus, dass jemand böse Absichten hat. Streit zu suchen ist mir viel zu viel Energieaufwand.
Eine klassische Funktion von Engeln ist die Verbindung von ansonsten getrennten Welten. In meiner Nachhilfe und allgemein in meinem Alltag sehe ich mich an der Schnittstelle zwischen Sprachen, Mathematik, Naturwissenschaften, emotionalen Bedürfnissen und menschlichen Verhaltensmustern. In einem Berufungs-Seminar sagte jemand einmal zu mir: „Auf so einen Engel haben die Menschen gewartet.“
Das heißt nicht, dass ich mit einem Heiligenschein herumlaufe. Sondern dass ich für meine Schüler:innen Dinge miteinander verknüpfe, und sie dadurch beim Lösen ihrer Knoten unterstütze.
Ich fühle mich in diversen Zusammenhängen zwischen mehreren Stühlen. Einerseits und andererseits. Teile meines Inneren Teams sind so gut wie ständig gegensätzlicher Meinung. Meine Position in der Mitte kann ich dann als „weder noch“ interpretieren. Oder ich kann mich für „sowohl als auch“ entscheiden und meine Fähigkeit zur Verbindung annehmen und umsetzen. Nicht umsonst kehre ich immer wieder zum Tetralemma zurück, um einen Perspektivwechsel in meine alltäglichen Probleme zu bekommen.
Wie hätte ich meine Kinder genannt?
Es ist vermutlich gut, dass ich keine Kinder habe. Und zwar aus diversen Gründen. Auch bei der Namensfindung hätte ich die Sache sehr wahrscheinlich lange zergrübelt. Und ich hätte mir im Nachhinein auch nicht gerne Beschwerden angehört.
Als mein Bruder geboren werden sollte und einen Namen brauchte, haben meine Eltern wieder mit Listen gearbeitet. Aus einem familiendemokratischen Ansatz heraus durften meine Schwester und ich auch Namen vorschlagen. Ich war damals sechs Jahre alt und habe im Familienstammbuch gestöbert.
Ganz genau erinnere ich mich nicht mehr. Aber es waren wilde Vorschläge auf meiner Liste, Stanislaus zum Beispiel. Schlimmer noch, mein Vater bestätigte mir gerade, dass ich allen Ernstes dachte, mein Bruder könnte auch Adolf heißen. Zum Glück heißt mein Bruder heute weder Adi noch Stani.
Als Erwachsene wäre ich vielleicht informierter vorgegangen. Aber es freut mich, dass ich diese Verantwortung gar nicht erst übernehmen musste. Meine Katze und ihr Bruder hätten um ein Haar Rod und Todd geheißen. Ich denke nicht, dass das den beiden viel ausgemacht hätte. Trotzdem waren im Nachhinein die Namen Lilly und Leo erfreulicher.
Daran gemessen bin ich sehr einverstanden mit der Wahl, die meine Eltern damals getroffen haben.
Wie siehst du das?
Bist du glücklich mit deinem Namen? Oder würdest du gerne anders heißen?
Weißt du, wie deine Eltern auf deinen Vornamen gekommen sind? Und was er bedeutet? Ich wette, Erik freut sich auf viele weitere Teilnehmende.
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