Wie ich schriftlich kommuniziere – Blogparade relevant Januar 26

Screenshot aus einem E-Mailprogramm, eine neue S-Mail ist geöffnet aber noch nicht adressiert. Der Betreff dreht sich daraum, wie ich am liebsten schriftlich kommuniziere

Die relevant-Blogparade ist eine monatlich wiederkehrende Aktion. Immer am dritten Tag eines Monats haben Erik und Jürgen Fragen für uns, die aktuelle dreht sich um das Schreiben per Brief, E-Mail oder Chat. Ich gehöre zu den Menschen, die absolut nicht gerne telephonieren. Wenn ich die Option habe, etwas auf anderen Kanälen zu erledigen, bin ich glücklich. Wenn ich aber schriftlich kommuniziere, wie und wo mache ich das?

Per Brief oder Karte

Früher als Jugendliche habe ich oft Briefe geschrieben. Das war die Zeit, in der Briefpapier noch mit Liebe gesammelt und getauscht wurde. Auch heute noch habe ich neun Füller mit acht verschiedenen Tintenfarben in Betrieb. Leider fehlt es mir an Gelegenheit und an Briefpartner:innen.

Zuletzt habe ich per Brief mit Menschen aus der Politik schriftlich kommuniziert. Bei manchen habe ich mich bedankt oder um Beachtung einer speziellen Sache gebeten. Bei anderen ging es eher darum, dass ich konstruktiv aber klar mitgeteilt habe, womit ich nicht einverstanden bin.

Ich würde für diesen Zweck auch immer wieder echte Briefe empfehlen. Denn die guten alten Papierstapel, die „waschkörbeweise“ eintrudeln, machen einen anderen Eindruck als E-Mails. Letztere können schnell im Copy-Paste-Verfahren vervielfältigt werden. Ein handgeschriebener Brief braucht Zeit und Aufwand. Wer so etwas bekommt, kann sich denken, dass dahinter deutlich mehr Dringlichkeit steckt.

Von den Bündnisgrünen, den Linken und der SPD habe ich auf ausnahmslos jedes Schreiben Antwort bekommen. Bei der CDU nur ein einziges Mal, und zwar von meinem Kreisabgeordneten vor der Wahl. Danach hat auch er mir nie wieder geantwortet. Entsprechend bin ich aktuell nicht sonderlich motiviert, Briefe an Politiker:innen zu verschicken. Obwohl es eigentlich sehr angebracht wäre.

Karten zu schreiben macht mir Freude. Eine Zeitlang habe ich jedes Jahr zu Weihnachten um die 40 Karten verschickt, unter anderem, weil ich so eine große und weit verstreute Familie habe. Seit ein paar Jahren habe ich diese Zahl reduziert, hauptsächlich, um den Stress und Zeitaufwand aus meiner Vorweihnachtszeit zu nehmen.

Ein paar Kärtchen für „Post mit Herz“ sind aber immer dabei, auch zu Ostern. Diese Organisation versorgt Schreibwillige mit Adressen für Menschen, die sonst keine Post bekämen. Und auch hier fühlt sich eine Karte aus Papier anders an als ein elektronischer Gruß zum Feiertag.

Per E-Mail

Trotzdem: Wenn ich meine sämtliche Kommunikation per E-Mail erledigen könnte, das wäre ein Traum. Es hilft mir schon sehr weiter, dass ich Rezepte für dauerhaft notwendige Medikamente nicht mehr telephonisch anfordern muss. Warum mir der Schriftweg so viel angenehmer ist, kann ich gar nicht genau sagen. Es ist auch nicht so, dass ich an einer E-Mail besonders lange und liebevoll herum feile, eher weniger als an einem Blogbeitrag zum Beispiel.

Der Haken ist das Lesen der eingehenden Mails. Denn wenn ich schriftlich kommuniziere, kommen auch schriftliche Antworten zurück. Da hänge ich oft hinterher und lege mir immer neue Filterregeln zu oder bestelle rigoros Newsletter wieder ab, damit mich nicht die reine Höhe des Stapels davon abschreckt, auch vielleicht interessante Nachrichten zu hören.

Früher, was bei mir um die Jahrtausendwende war, war ich Mitglied in Mailinglisten. Bei dieser Austauschmethode haben alle Beteiligten E-Mails an eine zentrale Adresse geschickt und diese Nachrichten wurden dann wieder an alle anderen Personen auf der Liste ausgeteilt. Der Vorläufer der Facebookgruppe, privater als Foren, aber auch etwas unübersichtlicher. Ich habe über eine dieser Listen viele nette Menschen kennen gelernt, von denen ich mit einigen immer noch in Kontakt bin. Irgendwann hat sich dieses Projekt aber zerstreut, und ich weiß gar nicht, ob es diese Yahoo-Listen überhaupt in der Form noch gibt.

Per Chat

Chats sind ein ganz langes Thema. Einerseits störe ich mich nicht am generellen Konzept und einige Eltern von Schüler:innen empfinden Chats als schneller und flexibler und nutzen sie mehr. Für spontane Absagen oder sonstige Änderungen sind sie also das Mittel der Wahl. Auch meine Familienuntergruppen oder Aktivismusgruppen sind in Chatmessengern organisiert.

Allerdings lief es meistens so, dass ich mir immer wieder neue Messenger installiert habe, weil eine andere Person den einen oder anderen bevorzugte. Jetzt hänge ich mit meinen Eltern und Geschwistern im FB-Messenger fest und mit einer Cousinengruppe sowie Schüler:innen und deren Eltern auf WhatsApp. Das passt nicht gut zu meinem Wunsch, Meta komplett hinter mir zu lassen.

Eigentlich wäre es mir lieber, wenn ich mehrheitlich auf Signal schriftlich kommuniziere. Aber das läuft von der Gegenseite nicht so bereitwillig ab, wie ich mich bei Telegram, Discord oder sonstigem angemeldet habe. An einer Strategie feile ich noch.

Bei allen installierten Chats habe ich sämtliche akustischen Benachrichtigungen abgestellt. Wenn aus meinem Smartphone so ein Dauergepiepse und -geklingel heraus schalmeite, wie ich das bei anderen Menschen in meinem Umfeld beobachte, ich würde wahnsinnig werden. Ich lasse auch anderen Personen nicht anzeigen, ob ich online bin. Wer mich im Chat anschreibt, sollte nicht damit rechnen, dass ich garantiert sofort antworte.

Ein weiterer Haken an Chats sind Sprachnachrichten. Ich persönlich diktiere oft Texte in mein Handy hinein. Die muss ich im Anschluss noch korrigieren, aber warum es weniger Aufwand sein sollte, stattdessen eine Sprachnachricht aufzunehmen, verstehe ich nicht. Von der Senderseite her ist es fast derselbe Vorgang, aber ich als Empfängerin möchte lieber Texte lesen.

Unterm Strich findet also ein großer Teil meiner schriftlichen Kommunikation per Chat statt, obwohl ich davon oft gar nicht so begeistert bin. Es ist eher ein Entgegenkommen und ein Anpassen an die Gesamtsituation.

Richtig veraltete Methoden

Erik und Jürgen fragten auch nach Faxgeräten. Meine Eltern hatten tatsächlich mal eins, allerdings wohnte ich da schon nicht mehr bei ihnen. In meiner Erinnerung war das für die beidensehr praktisch, ein paar DIN-A4-Blatter einzuscannen, auf den Weg zu schicken und dann bei dem/der Empfänger:in anzurufen, ob schon etwas angekommen war 😀

Später, in meiner kurzen Zeit an der Uni Potsdam, habe ich einmal aus dem Büro der Arbeitsgruppe, in der ich als Forscherin arbeitete, ein Fax versendet. In meiner Erinnerung war es nicht das weltbewegende Ereignis. Da finde ich Smartphones als mobiles Universalwerkzeug mit einer Kamera und einer Messenger-App doch deutlich sinnvoller.

Meine Schwester hat sogar als Jugendliche mal aus Quatsch ein Telegramm verschickt. Da bin ich auch nicht traurig, dass es diese Methode nicht mehr gibt. Für die Zeit, als Telegramme aufkamen, waren sie sicher ein großer Schritt nach vorne. Heutzutage ist es kaum vorstellbar, was da für ein paar Worte für ein Aufwand betrieben wurde und wie üppig die Gebühren dafür waren. Ich habe im oben verlinkten Wikipediaartikel gelesen, dass die Deutsche Post diesen Service erst zum 31. Dezember 22 wegen mangelnder Nachfrage einstellte.

Was ist mein liebstes Kommunikationsmittel?

Nostalgisch gesehen mag ich handgeschriebene Briefe immer noch sehr gerne. E-Mails sind allerdings deutlich schneller in der Zustellung und brauchen weniger Material. Chats haben im Vergleich mehr Nervpotential und da fühle ich auch mehr Erwartungsdruck, auch wenn ich manchmal schon in der Laune dafür bin und die Schnelligkeit des Mediums zu schätzen weiß.

Wenn ich für den Rest meines Lebens nur eine Methode wählen dürfte, mit der ich schriftlich kommuniziere, wäre es mit Abstand die E-Mail.

Wie kommunizierst du am liebsten?

Magst du lieber mündlich oder schriftlich kommunizieren? Bist du ein Fan von Sprachnachrichten oder stressen sie dich auch so sehr wie mich?

Und wenn du lieber schreibst, hast du für dich einen Lieblingskanal gefunden?

Auf meinem Blog findest du noch sehr viele weitere Beiträge zu Bloparaden aus sehr unterschiedlichen Themenbereichen.

Fediverse reactions

Kurzzeitig Forscherin in der Chemie, danach Lehrerin an Schulen in Schleswig-Holstein, jetzt als Nachhilfelehrerin selbstständig. Nach einer Rundreise durch die Stationen Ostwestfalen, Niedersachen, England, Potsdam und Dithmarschen bin ich wieder zurück im Kreis Pinneberg, wo alles begann.

Interessiert an meinen Mitmenschen und dem Wohl des Planeten, Sprachen, Mathematik, Naturwissenschaften und allgemein am Lernen an sich. Du willst mehr wissen? Lies meine NowPage oder meine Über-Mich-Seite.


Kommentare

13 Antworten zu „Wie ich schriftlich kommuniziere – Blogparade relevant Januar 26“

  1. Bei mir ist es ähnlich, telefonieren mag ich gar nicht. aber E-mail find ich gut und meist vollkommen ausreichend, mit Anhang, Links. Super. Brief wird bestimmt noch abgeschafft, wie in Dänemark. Gruß v der Loire, Ben

    1. Ich bin ja auch Nachhilfe-Lehrerin und wenn ich Grundschulkinder in Deutsch vorschlage, dass sie ja als Übungstext einen Brief schreiben könnten, gucken die mich immer an, als hätte ich etwas komplett Absurdes gesagt 😀 Das ist auch eine Generationensache, dass der Brief ausstirbt. Aber das ist dann so 🙂
      Liebe Grüße
      Angela

  2. Ich habe eine Anmerkung zu den Messengern: Ein Tipp im Podcast Logbuch Netzpolitik war, die Menschen dazu zu bekommen, Signal zumindest zusätzlich zu installieren – das ist ja kein großer Aufwand, die App ist kostenlos. Und dann, wenn man auf z.B. WhatsApp angeschrieben wird, auf Signal zu antworten und damit die Kommunikation „rüberzuziehen“. Und/oder bei den Messengern, von denen man weg möchte, erst abends oder mit einer anderen angemessenen Verzögerung zu antworten – beim selbst bevorzugten Messenger aber sofort/zeitnah.
    Mein Argument für Signal ist, dass ich es am Handy und Laptop synchron verwenden kann – damit habe ich auch meine Mutter als letzte in der Familie dorthin bekommen. Von den Familienmitgliedern, die gar nicht per Chats kommunizieren, abgesehen.

    Im Arbeitskontext kommuniziere ich sehr viel über Mattermost als Messenger, gefolgt von E-Mails und Videocalls. Vielleicht ein bisschen abseitiger: Auch Einträge im Wiki und Issues inkl. ihrem Fortschritt in GitLab würde ich als Kommunikation betrachten. Und dann gibt es natürlich noch Kommunikation face to face.

    Zu den Briefen an Abgeordnete: Ich habe dem SPD-Abgeordneten in meinem Wahlkreis geschrieben (einen physischen Brief, auch wenn nur Adresse und Unterschrift handgeschrieben waren) und leider keine Antwort erhalten. Danach war ich diesbezüglich sehr demotiviert.

    1. Danke für diese Strategie, die werde ich dann wohl mal implementieren ❤️ Und ja, das ist so demotivierend, wenn wir uns aufraffen und Menschen in der Politik anschreiben, und dann kommt nichts zurück 🙁

      Liebe Grüße
      Angela

  3. Oh, du nützt ja auch Thunderbird – cool! 😎

    Ich liebe das Mailen auch. 😍

    1. Huhu Lorenzo, ich muss die anderen Beiträge zur Januar-Edition noch lesen. Bin schon echt gespannt 🙂

      1. Ja, Angela 👍️

        Vielleicht schreibe ich auch noch etwas zur Januar-Edition. Ich muss sehen, wie ich mich fühle.

        1. Weiterhin gute Besserung!

  4. Danke für deine Teilnahme.

    Ich bin auch kein Freund von Sprachnachrichten beim Chatten. Aber es gibt halt Menschen, die sich mündlich besser ausdrücken können als schriftlich. Denen fällt eine Sprachnachricht halt leichter als ein Posting zu schreiben.

    1. Ja, ein Teil von mir kann das verstehen. Ein anderer hat da immer gleich Puls. Und wie gesagt, es gibt ja die Möglichkeit, einen Text zu diktieren, das ist vom Ablauf her ja fast identisch.

  5. […] Wie ich schriftlich kommuniziere – Blogparade relevant Januar 26 […]

  6. Oh ja, das hätte ich auch gern: ein Rezept per email erbitten! Macht aber bei uns hier absolut *keine* Praxis. Immer nur: rufense an, rufense an…. Ich weisz noch, wie jemand, der mir helfen sollte (den gibts aber schon lange nicht mehr), am Tresen nach einer email-adresse fragte, da ich nicht telefonieren könne. Antwort: Hammwa nicht, wo kämen wir denn da hin!“
    Ansonsten stimme ich Dir zu, ich mag auch email am lebsten. Meine Brief-Leidenschaft habe ich aus prekären Gründen ablegen müssen –
    Chatten geht gar nicht und Handy hab ich ja nicht.
    Telegramme waren in der DDR sehr verbreitet, da gab es sogar Schmuckblätter zu jedm Anlasz, das waren so A5-formatige bunte Karten, in die wurden die Schreibmaschinenzeilen des Textes eingeklebt.
    Es gab auch Übermittlungsfehler, z.B. bekam eine Freundin mal ein Telegramm von ihrem evangelikalen Glaubensbruder, der grüszte mit „Schalom“. Der normale Telegrafenamtsangestellte wuszte natürlich gar nicht, was das sein sollte und übermittelte „Slalom“. Wir haben uns amüsiert.
    Da damals kaum jemand Telefon hatte, waren Telegramme schon oft sinnvoll.
    Aber wenn ich an Reinhadt Mey denke, gab es die im Westen auch „Ankomme Freitag den 13. ….“
    Liebe Grüsze
    Mascha

    1. Liebe Mascha,
      danke für den Lacher mit Schalom und Slalom! Es war schon witzig, wie sich bei Telegrammen so eine super sparsame Sprache entwickelte. Und ich erinnere mich, dass es im Westen auch Schmucktelegramme gab, das hatte ich bis eben komplett vergessen.
      Gerade, wenn wir drauf angewiesen sind, ist es extra nervig, wenn E-Mails nicht gehen. Ich habe eigentlich noch einen Untersuchungstermin abzumachen, da habe ich eine zentrale E-Mailadresse angeschrieben, aber die meinten, ich müsste mich bei der regionalen Stelle telephonisch melden. Tja, und das schiebe ich jetzt mehr als drei Monate vor mir her 🙁
      Liebe Grüße
      Angela

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