Irgendwann im Dezember 25 wurde eine Frau, mit der ich im Fediverse verbunden bin, nostalgisch. Sie erinnerte sich an einen veganen Adventskalender auf (damals noch) Twitter, der wohl eine rundherum schöne Aktion war. Ein paar Kommentare hin und her und schon war der Beschluss gefasst: Wir machen etwas Schönes, um den Veganuary zu begleiten. Unter dem Arbeitstitel und späteren Hashtag „Vegane Vorsätze 26“ sammelte ich Freiwillige und Ideen für 31 Tage.
Eine der Motivationen war der Streit im Dezember. Der hatte mich unter anderem dazu gebracht hatte, meinen privaten Account zu löschen. Die Gemeinschaftsaktion fand daher auf meinem „offiziellen Profil“ statt. Und es war wirklich Balsam für meine Seele. Jeden Tag stellte eine andere Person Life-Hacks, Rezepte, Organisationen, Apps und sonstige Informationsquellen vor. Die Beiträge wurden wohlwollend geteilt und kommentiert, und von mir in einem langen Thread gesammelt.
Ein Vorteil am Fediverse ist es, dass Accounts umziehen können. Wenn mir eine Instanz nicht mehr gefällt, nehme ich meine Follower:innen und die Menschen, denen ich folge, einfach mit. Ich möchte im Februar mein @AngelaCarstensen wieder nach Norden.social verlegen, wo ich meinen Privataccount hatte. Die Instanz ist kleiner und ich bin mit ganzem Herzen Nordlicht. Außerdem ist mir Mastodon.Online im Vergleich zu groß und anonym.
Der Haken ist, dass Posts nicht mit umziehen. Der lange Beitrag für „Vegane Vorsätze 26“ wird bei der Gelegenheit verschwinden, genauso wie meine eigenen Beiträge. Daher verblogge ich jetzt und hier die ganze Aktion, um sie zu verewigen.
Meine eigene Beiträge zu „Vegane Vorsätze 26“
Blogtipps
„Tines vegane Backstube“ ist leider nicht mehr aktiv, zeigt aber, dass Kuchen ohne Ei nicht auseinander fallen. Den Nusskuchen hat sogar mein Mann ohne jegliche Backerfahrung erfolgreich hinbekommen und war im Büro der große Held.
Zwei Rezeptblogs, auf die ich mich bisher immer verlassen konnte, sind „Vegan Richa“ und „Bianca Zapatka“. Ich habe noch nichts von den beiden ausprobiert, was nicht geklappt hätte oder nicht ausgesehen hätte wie auf den Bildern.
Auf Simply Vegan findet ihr nicht nur Rezepte, Reviews, und Tipps für das vegane Leben unterwegs, um zu zeigen, „wie vielseitig die vegane Küche ist und dass es gar nicht schwierig ist, sich rein pflanzlich zu ernähren und zu kochen“.
An „Zucker und Jagdwurst“ finde ich so spannend, dass die beiden darüber schreiben, wie sie ihre Rezepte entwickeln. Das hilft auch einen ähnlichen Ansatz für die eigenen Küchenexperimente zuhause zu entwickeln.
Der Challenge22-Blog gehört zu einer Aktion, die leider auf Facebook stattfindet, deshalb bin ich dabei nicht mehr als Mentorin aktiv. Innerhalb von 22 Tagen werden Gruppen von Umstiegswilligen durch verschiedene Aufgaben begleitet, alles sehr postitiv, unterstützend und vor allem mit Ernährungsexpert:innen im Team.
„ProVeg News“ gehört zur internationalen Organisation ProVeg. Entsprechend findest du hier allgemeine Nachrichten über das vegane Leben und wie es sich gesellschaftlich entwickelt. „VegNews“ hat ähnliche Inhalte, allerdings auf Englisch.
Podcastempfehlungen
Mein zweiter Beitrag für „Vegane Vorsätze 26“ war eine Liste mit interessanten Podcasts. Der erste davon richtet sich an Sportinteressierte, besonders aufs Laufen bezogen: Bevegt.de ist auch selbst im Fediverse vertreten unter @beVegt.
„This is vegan“ dreht sich um Nachhaltigkeit und bietet regelmäßig Interviews mit sehr unterschiedlichen Persönlichkeiten. „Gans normal vegan“ möchte Menschen untereinander vernetzen, die sich in ihrem veganen Alltag alleine fühlen. Die Themen sind bunt gemischt und es gibt relativ häufig neue Episoden.
Der Podcast „Sag noch einmal B12“ von Dr Markus Keller beantwortet die Frage, ob vegan zu leben ungesund ist. Er arbeitet am Forschungsinstitut für pflanzenbasierte Ernährung (IFPE) und hat unter anderem eine ausführliche Studie an veganen Kindern durchgeführt.
Zwei meiner veganen Lieblingspodcasts sind auf Englisch: Die Chickpeeps werden leider schon länger nicht mehr aktualisiert. Allerdings sind die alten Folgen immer noch relevant und hörenswert. Evanna Lynch hat eine ganz zauberhafte Art, finde ich. Und in diesem unterhaltsamen englischsprachigen Podcast hatte sie immer wieder interessante Interviewgäste.
Colleen Patrick Goudreau ist schon seit Jahrzehnten vegan und informiert ziemlich genau so lange über die Philosophie dahinter. Besonders interessant finde ich ihre Kombination von Mitgefühl und Stoizismus. Ihr Podcast heißt „Food for Thought“.
Plant Based Treaty
Neben dem Tierrechtsaspekt hat die Umstellung auf vegane Ernährung eine Menge positiver Folgen für das Ökosystem Erde. Die Organisation „Plant Based Treaty“ verhandelt deswegen Abkommen mit Ländern, Kommunen, Unternehmen und Einzelpersonen. Das Idealziel ist, dass die gesamte Menschheit sich an den Grundsätzen „Eat plants. Plant trees.“ ausrichtet.
Einzelpersonen oder auch Unternehmen können direkt heute dem Plant Based Treaty beitreten. Darüber hinaus gibt es Material, um es an Kommunen weiter zugeben. Außerdem wäre es gut, wenn wir Menschen in Landesparlamenten und dem Bundesparlament immer wieder auf diese Möglichkeit hinweisen mit den Krisen unserer Zeit umzugehen.
Vegan zu leben ist grundsätzlich eine Frage der Gerechtigkeit und der Empathie mit unseren Mitgeschöpfen. Und gleichzeitig werden wir ohne eine globale Ernährungsumstellung als Menschheit kaum eine echte Zukunft haben.
Vegane Ernährung bei Unverträglichkeiten
Viele Menschen mit Allergien und Unverträglichkeiten wären gerne vegan, fragen sich aber, was sie dann noch essen sollen. Wenn zum Beispiel Soja, diverse Gemüsesorten oder Gluten problematisch sind, scheint der übrig bleibende Speiseplan eher schmal zu sein. Zum Glück gibt es Rezeptblogs, die sich der veganen Küche ohne diese Allergene widmen.
Stefanie Grauer, Gründerin von KochTrotz.de hat selbst Erfahrung mit Histaminintoleranz und im Laufe der Zeit über 1500 Rezepte zusammengestellt. Nicht alle davon sind vegan, allerdings lassen sich die Rezepte ohne tierische Bestandteile und zusätzlich individuelle Allergene heraus filtern.
Die Vegan Taste Week ist eine Aktion der Albert-Schweitzer-Stiftung, bei der Interessierte in Eigenregie, aber mit unterstützenden Infos, eine Woche lang veganes Leben ausprobieren. Bei den Rezepten gibt es einen Filter für jeweils sojafreie, glutenfreie, nuss- und sesamfreie oder fructosearme Gerichte.
Chantelle Kitchener betreibt die Plattform Vegane Familien. Ihre Rezeptsammlung enthält die Kategorien glutenfrei, sojafrei, histaminarm, Low-FODMAP, nussfrei und sorbitfrei. Das Ganze mit einem Blick auf familientaugliche Küche. Dazu ist zu sagen, dass sie die Seite von Carmen Hercegfi, einer veganen Ernährungsberaterin übernommen hat.
Vegan zu leben sollte sich nicht nach Verzicht anfühlen. Für Menschen ohne Unverträglichkeiten ist der Umstieg meistens eine kulinarische Erweiterung des Horizontes. Genauso haben auch Allergiker:innen Essen mit Genuss verdient.
Ärzte gegen Tierversuche
Eine vegane Lebenshaltung beschränkt sich nicht nur auf die Ernährung. Viele Menschen entwickeln nach der Umstellung ein Bewusstsein dafür, wo überall die Gesellschaft Tiere ausbeutet und ihnen Leid zufügt. Tierversuche sind hier ein sehr trauriges Kapitel.
Zum Glück gibt es seit 1979 (!) den Verein „Ärzte gegen Tierversuche e.V“. Sie recherchieren Publikationen in diesem Themenbereich und klären auf verschiedenen Wegen auf. Auf ihrer Webseite listen sie solide Argumente für medizinische Forschung ohne Tierversuche.
Unter anderem ist es nämlich zum Beispiel so, dass „95 % aller in Tierversuchen für sicher und wirksam befundenen Arzneien beim Test in der klinischen Prüfung“ scheitern. Die dabei „verwendeten“ Tiere wurden also völlig ohne Nutzen medizinischen Prozeduren unterzogen. Ich bin sicher, vielen Menschen ist das in diesem Ausmaß gar nicht bewusst.
Entsprechend beantworten die „Ärzte gegen Tierversuche“ die Frage, was die Folgen wären, wenn wir Tierversuche ganz abschafften:
„Wir Menschen würden von einer besseren, wirksameren Medizin profitieren.“
Ärzte ohne Tierversuche e.V.
Was auch vielen Menschen nicht bekannt sein dürfte: Es gibt tierversuchsfreie Forschungsmethoden, unter anderem Miniatur-Organe auf Chips. Außerdem sind auch Computersimulationen schon heute in der Vorhersagekraft Tierversuchen oft deutlich überlegen.
Wenn dir also in Zukunft jemand erzählen will, dass Tiere leider auch weiterhin für die Entwicklung von Medikamenten und Behandlungsmethoden ausgenutzt werden müssen, weißt du nach der Lektüre der ÄgT-Webseite besser Bescheid.
Andere Beiträge für Vegane Vorsätze 26
Die folgenden Links führen zum Teils in das Fediverse, zum Teil auf andere Blogs.
Rezepte
Von Seitansbraten gab es Anleitungen für Käsekuchen, Pfannkuchen und einen Schokoladenkuchen. In einem weiteren Post gab es von ihr ein Rouladenrezept.
Renate Mack teilte gleich einen ganzen Schwung einfache Alltagsrezepte und eine Sammlung von Rezepten mit veganem Hack sowie Tipps zur Verwendung.
Enadia verriet, wie vegane Mayo einfach selbst herzustellen ist.
I. L. Villiam erklärte anschaulich, wie aus einer Gemüsekiste mit wechselndem Inhalt ohne viel Aufwand ein leckerer Eintopf gezaubert werden kann.
Anya Karl bescherte uns vier asiatische Rezepte mit reichlich Chilli und Tofu.
Fayuna stellte ein Rezept für eine Bolognese auf Basis von gebackenem Tofu vor. Denn auch wenn sie praktisch sind, ist es nicht notwendig, vegane Fertigprodukte zu verwenden. Zum Abschluss der Reihe verriet sie drei verschiedene Methoden, veganen Käse selbst zu machen.
Miki zeigte uns, wie er eins seiner Lieblingsgerichte vom Balkan veganisiert hat: Gibanica, eine gebackene Schnecke aus Strudelteig gefüllt mit fermentiertem Tofu.
Martin Kubler teilte Rezepte für vegane Cocktails und stellte klar, warum manche Zutaten nicht rein pflanzlich sind.
Freya Rants Crispy Sesam Tofu muss ich ganz dringend mal probieren. Vor allem mit so einem Gemüseregenbogen in der Bowl.
Dolmengi nahm uns mit in die koreanische Küche, dabei gab es Gemüsepfannkuchen mit drei Saucen.
Ein weiteres Balkangericht gab es von Enola Knezevic, und zwar „Posna Sarma“ eine serbische Fastenspeise in Form von speziell gefüllten Kohlrouladen.
Als große Überraschung gab es von Lichtscheu noch einen Bonuspost zum 1. Februar. Auch sie hat ein altes liebgewonnenes Rezept veganisiert, und zwar einen Schokoladenkuchen aus Kindertagen ihres Mannes.
Martin Kubler stellte auch Apps für den veganen Alltag vor. Unter anderem helfen sie, sich im Wirrwarr der Labels und Zutatenlisten zurechtzufinden.
Renate Mack lieferte eine Art Starterpack in das vegane Leben: Womit kann ich vegan überbacken? Wie mache ich Aufstriche einfach selbst? Und was lohnt sich, immer im Haus zu haben? Außerdem erklärte sie, welche Produkte oft unerwartet nicht vegan sind. Spoiler: Die Feige war nicht dabei.
Karin erklärte das Gegenteil, nämlich Produkte, die vegan sind, obwohl damit nicht auf den ersten Blick zu rechnen wäre.
Organisationen
Lichtscheu informierte über die Webseite Landwirtschaft.Jetzt, die beleuchtet, welchen Einfluss die Tierhaltung für Ernährungszwecke auf Umwelt und Klima hat.
In ihrem zweiten Beitrag ging es um Faba Konzepte, eine Organisation, die landwirtschaftliche Betriebe bei der Umstellung auf reine Pflanzenproduktion unterstützt.
Ein dritter Beitrag von Lichtscheu drehte sich um „Mensch Tier Bildung“. Dieser Verein informiert durch Workshops an Schulen Kinder und Jugendliche über das Leben von Tieren in der Landwirtschaft.
Sonstige Informationen
Die Autorin Amalia teilte einen Blogartikel über vegane Personen in der Belletristik.
Enadia erklärte, wo bei einer pflanzenbasierten Ernährung die Proteine herkommen. Außerdem räumte sie mit einem Plädoyer für Tofu mit weit verbreiteten Mythen auf.
Der Bundeskater gewährte auf seinem Blog Einblick in seine Kochbuchsammlung und seine Backbuchsammmlung.
Rückblick auf Vegane Vorsätze 26
Es sind naturgemäß viele Rezepte zusammen gekommen. Aber dies waren erstens sehr bunt gemischt und außerdem gab es nebenbei auch sehr viel Unterhaltsames und überraschende Informationen über den Alltag und Einflussmöglichkeiten für eine nachhaltige Zukunft.
Ich werde diese Aktion im Januar 27 wiederholen, das steht für mich jetzt schon fest. Mir hat diese positive, bestärkende Atmosphäre sehr gut getan. Und mal sehen, wie ich durch den Februar komme, ohne morgens schon interessiert durch meinen Feed zu stöbern, ob der versprochene Beitrag des Tages schon online ist.
Wie sieht es bei dir aus?
Hast du mal beim Veganuary mitgemacht, vielleicht sogar im Jahr 2026? Hast du auch vegane Vorsätze 26? Oder hast du dir etwas ganz anderes vorgenommen?



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