Das Fediverse kann auch anders

Nahaufnahme einer kleinen Dalek-Figur, die in Richtung Kamera schaut

Normalerweise empfinde ich das Fediverse als sehr angenehm. Der Umgang miteinander ist meistens leichtherzig bis sachlich. Und auch wenn nicht alle in allem einer Meinung sind, kommen sie höflich miteinander aus. Ich finde es gerade spannend, auch mal andere Sichtweisen zu lesen. Und bisher dachte ich, ich könnte mich ziemlich darauf verlassen, dass das Niveau ganz anders ist als damals bei Twitter.

Erst Spielspaß dann trauriger Ernst

Das Gemüseturnier

Im November lief im Fediverse das sagenumwobene Gemüseturnier. Dabei traten zu Beginn 64 Gemüsesorten gegeneinander an, um in verschachtelten Beliebtheitsumfragen weiterzukommen oder auszuscheiden. In diesen wilden Zeiten war das ein Lichtblick.

Und viele Teilnehmende unterhielten sich mit Kolleg:innen am Mittagstisch, warum ganz klar der Brokkoli der Pastinake überlegen ist. Im Finale standen letztlich der Knoblauch und die Kartoffel, was für eine bezeichnende Entscheidung! Zur Freude der Mehrheit gewann der Knoblauch und anschließend konnten alle Gemüsesorten wieder harmonisch auf dem Teller miteinander auskommen.

Vegane Missverständnisse

Leider kam es in der Zeit danach zu unschönen Verwicklungen. Die hatten ausdrücklich mit der Veranstalterin und mit der Aktion des Gemüseturniers nicht direkt zu tun, sondern sehr indirekt. Allerdings behauptete eine Person schließlich, ich hätte sie in Privatnachrichten ganz schlimm mit Hass überzogen.

Sie hatte eine absolute Behauptung der Sorte „XY ist nicht vegan“ aufgestellt. Es handelte sich um einen bei Medien beliebten Mythos, der regelmäßig viele Klicks generiert, weil er so abstrus ist und Diskussionen garantiert. Entsprechend meldeten sich vegane Menschen, um klarzustellen, dass sie das anders sähen.

Ich versuchte, ihr den Hintergrund zu erklären, vor dem diese Menschen von dieser x-ten Wiederholung der Behauptung so verärgert waren. Außerdem gab ich ihr den Tipp, den Hashtag vegan nicht für nichtvegane Inhalte zu verwenden, wenn sie keine Debatte herausfordern will.

Sie erklärte mir ausführlich und mehrfach, warum ihre Behauptung aber doch wahr sei und forderte mich auf, ihr zu sagen, was sie machen solle. Ich sagte ihr, dass ich das alles langsam anstrengend fände und als sie mir einen Block androhte, habe ich an der Stelle sie entnervt blockiert, um Ruhe zu haben. Das war ab da alles, was ich wollte: Meine Ruhe.

Tagelang am Pranger

Stattdessen verlinkte sie in den folgenden Tagen regelmäßig öffentlich meinen Account. Immerhin ging es nur um mein privates und nicht mein geschäftliches Fediverse-Profil. Sie behauptete, ich hätte

  • Hassnachrichten geschickt,
  • als „Anführerin“ ihr Menschen zum Shitstorm auf den Hals gescheucht
  • und ihr verboten, den Hashtag „vegan“ zu verwenden.

Leider haben das viele Menschen ungeprüft und bereitwillig geglaubt und ihre Prangerposts zigfach geteilt. Ich wurde von vielen Menschen blockiert und immer wieder von einem Mob beschimpft, der weder mich kannte, noch wirklich wusste, was genau gelaufen war. Eine kleine Auswahl:

„kein wertvoller Mensch“

„Anti Demokraten“

„bösartig“

„Vegan-Taliban“

„Nervensägen“

„Unmenschen“

🤮

„Hier bitte justiziable Bezeichnung einsetzen“

„Deppen“

„nicht ganz klar im Kopf“

„Schariapolizei“

„Sekte“

„Arschkrampen“

„bekloppt“

„ekligerer Teil der Menschheit“

„Arschgeigen“

„Hooligans“

„Veganpolizei“

„nur, weil ihr voll Hass seid“

„Schwachmaten“

Einer der Beteiligten schrieb tatsächlich als Tipp für die vielen angeblich eintrudelnden Hassnachrichten:

„Alternativ kannst Du das natürlich immer auch an die Meute verfüttern“

Er hat da schon genau die richtigen Worte gewählt, denn so fühlte sich das an. Wie eine Meute.

Fürs Protokoll: Mir ist es egal, wer was unter welchem Hashtag ins Fediverse oder wo auch immer postet. War es auch vorher schon. Nur müssen sich Menschen nicht wundern, dass manche anderen Menschen genervt sind, wenn sie eigentlich Rezepte oder andere nette Beiträge erwarten, und dann erscheinen Dinge wie

„Dieses Essen ist nicht # vegan aber lecker“

oder

„Ich möchte manchmal die ganze # vegane Bubble anzünden.“

Beides tatsächlich so geschrieben. Das ist einfach nicht hilfreich, sondern Provokation. Aber wie gesagt, ich stelle das allen frei, habe ja auch überhaupt kein Recht, irgendwem irgendetwas zu verbieten.

Was mich so enttäuscht hat

Noch heute sitze ich fassungslos hier und frage mich, was da in der Kommunikation schief gelaufen ist, sodass ich plötzlich öffentlich als Hassperson da stand. Wirklich enttäuschend an der Geschichte war, wie der Mob sich immer wieder gegenseitig aufschaukelte, denn wie wir ja alle wissen, sind vegane Menschen militant und absurd und müssen ja die Aggressoren sein.

Ganz wenige haben sich zwischenzeitlich mal gewundert. Geschrieben, dass sie gar keine Hasskommentare sehen. Aber daraus haben sie nicht den Schluss gezogen, dass es jedenfalls öffentlich gar keinen Shitstorm gab. Sie haben sich das immer wieder irgendwie anders zurecht erklärt. Weil es ja nicht sein konnte, dass der Stress nicht von mir ausging.

Sie haben auch geglaubt, dass es Hass-E-Mails gegeben habe, obwohl nirgends eine E-Mail-Adresse auftauchte. Das logische und kritische Denken hatte anscheinend vor lauter Wut komplett ausgesetzt. Bei Menschen, die die exakt gleichen Dynamiken in anderen Zusammenhängen erkennen und massiv kritisieren würden.

Darunter waren Menschen, die von der vorausgehenden Debatte nichts mitbekommen hatten. Und andere, die mich eigentlich aus früheren Onlinebegegnungen kannten und von denen ich nicht erwartet hatte, dass sie mich als Hasskommentatorin einschätzen würden. Am Ende ist es ja so, dass es sich nicht lohnt, solche Dinge persönlich zu nehmen. Und es sagt auch mehr über die betreffenden Menschen aus als über mich.

Irgendwann habe ich die Profile nur noch blockiert, die diese gehässigen Posts über mich geteilt oder mir gegenüber verächtlich kommentiert haben.

Meine Lektionen aus diesem Onlinekonflikt

Trotzdem hat mich das getroffen und in dieser Zeit hat mir das viel Zeit und viel emotionale Energie weggefressen. Ich konnte schlecht schlafen und habe immer wieder nachgeguckt, ob sie sich immer noch über mich auslassen. Das hat mich besonders geärgert, dass ich da nicht standhaft geblieben bin und es nicht einfach ignoriert habe.

Vermutlich werde ich über dieses Erlebnis noch eine Weile nachdenken und mir überlegen, was ich daraus lernen will. Ein paar Erkenntnisse habe ich schon mitgenommen. Hier noch einmal für mich zur Erinnerung:

  • Nicht alles, was jemand über andere Menschen behauptet, muss der Realität entsprechen. Erst recht nicht online, auch nicht im sonst so vernünftigen Fediverse.
  • Wenn Menschen mich verurteilen, obwohl die mich und die Situation nicht kennen, hat das nichts mit mir zu tun.
  • Gruppendynamiken finden auf den kuscheligsten Plattformen statt.
  • Wenn mir mein Bauchgefühl sagt, dass eine Person gerade in der Vorweihnachtszeit mir nicht gut tun wird, dann halte ich mich in Zukunft gleich von ihr fern.
  • Von veganen Menschen wird im Zweifelsfall erwartet, dass sie besser gar nichts öffentlich zum Themenfeld Veganismus sagen, und wenn es denn unbedingt sein muss, dann in ganz viel Watte gewickelt. Aber am besten lieber wirklich gar nichts.

Wenn nicht alle gleich sind

Vor allem der letzte Punkt ist für mich eine Herausforderung. Denn die Tierhaltung für Konsumzwecke hat auf diversen, teils miteinander verknüpften Ebenen gravierende negative Folgen. Für den Planeten, die Tiere und für uns Menschen. Und da finde ich es schwierig, mich immer zurückzuhalten, um nur ja nicht anzuecken.

Zumal es nichtveganen Menschen deutlich eher zugestanden wird, sich zum Themenkomplex zu äußern, Fehler zu machen, schlecht gelaunt zu sein, Dinge misszuverstehen, Fehlinformationen zu behaupten, den eigenen Hashtag nicht mit Provokationen vollgestellt zu bekommen und offensichtlich reichlich gehässige Urteile über andere Menschen auszusprechen. Schließlich sind sie auch die Mehrheit.

Wie schön wäre es, wenn wir alle entspannter wären und gegenseitig mehr Nachsicht walten lassen könnten. Egal ob vegan oder nicht. Und das nicht nur im Fediverse.

Wie sind deine Erfahrungen?

Ist dir auch schon einmal so eine Geschichte passiert? Bei der du im Nachhinein nur staunen konntest, wie ein Aneinander-Vorbeireden so eskaliert ist?

Wenn ja, wie bist du damit umgegangen? Was hat es mit dir gemacht, dass Menschen dich für einen bösartigen Unmenschen gehalten haben?

Wenn nicht, freut es mich sehr für dich. Wie gesagt, bisher waren meine Erfahrungen auch ganz anders. Und ich hoffe, wenn sich der Staub gelegt hat, wird es auch für mich wieder ruhiger werden.

Fediverse reactions

Kurzzeitig Forscherin in der Chemie, danach Lehrerin an Schulen in Schleswig-Holstein, jetzt als Nachhilfelehrerin selbstständig. Nach einer Rundreise durch die Stationen Ostwestfalen, Niedersachen, England, Potsdam und Dithmarschen bin ich wieder zurück im Kreis Pinneberg, wo alles begann.

Interessiert an meinen Mitmenschen und dem Wohl des Planeten, Sprachen, Mathematik, Naturwissenschaften und allgemein am Lernen an sich. Du willst mehr wissen? Lies meine NowPage oder meine Über-Mich-Seite.


Kommentare

21 Antworten zu „Das Fediverse kann auch anders“

  1. Das Fediverse, bzw. speziell Mastodon, ist für mich die erste SocialMedia Plattform gewesen, auf der ich Ziel eines Shitstorms wurde. Insgesamt waren es 3 Shitstorms oder Shitstörmchen, je nach Anzahl der beteiligten Personen, bisher.

    Naja, in den Situationen wuchs die Blockliste dann sehr schnell an, weil der Meute mit Argumenten nicht mehr beizukommen war. Wenn man sich dann noch verdeutlicht, dass das in der Regel erwachsene Personen sind, die sich da gerade wie Kleinkinder benehmen, dann lässt man wohl jegliche Versuche zum Aufklären sein. Also ich zumindest.

    Ich habe irgendwann ein paar Änderungen an meinem Account vorgenommen. Wenn ich im Fediverse etwas schreibe, dann ist das meist nur für die Follower sichtbar. Die Follower geb ich einzeln frei oder lehne sie bei der Anfrage ab und ganz allgemein teile ich meine Gedanken nicht mehr so frei mit der Plattform wie zuvor.
    Und ich breche Diskussionen vorzeitig ab oder signalisiere, dass ich kein Interesse habe an Diskussionen mit entsprechendem Potential.

    Ich wünsche dir, dass du einen Weg findest damit zurecht zu kommen. Bei mir war das der Anfang vom Rückzug aus dem Fediverse bzw. generell dem SocialMedia.

    1. Ach Martha,
      das finde ich so schade. Ich hatte anscheinend ganz schön die rosarote Brille auf. Ich kann dieses selbstgerechte Schulterklopfen in der Gruppe, wie gut sie doch sind, während sie mich mit solchen Gehässigkeiten überziehen, rational kaum in meinem Kopf unterbringen.
      Auf jeden Fall werde ich in Zukunft großzügiger und schneller blockieren. Dass wir das überhaupt müssen, ist ganz schön armselig. Was mir gut getan hat, waren private Aufmunterungen anderer, die den Verlauf mitverfolgt haben und keinerlei Hass von meiner Seite aus feststellen konnten.
      Vorher war ich mal kurzzeitig auf Twitter und das war damals schon diese Geschichte hoch zehn. Möchte nicht wissen, wie es heute ist.
      Liebe Grüße
      Angela

      1. Ja, nach sowas sieht man klarer mit was oder wem man es da zu tun hat.
        Meine Bubble ist entsprechend abgegrenzt, also auch die meisten meiner persönlicheren Kontakte. Oder sie sind zu Bluesky weiter gewandert. Insofern gab es da michts was die Freunde hätten mitbekommen können.

        Man lernt ja dazu.
        Im Prinzip besteht der Account auf der Mastodon Instanz mehrheitlich deshalb, weil ich den Blogaccount nicht ohne Aufsicht lassen möchte, wenn sich daran jemand abarbeitet.. was auch bereits passiert ist.

        1. Da sagst du was. Ich habe ja das geschäftliche Profil, mit dem ich ein Auge auf meine Blogpräsenz haben kann. Aber die Tätigkeit mit dem privaten Profil werde ich herunterfahren. Mal sehen, wie weit.

  2. Liebe Angela,

    ich habe es ja mitbekommen und verstehe sehr gut, wie sehr dich das gestresst hat. In Social Media ist mir so etwas in dieser Ausformung noch nicht begegnet; dazu bin ich dort wohl auch inzwischen zu wenig aktiv. Und wenn mir im Fediverse jemand mit einem blöden Kommentar kommt, blockiere ich die Leute sofort.

    Generell habe ich Erfahrungen mit Leuten, die eine histrionische, borderlineartige oder narzisstische Prägung haben, und weiß, wie sie abgehen, manipulieren und auch unehrlich sein können.

    Ich habe so etwas schon im realen Leben erlebt. Es ging von einer Person aus, die über mich seltsame Dinge verbreitete (angeblich Eheprobleme, dass ich verrückt sei und außerdem in einer schwarzmagischen Sekte – Letzteres fand ich schon wieder eher lustig). Ich weiß bis heute nicht, wer das alles aufs Ohr gedrückt bekam und wer was davon glaubte.

    Zum Glück interessiert es mich relativ wenig, was Leute abseits von Partner und engen Freund:innen von mir denken, solange sie sich mir gegenüber halbwegs anständig benehmen.

    Fühl dich gedrückt!

    LG
    Katja

    1. Liebe Katja,
      mir tut es leid, dass dir im realen Leben sowas begegnet ist. Das ist ja nochmal schlimmer. Am Ende sind das bei mir ja nur Leute gewesen, die ich nie wirklich treffen werde. Die können mir eigentlich gar nichts.
      Danke fürs Drücken ♥️
      Angela

  3. Liebe Angela,

    was du da schilderst, klingt wirklich furchtbar. Ich selbst habe so etwas noch nicht erlebt, umso erschreckender ist es, zu lesen, dass so ein banaler Anlass so schnell eskalieren kann.

    Deinen Hinweis für den Gebrauch des Hashtags behalte ich mal im Hinterkopf. Bisher hatte ich dazu gar keine Awareness kann es aber total nachvollziehen, dass es nervt, wenn Leute ihn nur in der Negation verwenden oder um diese eine Frucht als nicht-vegan anzuprangern 🙄.

    Hör weiter gut auf dein Bauchgefühl und halt die Ohren steif!

    Liebe Grüße
    Astrid

    1. Liebe Astrid,
      es ist wirklich alles so erschreckend banal. Der eigentliche Anlass ist richtig unerheblich, und selbst das, was mir vorgeworfen wird, ist eigentlich zum Teil pillepalle. Bis auf das mit dem Shitstorm und den Hassnachrichten 😉

      Mit dem Hashtag ist es echt so, dass ich zum Beispiel auch nicht schreiben würde „Ich finde #Fußball blöd“ oder „In # Paris war ich noch nie und da will ich auch nicht hin“. Sehe da auch einfach den Nutzen nicht drin. Außer darin, dass diejenigen, die den jeweiligen Hashtag abonniert haben, meine vollkommen unerhebliche Meinung zu Fußball mitbekommen 😉

      Danke fürs Lesen,
      Angela

  4. Liebe Angela,
    Jetzt habe ich heute zum ersten Mal überhaupt erfahren, dass es ein „Fediverse“ gibt. Kannte ich nicht. Und ich glaube, nach Deiner Schilderung muss ich da auch nicht hin… es tut mir echt leid, dass Du diese Erfahrung machen musstest. So was belastet.
    Ich wünsche Dir eine erholsame Weihnachts-und Jahreswechselzeit!
    LG Kristina

    1. Liebe Kristina,
      das ist total schade. Denn im Grunde ist dieses Netzwerk anders als Meta und Konsorten. Es ist dezentral, ohne Algorithmen und ohne Werbung. Die Idee ist, dass Menschen sich online austauschen, informieren und unterhalten. Bis vor ein paar Tagen war es wirklich ein gemütlicher Ort für mich. Leider kannst du zwar das Soziale Netzwerk wechseln, aber anscheinend bleiben Menschen einfach Menschen. und manchmal brennen wohl die Sicherungen durch oder so.
      Dir auch eine wunderbare Weihnachtszeit!
      Angela

  5. Leider kennt so etwas fast jeder, der sich ein wenig intensiver in den asozialen Netzwerken tummelt. Ich habe aufgegeben, mir darüber Gedanken zu machen und alle Mitgliedschaften (auch im Fedivers) aufzugeben. Seitdem ist Ruhe im Karton. Ich beschränke mich auf meinen Blog. Dort herrscht zwar mitunter so was wie Grabesstille (im Vergleich) aber das ist aus meiner Sicht als Alternative zu dem von dir Geschilderten, dann auch nicht so schlecht.

    Ich finde deinen Umgang mit diesem kontreten Fall allerdings voll gut.

    1. Lieber Horst,
      vielen Dank! Aktuell denke ich auch, dass ich den privaten Account mittelfristig löschen werde. Da geht sowieso viel zu viel Zeit rein, die mir am anderen Ende dann fehlt. Danke für die lieben Worte, ich versuche das hier echt so konstruktiv wie möglich für mich zu verarbeiten. Vielleicht war das jetzt echt der Tritt, den ich brauchte, um meine Prioritäten wirklich mal neu zu setzen.
      liebe Grüße
      Angela

  6. Uff, krass. Tut mir leid, dass du so etwas abbekommen hast. Wobei ich schon öfter gehört habe, dass der Ton im Fediverse mituntern deutlich rauher sein soll als in anderen Netzwerken, weil sich da wohl mehr Menschen mit extremen Haltungen bewegen. Ich hab in das Fediverse irgendwie nie so richtig einen Einstieg gefunden und wenn ich das so lese, dann bin ich heilfroh… das klingt nämlich super anstrengend und nach absolutem Kindergarten.

    Liebe Grüße
    Anne

    1. Liebe Anne,

      ich kann das nicht bestätigen, dass der Ton rauher ist. Allerdings ist wohl die Erwartungshaltung höher. Wenn Menschen keine Bildbeschreibung mitliefern oder problematische Ausdrücke verwenden, gibt es schon mal Kritik. Der Ton selbst, in dem das rüber gebracht wird, ist allerdings in meiner Erfahrung eher gemäßigter als in den anderen Netzwerken. Vermutlich ist der Haken am Fediverse, dass sich dort überdurchschnittlich viele Menschen aufhalten, die klimabewegt sind oder denen eigentlich an einem solidarischen Miteinander liegt. Paradoxerweise gibt es dann Konflikte darum, wie dieses solidarische Miteinander auszusehen hat. Wer schon links ist und keine Kreuzfahrten macht, wird dann nicht gerne auf andere Leichen im Konsumverhaltenskeller angesprochen. Und dann fallen Menschen tatsächlich gerne in unreife Verhaltensmuster zurück. Das wirkt dann extrem, ist allerdings grundsätzlich der kognitiven Dissonanz geschuldet, die irgendwie abgebaut werden muss.

      Trotz allem werde ich im Fediversum verbleiben, wenn auch nicht mehr mit dem Privataccount. Der wird zum Ende des Jahres vom Markt genommen. Mein Erlebnisbericht ist aber nur ein sehr kleine Ausschnitt aus meinen drei Jahren auf Mastodon und war nicht dazu gedacht, komplett davon abzuschrecken 😉 Ich würde mir echt wünschen, dort wären noch mehr freundliche und entspannte Menschen, vor allem mit ihren Blogs präsent.

      Liebe Grüße
      Angela

  7. So wars leider schon vor zwanzig Jahren in den netten Bäumchenforen: Ein Troll reicht aus, um eine an sich angenehme/produktive/… Diskussion komplett ausarten zu lassen. Und manchmal isses echt so, dass man nichtsahnend seines Weges geht und plötzlich macht es „klick“ – Tretmine! 🙁 Dass sowas dann gerade einem so liebenswerten und freundlichen Menschen wie dir passiert, find ich doppelt doof! *knuddles*
    Son Shitstorm hängt ewig nach, auch wenn du „eigentlich weißt“ dass dir das alles getrost am Popo vorbei gehen darf (und auch sollte). Tuts halt leider nicht.
    Vielleicht über die Feiertage mal eine kleine Verschnaufpause einlegen, wenn möglich entsprechende Postings/Kommentare/user ausblenden (keine Ahnung, ob und wie das dort technisch möglich ist) und die Gelegenheit nutzen, deine Abwehrkräfte zu testen 😉
    Nee, ernsthaft. Du weißt, es wird wieder besser werden, aber erstmal tuts halt einfach weh… *knuddles*

    1. Danke Zaubsie!
      Es ist echt so, dass ich mir sage, dass die mir ja nichts können. Und dass ein anderer Teil in mir richtig geknickt ist, dass mir Leute so eine Schlechtigkeit zutrauen. Immerhin bekomme ich auch eine Menge Rückmeldungen, dass sich andere Menschen sehr wundern, wie das passieren konnte. Und das sagt mir, dass meine Innenwahrnehmung wohl nicht 100% falsch liegen kann 🙂
      Ja, da lässt sich eine Menge stummschalten oder blockieren. Leider sehen dadurch viele Konversationen super zerlöchert aus. Auch weil viele Menschen mich blockiert haben. Da habe ich keine Lust mehr drauf und den privaten Account werde ich löschen, auch um mal wieder weniger in diese Social-Media-Geschichte reingesogen zu werden. Mit dem Account, der zu dieser Seite gehört, starte ich mehr oder weniger fast neu und da werde ich dann viel weniger privat schreiben, viel weniger Geplänkel, aber mit der gleichen Haltung.
      Danke dir nochmal und ich wünsche einen zauberhaften Jahreswechsel!
      Angela

  8. Liebe Angela,
    das tut mir sehr leid für Dich. Du warst ja erst so angetan von Fediverse –
    Ich mag in *kein* „soziales“ Netzwerk gehn, denn ich erlebe genug Ausgrenzung und Diffamierung im RL und warum sollten die Menschen im Web anders sein? Es sind ja die gleichen. Und es ist wohl verdammt verführerisch, so richtig die Sau rauszulassen, wenn man sich nicht von Angesicht zu Angesicht geghenüber steht.
    So werden früher oder später alle guten Ansätze zerstört.
    Liebe Grüsze und trotz allem schöne Weihnachten
    Mascha

    1. Liebe Mascha,
      unterm Strich bin ich immer noch angetan. Es reichen manchmal ein paar wenige, um eine Situation richtig unangenehm zu machen. Deswegen sind allerdings die vielen anderen, die dort mit Herzblut und bewusster Freundlichkeit und Solidarität antreten, ja nicht auf einmal weg. Es ist kompliziert.

      Es tut mir leid, dass du Ausgrenzung erlebst, Menschen sind manchmal echt schwierig. Ich kann sogar dieses Bedürfnis, sich sicherer zu fühlen, indem eine andere Person runter gemacht wird, rational nachvollziehen. Ich lasse mir aber von diesen Leuten das Fediverse an sich nicht madig machen, gerade in den aktuellen Zeiten halte ich es für wichtig, dass wir uns nicht stumm schalten lassen, solange wir die Energie dazu haben.
      Dir auch schöne Weihnachten!
      Liebe Grüße
      Angela

  9. Ich bin entsetzt. das ist Mobbing. und ich habe kein Verständnis für das unkritische übernehmen irgendwelcher Behauptungen gegen Personen. das ist viel, viel schlimmer als die einzelnen Menschen, die solche Behauptungen in die Welt setzen.

    starker Artikel, sehr plastisch. richtig und wichtig, dass du darüber sprichst. dass du die Kraft dafür gefunden hast, ist wirklich stark. es tut mir nur einfach wahnsinnig leid, auch weil dir so viel Freude und Spaß und die Unbefangenheit geraubt wurde. das tut in der Seele weh.

    1. Liebe Maria,
      indem ich das so öffentlich gemacht habe, habe ich mir einen großen Teil der Kontrolle wieder zurück genommen. Ja, das war Mobbing. Und in deren Szenario sind sie die Held:innen, die das Monster verjagt haben. Verkehrte Welt.

      Dass auch normalerweise freundliche Menschen so leicht in so einen Sog verfallen können, sagt eine Menge über uns Menschen aus.

      Liebe Grüße und alles Gute für 2026!
      Angela

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